Maer
81. Jahrgang
gnlöa, Donnerstag, den 6. Oktober 1904.
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erstes Blatt <
•1 iKmtsches-Rekh
noch bestimmt werden, ob den Beamten die erhöhten WohnungsgeldiUschLffe bereits für die Zeit vom 1. April ab zu zahlen sind. Die hier in Frage kommende Bestimmung des Gesetzes über die Gewährung von Wohnungsgeldzuschüffen an die unmittelbar en Staoisbeamten vom 12. Mai 1873 ist der Absatz 5 des § 2. In ihm wird bestimmt, daß bei Veränderung in der Klaffeneinteilung von dem auf die Publikation der Neuordnung folgenden Kalenderquartal an der danach sich ergebende Satz des Wohnungsgeld' Zuschusses in Anwendung kommen soll. Das im letzten Tapungsabschnitte des Reichstages fertiggestellte Gesetz über den Servistarif und die Klasseneinteilung der Orte und der dadurch veränderten Lätze des Wohnungsgeldzuschuffes für die unmittelbaren Staatsbeamten wäre demnach, wenn nicht im Wege der Gesetzgebung eine andere Anordnung ei folgte, in Preußen nur vom 1. Oktober d. As. möglich, obschon das neue Reichs-Servistar fge setz rt ckwirkende Kraft vom 1. April d. Js. ab hat.
* Minister Budde hat die Eisenbahn-Direktionen aufgefordert, zu berichten, welche Ei«- richkuuger» zwecks besserer Fürsorge für die «Kiisevbah«. Beamten nvd -Arbeiter getroffen worden sind, und zwar: 1) Hinsichtlich der Einrichtung von Uebernachtvngs- und Aufenthaltsräumen und deren zweckentsprechenden inneren Einrichtung a) für das Fahrpersonal, b) für Stations- und Güterboden- Arbeiter, c) für Streckenarbeiter, d) für unverheiratete Arbeiter. 2) Hinsichtlich der Verpflegung des Personals: a) wegen Abgabe von Speisen zu billigen Preisen seitens der Bahnhofswirte, b) wegen Gelegenheit zum Wärmen und Zubereiten von Speisen, c) wegen Errichtung von Kantinen unter Angabe der Art des Betriebes und ob Pacht erhoben wird, d) wegen Beschaffung von Kaffeemaschinen und Apparaten zur Herstellung von Selterswaffer. 3) Hinsichtlich der Beschaffung von Büchereien und Lesestoff fürUebernachtungs- undAusenthaltsräume. Ferner sieht der Minister einem Berichte entgegen, welche Anordnungen zur Einschränkung des Genuffes alkoholisch er Getränke während der Dienstzeit getroffen sind.
* Die Gutachten der Einzelregierungen über den vorläufigen Entwurf wegen der Staffelung der Braustener und des Verbotes der Surrogate sind bis jetzt größtenteils eingetroffen und unterliegen der Nachprüfung.
)( Im Wahlkreise Jerichow scheint es nicht zu einem Kompromiß zwischen Konservativen und Nation al liberal en zu kommen. In einer Versammlung der Vertrauensmänner des Bundes der Landwirte, der konservativen und der nationalliberalen Partei haben die beiden ersten Parteien Rittergutsbesitzer v. Brauchitsch als Reichstagskandidaten aufgestellt, der der konservativen Partei und dem Bunde der Landwirte avgehört. Die Nationalliberalen haken dieser Kandidatur nicht zugestimmt; sie werden für Samstag eine Versammlung der nationalliberalen Wähler nach Burg einberufen, um dort eine eigene Kandidatur aufzustellen.
WLttlM.sopfL.
Ackerland umfaßt, so bekommt man einen Begriff davon, daß das Einkommen deS lippe'schen Fürsten dasjenige manches anderen Landesherr» übersteigt. Die Annahme, daß die Einkünfte an eine Million Mark heranreichen, wird nicht fehlgehen. Nm» geht zwar von diesem Einkommen ein Betrag als Beitrag zu den LanveSlasten herunter, aber daS werden nicht viel mehr als ItOCCO Mark fein, so daß immerhin eine ganz anständige Summe alS »Reineinnahme" verbleibt. Der so dem jeweilig in Lippe regierenden Herrn nutzbare Grundbesitz macht den fünften Teil des ganzen lippe'schen Landrs aus.
