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M 231.
8u!da, Samstag, den 8. Oktober 1904,
31. Jahrgang
Zweites Blatt
Unpolitische Zeitlause.
(A Berlin, 6. Oktober 1904. (Nachdruck verbalen).
Kürzlich hat hier eine Geburtstagsfeier zwei Brüdern eine Gefängnisstrafe von 4 Jahren eingebracht. Dem älteren Bruder wurde allseitig daS Zeugnis ausgestellt, daß er ein fleißiger, geschickter Arbeiter und ein friedlicher Mensch sei. Und doch hat er nach der feuchtfröhlichen Familienfeier wie ein Berserker gehaust. Mit der „Begießung- deS Geburtstagskindes hatte man schon am Sonntag vormittag angefangen, und es zeigte sich auch hier wieder, daß der Alkohol vor dem Mittagessen noch schlimmer wirkt, als nachher. Drei von der angeführten Gesellschaft benutzten die Stadtbahn, um in ein weiteres Vergnügen zu fahren. Im Eisenbahnwagen fing einer von ihnen mit Flegeleien gegen mitfahrende Frauen und Mädchen an, daraus ergab stch Streit und Stockschläge, und als nun auf der zweitnächsten Haltestelle die angerufenen Bahnbeamten die Störenfriede aus dem Wagen entfernen wollten, kam es zu einem furchtbaren Kampfe. Ein Bahnafsistent wurde von den
Wütenden gewürgt und mit aller Gewalt über ein Gitter hinüber gebogen, so daß die Umstehenden jeden Augenblick seinen Fall in die Tiefe erwarteten. Der so schwer vergewaltigte Beamte hatte einen Herzfehler und starb eine Stunde später an Herzlähmung. Nun wurden die Raufbolde, die man zunächst wieder entlassen hatte, alsbald verhaftet. Die Geschworenen sprachen sie nur der Körperverletzung mit tätlichem Ausgange schuldig, und während der Staatsanwalt Zuchthaus forderte, hielt der Gerichtshof vier Jahr Gefängnis für genügend.
Vielfach wurde das Urteil als viel zu milde bezeichnet. Solche Schlägernaturen, die ohne jede Veranlaffung mit schwachen und harmlosen Fahrgästen in einem Eisenbahnwagen Streit anfangen und dann rücksichtslos mit allem, was ihnen entgegentritt, auf Tod und Leben kämpfen, müßten auf möglichst viele Jahre in'S Zuchthaus geschickt werden. Diese Bemerkung ist nicht unbegründet. Der Frieden im Eisenbahnwagen bedarf eines besonderen Schutzes. Wenn an anderer Stelle mich jemand angreift, so kann ich im Notfälle ihm auSweichen und meistens auch durch Hilferufe Leute herbeiziehe?, die mir helfen. Im Abteil der Eisenbahn gibr's keine Flacht, und wenn nicht gerade handfeste Leute zugegen find, so ist der schwächere Reifende Sem stärkeren Raufbold vorläufig ausgeliefert. Die Notbremse? Ja, wenn der Freoler sein Opfer nicht an den Handgriff kommen läßt, so hilft diese Sicher- heitsvornchtung nichts. Aus der Berliner Stadt« bahn hat die Benutzung der Notbremse noch
wunderbare Fügungen.
M»e Erzählung, übersetzt auS dem Italienischen vor, L. Beinhorn.
24 ------ (Nachdruck verboten.)
In dieser -Stimmung, gemischt von Freude und bangen Z vetteln stand Albert im Begriffe, daS Freie zu suchen a(8 rhm der Diener entgegemrat und ihm einen Brief überreichte. Em Blick genügte, um ibn zu überzeugen, daß derselbe von Helene geschrieben war. Er lautete folgendermaßen:
„Mein teurer Albert!
Morgen abend gegen 6 Uhr erwarte mich in einem Wagen an der Ecke der Straße Saint Roche und Argenteml. Wenn ich mich der strengen Ausficht mit welcher ich fortwährend beobachtet werde, entziehen kann, so werde ick mich pünktlich einstellen; sollte ich aber um halb 7 Uhr noch nicht gekommen sein, so warte nicht länger e«f mich *
Was diese Zeilen weiter besagen wollten, wußte »lbert nicht zu enträtseln; tausenderlei verwirrende und widersprechende Gedanken quälten seinen Geist, «elchrn Dienst konnte Helene von idm verlangen? Warum ein solcher Schritt, welcher einer Flucht glich? «Ächrn Plan hatte ste entworfen? Wollie sie ein Haus auf immer verlaffen, in welchem ihr Dasein so verkümmert wurde? Ec verlor sich in vergeblichen Mutmaßungen.
