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Ktl-a, Samstag, bcn 15. Oktober 1904,

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Römischer Wochenbries

[**] Rom, 11. Okt. 1964.

Durch einen Teil der Presse, auch der deutschen, ging kürzlich die Nachricht, daß die von Papst Pius X. angeordnete apostolische Visitation aller italienischen Bistümer der Zweck habe, das Material zu einer baldigen Verminderung der Diözesen des Königreichs zu liefern. Diese Nachricht ist in dieser Form durchaus nicht richtig. Denn nur das in Frage kommende Material zu haben hat der Papst nicht nötig, apostolische Visitatoren in die italienischen Diözesen zu ent­senden, denn die Kurie ist hinreichend über den Stand der Dinge durch die Kongregation des Konzils informiert. Was r-un die Absicht einer Verminderung der italienischen Diözesen betrifft, so steht Pius X. dieser Frage sehr sympathisch gegenüber, denn eine solche würde nur Vorteile sür die italienischen Katholiken bieten und auch im Auslände würde man eine solche aus allbe­kannten Gründen nicht ungern sehen. Jedoch würde sich eine Verminderung dieser nicht weniger als 285 Diözesen (von welcher einige unter 7000 Katholiken zählen) nur unter gleichzeitiger Mit­wirkung der italienischen Regierung durchsühren taffen, woran l-ider für den Augenblick gar nicht zu denken ist. Es wird in dieser Hinsicht also alles beim Alten bleiben müssen.

Am 12. Januar deS nächsten Jahres, dem Jahrestage der Revolution von 1848, soll die

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Druck und Verlag N Fuldaer Actiendrucke^ in 8ulda (Harmonik zrrnsprecher Ur. 9.

ne;en dir Rrgieruua den Borwurf erhoben, daß sie durch Begütigung der T rutschen die gegenwärtige Lage verichuldet hebe und den Frieden verhm ere.

Zn Frankreich waren Polizei und Gendarmen in den letzten Tagen wieder außerordentlich b-schas- tiat mit der Erbrechunk, von Framnk.ostern und der Vertreibung ihrer Insasse-,. In Toulouse wurde der Kongreß der sozialistischen Rad-kalen abgehalten Er nahm eine Resolution an, wonack die Mehrheit der Deputiertenkammer auf gef otbert wird, die Trennung von Staat und Kirche noch vor den Neuwahlen ,m Zahre 1906 zu erledigen. Ferner wurde erklärt, bas diejenigen Radikalen, die nicht sür die Trennung stur­men, aus der Partei heraus geworfen werden sollen. Andere Resolutionen sprachen sich für Säuberung deS Konsulukolp» von antirepublikanischen Elementen auS. Ja einer Adresse wurde CombeS aufgtforbert, im Kampf gegen den KlerikaliSmuS auSzuharren und die demokratischen und sozialen Reformen trotz der An­griffe der Antirepublikaner und der ehrgeizigen Streber zu verwirklichen. Wie es mit diesen Reformen steht, zeigt die gleichzeitige halbamtliche Meldung, daß aus der Etnkommensteuerresorm wohl nichts werden tonb. Eine gerechte Einkommensteuer paßt eben den satten republikanische.'» Bourgeois gar nicht in den Kram. Sie speisen dafür lieber die Arbeiter mit der Pfaffen- und Klosterhrtze ab.

Ja England ist der langjährige Führer der Li­beralen, Harcourt, gestorben. Er war einer der tat­kräftigsten Gegner der Chamberluinschen Politik, ins­besondere seiner Zölle und Handelspolitik.

In Serbien hat sich der Kö.iig Peter am Sonn­tag im Kloster Zica feierlich salben laffe». Bor der Salbung hat er endlich auch einmal ein muugeS Wort gegen das Treiben der KönigSwöroer gebrochen. An­läßlich feiner Fahrt wurden Ansprachen an ihn gr- richtet, in denen die früheren Herrscher beschimpft wurden. Dem trat der König entgegen, indem er in kräftigen Worten die großen Verdienste des erloschenen Herrscherhauses um Volk und Land hervorhob und er­klärte, er sei nicht gesonnen, aus die frühere Dynastie Steine merfett zu lassen. Wenigstens wird so berichtet. Möglicherweise ist es aber auch nur ersunden, um im AuSlande einen guten Eindruck zu machen.

