Einzelbild herunterladen
 

viraattvortlicher

zulüa, Mittwoch, den 2. November 1904.

31. Jahrgang.

M 251

f

I

2

Dr. F. Ntegolewskt, Sekretär.

monatsbeitogc: „gulöatt GefchichtMätter"

Berlin, den 1. November 1904.

§ I« der Lippifche« Frage haben, wie die,Post' berichtet, in der vorigen Woche iris> besondere zwischen den streitenden Parteien — außer dem Staatsminister Gevekot war auch der scha "mburg-lippische Staatsministrr Freiherr von Feilitzsch hier anwesend — Besprechungen statt­gefunden, um vor der Beschlußfassung des Bundesrats eine Verständigung über verschiedene Punkte, namentlich über die Anerkennung der Regentschaft und die Festsetzung des Gerichts zur Entscheidung der Thronfolgefrage, herbeizuführen. Wesn in den letzten Tagen eine Meldung durch dir Preffe ging, es werde ein Fürsten-Schirde- gericht über die Thronfolge entscheiden unter dem Vorsitze des Großherzogs von Baden, so ist das unzutreffend Das mag vielleicht Wünschen auf schaumburgischer Seite entsprechen, von der Aus- führung eines solchen Planes aber kann ganz und gar keine Rede sein. Ohne Frage wird ähnlich wie 1897, wo unter dem Vorsitze deS Königs von Sachsen ein Schiedsgericht aus ReichSgerichts- mitzliedern gebildet wurde, auch diesmal vorge- gangen werden entsprechend dem Wunsche der Biesterfelder. Voraussichtlich wird das neue Schiedsgericht unter dem Vorsitze des Oberhauptes des nach Preußen größten Bundesstaates zu­sammentreten. Wenn dagegen geltend gemacht wurde, daß Prinzregent Luitpold nicht Fürst,

Dr. Sznmann, Vorsitzender.

erstes B latr <

i s«

Ausgestoßen.

So« Maurice de Beaumont. Deutsch von Helene Krernb».

------ (Nachdruck verboten )

Anzeige«! vir t®. kpalrige Petitzeile oder deren Raum 15 pfg- Reklamen die petitzeile 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird «ntspr.

Rabatt gewährt.

vruck und Verlag der KlldaerActiendruckerr^ in 8ulda (kjarmonit, Sernsprecher Ur.»-

Das Berliner polnische Batt .Dziennik Ber­lins?!' erklärt, diese Resolution verfolge augen­scheinlich den Zweck, eine Grundlage für eine eventuelle Verständigung mit dem Zentrum im Jntereffe der polnischen parlamentarischen Aktion anzubahnen und baue daher dieser Fraktion gol­dene Friedens brücken. Die Polenfraktion habe in dieser Resolution die äußersten Grenzen der Rücksicht auf das Zentrum erreicht.

liebet die „goldenen Friedensbrücken" dürften die Ansichten doch wohl verschieden sein. Das Bedauern der polnischen Fraktion beschränkt sich doch nur auf die Stimmabgabe für einen Hakatisten, eS erstreckt sich aber nicht darauf, daß die pol­nischen Wahlmänner nicht positiv für den Zentrumskandidaten in der Stichwahl ein­getreten sind, womit dieser drn Sieg errungen haben würde.

Auch der zweite Absatz der Resolution geht nicht wett genug. Die polnischen Wähler und Wahl- männer sollen da, wo der polnische Kandidat keine Aussichten hat, durchzukommen, nicht für einen Gegenkandidaten des Zentrums stimmen; aber damit ist noch lange nicht ge­sagt, daß sie statt deffen für den Kandidaten des Zentrums stimmen sollen. Sie können, ohne die Resolution der polnischen LandtagS- fraktion zu verletzen, auch Wahlenthaltung üben

Funktionen der Regent bei dauernder Rsgittungs- unsähigkeit des nominellen König» völlig einem souveränen Fürsten gleich zu achten ist. Man darf wohl annehmen, daß auch Schaumburg- Lippe sich mit dieser Erledigung des Streites einverstanden erklären wird, wenigstens hat der schaumburg-lippische Staat! Minister Freiherr von Feilitzsch in den hiesigen Verhandlungen seine Geneigtheit bekundet, bei seinem Landesherrn eine Zustimmung zu diesem Vorschläge zu befürworten. Demnach würde also der Protest gegen die Regentschaft im Bundesrat nicht mehr aufrecht erhalten werden.

