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MaerM Zeitung

Monatrbellager „WbStt GeschichtSbMe^'

M 234

31. JahrgMg.

Zulda, Mittwoch, den 12. Oktober 1904.

B

27

। Erstes Blatt ।

des fünffachen Kintsmordes, der schweren Kup­pelei, des versuchten Gatienmordes und ver-

L. Beinhorn.

------(Nachdruck^verboten.)

wunderbare Zügungen.

«ine Erzählung, übersetzt auS dem Italienischen von

«.c ei"?nl schönen FrühlingSabende, wo die uuter- ur?ende Sonne mit chrrn goldene» Strahlen die

MnstleitenZos^am»

KÄrÄrtaSiH. wocheubelllM<9y311uffricdt

nebelhaften Umrisse des entfernten Horizontes bel uchteten, und wo die ganze Natur in süße Harmonie gewiegt war, gingen zwei junge Damm und Herren au? der Landstraße spazieren, welche von Boursault'S Schlosse nach Merlac führte.

Dir beiden Damm warm Arm in Arm voran- geschritten, ihr Gespräch sehr heiterer Kri zu fdn, denn bann u> d wann unterbrach:« sie durch ein fröhliches Lachen die fie umgebende Ruhr.

„Ack, warum kannst Du nicht immer bet uns bleiben", sagteHkleve zu schien Johanna deRrnneoille; „wenn Tu wüßtest, wie rasch die Zeit mir ver­gangen »st, seitdem Du h'er bist, niemals habe ich mich so glücklich gefühlt, wie jetzt."

amte auf offener Postkarte zugegangenen Mitteilung ist unser lieber Sohn und Bruder, der einjährig-freiwillige Unteroffizier Rudolf Deh- ning, am 6.Oktbr.inOkosongoho am Typhus gestorben. Die tiesbetrübten Extern und Ge­schwister. H. I. Dehning. Kiel, den 7. Okto­ber 1904." Die Todesfälle in unserer anmutigen Kolonie häufen sich wohl derartig, daß man im Reichs - Marineamte nicht mehr die Zeit findet, den Angehörigen in rücksichtsvollerer Form Mit­teilung zu machen. Man benutzt dort schon Post­karten mit vorgedrucktem Formular. Die vor­stehende Todes-Anzeige zeigt, welche Gefühle da­mit bei den Angehörigen hervorgerufen werden.

Karl, der in seinem praktischen Sinn und stimm gesunden Vtrstande von Geheimniflm nichts wiffm wollte, klapste seinem Schwager vertraulich auf die Schuber, indem er in ironischem Tone sagte:

„Glaube doch nicht an Rätsel und geheimnisvolle Geschicke. H:lene liebt Dich, wenn also Herr Bour- sault und der Bater Ihre Einwilligung geben, kann wirst Du fi: ohne fernere Schwierigkeiten zum Altar führen können."

Fersen melden, erholten habe."

„Was haben Sie weiter getan?" fragte Albert.

„Ich glaube schon günstige Resultate erzielt zu haben; wenn keine unvorhergesehenen Fälle eintreten, so muß der Alte schon jetzt tn unseren Händen sein.

„Wo ist er?" fragte Albert wiederum.

Lasten Sie uns die Sache nicht überstürzen, ich

renber Weise gezeigt, weß Geistes Kmd fie sind. In Hamburg wurde vor dem Schwurgerichte ein Prozeß gegen eine Frau Wiese verhandelt, die

Männer, welche ungefähr 50 Schritt entfernt folg ea. „_____________ ____1_>1_______ ________________

„Wie werde ick mich ireaen", sagte Karl de I wonnige Rahe durch feine rauht Stimme unterbricht?" I wies sich in jeder Beziehung so" lieblich gegen mich, Renneville, „wenn Dir gestaltet sein wird, das an-1 sagte Karl unwillig. I *>-><*> —-™» «rt-.■„unMh srfa ;<f> ihm

mutige Madien als Gattin heiwzusühren." '

des DuellgegnerbundeS würde ihm stetig ver­mehrtes Gewicht verleihen; wir würden zu einer dem Vorurteil gebietenden, den Gewissenszwang keseitigenden Macht anwachsen. Diese fegens- volle Macht, mit der man sehr bald ernstlich rechnen würde, zu schaffen, wolle ein jeder sich zur Pflicht machen!

