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zulda, Mittwoch, dm 2. November 1904,

JK SSl.

31. JahrgMg.

t Allerseelen.

Hon Imperator! Der Tod ein Allherrscher? Ja, er ist der Allherrscher, dem die Menschheit einen gräßlichen Tribut der Anerkennung seiner Macht bringen muß, er ist der Unbarmherzige, der rücksichtslos alle Bande zerschneidet, welche die Liebe geschlungen hat.

Und doch ist er nicht unüberwindlich, denn stärker als der Tod ist die Liebe". Und gerade der Allerseelentag ist ja das Fest einer Liebe, welche auch am Grabe nicht erlischt, vielmehr gerade da in dem Fürbittgebete für die Verstor­benen als goldecht sich erweist.

Man hat geglaubt, im Namen eines wahren und gereinigten Christentums gegen die Lehre der katholischen Kirche von einem Zwischenzustand im Jenseits und einem darauf beruhenden Fürbilt- gebeteS Sturm laufen zu sollen. Der Haß hatte blind gemacht; aber man mußte erleben, daß die Theologie des menschlichen Herzens stärker war, als alle eingenommene Theorie. Das Menschen­herz zeigt durch sein praktisches Verhalten, daß eS ihm einfachhin unannehmbar ist, daß die Liebe, welche die Menschen auf Erden verbunden, an den Toren des JensestS abgewiesen werden sollte. Und um so unannehmbarer erscheint das, als Christus selbst das Evangelium der Liebe in die Welt gebracht hat.

DaS sollte das letzte sei«, waS Liebe tun könnte für Verstorbene: raschwelkende Blumen und Kränze auf den Sarg legen, ein letztes Have pia anima (Lebe wohl, fromme Seele) ins Grab nachruftn und einen Denkstein errichten? Nein, die Liebe will in lebendiger Verbindung bleiben und fort und fort sich betätigen, umsomehr, als die ganz« Größe des Verlustes, aber auch die ganze Größe der Verpflichtung zur Dankbarkeit erst erkannt wird in der Stunde des letzten Schei­dens. In unzähligen Toten gebräuchen hat die Menschheit aller Zeiten und Zonen diesem Wunsche Ausdruck gegeben.

So kommt die Lehre der Kirche von dem Für- bittgebet für die Verstorbenen einem tiefen Zuge des Menschenherzens entgegen. Das sollen jene nicht vergessen, welche darin heidnische Nachwir­kungen erblicken wollen und damit doch nur be­kunden, daß sie weder die Sprache der Menschen- Herzen verstehen noch das Verhältnis des Christen­tums zur menschlichen Natur. Ist doch gerade der Gedanke, auch nach dem Tode noch feixen Abgeschiedenen Beweise der unwandelbaren Liebe und Treue grben zu können, eine nie versagende Quell« des Trostes in jenen furchtbaren Tagen, wo der Tod einbricht in einen Familien« oder Freundeskreis.

Diesen mächtigen Trost sollte da-Christentum der Menschheit nehmen? Würde man dann nicht mit Recht den Vorwurf der Grausamkeit und unmenschlichen Härte gegen es erheben dürfen? Was so tief in das Menschenherz eingezeichnet ist wie der Gedanke, in helfender Verbindung mit den Toten zu bleiben, das kann nicht falsch sein. Und in der Tat hat die Kirche denn auch die heilige Schrift mit zahlreichen Stellen auf ihrer Seite, wenn sie für die Verstorbenen betet und beten läßt: „Requiem aeternam dona eia!“

