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Druck und Verlag der 8uldaer»ettendruck«rel' in Znlda (Harmonie;

Zernsprecher Ur. 9= hK

Kllda, Samstag, den 1. Oktober 1904.

31. JahrgarM

(*) Zu den Handelsvertrags' Verhandlungen,

In letzter Zeit hatte sich in der Preffe ein gewisser Pessimismus in Hinficht auf den Fort­gang unserer handelspolitischen Verhandlungen mit dem Ausland geltend gemacht. Während wir mit 8 Staaten Verträge zu schließen haben, find erst mit drei, nämlich Rußland, Belgien und Italien, die Verhandlungen zu einem pofi» ttoen Resultate gelangt. Wenn auch die Ver­träge mit Griechenland und Serbien keine be­sonderen Schwierigketten bieten werden,» weil unser kommerzieller Verkehr mit diesen Ländern unseren übrigen Handelsbeziehungen gegenüber eine untergeordnete Rolle spielt, so waren aller­dings die Verhältnisse, wie ste bezüglich unserer Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn, Rumänien und der Schweiz in der Presse geschildert wurden, wohl geeignet in ungeduldigen^ Ge­mütern eine pessimistische Stimmung heroor- zurufen.

Die Verhandlungen mit Oesterreich- Ungarn sind abgebrochen; in den Ver­handlungen mit Rumänien waren Schwierig­keiten eingetreten und bezüglich der Schweiz glaubte man in der Preffe mit einer Kündigung von feilen des schweizerischen Bundesrates rechnen zu sollen. Da der Termin für den Wiederzusammentritt des Reichstags näher rückt und die allgemeine Ansicht dahinging, daß die Reichsreqierung demselben die wichtigsten Ver­träge sofort nach Wiederaufnahme seiner Arbeiten unterbreiten werde, stellte sich in der bündlerischen Preffe ein nervöses Verlangen ein, die Regie­rung möge ihrerseits den widerstrebenden aus­ländischen Staaten die Verträge zwecks Be­schleunigung einer Verständigung kündigen, und, wie der Wunsch in vielen Fällen der Vater des Gedankens ist, wußte man in jener Preffe zu melden, daß die Regierung sich endlich mit dem

bekommen und die offiziöse Auslaffung ist in Uebereinstimmung mit der von uns neulich ge­äußerten Auffassung der Meinung, daß davon eine belebende Wirkung auf unsere Verhand­lungen mit dem verbündeten Staate zu erwarten sei. Es kommt aber noch hinzu, daß, wie die ,Berl. Polit. Nachr/ besonders hervorheben, un­sere Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn nur deswegen zurzeit eine Verzögerung erleiden, weil unsere Vertrags-Unterhändler gegenwärtig durch die Unterhandlungen mit der Schweiz in Anspruch genommen sind und diese Beamten zu den Ver­handlungen mit Oesterreich-Ungarn unbedingt ge­braucht werden müssen.

Bezüglich der Schweiz selbst aber glaubt die osstziöse Korrespondenz, daß man in etwa vier Wochen zu einer Vereinbarung gekommen sein werde. Es würden demnach die Verhandlungen mit Oesterreich etwa gegen Ende Oktober wieder aufgenommen werden können. Da nun die Kon­ferenz, welche zwischen dem Reichskanzler und dem rumänischen Ministerpräsident en Sturdza stattgefunden hat, zu einer Verständigung geführt hat, soday hier der Abschluß eines Vertragsnahe gerückt ist, so wurde nur bezüglich Oesterreich- Ungarns die Frage offen bleiben, ob es der Re­gierung gelingen wird, bis zum Zusammentritt des Reichstags mit ihm einen Vertrag abzu­schließen. Der Offiziosus hält dies zwar für sehr fraglich, aber doch nicht für ausgeschloffen.