In Südwestasrita scheinen sich die Dinge reuerdingS sehr zum Schlimmen zu entwickrln. Zrar lauten die Meldungen über den Feldzug gegen die Herero günstig. Man hat den Herero wiederhott zabl- reickeS Vieb und Gefangene abgenommen. Ihr Wider- stand soll gebrochen sein; sie sollen schwer unter Waffermangel leiden; unter ihren Kapitänen soll ckn- einigkeit herrschen. Aber nun haben auch die WitboiS, die seit 1894 Frieden gehalten hatten, bte Fahne bei Aufruhrs erhoben. Das ist ein neuer schwerer Schlag für bie Kolonien. Eben haben auch die Portugiesen in Angola eine schwere Niederlage von den Kuanha- mas am Kuneae erlitten. Es besteht die Gefahr, daß die südlichen Ovambostämme sich erheben und dann auch die Ooambo in der deutschen Kolonie lorschlagen. Die Kabelverbindung nach Swakopmund ist nördlich und südlich von Swakopmunb unterbrochen. Nach­richten aus dem Schutzgebiet fi;d daher vor der Hand nicht m-hr zu erwarten.

Auf dem ostastatischen Kriegsschauplätze scheint eia entscheidender Kampf im Gange zu fein; es soll eine Wendung der Dinge bei Lwt-jang und Mukden ein getreten sein. Die Russen wollen nicht nur Mukden nicht aufgeben, sondern sogar zum An­griff übergehen. Kuropalkin hat dies den Truppen am 2. ds. itt einem ziemlich hochstrebenden Tagesbe­fehl ar gekündigt. Er tut sehr zuv erfichtlich und erklärt sich nunmehr für stark genug zum Angriff. Die überaus prahlerische Ankündigurg der Offensive macht einen verdächtigen Eindruck. Warten wir eS ab. In Japan rechnet man, tote Gras Okuma jüngst erklärte, damit, daß der Krieg sich wenigstens noch zwei Jahre hinziehen werde.

Literarischer.

Ohne BafiS. Roman von Paula Baronin Bülow-Wendhausen. Mainz, 1M4,B«- lag von Kirchheim & Co. S°. (272 ®.) Preis drosch. 2 Ml. 30 Psg. t .

Die Charakterschilderungen der durch mehrfache andere Novellen und Erzählungen bekannten Nutorm find stets fein und scharf auSgearbeitet und wiffen die lebhafteste Anteilnahme des LeserS m hohem Grade »» wecken und zu feffeln. Dre Berfifferin ist.eine gute Beobachterin und Kennerin des Seelenlebens, und « gelingt ihr vorzüglich, wahre Schicksals- und Seelen« Wirrnisse in ansprechender und ergreifender Ferm dar zustellen. Plastisch klar und innerlich wahr treten uns die Schicksale der Heldin entgegen; ihr Charakrer „ohne Basis" - voll nervös reizbarer Unruhe wird durch das Schicksal geläutert und ringt st4 nach em« Kette von Erlebnissen am Ende geistig zur richtigen Glaubens- und LebeuSeifassung empor. DaS Buch ist fließend in anschaulicher Darstellung und mit entern Anflug von eleganter Grazie geschrieben.

Portiunkula. Erzählung auS dem Hochland von Arthur Achleitner. Mainz, 1904, Verlag Kirchheim 4 Co. 8°. (367 S.) Preis 3 Mk. 20 Pf-.

Arthur Achleitner bietet in seinem neuesten Werke, umrahmt von glänzenden Nalurschildernngen aus dem Hochland und alS Grundidee: den inneren und äußer« Werdegang eines katholischen Priesters in zähem Kampfe mit der Welt und sich selbst. Hohe poetische Gestaltung, kraft und bewundernswerte Anschaulichkeit in der Schilderung von Natur und Menschen zeichnen dm» Roman auS. DaS Buch ist ein HymnuS auf dw Kraft deS Glaubens und echt chrtstkatholischer Selbstüber­windung. Neben Szenen auS dem mobemen Gef«- fchastSleben enthält da» Werk Stimmungen

tlta Zarbrr nnb tiefe: i-nni-keit deS Empfindens au» xna 36k ff .ur'et: e-S priesterlichen Helden.

