31. Jahrgang.
ßulüa, Samstag, den 8. Oktober 1904.
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Drittes Blatt
der «iicktri« Robert Kofis.
Der Geheime Medizinalrat Prof. Dr. Robert Koch ist bekanntlich von der Leitung des Instituts für Infektionskrankheiten zurückgetreten. Der be- rühmte Gelehrte hat selbst seine Entlastung aus dem mühevollen Amt beantragt, um sich in freier Stellung ganz seinen Forschungen widmen zu können. Kochs Arbeiten auf dem Gebiete der Tuberkulingewinnung sind die Ausgongsstätte von
Rolle. Der Uch des OrbtnSpttfQTt
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Druck und Verlag der zuldaerActtendrncker«»' in Zulda (harmoniej
Zernsprecher Nr. 9.
S xulöaer
verantwortlicher
»christleiterrZos-vamn
fcÄ roofienbeuage: „Illustrierte Sonntagszeltung
gegeben, nicht bloß daS Gesetz deS Schönen, daS er nicht übertreten darf, sondern auch daS Gesotz, daS für jeben christlichen Künstler, weil er ein Christ ist, gilt. Die Einheit der Lebensführung muß auch dir Kunst zugeben. Für den Künstler gibt eS keine unabhängige Moral; auch für ihn gelte« die ewigen Normen deS Christentums, «uch für den Künstler ist da» Wort gesprochen .Wehe denen, die AergerniS gebe«N (Lebhafter Beifall.) «bei abgesehen hiervon muß die christliche Kunst, wenn sie zur kirchlichen Kunst wird, sich den Anforderungen der Liturgie, den Bestimmungen, die seit vielen Jahrhunderten die Kirche für bie GotteS- Häuser und den Gottesdienst gegeben hat, unterordnen. DaS ist ein Gesetz engerer Art und doch bleibt auch für den auf diesem Gebiete tätigen Künstler Raum übrig, seine Eigenart zur Gelluna zu bringen. (Zust.) Aber die Gesellschaft für christliche Kunst will gar nicht nur der ttrchlichen Kunst im engeren Sinne dienen. WaS fie ganz besonders anstrebt und verwirklichen möchte, daS wäre eine christliche Volkskunst. Sie möchte du Konst auS den Hallen der Gotteshäuser herauStreten lasten in die Straße« und Plätze, in die Felder und die Häuser. Mehr a!S früher find wir haute darauf auS, unsere Häuser »u schmücken. Die Kunst hat Eingang «efunden, wo fie noch zu unserer Bäter Zotten kaum zu finden war. «bet vielleicht ist eS nicht zu viel gesagt, wenn ich meine, daß unter dem vielen Schönen und Guten, daS Künstler, Kunstindustrie und Kunstgewerbe für das HauS schaffen, du christliche Kunst noch nicht die ihr gebührende Stelle gefunden hat. Und doch kann fie viel mehr wie jede andere Kunst auf diesem Gebiete leisten, weil sie eben viel mehr volkstümlich sein kann; denn waS steht unserem Volke näher, alS das Christentum, welche Ideen find ihm verständlicher als die christlichen Ideen, welche Gestalten find ihm bekannter als die Gestalten der Heiligengeschichte? Hier bleibt noch immer eine unerschöpfliche Quelle künstlerischer Darstellungen und Formen übrig. TS ist ein merkwürdiger Zug unserer Zeit daß wir in Runft und Literatur auS dem troffen Naturalismus in der Gegenwart wieder in den Symbolismus einzulenken scheinen, ein Beweis dafür, daß der Mensch nicht eben bloß an der Erde hangt, daß ihm das Irdische allein nicht genügen kann, daß er in dem Irdischen und Schönen einen Abglanz höherer Schönheiten finden will. Aber warum soll die Schönheit fremdartige Beziehungen in die Kunst hineinlegen, wo die Fülle christlicher Ideen immer noch vor u«S liegt vnd zu unserem Verständnis spricht? Hier liegt auch für die Künstler unserer Gesellschaft eine Wahrheit und wir bitten sie, so wie bisher auch in Zukunft in diesem Sinne zu schaffen.