* Mecklenburg preußische Eisenbahn- geueeiuschaft. Im mecklenburgischen Landtage wird, wie die ,Meckl. Nacht.' mitteilen, ein ron dem Vizelandmarschall, Reichstagsabgeordneten Frhr. v. Maltzan ausgehender Antrag eingebracht werden, der die mecklenburgische Regierung er­sucht, mit Preußen wegen des AbschluffeS einer Eisenbahngemeinschaft in Verhand­lung zu treten.

(•) Das dänische Generalkonsulat in Berlin wird häufig ersucht, deutsche Firmen bezw. Fabriken, welche mit Dänemark Geschäfts- beziehungen, (speziell Export und Import) unter­halten, namhaft zu machen. DieS ist in vielen Fällen mit Schwierigkeiten erkämpft, und man ist häufig darauf angewiesen, sich mehr oder

„D Rcll, bei diesen Worten war er, als ob wir ein Schleier vor den Augen weggezogen würde. E» wurde mir so schwer ums Herz, ich hätte am liebsten weine« wögen Ich drehte mich leise nach Mama um. Sie lackte end spielte mit ihrem Armband. Warum mochte sie lachen, und wmum betete sie nicht, wie die andere« Mütter?

„Uitb war soll ich «sn machen, die ich doch immer im Theater bin? dachte ich Würde ich denn niemals tugendhaft sein können? Und doch fühlte ich eS, daß ich Gott oi8 ganzer Seele liebel Er macht ja die­jenigen, die ihn liebet», glücklich. Ec ist so gütig. Und dann habe ich inbrünstig gebetet. Weißt Du! waS ich dem lieben Sotr versprochen habe?

„Ich habe gelobt, niemals Schauspi lerin zu wer­den und alle» zu tun, was mit möglich ist, damit Mütterchen da» Theater verläßt. Darauf bin ich dann zufrieden gewesen und habe nicht mehr geweint; e» war mir, als ob die liebe Muttergottes mich noch sanfter anlächle von ihrem Blumenthrone herab . . ."

Aimee hielt plötzlich ein, al» ob sie sich fürchte, zuviel gesagt zu Haden.

Rollo« hatte de« Krpf In die Hand gestützt und betrachtete auf« erksam da» Mädchen, dessen blaffe Wan­gen fich langsam gerötet batten. Beide verhielte« sich eine Weile still, er in Träumen versunken, da» Kind erfüllt vo- de« jüngsten Erinnerungen

Plötzlich rief Aimee mit der den Kindern eigenen Beweglichkeit:

„Sag, Roll, hast Du ai ch deine erste heilige Kom­munion gefeiert?"

. Der Jüngling stutzte.

„Ich?' fragte er emporschnellend, al» hätte diese Frag- eine Feder in seinem Innern berührt.

Eine Wolke zog über seine breite Siir«.

„Sa,” sagte e. dann zögernd, „ich habe sie gefeiert, aber e» ist schon lange her."

„Natürlich! nickte der Kleine ernsthaft, da Du doch bald 20 Jahre alt bist. Bist Du immer Schauspieler

— und damit den Zentrumskandidaten zu Fall bringen, wenn sie ihren Haß gegen das Zentrum nach d r Methode Korfanly befriedigen wollen. In vieler Beziehung ist also die Resolution sehr mangelhaft und mindestens sehr zweideutig.

Wir denkt fich ferner die polnische Fraktion die Verfiändigurg zwischen den Wchl- komiiees des Zentrums und der Polen bei den Wahlen? Soll fich dieses Wahlkompromiß im einzelnen Falle etwa auch auf solche Wahlkreise erstrecken, die bisher vier dis zu den letzten Wahlen im unbestrittenen Besitze der Zen- trumspartei waren, wie die Wahlkreise in Oöerschlefien? Soll das Zentrum durch eine solche „Verständigung" in Oöerschlefien gezwungen werden, dem Herrn Korfanty und seiner rankal- polnischen Richtung sreiwilliq Mandate abzu­treten, die eS Jahrzehnte hindurch als festen Befitzstand des Zentrums mit Zustimmung der friedliebenden overschlefischen Bevölkerung be­sessen hat? Eine solche Kapitulation vor Kor- faniy darf man dem Zentrum in Oberschlefien nicht zumuten.

Die polnische Landtagsfraktion wird ja nicht einen Augenblick darüber im Zweifel sein, von wessen Seite aus der Kampf und in Ver­bindung damit die Hetze gegen das Zen­trum nach Oöerschlefien getragen worden ist, und fle kann nicht über die Tatsache hinweg­kommen, wenn sie auch darüber hinwezsehen möchte, daß ihr FraktionSmitglied Ksrfanty der ärgste Hetzer und Radaubruder ist, der auch Pl ß-Rybnik den Hakatisten überliefert hat. An ihn sollte die polnische Landtagsfraktion sich wenigstens zunächst wenden, wenn sie sich über die „Verschärfung" deS Tons in Oberschlefien beklagt, statt mit anscheinend salomonischer Weis­heit beide Teile dafür verantwortlich zu machen und nach beiden Seiten hin „Maß­haltung und Umsicht" zu empfehlen.

