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J6. 241

Krlda, Donnerstag, den 20. Oktober 1904.

31. Jahrgang

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arbeiten laff.n, die den Einzelstaaten zur Begut­achtung vorgelegt worden ist. Im Reichsamte des Innern wartet er nun die Rückäußerun derselben ab. Sobald die Antworten voiizähli eingktrcffen finb, kann eine weitere Bearbeitun deS Materials «folger. Bis jetzt haben nur einige kleinere Staaten geantwortet, während dre meisten Regierungen noch mit der Prüfung der Denkschrift beschäftigt sind. Ihre Antworten stehen daher noch cu8, und ei dürfte noch ge­raume Ztit vergehen, ehe diese eingetroffen sind. Die Frage der Kostendeckung der Versicherung durch daS Reich kann ja auch erst nach Adlau des Jahres 1906 etwa überfthen werden; wenn man die Mehreinnahmen des Zolltarifes über­schauen kann.

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L M;eSrr Ä IMZ. Mchrnbeliag«! Illustrierte SomUagrzeitung^

I noch in den Komtnissior.en, so das Ausführungs> gesetz zum ReichSseuchengesetze und das Gesetz wegen Erschwerung reS Vertragsbuchcs land­wirtschaftlicher Arbeiter. Das Scheitern des ! l.tztgenanrten würden manche Leute für kein Un­glück halten.

Auch wenn der Etat vor Weihnachten nicht eiugkbracht wird, reicht der Arbeitistoff für dieses Jahr aus. Wenn reichlich Zett bleibt zur Erledigung von Petitionen, so kann man daS nur willkommen heißen. Die wichtigste Vorlage des Winters wird bekanntlich das Schul- Unterhaltungsgesetz sein. Ob die Parteien, die im Sommer den Kompromißantrag einge­bracht haben, imstande sein werden, ei glatt und friedlich zu erledigen, ist mittlerweile immer zweifelhafter geworden. DaS „ausgeschaltete- Zentrum wird jedenfalls auf dem Posten sein und alleS aufbieten, damit kein Gesetz nach dem Herzen der „Jungliberalen- zustande komme.

* Nach der Vertagung.

Nach dreieinhalbmo^atlicher Pause hat am Mittwoch wieder die Tätigkeit deS Abgeord­netenhauses begonnen. Den Bortrilt hatte die Kanalkommission. Das Plenum tritt nun erst am Dienstag nächster Woche wieder zu­sammen. Seit Jahrzehnten ist man an eine so frühe Eiöffaung der parlamentarischen „Winter- kampagne- in Preußen nicht mehr gewöhnt. Man betracht-t lär.gst die 1. Hälfte des Januar als den normalen Termin; wiederholt hat man schon den äußersten verfaffungsmäßig zulässigen Zeitpunkt, den vormittag des 16 Januar (nach 12 Uhr mittags wären wir in der unstatthaften zweiten Hälfte des Januar) für die LandtagS- eröffnung gewählt. Die alljährlich wiederkehren­den Klagen des Abgeor metenhauses und nament­lich bei Herrenhauses über bie allzu kurz be- meffene Zeit für dis Etatsberatung haben nichts gefruchtet. Dir Rücksicht auf den Reichstag kann nicht mehr der Grund sein. Denn dieser wird ja seit Jahren so einberufen, daß er vor Weih­nachten etwa nur 14 Tage für seine Arbeiten hat; also nicht davon die Rede sein kann, daß man den Hrrbst «ab den ersten Teil bei Winters für ihn freilassen müsse. Ueberdies nehmen Reichstag und Landtag ja auch schon lange keine Rücksicht m hr aufeinander, sondern jeder schaltet mit seiner Zeit, als ob der andere gar nicht vorhanden wäre.

Da die Sessionen immer länger werden, kann man d r Regierung kaum Übel nehmen, wenn sie den Ruf nach früherer Einberufung des Landtages unbeachtet läßt. Sie muß doch Zeit Huben für die Ausarbeitung des Etats und der übrigen Vorlagen. Bis zum Herbst könnte sie die Arbeit, zumal nachdem sie sich an einen anderen Termin nun einmal gewöhnt hat, kaum bewältige-. Ob die frühere Einberufung einen praktischen Nutzen hat, wäre überdies auch noch, fraglich. Wahrscheinlich wäre die Hauptwirkung eine noch größere Ausdehnung der Debatten, namentlich der Etatsdebatten, ohne daß die Vor­lagen rascher erledigt würden. Die Sessionen find aber jetzt schon reichlich lang.

