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Maer

31. Jahrgang.

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die „Umstände" an.

Gewerkschaften mit Parteiftempel!

Eines der praktisch bedeutungsvollsten Er« aebnisie des abgelausenen Bremer Parteitages der deutschen Sozialdemokratie ist die Darlegung deS Verhältnisses zwischen der Partei und den „freien" Gewerkschaften. Bis zur Stunde hat man in der Agitation hören und in der sozial­demokratischen Presse lesen können, die fteten Gewerksch ften seien in Wirklichkeit „neutral, d. h. sie enthielten sich jeder Beeinflusiung ihrer Mitglieder in parteipolitischer und religiöser Be­ziehung. Nun haben,abgesehen von den Aeußerungen der Gewerkschaftspresse, bisher schon die Aeußerung Bömelburgs, des Vorsitzenden auf dem letzten Gewerkschaftskongreß: „Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften sind eins", sowie die von den Gewerkschaften bei der letzten Reichstags wähl geübte Praxis, die offen zur Wahl fozialdemo- kratischer Abgeordneten aufforderte und Gewerk- schaftsgrlder in den sozialdemokratischen Wahl­fonds fließen ließ, viel zur Demaskierung obiger Behauptung beigetragen.

Der Bremer Parteitag hat nun den letzten Fetzen der Maske fortgeriffen und zeigt uns das waschechte rote Gesicht der „freien" Gewerk­schaften. Ueber das innige VerKältnis zwischen Partei und Gewerkschaften berichtete das Mit­glied des sozialdemokratischen Parteioorstandes,

Damit ist nun auch von feiten des sozialde- mokratischm Parteitages unverblümt zugegeben worden, daß man Sozialdemokratie und freie Gewerkschaften als eins betrachtet. Dadurch wird bestätigt, daß die Befürwortung der Neutralität der freien Gewerkschaften vor einigen Jahren lediglich ein taktisches Manöver gewesen ist gegenüber den damals neugegründeten christlichen Gewrrkoeremen, und daß man im Herzen bereits längst von der Unmöglichkeit einer solchen Neu­tralität überzeugt war. Der ganze Neutralitäts­schwindel war lediglich auf den Arbeiterfang be- rechnet. Was sagt nun die »Rhein. Ztg.', die bis zum Schluß die Neutralität der freien Gewerk­schaften behauptet und von den christlichen Ge- werkoerrinen als Zentrumsgewerkschaften gesprochen hat, von dem nunmehr parteiamtlich ge­stempelten sozialdemokratischen Cha- rakter der freien Gewerkschaften? Oder hat sie mit geheuchelt? — Die „freien" Gewerk- jchaften wird man künftig nur mehr die sozial- demokratischen heißen dürfen. Darüber ist nun endgtltig Klarheit geschaffen worden.

)( „Sahne für freies Denken"

Mit diesem „geistreichen Witz" sucht die -Köln. Ztg/, das Organ für „Bildung und Be- sttz", das Schreiben des Heiligen Vaters an den Kardinal Respight, durch welches in Rom Sühne­gottesdienste für die auf dem Freidenker-Kon­greß vorgekommenen Gotteslästerungen und Verhöhnungen der Kirche ungeordnet werden, zu verspotten.

Ein schönes „freies Denken" dieser unduld­samsten aller Gesellschaften, wie ein auch gut

liberales Blatt, der «Rhein. Kurier', dieser Tage, I die Herrschaften charakterisierte! Nicht gegen das freie Denken protestiert der hl. Vater, son­dern gegen die bodenlose Anmaßung eines bunt zusammengesetzten Häufleins von Freimau­rern, Sozialisten und sogar Anarchist en, die „unter dem Deckmantel deS freien Gedankens die menschliche Intelligenz ausschließlich für sich in Anspruch nehmen". Das sind wiederum nicht unsere Worte, sondern der jeden Verdacht des „Klerikalismus" entrückten.Jtalie', welche selbst erklärt, daß sie nicht im entferntesten | '.atholtschen oder überhaupt religiösen Ansichten huldige". Aber das italienische Blatt hat sich dabei so viel freies und gerechtes Urteil gewahrt, um sich mit Verachtung von elender Heuchelei und Brutalität abzuwenden. Aehnlich urteilt übrigens der.Popolo Romano', indem er schreibt:

„Die Tatsache, daß dieser freimaurerisch- sozialistisch-republikanisch-anar ch istische Ausjzug ohne Hindernis stattsand, daß dabei die revolutionären Lumpen hoch im Winde flattern dursten und demagogisches Gebrüll in allen Tonarten erschallte, beweist, wie ränke­voll die Bewegung derer »st, die uns glauben machen wollen, Julien bedürfe noch größerer Freiheit"

