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Druck und Verlag « KUdaerAetiendrucke« i« Salbe (harmontq Sernsprecher M 9.

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M 232.

Zulda, Montag, den 10. Oktober 1904

31. Jahrgang.

)( Der Kampf gegen die Polen.

Das neue Ansiedelungsgesetz scheint die Absichten der Hakatisten nur in unvollkommenem Maße verwirklichen zu wollen. Sie klagen be­reits lebhaft, daß die Polen den § 13 b zu um­gehen bemüht sind und die polnischen An» fiedelungsbanken nach wie vor das Geschäft der polnischen Kolonisation zu betreiben suchen. Die Minister haben zwar bei der Beratung des Ge­setzes im Landtage hoch und heilig versichert, es sei gar nicht darauf abgesehen, polnische An­siedelungen überhaupt zu verbieten, nur die An­siedelung unzuverlässiger, nicht staatstreuer Elemente und die Durchkreuzung der Tätigkeit der Anstedelungskommission solle verhindert werden.

W Natürlich liest man es nach Tische anders. Jetzt ist jede Ansiedelung von Polen ein staatsgefährliches Unternehmen und das Gesetz soll dazu dienen, die Polen von der Ansiedelung völlig auSzuschließen. Als eines der Mittel zur „Umgehung" des Gesetzes wird der Ankauf deutscher Bauernstellen genannt, zu deren Bewirtschaftung eine oder mehrere polnische Fa­milien herangezogen werden sollen. Aus ein weiteres Verfahren zur Abschwächung der Wir­kungen des Gesetzes soll kürzlich auf einer Ver­sammlung in Kosten der ReichstagSabgrordnete Dr. v. Skaszynski hingewiesen haben. Er empfahl, jeden polnischen Bauern zur An­siedelung eines Parzellanten zu veranlassen, dem er nur Dach und Herd zu gewähren brauche. So könne dem Polentum viel Land erhalten bleiben, und viel neues Land durch Ankens in polnische Hände gebracht w.rden. Ohne Zweifel werden die Polen auch noch weitere Mittel zur „Umgehung" des Gesetzes ausfindig machen.

Vor kurzem hat bekanntlich eine Bespre­chung der beteiligten Minister mit dm Ober» präsid enten, Regierungspräsidenten und Generalkommissionen der beteiligten Provinzen stattgefunden, die zur Beschlußfaffung über eine eingehendere Anweisung zur Aus- sührung des § 13 b führte. Die Hakatisten er­warten, daß diese Ausführungsanweisung den „unlauteren Bestrebungen" der Polen zur Vereitelung der Tätigkeit der Ansiedlungskom- miffion von vornherein die Spitze abbrechen werde. Wenn die Anweisung nicht eine eigen­mächtige Erweiterung und Verschärfung des Ge­setzes sein soll, wird sie kaum im Stande sein diese Erwartung zu erfüllen. Es wird sich wohl in einigen Jahren Herausstellen, daß auch das neue Gesetz nicht genügt, um die Polen so zu unterdrücken, wie die Hakatisten wollen. Dann wird man natürlich e'in neues Gesetz machen.

Es wird schließlich nichts übrig bleiben, als dm Polen die Erwerbung von Grund­

besitz überhaupt zu untersagen. Wahr­scheinlich wird aber auch das noch nicht genüge«. Man wird den Polen verbieten müsien, Grund- eigentum zu besitzen. Wenn sie dann fick dem Handel und Gewerbe zuwenden, wird man ihnen auch das verbieten müsien. Die Hakatisten werden gewiß dazu bereit sein. Führen sie doch jetzt schon Beschwerde über die Konkurrenz, die polnische Handwerker und Kaufleute den Deut- scheu machen. Der genannte polnische Abgeord­nete redete auf der Kostener Versammlung einem engeren wirtschaftlichen Zusammenschluffe der Polen das Wort; vielleicht komme eS noch so weit, „daß wir unseren Handwerkern, Kaufleuten und Aerzten Subventionen werden geben können". Auch diese Zukunstsmusik macht den Hakatisten bereits Gorgen.

