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ES

31. Jahrgang,

Hulda, Donnerstag, den 3. November 1904.

M 252

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Druck und Verlag der 8uldaerActiendrucker»> in Zulda (Harmonik 8<rnsprrcher Ur. 9.

täglich, «U £5S«e der >«««■ SStitrtofl** vierte!» ” vringerlohn und

MaerW Zeitung

" Monatrbeilage: „Zuldaer GeschichtLÄStter".

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Der Wormser Zynodaltag.

Soweit man aus den Zeitungsberichten er­sehen tarnt, war der Ton auf der Wormser Eynodalen-Versammlung weit vornehmer und zurückhaltender als auf den Versammlungen.des Evangelischen Bundes. Wilde Fanatiker, wie Superintendent Meyer aus Zwickau odrr Thüm- ms! wurden dort nicht „loSgelaffen", um gegen „Rom" zu toben. Vielleicht ist der Grund darin gu suchen, daß man eS mit einer auserlesenen Schar von 600 Synoda len zu tun hatte, die unter sich waren Vielleicht hielt man für den Anfang auch Mäßigung aus Klugheit für geboten, da offenbar noch viel Mißtrauen gegen die Neu- gründung besteht, das man zerstreuen möchte, um möglichst viel Anhang zu gewinnen und sich nicht von vornherein zu verschiedenen Forderungen den Weg zu verlegen.

Angenehm berührt es, daß man im Gegen­satz zu dem rein nrgirenden und polemisierenden Evangelischen Bunde ein großes Gewicht auf die positive Arbeit legt. Immer wieder wird betont, daß man die Protestanten sammeln, einigen, organisieren, da« evangelische Bewußtsein heben, die Gemeindearbeit vertiefen, größere Be­wegung! freiheit für die protestantische Kirche er­ringen, sie von dem Bureaukratismus losmachen, eine umfassende soziale Tätigkeit entfalten müffe usw. Demgemäß wird auch als Zweck des neue.i Synodaloer bandes Stärkung des gemeindlichen und synodalen Lebens und Förderung der kirch­lichen Einheitsbestrebungen auf synodaler Grund­lage bezeichnet. Aber schließlich bleibt doch der ganze „PofitiviSmuS" ziemlich ungreifbar. Vor allem wird ein „positives" Bekenntnis offenbar geflissentlich gemieden. Nirgends ist, so viel wir sehe», davon die Rede, daß man sich zum „poft- tiven" und „orthodoxen" Christen-Glauben, zur Gottheit Christi usw. bekenne. Man will nirgends anstoßen und niemand abstoßen und deshalb ver­meidet man, gleich dem s Evangelischen Bunde, jedes Bekenntnis, das irgend einer Richtung un­behaglich sein könnte.

Die ganze neue Synodalorganisation, deren Ziel auSgesprochenermaßen eine protestantische Reichssynode neben dem deutsch.evangelischen KirchenauSschuffe ist, wirddem Eindrücke kann man sich nicht verschließen — schließlich seine Spitze gegen „Rom"kehren. ES wird zwar noch nicht offen ausgesprochen, aber eS läßt sich überall hindurch hören, daß man eine große Organisation gegen „Rom" schaffen will, die amtlichen Charakter hat. So vorsichtig man auch zu Werke ging, man ließ die Sorge vor dem „Ultramontanismus" doch als die eigent­liche treibende Kraft erkennen. Die Erklärung, die als Ergebnis der „vertraulichen" Besprechung zu Tage kam, fällt ganz aus dem Tone der vor­hergefangenen öffentlichen Verhandlungen heraus

und verrät ziemlich ungeschickt de« Pudels Kern. Da wird beklagt, „daß im Heimatland« der Reformation die evangelische Kirche nicht den Einfluß im öffentlichen Leben der Nation ausüdt, der geschichtlichen Ausgabe und geistigen Bedeutung des Protestantismus entspricht." Man findet „es unerträglich, daß von der Reichs- und Staats­politik zur Erlangung äußerer Machtmittel dem Ultramontanismus Zugeständnisse gemacht werden, die dem deutsch-nationalen und protestantischen Volksempfinden widerstreiten".