Schöne deutsche „Frei"denker, die der der­zeitigen französischen Schergenpolitik zu­jubeln und von den regierenden Kreisen Deutsch­lands deren Nachahmung fordern. Von In- tereffe ist noch eine Meldung der .Frankfurter Zeitung'. Danach hat der „berühmte" Pro­fessor Haeckel am Denkmal Giordano Brunos einen „Kranz der Deutschen" mit großer roter Schleife niedergelegt, auf der die Worte standen: „Ernst Haeckel im Namen Deutsch­lands". Es wäre intereffant, zu erfahren, wer

listische Bedrückung und ersehnt das Reich der Gerechtigkeit und Gleichheit, daS allein allen Kriegen, Klaffengegensätzen und Verfolgungen ein Ende machen könne. Die andere Resolution drückt allen Opfern der Reaktion die Sympathie des Kongreffes aus und wünscht, daß die politisch Verurteilten aller Länder baldmöglichst ihre Freiheit erlangen. Die Resolutionen wurden einstimmig angenommen.

So wird auch hier wieder der Beweis er-! bracht, daß die Gottesleugnung, welche die „voraussetzungslose Wiffenschaft" in die Maffen trägt, eine unmittelbare — staatliche und soziale Gefahr ist. Wenn ein Teil unserer liberalen deutschen Preffe das nicht einsieht ober vielmehr nicht einsehen will, so hat sie aber da­mit noch nicht das Recht, den Priestergreis auf Petri Stuhl zu verhöhnen und zu verspotten. Wohl der Menschheit, daß der Papst, unbeirrt von Zeitströmunzen, von seiner hohen Warte aus auf dis Gefahren aufmerksam macht, die Staat und Kirche gleichmäßig vom sogen. Freidenkertum aus bedrohen, und daß es noch Millionen und aber Millionen gibt, welche auf die Stimme des vatikanischen Wächter? hören.

Deutsches Reich.

Berlin, den 4. Oktober 1904.

+ Die Zahl der Richter in Preußen | hat sich in den fünfundzwanzig Jahren, die heute seit Bestehen der jetzigen Gerichtsvrrfasfung verflossen sind, zwar nur sehr langsam, später in schnellerem Zeitmaß erhöht, aber in ihrer Steigerung nicht mit dem Wachstum der Be­völkerung Schritt gehalten. Während die Ein­wohnerzahl der Monarchie um etwa 35% ge­stiegen ist, ist die Zahl der Richter insgesamt um nur 27% vermehrt worden. Dabei ist mit zu berücksichtigen, daß die Zahl der gerichtlichen Geschäfte mit Zunahme von Handel, Industrie und Verkehr viel stärker gestiegen ist, als die der

wo beides begreiflich erscheint."

„Schön gesagt: „Prinzipiell" mißbilligt diese sozialdemokratische Moral sowohl Meineid wie Mord, praktisch aber preist es diese Ver­brechen „unter Umständen", das heißt, wenn es ihr paßt, als „edle Tat"; zum mindesten hält sie es nicht für ein „entehrendes Verbrechen". Da kann es hübsch hergehen im Zukunftsstaat, dem Paradies, das uns winkt; Meineid und Mord dürfen da „unter Umständen" nicht mehr bestraft werden, im Gegenteil, „edle Taten" ! müssen ja von Rechtswegen belohnt werden. Für den Verbrecher wird es sich dort nicht mehr ums Mchterwischen handeln, sondern darum, daß er sich rechtzeitig um „Umstände" umsieht. Was meinen aber die Herren Sozialdemokraten wohl dazu, wenn die „korrupte, verlotterte, bürgerliche Gesellschaft" einmal den Spieß umkehrte und im Einsperren und Erschießen von Sozialdemokraten eine „edle" oder wenigstens „nicht entehrende Tat" sehen würde? Es kommt ja alles blos aus

Amerikanische Automobilisten. Ans dem Schnelloawpser „Kronprinz Wilhelm" deS Norddenischen Lloyd lehrte jüngst ein in der Newyorker Gesellschaft bekanntes Ehepaar, Cortlandt Bishop und Frau, nach Amerika zurück, nachdem fie eine Reise von 60000 Metlm im Automobil durch Nordafrika und Europa znrückgelegt halten. Das Paar begann die Reise in threm-20 Pferdekräfte starken Automobil in Nordafrtka, wo sie durch Tunis, Tripolis, Marocco und Aegypten fuhren. Sie drangen in die Wüste Sahara 60 Meilen vor und erreichten Biskra; aus ihrem Wege tragen fie viele Karawane« und jagten den Kamelen einen großen Schrecken ein. Herr Bsshop und seine Frau setzten im Dampfer nach E.zilien über, wo fie die Wege in sehr schlechter Verfassung trafen. Die Automobilfahrt grng dann von Südilaiiea bis Rom weiter und dann durch Mittel- und Norditalten bis zu den Alpen, wo sie ms