Hkilbestrebungen geworden, welche die Bekämpfung der ansteckenden Krankheiten aus ihrem Wesen, ihrer Entstehung herleitev. Alles, was man heute unter dem Namen „Gerumbehandlung" zu- sammenfaßt, baut sich auf den von Koch ge- fchaffenen Grundlagen auf. Aus dem Institut für Infektionskrankheiten ist uftter Kochs Leitung eine Fülle wertvoller Arbeiten gekommen, welche die §rage von dem Wesen, von der Verbreitung und Bekämpfung der ansteckenden Krankheiten behandeln.
vermischtes.
* Eine kluge Schnecke. Ein Tierfreund Dr. Dobell hat »ufälliq eine sonderbare Beobachtung gemacht, für deren Tatsächlichkeit er mit seinem Namen eintritt. Er hatte die Gewohnheit, oben« und morgens auf dem äußeren Fensterbrett eines ZimmerS Brosamen für die Vögel auszustreuen, die sich auch immer alle Brocken biS auf den letzten hotten. Eines Morgens siel ihm die silberglänzende Spur einer Schrecke aus, die ringS um die Stelle sichtbar war, wo die Krumen gelegen hatte«, von denen sogar die kleinste« »er. schwanden waren. Mit Recht war der Beobachter erstaunt über die Möglichkeit, daß eine Schnecke geraden W-gS zu den Leckerbissen gelangt fein foOte, wie aber ber meitere Verfolg der Spur erwies. Dieser verlief auch die Wand austvärtS in einer geraden Linie und ließ nicht erkennen, daß die Sch eecke ans der Suche
Deutsche Gesellschaft für christi. Kauft.
Die 11. Generalversammlung der deutschen Gesellschaft für christliche Kunst wurde dieser Tage in Trier abgehalten.
Nach einerBegrüßungsansprache des B i s ch o f s Ko rum und kurzen Ansprachen der anderen Honoratioren der Stadt Trier ergriff der erste Präsident Prof. Freiherr v. Hertling das Wort zu einer bedeutungsvollen Rede, cus der wir folgendes mitteilen:
Die Gesellschaft für christliche Kunst will die christliche Kunst fördern für die Gegenwart mit den Mitteln der Gegenwart und will fie ,um Verständnis der Gegen- roart bringen. Sie sieht sich nun vor das große Problem gestellt, daS nicht die Kunst allein berührt, sondern das sich überall geltend macht, wie wir Gesetz und Freiheit in Harmonie zu bringen haben, wie wir in der Kunst eine Harmonie Herstellen können zwischen der ewigen heiligen Wahrheit deS Christentums, den unverbrüchlichen Normen der christlichen Moral, zwischen dem, waS christliches Kunstschaffen bis auf die heutige Zeit an den Tag gefördert hat und dem individuellen, dem persönlich künstlerischen Element, das erst dem Kunstwerk seine« Stempel aufjubrüden vermag. Das Problem ist schwer, aber wenn eS auch in der Gegenwart schärfer hrrvortritt als früher, eSist nicht von heute. Im Grunde zeigt unS die ganze Geschichte der christlichen Kunst von jeher daS Ineinander- wirken der beiden scheinbar entgegengesetzte« Momente, wir sehen immer wieder daS Bestreben, daS ewig Gültige u»d zeitlich Wechselnde zu vereinen. ES ist nicht mein B-rns, dies hier heute im Einzelnen nachzuweifen; wir mäffen eS auch den Fachgelehrte überlaffen, gewisse Streitfragen inS Einzelne auSzusechten, die die Segen- wart lebhaft bewegen. WaS in der Kunst der allen Zett recht war, muß für die moderne Kunst billig sei«, auch ihr muß gestattet fein, in der Kunst das persönliche Empünden so »um ««»druck »«.bringe«, daß daS Kunstwerk von Seele zu Seele svricht. Aus der ander« Seite ist allerdings dem christliche« Künstler mehr wie für jeden andern Künstler ein bindende» Gesetz
daß die Verweltlichung am Wohnort gitttg sei, ebenso haben die Appellhöse in 41 Fällen dahin entschiede«. Für die Schulftage ist die, von Bedeutung, da durch die Berwelllichung in der Humat vielfach die Möglichkeit genommen würde, daß frühere Orden-Personen an ihrem Wohnort den Unterricht übernehmen können. — Der Gesetzentwurf für Trennung von Kirche unn Staat will da» Kultusbudget nicht ganz abschaffen. Ei« Teil soll beibehalten werden, um älteren Priestern Jahrgelder zu gewähren. Die Kirchen sollen an die Katholiken vermietet werden, und zwar aus zchn Jahre. Die französischen Katholiken wollen aber dlwon nicht, w.ssen, denn mit Recht gehen sie von der Auffaffung «G, daß fie dadurch nicht allein erheblich belastet würden, sonder« auch da» Eigentumsrecht de, Staates anerkennen würden.