Das ist schor- Stil des Evangelischen Bundes. Zum Schluß kam der Fuchs vollends zum Loch heraus. In der Volksversammlung, die sich an den Sy^odaltag anschloß, kielt Justizrat Dr. Lucius aus Mainz eine Rede, die auch auf einer Bundesversammlung hätte gehalten werden können. Angriffe der ultramontanen Presse, Mischehepraxis, Wiedertause übergettetener Pro- testanten, Intoleranz bei Beerdigung Anders- gläubiger, Jesuitengesetz, Mariantsche Kongre­gationen, Toleranzantrag, Herrschaft des Ultra- montanismus.Einflußlosigkeit desProtestantismuS, alles, alles kehrte da wieder. Nur wird nicht so unvorsichtig zum „Kampfe gegen Rom" ge- blafen, sondern Vertiefung des evanzelischen^Be- wußtseins, Aufrüttelung der (Lauen) Aufklärung, Zusammenschluß empfohlen.

Da der Evangelische Bund dasselbe empfiehlt, ist der Unterschied nicht so groß. Auf beiden Seiten denkt man sich wohl dasselbe darunter, nur ist man bei den Synodalen vorläufig noch zurückhaltender, da man das Ziel der Reichs- synode nicht ohne Mitwirkung der Regierungen erreichen kann. Daß man sich dem Evange­lischen Bunde verwandt fühlt, wurde gleich zu Anfang ausdrücklich erklärt. „Wir, die wir alle dem Evangelischen Bunde angehören, stören dessen notwendige und erfolgreiche Arbeit nicht," erklärte Pastor Werner in der Einleitungsrede. Gleich dem Evangelischen Bunde will auch der Synodaltag bei den öffentlichen Wahlen „auf kraftvolle Vertretung der Lebens-Interessen des Protestantismus, die im Grunde auch di« des deutschen Volkes sind, bedacht fein." Das wird sogar in einer formellen Erklärung ausgesprochen. Daß mit „kraftvoller Vertretung der Lebens-In­teressen des Protestantismus" nichts weiter ge­meint ist, als die Wahl „romfeindlicher" Abgeord­neten, steht außer allem Zwessel.

Wir werden uns also wohl zu der Annahme entschließen müssen, daß wir es hier mit einem neuen „Evangelischen Bunde" zu tun haben, dessen Methode vorläufig allerdings noch etwas anständiger und äußerlich maßvoller ist als die der Meyer-Zwickau und Genossen, der für „Rom" aber dadurch gefährlicher zu wer­den hofft, daß er amtlichen Charakter erhält. Warten wir es ab. Wir sehen zwar, wie man sich ringsum im Protestantismus sammelt und organisiert gegen „Rom", es tritt aber bei allen Bestrebungen zur Stärkung des Protestantismus zugleich seine Zerrissenheit und Uneinig« teil immer von neuem und immer deutlicher zu tage.

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Ausgestoßen.

Bon Maurice de Beaumont. Deutsch von Helene Krembs.

------ (Nachdruck verboten.)

Eines TogrS (ich mochte etwa« älter als zehn sein) kam ich au- der Schule und fand die Einwohner un- mcer Straße In heller Auflegung. Nur mit Muhe "nme ich mir einen Weg dmch die Me->ge bahnen.

Die Tür de« ObstladenS war geschloffen, und ein wuherhrüsbeamter, ter sich bemühte, die Neugierigen vom Hause fern zu halten, verwehrte auch mir den Eintritt.

»Ach, dar arme Kerlchen! schrie eine Nachbarin, «affen Sie iHv doch hinein, er ist der hübsch« Bube der Händlerin!"

Ich trat in» Hau». Auf ihrem schmalen Bett lag "km« gute Mutter Hanne, tot, während meiner Ab- ^stnheÜ vom Schlage gerührt! Ich wer damals za jung, um mir vom Sterben den richtigen Be- «ach-n. Ebensowenig ahnte ich den ganzen «mstw, meine» Verluste» ....

« «4, ich sollte mein Unglück nur zu bald in seiner kennen lernen!

.„„J*® zweiten Tage darauf schloß ich wich den be- Vmen Nachbarn an, welche Mw ter Hanne di« letzte N»e erwiesen. Niemand hatte acht aus mich; ich ^Ve dem Sarge meiner Wohltäterin, wie ein arme» ^offene» Hündchen, da» keinen Herrn mehr hat, da» Wao^ea und getreten wird, wenn sein einziger Freund ^"verloren geht.

♦„S6 dieser Stunde vergoß ich die ersten bitteren O Matter Hanne! warum wa st Du ohne "^_sort,egaugeu!

vrben, entfernte Vetter-, fuhren mich rauh *”• A N vom Friedhof znröckkam.

wa» will denn die Heine Kröte da? Der

Bengel glaubt vielleicht, wir würden uu» abrackern, damit er süße Milchbrötchen zu tffen hat? Al» wenn man sich aller Schreihälse aunehmkn könnte, die auf dem Pariser Pflaster zu finden find! Wenn die Hanne etwas mehr Verstand gebraucht hätte, würden wir jetzt mehr Taler bei ihr finden!"