* Eine neue Konferenz zwischen den Vertretern btr preußisch-hessischen Eisenbahn-Gemeinschaft und den Bahnen von Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden, sowie der Reichsbahn soll am 28.November stattfinden. BiS dahin hofft men. die neuen Lükungspläne im einzelnen festgestellt zu zu haben, die auf eine Vereinfachung und Förderung des allgemeinen Güter- und Personenverkehrs hinzielen. Am schwierigsten erscheint die anbei ro ehe Verkehrsein'eilurg zwischen Baden, Bayern und Württemberg, welch' letzteres jetzt teilweise beim Verkehr zwischen Baden und Bayern um,ahren wird. Man ist aber überzeugt, daß, wenn die Konferenz im November auch noch keine vollkommene Emscheidung bringen wird, letztere doch in einem den Verkehr fördernden und alle Teile befriedigenden Sinne in einiger Zeit herbeigeführt werden kann. Schließlich handelt es sick ja auch im wesentlichen um eine nur die einzelnen Bahnen berührende Angelegenheit, da dem Verfrachter und dem Publikum stets nur der kürzeste Weg berechnet wird.
* 30 Jahre sind seit dem 13. Juli verflosst, seit Graf Alfred vo« Hompesch, Kammerherr und Rittergutsbesitzer auf Rurich als Vertreter des Wahlkreises Düren zum Reichs- togsabgeordneten gewählt wurde. Drei volle Jahrzente hat Gras Hompesch dieses Mandat innegehobt, ein im parlamentarischen Leben seltenes Ereignis. Die ihm im Sommer vom Wahlkomitee des Kreises ongebotene Feier war auf des Grafen Wunsch bis zum Herbste verschoben worden und ist nun auf Sonntag, den 23. Oktober festgesetzt. Nachmittags findet in der Stadtparkhalle zu Düren eine große Festversammlung statt, der sich ein Abendessen im oberen Saale der Stadtparkrestauration anschließen wird. Eine Anzahl von Mitgliedern der Zentrumsfrakiion des Reichstages wird an der Versammlung zu Ehren des hochverdienten Fraktionsvorsitzenden teilnehmen.
* Wohnungsgeldznschüffe der Staatsbeamten. Der preußische Finar.zminister hat sämtliche Provinzialsteuerdirektoren darauf aufmerksam gemocht, daß die infolge des neuen Servistarisgesetzes eintretenden Veränderungen in der Klasseneinteilung der Orte nach dem Gesetze vom 12. Mai 1873 auch für die Gewährung von Wohnungsgeldzuschüffen an die unmittelbaren preußischen Staatsbeamten maßgebend sind, und ersucht, das Erforderliche danach zu veranlassen. Gleichzeitig hat der Minister bemerkt, es werde im Wege der Gesetzgebung voraussichtlich
)( Das Telegramm des Kaisers an
-en Grascegenten Leopold hat in der Lippischen Frage eine völlig unerwartete Situation geschaffen und in der Preffe allgemein Befremden heroorgerufen. Auf der einen Seite wird bedauert, daß das Telegramm des Kaisers den Schein bet Parteilichkeit Hervorrufen könne, auf der anderen Seite wird der Verwunderung Ausdruck gegeben, daß das Telegramm keine 'Gegenzeichnung des Reichskanzlers ausweise. Selbst rechts stehende Blätter, wie die .Post', hätten in Rücksicht auf die monarchischen Interessen gewünscht, daß „ein weniger scharfer Ton" für das kaiserliche Telegramm ge- wählt worden wäre und bet Reichskanzler es gegengezeichnet hätte, damit dem Telegramm der Eharakter eines rein persönlichen Aktes genommen worden wäre, um so mehr als die Kundgebung des Kaisers eine folgenschwere staatsrechtliche Bedeutung habe.
