M 228
Krlda. Mittwoch, den 5. Oktober 1904.
31. Jahrgang
i
20
erstes Blatt
L. Beinhorn.
------(Nachdruck verboten.)
wunderbare Münzen.
«ne Erzählung, übersetzt auS dem Italienischen von
Deutsches Reich.
Berlin, den 4. Oktober 1904.
* Der frühere Reichstagsabgeordnete, Graf Friedrich zuGtolberg-Gtolberg aufBrustawe ist im 68. Lebensjahre gestorben. Graf
Erscheint täglich, mit /W W
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ohne vringerlohn und ■ S ■ ■ HH H ÄX
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Verantwortlicher rchristleiter:A. wetzle, für die Inserate
3. petita in Sulda. wochenbellage: „Illustrierte 5onntag§zeitung
laber liegen Elsaß-Lothringen; das Reichs» land kann nicht mehr länger in seinem halbfer. tigen Zustande gelassen werden. Elsaß-Lothringer muß die Rechte eines Bundesstaates erhalten. Das Zentrum hat diese Forderung letzten Winter sehr deutlich erhoben und der Reichskanzler ha sich gegenüber einer definitiven Regelung nicht ablehnend verhalten, aber sofort die Schwierig» keilen betont. Das Reichsland ist bisher gar nicht im Bundesrat vertreten gewesen; wenn es nun aber drei oder vier Stimmen erhalten würde, wer soll diese delegieren? Hier erhebt sich schon eine Schwierigkeit; in den anderen Staaten wer» den die Stimmen im Bundesrat nach dem Willen des Monarchen geführt, das Parlament hat dort keinen entscheidenden Einfluß. In Elscrß-Loth- ringen aber fehlt ein Monarch. Man hat ja früher daran gedacht, es mit Baden zu vereinigen und den Großherzog von Baden zum Könige zu erheben; dieser Plan ist in der Tiefe verschwunden, mit Recht. Neuerdings hat man gehört, es soll ein Prinz ton Preußen, einer der Söhne des Kaisers, als Monarch für die Reichslande in betracht kommen; in Elsaß Lothringen Hal man fich hierfür nicht sehr begeistert und im übrigen Deutschland, besonders in Süddeutschland, würde man von dieser Lösung nur eine Erhöhung des preußischen Einfluffes im Bundesrate mit Recht befürchten. Andere brauchbare Vorschläge sind noch nicht aufgetauchr; den Reichslanden die Stellung einer Republik zu geben, ist auch schon in Erörterung gezogen morden, allein die Verwirklichung dieses Planes darf man doch kaum ernsthafter Weise in Erwähnung ziehen.
Nachdem aber so fünf deutsche Staaten sich in schwebenden Fragen über die Thronfolge befinden, dürfte es doch zu überlegen sein, ob nicht
I von feiten des Reiches bei aller Hochhaltung der Souveränetät der Einzelstaaten ein Eingreifen angezeigt erscheinen würde.
Durch diese Thronfolgestreitigkeiten wird der monarchische Gedanke schwer geschädigt. Und gerade aus diesem Grunde sollte der unglückselige Streit, besonders waS die Thronfolge in Lippe-Detmold anbelangt,^endlich einmal aufhören.
Die monarchische Autorität hat doch wahr» lich genug schwere Gefahren zu bestehen. Nicht bloß die Drei Millionen-Partri ist entschieden antimonarchisch; auch in den „aufgeklärten" Kreisen des Bürgertums wird das Gottesgnaden» tum nicht mehr recht verstanden, und die „Revision des monarchischen Bewußtseins" hat dort vielfach zu einer bloßen, kühlen Nützlichkeits-Anerkenntnis geführt, wobei die Klausel „vorläufig" eine große Rolle spielt. In der alten grundsätzlichen Treue stehen nur noch die gläubigen Christen. In dieser Lage ist es gewiß nicht geraten, noch Waffer auf die Mühlen der Spötter zu leiten.
nur scharf zu beobachten, welche Schritte und Wege er nehmen wird.
Albert warf einen forschenden Blick auf Helene, der fie schmerzlich berührte.
„WaS Sie von mir fordern, ist, ich muß gestehen, allerdings sehr seltsam", sagte Albert.
„Verweigern Sie mir diese Bitte?"
„Ich verweigere fie nicht, Helene, allein eS wider» strebt mir, de» Spion zu spielen."
„Die Sache ist ernst und heilig."
„Ich bezweifle es nicht."
