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Fuldaer Actiendruckerre

MonatZbeilage: „Zuldaer GeschichtöÄStter". ’SeÄY

§ulöa, Samstag, den 29. Oktober 1904.

31. Jahrgang.

eines Klosters oder vielmehr einer Abtei ge­bildet worden ist.

Er kostet, nebenbei bemerkt, über 700000 Mk. Die politische Gemeinde, die von Jahr zu Jahr an kräftigen Steuerzahlern zunimmt, kann sich das leisten.

Zu gleicher Zeit wird in Zehlendorf auch eine protestantisch« Kirche gebaut, eine prächtige Kirche im gotischen Stil. Das zuge- hörige Pfarrhaus im selben Stil steht schon fertig daneben. Die evangelische Kirchen- gemeinde Zehlendorf kann sich einen Aufwand, der im Ganzen über eine drittel Million hinaus» gehen wird, ebenfalls leisten. Die hiesigen Evangelischen brauchen nach wie vor nur neun Prozent Kirchensteuer zu zahlen.

Und die Katholiken in Zehlendorf? Die haben wohl nur ein Kapellchen oder eine Not kirche? Ach nein, die haben gar nichts. Nul Komma null: Keinen Betsaal und keinen Geist» lichen am Ort! Wer zur Kirche will, muß nach Steglitz fahren, und die Geistlichen müffen zum Religionsunterricht und zur Seelsorge von Steg­litz herüberkommen. So steht in der aufblühen» den Gemeinde mit ihren Prachtbauten der katho­lische Bevölkerungsteil in der Ecke.

Aber wenn wir nichts haben, so können wir doch etwas kriegen, falls wir einen kühnen Griff wagen: wir können einen Bauplatz für die katholische Kirche in Zehlendorf umson erhalten, wenn wir imstande sind, spätestens im Jahre 1906 den Bau der Kirche zu beginnen und ohne Unterbrechung zu Ende zu führen.

Da möchte man mit dem tragischen Helden rufen: „Kann ich eine Kirche aus der Erde stampfen, wachsen mir die Hunderttausende in der hohlen Hand?"

♦ * ♦

Vor der Tür stehen Allerheiligen und Allerseelen. Wir gedenken der Vorausge- gangenen. Sie ruhen von ihrer Arbeit, und rhre Werke folgen ihnen nach. Ja, ihre Werke, aber nicht ihr Geld. Der Mammon bleibt diesseits des Grabes, der gerechte wie der ungerechte. Aber was man mit dem Mammon gewirkt hat, das geht mit hinüber, um gewogen zu wer» den auf der Wage des höchsten Gerichts. Man soll sich Freunde sch ffen mit dem ungerechten Mammon, mahnt die heilige Schrift.

Ich glaube, man kann sich bei dem Gräber» besuche recht gut eine Selbstpredigt halten, wenn man sich überlegt: Würde Gott den Ent­schlafenen noch für ein Jahr das irdische Leben zurückgeben, was würden sie tun? O, sie wür­den gewiß mit dem flammenden Entschlüsse zurück­kommen, Gutes zu tun, die Selbstsucht und den Geiz aufzugeben und in dem Probejahre das Wort zu bewahrheiten: „Nun bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, und die Liebe ist die größte von ihnen."

Wir leben noch im Sonnenlichte; für uns ist noch der Tag, an dem man wirken kann Wenn wir doch alle begreifen wollten, daß es

nichts vorteilhafteres gibt, als Gutes zu tun mit den Mitteln, die uns Gott gegeben har. Vorteilhaft für das Jenseits, aber auch vorteil­haft für das Diesseits schon; denn Wohltun macht glücklich. Wer diese Süßigkeit noch nicht er­probt hat, der beeile sich, sie zu kosten.

Im preußischen Abgeordnetenhause ist jetzt wieder verhandelt worden über das System Mirbach. Freiherr v. Mirbach hat es ver standen, in Berlin und Umgebung die protestantischen Kirchen dutzendweise erstehen zu lasse». Man tadelt, daß er mehr auf das Geld, als aus die Gesinnung der Geber gesehen habe, daß für die Beitrazsleistungkn irdische Auszeichnungen oder Titeln verliehen seien, daß er auch von Juden und Katholiken genommen habe. Mit schwung­voller Beredtsamkeit wurde verkündet, daß man Kirchen nur aus solchen Gelder» bauen dürfe, die aus reiner christlicher Opferwilligkeit gegeben worden seien.