. | daß bald meine Bbnngvna verschwand. ÄlS ich ihm

Wenn ich nicht irre, antwortete Karl in ernstem/« Laufe nnfe e-is Sisprcch:« will eilte, daß ich ei«

An,eigene tHe ei»

" spaltige Petitzeile ob« deren Kaum 15 PN-

„Sie find LHMian Fersen?" fragte der Mann.

AlS er feine Antwort erhielt, fügte er barsch hinzu:

„Sie muffen eS sein, ich habe Ihr Signalement, H erkenne Sie wieder."

„Aber", stammelte Fersen.

„Machen Sie keine Umstände, ich bin Polizeiagent m d muß Sie aufforder», mir zu folgen. '

2 „Was habe ich getan?" fragte der Unglückliche totenblaß.

„Das werde ich Ihnen unterwegs sagen, jetzt be­eil:« Sie sich, mir zu folgen.

„Wohin wollen Sie mich führen?"

„Das ist eine unnütze Frage, welche ich nicht be- “»werten darf; ergeben Sie sich und machen Sie “r. der Straße kein Aufsehen; unten stehen noch

Männer, welche Sie mit Gewalt zwingen würden."

Aristion sah wohl 'in, daß jeder Widerstand S’S? toäre. er folgte daher dem Agenten, der schon die Tür geöffnet hatte.

der Straße angelangt, fand er keinen der /jwseten Männer, sondern nur einen Postwagen, in «ich«, einzufieigen chn sein Gefährte einlud.

der Agent, währenddessen der fich in Bewegung setzte, „ist alles gut ge- mmgeo, wenigstens wird kein Hindernis mehr e>n» s^' und wir können morgen schon in Angouleme

„Du sprichst wie jemand, der nie Schwierig­keiten auf seinem Libeuspfade getroffen hat: wenn ich Dir daS Wenige, was ich in Erfahrung bringen tonnte, mitteile, wirst Du gewiß eine andere Sprache führen, ich hege Befürchtungen, welche auf meine Be'chlüffe lähmend wirken."

„Run, wenn die Sache so liegt", erwiderte Karl, > „«aijcn ®ic un» uic öuu^c mu#i uunnu. j-.v, „so würde ich frei und iffen mit Helene sprechen und kann Ihnen nur sagen, daß er wohlauf ist und fich sie dringend bitten, mir ihre Lebensverhältniffe zu in Sicherheit befindet. Trotzdem ich jetzt schon seit offenbaren; jedenfalls kann es Dir nur angenehm sein, mehreren Wochen hier umtetirre, habe ich doch immer zu wissen, um war eS fich eiaentlich handelt." noch vermittelst meiner Korrespondenten einen lieber-

Während dessen war eS Nacht geworden, und der blick über die Verhältnisse in der Hauptstadt gewinnen ausgehende Mond hatte mit feinem sausten Lichte der können und somit erfahren, daß er wohlbehalten hier Landschaft einen womöglich noch lieblicheren harmoni- angekommen ist. llebrigen» bereue Ich die Reise nicht, schen Anstrich verlieben. welche man mich hierher h.t machen Hoffen, denn ich

Plötzlich mürbe die nächtliche Ruhe durch den Ge- habe daS Glück gehabt, einen Reisegefährten zu haben,

„Endlich find Sie glommen, Herr Leutnant", sagte dieser, indem er freundlich grüßte. „Gewiß wollen Sie von mir hörea. Möge Ihnen zunächst die Mitteilung genügen, daß ich Ihren Brief, in wel­chem Sie das Verschwinden des sogenannten Christian

„Arme Helene! Teure Schwester", antwortete Johanna, „ich begreife, wie Du Dich hier einsam und verlassen fühlen mußt. Aber letzt find wir noch hier; unser guter Bater muß auch bald eintreffen, wir erwarten ihn mit jedem Augenblicke, vielleicht gelingt c8 ihm, Herrn Boursault zu überreden, daß er Dich mit uns reifen läßt."