„Ich muß hinzufügen, daß viel daraus ankommt, fie rasch in die Hand zu nehmen."
Albert schwieg. Er fühlte fich eigentümlich berührt, auf eine solche Bitte war er wenig vorbereitet; — er wollte fie nicht zurückstoßen, und dennoch konnte er fich nicht recht entschließen, fie anzunehme».
„Albert", sagte Helene alsbald mit bewegter Stimme, „Ihr Schweigen sagt mir genug, ich erwarte keine Antwort. Ihrer Rechtschaffenheit wider- teht die Bitte, die ich Ihnen gestellt habe, seien Sie «dessen überzeugt, daß hierdurch meine Liebe zu Ihnen nur wächst. Bergeffen Sie also, WaS ich Jh, en gesagt habe. Vielleicht wird der Tag bald kommen, wo ich Ihnen alles rffenbarcn kann; Sie werden alsdann verstehen, unter welchen ttaurigen Verhält- niffen ich gezwungen war, Ihre Hilfe anzurufen. Aber jetzt laffeu Sie un» die Unterredung abbrechen. Boursault könnte meine ve zögerte Abwesenheit bemerken, die Borficht erheischt, daß ich sobald wie möglich zurückkehre."
Sie wollte fortgehen, aber Albert hiett sie zurück.
„Nein, nein! um Gotteswillen, verlasse» Sie mich nicht in dieser Weise, ich bin von dem ersten Eindruck überwältigt worden; eS schien mir in der Tat, als wenn mein Gewissen gegen diese seltsame Anforderung fich auflehve, aber vergessen Sie nicht, Hckene, daß wein Herz, mein Leben, mein ganzes Ich Ihnen gehört. Verfügen Sie also darüber, wie es Ihnen beliebt."
unbestritten berechtigt, dabei aber auf die zur Thronfolge berechtigten Agnaten des Lippe'schen Hauses angewiesen ist. Als solche betrachten sich allein die Schaumburger, indem sie auf die Unebenbürtigkeit Hinweisen, die durch Modeste von Unruh in die Biesterfelder Linie hineingekommen ist. Uebrigens will man auch ein Seitenstück zu der vielbesprochenen Modeste v. Unruh in der galanten Friesenhausen im Schaumburger Stammbaum entdeckt haben. Wunderbar wäre es nicht, und am Ende könnte eS dahin kommen, daß ein strenger Gerichtshof entschiede: Keine von beiden Linien hat ganz unverfälscht blaues Blut.
Den Bundesrat wird, wie bereits am Mon- ntag nach osfiziöser Aeußerung mitgeteilt, sich mit der Lösung der Thronfolge frage erst beschäftigen, wenn Lippe-Detmold einen neuen Be- vollmächtikten zum Bundesrat ernennt und dem Bundesrate namhaft macht. Dem gegenüber berichtet nun die »Hamburgische Korresp.' aus „sonst gut unterrichteten politischen Kreisen":
Der Bundesrat als Vertretung der deutschen Bundesfürsten und freien Städte habe sich zwar für Entscheidung derartiger Thronstreitigkeiten zuständig erklärt; in Wirklichkeit werden aber die deutschen Fürsten diesmal persönlich berufen sein, ihr Urteil abzugeben. Bis dahin wird sich Lippe überhaupt nicht im Bundesrat vertreten lassen, womit die Frage nach der Legitimation seines Vertreters gegenstandslos wird. Der Weg des Schiedsgerichtsverfahrens wird nicht mehr beschritten werden.
Wir halten es aber für ungerecht, dem Fürstentum bis zu dieser letzten Entscheidung keine Vertretung im Bundesrate zu geben, auf Grund der Reichsverfaffung muß Lippe-Detmold stets eine Stimme tot Bundesrat führen. Nirgends ist bestimmt, daß diese für eine bestimmte Zeit ruhen darf. Hoffentlich wird die j unerquickliche Angelegenheit durch eine endgiltige Regelung bald aus der Welt geschafft. Ob aber überhaupt eine Kompetenz des Bundesrates in dem Thron folgestreik verfaffungsrecht» lich begründet ist, ist äußerst zweifelhaft. Der dritte Staat, in dem Thronfolgestreitigkeiten bestehen, ist Braunschweig, dort regiert ein Oheim des Kaisers, Prinz Albrecht von Preußen; rechtmäßiger Throninhaber ist der Herzog von Cumberland; die bekannte wölfische Frage spielt hier herein. Aber mit der Regentschaft kann es nicht ewig weitergehen; Voraussetzung des Thronantritts deS Welfen ist allerdings, daß derselbe einmal in Deutschland erzogen wird und fich auf den Boden der gegebenen Tatsachen stellt. Wann hier ein Ausgleich statlfinden wird, steht noch in grauer Ferne.