Die staatsrechtliche Seite der kaiserlichen Kundgebung selbst wird in der Preffe noch nicht zum Gegenstand einer eingehenden Erörterung gemacht, wohl aber werden allgemeine Zweifel an der Befugnis des Kaisers zu solchem Eingreifen geäußert. So weist die ,Voff. Ztg/ auf die Thronfolgefrage in Oldenburg hin. Dort macht Herzog Ernst Günther von Schleswig- Holstein ein Thronfolgerecht geltend. Oldenburg lehnt es grundsätzlich ab, dessen Agnateneigenschaft auch nur zu debattieren, da, nenn der Großherzog und der Landtag einig sind, niemand bei der Gesetzgebung über die Thronfolge mitzvsprechen habe. Kann nun der Kaiser, wenn der o.ldenburgische Thron erledigt wird, dem gesetzlichen Nachfolger die Anerkennung versagen, weil „die Rechtslage in keiner Weise geklärt" sei? Aehnliche Lagen können 'sich auch in anderen Staaten herauSbilden. Von einer Versagung der Anerkennung durch den Kaiser besagt die Reichsverfaffung nichts; diese überweist vielmehr „BerfaffungSstreitigkeiten", unter die die Thronfolgestreitigkeiten subfumiert werden, dem Bundesrat. Dieser bat zu versuchen, die Streitigkeiten gütlich beizulegen oder sie auf bem Wege der Gesetzgebung zu beseitigen. Nun liegen die Dinge bei dem kaiserlichen Telegramm insofern eigenartig gestaltet, als das Telegramm, wenn man von der Beileidsbezeugung obsieht, aus zwei Teilen besteht. Der eine Teil befaßt sich mit der Frage der Vereidigung des in Detmold stehenden Heeres; hier hat man es also mit einet Kundgebung deS obersten Kriegsherrn zu tun; dabei ist allerdings die Frage, ob der Kaiser aus sich heraus die Veteldigung untersagen kann, eine strittige, denn in den kleinen Staaten ohne eigenes Militärkontingent werden
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die Soldaten auf den Landesherrn vereidigt und in den Eid eine Gehorsamkvetpflichtung gegenüber bem Kaiser eingeschoben.
In dem anderen Teile des kaiserlichen Telegramms, dem Satze: „Da die Rechtslage in keiner Weise geklött ist, kann ich eine Regentschaftsübernahme nicht anerkennen." hat man es inbeffen weder mit einer Kundgebung des obersten Kriegsherrn noch mit einer privaten Ansicht des Kaisers zu tun. Handelt es sich aber um eine Kundgebung des Herrschers, so vermißt man die Gegenzeichnung des Reichskanzlers und steht vor der Frage, rote weit der Kaiser sich rechtlich in die Streitigkeiten innerhalb eines Bundesstaates einmischen darf.
Die konstitutionelle Seite der kaiserlichen Kundgebung veranlaßt das ,B-ül. Tageblatt', dem Reichskanzler nahe zu legen, aus ihr seine Konsequenzen zu ziehe n. Es gebe nur zwei Möglichkeiten; entweder habe Graf Bülow den Schritt des Kaisers nicht gebilligt, dann habe er seine Entlastung zu fordern, ober aber, er sei überhaupt nicht gefragt worden. Tann gebe es für ihn gleichfalls nur das eine Mittel, die Würde seiner Stellung zu wahren, daß er nämlich auf diesen Schritt des Kaisers mit seinem Entlaffungsgesuch antworte.
Bei dem Aufsehen, welches die kaiserliche Kundgebung allgemein hervorruft, darf wohl erwartet werden, daß bet Reichskanzler sich zu der Angelegenheit offiziös vernehmen lasten wird. Vielleicht ist der Tenor des Telegramms etwas unglücklich gewählt worden in dem Sinne, daß der Kaiser zum Ausdruck hat briugen wollen, er könne, da die Rechtslage noch nicht geklärt fei, als oberster Kriegsherr die Vereidigung der Truppen noch nicht erfolgen lasten. Wäre dieses der Sinn des Telegramms, so würde der Charakter einer Kundgebung des Herrschers nur die Notwendigkeit einer Gegenzeichnung enthalten. Der Kaiser würbe dann auch dem Bundesrat nicht vorgegriffen haben. Uebrigens wird tu der reichs- hLuptstäStischen Presse allgemein der besonnenen Haltung der Detmolder Regierung Anerkennung gespendet.
Berlin, den 5. Oktober 1904,
* Was bei dem Streit um die Thronfolge in Lippe an materiellen Vorteilen auf dem Spiele steht, legt eine Zuschrift des .Hamburger Komier' aus Detmold dar:
Eine „Zioilliste" bezieht, was bekannt sei« wird, der lippe'sche Fürst oder Regent nicht, dafür aber fließen ihm die Einkünfte aus dem fürstlichen Fideikommiß ganz zu. Dieses Hausvermögen bildet seit Jahrzehnten ein Streitobjekt sondergleichen, daS das politische Leben in Lippe namentlich in den fünfziger und sechziger Jahren vergiftete. Erwägt man, daß eS nicht weniger als 140000 Schkffelsaat oder ungefähr 100000 Morgen Wald und fruchtbares
Snjcigcn? Ne ete spaltige Petitzeile obes deren Bannt 15 Pfg, BeUamen die petitzeil« 25 pfg.; bei Wiederholungen wird entfpf Babatt gewährt
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(Nachdruck verboten.)
wunderbare Wgungen.
