Verantwortlicher
8»Ida, Montag, den 31. Oktober 1904.
M 250
Wird die nächste erst am Mittwoch
31. Jahrgang.
t, l> d It
»glich, «rtt vernähme der Söul« -gl keiertage. viertel «Ll.verug,prei, vrinsrrloh« nnb
ngr»z.
>slt.
c Allerheiligen.
Zum Winterschlaf rüstet sich die Natur. Darüber ist des Gommers Pracht und Lust, verstummt der Bögel lieblicher Gesang, dicke Nebel bedecken Feld und Flur mit einem grauen Schleier, ein rauher Wind fährt über die letzten spärlichen Herbstblumen und schwermütig rauscht es in den kahlen Zweigen der dürren Bäume, deren fahle Blätter todksmatt zur Erde finken.
Es geht wie eine laute Totenklage durch die Natur, und in der Tat: Wenige Wochen noch und ein weißes Letchenkleid breitet sich über die Muren, wo vor kurzem noch kräftiges Leben in wunderbarer Mannigfaltigkeit geherrscht hat.
Um die,e Zeit, wo ringsum die Natur die Vergänglichkeit alles Irdischen predigt, friert unsere hl. Kirche das Fest Allerheiligen und den SedächtniStag Allerseelen. Unsere geistige 'Mutter will uns mahnen, daß auch wir der Vergänglichkeit unterworfen find und ebenfalls über kurz oder lang dem Tode unseren Tribut zahlen müffen. Aber als liebende Mutter hat fie bei der Predigt der bitteren Wahrheit auch zugleich ein wirksames Trostmittel zur Hand. Nicht im Sinne des Unglaubens, der mit dem leiblichen Tode die Bestimmung des Menschen für beendet hält, führt sie uns die Vergänglich' kett vor Augen, sondern sie betont gerade an diesen beiden Tagen aufS Nachdrücklichste die ewige Bestimmung des Menschen, indem fie zunächst unseren Blick hinlenkt auf die Gemeinschaft der Heiligen, auf die triumphierende Kirche.
Wohl vergeht kein Tag im Jahre, an welchem wir nicht auf diesen Zusammenhang hingen iesen werden, aber an der Grenze des Kirchenjahres, durch das sich wie liebliche Blumengewinde die Feste der Heiligen schlingen, will die Kirche unS die leuchtenden Vorbilder in einem Gesamtbilde vor Augen führen. Gar finnig ist der Ursprung deS Festes. Im alten heidnischen Rom stand rin prächtiger Götzentempel, das Pantheon genannt, welcher der Verehrung sämtlicher Götter gewidmet war. Beim Siege des Christentums über das Heidentum nahmen die Christen Besitz von diesem Tempel, um den dreieinigen Gott darin anzubeten. Papst Bonifaz IV. weihte ihn im 7. Jahrhundert zu Ehren der allerseligsten Jungfrau, als der „Königin der Märtyrer" und ließ zahlreiche Reliquien der Heilgen dorthin übertragen. Im Jahre 834 verordnete dann Papst Gregor IV., daß nicht bloß das Andenken der Märtyrer, sondern aller Heiligen in jener Kirche und in der gesamten Christenheit an einem bestimmten Tage gefeiert werden solle.
So entstand das Fest Allerheiligen, welches
Ausgestoßen.
Bon Maurice de Beaumont. Deutsch von Helene KrembS.
------ (Nachdruck verboten.)
1.
Nttarschühcken, die eher in einen Tanzsaal als in da» Gotteshaus paßten.
Aber die Stirn, welche der Kranz blaffer Rosen schmückt, zeigt tiefen Ernst. In den dünkelen Augen schimmert e- noch von vergvflenen Träne«, während ein selige- Lächeln den kleinen Mund umspielt, dem man e- anmerkt, d.ß er gerne zur Fröhlichkett sich öffnet.
Die Zwei gehen piLschweigend dahin. DaS Kind folgt m't den Augen den einzelnen Gruppen die sich nach Hause begeben, wo der ^amilieniisch fichrrlich alle Angehörigen vereinigt.
Die Mutter scheint einem Gedanke n nachzuhängen, der einen Schatten über ihre regelmäßigen Züge wirst, die ohnehin mancherlei Spuren von Mattigkeit oder durchwachten Nächten tragen.
Bor dem Theater angekowmqn, bleiben fie stehen.
„Mein Liebling", sagt die Mutter, indem fie die Kleine küßt, „wir haben beute abend Probe, und ich fürchte schon zu spät zu kommen. Geh derhalb allein in» Gasthaus; kleide Dich um and laß Dir zu effen ge en, Du mußt recht müde und hungrig fein!"
