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M 247.
§Llda, Donnerstag, den 27. Oktober 1904.
31. Jahrgang,
■
veutscher Reich.
Berlin, der. 26. Oktober 1904.
* Meter ei« Schreibe« Kaiser Wilhelms am Geburtstage des Sultans berichtet.Wolffs Bureau':
Anläßlich der am Geburtstage deS Sultans arn Dienstag erfolgte» Eröffnung der ersten, 209 Kilometer langen Teilstrecke der Bagdadbahn Kenia —Gr- egli—Burgurlu ging dem Vorsitzenden deS Ber- waltm!g?rateS der Bagdadbahn-Sefellfchafr, Direktor t er Deutschen Bank Arthur ©minner, folgendes Schreiben des Kaisers zu: Aus Ihrer Meldung vom 20. d. Mis. habe ich mit großer Befriedigung ersehen, daß am heurigen G.burtStage meines Erlauchten Freundes, Seiner Majestät des Kaisers der Osman en, die erste Teilstrecke der Bagdadbahn von Kenia nach Burgurla feierlich eröffnet wird. Ich freue mich, daß eS gelungen ist, das bedeutungsvolle Unternehmen deutschen UnternehmungSgeiftrs und deutscher Jn- gknieurkunst trotz mannigfacher entgegentretenden Schwierigkeiten biS zu diesem wichtigen Abschnitt zu sördern, und kann ich es mir nicht versagen, Ihnen nie allen an dem großen Werke Beteiligten meine volle Anerkennuns zu dem bisher Erreichten und meine wärmsten Wünsche für eine weitere glückliche Fortsetzung und Vollendung des Bagdadbahn-UnternehmenS auszusprechen.
* Die Entsesbrmg des Prinzen Fried- rich Leopold ins russische Hauptquartier, so behauptet eine Zettungskorrespondenz, war bisher nur aufgeschoberr, weil General Kuropatktn erklärt hatte, eine Gewähr für die persönliche Sicherheit des Prinzen in dem gegenwärtigen Stadium des Krieges nicht übernehmen zu können. Es bestand dir Absicht, für die Mission des Prinzen einen günstigen Zeitpunkt abzuwarten. Diese Absicht ist in jüngster Zeit endgiltig auf« gegeben worden.
(*) Em Kcusistorialrat Dr. Schuster will uns, wie wir aus der Preffe des Eoangelischeu Bundes ersehen, glauben machen, ein durchaus nicht mit Glücksgütern gesegneter Protestant habe ein namhaftes Geschenk an den Gustav. Adolfs-Verein gemacht, weil er auf der RegensburgerKatholikenversammlung, die 'er mit feinem Bruder besuchte, „unerhörte Angriffe und Beschuldigungen gegen die Eoange- lischen" habe erfahren müssen nnd ihm so zum Bewußtsein gekommen fei, „welch ein erbitterter Kampf jetzt uns aufgenötigt werde und was für uns auf dem Spiele stehe, da nur zu viele Eoan« gelische die unserer Kirche drohende Gefahr nicht sehen". In seiner Empörung habe er den Entschluß gefaßt „feine? feit« das Möglichste zu tun, um feine treue Anhänglichkeit an unsere lutherische Kirche zu beweisen", und es werde ihn freuen, „wenn feine Gabe auch andere Evangelische aus der Gleichgiltigkeit und dem Schlaf aufrütteln könnte, daß auch sie nach Vermögen zur Er- Haltung und Stärkung unserer Ktrche das Ihrige tun möchten." Falls der großmütige Geber Herrn Tr. Schuster wirklich so etwas gesagt haben sollte, so hätte dieser doch gutgetan, sich etwas
Genaueres über die „unerhörten Angriffe und B.schvldigungen" mitteilen zu (offen. Welche Geschäfte hätten sich da für den Evangelischen Bund machen lassen! Aber natürlich sind diese „Angriffe und Beschuldigungen" in derselben Sitzung erfolgt, in der die von dem Suprrintm- denken Meyer-Zwickau dem Präsidenten Dr. Porsch in den Mund gelegte Aeußerung fiel,
* Der Staatssekretär des Reichsschatzamts bat den Wunsch ausgesprcchen, daß künftig die Taler in größerem Umfange als bisher wieder dem Verkehre übergeben werden möchten, da einerseits die Ausprägung von Zwei- und Einmarkstücken vorläustZ eine erhebliche Einschrän- lang erfahren müsse, und da andererseits Prägungen von Fünfmarkstückm für absehbare Zeit nicht in Ausficht genommen feien. Das Reichs» bankdtrektorium übermittelt diesen Wunsch deS Staatssekretärs den Reichsbankfiellen und verfügt, daß in den Bezirken tunlichst ausschließlich Taler verabfolgt werden, in denen seitens der Handelsvertretungen die Anstcht geäußert worden ist, daß die Ausprägung von Dreimarkstücken geboten sei. Als solche Bezirke kommen in Betracht Köln, Dresden, Elberfeld, Effen, Mülheim a. d. Ruhr, Stolp, Lüdenscheid, Schweidnitz und Saarbrücken.