Der polnische Graf Sz em deck hat kürzlich ein Schreiben veröffentlicht, wonach ein gewisser Ziolkowski, also jedenfalls ein Pole, in der Provinz Posen doppelte Agenturgeschäfte betreibt, d. h. einerseits für eine polnische Land­bank tätig ist, anderseits unter dem Namen Frau Helme Lukow mit Leuten in Verbindung steht, die paffende Grundstücke für die Ansiedelungs- kommisston ausfindig zu machen haben. Das ,Berl. Tagebl.' regte sich darüber auf und meiyte, es sei der Anfiedelungskommisfion un­würdig, sich mit so gesinnungslosen Persön­lichkeiten abzugeben. Demgegenüber bekennt die ,Krruzztg/ sich zu dem non ölet. Wer die Ver- hältniffe im Osten kenne, wiffe, daß die An- stedelungskommijston gleich der Polizei nicht lediglich mit anständigen Leuten arbeiten und nicht immer auf geraden Wegen zum Ziele gelangen und die unlautern Elemente und fragwürdigen Existenzen nicht entbehren könne. — Sehr schmeichelhaft für den Osten und die Anstedelungskommission!

Deutsches Reich.

Berlin, den 8. Oktober 1904.

* Es besteht die Absicht, die Stellung des Präsidenten der J«stizprüf««gs-Mo»»isfion, die bisher nebenamtlich versehen wurde, in ein etatsmäßiges Hauptamt mit einem seiner Be­deutung entsprechenden Gehalt zu verwandeln. Nach der ,Voff. Ztg.' ist, wenn der jetzige Prä­sident, Wirklicher Geheimer Rat Dr. Stölzel, einst zurücktritt, als sein Nachfolger der Senats- prästdent am Kammergericht, Dr. Coing, derzeit Vorsitzender der Kommission für die erste juristische Prüfung, in Aussicht genommen.

** In Gumbinnen sollte für die katho­lische Minderheit in der städtischen höheren Mädchenschule auf Kosten der Stadt katholischer Reltgio«S»«terricht eingerichtet werden. Die protestantische städtische Verwaltung wehrte sich „natürlich". Nun ist der „Konflikt" auf Kosten der Katholiken „beendet". Der Kultus­minister hat entschieden, daß er, nachdem die Zahl der katholischen Schülerinnen in der städtt- schen höheren Mädchenschule unter 12 gesunken ist, von der Einführung des lehrplanmäßigen

katholischen Religionsunterrichis in der genannten Schule auf Kosten der Stadl Ab stand nehme. Es ist aber der Schulbesuch katholischer Schüler und Schülerinnen von Zeit zu Zeit zu kontrollieren, um darüber der Regierung zu berichten. — Wieviel überwiegend katholische Gemeinden müssen für 12 und weniger protestantische Kinder nicht allein den protestantischen Religionsunterricht, sondern eine eigene protestantische Schule be­zahlen!

rr Der Generalversammlung des Evangelischen Bundes widmet die oberoffiziöse .Nordd. ALg. Ztg/ in ihren „Rückblicken" eine längere Betrachtung, in der es heißt:

.Der Evangelische Bund will offenbar agitatorisch und propagandistisch auf die breite Muffe wirten und bleibt deshalb trotz mancher Berficheruvgen des Gegen­teils im wesentlichen bei der Negation, der Polemik gegen Rom und Zentrum, stehen. Gewiß betonen auch manche Redner des Evangelischen Bundes, daß es gelte, nicht bloß zu protestieren und nein zu sagen, sondern auch sich mit evangelischem Geiste erfüllen zu lasten. Aber wer die Verhandlungen auch der diesjährigen Hauptverhandlung des Evangelischen Bundes ohne Borurteil liest, steht ohne weiteres, daß die Erfüllung dieses zweiten Programmpunktrs sehr stark in den Hintergrund tritt und infolge der kirchlich stark ge­wischten Zusammensetzung dieses Kongresses, dem auch kirchlich und religiös mehr oder minder indifferente Elemente in nicht zu schwachem Prozentsatz beigemengt find, in den Hintergrund treten muß. Wenn nun so in der Abwehrtätigkeil gegen wahre oder vermeintliche Uebergriffe deS Zentrums die Haupttättgkeit des BundeS erblickt werden muß, so scheint unS doch, daß in den temperamentvollen Reden, die auch in Dre den ver­nommen worden find, daS Kind nur allzu leicht mit dem Bade auSgeschüttet wird, so wenn in der Hitze deS Gefechtes davon gesprochen wird, daß daS deutsche Volk vom Zentrum beherrscht werde, und in ähnlichen stark übertreibenden Ausdrücken, die wenig mit der Wirklichkeit zu tun haben. Den Hauptvortra, der dies- jährigen Tagung hielt Dr. Bärwinkel aus Erfurt über die Frage: .Hat der Evangelische Bund politische Auf- gaben?" In gewissem Sinne ist diese Frage ja aller, b n>8 keine Frage mehr, sofern der Evangelische Bund seine polemische Spitze gegen das Zentrum, also eine politische Partei richtet. Immerhin war es von Interesse, die Grenzen kennen zu lernen, die der Referent der politischen Wirksamkeit des Evangelischen Bundes an­weist. Ganz leicht find diese Grenzen ja freilich nicht zu ziehen, und auch Dr. Bärwinkel trotz aller Vorsicht des Ausdrucks ist der Gefahr nicht völlig entgangen, mit einander nicht leicht vereinbare Ansichten auszu­sprechen. So meinte er zwar, der Evangelische Bund müffe stÄ hüten, in daS Parteileben hinabzusteigen und im eigentliche» Sinne Politik zu treiben, anderseits be­tonte er gleichwohl, daß die Bundesglieder von jedem Reichstagskandidaten, besten Stanbpunlt noch nicht genügeub bekannt sei, eine klare Aussprache „überfeine Stellung gegenüber ben Anforderungen des Ultramon- taniSmuS" fordern müßten. Diese beiden Forderungen zu vereinigen dürste, so wie das politische Leben ins­besondere bei Wahlkämpfen fich zu gestalten pflegt, nicht gar so einfach sein, zumal der Wunsch für einzelne Parteirichtungen nahe genug liegen mag, den starken Einfluß des Evangelischen Bundes ihren Zwecken dienst­bar zu machen."