Mit größter Ungeduld erwartete er anderen Tage- die angegebene Siunde ; schon um 5 Ubr eil e er aus SP® Hause, um Pünktlich an Ort und Stelle zu sein.
schlug sechs, dann ein Vie tel, dann halb, endlich ««merkte er zwei Personen aus der Rue Saint »moraw kommen, welche er auf den ersten Blick er» •ttnte. ES waren Tom und Helene. Sie blieben «or dem Wagen stehen, und nachdem der erstere sich »verzeugt hatt-, daß Albert in ormsrlben ihrer harrte,
einen besonderen Haken; die Stadtzüge fahren über ein Viadukt, einem seitlich abgegrenzten erhöhten Bahndamm. Wer da beim Halten des Zages auf der Strecke herausspringen wollte, würde auf stark befahrene Geleise kommen, wo ihn jeden Augenblick ein Zug zermalmen kann. Sonst muß er nach Ziehung der Notbremse geduldig warten, bis der eine begleitende Beamte sich von seinem Dienstabteil am Ende des Zuges bis zur kritischen Stelle heranbewegt. Und wenn nun gar drei oder noch mehr entschlossene Raufbolde gemeinsame Arbeit machen, dann findet sich weder unter den Fahrgästen noch beim Bahn personal die nötige Anzahl von Widerstandskräften; die Frevler beherrschen das Feld, bis der Zug an einen größeren Bahnhof mit zahlreicherem Personal kommt, und auch dann ist, wie der erwähnte Vorfall zeigt, die Ueber- windung noch fehr schwierig. Die Schutzlosigkeit im Eisenbahnwagen ist noch viel schlimmer, als die Akten der Polizei und der Staatsanwaltschaft erkennen laffen. Längst nicht alle Roheiten werden zur Anzeige gebracht. Namentlich scheuen sich die Frauen und Mädchen, die in gemeiner Weise belästigt worden sind, die Beleidigung an die große Glocke zu bringen. Und wie oft wird gegen die Sittenreinhett der Kinder dort ungestraft gefrevelt! Die Bahnverwaltung kann natür- lich nicht in jedes Abteil einen Polizisten setzen. Aber wohl kann man verlangen, daß sie überall, auch in den Stadt- und Vorortzügen, besondere Abteile für Kinder bereit halte, damit die schutzbedürftigen Personen sich vor gemeinen Gesprächen und gemeinen Handlungen von Milfahrenden sichern können. Und ferner sollte man überall, wenigstens in allen Zügen für den Nachdarschaftsoerkehr, die Abschlteßung der Einzelabteile beseitigen und einen Durchgang durch den ganzen Wagen, und vorn ohne Schiebetüren anbringen. Noch bester ist eS, wenn auch die Zwischenräume oben durchbrochen sind, so daß man von dem einen Abteil aus das vordere übersehen kann. Die Ergänzung dazu bildet bi# Mahnung an Frauen und Kinder, immer das Frauenkoupee zu benutzen, wenn eS möglich ist, und im anderen Falle sich niemals in ein Abteil zu begeben, wo nur ein oder zwei männliche Personen darin sitzen, sondern ein gut besetztes Abteil vorzuziehen. Wenn sich unterwegs durch Aus- oder Emsteigen eine bedenkliche Vereinsamung mit einem unbekannten Menschen ergibt, so ist die Aufsuchung eines anderen Abteils geraten, selbst auf die Gefahr, auf der nächsten Station schnell aus« und in ein anderes Kupee wieder einsteigen zu müffen. Auf jeden Fall ist es aber für alle Fahrgäste anzuraten, daß sie nach ihrem Eintritt in den Wagen sich nach der Notbremse umsehen; man kann ja nie misten, ob einer sie nicht braucht, und falls man sie braucht, so findet man sie in der Aufregung nicht schnell genug, wenn man sich vorher nicht orientiert hat.