* A« de« Verhandlungen des letzte« Protestautentages übt die .Lutherische Rundschau' eine scharfe Kritik. Im Protestantenverein find bekanntlich die liberale und ungläubigen Prediger vereinigt, und da kann e« nicht wunder nehmen, wenn das strenggläubige Blatt von jeher wenig Gefallen an dem Verein gefunden hat. Ader diesmal ist die Kritik in so scharfen Worten gefaßt, daß ein anderes, beispielsweise ein katholisches Blatt es nicht wagen dürste, solche Ausdrücke zu gebrauchen. Der betr. Artikel im Oktoderheste der ,Luth. Rundschau' trägt die Ueberschrift: „Eine moderne Rotte Korah." Von einem der Hauptredner, dem Prediger Dr. Fischer, heißt es in dem Artikel:
©ege» diese Lästerer im Talar und aus der Kanzel waren dir alle Korah und seine Rotte unschuldige Waisenknabe». Nach der Schrift find Diebstahl und Totschlag kleine und geringe Sünde» gegen diese Verwerfung und Lästerung seines heiligen ©otteS und seines eingeborenen SohneS. Darüber kann sich Dr. Fischer beruhigen, die OffenbarungSwelt wird in Ewigkeit nicht versinke», aber wohin er einmal versinken wird, darüber »achzudenken, dürfte für ihn an der Zeit fein. Wir wünschen nicht, daß diese Korahite» von der Strafe jener Rotte erteilt werde», sondern daß ©ott ihnen Raum gebe zur Buße und Erkenntnis ihrer greulichen Sünde. Aber ein« wünschen und fordern wir immer dringender, daß die Kirchenbehörden solche Geistliche und Lehrer vom Lehramte entferne». Wie will der preußische Kultusminister eS verantworten, wenn er leidet, daß der Professor Dörner in Königsberg solche heidnischen, religiös völlig wertlosen, der Bibel und de» BekenntniSlchrtsten Hohn sprechenden Gedanken vor theologischen Studenten vorlrägt? Womit will der preußische Oberkirchenrat sich vor ©ott und Menschen recht fertigen, wenn er leidet, daß solche ©eistliche wie Dr. Fischer eine christliche Kanzel besteigen und die Sakramente verwalte», wozu dem Manne jegliche innere Festigkeit fehlt? Wenn diese» Leuten in ihrer Feindschaft gegen daS Christentum daS ©efühl für daS Unrecht, das sie gegen ihr Or-
dinalionsgelübde, gegen die Gemeinde und gegen alle Ehrlichkeit begehen, abhanden gekommen ist, so haben die Kirchenbehöiden schon um der ganz äußerlichen Forderung deS Anstandes und der Ehrlichkeit willen die Pflicht, ste nicht auf einem Platz zu dulden, wohin sie nach den ganz gewöhnlichen Grundsätzen der Moral nicht gehören.
All' diese heftigen Klage- und Echeltworte sind ganz vergeblich. Ohne jede Anfechtung werden die dem Prorestantenverein angehörenden „aufgeklärten" Prediger weiterhin lehren und predigen, wie bisher, denn in der protestantischen Kirche herrscht trotz aller Einwürfe der Orthodoxen Gleichderechtigung der Meinungen und „freie Forschung". Dr. Fischer darf ruhig gegen die Anbetung Jesu polemisieren und den Heiland als einfachen Menschen, der sogar der historischen Größe entbehre, bezeichnen — schließlich werden seine Gefinnungsgencffenund dis der,Luth. Rundschau' doch Arm in Arm nicht nur nach Böhmen pilgern, um den armen gottverlassenen „Römischen" das lautere Evangelium zu verschaffen, sondern auch bei uns in Deutschland an der neuen Eoangelisatior.sgesell- schast Mitwirken, die uns armen Katholiken das Evangelium bringen will.