Nach obiger Terminderechnung für die Wieder­aufnahme der Verhandlungen mit der österreichisch- ungarischen Monarchie würden für dieselben bis zum Zusammentritt des Reichstags etwa vier Wochen zur Verfügung stehen. Sollte inner­halb derselben ein Vertrag nicht zustande kommen, so würde für die Regierung die Alternative ent­stehen, ob sie mit Rücksicht auf Oesterreich- Ungarn mit der Vorlage der übrigen Verträge nocy warten soll oder nicht. Die Entscheidung hierfür wird natürlich davon abhängen, welche Aussichten End^ November die Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn bieten. Sind ste günstig, so wird die deutsche Regierung noch warten, sind sie ungünstig, so wäre, meint der Offniosus, eine weitere ^Rücksichtnahme nicht angebracht. Dieser Satz gilt nach der Donau hin.

Auffassung begegnet, es dürfe erft dann zu t

einem solchen Preffionsmittel gegriffen werden,

Der

Gedanken der Kündigung vertraut gemacht habe. Dem Ruf nach Kündigung sind wir mit der

Namenstag. Eigentlich müßten wir in Deutsch­land das Fest des hl. Erzengels Michael als Nationalfest begehen; denn St. Michael, der ritterliche Bezwinger des aufrührerischen Luzifer, ist von unseren Vorfahren zum Patron Deutsch­lands erkoren und als solcher hochverehrt worden. Das Bild des siegreichen Erzengels prangt auf den alten deutschen Fahnen, und dieses Feld­zeichen war den.feindlichen Völkern so vertraut, daß ste die Deutschen mit dem Sammelnamen Michel belegten. Da die Bezeichnung von un«

wenn die Möglichkeit einer friedlichen Verständi­gung ausgeschloffen erscheine.

Wohl mit Rücksicht auf den erwähnten Pessi­mismus in der Presse bringen jetzt die,Berl. Polit. Nachr/ eine offiziöse Auslaffung, aus der hervorgeht, daß ein Anlaß, alles grau in grau zu sehen, nidjt vorliegt. Daß die Verhandlungen rntt Oesterreich-Ungarn noch nicht wieder aufge- nomnten worden sind, hat eine zweifache Ur­sache. Zunächst war, wie wir kürzlich schon kurz heroorgehoben haben, Oesterreich-Ungarn durch seine Verhandlungen mit Italien engagiert; in dieser Beziehung hat es jetzt seine Hände frei

Unpolitische Zeitlaufe.

® Berlin, 29. ©epi. 1904.

(Nachdruck verboten).

„Deutsche Michel" hat heute seinen

freundlichen Nachbarn ausging, so wurde der Name nicht in dem erhabenen Sinne gebraucht, welcher der Herkunft des Namens entsprochen hatte, sondern man legte einen geringschätzigen, verächtlichen Sinn hinein. Aus dem Helm, den der kämpfende Engel trug, machte man eine Zipfelmütze und wollte die Deutschen mit dem Titel Michel als bäuerisch und unbeholfen, pfleg- matisch und schläfrig hinstellen. Als die Herr­lichkeit des alten deutschen Reiches jämmerlich zu Schanden ging, hatten die Spötter natürlich Oberwaffer. Später wurde dann der Spitzname „deutscher Michel" auch von den einheimischen Agitatoren aufgegriffen, die das Volk für ihre fortschrittlichen Ideen ausregen wollten, indem fie in gereimten und ungereimten Worten den deut­schen Michel aufforderten, sich endlich die Schlas- mütze von den Ohren zu ziehen und feine steif gewordenen Gliedmaßen auszurecken.

Die Folge davon ist, daß der Vorname Michael, der doch von Rechtswegen in Deutsch­land beliebt und bevorzugt sein sollte, immer seltener geworden ist. Daß dieser Vorname früher mehr gebraucht wurde, sieht man noch aus den zahlreichen Familiennamen Michaelis, Michels, Miquel und ähnlichen, die sich auf einen Stammvater mit dem Taufnamen Michael zurück­führen. Offenbar hat sich nach und nach bei den Eltern die Furcht festgesetzt, es könnte dem Jungen später schädlich werden, wenn sein Name üu Hänseleien und Spott Veranlaffung gäbe. AuS einem ähnlichen Grunde wird wohl der schöne Name Christoph (Christvsträger) in den Ruhestand geraten fein; die Abkürzung „Stoffel" klingt so wie so nicht sehr praktisch, und durch die Legenden und Lieder vom dummen Stoffel ist die Sache noch schlimmer geworden.