Mit Hetzern und Radaubrüder ä la Korfamy kann und wird das Zentrum sitz nie einlaffen. DaS Zentrum wird treu seiner Devise: Für Wahrheit, Freiheit und Recht auch in Zukunft für die berechtigten Forderungen deS polnischen Volkes eintreten. Es ^wird aber weder ffir deutschen Chauvinismus noch für polnischen Preußenhaß und landesverräterische Bestrebungen zu haben sein. Hierbei wird fich da» Zentrum von der Hoffnung testen lassen, daß der gesunde Sinn deS OberschlefierS schließ­lich über Lüge, Verleumdung und Verhetzung fiegen wird. Ist das Zentrum auch in Ober- schlefien »on vielen Polen treulos verlaßen worden, fj darf doch nicht übersehen werden, daß auch jetzt noch ein großer Teil deS obersch'eflschen Volkes um die Fahne des Zentrums fich schart weil eS den radtkalpolnischen Hetzereien von meist von auSwärtS nach Oberfchleffen gekommen Auf­wieglerei gegen das Zentrum fernsteht.

„Goldene FriedenSbrücken" finb cs also nicht, was die Resolution der polnischen Landtags- fraktion dem Z.ntrum bietet, und die Brücken find außerdem so schwach, daß wir uns den­selben nicht anvertrauen möchten.

„Nun wohl, heute abend in ter Kirche sind mir Gedanken gekommen, die mich betrübt haben. Bei der Srneaening bet Taufgelübde haben wir alle die Hand auf da» Evangelienbuch gefegt und versprochen, den Beisnchungen Satan» zu widerstehen und treue Kinder Christi zu sei«. Auf dem lichter- und blumen­geschmückten Altäre stand da» Bild der Muttergottes; sie schien uo» zuzulächeln und öffnete weit ihre Arme. Da haben ein Knabe und ein Mädchen an» unserer Mitte da» We hgebet an Maria gesp ochen.

O, Roll, mein Herz klopfte so heftig . . .

Darauf ist der Herr Pastor aus die Kanzel ge- liegen, und nachdem er ermahnt hatte, stets im Guten iU beharren, hat et sich an die Eltern gewandt. Soll tch Dir wiederholen, Roll, was er gesagt hat? Ich weiß eS «och ganz genau und werde feine Worte nie­mals vergesse«. Sie find hier eingeschrieben."

Die Kleine fuhr mit leichtem Finget über ihre Stirn.

Roll, ganz ergriffen, nickte nut.

„ „ Bätet uns Mütter, ihr habt das feierliche Bet'preche« gehört, welches euere Kinder angesichts der ganzen Gemeinde abgegeben haben. Die Er­füllung diese» Berfprechen» sichert ihnen gegenwär­tiges und zukünftige-, zeitliche» und ewige» Glück! Denn da» wahre, da» einzige Glück besteht in der K nntni» und Ausübung ter Pflichten, in der christ­lichen Tugend. Heute sind euere Kinder rein und ftomrn, darum sind fie glücklich, und ihr seid e» mit ihnen!

„Bei euch steht e» nun, zu sorgen und zu Helten, daß ter köstliche Schatz de» Glauben und d.t Un­schuld ihnen erhalten bl.ibe!

„Darum wachet übet fie!

„Hattet fie fern von j-nen gefährlichen Äffen, welche der Tagend Schiffbruch bereiten, ich meine schlechte Bücher, Bälle, Theater . . .

Das fiud die Urtiefen, welche den Glauben und die Fiömmigkeit verschlingen . . ."

weniger zuverlässiger Kalender zu bedienen. DaS Generalkonsulat beabsichtigt daher, ein möglichst übersichtliches Verzeichnis in Frage kommender Firmen zusammrnzustellen und ersucht zu diesem Zwecke die an dem deut ch - dänischen Handels­und Jndustrieverkehr intcreffierten Firmen, ihre Adresse unter Angabe der Branche an daS Kon­sulatsbureau, Berlin W. 56, Jägerfiraße 50, einjusenden.