Chamberlain hat in der Zollftage stets damit propagiert, daß ihm von feiten btt australischen Kolonien Zustimmung zu seinen Vorschlägen erteilt worden sei. Aus Drängen der Liberalen hat er nun mit dem betreffenden Telegramm herauSrücke« müssen. Dabei hat fich herauSgestellt, daß der Absender ein Klaviersabrikant ist, der a>, bet Vertreter der Meinung von Australien nicht gelten kann. Chamberlain wußte also, warum et mit der Bekanntgabe deS Telegramms zögerte.
Zu dem verunglückten italienische« Eozia- listenstreik »erben nachträglich Einzelheiten bekannt, welche dartun, baß die Sozialdemokraten eine förmliche Tyrannei etabliert hatten, die selbst Damen und kranken Personen gegenüber aus bet Straße nicht Halt machte. Bedauerlich ist, baß fich bie Behörben durch die Sozialdeuiokratie haben einschüchtern laffen, und daß sie verschiedene Fotderungea derselben, die eine stritte Ablehnung erfordett hätten, erfüllt haben. Bon soziald'ltokratischet Seite wurde die sofortige Einberufung der Kammer betrieben; der Präsident der Kammer hat aber, nachdem er privatim sämtliche Mitglieder dkS ButeauS um ihre Ansicht befragt, dem Ersuchen der äußersten L.nkeu nicht stattgegeben und den Mitgliedern dieser Partei seinen Beschluß mitgeteilt.
Große Ereignisse haben fich auf dem ost asiatischen Kriegsschauplätze auch in der verflossenen Woche nicht vollzogen. Die Lage bei Mukdeu scheint unverändert zu sein. Die von dort eintreffenden Nachrichten widersprechen fich vielfach, sodaß man eine klare Vorstellung über die gegenwärtige Lage nicht hat. Soviel ficht fest, daß ein größerer Renkontte zwischen den beiderseitigen Truppen in der verflossenen Woche nicht ftattgefunden hat. Id Japan herrscht eine große Enttäuschung darüber, daß Port Arthur, dessen.Fall man schon für den Monat Mai erwartet hatte, noch immer nicht genommen ist. Wie ungeduldig die Japaner auf diesen Sieg warten, geht daraus hervor, daß fie schon die größten Vorbereitungen für seine F ier treffen. Ihre Ungeduld scheint aber roch auf eine harte Probe gestellt werden zu sollen. Der japanische General NoA erhielt eine neue Verstärkung von Infanterie und neue Belagerungsgeschütze. Ferner ist in Japan eine Notstands- Verordnung erlassen worden, durch die da» Aus- hebungSgffetz adgeändert wird. Danach wird die Dienstzeit der Reservisten zweiter Klaffe von 5 auf 10 Jahre ausgedehnt. Der Effekt besteht darin, oaß die neuen Aushebungsbestimmungen e, ermöglichen, die Zahl der in der Front stehend:n Truppen um ungefähr 200 000 Mann zu verstärken. Da, gewährt auf baldigen Frieden keine AuSficht. Aus russischer Seite Hst fick nunmehr da- baltische Geschwader nach dem Kriegsschauplatz begeben. Die Nachricht, daß auch die Flotte ‘•e, schwarzen Meeres nach Ojiafien gehen werde, hat fich nickt bestätigt.
wochen-Rnndschan.
D Fulda, 8. Ott. 1904.
Der Lippesche Erbfolgestreit hat eine neue Wendung erhalten durch da» Telegramm de» Kaiser» an den Grafregenten Leopold, in welchem er diesem die Anerkennung der Regentschaftsübernahme verweigert. UnS scheint die Auffassung der Lippeschen Staat»- regierung in Detmold durchaus korrekt zu fein, daß bie Regentschastrübernahme de» Grafen Leopold durchaus rechtmäßig ist, weil fie auf der LandeSgesetzzebung berühr. W rd fie von anderer Seite angefochten, so hat nach der Verfassung der BundeSrat die Streitigkeit auf gütlichem Wege auSzugleichen ober auf dem Wege der Gesetz Mung beizulegen. Bon einem Rechte drS Kaiser», einem BandeSratSmitglied bie Anerkennung zu versagen, besagt die ReichSverfoffung nicht». Der Lippesche Landtag ist infolge de» kaisertichen Telegramms am Mtttwoch einberufen und ihm eine Vorlage unterbreitet worden, in welcher bie Lippesche Regierung gegen bie Kundgebungen wider bie eigene Landesgesetzgebung beim Bundesrat protestiert und um die Einsetzung eine, zweiten Schiedsgerichtes eriucht, welches eine alle beteiligten Personen bindende Entscheidung herbeiführen soll.