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f Daß wir diesmal bereits im Herbst Land- tagsitzungen haben, verdanken wir bekanntlich den wasserwirtschaftlichrn Vorlagen, ins­besondere der Kanalvorlage, wegen denen am 4, Juli, nach reichitägigem Borbilde, der Landtag nicht geschloffen, sondern vertagt worden war. Ob die Miigltedec der Kanalkommtssion zum Teil mit andern Gesinnungen gegenüber dem sog. Mittellandkanal zurückgekehrt sind, wtffen wir nicht. Hoffentlich haben sie in den letzten Tagen alle daS umfangreiche Material gelesen und geprüft, das die Regierung ihnen jüngst zur Beantwortung von allerlei Fragen hat zugehen laffen. „Grundsätzliche- G.gner des Kanals möchten das Material offenbar zur weiteren Verschleppung der Entscheidung und zur Aufwerfung aller möglichen neuen um­ständlichen Fragen benutzt wissen.

Wir sehen nicht ein, wozu die künstliche Ver­schleppung dienen könnte. Ein sorgfältige Prüfung bei Für und Wider ist notwendig, a'-tc us^zu einem Entschluß über die soviel er­örterte Frage zu kommen, bedarf es kaum noch abermaliger monatelanger Bedenkzeit. Wer unter ailen Umständen gegen den Kan'al ist, der kann es doch gleich sagen; virsumpfen läßt sich die Beratung doch nicht wieder. Wer dafür ist, wünscht selbstverständlich baldigst Entscheidung, und wer noch unentschloffen ist, wird nach vier Monaten kaum mehr Kia heit gewonnen haben, als nach vier Wochen.

Aber auch ohne die Kanalvorlage findet der Landtag vom Sommer her noch Arbeit genug. Da find noch 7, allerdings nicht besonders um­fangreiche und wichtige, spruchreife Regier ungs- Vorlagen, so .ann 2 Interpellationen, 24 Anträge ^nd 219 KommisstonSberichte über Petitionen.

beiden Interpellationen, die fteistnni-e über ?!e Sammlungen des Frhrn. v. Mirbach und ole des Zentrumsabgeordnetrn Marx über die amtuchen Wahlbeeinflufsangen im Saarrevier, «erden gleich in den ersten Tage» zur Verhand­lung kommen. Die Freisinnigen haben außerdem

eine Interpellation über den Berliner «chrlstreit angeküirdigt. Vielleicht folgt auch noch eine über die Hibernia-Angelegenheit. Von Ant-ägen heben wir diejenigen hervor, die c« .^"8kwahlrecht und die Einteilung der Wahlkreise be.reffen, ferner die wegen Revision £7 Einkommensteuergesetzes und dis WarenhauS- stcusrgesetzes. Mehrere Regierungsvorlagen stecken |

Deutsches Reich.

Berlin, den 19 Oktober 1904.

* Der Landrat deS Kreises Kehdingen, Dr. Schmidt.Scharff, auf den bekanntlich am 15. ds. Mts. eine Dame ein Reoolverattentat verübte, ist heute morgen in Hamburg seinen Verletzungen erlegen. Die Dame, die den verhängnisvollen Schuß auf den Landrat ab­feuerte und sich dann selbst erschoß, ist eine 35- jährige Frau Holstein, geb. HinnerS, aus Ham­burg. Die Behauptung des verstorbenen Land­rats, die Dame nicht gekannt zu haben, erwies Ich ali nicht richtig; die Dame ist häufig bei Automobilaui führten bei Lanbrats mit diesem zusammen gesehen worden.

** Im Reichstagswahlkreise Jerichow sträuben sich bekanntlich die Nationalliberalen, den konservattven Kandidaten v. Brauchitsch zu unter­stütze». Durch den Tod des sozialdemokratischen Abgeordneten Schmidt ist jetzt auch das Mandat für Kalbe-AscherSlkben erledigt. Wenn die bürger- lichen Parteien zusammenhalten, ist es den Sozial­demokraten recht wohl zu entreißen. Die National- liberalen glauben, das erste Anrecht daraif zu haben, und ihre Preffe erhebt bereits daS Ver­langen, daß die anderen bürgerlichen Parteien von Londerkaudidaturen absehen und den National- liberalen unterstützen sollen. Das hören die Konservativen nicht ungern. Ihre Preffe

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(.Kreuzztg/, .Deutsche Tagesztg/ usw.) erklärt jetzt drohend: wenn die Nationolliberalen in Jerichow das Kartell b echrn und den konser­vativen Kandidaten nicht unter Verzicht auf ihre Sonderkandidatur unterstützen, so dürfen sie sich nicht wundern, wenn die Koastroattven in Kalbe- Aschersleben bei böse Beispiel nachahmen und der nationalliberalen eine eigene Kandidatur ent­gegenstellen. Da die Wahl in Jerichow ohne Zweifel früher stattfindet als in Kalbe-Aschers- leben, so wird die Drohung ihre Wirkung wohl nicht verfehlen.