Nun gut, die katholischen Kirchen in Berlin und Umgebung können diese scharfe Probe ihrer Herkunft bestehen. Wir haben keinen Sammel-Mirbach, der Orden und Titeln ver­mitteln könnte. Wer zuden dringend notwendigen katholischen Kirchenbauten gibt, der muß schon um Gottes und der notleidenden Brüder willen geben.

Daraus erklärt sich auch, daß das Geld dort scheffelweise kam und hier löffelweise kommt. Freiherr v. Mirbach hat 'mal in einem Sammel» schreiben gesagt, kleine Gaben wären allgemein unbeliebt. O, bei den katholischen Seelsorgern, die nach Hilfe rufen, sind dir Gaben der kleinen Leute sehr beliebt. Sie nehmen gern Banknoten und Goldstücke, aber sie freu n" sich auch über jedes Scherflein, weil sie wiffen, daß die Menge der Tropfen schließlich einen Fluß machen.

♦ ♦ *

Nun kommt der Fuchs aus dem Loch. Also, mein Pfarrer sprach so zu mir: Eine Kirche in Skegsitz habe ich schon zusammengebettelt. Die Schullern tun mir roch weh vom Bet elsack. Ml ich lange und weit geschleppt habe. Nun mutz ich noch einmal das schwere Werk beginnen, ich muß für Zehlendorf eine Kirche zusammen­betteln, uns da nutzt kein Widerstreben, du Un» politischer mußt immer wieder drn Bettelsack tragen helfen! Jetzt erst recht, da rs sich um die Versorgung deiner engeren Gemeinde handelt. Also auf, fülle deine Feder mit heiligem Eifer und schreib', daß die Herzen bewegt und die Beutel geöffnet werden!

So spricht der Pfarrer und hat recht. Aber was soll ich tun? Die Notwendigkeit des Kirchen­baues in Zehlendorf ist mit Händen zu greifen. Ihrer 1000 Seelen warten schon jetzt auf kirch­liche Versorgung am Orr, und ihre Zahl wächst von Jahr zu Jahr, da die Gemeinde in stetem starken Aufschwünge ist. An der Kanalseite er­heben sich riesige Fabrikanlagen, die gerade die am meisten versorgungsbedürftige katholische Ar­beiterschaft anschwellen lasten werden. Bei der

bloßen Eisenbahn-Seelsorge, von einem andern Ort aus, gehen fortwährend Seelen zu Hunderten verloren. Jetzt können wir einen Bauplatz, der sonst seine 30 bis 40000 Mk. kosten würde, um­sonst haben, wenn wir nur soviel Hilfe finden, daß wir 1906 den Bau beginnen können. Der Herr Kardlnal-Fürstdischof will, wie ich höre, auch einen erh-bl-chen Beitrag schenken. Alles hängt tzben davon ab. ob dem Pfarrer rechtzeitig so viel^milde Gaben zufließen, daß er den Bau­platz mit der gestellten Bedingung annehmen darf.

Das ist alles so klar und einfach, daß ich krineFeder dabei krumm zu schreiben brau che.Aber auf welcheWeis» kriegt man die Leser zurOeffnung des Portemoeaies herum?

Der Wettbewerb auf dem Sammelgtbiet ist jetzt viel schärfer, als noch vor wenigen Jahren. Alle möglichsten Tricks werden angewendet. Zeitu-eg'beilagen mit und ahne Illustrationen, Bildchen, Bücher rc. Soll ich noch einen reuen Kunstgriff austüstkln? Oder soll ich mch mit der einfachen Bitte begnügen: Habet Mitleid mit unfern katholischen Brüdern und Schwestern in Zehlendorf, wozu auch der „Unpolitische" gehört, und nehmet gleich nach der Durchlesung dieses Artikels ein Postanweisungs-Formular, um an folgende Adresse einen Beitrag zu schicken:

Herrn

Pfarrer Joseph Deitmar, Hochwürden, Steglitz bei Berlin, Flensburgerfiraße 3/4.

Wer selbst die Postanweisung nicht glaubt füllen zu können, nehme ein paar Verwandte oder Freunde zu Hilfe.