* In einigen Tageszeitungen wurde kürzlich die Behauptung abgedruckt, daß in Südwestafrika Gegenstände, welche den M a n n s ch a f t e n des Expeditionskorps aus der Heimat zugkftndet werden, nur dann zollfrei belassen werden, wenn sie in Feldpostpaketen ein« gingen, während den Offizieren Zollfreiheit auch für gewöhnliche Pakete zugestanden sei. Diese Behauptung kann, schreibt die .Nordd. Allg. Ztg.', nur auf einem Mißverständnis beruhen. Allerdings ist zu Beginn des Aufstandes der Gouverneur zunächst telephonisch angiwiesen worden, die Feldpostpakete für zoll- frei zu erklären. Durch ein späteres Telegramm ist die Zollfreiheit auf „sämtliche mit geführten und nachgefendeten AuSrÜstungs- und Bedarfsgegenstände der Truppen und Truppenangrhörigen" auszed-hnt worden und zwar unter aus drück- sicher Erwähnung des Tabaks und der Zigarren. Mn Unterschied in der Zollbehandlung von Offizieren und Mannschaften besteht nur in dem einem Punkte, daß die in Privatbesitz der Offiziere befindlichen Waffen nebst Munition vom Zoll befreit find, ein Unterschied, der darauf beruht, daß die Mannschaften private Waffen nicht mit sich führen. Selbstverständlich sind auch die Liebesgaben für zollfrei erklärt worden.
* Hanptman« v. Burgsdorfs, der Bezirksamtmann von Gibeon, ist in Düdwestafrika, wie schon kurz gemeldet, als eines der ersten Opfer des Aufstandes der Witboois gefallen. Herr» ning v. Burgsdorff war am 19. Februar 1867 geboten und im März 1886 Leutnant im 3 Garderegiment z. F. geworden. Im Juni 1894 trat er in die neugebildete Schutztrvppe für Südwest- asrika ein, in welcher er an den Kämpfen mit den Eingeborenen teilnahm. Seit 1896 ist er in der Lokalverwaltung des Schutzgebietes als Be- znksamtmann tätig gewesen. Als Offizier der Schutztruppe hatte er sich den Kronen - Orden 4. Klasse mit Schwertern und später die Ret-
Bezirk»hauptmanu von Burgsdorff f*
tnngs - Medaille erworben, v. Burgsdorfflwar allein und unbewaffnet zu Hendrik Witbooi geritten und von demselben als Geisel zurückbehalten worden; 10 Iahte hatte derselbe mit Hendrik Witbooi freundschaftlich verkehrt. Man nahm daher an, daß ihm kein Leid zugefügt werden würde. Am 15. Juni 1896 hatte er sich in Walfischbai mit Martha, geb. v. Dallwitz, vermählt. Frau v. Burgsdorff soll, wie die,Tägl. Rundschau' mitteilt, feit dem Tode ihres Gemahls spurlos verschwunden sein.
* Die erwartete Interpellation der freisinnigen Volkspartei zum Berliner Schul- streit soll vertagt worden fein, weil noch weiteres Material zur Beurteilung dieser Angelegenheit gesammelt werden soll.
95. Sitzung vom 26. Oktober 1904.
Eröffnung 11'/« Uhr.
Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Beantwortung der in der 91. Sitzung verlesenen Interpellation der Abgg. Träger und Gen. (fr.tBp.) betreffend die Inanspruchnahme der Oberprästdenten durch den Oberhgfmeister Frhrn. v. Mirbach für ©eldfammlunge» für ein SilberhochzeitSgeschenk für daS Kaiserpaar. Die Interpellation lautet:
„Nach Mitteilungen in den öffentlrche» Blätter» hat der Oberhofmeister Frhr. v. Mirbach die Ober- vräsidenten mittels Rundschreibens veranlaßt, durch ihnen Nachgeordnete Behörde» Sammlungen zu veranstalten, deren Erträge dem Kaiserpaar demnächst am Tage seiner silbernen Hochzeit für evangelisch- kirchliche Zwecke, insbesondere für die Mosaikverzierung der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche, z» übergeben sind. — Hat dir königliche Staatsregierung den Oberhofmeister Frhrn. v. Mirbach zu solcher Inanspruchnahme von Sraatsbehörde» vorher au« tsrifiert, und erachtet eS die königliche StaatS- regierung für zulässig, die Autorität der Behörde» den Eingesessenen ihrer Bezirke gegenüber zu benutzen für Sammlungen, bei denen nach ihrem Anlaß alles ganz besonders vermiede» werden muß,
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wunderbare Münzen.