•ine Erzählung, übersetzt aus dem Italienischen von L. Beinhorn.
„Warum nicht? Hast Du sie darum gefragt?" „Noch nicht; aber ich hoffe, daß sie bei unserer nächsten Zusammenkunst sich darüber äußern wird."
„DaS klingt ja geheimnisvoll."
Ein Schatten verdüsterte die Stirn des jungen Manne', er stand im Begriff fortzuzehen.
„Willst Du nicht zu dem Vater gehen?"
„Wozu! Ich würve die Herren nur stören; ich will lieber solange warten, bis sie fortgegangen find. Aber weißt Du wirklich nicht, waS sie mit einander beraten?"
„Vielleicht sprechen sie über die neuen falschen Banknoten, die wiederum zum Vorschein gekommen und. Wie mir Karl erzählt, muß der Falschmünzer rmn allgemeinen Erstaunen im Einverständnis. mit der höheren Beamten der ftanzöfischen Bank pkhen; denn die Täuschung ist außerordentlich täuschend "uSgMrt. Die Sachverständigen versichern, daß sie
Fehler und von einem der geschicktesten Graveure auSgeführt worden find. Die Polizeibehörde soll schon möglichen Schritte unternommen haben, um den ^erbrecher zu entdecken, aber leider sollen noch alle ^^ühungen ohne Erfolg sein."
„War gedenken sie zu tun?"
- kann ich Dir noch nicht sagen. Ich weiß ftviel, daß die Konferenz hierüber stattfindet, und Nivert wiederum beauftragt werden wird, Nach- wrschung-n hierüber anzustellen."
. dann lzfl un» den Erfolg ruhig abwarten", ?“öroriete Albert sorglos. „Laß uns darüber nicht hsrgkffen, daß übe-morgen mittag die Trauung des ^snn Karl von Renneville mit Fräulein Johanna ^rllenenvr stattfinden wird."
Den andern Morgen hatte Ntvert seinem Versprechen gemäß sich zeitig vor dem Hotel d'ülbion eingefunden. Ec hatte stch eine Droschke genommen und sich zuvor mit dem Kutscher über bte Fahrt verständigt; danach sollte der Wagen Nivert auf Schritt und T'itt folgen, damit er denselben in jedem Augen- blick besteigen konnte.
Bon dem Portier hatte er noch erfahren, daß Boursault niemals vor zwölf Uhr Mittags auSginge. Seine Geduld sollte nicht lange auf die Probe gestellt werden, denn kaum hatte die Uhr auf der St. R'che- kirche die zwölfte Stunde verkündet, als Boursault aus dem Hotel trat. Er war allein und sehr fein gekleidet.
Nachdem er seinen Weg nach rechts eingeschlagen hatte, folgte ihm der Agent. Zuerst schien es nur ein unbestimmtes Hin- und Herlaufen zu sein, dann alle drei oder fünf Minuten blieb der Verfolgte stehen, um sich bte verschiedenen Läden artzusehen. Plötzlich betrat Boursault einen derselben; es war ehe große Manufakturhandlung, das Haus Delisle.
„Aha, jetzt wird getauft," murmelte Nivert. „Wer weiß, vielleicht ein Kleid für Fräulein Helene, nun, da werde ich lange warten können"; mit diesen Worten wandte er sich an seinen Kutscher, um denselben nochmals zu instruieren. Nach einer Viertelstunde trat Boursault wieder heraus mit einem ziemlich kleinen Pakete unter dem Arme.
„DaS kann kein Kleiderstoff sein", sagte der Agent zu sich. „Ah, sollte Herr Boursault hier in Paris den Freigebigen spielen wollen und für seine schöne Unbekannte Brüffeler Spitzen gekauft haben? Lb-r, waS sehe ich? Sein Bart ist ja ganz schwarz gefärbt und statt des spärlichen Haares trägt er eine volle Perrücke. Nun, Herr Albert Villeneuve! Sie tun wohl recht, Ihren zukünstigen Schwiegervater zu überwachen."