„Flott, Jungchen, mach das Du fortkomwst. Pack Deine Lumpen und sorge, daß man Dich nicht wieder- fieht!"

Eine hagere, alte Base knüpfte meine wenigen HabsrÜ'gkeiten in ein bunter Tuch, gab es mir in die Hand und schob mich zur Tür hinaus.

Diese- Tuch hat meiner Nährmutter gehört; sie pflegte er über den Kops zu schlagen, wenn der katte Wind so heftig in beit offenen Laden blies. Ich habe e- sorgfältig aufgehoben oll einziger Andenken an die Gute. . . Hier unterbrach sich der junge Mann, um seine kleine Freundin arzusehen, die mtt verschlungenen Händen und noffen Augen aufmerksam lauschte.

„O, sag' mir alle», guter Roll, ich bitte dich!"

„Ich höbe e» Dir ja versprochen!"

Und nachdem er mit der Hand über seine heiße Stirn gestrichen, fuhr Rollon fori:

„Ich ging de» Wege» dahin, durch die Strußen der große» Stadt. Mein ganzer Vermögen bestand in zehn Pfennigen, welche mir meine Pflegemutter als Belohnung für meinen Fleiß in der letzten Woche ge­schenkt. Ich kaufte ein Brötchen; da» war an diesem Tage meine ganze Nahrung.

Dann kam die Nacht! Zitternd vo: Hunger, vor Kälte und Furcht duckte ich mich unter eine Bank in unbekannter Gegend, hn Herzen den Tod herbei­wünschend. Niemals werde ich diese Nacht vergeffen! Ein Schauder nach dem andern zog durch mellte Glieder. ES war im Mai. Kalter, feiner Regen rieselte über da» glatte Pflaster, in dem sich die flackernder Lichter der Straßenlaternen spiegelten. Die Schattenblldrr der wenige» Vorübergehende« verlängerten sich gleich Gespenflergestalten. Dabei

Berlin, den 2. November 1904.

** Der neue Schnlgesetzentwurf soll nach einer Zeilungsmeldung au» äußerst zuver­lässiger Quelle in diesem Jahre nicht mehr dem Landtage unterbreitet werden. Erst nach Weih­nachten wird die Einbringung erwartet.

* Zwischen den um den Thron von LiPpe- Detmold streitenden Parteien ist der .Post' zufolge nunmehr eine Verständigung über die Festsetzung des Gerichts, das die endgiltige Ent­scheidung fällen soll, erfolgt, nachdem am Diens­tag der schaumburg-lipptsche Minister Freiherr o. Feilitzsch zu feinen Vorschlägen die Zu­stimmung deS Fürsten Georg erlangt hat. Die Regentschaft des Graf-Regenten wird als zu Recht bestehend anerkannt. Neber die Thron­folge sollen zwei Senate des Reichsgerichts ohne jedwede Mitwirkung einer fürstlichen Persönlich­keit entscheiden. Dieser Gerichtshof soll darüber befinden, welche der in Betracht kommenden Linien thronfolgeberechtigt ist und in welcher Reihenfolge sie für die Thronfolge in Lippe- Detmold in Betracht kommen. Am Dienstag hat Minister Freiherr v. Feilitzsch dem Fürsten Georg von Schaumburg-Lippe in dieser Sache, in der in erster Linie die Staatssekretäre des Innern, Graf Posadowsky, des Reichsjustizamtes, Nieberding, und des Aeußern, Freiherr v. Richt­hofen, mit tätig waren, eingehend Vortrag ge­halten und die Zustimmung des Fürsten zu dem Vorschläge erlangt.