— AnsbildttttgSknrsns i« der Fürsorge- arbeit. Unter diesem Titel ist im Selbstverlag der Zentrale für private Fü: sorge in Frankfurt a. M ein Büchlein erschienen, welches zunächst eine« Bericht über die von - er Zentrale für private Fürsorge abgehaltenen Ausbildungskurse darstellt. Es wird darin ausgcsührt, daß es trotz des starken Bedürfnisses, dus sich nach sachgemäß geschulten Hilfskräften in der Arme- pflege, Wohltätlgkeits- und Fürsorgearbeit überhaupt geltend macht, in Deutschland an hinreichenden AuSbildungkgelegen- heilen hierfür noch immer fehlt. Dies wird von den WohltäligkeitSorganisationen als schwerer Mangel empfunden. Sie müssen sich ihre Hilfs­kräfte selbst ausbilden, was meist mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, und woran schon manche hoffnungsvolle Bewegung scheiterte. Die Zenttale für private Fürsorge hat sich darum zur Aufgabe getttzt, eine solche Ausbildungsanstalt für Fürsorgearbeit zu w rden. Bei ihr sind die Bedingungen in hohem Meße vorhanden, da fie eine vielvrrzweigte Tätigkeit auf allen Gebieten der Fürsorge — Armenpflege, Anstaltswesen, Kirdersürsorge, Vormundschoftkwesen u. s. w. — übt, und den Lehrgang daher auf die weiteste praktische Unterlage stellar kann. — Die Kurse, welche die Zenttale in diesem Jahre veranstaltete, betrafen die Kinderfürsorge und die Für- Jöst Erholungsbedürftige. Sie dauerten l'ö; vM>< 4 Tsge und waren so orga- nifiert, daß alle etnschlÄgiM -Anstalten von Frankfurt und Umgebung besichtigt ul? ihre Arbeit und Organisaston studiert wurden. D.--, juristischen, organisatorischen und theoretischen Probleme fanden durch R-ferate erfahrener Prak­tiker ihre Behandlung. Dadurch, daß einzelne dieser R,ferate in dem $8e; ichte abgedruckt wurden, erlangt dieser ein besonderes Jntereffe und dauernden Wen. Hervorzuheben ist daS Referat von W. Polligkeit, „über die Stellung der minderwenigen Kinder in der modernen Gesetz­gebung", in welchem dargetan wird, daß die nid» beklagte wachsende Kriminalität der Jugendlichen durch bloße Strafrechtsreform nicht behoben werden kann, sondern daß eine fürsorgerische Behandlung dieses Problems an die Stelle der rein bureoukraiischen treten muß. Ferner die Abhandlung „über die Aufgaben und die Be­deutung der Berufsvormundschaft", von Dr. O. Spann, in welcher der Ve.saffer die Not­wendigkeit einer Ers-tz mg des gegerwärtigen Systems der Einzelvormundschast durch rine öffentliche Berufsoormundschaft aus statistischen Daten über die beruflichen Verhältniff-', Kriminali­tät und Sterblichke t der Unehelichen beweist. Die übrigen noch abgedruckren Abhandlungen stich folgende: G. Hochstedter, „Die Tätigkeit de» Hauspflegevereines", Dr. Bonario, „Fürsorge.

gewesen? Du hast mir n ernal» von Deiner Mutter gesprochen! Und Tu hattest mir doch einmal gesagt, ich erinnere mich dessen sehr genau — daß Du mit die Geschichte Deiner K ndheit erzählen wolltest. Wir jaden heute so schöne Zeit; bitte, bitte. Roll, hatte etzt Drin Versprechen!"

Eine btttere Falte grub fich um die Lippen de» unzen Manne».

„Meine Mutter .... meine Kindheit .... 5a» st eine traurige Geschichte, liebe Mau»; dennoch werde ich fie Dir erzählen, wenn auch nicht heute, wo wir nur floh sein wollen."

Eine Träne schimmerte a« seinen Wimpern.

„O lieber, guter Roll! Ich habe Dir gewiß wehe getan!" bat da» Mädchen schmeichelnd. „Verzeihe mit!"

„Ich habe Dir nicht» zu verzeihen, eher müßte ich Deinem guten Herzchen danken! In der Tat gibt e» Wunden, die weniger schmerzen, wenn fie bluten . . . Und wenn ich Dir erzähle, haben wir keine Geheim- nisse mehr voreinander. R.ll fing an.

„Ich bin in Paris zur Welt gekommen. Meine Eltern habe ick nicht getarnt. Eines Abend», al» die Erde von Frost paarte, sand mich a'S wimmernd« Neuaeborene» ti.ie gute alle Frau auf den Stufe« >er Rochurkapelle. Die Frau war nicht wohlhabend: hren einfachen Unterhalt bezog fie aus einem kleinen Gemüse- und Oisthandel; ober fie befaß auf dem Grunde ihre» HrrzenS Nächstenliebe."