•ine Erzählung, übersetzt aus dem Italienische» von
L. Beinhorn.
------ (Nachdruck verboten.)
„O, wen - er roch irgend einen Ausweg der R-trnng gibt, so verschonet mich, ich fühle nicht die Kraft, der Gedanke an das Erlebte läßt mich erbeben."
„O, wenn ich Dei°e Seele vertreten könnte, wie -*rne wollte ich Deinetwegen den Inhalt dieses F-äschchenr leeren."
Bei diese» Worten hatte er unwillkürlich das ® 18 vor den Mund genommen, aber in diesem r genbltcke hatte Helene dasselbe seinen Händen en wissen.
„Nein, nein", sagte sie, „Du nicht, mir liegt es ob, M tun, was ihr für gut haltet. Ich bin Erdings nur ein schwaches Mädchen, und Du Mlßt verzeihen, Geliebter, wenn ich so viel Schwäche rttge, aber siehe, jetzt gittert meine Hand nicht mehr, verwaueusvoll und mutig komme ich Eurem Willen
Sag, Tom, in tote langer Zeit soll ich das swfchchri, Ymtn?"
rasch wie rröalich", flüsterte der Alle. „Ich bestimmte Quantum abgemessen. Sobald 5“, ” sturmsten haben, zöger» Sie mcht, sich zur "uye begeben."
“ 3|t werdet noch bei wir bleiben?" ^kvde hat geschlagen", antwortete Tom, ;T™ "lcht länger zögern, er wird schon Tag, C;, 2^ute meiner BleiberS würde mir Gefahr ffioh ’tr B-rhalt-n S e sich ruh-g, Fräulein Helene, treten an 3hrikn sein. In Len nächsten Tagen rk>^ S toM-bee;e)tr, ftgliche Gefahr wird dann «I^undeu fein, und daS Glück wrrö Ihnen lächeln. uL™ ,e wohl Herr Billeneme, vertrauen Sie rr meinem Beistände und meiner Hilfe."
Bei diesen Worten schlich der Alte leise und behmsam fort und erreichte daS Freie.
„Aber Du wirst mich »och nicht verloffen", sagte dar junge Mädchen, indem eS Albert flehend ansah. „Siehe, jetzt bin ich glücklich, wie ich eS nur sein kann; denn di- Gelegenheit hat sich mir geboten, Dir zu beweisen, wie innig ich Dich liebe."
„Dafür werde ich Dir ewig dankbar sein," erwiderte der junge Mann.
„Gott sieht uns, er wird uns nicht verloffen. Lebe wohl, Geliebter."
Bei diesen Worten setzte Helene daS Glas an die Lippen; daS narkotische Gettänk war, wie sie selbst gesagt hatte, sofort von sicherer und rascher Wirkung.
Der Blick verschleierte sich, der Atem war rasch und brennend, ein Fieber schüttelle ihre Glieder.
„Albert, Albert!" murmelte sie, „bist Du noch da?"
„Ja, Selene, hier stehe ich. Hast Du Schmerzen?" ragte derselbe.
„Nein, eine Angst bemächtigt sich meiner."
„O mein Gott, mein Gott, verlaß uns nicht."
„Beruhige Dich . . . Geliebter . . . aus Wieder- . . . sehen dann . . ."
„F-hre fort, Helene, nur noch ein Wort — prich."
DaS arme Mädchen hörte ihn nicht mehr. Ihre Glieder fingen an, die grauenhafte Erstarrung des Todes anzunehmen, die Augen hatten sich geschloffen und die Arme hingen schloff hernieder.
Albert fühlte den Puls, er hatte aufgehört zu chlagea, die Hand war kalt wie Marmor. Es war ein Schlaf mehr, eS war der Tod.
„Großer Gott, erbarme Dich unser!" ftommelle der junge Monn. Dann neigte er sich über die Gestalt und küßt tir bleich-, kalte Stirn.
Die Schloßntzr verkündete die briete Morgenstunde. Jetzt war eS für den Mann auch hohe Zeit, sich zmückzuziehen.