SlörungSperiode vom 27. November 18:3 bis in den Sommer 1886 durch den vom 26.-28. August 1888 vorangegangenen Ausbruch der Sunda Bulkane trat erst wieder am 15. Juni 1902 eine solche ein durch die am 8. Mai 1902 vorangegangene Eruption der Autillen- Bulkane. Nachdem auch diese, immer wieder neubelebt durch die wiederholten Eruptionen jener Feuerberge, dis inS Jahr 1903 gedauert, folgte eine zweite Periode vom 7 August 19t 3 an durch den Besuv Ausbruch vom 22. - 30 Juli 1903, bann eine dritte vorn 15. Ma, 1934 an durch die Erupiirn der IS land-Vulkane Mitte April 1904, eine vierte vom 5. September 1904 an durch die abermalige Eruption der Jsland-Bulkane am 15. 3«Ii dS. IS. und endlich eine fünfte feit dem 3. Oktober durch den erneuten Beiuv-Ausdruch. Farbige Dämme­rungen find stets auf Berumeinigungen der Atmosphäre durch vulkanische Staub- und Gaswaffen zurückzufuhren, und daß fie in der Tat auch vorhanden waren, beweisen der Aschenfall in Norwegen und die ©taubfäUe auf der Schnekkoppe.ferner die wiederholten sogenanntenSchmutz- regen in diesem Jahre. Leuchtet der Morgen- und Abend­himmel plötzlich hell im Purpurlicht ur.b Gelb, dann tönnen wir mithin sicher fein, daß irgend ein Bulkan uns seine schöne Botschaft sendet; diesmal stammt fie also vom Vesuv. .

* Keine Brillen wehr! Wenn sich bte wunder­bare Nachricht bestätigt, die aus England kommt, wird man in Zukunft keine Brillen und Pit crnez mehr za tragen haben, weil fie überflüssig gewordru find. Während bet letzten zwölf Monate hat Dr. Stephan Smith, ei« Augenazt am „Batiersea Park Hospital", eine neue Methode der Behandlung von Personen entwickelt, die bis jetzt eines Augenfehlers wegen Brillen tragen mußten. Genauere Angaben über die Methode werden roch nickt gemacht; fie wird nur als „Augennossage* bezeichnet. Dr. Smith hat dreißig P-rsonen seiner neuen Behandlung unter­worfen. Mit eiltet Ausnahme konnten alle ihre Augengläser ganz ablegen; die Geheilten könnten letzt auf nahe oder weite En.ferrungen ebenso leicht tote Leute, die nie ein Glus getragen haben, lesen- Die fiinen find in merkwürdig kurzer Zeit ausgefuhrt worden, und die Wirkung soll bauet! b sein Am Samstag stellte Dr. Smith, wie die ,Dai.Y News berichten, einen geheilten datierten einem kritischen Publikum vor. Fälle von akuter Kurzsichtigkeit, Ueberfichtigkeit oder ApigmoiiswuS find so weit ge­hellt worden, daß die Patier ten die bis dahm oe- nutz'en Gläser entbehren konnten. Fest alle Patienten waren in der Cby als Schreiber beschäftigt; alle sprachen sehr anerkennend von den Vorteilen, die bie Behanblurg ihnen gebracht habe. Die Behandlung ist sanft unb schreitet allmählich vor; fie verursacht leine Schmerze» unb dauert täglich nur wenige Minuten. Einige toutben in einer Woche geheilt.