Helene schüttelte traurig das Haupt.

„Es handelt fich nicht um Herrn Boursault", erwiderte fie ernsthaft, ich muß gestehen, daß er während Eurer Anwesenheit liebevoller gegen mich ist, allein noch andere Schwierigketten. über welche ich nicht'sprechen darf, stellen sich meinem Glücke entgegen."

„Bist Du denn von irg-nd jemand bedroht?"

„34 gerade nicht, aber die Sage eine- andern Unglücklichen könnte fich durch meine Unbesonnenheit leicht verschlimmern"

erwiderte Johanna lächelnd, „ich ipiuguui wuiuc uic umyiuaje ginge ourcq ven *®t» i pave ob» ®iub gepavi, einen Neyege;ay .ii . ^abon sprechen, wir wollen alles sang einer Arie unterbrochen, welche zu jener Zeit der mir b e Langeweile jebr verkürzt hat.

auf PapaS Ankunft verschieben, ich hoffe, daß während allgemein bekannt war. Die junge Gesellschaft wandte " ' ' " ----

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Druck und Verlag N fiuldaerActtendruckeM in 8ulda (harmonttt zernlprecher TU. 9.

Sezußtzp «ir vringerlOhn eeb ttezuldanntz toiwtosimLsePfe.

SerantworMche»

Bolksschnle soll Gottesfurcht, König-treue und Sätet« landsliebe in die Herzen der Jugend etnpflanzen. ES bedarf kei er Ausführung, daß es mit diesen Ausgaben der Volks­schule in Widerspruch stehl, wenn durch Uebetlaffnng von Räumlichkeiten der Zugang sozialdemokratischer obei atheistischer Lehren zu den Herzen' der Jugend gefördert und Sokotvereine unterstützt werden, welche nach ihrer in autwärligen Blättern rückhaltlos betonten eigentlichen Zweckdestimmung die CadreS der zukünf­tigen polnischen Armee zu bilden berufen find. Und es muß verwirrend auf die Herzen der Jugend und auf die Empfindungen der Lehrer und Eltern ein-, - . . ... -

wirken, wenn dies« Iben Räume, in welchem jenen obersten letzten Tagen wieder einmal IN geradezu empo Grundsätzen der preußischen Volksschule gemäß gelehrt und gewirkt wird, zugleich zur Förderung der entgegen« gesetzten Bestrebungen verwendet werden. Derartigen Mißbräuchen muß im Interesse der Erziehung unserer Jugend und deS Gedeihens unserer Volksschule ent«

** Im Monat August d. IS. find auf deutschen Eisenbahnen — ausschließlich der bayerischen und der Bahnen mit weniger als 50 km BetriebSlänge — 11 Entgleisungen auf freier Bahn (davon 6 bei Personenzügen), 22 Entgleisungen in Stationen (davon 7 bei Personenzügen), 1 Zusammenstoß auf freier Bahn (zwischen einem Ardeits- und einem Per« sonenzuge), 13 Zusammenstöße in Stationen (da­von 5 bei Personenzügen) vorgrkommen. Dabei wurden 6 Reisende, 14 Bahnbedienstete und 3 Postbeamte verletzt.

() Zu dem Berliner Gchnlftreite nimmt heute die »Norddeutsche Allgem. Ztg.' das Wort. Sie behauptet, die Verhandlungen und Beschlüffe der letzten Stadtverordnetensitzung wiesen eine geradezu erstaunliche Unklarheit in der Auffaffung der Sach- und Rechtslage auf. Sie seien geeignet, die öffentliche Meinung irre zu führen und bedürften deshalb einer näheren Beleuchtung. Das oberoffiziöse Blatt bemerkt dann weiter:

ES ist durchaus nicht geltendes Recht in Preußen, daß die öffentlichen Volksschulen, insoweit fie von politischen Gemeinden unterhalten werden, alS Ge­meindeanstalten lediglich der Kommunalaufficht unter­stehen. Sie find vielmehr der staatlichen Schulaussicht I unterstellt und diese überträgt nach § 18 der alS ge­setzliche Norm geltenden Regierungsinstruktion von 1817 den Bezirksregierungeu die Direktion und ! Aufsicht über alle öffeutlichen und Privatschulen, die Beraaltung deS gesamten Elementarschulwesens und die Aufsicht und Verwaltung sämtlicher äußeren Schulau- gelegenheiten." Eine fast hundertjährige Praxis der Gerichte und Verwaltungsbehörden, 'owie wiederholte grundsätzliche Entscheidungen des Oberverwaltungs­gerichtes haben diese Befugnisse unzweifelhaft klar- gestellt. Sie haben auch durch die den Stadtschul­deputationen für gewisse Angelegenheiten der Schul­aufsicht erteilten Ermächtigungen keinerlei Aenderung erfahren . . . Jeder versuch, die Rechte der polt- tischen Gemeinden am Schulgebäude lediglich nach den Grundsätzen deS Privateigentum» zu behandeln, muß alS völlig verfehlt bezeichnet werden. — In Frage könnte nur kommen, ob eS notwendig und zweckmäßig war, in Berlin so, wie geschehen, vorzugehen. Um diese Frage zu beantworten, ist eS von Wert, nochmalS auSdrücklich festzufiellen worauf fich das so lebhaft angegriffene verbot der Unterrichtsverwaltung erstreckt hat. Der Berliner städtischen Schulverwaltung ist von dem Königlichen Provinzial - Schulkollegium eröffnet worden, daß die Ueberlassung der städtischen Schul­gebäude, insbesondere der Turnhallen, unzuläsfig sei: 1. für den polnischen Turnverein Falke, 2. für den tschechischen Verein Sokol, 3 für die vom sozialdemo­kratischen Turnverein Fichte gebildeten Schülerab- teilungen, 4. für die hiesige freireligiöse Gemeinde zu den für Jugendliche bestimmten Borträgen. Nur um diese vier Punkte handelt eS fich. Die öffentliche

’ gegen treten werden. Die mehrjährigen versuche, auf ■ dem Wege vertraulicher persönlicher Verständigung eine Beseitigung jener Mißstände herdeizusühren, sind ge­scheitert. Jetzt bleibt der Unterrichtsverwaltung nur der durch die wichtigsten Jntereflen der Schule und der 'staatlichen Autorität gebotene Weg einer Durch- ; führung der auf rechllicber Grundlage beruhenden . Maßnahmen. Ihre Durchführung wird in durchaus sachlicher aber entschiedener Weise erfolgen, unbeirrt durch den angelündigten Widerstand."

Die ,Nordd. Allg. Ztg/ übertreibt die nach­teiligen Wirkungen der bisherigen Verwendung städtischer Schulgebäude auf die Jugend offenbar. Wir geben ihr aber darin recht, daß den städ­tischen Behörden kein unbedingtes Ver- fügungsrecht zustehen kann. Anscheinend wäre es auch nicht zu dem Streit gekommen, wenn der Magistrat fich nicht darauf versteift hätte, die Schulräume gerade zu Zwecken verwenden zu taffen, zu denen die Schulbehörden fie nicht ver­wendet zu sehen wünschten.

* Die diesjährige Generalversamm- lung der A»ti-D«ell-Liga findet am Sonn­tag, den 16. Oktober, nachmittags 3 Uhr, in Darmstadt im Gartensaal des Städtischen Gaalbauesstatt. Das Programm der Ver­sammlung lautet: 1. Berichterstattung über Ge­schäftsführung und Kaffenverwaltung im ab- gelaufenen Jahre. 2. Wahl dreier AktionS- Komiteemitglieder. 3. Beratung und Beschluß- faffung über Eingaben, welche an die Reichs- justizkommisston für Revision des Strafgesetz­buches und der Strafprozeßordnung einzureichen sind. 4. Besprechung weiterer Maßnahmen zur Ausbreitung der Liga. Nach Schluß der Generalversammlung vereinigen fich die Teil­nehmer zu einem zwanglosen Beisammensein im gleichen Lokale. — Eine rege Beteiligung an dieser Generalversammlung der Anti-Duell- Liga wird herzlich und dringend erbeten, auch Gäste sind willkommen. — Die Duellbekämpfung erfordert, so sagt der Vorsitzende des Aklions- komftees, Fürst Karl zu Löwenstein, in seiner Einladung, lebendiges, tatkräftiges Interesse aller Ligamitgliedrr. Teilnahmeloses Abwarten er­hoffter Sinnesänderung, müßiges Anerkennen fremden Mühens und Schaffens fördert ihre Be­strebungen nicht. Wir müffen dem göttlichen Gebot, den Erwägungen prüfender Vernunft, der Forderungen echter Humanität und Sittlichkeit den Sieg erarbeiten. Ein Mitglied wenigstens im Laufe eines Jahres der Liga zuzuführen, muß das gewiß maßvoll gesteckte Ziel eines jeden Duellgegners sein. Die stetige Ausbreitung