Der weitere Schutz der Gisenbahnsahrer wird sich nur dadurch erreichen lassen, daß die Ausschreitungen im Zuge mit abschreckender Schärfe öffnet: er die Wagentür und ließ Hrlenr Eintreten; Tom selbst stieg auf den Bock.
Mit wenigen Worten hatte et den Kutscher unterrichtet, im raschen Trabe fuhren fie ab.
Ohne ein Wort zu sagen, hatte Helene Platz genommen, fie war sichtlich sehr bewegt, sie zitterte am ganzen Körper und drückte innig die Hand, welche Albert ihr gereicht hatte.
Mein Gott, was ist geschehen? Wozu dieser geheimnisvolle Schritt, welcher Dich so zu erschüttern scheint?"
„Frage mich noch nicht, Geliebter«, antwortete Helene, „Du stehst, wie aufgeregt ich bin; was ich heute unternehme, st ein groxeS Wagnis. Möge der Himmel geben, daß eS mir gelingt."
„Willst Du eS wir nicht sagen?"
„Morgen, oder so bald wie möglich, ich bin ja meinetwegen nicht so besorgt."
„Um wen denn?"
Helene gab keine Antwort.
„Aber wohin gehen wir", fragte Albert wieder.
„Nun", erwiderte Helene endlich, „eS ist bester, der Gefahr die Spitze zu bieten, al» fortwährend in Befürchtungen zu leben Ich konnte nicht anders handeln, und nun bin ich bei Dir, bin unter Deine a Schutze."
„Das sollst Du immer sein, so lange ich lebe."
„Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können, ich habe nur an Dich, an Deine Schwester pedacht, eS scheint, als wenn das Glück ur.8 so nahe stände, als wenn wir nur die Hand darnach anSzustrecken brauchten, und dennoch bin ich, wie Du stehst, sehr unglücklich."
Unterdeffen war der Wagen in dem Quartier Latin angelanqt; bann und wann hatte Albert einen Blick auf die Straßen gerichtet, um sich zu orientieren, wohin es ging. Als man endlich anhirlt, wandte er ich zu Helene und sagte, nicht wenig überrascht:
„Da find wir ja auf der Rue d'Anterue." „Jaivoht, mein Freund."
„Sollen wir zu Christian Fersen?"
bestraft werden. In dem eben erwähnten Falle ist dis verhältnismäßige Milde des Urteils nur dadurch zu erklären, daß der Hauptschuldige bisher einen soliden Lebenswandel geführt und die befteu Charakterzeujmisse aufzuweisen hatte. Der Gerichtshof hat anscheinend bedacht, daß 4 Jahre Gefängnis als Folge eines Geburtstags-Rausches schon ein schweres Verhängnis bedeuten.
In der Tat, der Mann hat in einer „vergnügten" Stunde sein eigenes Lebensglück und das seiner Familie zerbrochen. So ein Familienfeier fängt recht nett und gemütlich an. Man ruft Vivat und Hoch und stößt dabei an, trinkt aus und schenkt ein, redet und raucht und animiert sich. Wer nicht stramm mrttrinkt, wird als Schwächling verspottet oder als Beleidiger zur Rede gestellt. Man denkt oder singt vielleicht auch: Wer niemals einen Rausch gehabt rc. Ehe man es sich versieht, find die schlechten Triebe, die auch in sonst nüchternen und gesetzten Menschen schlummern, durch den Alkoholteufel aufgeweckt. Jo, manchmal wirkt das Gift bei einem soliden Menschen noch schlimmer, als bei einem Gewohnheitssäufer. Der „angeheiterte" Mensch kann so einem Pulverfafse ähnlich werden. Bleibt er zum Glück von einem zündenden Funken verschont, so kann die Geschichte mit einem bloßen Katzenjammer ausgehen. Aber wehe, wenn ein Anstoß zur Explosion eintritt! Dann kann im Nu aus einem braven Menschen, sogar aus einem bisher guten Familienvater ein unvernünftiges Tier werden. Die gewöhnliche Folge des Trunkes ist die Reizung des Geschlechtstriebes und der Rauflust. Wenn man einen Rausch höflich bezeichnen will, so spricht man von „gehobener Stimmung". Dieses „gehobene" Kraftgefühl, das der späteren Erschlaffung vorausgeht und für manche den Trunk fo verlockend macht, pflegt besonders diejenigen Leute, die einen Beruf mit körperlicher Arbeit haben, zur Erprobung ihrer Muskelkraft, des Mutes und ihrer Kampffähigkeit zu verlocken. Wir hoben ja Gegendm in Deutschland, wo die Raufereien als regelrechtes und unentbehrliches Zubehör des Volksvergnügens gilt. Die herkömmliche Rauferei auf dem Lande schafft schon manches Unheil; noch schlimmer aber ist die improvisierte Rauferei in dm Städten oder In« dustrieorten. Und die Gefahr ist stets vorhanden, wenn ein Gläschen über den Durst getrunken wird. Schiller sagt an einer Stelle: Da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Spott. Viel, viel häufiger tritt der Fall ein, daß Burschen und sogar gesetzte Männer unter dem Einfluß des „vergnügten" Trunkes zu Hyänen werden und mit ihrem und anderen Leuten Lebens glück Spott treiben.