Sie führte die reich behandschuhte Rechte zum Munde und unterdrückte ein aufsteigendrs Gähnen.
„Oh Mütterchen," antwortete da» Kind und schlang die Aermche» um den Hal» der Schauspi'lerin, „laß mich auf Dich warten, ich bin gar nicht so hungrig. Wir werden dann später zusammen speisen ... mit Freund Roll, wenn Du e» erlaubst!"
„Gut denn; ober nimm Dir einstweilen von de Schokolade-Bonbon», die ich auf dem Kaminfiw» gelegt habe
Au» dem Leinevzelt klangen die ersten Takte der Musik zur Probevorstellung. Die Sängerin — man nannte fie Frau Regina — eilte di« bö'zcrmn Stufen hinauf und verschwand hinter den rote» Dawastvor- hänge«.
Die kleine ging i« da» gegenüberliegende Gast- hau» „Zum goldenen Hahn". Im Flur nahm fie den
als echtes Familienfest uns innig mit unseren Brüdern im Himmel verbindet und Anlaß gibt, Gott für die Gnaden und Tugenden aller Heiligen zu danken, ihnen allen unsere Ber- ehrung zu e. weisen, sie um ihre Fürbitte anzurufen und jeden zu ermutigen, ihr Tugendbeispiel nachzuahmen. „Es konnten's diele und jene, warum nicht auch ich" rüst der hl. Augustinus bei Betrachtung des Lebens der Heiligen aus. In den Fußstapfen der Heiligen zu wandeln, das ist eS, was die Kirche von rmS fordert. Darum läßt sie heute das schöne Evangelium von den acht Seligkeiten verlesen, jenes Evangelium, von dem Napoleon I. auf St. Helena meinte, eS sei das herrlichste Blatt, daS je auf Erden geschrieben worden. Dieses Blatt aber ist der Brief der Heiligen an uns, worin sie uns grüßend zurufen: Was nrr geworden, find wir durch die Gnade Jesu Christi, der uns Kraft und Stärke gegeben, die Welt und die Götzen ihrer Lust zu überwinden und unS jene Tugenden anzueignen, welche unS würdig gemacht, nunmehr in unendlicher Seligkeit am Throne des Allerhöchsten zu stehen.
Und tut es nicht gerade in unserer Zeit not, die Tugenden der Bergpredigt zu üben, vor allem die der Demut und Sittenreinheit? Selig find die Armen im Geiste; denn ihrer ist daS Himmelreich ; selig find die ein reinrS Herz haben; denn fie werden Gott anschauen.
Maßloser Stolz und Selbstüberhebung auf der einen, S.nnenlust und Genußsucht auf der andern Seite — dos find die Grundübel unserer Zeit, an denen die Menschheit krankt, die fie ablenken von Gott und seiner Wahrheit und fie versinken lasten im Schmutz der Unfittlichkeit. Wer diese Wahrheit recht beherzigt, an dem wird die Feier des Allerheiligenfestes nicht nutzlos vorübergehen. Nicht der Glaube allein ist es, der selig macht, sondern ein Leben nach dem Glauben, der Glaube in Werken.
Anreise«: Vie t-m» spalttge peküzeile obe? deren Bannt 15 Pfg„ Befiamen dieperttzett» 25 Pfg.; bei Mieder- Holungen wird entfpr
Rabatt gewährt.
Druck und Verlag der üuldaer Acttendrucker«^ i« Zulda (Harmonie-
Fernsprecher Nr ».
im Jahre 1906 zu beziehen sein würde. Inzwischen müsten noch verschiedene Erwriterungs- bauten vorgenommen werden. Unter anderm soll ein neuer Flügel mit einem Sprisesaal für 150 P-rsone» und ein Marstall für 50 Pferde erbaut werden.