Aber damit find nicht alle Thronfolgestreitigkeiten erschöpft; es gibt noch zwei Staaten, die hier erwähnt werden müffen. Da ist es zunächst Mecklenburg-Schwerin, das in seinem Hausgesetz die Bestimmung hat, daß ein katholischer Thronerbe ausgeschloffen sei, eine Bestimmung, die für die Katholiken beleidigend, heutzutage längst veraltet ist und mit dem Prinzip des modernen Staates in schärfstem Widerspruch ! steht. Die schwierigste aller Thronsolgefragen
::: Thronsolgeftreitigketten in Deutschland.
Tine ganze Anzahl deutscher Fürstenhäuser steht derzeit auf zwei Augen, ein direkter Nachfolger ist nicht da, und so geht die Herrschaft auf Seitenlinien über. In Bayern ist der König geisteskrank, die Regentschaft führt der Großoheim. Württemberg hat keinen Kronprinzen, eine herzogliche Linie hat Anwartschaft auf den Thron. In Baden steht neben dem Erbgroßherzog wohl noch ein Bruder desselben; aber die Familien der beiden Söhne des Herrschers find entweder kinderlos oder nicht mit männlichen Nachkommen bedacht; die Hohen- zoller'sche Linie stellt hier den Thronanwärter. Der geschiedene Großherzog von Hessen besitzt keinen Sohn. Nur Sachsen und Preußen sind nicht in Verlegenheit wegen der Thronfolge; während aber in den süddeutschen Staaten dieselbe überall bereits gesetzlich geregelt ist, find in Norddeutschland derzeit in nicht weniger als drei Staaten Streitigkeiten unter den Fürstenhäusern auSge brachen, die ein höchst unerfreuliches Bild bieten und sicherlich nicht geeignet sind, den monarchischen Gedanken zu stärken.
In Oldenburg hat der Landtag unter Zustimmung des Großherzogs die Thronfolge neu geregelt; es ist aber der Schwager des Kaisers, Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein, der sich benachteiligt fühlt und gegen seinen Ausschluß protestiert. Der Verwaltungsausschuß des oldenburgischen Landtages hat sich jedoch einstimmig zugunsten der Thronfolge deS Herzogs von SchleSwig- Holsteiu-Sonderburg-Glückrburg entschieden. D?r Protest ist also glatt abgewnftn worden. Nun hat noch der BundeSrat sich darüber schlüssig zu machen, ob er sich überhaupt mit der oldenburgischen Thronfolgeftage befaffen will.
Schlimmer ist es jedoch in dem kleinen Lippe- Detmold. Auch hier ist es ein Schwager des Kaisers, der gerne die Regentschaft übernehmen möchte. Durch den Tod des Graf- Regenten ist die Lösung der Thronfolge wieder brennend geworden. Das Schiedsgericht unter dem Vorsitz des Königs von Sachsen hat im vorigen Jahrzehnt durch die Anerkennung der Ansprüche des nunmehr verstorbenen Graf- Regenten wohl den Uebergang der Regentschaft aus den Händen des Schaumburgers in die Hände des Biesterfelders herbeigeführt, doch nicht eine volle Lösung der Thronfolge gebracht. Und nun kommt die Lippe-Schaumburger Linie und erhebt Protest gegen die Uebernahme der Re- genffchaft durch den Sohn des Verstorbenen. Der Protest stützt fich auf die Rechtsanschauung, daß der Lippe'sche Landtag, der nach dem Gesetz vom 24. April 1895 zur Wahl deS Regenten
Helene antwortete schluchzend:
„Gut, Albert, ich danke Ihnen; nie habe ich Sie so sehr geliebt als jetzt. Seien Sie versichert, daß Sie ohne Bedenken Ihre Ehre in meine Hand legen können; Sie haben bei dieser Sache nichts zu -rg fürchten."
„Auf morgen verspreche ich Ihnen, daß ein Geheimpolizist beaufttagt werden wird, Boursault zu beobachten, und jeden Abend werde ich mir Bericht ekstatten lassen, welche Stadtteile von Paris er aufgesucht hat. Ist dieses genügend?"
„Vollkommen, mein Freund."