* Im lippischeu Landtage geht es mit der Erledigung der Vorlage über die Regent­schafts- und die Erbfolgefrage nicht so rasch wie vielfach, und ohne Zweifel auch von derlippischen Regierung erwartet worden war. Im Ausschuß schon find die Vorlagen auf Schwierigkeiten ge­stoßen. Nicht nur, daß die Bückeburgische Partei sich widersetzt, auch in der Biesterfeldisch gesinnten

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L. Beinhorn.

------(Nachdruck verboten.)

wunderbare Sügungen.

•ine Erzählung, übersetzt auS dem Italienischen von

,^-Nein, «ed,--, sagte sie endlich, „Du täuschest Dich nicht; ich stehe vor Dir, ich bin Helene oder Bianka, wie es Dir gefällt, Deine Dich innig liebende Tochter, die ihrem Herzensdrange nicht hat widerstehen könne», um Dich wiederzusehen, trotz aller drohenden Gefahren."

F rsen antwortete nicht, schwankend schritt er zur Tür, um dieselbe zu verschließen, darauf warf er einen düsteren, argwöhnffchen Blick auf den alten Diener.

• „Ist niemand weiter mit Euch gekommen?"

„Wie Sie sehen, nein."

„Wo ist Boursault?"

„Fortgereist."

„ „Und Laura? Wo ist fir? Wie geht eS zu, daß sie nicht hier ist?"

„Wir haben fie in dem Hotel gelcflen, unter dem «orwande, daß wir notwendige Besorgung auSzu- Wen hätten, und fie hat unS geglaubt."

, »Nun, vielleicht habt Ihr eine große Unvorsichtigkeit "gangen, ober ich will Euch darüber keinen Borwurf «achen. Wir haben genug gelitten. Gott wird unS verlassen, vielleicht hat die Stunde geschlagen, ? mir vergönnt sein wird, wieder frei und offen mu der Wett zu verkehren."

So sprechend, war er gedankenvoll zu seinem ^mtze zurückgekehrt, und Baier und Tochter hatten tttzt noch kein Wort ausgetauscht: aber jetzt, wo ^<1, ^tte, schloß er dieselbe zärtlich in fei? e . . »Ärmer, teure- Kind", stammelte Fersen endlich, "°em er fie mit freudestrahlenden Augen ansah, „wenn wüßtest, wie sehr ich gelitten, wieviel) Tränen ich oet9cffen habe; nur Deinetwegen habe ich nicht ge­

wagt, mich anS der Tiefe deS Abgrundes, tu welchen ich geschleudert bin, empor zu reffen.

„Welch trauriges Dasein hast Du geführt l" murmelte Helene.

„Ich wußte nicht, was ans Dir geworden war."

„Ich habe stets für Dich zu Sott gebetet und Hilfe erfleht."

Einen sehr liebevollen Blick aus Hel-ne werfend, erwiderte Fersen:

„Ich glaube wohl, daß auch Du viel gelitten hast, aber warum hast Du mich nicht schon längst auf- gesucht?"