* Der.Rrisbote' mag die s Höne „Ansprache deS Kaisers a« de» Bischof von Metz" nicht preiSgeben. Die „Ableugnung" durch die „ultramontane Presse" genügt chm nicht. Soll eS ihm der Kaiser etwa schriftlich geben, daß er eine solche Ansprache nicht gehalten habe? Um die Erfindung zu retten, beruft der ,ReichSbot?' sich auf einen angeblichen Vorgang vom Jahre 1882. Damals soll Kaiser Wilhelm I. dem Fürstbischof Herzog von Breslau auch dem Bres- lauer Bischof eine ähnliche Standrede gehalten haben wegen des bekannten vielbefabelten „Misch- ehenerlastrs". Will der .Reichshote' unS vielleicht nicht auch den Wortlaut dieser Ansprache mitteilen? Dann kann man ja darüber reden. Ueber sein Mißgeschick sucht er sich des weiteren zu ttösten mit einem fulminanten Festartikel „Zum 31. Oktober", d. h. zum „Reformations- feste". Da wird es aber der „römischen Hierarchie" nicht schlecht gegeben! Recht schmeichelhaft für die „Reformation", daß ein „orthodoxes" Blatt zu ihrem Gedenktage nichts Positives von chr zu sagen, sondern nur gegen „Rom" zu poltern weiß. So gegen Ende des Artikels wird dann auch über Gleichgültigkeit und „Un- glaubkn in der evangelischen Kirche" geklagt, immer natürlich unter freundlichen Seitenblicken gegen „Rom". Sehr erhebend für die Protestanten, daß man ihnen zum „Reformationsfeste" nichts Erbaulicheres und Erhebenderes zu sagen weiß, als daß die „römische Hierarchie" furchtbarer und der Unglaube in der „Kirche der Reformation" stärker und kecker auftrete als ja.
* Die neue Militärvorlage. Wie die ,Dresd. Nachr/ aus „unterrichteten Kreisen" erfahren haben wollen, dürfte die geforderte Erhöhung der Friedenspräsenzstärke die Zahl von 10000Mann nicht erheblich übersteigen. Sie würde also ungefähr den vom Reichstage an der vorigen Militärvorlage gestrichenen 7200 Mann für die Infanterie entsprechen. Es scheine sich im wesentlichen darum zu handeln, einzelne Grenzregimenter in Ostpreußen und Lothringen auf drei Bataillon e zu verstärken und außer- den bisherigen Etat der Kompagnien einer Anzahl anderer Grenzregimenter ebenfalls zu erhöhen. Von einer Vermehrung der eigentlichen Kavallerie scheine Abstand genommen zu fein, doch bü fie eine Verstärkung deS Meldereitern».sens, das sich gut bewährt hat, um sechs bis sieben Eskadrons Jäger zu Pferde angeforkert werden, fodaß wir nach Bewilligung dieser Forderung künftig 23 bis 24 EskadronS Jäger zu Pferde haben würben. Ferner soll noch eine weitere Anstellung von vier Maschinengewehr -Abteilungen beabsichtigt sein, obwohl sich diese Waffe nach den Urteilen Sachverständiger in den südafrikanischen Kämpfen keineswegs so gut bewährt hat, wie man miliärischerseitS erwartet hatte. Ob in der neum Militäkvorlage auch eine Forderung für
Wer von meinen freundliche« Leser« erinnert sich nicht de» weiße« Sonntags und der herzigen Kinder tm Uuschuldrkleide, die inmitten ihrer Verwandte» und Freunde den Weg zur Kirche gehen, während vom Tmme hoch da» feierliche Geläute die Luft erfüllt?
Biele Feste mancherlei Art find im Lauf« der Jahrhundert« eingegange«, Sitten and Gebräuche habe« gewechselt oder find ganz verchwunde«, — doch der Tag der ersten heüigen Krmmunion kommt jede» Jahr «m dem Frühling wieder. Er bringt freuvize» Leben J®b stille» Glück in die Stadt wie in das kleinste zur Zeit, wenn die linden Lüste und da» erste Wrün und die duftende« Blumen zu neuem Leb.-n er» •’«« nadj des Winter» Ei» und Schnee.
deim Anblicke der bescheidenen, in seliger Andacht Arkrihrem weißen Schleier dahrrschreitenden Mädcheu- sdm manche» Herz schneller, und Tränen der Nllyrmig treten in wehr al» ein Auge!
-..Wohl steigt aber auch hie und da die Röte der auf eine Stirn, die sich traurig zu Boren MN, ober er« schwerer Stutzer ringt fich zum Himmel toenn so eia reine» Gotteskind über die P-ätze är T*ra6tn der Großstadt eilt, unbekümmert um die Neugier der Menge.
«e-xZ*'. hochmütige Freigeist wendet fich vielleicht x«chglüig ab ober lächelt spöttisch . . . Täuschung! jv*61 iind eindringlich regt sich irr ihm eine Stimme, .v; tr lange nicht mehr vernommen . . . Woher plötz-
diese unbequeme Mahnung?
Glückliche Kinder!
Schlüssel von der Nummer 16 de» Brettes und begab fich in daS Zimmer de« dritten Stockwerke», da» ihre Mutter für die Zeit ihre» hiefigen Aufenthalte» gemietet hatte.