* Aerztliche Mission. Die liberale Preffe konnte fiw gar nicht genug tun in der Ver­spottung des ZusammenschluffeS katholischer Aerzte zu einem „internationalen Aerzte verein - mit dem Titze in Rom. Man höhnte über „katholischen- Beinbruch, „katholische- Eholera usw. Ein nettes Gegenstück bietet uns nun die liberale .Straßb. Posth welche in Nr. 995 gleichsam als Reklame folgende Notiz bringt:

Aerztliche Mission.

Die »ärztliche Mission", d. h. die Ausübung der Heiltätigkeit im Dienste der Ausbreitung deS Evangeliums ist sehr spät in Angriff genommen worden, und daS evangelische Deutscylaud steht in dieser Beziehung noch sehr zurück. Fast fett 60 Jahren ist diese Arbeit augefangen worden, doch breitete sie sich ziemlich schnell auS. ES gibt heute ü er 500 Mlsfionsärzte, etwa 230 MisstonSSrztinnen und an 400 MtssionSsvttälrr. Unter dieser groben Zahl ärztlicher Kräfte befinden sich nur 18 Deutsche; doch ist seit einigen Jahren ein verheißungsvoller Fortschritt zu beobachten. Die Zentrale für diesen Zw ig der Mif- fionsarbeit ist für Deutschland in Stuttgart; die Seele deS Vereins mar bisher der am 8. Oktober 1902 ver­storbene Geschäftsführer Misstonsarzt Dr. Liebendörfer.

Also der reinste ärztliche Pcotestantistnungs Ver.in mit eigenen Misfionsspitälern als Prote- stantiflerungS-„Fabriken"! Unter dem Deckmantel christlicher Liebe;tätigkeit agitiert man für den Protestantismus! Und das empfehlen dieselben Zeitungen, die stch über eine katholische Ae.zte- Vereinigung so gewaltig aufregen.

* DieWitwett-usidWaiseuverficheruug hat bekanntlich durch bea Antrag des Abg. Tr i m b o r n(Zentr.) greifbare Gestalt angenommen, insofern infolge dieses Antrages die Mehrerttäg- niffe auS den wichtigsten LebenSmtttelzöllen für die Durchführung derselben festgelegt werden müssen. Staatssekretär Graf Posadowsky hat daraufhin im Vorjahre eine Denkschrift aus-j

lieber die Schlacht am Schaho hat das Bureau Reuter auS dem Quartier der russischen Hauptarnee folgenden zusammenfaffen den Bericht erhalten:

Der Vormarsch der Ostarmre erfolgte am 5. Oktober in gleicher Linie mit dem Vormarsch der westlichen Armee. Ihr Ziel war Liaujang. In erster Linie wurde erwartet, daß der Feind stch zwischen Jentat und Beniapudta verteidigen werde. Die russischen Truppen wurden ernstlich ermahnt, keine Anstrengung zu scheuen, und rückten vertrauensvoll auS. Die Stimmung der Leute war vorzüglich. Bald gelangte man in schwie­riges, gebirgige-Gelände, und die Avantgarde traf auf Japaner. Am 7. Oktober meldete General Rennenkampf, daß der Taitfeho erreicht fei; man hörte während des zanzeu TageS feine Geschütz«. Am 9. Oktober erreichte die Armee Bentapudsa, und die Avantgarde wurde in einen Kampf ver­

wickelt. DaS Artilleriefeuer dauerte biS zum Gintritt I der Dunkelheit. Um diese Zeit besetzten die Russen die I japanischen Verschanzungen, die sich meist in unfertigem Zustande befanden, ohne Widerstand. DaS Zentrum war zu dieser Zeit 21 Werst vom Taitfeho entfernt. Am 10. Oktober um 11 Uhr vormittags begann ein I heftiges Artilleriefeuer in der Richtung auf Jentai zu, I das bis zum Siutritt der Dunkelheit anhielt Im Laufe deS TageS lief eine Mitteilung KuropatkinS ein, welche besagte, daß er Stackelverg zu seinem erfolg­reichen Marsche zur Besetzung von Beniapudsa beglück­wünscht. Am 11. d. M. früh 6 Uhr 50 Mi», ent« I wickelte stch die Schlacht auf dem rechten Flügel, und dehnte sich aus daS Zentrum und den linken Flügel auS. Am 12 Oktober wurde dann nachmittags der I Angriff gegen die japanischen Höhenstellungen begonnen. I Die japanischen Maschinengewehre und die Infanterie I unterhielten aber ein lebhaftes Feuer gegen die in drei I Linien »orrückenden Ruffen. DierussischenFeuer- linien schienen niemals, stark genug»» sein. iDie Leute waren mit ihrem Gepäck schwer I beladen, und da die Bergabhänge schlüpfrig waren, wurden nur langsame Fortschritte