„Rechnen Sie also auf mich, Helene, und verzeihen Sie de» Kummer, den ich Ihnen soeben be- rettet habe."
„Dieser wird unsere letzte P üsung feto, nnin Freund. Wenn mir mein Vorhaben gelingt, so werde» Sie Ihrem Vater unsere Liebe mitteilen können, nichts wird alSdan» fich unserm Glück widersetzen."
Bei diese» Wortm erhob fich Helene und schritt langsamen Schrittes aus der Kirche.
Albert verharrte noch einige Augenblicke wie verwirrt auf derselben Stelle, gleichsam damit Helene Zeit gewinnen könne, die Kirche zu verlassen, ohne Aufsehen zu erregen.
Unter dem Eindrücke, welchen das Gespräch auf ihn ausgeübt hatte, war ihm besonders ein Umstand ausgefallen, der weniger durch die Ausführung des Auftrages verursacht war, als durch die unbekannte Persönlichkeit, für welche Helene so großes Interesse zeigte.
Warum hatte fie fich nicht offener aussprechen wollen, da fie doch sonst so viel Vertrauen auf ivn hegte? Warum hielt fie eS für nöttg, hierüber noch tiefes Schweigen zu bewahre» ? Seine Neugierde war im höchsten Grade erweckt, das Bedenken, das er an» 'angS gezeigt hatte, war vollkommen verschwunden.
Er wollte in dieser Sache klar sehen, aber hierzu die Dienstleistungen seines Vaters »och nicht in Anspruch nehmen. Er schien in Nivert den Mann zu
„Daun weiß er also, wo er wohnt?"
„Tom ist davon überzeugt."
„Warum erkundige» Sie fich denn nicht bei ihm ?"
„Wenn Boursault meinen Entschluß ahnte, den ich jetzt gesoßt habe, so würden daraus nur die swftrnmsten Folge» entstehe» können."
„Jst'z möglich?"
„Sie sehen, za welchen BorfichtSmaßregeln wir gelungen und wie dringend notwendig eS ist, rasch zu handeln."
„Aber welche Mittel uud Wege soll ich ergreifen ? Dieses verstehe ich noch nicht."
„Da ist nur ei» Weg! — Helene zitterte bei de» Worte»; es kostete ihr große Mühe fortzufahren, •Sie man mir sagt, bekleidet ihr Herr Vater einen Wn Posten in der Verwaltung, diese Stellung ge» toäijxt eine unbeschränkte Autorität über das sämtliche Personal der Polizei."
„Ohne Zweifel!" antwortete Albert verwundert. m „Vielleicht kennen Sie selbst einen jener geheimen Polizisten."
„Sehr wohl."
„Unter dieser Voraussetzung habe ich geglaubt, oaß es Ihne» leicht feto würde, den energischen .'vkistand eines jener Männer zu erhalten, welche fich to betreff ihre» Scharfblickes und ihrer Umficht aus- sktchuen."
Sie wollen also diesen Mann aufsuchen lassen?" . , »Ich möchte noch mehr vorschrette». Boursault A. ungefähr eine Woche in Paris zubringen; ich Wnsu nicht, daß er den Mann vesuchea wird, dessen Skiffe ich z« erfahren wünsche, man braucht ihn also
Friedrich Stolberg, ein Enkel des Dichters Grasen Friedrich Leopold v. Stolberg- der im Jahre 1800 mit seiner Familie zur katho- lischen Kirche übertrat, war am 24. Dezember 1836 geboren. Er hat s. Zt. im österreichischen Militärdienst gestanden und war Rittmeister a. D. Im Reichstage hat er den Wahlkreis Oppeln- Neustadt O./S. vom Mai 1873 bis 1884 und wieder von 1887 bis 1890 als Mitglied der Zentrumspartei vertreten.
* Am 7. d. Mts. werden mehrere Mitglieder des Abgeordnetenhauses das 25 jährige Jubiläum des Tages feiern, an dem sie zum erste» Male in das Abgeordnetenhaus gewählt wurden. Es sind dies der Präsident v. Kröcher, sowie die Abgeordneten Braemer und Neubarch (freit), v. Eynern und Exzellenz Hobrecht (ntl), Dr. Krcpatscheck, v. Neumann- Hanseberg und Perbandt-Windheim (kons.), sowie Traeger (stets.) Exzellenz Hobrecht, der seit 8 Jahren Vorsitzender des Seniorenkonvents ist, gehörte schon vor seiner Mitgliedschaft beim Abgeordnetenhause 15 Jahre lang dem Herrenhause an. Das Mandat der Herren v. Kröcher, Braemer und Traeger hat in den 25 Jahren eine Unterbrechung erlitten, die 'übrigen Herren jedoch haben seit 1879 ununterbrochen ihr Mandat ausgeübt.