* Ans Respekt vor Großherzogs Rock. In einer hessischen Garnison wat, so schreibt man dem .Gießener Anz.', ein Mann zu einer vierzehn agtgen Hebung ein gezogen worben, welcher au* Versehen vom Kammer-Unteroffizier einen Rock erhalten hatte, an dessen Kragen sich der Gesreitenknrpf vesanb. Der Mann trug biete Auszeichnung auch mit Sir z; er wat ein strammer Soldat, so daß der Hauptmann seine Freude an ihm unb die Absicht halte, den Ober« hissen am vorletzte« Tage seiner Dienstzell zum Unter« o fizier zu befördern. Der Vorgesetzte war aber nicht ta uig erstaunt, im Nationale der zu Befördernden zu finden, baß bet Gefreite eigentlich gar kein Gefierter war. Ec erkundigte sich bei dem Reservisten, wo er den Geftellenknopf berhabe, und erfuhr, toaS es damit für eine Bewandtnis hab'. „Warum Haden Sie den Knopf nicht abgetrennt?" fragte er. EchlaÄertrg erwiderte bet Oberh-fle: „Aus R- spekt vor dem G-vß- herzog seinen Rock," denn der hätte doch habet leicht beschädigt werden körnen. Trotz dieser nickt üblen Ausrede mußte bet Gesreiienknvpf sofort Herunter, unb mit bet Beförderung zum Unteroffizier warS nicht-. ___________

* Ei« Gruß vom Vesuv ist uns auf „drahtlosem' Wear aus Italien berfibergefanbt worden. Arthur Stentzel schreibt darüber in den ,Allg. Wiff. »er/: Vulkanen haben ihre eigenen Mittel, den Menschen von ihrer Tätigkeit Mitteilung zu machen: in die umliegenden Ortschaften senden fie Lava, Lapilli und giftige Gase, in die entferntere« Gegenden Rauch «nd Staub. Seit dem 23. September befindet sich der Befuv in heftiger Eruption, und seit dem 3. Oktober färbt stch der Himmel fast an jedem Morgen «nd Abend gelb, purpurn, orange, rot und grün, oft in herrlicher Pracht, bis in daS nörd­liche Europa. „Befuv-Dämmerung* nannte« wir eS im vorigen Jahre, in dem bet unruhige Geselle sich schon recht unheimlich bemerkbar gemacht hat. Befuv-Dämme- runa ist eS auch jetzt ma8 den sonst so «uscheinbaren Morgen- und Mb*.. eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang mit bunte-i Tinten fchmückr. Nach de: große« atmofphärifch-optifchen

feierliche Ueberfüh'uug der Leiche CrtptsauS der Kapuzineraruft nach dem patermttant chen Pantheon ftatiffnben und gleichzeitig in Palermo ein Denkmal des Staatsmannes enthüllt werden. Bie Crispi Partei beabsichtig: bei diesen Gelegen­heiten eine großartige Demonstraiion: Es werden eine Unmasse von Einladungen zu diesen Feier­lichkeiten versandt, darunter an den König und die Mitglieder der Rkginung, an die Mit- glichet des Parlaments, sämtliche Bürger­meister Siziliens rc. JmpalermitanischenPantheon, der Kirche der Dominikaner, ruht übrigens schon ein nab^r Verwandter Cnspis, nämlich der im Jabre 1859 verstorbene Bischof der griechischen Albanesen Siziliens, Jo'ept Popos Crispi, welcher sich einen hervorragenden Namen als Historiker und Archäologe gemacht hat.

In Folge des übermäßigen Reichtums an Weintrauben in Appulien herrscht dort ein sehr empfindlicher Mangel an Fässern und Tonnen, sodaß man bereits Regkrungshilfe in Anspruch nehmen mußte. Die Regierung ver­sprach auch Abhilfe, hielt jedoch bis heute nicht Wort. Fast wäre es dieserhalb zu ernstlichen Unruhen gekommen, wenn die Regierung die Beteiligten nicht beruhigt — durch neue Ver.- sprechungen. ,

Ein sonderbarer Streik bereitet sich tm Hafen von Reggio-Calabria vor. Die dortigen zahlreichen Bootssührer sanden ihren Hauptver­dienst durch das Aus- und Einschiffen der Passa­giere, welche nach Messina oder Catania fuhren. Nun aber wurden bereits vor Jahren die sogen. Ferryboots eingeführt, welche direkt am Bahn­hofe von Reggio anlegen und daher die Dienst­leistung der Vorgenannten überflüssig machen. Es verbleibt den Bootsführern nur noch das Aus- und Einschiffen auf den Dampfern der allgemeinen Schiffahrts-Gesellschaft. Nun aber hat auch diese die Anordnung getroffen, daß ihre Fracht- und Passagier - Dampfer direkt am Strande anlegen und somit haben die Bootsleute allen Verdienst verloren. Sie wollen nun streike«, d. h. in diesem Falle eigentlich nur demonstrieren und die all­gemeine Aufmerksamkeit auf sich lenken, damit die Dampfschiffahrts-Gesellschaft gezwungen werde, sich wieder ihrer Dienste zu bedienen, was natür­lich vom reisenden Publikum nur sehr ungern gesehen werden würde.