So zu fick sprechend, bemerkte er, wie Sourfenlt die Richtung nach der Rue de la Pa>x nahm. Hier inb bekanntlich die reichsten und angesehensten Ju- welierläven
Boursault betrat einen der schönsten. Der Einkauf mochte Schwierigkeiten haben, denn es mochte wohl eine Stnr.de üe:floffen sein, ehe der Verfolgte wieder zum Vorschein kam.
Es schlug drei Uhr, Boursault schien sich zu beraten, nach einigen Minuten bestieg er eine Droschke.
„Hm", sagte Nivert, „jetzt haben wir gewiß bald daS Geschäft abgewickelt . . . nun wird eS in Eile gehen." Er bestieg seinerseits auch seinen Wagen und sagte leise: „Jetzt tun Sie Ihre Schuldigkeit, bin ich zufrieden, erhalten Sie fünf Franken Trinkgeld mehr."
Die Fahrt war lang, sie dauerte wohl eine Stunde; endlich wurde vor einem Haufe von sehr ärmlichem Aussehen angehalten.
„Wo find wir hier?" fragte Nivert seinen Kutscher.
„Auf der Straße b’ämetme, mein Herr", war die Antwort.
„Und die Nummer der Baracke."
„Nr. 17."
„Gut, halten Sie vor Nr. 20."
„Bei diesen Worten warf Nivert einen prüfenden Blick auf daS Hauk, in welches Boursault eingetreten war.
„hier ruht also dar Geheimnis, nun hrffentlich werde ich bald erfahren, was an der Sache ist."
*
Als nach wenigen Stunden Nivert wieder heimgekehrt war, wurde ihm von dem Portier ein Billet übergeben, welches wohl von Wichtigkeit fein wußte, da ihm streng anempfvhlen war, dasselbe eigenhändig auSzulieferk!.
Das Billet enthielt die Aufforderung, sich schleunigst zu dem Chef der S cherhettSbehörde zu begeben. Nivert eilte daher auf fein Z mmer, um Albert Villeneuve nur durch einige Zeilen von dem Resultate seiner angefiellten Nachforschungen zu benachrichtigen. Darauf begab er sich raschen Schrittes zu dem Unter» suchungkrichter. AlS er die Trepp- hmausstieg, die zu dem Bureau führte, begegnete ihm Albert.
„DaS trifft sich günstig", sagte Nivert, fast fürchtete ir, Sie zu verfehlen, ich habe mich ober vorge
sehen und Sie schon durch einige Zeilen benachrichtigt."
„Hoben Sie Erfolg gehabt?" fragte Albtrt rasch.
„Fast über weite Erwartung; namentlich haben wich einige Umstände überrascht, auf welche ich Ihre Auswerksamkeit besonders lenken möchte."
„Sprechen Sie deutlicher."
„Kennen Sie Herrn Boursault?"
„Sehr wenig."
„Sie haben keine Idee von den Geschäften, welche ihn hier nach Paris fübren können?"
„Nicht die geringste."
„Nun, dann folgen Sie meinem Rate, beobachten Eie ihn wo möglich selbst mit größter Aufmerksamkeit. Hier find die Zeilen, welche ich an Sie schrieb, Sie werden darin die gewünsckten Mitteilungen finden; sollten Sie inbeffen noch feinerer Aufschlüsse bedürfen, so bin ich gern bereit, Ihnen solche zu erteilen. Mehr vermag ich Ihnen jetzt nicht zu sagen, denn Ihr Herr Vater, wie noch einige andere höhere Gerichtsherren erwarten mich."
Mit diesen Worten näterte er sich dem Bureau, wo er mit der größten Ungeduld erwartet wurde.
„Nun, endlich find Sie hier", rief bei seinem Eintreten Herr Villeneuve auf. „Wir haben Sie schon lange erwartet, vielleicht haben Eie schon erraten, weshalb wir Eie kommen lcfsen."
„Nun gewiß hängt die Aufforderung mit meiner kürzlichen Reise nach Angouleme zusammen? entgegnete Niv:rt.
„Ganz recht; zu unserem Erstaunen find abermals falsche Banknoten in Umlauf gekommen."
„Die Nachforschungen, welche ich auf meiner Reise sammelre, haben keine besonderen Resultate erzielt. Ich habe die Gegend nach allen Richtungen durchstreift, aber nirgends sichere Spuren entdeck'. Nun glaube ich, defl die Falschmünzer, tieCe» von der gerichtliche Verfolgung renachrichtigt, ihre Fabrikation eingestellt haben, denn der Um'auf ihres Fabrikates hat sofort aufgehört.