Wenn dis gewalttätigen Leute vor Gericht kommen, so behaupten sie gern zu ihrer Verteidigung, sie seien „sinnlos betrunken" gewesen. Kommt es aber nicht zur Strafverfolgung und man will den Frevlern wegen Betrunkenheit ins Grwiffen reden, so heißt es in der Regel: Ach wo, wir waren ja gar nicht betrunken, wir waren nur vergnügt! Höchstens wird zugegeben, daß
Helene seichte tief, Tom war von seinem Sitze gesprungen, und hatte schon die Tür geöffnet. Helene stieg rasch hinaus, aber in dem Augenblicke, wo sie in das H^uS treten wollte, hielt der alte Diener ste noch zurück, indem er ihr in ernster ehrerbietiger Weife sagte:
„Sie haben eS so gewollt, Fräulein Helene; sollte dieser gewagte Schritt unglücklich enden, werbe« Sie mir keine Borwürfe machen, daß ich Sie nicht daran gehindert habe?"
„Nein, nein, dieses ist die einzige günstige Gelegenheit, welche sich uns darbietet, im will sie nicht unbenutzt laffen."
„Nun, dann mag es in GotteS Namen geschehen, erwiderte Tow, der allmächtige Gott wird Sie gegen Ihre Feinde schützen."
Mit diese» Worten betraten sie den dunklen Hausflur. *
„Herr Christian Fersen?" fragte Tom den Portier.
„Im er Uten Stock, die erste Tür links war b;e Antwori.
Helene folgte raschen Schrittes. Albert hatte den Wagen nicht verlaffen. Christian Fersen, der schon seit vielen Jahren das bezeichnete Logis Gewohnte, war em Mann von ungefähr sechzig Jahren, und von hagerer, hoher Gestalt, in seiner Haltung lag soviel Bescheidenheit und Sanftmut, daß sie unwillkürlich Sympathie erweckt-. Man kannte ihn wenig, seine nächste Umgebung wußte nur, daß er ein kleines Amt in einer nicht fern gelegenen Fabrik bekleidete. Er bezahlte seine Miete sehr pünktlich, und galt bei de» wenigen, die ihn kannten, für den ehrlichsten, und gewissenhaftesten Mann. Al» er vor mehreren Jchien da» Logis bezogen hatte, war feine erste Bedingung gewesen, nur die Leute zu ihm zu laffen, welche ihm beim Namen nannten, sowie den Briefträger utid Sourfaulr. Dem Portier war eS nicht entgangen: wenn letzterer bei ihm gewesen, so fand er auf mehrere Taxe Fersen erregter und düsterer, wie gewöhnlich.
man etwas angeheitert gewesen, und das sei doch auch nicht schlimm, wenn in vergnügter Gesellschaft oder zur Feier eines Familienfestes etwas zum Besten gegeben werde. O dieses heillose „zum Besten geben", dar ist eine Gitte, die dem Teufel viel Pläsier macht. Es sollte heißen: Zum Schlechten geben! Das „Spendieren" ist nicht bloß eine Verlockung, sondern vielfach sogar ein Zwang zum Trinken. Wer ablehnt, gilt als unhöflich. Diese unsinnige und gefährliche Anschauung sollte nun endlich unter Christenmenschen ausge- rottet werden. Ebenso das Zutrinken, das den mäßigen Zechgenoffen zum Bescheidtun und so zum Trinken über seinen Durst verpflichten soll.