schwände. Beide, König und Volk, find ohne Anteil an dem Geschehenen, dar ein Schicksal war, ein un­vermeidliches Gericht der Geschichte. Die Geschichte wird die Beseitigung Alexanders und DragaS als eine Notwendigkeit für die Ent­wickelung Serbiens erkennen und verstehen lernen, die objektive Berechtigung der Tat des 11. Juni 1903 wird durch fie erwiesen werden."

Der Phrasen kurzer Sinn: Alexander und Draga find mit Recht gemordet worden. Den­noch wird das Blatt bei der nächsten Gelegen­heit wieder von jesuitisch reden, von den Katholiken, bei denen der Zweck das Mittel heiligt. Die Aus-- laffung lehrt klar, auf welcher Seite man dem Grundsatz huldigt von der Erlaubtheit des Tyrannenmordes und bei wem der Zweck das Mittel heiligt. — Ein sozialdemokratisches Blatt, die Mainz. Volksztg.', hatte jüngst in einem be­sonderen Falle den Meineid als edle Tat hin­gestellt. In einer Entgegnung gegen das Mainz. Journ.', welches dies festnagelte, schreibt nun das Blatt neuertingS:

„Wir gehen — das .Journal' möge 'nicht er­schrecken — sogar noch weiter und halte« biSweil den Mord für kein entehrendes Verbrechen. Ein solches war nicht die Ermordung GehlerS, PlehweS und anderer Bestien in Menschengestalt. Wir mißbilligen den Mord prinzipiell (!), gerade wie den Meineid. Es lassen fich jedoch Fälle denken,

Das mag genügen, um die Leute zu kenn-1 zeichnen, deren die wahrhaft religiöse, auch gut katholische" nur nicht „ultramontane" »Kölnische Zeitung' fich so liebevoll annimmt.

Nicht freies Denken wollen die Herren, son- dem das Recht des freien Denkens allein sü: sich, das Recht, jede Denkungsart, die sich in anderen Bahnen bewegt, als die ihrigen, mit brutaler Gewalt zu knebeln und zu unterdrücken. Dabei richtet sich naturgemäß der Hauptkampf gegen die katholische Kirche, „der am meisten zu fürchtenden Macht", wie der Vor­sitzende sich ausdrückte. Da braucht es denn nicht wunder zu nehmen, daß der Kongreß dem Gewaltmenschen Co mb es zujubelte und fol' I gende Resolution der deutschen Kongreßmit­glieder begrüßte:

„Die deutschen Kongreßmitglieder beglück­wünschen ihre französischen Gefinnungsfrennde und das ganze Land Frankreich zu den großen Erfolgen, die fie im Kampfe gegen den Kle- rikalismus für die Befreiung der Geister er­rungen haben. Sie richten die Mahnung an die regierenden Kreise Deutschlands, den bar­barischen Resten des Gewissenszwanges ein Ende zu machen und die Volksschule — die Grundlage der kulturellen Größe unseres Volkes — von der Vorherrschaft des Koufessionalis- mus zu befreien. Durch seine freien Denker und Dichter Lessing, Goethe, Schiller, Kant, Fichte, Herder, D. F. Strauß, Feuerbach, Haeckel hat sich das brutsche Volk den Rang einer großen Kulturnation erworben."

verantwortlicher W

Schriftleiter:». Metzler

J.§reller"in 5«lda. Wochenbeilage:„Illustrierte Sonutagrzeitung"

21. September: „Dem König und dem serbischen Volk wäre wirk- , ............ -•-«-----™ -

lich zu gönnen, %ß der Spuk der Geschehenen ver-1 zu einer Höhe von 800) Fuß emporklommen. Nach,

«rscheint täglich, mit Ausnahme der Sonn- undZeiertage. viertel- !2hrl.ve;«grpreis Lne vringerlohn und tt-ktellseldinMdaund ,^vSktrtM.S0Pfg.

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Krida, Mittwoch, den 5. Oktober 1904.