Die Zusammenkünt des italienischen Ministerpräsidenten mit dem Reichskanzler Grafen Bülow hat nach einer Auslassung der .Nordd. Allgem. Zig.' nur den Zweck gehabt, eine Aussprache der beiden Staatsmänner über bie allgemeine politische Lage herbeizuführen. In Berbindu"g damit tource die Nachricht dementiert, daß der Reichskanzler Graf Bülow dem.lächst eine Reise nach Italien unternehmen werde.
Der Stand der Handelsverträge hat fich in der verflossenen Woche dahin getlärt. daß Schwierigkeiten bezüglich einer rechtzeitigen Fertigstellung der Verträge nur noch bezüglich Oesterreichr-Ungarns bestehen. Da unsere handelspolitischen Unterhändler gegenwärtig mit der Schweiz verhandeln, und fie zu den Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn unbedingt notwendig find, ist die Wiederaufnahme der Verhand- hingen mit Oesterreich-Ungarn erst in drei bi» vier Wochen zu erwarten. Wenn e, auch nicht wahrscheinlich ist, daß dieselben fich bi» zum Wiederzusammen- tritt des deutschen Reichstages zu einem Vertrage verdichten, so ist diese Möglichkett doch nicht ausgeschlossen. Ob die Regierung mit der Vorlage der Handelsverträge nach Wiedereröffnung des Reichstage» noch warten wird, hängt davon ab, welche Aussichten die Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn in jenem Zsit- punkt bieten werden.
Der sozialdemokratische Bremer Parteitag schlägt innerhalb der Sozialdemokratie noch immer feine Wellen. Schippe! hat in seinem Wahlkreis ein Vertrauensvotum erhalten, und damit ist die Frage erledigt, ob Schippe! aus dem Beschluß der Bremer Parteitags einfach die Konseqienz ziehe» werde, sein Mandat einfach niederzulegen. Dagegen hat die Stellungnahme des sozialdemokratischen Parteitages gegenüber Mehring wegen oes Tones der,Leipz. Bolksztg.' dahin geführt, daß Mehring und der Redakteur Jaechh ihre Stellung in der ,Le!pz. Bolksztg.' gekündigt haben. Die Kündigung fiel zeitlich zusammen mit dem zehnjährigen Bestehen der .Leipz. Volkszeitg.' in ihrer jetzigen Form. Wir glauben nicht, daß Mehring definitiv aus der Redaktion aaSscheiden wird; dafür erfreut er fich viel zu sehr der Protektion de» Herrn Bebel, der seine Kraft für die sozialdemokratische Agitation nicht entbehren möchte.
. In ber verflossenen Woche hat das Reichsge- richt und die deutsche Reichsjustiz ihr 25jährigeS Jubiläum gefeiert. Ans diesem Anlaß hat Reich»- kanzler Gras Bülow ein Glückwunschschreiben an da» Reichsgericht gesandt, welches vom Präsidenten desselben telegraphisch erwidert toutbe.
Der Plan einer Betriebst« ittelgemein- schast ber beutföe« Bahnen, ber auf ber Mi- nisterkvnserenz in Heidelberg ins Ange gefaßt worden ist, ist in der Presse im allgemeinen beifällig ausgenommen worden. Eine solche Gemeinschaft würde für die beteiligten Staaten eine große wirtschaftliche Ersparnis bedeuten. Wenn ober in der Presse diese Gemeinschaft alS ein Schritt zur Fmarngemeinschaft und zm EiWlung des Artikel, 42 der Reichst,-rfafliMg auf gefaßt worden ist, so scheint uns da, doch zuweit zt gehen, den» von einer BeiriebSmittelgemeinschafi jur Finanzgemeinschast liegt ein weiter Weg, der durch die kompliziert liegenden finanz ellen Verhältnisse ein äußerst schwieriger ist und daher in der Geschichte deS -teichks so bald noch nicht zurückgelegt werden wird.