Er ging nach der Tür und horchte. Es herrschte im ganzen Gebäude daS tiejfte Schweigen. Der Augenblick war günstig, unbemerkt konnte er fein Zimmer en eichen.
Hier angekommen, warf er sich erregt und im höchsten Grade erschüttert aus ein Bett, um Ruhe und Schlaf zu suchen, aber er fand sie nicht; Helenens bleiches Gesicht trat ihm immer wieder vor die Augen, es kostete ihm große Ueberwindu.tg nicht zudem armen Mädchen wiederzurückzukehren, welches er tm starren, tadel ähnlichen Schlummer verlassen hatte.
Sobald er das erste Geräusch im Schlöffe hörte und die Dienerschaft sich zu ihren morgendlichen Beschäftigungen begeben sah, begab er sich daher in den Park, um womöglich in der frischen Luft mehr Ruhe und Stärkung zu suchen Allmählich verschwanden die schrecklichen Visionen der vorhergehenden Nacht; nach seinem Spaziergange, den er bis Merlac ausgedehnt hatte, fühlte er sich ziemlich gestärkt, um mit einiger Fassungskraft den Dingen entgegenzutreten, die da kommen würden.
Bei feiner Rückkehr sand er alles in Bewegung; es schien, als wenn das Ereignis am vorhergehenden Tage Jeden zuungewöhnlicher Tätigkeit angespornt hat te.
Die erste Person, der er begegnete, war seine Schwester. Sie schien ihm sehr gedankenvoll zu sein.
„Was hast Du, Johanna?" fragte er, indem er sich zu einem Lächeln zwang. „Bist Tn so sehr um River» Zustand besorgt?"
Johanna schüttelte saust den Kopf.
„Riveris Zustand erweckt ohne Zweifel großes Mitteid", antwortete sie, „und ich wünsche herzlich, daß er bald wieder genesen werde. Wie ich soeben gehört habe, soll die Recht für ihn ziemlich gut gewesen sein. Der Arzt h gt die Hoffnung, daß die Wunde nicht lebenSgejährlich ist, allein dieses ist eS mcht, saS mich so e-vst stimmen laßt."
„Nun, wcs lenB?"
„Es hat schon neun Uhr geschlagen, urd noch habe ich Helene nicht gesehen."
„Sie ist vielleicht ausgrgangen."
„DaS kann nicht sein, ich habe soeben daS Mädchen befragt, welches sie bedient, dasselbe sagte mir, daß sie »och auf ihrem Zimmer sein müßte."
„Vielleicht hat sie eine unruhige Nacht zerbracht, und ist erst später eingeschlasen."
Anstatt zu antworten, faßte Johanna den Arm ihres BruderS, and ihn zärtlich ansehend fragte sie:
„Ist zwischen Dir urd Helene gestern abend etwas borgest llen?"
„WaS sollte vorgefallen sein?" antwortete Albert so unbefangen wie möglich.
„Ich meine nichts Besonderes. — Vielleicht war es nur ein kl-iner Wortwechsel, eine geringe Verschiedenheit in Emen A»sichten?"
„WaS bringt Dich zu dieser Vermutung?"
„AlS Helene gestern abend mit Dir zurückkehrte, bemerkte ich, daß sie geweint hatte und äußerst bleich aussah; sie muß sicher! ch Kummer gehabt haben."
„Ich gestehe Dir, daß sie mir nichts gesagt hat."
„Wirklich nicht?"
„Ganz gewiß nicht."
„Run, iq wollte nur dieses wissen; jetzt gehe ich selbst zu ihr, um mich zu überzeugen, waS an der Sache ist."
Bei diesen Watten verließ sie rasch den Bruder. Dieser war vor Schrecken verstummt, er wagte keinen Schritt zu tun. Da» Blut lief eisig durch seine Adern, er lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit.
Es verliefen zehn Minuten, dann vernahm er einen Schrei. E» war Johannas Stimme, welche in Bvzwe.flung um Häse tief.
Sofort sah er dir Dttnerschast in größter Bestürzung hi» und her eilen; maschinenmäßig trat er in vaS Schloß. Er toufte wohl, welch schrecklicher Anblick seiner dort harrte, aber dennoch gelang ei ihm nicht, die tiefe gewaltige Bewegung zu unter« drücke'. Sa stieg :r die T'eppe hinauf, welche nach dem ersten ? sirrte; »ti er in dem Lange stand, der nach Helenens Zimmer führte, beg-gnrle iern Karl de RenneviLe. (5- ft)