Helene lächelte, der Blick verschleierte fich, sie schien eine gewisse Scheu überwinden zu müssen.

„Du fragtest", flüsterte fie nach einigen Sekunden, „ob wir allein gekommen wären. Tom hat Dich getäuscht."

„Wieso?"

„In dem Wage», in welchem wir hierher gefahren find, weilt noch jemand, dessen Schutz ich in An­spruch genommen trabe."

„Wir heißt er?"

„Albert Villeneuve. Er war der einzige Mann, den ich um einen solchen Dienst bitten konnte, denn ich habe ihn als meinen zukünftigen Gatten erwählt. Er besitzt ein so guter, rechffch ffeneS Herz, wie man nur denken kann."

Fersen antwortete nicht, er war nachdenkend ge­worden ; eine Erinnerung schien in ihm aufzutauchen.

„Ja, ja", sagte er, „eS ist gewiß der junge Mann, den ich vor einiger Zeit im Theater getroffen habe. Aber warum ist er nicht mit heraus gekommen?" Ta Gott unS die Freude d-S Wiedersehens gewährt hat, so soll er fie auch mit uni teilen."

Freudigst erteilte Helene dem alten Diener den Befehl, Albert zu rufen.

„Ged, geh rasch, die Zett verrinnt, eS find unS nur noch wenige Minuten vergönnt."

Rasch schloß Tom die Türe auf, aber als er über die Schwelle schreiten wollte, trat er entsetzt zu­rück; voller Schrecken eilte er auf Helene zu, gleich­

sam um fie zu beschütze», und stammette nur den Namen:

„Laura!"

„Laura V1 wiederholte Fersen, erblassend, mit keuchender Brust.

Ja, es war in der Tat Laura, die vor der Tür Sehorcht hatte und jetzt in das Zimmer trat. Ihr arter, strenger Blick war ans Helene gerid tet, ein Lächeln voll bitterer Ironie spielte um ihre Lippen

Ei trat ein prinliches Schweigen ein.

Tom gewann feine Geistesgegenwart zuerst wieder. Entschlossen die Hand der jungen Mädchens ergreifend und nach der Tür schreitend, sagte er fast mit be­fehlendem Tone:

„Kommen Sie, Fräulein Helene, jetzt haben wir hier nichts mehr zu tun."

Schluchzend umarmte Helene ihren Vater und folgte dann ohne weiteres dem alten Dien-r.

Laura war zur Seite getreten, um fie durchzu­lassen, aber in dem Augenblick, wo Tom an ihr vor- üdergivg, warf fie einen Blick voller Wut auf ihn.

„Wir werden uns bald Wiedersehen", sagte fie mit kreischender Stimme, „und dann sollst Du mir über Deine Führung Rechenschaft ablegen."

„Ja", sagte Tom mutig, „wir werden unS Wiedersehen; hoffentlich wird die Zeit bald kommen, wo der gerechte Gott einschreiten muß."

Mit diesen Worten führte er Helene auS dem Zimmer. DaS arme Mädchen war mehr lot als lebendig; ihr Herz klopfte so gewaltig, daß fie kaum Atem schöpfen konnte und Mühe hatte, die Treppen hinunter zu steigen; erst nachdem fie iw Wagen neben Albert Platz genommen hatte, wagte sie, freier aufzublicken.

Dieser ahnte daS Borgefallene; er erriet, daß die Segenwort Laurar, welche er vor einigen Augen­blicken hatte in deS Haus treten sehen, die Zusammeu- kunst mit Fersen gebärt habe. Besorgt und ängstlich betrachtete er die Geliebte, ihr aufgeregter Zustand konnte ihm nicht erngehen.

„WaS ist mit Dir vorgefallen, wie zitterst Du?",

Mehrheit scheinen starke Meinungsverschieden' heften heroorgetreten zu fein. Insbesondere soll auch bei dieser Anstoß erregt haben, daß in einer Regierungsvorlage Stellungnahme gegen das Telegramm des Kaisers verlangt werde. Was an den Einzelheften ist, die in der Preffe von den Vorgängen und Stimmungen im Ausschüsse berichtet werden, muß dahingestellt bleiben.