* Der Vxjesttit Graf Hoe«-broech, der ein unüberwindliches Bedürfnis hat, von feiner werken Person reden zu machen, hat an die .Kreuiztg.' eine’gang nebensächliche „Berichtigung" mit bezug auf eine von ihm in Freiburg in Baden gehaltene Rede gesandt. Im Grunde be­stätigt sie nur, wa« die .Kreuzztg.' von der Rede berichtet hatte. Das Blatt druckt sie ab, wie­wohl es dazu nicht verpflichtet wäre und bemerkt: „Obwohl uns die Anwendbarkeit des § 11 deS Preßgesetzes und somit unsere Verpflichtung zur Aufnahme der vorstehenden Erklärung in keinem Punkte erwiesen scheint, so haben w r doch dem Wunsche des Herrn Grafenv. Hoensbroech Folge geleistet. Wir haben uns auf diese Weise eine Art Buße auf erlegt für einen Fehler, den wir hiermit offen eingestehen. Dieser Fehler lag darin, daß wir eine Aeußerung deS Herrn Grafen v. Hoensbroech zur Kenntnis unserer Leser ge­bracht haben. Die Erfahrung lehrt uns nämlich, daß Herr Graf v. Hornsbroech die Fälle, in denen wir feine Person auch nur erwähnen, mit Vorliebe zur Einsendung von Berichtigungen an uns benutzt. Allem Anschein nach legt er also Wert darauf, in der »Kreuzztg/ erwähnt zu wer­den. Hieran hätten wir denken sollen, statt unS mit dem Bewußtsein zu begnügen, daß die ge­brachte Darstellung über den Jrhalt der Rede des Herrn Grafen v. Hoensbroech «von einem

dröhnte der Stundenschlog von verschiedenen Turm­uhren wie Grabgeläute in meine Ohren.

Dennoch schlief ich endlich ein! AIS ich erwachte, trocknete der Frühlingssonnenschein den nächtlichen Niederschlag von den alävzendrn Blättern der Pla­tanen, und die g-fichetten Sänger begannen ihr Morgenfländchen. Zuerst fehlte mir jedes Berständ- Bi» für mrine Lage. In meinen Ohren summten Glocken töne, und feurige Punkte tanzten mir vor den Äugen. Dann wurde ich mir eine» schmerzlichen Ge­fühl,» im Magen bewußt. Sollte e» Hunger sein? Ach ja, nun kam mir mein Elend wieder in den Sinn.

Ich stand ou>, schüttelte meine steift» Glieder und folgte einem Lumpensammler, der sich, bewaffnet mit einem langen, eisernen Haken, auf die Suche nach Beute begab. In der Rinne sand ich eine Brotkruste, die ich hastig verzehrte. Sie schmeckte wir vorzüglich. Nun erinnerte ich mich, daß e» an der Zett war, mein Mvrgengebet zu verrichten, wie meine entschlafene Wohltäterin e» mich gelehrt hotte. Da war auch gerade eine Kirche; ich ging hinein. Durch einen dicken Pfeiler verborgen, kauerte ich mich nied .r und betete, oder vielmehr ich schluchzte ganz herzbrechend, die Hände vor den Augen.

Rach einem Weilchen ließ ein Flüstern an meta Ohr mich aufblicken. Ein Priester stand neben mir, ein Brei» mit sanftem, gutem Geficht. Er faßte meine Hand und führte mich in die Sakristei, wo er mich dann mtt gewinnender Freundlichkeit über meinen Knmm-r aulftagte. Ich erzähtte ihm alle». Al» einzige Ant­wort nahm der Menschenfreund mich in die Arn e und trug mich — ich war beinahe ohnmächtig, in» nah« Pfarrhan».

Als ich wieder zu mit tarn, lag ich in einem großen weißen Bett — es war da» Bett de» guten Priester» —, und er selbst saß neben mit und hatte augenscheinlich da» Erwachen Abgekartet. Ja den Händen hielt er eine Taffe voll wannet Mttch und ein paar verlockende WeißbrSdchen.

durchaus zuverlässigen Freundeherrührt. Unseren Lesern aber glauben wir durch freiwillige Ueber- nahme ‘jener Buße immerhin einen Dienst ge­leistet zu haben. Denn sie haben durch die obige Erklärung einen weiteren Beitrag zur Charak­teristik deS Herr« Grafen v. Hoensbroech erhalten." Natürlich wird diese kleine Bosheit den eitlen Grasen nicht abhalten, bei nächster Gelegenheit, wenn sein Name genannt wird, wieder eine Be­richtigung zu schicken.

* Sühne für die Morde au de» Mis- fiouare« auf de« BiSmarck • Archipel Das deutsche Regierungsfahrzeug „Seestern" ist aus Neu-Pommern in Sidney eingetrossen. Der Kapitän berichtet nach einer Meldung des ,Mor- nitig Leader/, daß die deutsche Strafexpe­dition fiter siebzig an der Niedermetzelung der Missionare beteiligte Eingeborene erschossen und gegen zwölf Eingeborene gefangen genommen hat. Die Gefangenen wurden zum Tode ver­urteilt. Der „Seestern" ließ eine bewaffnete Abteilung zurück, um die Baming-Berge abzu­streifen und weitere Züchtigungen der Ein­geborenen vorzunehmen. Unter den Getöteten befinden sich To Maria, der Anstifter der Nieder- metzelung der Missionare, und feine alte Mutter, die neben ihm wie eine Tigerin für ihr Junges kämpfte, bis sie, von zahlreichen Kugeln getroffen, niedersank.