Schade, daß die Michael-Verehrung so ge­sunken ist! Der Michaelistag war einst ein herrliches Herbsisest für das Volk, das in der Kirche und auf dem Marktplatz großartig be­gangen wird. Zugleich war der Mickaelistag der wichtige Termin im Jahre, wovon jetzt noch die Schuljahrwende zu Michaelis, und der Dienst- botenwechfel und der Wohnungswechsel Zeugnis ttblegen.

Hin ist hin; aber wenn die Aeußerüchkeiten geschwunden sind, so braucht deswegen das Bild des Erzengels Michael nicht aus dem Herzen der christlichen Deutschen zu verschwinde». Auch im neuen Reich können wir den alten Reichspatron hoch und heilig halten. Und wenn ein Teil des Volkes leider verlernt hat, zu den leuchtenden Sternen am geistigen Himmel, zu den Engeln und Heiligen als Vorbildern und Fürsprechern auszudlicken, so sollte doch der katholisch ge­bliebene Volksteil um so treuer die schöne lieber« lieferungen der Vorzeit wahren und nutzen. Michael bedeutet „Wer ist wie Gott?" Die Treue gegen Gott, das unerschütterliche Fest- hatten an dem höchsten Gute, an den heiligen Idealen des Glaubens und der Tugend ist wahr­lich echt deutsch. Und wenn Deutschland einst die Vormacht der Christenheit war, der berufene Schirm- und Schutzherr des Heiligtums und die

-------- - - ■■ ..... 1! ■ starke Hand der Kirche Gottes gegen dtz teuf­lischen Mächte, so ist es echt national, wennwtz uns auch jetzr nochbemüden, tapfer wie St. Michael gegen die Mächte der Gottlosigkeit anzukämpfe», und zwar mit den Mitteln, wie sie immoÄrnen Geisteskampfe am Platze find. ir zsd 8u»

Germania docet, Deutschland ist dkff-LehV meister der katholischen Völker geroorbetdüfH ft sagte Kardinal Ferrari im vorigen Jahrp- zu Köln, so wurde es auch von hohen ausläMschen Zeugen zu Regensburg bestätigt. Es ist/ eine hohe Ehre für das Land des hl. Michael, wenn man ihm nachrühmt, daß eS eine führende, bahn­brechende, vorbildliche Stellung errungen im großen Glaubensstreit der Neuzeit, die Ehre ver­pflichtet aber auch. Wir müssen andauernd zeige», daß wir das Rüstzeug des guten Geistes im Sinne des Patrons Deutschlands zu ge­brauchen wiffen. Lobsprüche sind wie einWechsel, der eingelöst werden muß. Also nehmen wir unsere Kraft ernstlich zusammen!

„Ja, was soll ich bei so großen Dingen tuen?" fragt da vielleicht mancher „Deutsche Michel", der mehr für die Zipfelmütze, als für den Helden schwärmt. Bescheidenheit ist schön, aber sie darf nicht zur Schläfrigkeit und Faul­heit ausarten. Wer nicht zum General berufen ist, kann doch ein tüchtiger Gemeine sein, und die Schlachten werden nicht von den Offizieren allein gewonnen, sondern von dem treuen, zähen Zu­sammenwirken der Gemeinen mit ihren Führern. Alle müffrn mitarbeiten für die gute Sache, die Großen und die Kleinen, die Reichen und die Armen, die Starken und die Schwachen, die Männer und auch die Frauen.