Qin fader Geruch von Puder und Schminke erfüllte den kleinen Raum, worin iherbie» ein seltene» Durcheinander von künstlichen Blumen, zerriss «en Büch rn und teils verblichenen oder abgetragenen Kleidungsstück-n herrschte.
Aimee war augenscheinlich an diese Unordnung gewöhnt. Zwischen den zu eitet Pyramide ausqestapetten Kisten und Koffern zog fie eine breite Schachtel hervor. Dann stellte sie sich vor den Spiegel und, nachdem Jie ihr weißer Gewand ein letzter Mal betrachtet, chickte fie fich an, der Mutter Befehl nachzukomme«. Langsam entledigte fie fich de- Schleiers, des Kranze» ur.d de» schneeigen Kleine-, küßte jeden Gegenstand und legte ihn tann behutsam fort.
Ihr Gesichtchen behielt dabei den finnigen AuS- druck, kalb traurrg, halb nachdenklich. Al» das leichte lange Muffelinkleid durch ein kurze- tote# Sammetröckchen ersetzt war, da» schon an wehr al» an einer Stelle fadenlchein g wurde, da musterte Simee nochmal» ihr Spiegelvrtd uvd seufzte. Auf dem Tische lag noch ihre Medaille, anqeheftet an ein breite» Seidenband; danach streckte sie nun die Hand und schlang da» Band um ihre« Hal»!
„Da» darf ich wohl heute abend noch tragen!" sagte fie.
Umsonst locke die rosa Tüte mit den Süßigkeiten — da» Lind achtete nicht daraus. Es setzt« fick still und ruhig in einen kleinen Sessel, faltete die Hände auf den Knieen, schloß die Auge« und ließ die Eindrücke des Tage» noamal» an fich votübetgehen, wobei abwechselnd Wehwut oder Freude über feine Züge glitt.
Plötzlich regte e» fich erwartungsvoll: rin Schritt war auf der Treppe laut gewoidrn. Mit g; az-bser Behendigkeit sprang Simee auf und öff'ete dir Tüt.
die allgemeine Einführung der bei uns bisher nur versuchsweise eingestellten Rohrrücklaufs- geschütze enthalten fein wird, darüber ist vorläufig nichts Zuverlässiges zu erfahren.
—* Die zur Reich-kaffe gelangte Jstein- nähme, abzüglich der AuSfuhroergütunpen rc. und der Verwaltungrkosten, beträgt für die Zeit vom 1. April bis Ende September bei den nachbezeichneten Einnahmen: Zölle 226 389 892 Mk. (— 7 382 277 Mk.), Tabaksteuer 4 707 151 Mk. (+ 129 811 Mk.), Zuckersteuer 64182 113 Mk. (+ 10 640 709 Mk.), Salzfieuer 23 581 042 Mk. (4- 464134 Mark), Maischdottichsteuer — 1612 352 Mk. (+ 2 141841 Mk.), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag 62 088 414 Mk. (-j- 853 774 Mk.), Brennsteuer — 663 698 Mk. (+ 137 495 Mk), Schaum- weinsteuer 2 177 234 Mk. (+ 338 096 Mark), Bravster er und Üebergangsabgabe von Bier 15 067 453 Mark (+ 245 076 Mark), Summe 395 917 249 Mk. (+ 7 568 659 Mk.). — Spiel- kartrnstewpel 776 102 Mark (4- 40154 Mark).
** Die E«tsch«lduvg des bäuerlichen Grundbesitzes kann durch Selbsthilfe allein nicht erreicht werden. Diese muß ober, wie die ,Berl. Pol. Nachr.' anscheinend offiziös aus- führen, dabei die erste und entscheidende Rolle spielen; fie darf nur durch eine Hilfsaktion öffentlicher Körperschaften unterstützt und gefördert werden. Wenn auch der Staat selbstverständlich Mitwirken muß, so ist er doch nicht zunächst dafür berufen, 'sondern zunächst müffen die provinziellen öffentlichen Körperschaften ihre Hand dazu bieten und der Staat kann erst in zweiter Linie und in begrenzter, übersehbarer Verpflichtung an der Hilfsaktion fich beteiligen. Bevor indeffen daran gegangen werden konnte, solche Grundsätze in die Tat umzusetzen, war es erforderlich, zunächst den Umfang der Verschuldung der bäuerlichen Befitzungen und insbesondere die Höhe derjenigen Schulden, die gegebenenfalls für die Entschuldung in Frage kommen können, genau kennen zu lernen. Erst wenn so die finanzielle Tragweite des Ganzen zu Über- sehen sein würde, könnte über die Einzelheiten auf sicherer Grundlage ein Schluß gefaßt werden. Die demzufolge veranstalteten Erhebungen sind nunmehr für einige Provinzen zum Abschluß gelangt. Die Staatsregierung ist auf Grund der Erhebungsergebniffe zu der Auffassung gekommen, daß es sich empfiehlt, ohne den Abschluß der Ermittelungen für die übrigen Provinzen abzuwarten, schon jetzt an die Lösung der großen Aufgabe heranzutreten. Es wird daher der Versuch unternommen werden, unter finanzieller Mitwirkung des Staates die nötigen provinziellen Einrichtungen zu treffen, um den Bauern unter billigen Bedingungen die Abstoßung der ste am schwersten belastenden Schulden zu ermöglichen, und es dürfte vorauSfichtlich schon der nächstjährige Etat die Gelegenheit bieten, fich mit dieser Frage im Landtage zu befassen. — Die .Deutsche Tagesztg/ erklärt das mit der ihr eigenen Bescheidenheit rasch für einen Erfolg des Bundes der Landwirte. Als ob nicht auch an- bete Leute für die Entlastung des Bauernstandes gewirkt hätten!