„Unglücklicher Weife wird dies weder von meinem Btt er, noch von Herrn Bomsault abhängen", er­widerte Albert. „ES schwebt in Helenens Familie ein Geheimnis, daS ich bis jetzt nicht durchschauen konnte, welches aber, wie Helene andentet, die größten Schwierigkeiten für unser zukünftiges Glück dardieten kann."

fuchter Verleitung zum Meineide angeklagt, war und wie schon gemeldet, zum Tode und sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Die Schmutzpreffe hat nun alle die Tage hindurch in spaltenlangen Berichten in behaglichster Breite über das schauerliche Drama berichtet und auch die ekelhaftesten Vorgänge einem Lesepublikum geschildert, zu dem doch auch Kinder und unerwachsene junge Leute gehören, nicht achtend der moralischen Verantwortung, die sie dadurch auf fich geladen hat. Wie ein christlicher Fa­milienvater es verantworten will, daß er ein solches Blatt in sein HauS kommen läßt, ist uns unbegreiflich.

* Münzprägung. Im Monat Septem­ber sind in den deutschen Münzstätten für 5,775,300 Jk Doppelkronen und für 420,000 Jk. Kronen, beides auf Privatrechnung, für 200,000Jk. Fünfmarkstücke, für 3,889,141 Jk Zweimarkstücke, für 1,802,279 Jk Einmarkstücke, für 108,087 Jk. 20 H Zehnpfennigstücke, für 77,979 A 75 Fünfpfennigstücke, für 61,228 Jk 92 Zwei­pfennigstücke und für 33,559 Jk Einpfennigstücke geprägt worden.

§ Ans Lippe. Neben der schaumburgifchen Linie und dem Grafen Erich zur Lchpe-Weißen- feld, deren Protestschreiben gegen die Regent­schaftsübernahme durch den Grafen Leopold dem Bundesrate bereits vorliegen, hat jetzt auch der Chef der Weißenfelder Linie, Gras Georg, seine Ansprüche angemeldet. In einer aus Baruth (Königreich Sachsen), den 7. Oktober 1904 datierten Eingabe an den Hohen Bundes­rat sucht er sie zu begründen. Wie daraus her­vorgeht, steht der Ches der Weißenselder Linie dem Treiben seines Vetters Erich, der, zu allge- meiner Heiterkeit des lippischen Landtages, seiner­seits die llebernahme der Regentschaft von Berlin aus bekannt gegeben, und den Bürgermeister von Zostftot in den Bundesrat „entsandt" hatte, vollständig fern. Die Erklärung richtet sich auch nicht gegen die Biefierfelder Linie, sondern ver- i wahrt nur das Recht der eigenen Linie gegen das Haus Schaumburg. Falls es diesem ge­lingen sollte, die Linie Biestetfeld zu beseitigen, würde eS also blos für die Linie Weißenfeld gearbeitet haben.

Berlin, 10 Ott. 19 A. Der Kaiser und die Kaiserin sandten zur fünfzigjährigen Jubelfeier deS Domkandidaten-Etifts in Berlin Glückwunschtelegramme. Dem Oberhofprediger Dryander ist anläßlich der Tone, „so hast Du selbst ihn auf Deine Veranlassung hierher kommen lassen "

„Du kennst ihn also?"

„Wie eS wir scheint, ist eS Nivert."

„Ja, ja, Du hast richt, er ist ei."