Der Aberglaube, daß in jeder vergnügten Gesellschaft Bier oder Wein oder gar Schnaps getrunken werden mfiffe, wurzelt tief in der deutschen Raffe und wird wohl so bald nicht auszurotten sein. Aber wenn doch wenigstens alle Festgeber und alle Teilnehmer an einer Kneiperei die Freiheit ihrer Freunde respektieren und den Trinkzwang in jeder Form ausschlteßenwollten. Sehe jeder, wie er's treibe, und mute niemand seinem Nächsten zu, daß er mehr trinke, als seinem eigenen Geschmack entspricht. Man soll auch am Kneiptisch jeden nach feiner Fasson selig werden lassen. Alles „Animieren" führt zu schwerer Verantwortlichkeit. Man weiß ja nicht, ob der Betreffende stch nicht augenblicklich in einer solchen körperlichen oder geistigen Verfaffung befindet, daß ihm schon ein kleines Uebermaß aus dem Gleichgewicht bringt und entweder die Gesundheit schädigt oder gar zu folgenschweren Torheiten verleitet. Werin du trinkst, hast du genug zu tun mit der Verantwortlichkeit für dich selbst. Lade dir ja nicht noch die Verantwortlichkeit f.»r andere Leute auf, indem du sie verführst. Was da „zum Spaß" angefangen wird, nimmt oft ein Ende mit Tränen, Elend und ewiger Reue.
Das Recht des Handlungsgehilfe.
ii.
(Nachdruck verboten).
(Durch ein Versehen ist in Nr. 225 d. Ztg. folgender Fehler unterlaufen, es muß beit, der Gehaltsauszahlung heißen: Die Zahlung des dem Handlungsgehilfen zukommenöen Erhaltes muß am Schluffe jeden Monats erfolgen. Wohl darf durch Vertrag ein früherer, aber kein späterer Zahlungstermin festgesetzt »erben.);
Die Endigung des Dienstverhältnisses.
Wie wir schon im ersten Teile unseres Aufsatzes betonten, find die Bestimmungen Über die Kündigungsfristen für Handlungsgehilfen in weiten Kreisen im einzelnen noch nicht genügend bekannt.
Ist zwischen dem Prinzipal und dem Gehilfen keine abweichende Vereinbarung getroffen, fo dauert das Dienstverhältnis fort, bis es von einer der Parteien aufgekündigt wird; dieses hat regelmäßig nur zum Schluß eines Kalendervierteljahres und spätestens sechs Wochen
An diesem Abend war er sruhzettig nach Hause zarückackehrt. Er hatte schon sein fiugaltS Mahl verzehrt, u:d mit dem Ellenbogen aus seinem Schreibtisch gelchnt, hatte er aus einem Schubkasten eine Photographie genommen, welche schon zn erblassen anfikg und nur noch undeutliche Umrisse zeigte. Ein tiefer Seufzer entstieg seiner Brust und Tränen entrollten seinen Augen.
In schwermütige Betrachtung n versunken, wurde er plötzlich durch ein Klopfen aufgeschreckt. Eiligst legte er da! Bild wieder in den Schubkasten, verschloß denselben ur.b eilte nach der Tür.
„Herein!" tief er mit bewegter Stimme.
Tom erschien auf der Türschwelle.
Christian 'zitterte und wurde bleich, et wollte sprechen, aber die Stimme versagte ihm.
Der alte Diener legte den Zeigefinger auf den Mund.
«»„Du kommst nicht allein?" fragte Christian endlich.
„Nein", tost die Antwort.
„Ist Boursault uitgekommen?"
„Nein."
„Wer bann? sprich . . . antworte. W r wagt er, dis hierher zu dringen?"
Der Unglückliche konnte nicht weiter sprechen.
Hinter Tom hatte die Tür stch wieder geöffnet und Helene war eingetreten, bleich und schüchtern, ohne die Augen aufzuschlagen.
Bei diesem Anblicke erhob sich Fersen, im höchsten Grade bewegt stammelte er:
„Oh mein Gott, darf ich meinen Augen trauen? Bin ich nicht der Spielball eines schrecklichen Trugbildes?"
Helene war näher getreten, und während Tsm die offenstehende Tür bewachte, war daS Mädchen vor Fersen niedergekviet und hatte seine Hand geküßt.
(Fortsetzung folgt.)