Nachdem Steglitz und Großlichterfelde ver« forgt find, ist Zehlendorf an der Reihe, und ich hoffe, es wird auch bald versorgt sein, wenn die Herzen der Leser nicht ganz verhärtet find.

Berlin, den 29. Oktober 1904.

?? Zu den abermaligen Versuchersider.Post', Reichstagsdiäte« und Verschlechterungen des Wahlrechts mit einander zu oe:q litten, be­merkt die.Deutsche Tagesztg/: „Wir wiederholen auch diesen Vorschlägen gegenüber, daß wir eine Verquickung der Tagegeldersrage mit anderen Fragen einer etwaigen Wahlrechtsänderung weder für inner.ich begründet noch für taktisch richtig erachten. Hält man, wie wir, die Einführung von Tagegeldern für geboten, dann wird man sie ohse Konzessionen bewilligen müssen. Hält man sie für gefährlich und unberechtigt, dann kann an dieser Auffaffung durch die Konzesstonen nichts Wesentliches geändert werden. Auf unS macht diese Verquickung immer den peinlichen Eindruck eines äußerlichen Schachers. Einen

Jt» 249.

41

Zweites Blatt -

8. Beinhorn.

------ (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Unpolitische Zeitläuse.

(Nachdruck verboten.)

K Berlin, 27. Oktober 1904

Diesmal schreibe ich mit Hinterlist.

Anfang ist harmlos; aber das ticke Ende toi hintennach.

*

Heute hatten wir hohen Besuch: Prinz Eite Fritz, der zweite Sohn des Kaisers und Königi kam nach Zehlendorf, um als Vertret« Sr. Majestät an der Einweihung des neue Gymnasiums teilzunehmen.

Der „Unpolitische" ist seit 16 Jahren Bürge von Zehlendorf bei Berlin und hatte also au seinen Teil an der Ehre und der Festfreud, Das neue Gymnasium, ein Prachtbau im deut schen Renaissancestil, dehnt seine gewaltige Flügel nahe der Berlin-Poisdamer Eisenbach aus. Der Kaiser fährt sehr häufig dort vorbei und dabei ist dem scharfen Auge des kunst finnigen Monarchen der Bau aufgefallen. Als bald hat er Bericht eingefordert. Der Kaise nahm mrt Jntereffe von den Plänen Kenntni und gab seiner Anerkennung dadurch Ausdruck daß er den Prinzen Eitel Fritz zu der Ein weihungkseier entsandte.

Ich habe viele Fehler; aber ein Schmeichle »der ein Ordensjäger bin ich nicht. Ich geb einfach der Wahrheit die Ehre, wenn ich fest stelle, daß der Prinz, eine hohe, schlanke, frisch Jünglingsgestalt, durch sein einfaches und leut seliges Auftreten sich alle Herzen erobert hat Di; Feier verlies auch sehr schön, und der Prin «ar von dem prächtigen Gebäude und feine: praktischen Einrichtungen sehr erbaut.

An dem Festessen, das in landesübliche Weise nach dem feierlichen Akt stattfand, hab ich nicht teilgenommen, weil ich noch diese: Artikel zu schreiben hatte.

Reden wir also noch etwas vom Zehlen dorser Gymnasium. Sollte ein Leser denken ein solcher Bau in einem Berliner Vorort ging ihn doch nicht näher an, so wird er schon eine; anderen belehrt werden, wenn er leichtsinnig genug ist, bis zu Ende zu lesen.

Das Gebäude ist von einem Kölner Archi leiten entworfen, der offenbar seinen Geschmac nicht an den modernen Berliner „Prachtbauten" sondern an älteren und würdigeren Mustert gebildet hat. Ein witziger Nachbar sagte mir Das wäre so recht eine Residenz sür euer, Jesuiten, die ja jetzt in Mafien zurückkehren Von den massenhaften Jesuiten sehe ich freilick noch nichts, am wenigsten in unseren Vororten aber richtig ist, daß der Bau nach dem Muste:

wunderbare Fügungen.

Eine Erzählung, übersetzt au8 dem Italienischen von

Dieser war erbleicht, seine zitternde Hmd wühlte in den Taschen, gleichsam als suche et nach einet Waffe.