Berlin, den 29. Oktober 1904.
** In der italienischen Preffe erhält fich das Gerücht von einer bevorstehenden Zusammeu- fxrnft des Kaisers «nd des Königs von Italien. Aus Mailand wird gemeldet, daß die Zusammenkunft in Livorno stattfinden werde. DaS deutsche Konsulat habe die Richtigkeit zugegeben und mitgeteilt, daß nächster Tage ein Schiff der deutschen Marine dort ein treffen werde.
?? Die zukünftige Sommerresidevz deS keouprinzlicheu PaareS wirdSchloß Babels- berg werden, das frühere TuSkul^m Kaiser Wilhelms I., das feit dessen Tode unbewohnt blieb und nur einmal, anläßlich der letzten An- wesenhett des italienischen Königspaares zu einer größeren Hoffestlichkett seitdem benutzt wurde. Der Kaffer hat dieser Tage, als er mit dem Kronprinzen und dessen Braut das Schloß und den Babelsberger Park brfichtigte, drm jungen Paar die Mitteilung gemacht, daß daS Schloß
Der Reiche, übersättigt von all den Genüssen, bi« Gold und Bergrügen zu bieten ti-rmögen, betreibet euch im geheimsten Winkri seine» Inner» ... Der Arme, dem eure kleine Hand fröhlichen Herzen» Al- mosen spenbet, lache t euch an, und die Engel de» Himmel» feiern erch heute al» ihre Schwesterseelen!
Ach, könnte der Tag ber ersten heiligen Kommunion, könnte eure Unschuld und Glückseligkeit ewig währe»!
Vielleicht rühmt man bald eure Schönheit, eure Talente und Kunstfertigkeiten--ober heute beugt
sich j'ber Christ vor euch in Achtung und Ch.furch', denn von eurer Stvn leuchtet ein Strahl himmlischen Entzücken»!
* *
In Sankt P'ter, einer der größten Pfarrkirchen zu Cteimont-Ferrand. war die Nacbmittagsan^acht zu Ende. Die Sonne rüstete fich zum Scheibe»; boch ehe fie hinter dem hohen Bergkegel verschwand, wais fie noch einmal eine Gatt« blend-nden Lichte» gleich schimmerndem Feuerwerk über den große» Platz und die fich nach verschiedenen Richtungen zerstreuenden E-stkommunikanten.
Man schrieb den letzten Aprll, bett Vorabend deS berühmten Jahrmarktes in Clermont Buben und Schaustellungen all-r Art waren aufgeschlagen und bildete» stattlich« Reihen unter den blühenden Kastanienbäume». Große und kleine Zelte trage« auf ihrer Vorderseite bunte Bilder und flatternd« Wimpel; ambem rkbarsten aafer allen machte fich dal in grellen Amben gemalte Schild des „gallischen Theaters".
Dieser mit den großartigsten Ankündigungen beklebten Bude nähert fich eine E> stkommmikantin, begleitet von einer schönen junge» Frau in auffälliger Toilette und van ziemlich freiem Benehmen. Der Ar - zug des Kinde» scheint auch nicht so ganz einfach und paffend, wie der seiner Gefährtinnen. Die glän enden schwarzen Locken find nicht aufgesteckt, sondern wallen lose über die Schultern unter einem fein bestickten Tüllschleier, utb die kleinen FStze steck» in weißen
Zeitung
rnonatsbeUagt: „Huldaei SeschichtzMtter".
Zuldaer
rchrtstleiter:Zos.va»m
Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung"
; l ionisches-Reich