Pfannkuch:

ES bestehe offenbar in der Partei ein Mangel an agitatorischen Kräften. Die Parteileitung könne bei weitem nicht allen Wünschen gerecht werden. Die Ur­sache liege mit in dem Umstand, daß die Gewerkschaften so gewaltige Fortschritte machten und einen großen Teil der brauchbarsten Kräfte absorbierten Das ser für die Partei durchaus kein Schaden; denn Partei und Gewerkschaft ergänzten sich gegenseitig. Beide seien fast zu gleicher Zeit entstanden, und es sei von j-her die Partei bestrebt gewesen, bie Gewerkschaften in solche Bahnen zu lenke» und die Führung in solche Hände zu legen, daß die Mitglieder klassenbe­wußte Arbeiter und gute Sozialdemokraten würden!! Wenn die Gegner nun die Gewerkschofttn alS „sozialdemokratisch" bezeichneten, so sollen dieselben dies als ein Ehrentitel ansehrn. Dre Gewerkschaften hätten sich bezüglich der Organisation viel besser ent­wickelt als die Partei. Früher hätten dieselben Bor. würfe gegen die Partei erhoben wegen mangelnder Unterstüuung, jetzt hätten sie bereits die Partei über­flügelt. Darüber sei man in der Partei nicht neidisch. | Es sei auch an und für sich kein Fehler, daß die ®e- wirtschaften einen guten Teil der brauchbarsten Leute an fich ziehen, denn die Gewerkschaften seien eins mit der Sozialdemokratie. Wenn diesbe­züglich den Gewerkschaften Schwierigkeiten entständen bet der Regierung oder Polizei, so können Sie mit gutem Recht darauf verweisen, daß fie nicht dem sozial­demokratischen Parleivorstand unterstellt seien. Weiter teilte Pfannkuch mit, daß das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft sehr gut sei. Beim Crimmit­schauer Streik hatte der Parteivorstau d mit den beteiligten Gewerkschaften zusammen gearbeitet und mit der Führung und Beendigung dieses Streiks werde man allerseits zufrieden sein. Ebenso hätte der Parteivorstand und dir Generalkommisfion in mehreren Sitzungen gemeinsam die Frage der Maifeier und deren Behandlung auf dem internationalen Kongreß in Amsterdam erwogen.

Hrrrn Ernst Ha-ckel beauftragt hat, förmlich als offiziellen Vertreter Deutschlanbs sich aufzu- fpielen. Gewisse Leute scheinen bas Gefühl da­für, wie lächerlich sie sich mit solchen Auf­schneidereien unb solcher Wichtigtuerei machen, völlig verloren zu haben.

Aber nicht nur glühender Haß gegen bie Kirche unb das positive Christentum beseelte die Mitglieder des Kongreffes, sondern nicht minder §aß gegen die bestehende Staatsordnung.

as sollte allen Staatsmännern und auch der »Köln. Ztg.', die fich so gerne als „treueste Siaatsstütze" aufspielt, zu denken geben.

Der Kongreß wurde, wie schon betont, ge- sührt von der Freimaurerei, vonSozialisten und Anarchisten. Man sang die Arbeiter- Marseillaise, erklärte fich wie gegen die Kirche, so auch gegen den Staat, verlangte, „daß der Befreiung von der Religion die Befreiung vom Kapitalismus folgen müfle", die italienische Streikbewegung wurde zur Sprache gebracht, um „den Opfern der kapitalistischen Kugeln" die Sympathie des Kongreffes ouszadrücken. Hoch die Rwudlik, hoch die soziale Republik, nieder mit Oesterreich, nieder mit dem Vatikan, wurde gerufen. Nur zwei Resolutionen seien in dieser Hinsicht hervorgehoben, die eine von A bemanne, dem Führer der revolutionären Sozia-isten, die andere von Augagneur, dem sozialistischen Bürger- meister von Lyon. Die erstere begrüßte das Weltproletariat, betont im Anp-sicht oeS BatikanL die Rechne der durch die Wiffenschaft geleiteten I Vernunft, protestiert gegen religiöse unb kupita-

Bevölkerung.

§ Der Deutsche Verein für Ver- ficheruugswifseuschaft ist am Montag im Abgeordnetenhause zu einer Versammlung zu­sammengetreten, zu der sich die hervorragendsten Vertreter der VersicherungSwiffenschaft eingefunden hatten. Der unter dem Vorsitze des General­direktors Dr. Hahn-Magdeburg stehende noch junge Verein bezweckt in erster Reihe die Pflege des Unterrichts der Verstcherungswissenschast so­wie die Errichtung einer Zentralstelle in Berlin.