0 Erster deutscher wohnungrkongretz.

Der erste deutsche Wohnungskongreß, der Mitte Oktober in Frankfurt a. M. tagte, hat im allgemeinen wohl nicht allen Erwartungen entsprochen, die man ursprünglich hegte. Wenn man vielleicht gehofft hatte, der Kongreß werde zu den mannigfachen Problemen des großen Ge­biets der Wohnungsfrage wenigstens mit einer gewissen Einhelligkeit Stellung nehmen und gewisse Richtlinien für eine praktische Woh- «uugsreform in Zukunft ausstellen, so hat er in dieser Beziehung versagt. Gleichwohl darf man den WohnungSkongreß als eine nicht zu unter- iMtzrnde sozialpolitische Kundgebung bezeichnen. ,w Die Tatsache an sich schon, daß es gelungen ungefähr 1000 eingeschriebene Teilnehmer, hnvorragende Sozialpolitiker nicht allein, sondern vor allem auch Vertreter öffentlicher Körper- ichaften, des Staates, der Gemeinden, Ver­sicherungsanstalten rc. zu einer gemeinsamen Aus­sprache über eine wichtige sozialpolitische Frage zusammenzuführen, ist bedeutsam. Ginge« die ^ieinungen hierbei zum Teil weit auseinander, so hat die Aussprache doch gezeigt, wie weite «kreise von der Wohnungsfrage nunmehr berührt werden, und welch' hohe Bedeutung sie augen­

blicklich gewonnen hat. Denn während im all­gemeinen bisher von den großen sozialpolitischen Fragen der Arbeiterschutz, die Arbeiterversicherung, die gewerkschaftliche Organisation und dergleichen wesentlich die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, hat sich jetzt die Wohnungsfrage voll- gültig neben diese gestellt. Man betrachtet sie jetzt vor allem als eme Kulturfrage, deren Lösung durch sittliche und hygienische Rücksichten bedingt ist, als eine öffentlich-rechtliche Frag-, die zu lösen im Interesse der großen Allgemeinheit liegt und außerordentliche Mittel geboten erscheinen läßt. Unter diesen Umständen die Wohnungs- frage durch eine bedeutsame Kundgebung wieoer in den Vordergrund des öffentlichen Jntereffes gekrackt zu haben, ist ein unbestreitbares Ver­dienst des ersten deutschin WohnungSkongr.ffeS.

Mit Rücksicht auf die kurze Tagung — zwei Tage — erwies sich das Programm des Kon­gresses als überladen. Ss waren drei Segen- stände zur Beratung gestellt, über die insgesamt 10 Referate vorgesehen waren und zwar: die tatsächliche Entwickelung der WohnungSoerhält- niffe, die Aufgaben von Staat' und Reich un- anderen öffentlich rechtlichen Körperschaften in der Wohnungsfrage, und endlich die so wichtig« Frage: WohnungSerstellung und Kapitalbe' schaffung. Gleich das erste Referat, daS auf Grund von statistischem Material namentlich auS Großstädten, wo die Verwaltungen der Wohnungs­frage bisher mehr Jntereffe entgegengebracht haben, dar Bestehen einer Wohnungsfrage wohl anerkannte, ihre Lösung jedoch weniger als dringlich ansah, erfuhr lebhaften Widerspruch. Der Referent »erkannte, daß auch für die WohnungSftage der Maßstab vor allem Geltung haben muß: „Wie wohnen die Arbeiter und die unteren Klaffen überhaupt im Verhältnis zu den übrige« Klassen, und steht die Ent­wickelung des Wohnungswesens im rechten Verhältnis zu der gesamten Kultur- und Wirtschaftsentwickelung?" Und da läßt sich nicht leugnen, daß gerade in den Groß- und Industriestädten schlimme Mißstände auf dem Gebiete deS Wohnungswesens vorhanden sind, die im umgekehrten Verhältnis zu der vielfach so prunkvollen Entwickelung unserer modernen Großstädte stehen und sich unvorteilhaft abheben von den sonstigen Errungenschaften, die die so­ziale Fürsorge bereits gebracht hat.