n J®te vergangene Woche kann als eine Kongreß- °7,!P" exellence bezeichnet werden. Es habt» Gefahr.eiu Dutzrnd Kongresse während dieser Zeit scheint, daß der Schwerpunkt der Kon- W^"lu"Sen fich au, der Pfiagstzeit in den £ h», ' Auch der Evangelische Bund hat
?^°che in Dresden seine General- ^habt. E» braucht nickt erst näher daß sei»- Tätigkeit ledigttch in unh 6e8 gegen den Katholizismus
«nd in Angriffe« auf benfett« bestanden hat.
spielt bie Frage der Verwett- hSu9 AdenSpnffonen gegenwärtig eine große
■“ * - Combes hatte gelegen^ die Verweltlichung einer --m.v in deren Heimat stattfinbe«; intbem hat der Kassation,Hof in 38 Fällen entschiede«,
nach bei Nahrung hin und her gewandert war. Selbst- verständlich wollte Dr. Dobell eine weitere Aufklärung baben unb legte fich auf bie Lauer. Eines Abends sah er kurz vor Eintritt ber Dunkelheit eine große braune nackte Schnecke auf die Futterstelle zusteuern und sich an den Krumen güllich tun. Erstens erschien eS ihm als eine Neuheit, baß Schnecken überhaupt Brot fressen. Interessanter aber war bie Frage, wie eine Schnecke, der man sonst daS Vermögen einer feineren Witterung abspricht, den Platz in einer so bestimmten Weise hatte ausfindig machen können, «n den beiden folgenden Abenden kehrte die Schnecke zurück und atzte fich wie bisher; am zweiten Abend hatte fie sogar uoch eure andere etwa halb so große Schnecke mitgebracht. Der Beobachter wischte nun die Spur der Tiere mit einem euchten Tuch fort, damit fie nicht durch diese geleitet werden könnten. Trotzdem kehrte die Schnecke auf genau berfeiben Bahn wieber. Außer bei feuchter Witterung, wo sie sich überhaupt nicht zeigte, kam sie gerade an der Stelle über den Rand des Fensterbretts gekrochen, die den Krumen zunächst befindlich war, und das miede holte sich zwei Monate lang an jedem schönen Abend. An einem Abend jedoch kam sie irrtümlichkauf da» Fenster eines anbereu ZimmerS gekrochen, sah aber ihr Versehen bald ein und erschien einige Tage später wieder auf dem richtigen Fenster.
* Um Hagebutten einzumachen, gibt der .Lehrmeister im Garren und Kleintierhost, Leipzig, folgende Anweisung: Schöne, rote und reife, aber noch nicht weiche Hagebutten werden mit einem Tuche abgeriebeu, nach Abschneiden der Blütenkrone und des Et’.elS mit einem spitzigen Hölzchen oder Federkiel von allen Rente« befreit, nochmals gewaschen, in kochende»» Wasser geworfen und halb weich gesotten, dann in frischem Wasser abgekühlt und auf einem Siebe abgetropft. Auf jebeS '/> kg Früchte klärt man */» kg Zucke- in '/«1 Wasser, schäumt ihn gut ab und schüttet ihn heiß über die Früchte, siedet ihn am folgenden Tage etwas dicker em, läßt die Hagebutten einmal darin aufkochen, siedet ihn am dritten Tage abermals ei«, gießt ihn heiß über die Früchte und wiederholt das Eindicken am vierten Tage aufS neue, wobei man den Saft von zwei Zitronen hiruufügt, die Hagebutten zum letztenmale dattn aufwallen läßt, in die Gläser tut, mit dem Zuckersyrup übergießt unb nach bem Erkalte« mit Blase überbindet. Man kann den Zucker auch mit etwas ganzem Zimmt kochen, doch muß derselbe vor dem Einlegen tn die Gläser wieder herauSgenommen werden. — Hagebutten einzumachen mit Zucker und Essig. Sind die Früchte, wie vorstehend angegeben, gereinigt und im Wasser hcubweich gekocht, sy kocht man auf 1 kg derfelben die gleiche Menge Zucker, siedet ihn mit
1 Weinessig, 4 g Zimmt und einigen Nelken Uar, nimmt Zimmt und Nelken heraus, kocht die Fruchte einmal darin auf und wiederholt dies im Verlauf von zwei Tage« abermals, woraus man die Hagebutten tn rte Gläser legt, den noch etwaS eingedickten Zuckersyrup darüber gießt und die Büchsen nach dem Erkalten gut verbindet.