* Die Südekum-Affäre hat den Redak­teuren der sozialsemokrattschen ,Lnpz. Volksztg.' den Hals gebrochen. Eine sozialdemokratische Parteiversammlung verurteilte in Leipzig nach stürmischer Debatte das Weiterspinnen der Dis­kussion des Südekum-Skandals in der ,Volksztg.'. Redakteur Jäckh, der als Verfasser der Güdekum- Persiflage bezeichnet wurde, legte feine Stelle nieder. Mehring teilte aus Berlin mit, er werde wahrscheinlich gleichfalls seine Stelle nieder­legen. Aber damit ist für Südekum gar nichts gewonnen; interessant ist nur. daß der Ver­fasser des bösartigen Artikels Genosse Jäckh ist, der früher in Stuttgart auch schon von feinen Parteiangehörigen fo drastische Zeichnungen ent­worfen hat. Wenn nun für den Millionär Südekum in der eigenen Partei Ruhe entsteht, so geO Harden in seiner .Zukunft' umso schärfer gegen ihn los; er bezichtigt Südekum direkt der Lüge, nennt iyn einen „eitlen Geck" und wirft ihm noch sonstige Kosenamen nach. — Das von d-m sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Eduard Bernstein herausgegebene neue »Mon­tagsblatt' schreibt zu dieser Angelegenheit: Wir würden den Rücktritt der beiden Redakteure Franz Mehring und Gustav Jäckh von der »Leipziger Volkszeitung' nicht bedauern, insbe­sondere was Franz Mehring anbetrifft, dessen Wissen und literarisches Talent wir durchaus anerkennen, find wir der Ansicht, daß ihm eine Reihe von Eigenschaften des Charakters abgehen, die gerade von dem leitenden Redakteur eines hervorragenden Parteiorgans erwartet werden müssen, deren Mangel, wie sich wiederholt schon gezeigt hat, dem Parteileben sehr verhängnisvoll werden kann.

* Die Lehre vom Tyranneumord «vd andere-. Bekanntlich wird dem Jrsuitenorden von seinen Gegnern nachgesagt, daß er den Tyrannenmord billige, weil einmal vor Jahr­hunderten ein Jesuit unter ganz besonderen Verhältnissen dieser Lehre das Wort geredet hat. Nun konnte man cmläßlrch der Krönung I P-rers I. van Serbien in liberalen Blättern j interessante Aeußerungen zu diesem Thema lesen, i So schrieb die »Tägliche Rundschau' vom

(:) Ei« schwungvoller Stil zeichnete einen Leip­ziger Schneidermeister au8, der kürzlich bei Gericht eine Anzeige rinreichte, worin er fich über einen bissigen Hund beschwerte. Er war mit seinem neunjährigen Sohn Paul eines Abends in Leipzig nach oem Conne- witzer Walde gegangen, „um die abendliche Kühlwonne mit Genuß der Gesundheit zum Opfer zu bringe»', da passierte ihm auf einmal ganz Uuerhörtes. „Eine an­sehnliche Persönlichkeit weiblichen Geschlechtes tat einen plötzlichen Befehl von unglaublicher Rechtswidrigkeit, indem sie da? gar nicht richtig in der Ueberlegung ge­tan haben dü.fte und sofort stürzte fich ein großer, wilder Hund mit lautem Gebrüll auf meinen gänzlich unverschuldeten Sohn Paul, riß ihn in aller Oeffent- lichkeit und vor mehreren Personen dreimal zur Erde und trat mit den Füßen auf der durch den Schreck und de« Hinfall angerichteten Hilflosigkeit herum, so daß der Knabe von dieser Bedrohlichkeit hätte den schreck­lichsten Tod verbleichen können. Laich zum Entschließe» keine Zeit hatte, ließ ich meinem betrübten Baterherzen freien Lauf und jagte den schreckhaften Hundeköter von dem wie ein Leichnam anfichtigen Knaben fort, so daß er heftig knurrte und mich in die Beine beißen wollte, wofür ich aber leine» Willen hatte. Ich ersuchte die Dame, welche die Eigentümlicbkeit deS bösen Hundes besaß, daß mich die Bestie im Namen meines unschul­digen KindeS empört habe, woraus die Frau herzloser- weise sehr lustig lachte und mich durch unbeachtete Weitergehung in der lieblosesten Weise zur Zornigkeit rerzte." Zum Schluß beantragt der Schneider „dre Bestrafung der maulkorblosen Hundebesitzer i« auf das strengste.' Besondere Sühne fordert er dafür, daß sein Paulchen „drei bis vier Tage nach dem krr- tischen Ueberfall deS bösen Hundes mit einem nicht zu sagenden kribblichen Kopfschmerz versehen war, so daß eine Gefahr für seine geistige Unzurechnungsfährgkert im Augenschein lag, mit der ma» deute noch nicht weiß, ob fie schadlose Günstigkeit im Gefolge haben wird.' — Sehr schön!

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