Der zweite Gegenstand der Tagesordnung, der sich u a. auch mit dem neuen preußischen Wohnungs-Gesetzentwurf beschäftigte, brachte be- sonders die Vertreter der Hausbesitzer in Auf- reguxg, die ihre Sache mit mehr Entschiedenheit, alS Geschicklichkeit und Schicklichkeit führten. Man darf wohl behaup-en, daß der WohnungSkongreß volles Verständnis für dir schwierig e Lage vieler Hausbesitzer hatte; umsomehr hätte man er- Worten können, daß diejenigen, die erschienen waren, um gegen die Wohnungsreform Front zx machen, sich etwas mehr Mäßigung auferlegt hätten. Unter diesen Verhältnissen ist die Frage laut geworden, ob es in Zukunft in der Aufgabe des WohnungSkongreffeS liegen kann, erklärte Gegner der Wohnungsreform noch weiter heran­zuziehen. Die diesmal gemachten Erfahrungen sprechen nicht dafür. Es kann doch nicht Auf- gäbe einer so bedeutenden, mit großen Kosten verbundenen Veranstaltung sein, einige Tage in- tereffante Debatten über Wohnungsprobleme zu halten, ohne irgend welche Direktiven nach einer bestimmten Richtung hin zu geben. Erst durch diese würde der Kongreß an Wert und auch Be- deutung für die Oessmtlichkeit gewinnen. Die Wohnungsfrage ist ein Boden, auf dem die ver­schiedensten Richtungen zusammenarbeiten können, sofern sie für eine Reform der WohnungSzu- stände eintreten, lleber Mittel und Wege wird alsdann schon leichter eine Verständigung mög- lich sein. Aber Leute, welche Wohnungsmiß- stände überhaupt leugnen und für die berechtigten Wünsche der anderen Klaffen überhaupt kaum Verständnis an den Tag legen, gehören nicht auf solche Kongresse. Da die beiden ersten Hauptthemata soviel Zeit vorweg genommen hatten, blieb für die Behandlung des dritten Punktes nur wenig Zest übrig, trotzdem in dem folgenden Referate „Wohnungserstellung und Kapitalbeschaffung" sehr wichtige praktische Fragen behandelt wurden. Die Diskussion über dieselben wußte auf den dritten Tag verschoben werden, wo sie vor einem nur sehr kleinen Kreise stattfand.

Die WohnungSftage ist durch den Kotyreß insofern durch einen ordentlichen Ruck vorwärts gebracht worden, als nunmehr die Tatsachen derselben feststehen, sodaß eS jetzt in erster Linie gilt, die praktischen Fragen der Lösung mehr in den Vordergrund der Erörterung zu stellen und entsprechende Maßnahmen in die Wege zu leiten. Bor allem wird man von der organisierten Arbeiterschaft erwarten dürfen, daß

schen Schrulle, sondern im Geiste der politischen Demokratie, welche die Vorbedingung deS prole­tarischen Sozialismus ist." Wir find gespannt, ob die Aufgabe auf der Konferenz gelöst »erden wird.

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st« sich an den praktischen Lösungsversuchen durch Baugenossenschaften, Wohnungsgenofsenschasten, Mtetervereiae usw. beteiligt. Der Frankfurter WohnungSkongreß hat auch noch daS erfreuliche Ergebnis gehabt, daß die Regierung durch ihre Vertreter erklären ließ, daß sie die „Lösung der Wohnungsfrage als eine der wichtigsten, vielleicht als die wichtigste Aufgabe unserer Sozialpolitik" und alS „eine Kulturaufgabe ersten Ranges" ansehe, und ihre weitere Bereitwilligkeit, an ibrer Lösung nach verfügbaren Mitteln und Kräften mitzuarbeiten, aussprechen ließ. In der Wohnungs- frage gibt eS in Zukunft keine« Stillstand mehr, sondern nur ein Vorwärts, und dazu Hal der Frankfurter WohnungSkongreß ohne Zweifeldei­getragen.

Berlin, den 1. November 1904.

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diese mit 30 !

wurde avs 100 Gewehre geschätzt, «.

drei Tote. Diesseits ist ein Mann tot und einet leicht verwundet. Krüger blieb in der Stellung zwischen Kub und Packrim. Nach dem Ein-

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♦ Au- Deutsch-Lüdwestafrika. General- leutnant v. Trotha telegraphiert auS Wind« Huk: Die zweite Ersatzkompanie unter Krüger griff mit 57 Gewehren einschließlich 19 Mann der Feldtelegraphenabftilung am 27. Oktober den Feind bei Packrim an. Sie gewann von ihrer ersten Stellung auS 800 Meter Terrain, ging dann auf die Hant pferde zurück, als der Feind

treffen der zweiten Kompanie deS Regiments ist. ein erneutes Vorgehen auf Packrim angeordnet. — Im Lazarett Waterberg find am TyphuS I gestorben: Am 22. Oktober Wachtmeister Paul Weigelt, 6. Batterie, früher Artillerie-Regiment Nr. 41, geboren am 9. September 1871 zu Roßwitz (Kreis Glogau; am 25. Oktober Rester Arthur Hempel, 9. Kompanie 1. Regiments, ge­boren am 1. Juli 1882 in Grimma, früher