Der Sohn des flüchtigen ehemaligen Unter­richts-Ministers Nasi, welcher kürzlich wiederum Briefe gegen die Finanzgebarung verschiedener Vorgänger seines Vaters in den hiesigen Zeitungen veröffentlichte, macht bekannt, daß er einzig und allein aus eigenem Antriebe gehandelt und keine Helfershelfer bei diesen seinen Angriffen habe. Diese Erklärung scheint nach hiesiger Sitte nur zu beweisen, daß gewisse politische Persönlichkeiten sich des jungen Nasi bedienen, um ihre Rache an ihren parlamentarischen Gegnern zu nehmen.

In der päpstlichen Riten-Kongregation wird bereits eifrig an den Vorbereitungen zur feierlichen Kanonisation des seligen Majello und S au li gedacht und schon im nächsten Monate soll mit der Ausschmückung der Peterskirche be­gonnen werden. Pius X. hat.übrigens angeord­net, daß diesmal die von allen Kunstfreunden und Kunstverständigen immer sehr ungern geseheneAus- schmückung der Basilika, wieM noch gelegentlich der Kanonisation am HimtmWhrtstage 1900 zu sehen war, nicht ftatiffnben solle, sondern die­selbe bedeutend vereinfacht werde. Auch sollen die früheren hohen und alle Aussicht raubenden Tribünen in Fortfall kommen. Da im Dezember eine ganze Reihe großer und interessanter Zere­monien in der Peterskirche ftatiffnben werden (8. Dezember Krönung des Madonnenbildes und Papftmeffe, 11. Dezember Kanonisation, an den folgenden Sonntagen Beatifikationen), so steht ein ganz gewaltiger Fremdenandrang bevor und die römische Saison verspricht diesmal sehr rege zu werden.

wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten)

Fulba, 15. Oft. 1904.

3« dem Telegramm be8 Kaiser- an den Grasen Leopolb zur Lippe-Biestetfelb hat nunmehr der Reichskanzler eine authentische Jnter- petation an den Biz'Präsidenten deS lippeschen Landtages gerichtet, in welcher et erklärt, bet Kan« habe bmch sein Telegramm lediglich die vorläufige Nichtverrivigung der Truppen begründen wollen. Jeder Eingriff in die verfassungsmäßigen Rechte deS Fürstentums babe ihm selbstverständlich f«"gelegen, ebenso die Absicht der derzeitigen Ausübung der Regentschaft durch den Grasen Leopold ein Hinder­nis zu bereiten. D-- lippische Frage werde ihre Er- ledigung ausschließlich nach Rechtsgrundsätzen finden. Er hoffe, daß e» bald gelinge« werde, auf schieds­gerichtlich:« Wege zur rndgiltigen Lösung der Frage zu gelangen. Das Telegramm bat unterdessen sehr viel böses Blut gemacht, wie die in Lippe am letzten Sonntag abgehaltenen Profistversammlungen bekunden sowie auck die Denkschrift deS lippeschen Ministerium- an beu Landtag. Hoffen wir, daß nunmehr der Fehler des kaiserlichen Telegramms wieder gut ge­macht und bieErbsolgefiage recht bald auf eiuwandS- freiea Rechtsboden durch ein Schiedsgericht erledigt werde, wie man eS in Lipp: selbst wünscht.