§ I« Leipzig haben sich die feindlichen Brüder wieder vertragen. In einer von 2000 Personen besuchten Parteiversammlung wurde am Freitag der Streit wegen Dr. Südekum und der »Leipziger Volksztg/ beigelegt. Die Genossen Mehring und Jaekh, die die Redaktton des Blattes niedergelegt hatten, hielten längere Reden und versprachen, daß „kleine Zänkereien in Zu­kunft unterbleiben sollen und nahmeu ihre Tätig­keit an dem Blatte wieder aus. Die Versamm­lung nahm gegen etwa 40 Stimmen eine Reso­lution an, worin sie sich mit der prinzipiellen Haltung der »Leipziger Volksztg/ einverstanden erklärte, es als selbstverständlich bezeichnete, „daß die Redaktion in der grundsätzlichen Verfechtung des revolutionär - wissenschaftlichen Sozialismus auch die.Polemik mit anderen Parteiorganen nicht vermeiden kann", und außerdem die be­kannte höhnische Notiz über Dr. Südekum durch die an den Parteitag gesandte Erklärung der Redaktion endgültig für erledigt erklärte. Man darf gespannt fein, wie lange Mehring int Stande fein wird, fein Versprechen, kleinliche Zänkereien zu unterlassen, zu halten.

** Mit der Empfehlung des Generalstreik- ist bekanntlich der Genosse Dr. Friedeberg bei ben maßgebenden Führern der Sozialdemokratie gründlich abgefallen. Jetzt kommt einer der heftigsten Gegner Friedebergs, Genosse Wiesen- ihal, und empfiehlt den „partiellen General­streik". In einer Versammlung der ausständigen Berliner Metallarbeiter meinte er am Freitag, die 150 000 organisierten Arbeiter Berlins sollten auf einen Schlag auf 3—8 Tage die Arbeit einstellen; das würde dazu beftragen, der Polizei andere Maniere gegenüber den Streik­posten beizubringen. Von diesem „Generalstreik" als Demonstration gegen die Polizeiwillkür will indeß der .Vorwärts' nichts wissen. Er hält einen solchen Streik weder für möglich noch für wirksam. Wern sogar gegen die Arbeitsruhe am 1. Mai Propaganda gemacht werde, dann sei es ganz ausgeschlossen, daß alle Gewerschaften sich für die Ideen Wiesenthals begeistern würden. Einen Eindruck würde, selbst wenn er möglich wäre, ein solcher partieller Streik von drei bis acht Tagen auf die Polizei nicht machen.

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fragte er teilnehmend; „befürchtest Du irgend ein Unglück?"

„Nein, nein", erwiderte Helene, „ich hoffe eS nicht; nur LamaS Erscheinen hat mich so sehr er­schreckt. O, wenn Du wüßtest, wie unglücklich fie mich gemacht hat."

„Aber, was hast Du von ihr zu fürchten?"

Helere verbarg dak Gesicht mit beider Händen.

„Höre", antwortete fie endlich »it dumpfer Stimme, „Du fichst, wie rasch die Ereignisse fich Überstürzen; daS Vorgefallrne wild wahrscheinlich unsere Abreise beschleunigen, und ich iürchte, daß so lange wir hier noch weilen werden, ich Dich nicht Wiedersehen werde. Bevor wir unS nun trennen, habe ich Dich noch um einiger zu bitten, was Du unter allen Umständen ausführen wirst; nicht wahr?"

„Sag nur, ich verspreche Dir alles."

„Wenn Du erfahren haben wirst, daß wir abge­reist find, suche Herrn Fersen auf: ich habe mit.ihm von Dir gesprochen, er kennt Dich."

„Sag ihm dann, daß Du Dich in kurzer Zeit nach Bngouleme begeben wirst. Vielleicht toirb er Dir Dinge anbei trauen, welche ich Dir ohne seinen Willen nicht Mitteilen darf.

„Glaubst Du denn, daß er soviel Vertrauen zu mir haben wird?"

„Gewiß, denn ich habe ihm ja unsere Liebe ge­standen."

„O, Helene, Du kannst immer auf mich rechnen, ich werde Angouleme nicht eher wieder verlassen, bi« ich Dich als meine Gattin heimführen kann."

In diesem Augenblicke hatten fie die Straße Samt Honare erreicht und der Wagen hielt vor dem Hotel.

Tom hatte fich beeilt, den Wagen zu öffnen.

Helene stieg eiligst hinan-, und nochmals ihrem Geliebten die Hand reichend, rief fie ihm ein herz­liches Lebewohl zu.

„AufWiederfehen, auf ein baldige- Wiedersehen war die Erwiederung de- jungen Manne-.

* *

(Fortfetzmig folgt.)