Regiment Nr. 105 in Straßburg; Reiter Eugen Schreiber 6. Kompanie, Regiment Nr. 2 geboren am 7. Februar 1878 in Zwickau, früher Regi­ment Nr. 104 Plauen (Reservist). Vermißt werden: Reiter Karl ZoSke, 1. Ersatzkompanie, geboren am 27. November 1882 in Reudnitz (Kreis Leipzig), früher Regiment Nr. 112, vom Wagentransport am 9. Oktober zwischen Owiko- korero-Otjimbinde abgekommen, Reiter Friedrich Christian Ungerer, 10, Kompanie - Regiment, 25. Oktober in Okosongoho am Typhus ge­storben.

((( Mit dem Urteile deS sozialdemo­kratische« ParteivorstaudeS in Sachen des Zwistes zwischen den Genoffen Mehring und Bernstein find die beiden betroffenen Gegner nicht im mindesten einverstanden. Die .Leipziger Volkszeitung' erklärt rund heraus, da der Parteivorstand über die Frage hinaus, um deren Beantwortung sie ihn gebeten habe (Arbeit mit doppeltem Konzept oder nicht?) über fis einen Tadel aussprach, ohne sie vorher gehört zu haben, müsse sie das TadelSvotum des Partei« Vorstandes als auf gänzlich unzureichenden In- formatierten beruhend, ablehnen. Bernstein kann auch seinerseits den gegen ihn gerichteten Bor- wurf nicht anerkennen. Der Parteivorstand wird also erwägen müssen, wie er die widerspenstigen Genossen gefügig machen kann Inzwischen tobt der Streit zwischen beiden in der alten vor­nehmen und brüderlichen Weise weiter. Bern­stein wirft heute dem Genossen Mehring m. a. „kaum zu überbietende Unwahrhaftigkeit", „will­kürliche Unterschiebung von Motiven", „Fälschung der Standpunkte" und „ohnmächtige Wut" vor. Der Partetoorstand hat ja wohl dringend ge­wünscht, daß bei der Austragung von Meinung-. Verschiedenheiten Sachlichkeit und Loyalität ob­walten möge.

§ Die Schulfrage ist auf dem sozial- demokratischen Parteitag in Bremen bekannt­lich nicht behandelt worden, obschon eS von ver­schiedenen Parteien verlangt worden war. Man beschloß, daS einer besonderen preußischen Par- teikonferenz zu überlassen. Der Partetoorstand hat nun, wie der .Vorwärts' mitteilt, die Ein- berusung einer Konferenz beschlossen; wahrschein- lich wird sie zwischen Weihnachten und Neujahr stattfinden. Außer der Gchulftage soll überhaupt die gesamte preußische Politik, insbeson­dere die WahlrechtSfrage, das Kouttaktbruchs- gesetz und der WohnungSgesetzentwurf erörtert werden. „Es ist — so prahlt der.Vorwärts'— die Aufgabe der Sozialdemokratie, Deutschland von der preußischen Vorherrschaft zu erlösen, nicht in der Richtung irgend einer partikularisti-

anrpferde zurück, als der Feind Hausfrauen gebrauchet

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Voller Rahmgehalt. libeMU MälMif

Gin flott gehendes Gefdiäff

ficherf man Bdi, wenn man zur hemmend« Eta» kaufszeit (Kirchweih und Weihnediten) in der

Fuldaer Zeitung

inlerlert.

Eine kaufkräftige, fellde Kundfchaft findet man, wenn man in der „Fuldaer Leitung", die gieWh zu Beginn des vierten Quartels die Zahl wen

5200 kefern

erreicht hat, inlerlert.

Da nun die „Fuldaer Leitung" In den in Betracht kommenden Kreifen mehr freier zählt, wie alle anderen im Kreife Fulda, Hünfeld, Gers­feld, Schlitz und liauferbadi erscheinenden Blatter zufammengenommen, Ut es klar, da| man in der „Fuldaer Leitung" auch

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aerchSNrrttlle d. „Tuld. ZeitMt“ und des „Bottlfatiusbotei“. ,