In dem preußischen LandtagSwahlkreise Pleß-Rybnik ist am Donnerstag in der Ersatz­wahl für de« verstorbenen ZentrumSabgeordneten Dr. Moritz der Kreisschvlinspektor RzeSnitzeck gegen den Zentrumskandidateu Pfarrer Dr. Stephan ge­wählt worben. Die Radikalpolen haben hier gezeigt, wie weit ihr blinder Haß gegen daS Zentrum führt. Lieber geben sie einem Hakatisten ihre Stimme und helfen dadurch bie Mehrheit für bie Polen Politik ber Regierung starken, als daß sie für daS Zentrum, daS diese Pvlerpolitik bekämpft, eintreten. DaS Zentrum wird ta nicht daran zugrunde gehe«, wenn es ein paar Mandate verliert; den Schade« haben nur die Polen. _

Die Dresdener Grneralversammlu'g des Evan­gelischen Bunde- bot diesmal wieder dasselbe Bild wie alljährlich: Oedr Hetzerei gegen „Rom" und „UltramontanisnmS*, verbunden mit der heuchle- riscken Versicherung der Friedensliebe und Toleranz Von irgend einer positiven Arbeit ist keine Rebe. Einen ziemlich breite« Raum nahm bie Erörterung ein, wie weit ber Bunb Politik treiben dürfe. Der Bund hat sich aber von jeher in die Politik einge­mischt, obgleich er immer versicherte, unpolitisch zu fein. ES ist hier dieselbe Unwahrheit und Unklarheit, die alle Handlungen des BunoeS „auszeichnet*. Ziemlich gleichzeitig mit dem Bunde tagte in Berlin der Protestantenverein. Die Leugnung der Gottheit Christi unb jeglicher Offenbarung war bie Quintessenz feiner Verhandlungen. Es ist bezeichnend für bte Zustände im Protestantismus, daß eS fast ausschließlich Pastoren waren, bie als Redner auf­traten. Hier hätte btt. Bund genug vor der eigenen Tür zu kehren; abefc er kann nur über „Rom" zetern, er wagt nicht gegen den Urglauben ber Pastoren aufzutreten, weil er sich eben mit dem Pro­testantenverein verwandt fühlt.

Der Kölner internationale Kongreß gegen die unsittliche Literatur war gut besucht: Er zeigte, baß viele Männer in allen euro­päischen Staaten den ernsten Willen haben, dem sitt­lichen Schmutz in Kunst und Literatur mit Nachdruck enigegenzutreten. Man toar sich grundsätzlich darüber einig, daß bie Grsetzgebung dabei Mitwirken müsse. Wenn aber die Gesetzgebung nun eingreifen wollte, würde da nicht wieder ein neuer lex Heirtze-Rmnmel loSgehen?

Arn 8. b. Mts. würbe ber HanbelSvertrag zwischen Deutschland unb Rumänien in Bukarest unterzeichnet.

Der «ationallib eraleParteitag, welcher a n Sonntag in Bochum tagte, nahm eine Resolution v , in welcher ber Landtags raktion baS volle Ve - t ’nen unb bie Hoffnung ausgesprochen wurde, auf br: Grundlage beS Kompromißantrages eine ersprieß- lic!,- Regelung ber Schulunt whaltungspflicht herbei- zn> .ihren.

Der Streit zwischen den Berliner städti­sche« Behörden unb dem Provinzialschul- toUegium wegen ber Verwendung ber Schul- gebänbe spitzt sich immer mehr zu. Man sollte meinen — unb im Intet esse ber Sache wäre eS zu wünschen —, baß man mit einem bischen guten Willen unb Nachgiebigkeit auf Leiden Seiten eine Berständiqung herbeiführen könnte.

In Oldenburg hat ber ßanbtag einstimmig be« Gesetzentwurf über dir Regelung ber Thron- genommen. Ueber be» Protest beS Herzogs Günther zu Schleswig-Holstein ging man zur Tages- orommg »ver.

In er reich Rnb gegenwärtig verschiedene -asL-.a’e jcsammelt. Natürlich geht eS nicht ohne den üblichen Nationalitätenhaber ab. Im böhmischen SanbtaM sprach der Statthalter namens der Regierung die Hoffam-g au?, baß die stellenweise unerträgliche Notlage Deutsche und Tschechen einander näher brwyrn werde. Die Antwort war alsbald ein Ob- strsftioi.Santrag der Deutschen, während die Tschechen

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