Literarisches.
Der außerordentliche Erfolg, bett bie im vorige« Jahre gegründete Zeitschrift .Hochland' bavongetragea, hat bereits im zweiten Jahrgang eine schöne Frucht gezeitigt. Wer baS soeben erschienene erste Heft deS neuen Jahrgangs in die Hand nimmt, muß gestehen, daß es ganz erheblich alles früher Gebotene überragt. Zunächst fällt die durchaus glänzende Ausstattung inS Äuge. Aber noch anziehender scheint unS der ebenso mannigfaltige wie bedeutsame Inhalt: vor allem ein großer Roman von solch hervorragender Eigenart, daß es nickt verwunderlich wäre, wenn sich die weitesten literarischen Kreise in nächster Zeit eifrig mit ihm beschäftigten. ,Jesse und Maria Ein Roman aus dem Donauland' ist eine Schöpfung E. v. Handel- MazzettiS, der Verfasserin des vielbeachteten und hochgeschätzten Romans Meinrad Helmpergers denkwürdiges Jahr'. Der zweite erzähiende Beitrag deS Heftes stammt von Friedrich Noerr, der den Lesern des erste» Jahrganges dmch die Novelle .Stein des Anstoßes' bereits bekannt ist. Wie dort, so behandelt er auch hier in seiner Novelle .Stimmung. Die Geschichte dreier Tage' einen durchaus eigenartigen Gedanken mit allen Mitteln moderner novellistischer Kunst. Der Herausgeber Karl Muth würdigt der in dem Artikel .JameS Tissot und fein Leben Jesu' eine fast ber gesamten Kunstwelt Deutschlands unbekannte bemerkenswerte Erscheinung der christlichen Kunst eingehend und feinfinnig mit Rücksicht auf allgemeine Fragen der christlichen Kunst. Die von Tag zu Tag brennender werdende Frage, wie unfere Städte zu erweitern seien und welche Gefichts- punkte dabei zu walten haben, beantwortet in ebenso gefälliger wie fachkundiger Weise Geh. Baurat Dr. Jos. Stübben in dem Aussatz .Etadterweiterungen'. Zn einem sonnige« AuSflug in das Land der Kinder- poeste folgen wir dem als hervorragenden Pädagogen bekannten Hoftat Univ.-Prof. Dr. Otto Willman«. Sein Artikel .Die Poesie der Kinderstube' ist von so lieblichem Humor erfüllt, daß er mehr zu den unterhaltenden alS belehrenden Beiträgen gezählt werbe« kann. Ins,Friedrich Hebbels Welt- unb Kunstauschau- uxg' führt in leichtverständlicher Weise ein »uftatz von Dr. Max Ettlinger ein. Mit großer Unbefangenheit und.Scharfe des Urteils gibt Dr. P. A. Helmer einen lichtvollen Ueberblick über .Die Lage in Frankreich'. AuS der Rubrik.Kleine Bausteine' ist zu nennen ein lesenswerter Artikel oon Dr. H. Merker über ,J. L. Spalding', der die Idee« dieses bedeutenden und weitblickenden amettkanischen Bischofs entwickett. Der naturwissenschaftliche Beitrag von Univ.-Prof. R. v. Lendenfeld: .Die Wälder deS MeereS' führt in eine noch feiten geschilderte Welt ein. Dem «mfikgeschicht- liche» Gebiet gehört der an HanSlick anknüpfende Artikel .Gefühl und .Gefühl' in der Musik' von Walter Eggert-Windegg an. Der vielbesprochene Roman LukaS Delmege' von Eheeha« wird von dem Herausgeber unter der Rubrik Kritik eingehender, abwägender Beurtellung unterzogen. Nebst den schon genannten drei Kunstbettagen nach Tissot'schen Aquarelle» ist dem Heft alS Titelbild eine reizende Schöpfung von Ettobentz: Zunge Liebe' beigegeben. Der Preis ber Zeitschrift bleibt trotz be» Mehraufwandes ber ^e: M. 4.- vierteljährlich, waS in ««betracht de» tenen (daS Heft, Lexikonformat, enthält 1A Setten Text nebst Kunftbeilage« unb reichem Buchschmuctz durchaus billig zu nennen ist.