I g ema cht. Trotzdem die Artillerie die Infanterie vor- I Milch unterstützte, traten doch häufig Augenblicke eia, in denen daS Feuer einschlief. Gin Korps versuchte die Japaner in der Flank, zu fassen, machte aber keine be- fliedigenden Fortschritte. Zu derselben Zeit erlitt die Be­wegung gegen die westlichen vom Feinde besetzten Höhen j durch einen japanischen Gegenangriff in der Flanke, die vier Regimenter umfaßte, auS

I Besorgnis für die Sicherheit zweier Batterien eine Ver- Serung. Zehn Minuten vor sechs Uhr nachmittags mel- e jedoch der Kommandeur der AngriffSko'oune, daß

I ec Granatfeuer auf die Pässe vor der Front richte. Am späten Nachmittag stand daS russische KorpS inner- halb einer Entfernung von 100 Metern vor der ja­panischen Stellung. Die Schlacht tobte die ganze Nacht, der Angriff blieb erfolglos, bis die Nachricht einging, daß daS Zentrum der russischen Armee durchbrochen war, und daß daS KorpS, auS dem eS bestand, sich auf dem Rückzüge befand, sowie, daß General Stackel- berg, die Bagage, der Train und 6ie Reserven nach Norden hin im Abzug begriffen waren. Auf diese Weise entstand eine große Lücke im russischen Zentrum. Die Japaner drängten sich hinein. Der russische Kommandierende sandte ein Korps, um daS Zentrum »u verstärken. Dieses KorpS geriet w.eder in einen heftigen Kampf. Die Japaner machten einen Gegenangriff auf dieses KorpS in einem Winkel, der gegen das Zentrum der russtschen Front und damit gegen seinen empfindlichen Teil gerichtet war, und drohten auf diese Weise Kuropat­kinS Armee in zwei Teile zu spalten und jeden Teil dann einzeln zu schlagen. Die Japaner batten ein KorpS im Westen konzentriert, wo sie die Russen zurückschlugen. Dann griffen sie daS Zentrum an, während sie gleichzeitig mit der linken Kolonne den linken Flügel beschäftigt hielten. Gegen l1/» Uhr sandte General »tackelberg vier Reserve- Regimenter vor, um einen Angriff auf die westliche Flanke der Japaner zu machen und zu versuchen, die Lücke zu schließen. Um 4 Uhr 20 Minuten war die Lücke zum Teil geschloffen, aber daS Resultat deS Kampfes war, daß die ruifische Armee stch in kritischer Lage und noch immer in Gefahr befand, in zwei Teile gespalten zu werben. Am 13. hielten daS erste und dritte KorpS immer noch ihre Stellungen. Gegen Mittag begannen lie Japaner einen Angriff auf die rechte Flanke dieser östlichen Armee. Zwei Divisionen wurden einzeln zum Schutze der Flanke in den Kampf gebracht, aber die Japaner hatten eine beherrschende Stellung gewonnen, welche die Russen nicht zu nehmen vermochten. Die Schlacht nahm am 13 Oktober nach Westen zu ihren Fortgang; es wurde wieder sehr scharf gekämpft. Die Japaner trieben immer noch Kuropatkln zurück. Um 8>/i Uhr nachmittags erhielten die verschiedenen KorpS der östlichen Armee den Befehl, den Kampf abzu- brechen. In der Nacht zum 14. ging ei» Teil dieser Armee im Norden zurück, kämpfte aber am 14. immer noch. Im Westen, wo die Armee gleichmäßig zurück- ging, wurde wieder furchtbares Feuer gehört. Die Länge der Schlachtscont zu schätzen, ist unmöglich. Am 15. dauerte die Schlacht noch an, aber daS Feuer hörte gegen Mittag auf. Die russischen Verluste find sehr schwer.

Ein

Hoff gehendes Gefdiäff

(iefterf man fleh, wenn man zur kommenden An» kaufszeit (Kirchweih und Weihnachten) in der

Fuldaer Zeitung

inseriert.

Eine kaufkräftige, ioiide Kundschaft findet man, wenn man in der „fuldaer Zeitung“, die gleich zu Beginn des vierten Quartals die Zahl von

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