„Ich will ihm entgegen gehen und einige Worte mit ihm auStauschen, warte nur einige Augenblicke, bald werde ich wieder bet Dir fein."

Karl beeilte fich, die beiden Damen wieder eiuzu- holen, während Altert auch seinersetts sofort von Ni­vert erkannt tourte.

auf PapaS Ankunft verschieben, ich hoffe, daß während allgemein bekannt war. Die junge Gesellschaft wandte „Und wer »ar dieser Gefährte?"

feiner Anwesenheit Dein und Alberts Gluck gesichert toirb." fich um und erblickte in nicht großer Ferne einen ein- „Boursault. Denken Eie nur, bei meiner Abreise

^ Sehnlichen Inhaltes wat^S Gespräch ber jungen fernen Wanderer. traf ich ihn schon auf bem Posthofe. Ich empfand an»

• | „Wer ist dieser unverschämte Mensch, ber biefe sangs ein großer Mißtrauen gegen ihn, allein er er»

Deutsches Reich.

Berlin, den 11. Oktober 1904.

* Der Kaiser nnb der evangelische Bund. Nach Schluß der Dresdener Tagung traf folgende Antwort auf das an den Kaiser gerichtete Huldigungstelegramm ein:

Potsdam, 7. Oktober, n Uhr 30 Min. Seine Majestät der Kaiser und König haben mich zu beauftragen geruht, der 17. Generalverfamwlung des Evangelischen Bundes für den Huldigungsgruß allerhöchst ihren Dank auszusprechen, v. LucanuS, Geheimer Kabinettrat.

- Der Diskont der Reichsbank ist heute auf 5°/o, der Lombard - Zinsfuß für Darlehen gegen Verpfändung von Effekten und Waren auf 6°/e erhöht worden. In gleicher Weife haben auch die übrigen deutschen Notenbanken, wie Bayerische Notenbank, Sächsische Bank rc. rc. ihre Zinssätze hinaufgesetzt. Diese Erhöhung, und zwar gleich um ein ganzes Prozent, kommt über­raschend. Seit dem 8. Juni 1903, also mehr als 16 Monate hindurch, bestand der Diskonto- fatz von 4°/o.

(•) Am 10. d. Mts. ist nach langem Kranken- lager der Vortragende Rat im Finanzministerium, | Geheimer Oberkinanzrat Hans Rodatz ! im Alter von 47 Jahren von qualvollen körper- lieber Leiden durch den Tod erlöst worden. Der ,ReichSanzeiger' widmet ihm einen Nachruf, worin es heißt: „Der Dahingeschirdene, der bet einer hohen Begabung über ein reiches allge­meines Wissen verfügte, war im besonderen auf dem Gebiete der Zölle und indirekten Stenern ungemein bewandert und beherrschte es in vollem Umfange; davon legten seine nach Form und Inhalt muftergMigen Arbeiten dauernd Zeugnis ab. Für die Wirtschaftspolitik zeigte er ein reges Interesse und verfolgte mit Aufmerksam­keit die verschiedenen Erscheinungen im wirt­schaftlichen Leben deS In- und Auslandes. Er schien deshalb für die Beteiligung an dem durch die neueste Zolltarifgesetzgebung bedingten Arbeiten besonders geeignet und wurde auch, um seine Kenntnisse und Erfahrungen bei der Anordnung und Ausgestaltung des Tarifgesetz­entwurfs und für die Beratungen Über diesen in ergiebigem Maße zu verwerten, im Mai 1901 zum preußischen stellvertretenden Bevollmächtigten zum Bundesrat ernannt. Er hat an den ein | fchlägigen Beratungen des wirtschaftlichen Aus- schuffes, des Bundesrats und des Reichstags bis zur Verabschiedung des Tarifgesetzes Ende deS Jahres 1901 eifrig teilgenommen und ist dem ihm gestellten Aufgaben mit bestem Erfolge ge­recht geworden. Sein Tod wird im Finanz­ministerium schmerzlich empfunden. Ein dauern­des Andenken ist ihm gesichert."

* Folgende Todes»Anzeige enthält die ' Samstags-Nummer der ,Kieler Ztg/: „Todes- ; Anzeige. Nach einer uns vom Reichs-Marine- i