In dl-sem Augenblicke fühlte er sich berührt; er sah sich um; eS war Laura.

Boller Angst und zerknirscht machte sie ihm ein rasche-, geheimnisvoller Zeichen.

Sie hielt m der Hand ein Fläschchen, welcher sie ihm verstohlen reichen wollte.

„ES ist das von Dir präparierte Gift!" flüsterte Laura.

Boursault streckte ra>ch die Hand an-, aber bevor er Zeit hatte, sich der Glases zu bemächtigen, hatte der Gendarm er ihm schon entrisse«.

„Ein solch voreilige» Spiel kann ich nicht dul­den; jetzt dürfen Sie mit dem Leben noch nicht ab» schließen," sagte dieser in spöttischem aber kräftigem Tone.

Boursault war vernichtet.

Uvterteffeu war Fersen, gefolgt von Herrn Blle- neuve, Karl de Renneville und Tom, auf der unter­irdischen Treppe verschwunden.

Unten angelangt betraten sie ein Gemach, welcher kanz zu einer Werkstatt eingerichtet war. Der Ver­brecher hatte alles bi» au<» Kleinste in großer Ordnung gehalten. Die Beweise l-eßen sich rasch seststellen, er konnte kein Zweifel mehr obwalten.

Ter Elende wollte noch zuletzt an Billenenve» Freuvdschast appel, irren, allein daS Gefühl der Amts­pflicht war stärker a?8 das der Freundschaft.

„Ueberwachen Sie aufs Strengste den Berhaftete», er darf »nS nicht ew fliehen", sagte et zu dem Poli­zisten in gebieterischem Tone.

„Endlich ist die Vergeltung gekomm-n!" rief Fersen aaS, indem er fich dem Verbrecher näherte, „endlich werden die Qualen vergolten werden, die Du mich hast dulden :offen."

Darauf fich an Tom wendend, fügte er hinzu:

„Komm, komm, wir wollen de» Schurke« seiner gerechten Strafe Sberlrffen, laß vnS jetzt au de« Totenbette weine» «wen Kinde» beten/

Boursault befand fich in sichere» Hände», et foarte

„Wo ist et?"

„Hier/

,. „Wie h-ißt et? ... . Sein Name .... rasch fein Name."

„Er steht vor Ihnen; eS ist Bomsault."

Aller Blicke wandten fich voller Ei staunen auf den von Fersen bezeichneten Falschmünzer.

Dieser schüttelte den Kopf und lächelte spöttisch „Sr, er I" tief B lleneuve mit dumpfer Stimme °uS. „Alto bestätigt fich mein gestern geschöpfter Argwohn!'

„S:e könnten wirklich glauben, wa» ein Wahn- nMiStt spricht?" sagte Boursault in vorwu-stvollem »Bemerken Sie denn nicht, daß er wahnfinnig rJL Der Unglückliche hat seit zwanzig Jahren allein Skn t arten kwlebt; in seinem Kummer und in seinem kl?01," Beistand verloren; es wundert mich, daß

fort/ $°m feint rig'ne Tochter nicht an- h«-SFn,fl”’e sah Fersen scharf an, um fich des Ein-

ru versichern, den Boursault» An.Wort auf ihn

der Unglückliche blieb unerschütterlich, wo- &8«ncu»Ö&tt rtK$ "" 8' ößerer Unwille in seinen •£' die Zeit der Schmach ist vorüber", tief er hM aus; „Du hast zulange meine Gutmütigkeit Dchwäche berutzr und mich mit den schrecklichsten gingen eingrfchüchlert. Jetzt trotze ich Dir. Meine «Aco, mein geliebte» Kind ,st tot! Jetzt denke ich RaKe. Boursault, Mörder, Falschmünzer, jetzt °n Dich die Reihe zu zitter», denn da» Zucht-

» oder auch der Salgen werd Drin LoS feto."

wurde er auf BillenenveS Befehl von einem Gendarmen au» Mettcc festgehalten.

„Wenn es Ihnen nicht unangenehm ist, so werde ich Sie nicht verlaffen", sag e dieser in höflicher Weise.

Boursault widersetzte fich nicht, er fühlte wohl, daß er verloren war. daß eS keinen Weg der Rettung gao. Man schritt also weiter ....