Keinen Augenblick überlegte fie, wa» fie mit dem Findling beginnen sollte, sondern fie ging grade!weg» zur nächsten Polizeistation, weidete da» Begebnis unb «ah« m ch al» ihr Eigen ar. Bei ihr bi« ich ge» »lieben, behandelt al» ihr leibliche» Kind. Ich sehe re noch, weit gute Mutter Hanne, wie sie meinen Schulranzen mit den rmba'igstrn Arpseln füllte; ich Ijöre roch die süßen Kos-nnnen, mit denen fie mich entließ, und fühle ihre Küsse auf meinen Wangen . .. denn fie liebte mich ouftichz, die alle Fra«! Jahre vergingen. (Fortsetzung folgt.)

^^So warst Du also heute recht glücklich?" fragte

„O, sehr, sehr glücklich," beteuerte da» Kind, wäh­rend e» wehmütig zum Himmel aufsah Glücklich . . aber auch traurig!" fügte e» mit einem Seufzer hinzu

„Traurig? Aber warum denn? Der Tag der 'rsten hl. Kommunion ist der schönste Tag de» Leben» I"

„Ja, Roll, da» hat man mir gesagt, und ich glaube '« jetzt, aber er geht so schnell vorbei und--e»

l‘ribt mir etwa» zurück, wa» mich quäl»!"

„Wa» denn?"

Aimee schob ihre« Stuhl näher an ihren Freund h-ran und sagte flüsternd:

»Ich war nicht, wie die andern."

„Wie so denn, kleine Maus?"

»Rein, sein, Roll, nicht wie die ander«. Alle «eine Gefährtinnen hatten ihre Eltern und Geschwister

sich, die mit ihnen beteten Roll! meine Mutter rekte nicht, fie betet niemals!"

„Regina liebt Dich zärtlich!" antwortete der MvgUng verwirrt, der auf diese Klage deS Kinde» kerne Antwort fand.

_ »O ja, ich weiß, Mama liebt mich sehr, und ich lw auch, von ganzem Herzen, aber — siehst Du, ich ‘•tote, fie mitte trice Schauspielerin, und ich möchte »i«rals eine werden!"

$fr jung- Mann sah ganz überrascht auf

. „Höre!" fuhr Kirnte fort, „-ch will Dir ein Ge- ««»Et« sagen, aber e« ist für Dich ganz allein; willst Du mtr da« v rsprechen?"

»Aus meine Ehre, Aimee!"

* Polen und Zentrum.

Die polnische Landtagsfraktion hat in ihrer Sitzung vom Donnerstag der vergangenen Woche folgende Resolution beschlossen:

Die polnische Fraktion im preußischrn Landtag drückt aus Anlaß des Ausfall» der letzten Ersatzwah. für das preußische Abgeordnetenhaus im Kreise Bleß- Rybnik, wo durch die Unterstützung der polnischen Wahlmänner ein Mitglied der Partei ein Mandat er­langt hat, welche gegen die polnische Nationalität be­sonders feindselig g> sinnt ist, ihr Bedauern au8.

Dir polnische Fraktion verurteilt jede Stimmabgabe für einen Gegenkandidaten deS Zentrums dort, wo der polnische Kandidat keine »uSfichtrn hat, durchzukommen.

Die polnische Fraktion wendet sich an das Zentral­wahlkomitee mit dem Wunsche, diese» möchte den oben ausgesprochenen Grundsatz sich zu eigen machen und denselben de» einzelnen Komitees alS unverrückbare Direktive empfehlen.

Die polnische Fraktion drückt die Hoffnung auS, daß die Wahlbehörden deS Zentrums bei den Wahlen geneigt fein werden, fich in jedem einzelnen Falle mit dem polnischen Zentralwahlkomitee inS Ein­vernehmen zu fetzen und im Sinne dieses gemeinschaft­lichen Einvernehmens die Wahlen durchführen werden.

Die polnische Fraktion beklagt es, daß in bezug auf die oberschlkstschen Berhältniffe der Ton »wischen dem Zentrum und der polnische» Bevölkerung sich ver­schärft hat, und wenn fie auch anerkennt, daß in dieser Hinficht beide Teile picht schuldlos find, so empfiehlt fie doch sowohl den Lritern der nationalen Bewegung in Schlefien, wie auch der dortigen Preffe heiß im Jntereffe der polnischen parlamentarischen Attion Maßhaltung und Umsicht.

Berlin, 27. Oktober 1905.

® Klidaer

SchriftleiienZos.Vmrm

z.parrellek'in^nlda. wocheickellage: „Illustrierte Sonntagszeitung"