*. Der Vorsitzende der Kaual-Kommissio« desAbgeordueteuhauses, Graf Wartensleben-Rogasen, hat kürzlich die Einladung zur nächsten Kommissions-Sitzung versenden laffen. Die Kommission wird am 19. Oktober 11 Uhr vormittags zusammentreten. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Verlesung des Berichtes über den Gesetzentwurf betr. Regelung der Hochwasser-, Deich- und Vorflutverhältniffe an der oberen und mittleren Oder (Berichterstatter Glatze l, nationallib.) und sodann die zweite Lesung des Gesetzentwurfes betr. Freihaltung des Ueberschwemmungs-Gebietes der Wasserläufe (Referent v. Bockelberg, kons.).
(:)BetriebSmittelge»ei«fch«ft der deutsche« Eisenbahnen. Die Nachricht, daß infolge dec Heidelberger Ministerkonferenz eine Betriebsmittelgemeinschaft der deutschen Eisenbahnen in die Wege geleitet^werden soll, wird in der Presse lebhaft begrüßt. Die Freunde einer Vereinheitlichung deS deutschen Eisenbahnwesens erblicken darin den ersten Schritt zu einer Finanzgemeinschaft der deutschen Bahnen. Vorläufig wird es damit noch gute Weile haben. Sicherlich besteht in Preußen nicht die Geneigtheit, eine Betriebs' und Finanzgemeinschaft im Sinne des Artikels 42 der Reichsverfassung in >ie Wege zu leiten, weil damit die Verwaltung einer eigenen Eisenbahnen der parlamentarischen Kontrolle des Reichstags unterstellt werden würde. Die Eisenbahneinnahmen in Preußen bilden bei uns das Rückgrat des Finanzwesens und deshalb wird es sich die preußische Regierung erst mehrmals überlegen, ehe fie sich mit einer etwaigen Firanzgemeinschaft einverstanden erklärt.
* Es stellt sich heraus, daß Kapitänleutnant Hentschel v. Gilgeuheimb ein Opfer nicht erblicke», der ihm hierzu am meisten behiflich fein l önnte.
Bei ihrer letzten Unterredung hatten fie ihre karte» mit Adresse getauscht. ES war ihm daher eicht, nach ihm zu forsche». Obgleich eS schon ziemlich pät war, so wollte er doch keine Zeit verliere», den Detettiv so bald wie möglich zu benachrichtigen.
„Wie, Sie find es, Herr Leutnant?" sagte dies« ganz verwundert, als er Albert in sein Zimmer treten sah.
„Wie Eie sehen, Herr Nivert, ich habe mich eines Auftrages zu entledigen, den ich gewiß nicht fo leicht einer geeigneteren Persönlichkeit übertragen könnte; indessen muß ich zuvor einige Bedingungen feststellen."
„Was soll ich und kann ich für Sie tun?"
„Zuerst müssen Sie mir versprechen, das strengste Geheimnis über den Ihnen antiertrauten Dienst, den Sie mir leiste» können, zu bewahren."
„Auch Ihrem Herrn Vater darf ich nichts darüber mitteilen."
„Eben fo wenig, wie einem jeden Andern."
„Ich verstehe."
„Und Sie tolBigen ein?“
„Warum nicht! Sie als Sohn des höchste» Beamte» werde» mir nichts zumute», was fich nicht mit meinem Amte und Dienste 6 er einen ließ."
„Nun bi» ich überzeugt, daß Sie ihre Schuldig- kett in jeder Wesse ausüben werden."
Mit wenige» Worten erklärte Albert dem Ge- sseimpolizisten den geheimnisvollen Auftrag, welche» Nivert anhörte, ohne ihn zu unterbrechen, indem er nur dann und wann eine gewisse Verwunderung merken ließ, welche des jungen MarmeS Mitteilungen chm unwillkürlich enüockten.
AIS Albert glaubte, ihm das nötige gesagt zu laben, sah er Nivert mit forschendem Blicke an, und ragte ihn nochmals, ob er bereit fei, ihm den Dienst ,u leisten.
„Ich kann Ihnen nichts abschlage», Herr Leutnant, ich habe Sie nur zu fragen, ob Sie nicht die
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