AlS fie an Niverts Zimmer vorbeikamen, hörten sie, wie dieser in feiner wilden Fantasie trillerte:

Fort, fort Canaille, fort, Rasch geh mir auS den Wege

So geht es im Leben, dar Possenhafte mischt fich oft mit dem Schrecklichen

Ein Jeder war von Schauder ergriffen. Der Stand dec Dinge erwi-s fich für Boursault immer drohender; daS unerbittliche Geschick mußte ihn erreichen.

Boran schritt Christian Fersen, ihm folgten Blle­neuve und Karl de Renneville; dann kam der Gendarm mit Boursault. Weiter entfernt, ganz allein, gebeugten HrvpteS ging der alte, treue Diener Tom.

Da» Drama näherte fich seinem Ende. ES war ein herrlicher Morgen. Die Sonre strahlte in ihrer vollen Bracht, tausende von Vögeln zwitscherten in de« üchtbelaabten Bäumen, die Lust war voller Balsam. Mein eS achtete niemand daraus.

Kaum in den Prrk getreten, ging Fersen lang amen Schritte», nach beiden Seiten blickend, gleich- am, um fich zu orientieren. Dann plötzlich stehen »leibend sagte er:

„Ehemals stand hier ei« Taubenpseiler, man hat ihn niebergeiiffen, aber ich hoffe, die Spure« davon noch zu entdecken. O", tief er nach einigen Augenbl cken au», „kommen Sie, kommen Sie, hier ist di- Stätte !*

Man befand fich vor einem dichten Gebüsche, von welchem Fersen die Zweige zurückgebogen hatte. Er gmg noch einige Schritte weiter, daun hob er eine Falltür auf, welche die ersten Stufen zu einer unterttdisch-n Treppe zeigte. Hier hatte also der FalschmÄzer seine Werkstatt lUtsgeschkage». E» be­durfte keines anderen Beweise».

„Ah, der Bösewicht — der Schurke", rief Ville- n-.uve, indem er seinen Blick auf Boursault warf.

„Darauf fich an Her:« Billenenve wendend, fuhr er (ort:

„Entschuldigen Sie, Herr Richter, wenn ich mich durch meine Leidenschaft so hinreißen lasse. Ich weiß, es ist nicht genügend, diesen Bösewicht nur anzuflaaen, e» bedarf auch der Beweise."

„Also habe« Sie deren?"

„Vollständig."

Billenenve sah drn Alten voller Erstaunen an, fast befürchtete er, daß Boursault die Wahrheit gesagt hatte und daß der Ungiück-iche richt recht beiSirnen fei. Indessen blieb fein Blick ruhig und fest, und nicht» außergewöhnliche» zeigte fich in seiner Haltnr g.

Fersen selbst schien zu ahnen, wa» im Innern Billenenve» vorgirg

„Ah, Sie zweifeln", rief er mit fester Stimme auS. „Wohlan, folgen Sie mir, binnen kurzem werde ich Ihnen die versprochenen Beweise liefern."

Als er im Begriff stand, nach der Tür zu gehen, sprang Boursault auf ihn zu, und ihm die Hand auf die Schulter legend, rief er in blinder Wut auS:

„Fersen, hüte Dich wohl!"

„Ich fürchte mich nicht mehr!" antwortete der Alte.

„Man hat Dich getäuscht, sage ich Dir, Fersen. Jelene ist nicht tot."

■ Unterdessen war auch Billeneuve vorgetreten; er lüftete auf Boursault einen so durchdringenden Blick, daß dieser unwillkürlich die Augen uiederschlug.

„WaS veranlaßt Sie, ihn zum Schweigen zu rringen?" sagte er in strengem tone. „Lassen Sie »en Unglücklich.« seine Pflicht ersüllen, und versuchen Sie nicht, die gerichtliche Verfolgung de» Verbrecher» zu hemmen."

„Aber . . ."

„Gehen Sie, ich folge Ihnen!" fügte er hinzu, «dem er fich an Ferse» wandte.

Und ohne eine wettere Erwiderung abzuwarten, ging er mit dem Unglücklichen au» dem Zimm«.

Karl v. Renneville und Bomsault folgte»; al» letzterer auf den Gang gelangt war, der zu seiner Wohnstube führte, und er i« Begriff war einzutrete»,