* Aus Südweftafrika find Nachrichten eingelaufen, welche die am Montag verzeichneten Meldungen über den günstigen Fortgang der Operationen gegen die HereroS zu bestätigen scheinen. So meldet .Daily Telegraph' aus Kapstadt vom 1. d. Mts.: „400 nach Britisch- Betschuanal and übergetreteneHereroS wurden von den Kolonialbehörden entwaffnet." Hier­nach müssen die einzelnen Hrerhaufen der HereroS tatsächlich sehr in die Eige getrieben worden sein. Bestätigung bleibt übrigens noch abzuw arten. (Bergl. Depeschen. D. Red.) Im Zusammenhang mit den Vorgängen in Deutsch- Südwestafrika haben w.r noch folgende Mel- düngen aus W.ndhuk zu verzeichnen: Holz­apfels Familie, Dewet mit Frau und Fräulein Blohm sind in Gibeon in Sicherheit. — Im Gefecht bei Packrim am 27. Oktober gefallen: Gefreiter Stanislaus Nawotka, früher im 5. Chevavxlegers - Regiment; verwundet: Reiter Wilhelm Jürgens, früher im Infanterie-Re- giment Nr. 31, Fingerblessur. — Am Typhus sind nach einer weiteren amtlichen Meldung ge­storben : 1. Unteroffizier Ernst Pankratz, Signal­abteilung, früher im Ulanen-RegimentNc. 4, am 26. Oktober in Waterberg; 2. Reiter Johann Hoyer, Maschinengewehr-Abteilung 2, früher Ar­tillerie-Regiment Nr. 46, am 22. Oktober in Otjimbinde; 3. Reiter Paul MaSlowski, Stabs­wache, geboren am 13. März 1882, am 22. Oktober in Otjimbinde; 4. Unteroffizier Karl Langguth, geboren am 11. Dezember 1880, am 28. Oktober in Otjimbinde; 5. Reter Ewalt Krusat, Maschinengewehr - Abteilung 2, früher Maschinengewehr Abteilung 5, am 29. Oktober in Otjosondu; 6. Reiter Genes Lehman», Ko- lonnenabteilung, früher im Feld-Artillerie-Re-

„„Nnn, meta Sauge,"" fragte er, „„geht eS Dir heute nachmittag beffet? Du warst wohl recht müde, denn Du hast acht ganze Standen geschlafen, wie ein richtige» Murmeltierchen. Na, wer schläft, braucht nicht zu essen; ab t wer wach wird, hat Hunger, nicht wahr? Komm, greif zu! Du hast nicht um- sonst beim lieben Gott angeklopft.""

Ich rieb mir die Augen und glaubte noch zu träumen. Dann fiel ich dem guten Pfatter um den Ha!», und et drückte mich freundlich an sich Die süße, warme Mllch schmeckte mit herrlich. Während ich mich daran labte, wachte Pastot Paytard — so hieß meta neuer Wohltäter — Pläne für meine Zukunft.

Am anderen Tage sprach Pastor Paytard von meinet ersten hl. Kommunion. Auf meine Bemerkung, daß ich regelmäßig in dm christlichen Unterricht ge­gangen, prüfte er mich, und er schien von meinen Kenntnissen befriedigt zu fein, denn 14 Tage später durfte ich mich den ErstkommünikaMen der Pfarrei zug-ftllen.

Der würdige Geistliche opferte einen Teil seiner Ersparnisse, um mich neu zu kleiden, und mir alles Nötige zu besorgen. Ich durste in seinem Bette schlafen, während er selbst die Standen der Nacht in feirem Leders-fiel neben dem Schreibtische zubrachte. O, der edle, hetligmäßige Mann! Wie habe ich nur so undankbar fein können, sein gute« Herz zu betrüben? Das wird mir stets ein bitterer Vorwurf bleiben und wenn ich hundert Jahre alt würde!

Bald darauf fand et mir ein Unterkommen al» Laufbursche in einem Geschäfte, wo ich tägltch einen halben Franken verdiente. Ich sollte mich auf diese Weise beschäftigen bi» ich verständig genug sein würde, mich für ein Handwerk zu entscheiden. Sobald ich an tagend etwas Gefickten fände, wollte mein Pflege­vater mich in die Lehre geben.

(Fortsetzung folgt.)