Als neulich die Sozialdemokraten in Bremen ihren roten Parteitag halten wollten, da ließen sie eine Versammlung der roten Stauen voraus­gehen. Mir waren diese Verhandlungen des „Umsturzes im Unterrod“ interessanter, wie die meist langweiligen Männerfitzungen. Die roten Heldinnen mit ihren beweglichen Zungen ließen bester die Wahrhett erkennen. Der Kernpunkt ihrer Verhandlungen war die Klage, daß die Jugend noch zu religiös erzogen uns deshalb für den sozialen Revolutionsgedanken noch nicht recht reif gemacht würde. Dem Nachwuchs Gott und die Religion aus dem Herzen zu reißen, war der innigste Wunsch dieser modernen Hexen. Sie erkannten auch ganz gut und bekannten es offen, daß die religiöse ober gottlose Erziehung der Jugend nicht bloß von der Schule ab hänge, sondern wesentlich von der elterlichen Einwirkung und ganz besonders von dem Geiste der Mutter. Die christlich gestnnte und christlich wirkende Hausfrau und Mutter — das war in ihren Äugen der schlimmste Feind. Darin liegt das ruhmvolle Zeugnis, daß unsere braven Frauen noch beute den Ehrennamen verdienen, den ihnen einst Windthorst gegeben: daß sie die geborenen Schulinspektoren seien. Aus dem Munde der grimmigsten Feinde wird es bekundet, daß die gute Sache nicht blos auf Männerkraft und Männerwitz gegründet ist, sondern von dem stillen und doch so segensreichen Wirken der Frauen abhängt.

wunderbare Münzen.

Eine Erzählung, übersetzt aus dem Italienischen von

L. Beinhorn.

17 ------(Nachdruck verboten.)

„Sie haben eine angenehme Reise gehabt?" fragte Albert, ihn freundlich grüßend.

„Sehr angenehm, mein Herr, obwohl ich aus einem Orte zurückkehre, wo sellsame Dinge vor sich gehen I“

„Wieso?"

„Er ist eine Höhle von Falschmünzern."

„Vorwärts", ertönte in diesem Augenblicke die Stimme des Kondukteurs.

Ter Postillon trieb die Pferde an, und Albert blieb nur die Znt, dem alten Diener ein letztes Zeichen des Lebewohls zu winken; bald hatte rr den Flecken Merlac und dir Stätte, wo Helene weilte, aus dem Gesicht verloren.

Tom verweilte noch fc lange, bi? der schwerfällige Postwagen aus seinem Horizoare verschwunden war; als er sich endlich anschickle, nach dem Schlöffe zurück­zukehren, traf er halben WegeS mit Bourjault zu­sammen.

„Woher kommst Du schon zu so früher Stunde?" stagre dieser in übler Laune.

Der Alle ertrug unerschrocken den wilden, zornigen Blick seines Herrn, und em freundliches Lächeln spielte um seine Lippen.

»N rch dem Vorfälle der l-tzten Nacht", antwortete er, „habe ich mich nach dem Smbtiogiing erkundigen wollen, mit welchem Sie zu tun gehabt haben "

„Ach Du?" jaate Boursault in sanfterem Tone

„Ich dachte bei mir, wenn er schwer verwundet ist» so muß er in der Nachbarschaft einen Zufluchts­ort g-sund-n haben, das heißt in iraenb einer Bauern­hütte in der Umgegend, ist er indessen nur leicht ver­

wundet, so wird er sich nach Merlac begeben haben, um von dort mit der Post abzureisrn."

„Nun?"

„Ich habe mich nicht geirrt. Wie eS scheint, ist die Verwundung nur unbedeutend gewesen, denn er ist vor wenigen Augenblicken wirklich abgereist."

„Du hast ihn gesehen?"

„Nur so halb; er war schon in den Wagen ge­stiegen . . ."

„Nun, w r er jung oder alt, groß ober klein? sprich!"

„Ich habe seinen Namen ermittelt, waS beffer sein wird als alles Andere."

„Wie nennt er fick?"

„Christian Fersen."

„Chrstian Fersen!" wiederholte Boursault mit dumpfer Stimme. „Der Name stand ja auch auf der Bifiieokarte, jetzt ist nicht mehr zu zweifeln; er hat es also gewagt, hierher zu kommen! Er fürchtet fick nicht mehr vor den vor Jabren gemachten Drohungen! Ah, man muß aus seiner Hut fein. Tom komm! Wir find ka^m aus Paris zurückgelehrt, wer weiß, ob wir uns mchr bald wieder dahin begeben müffrn. Komm! sage ick, wir müffen einen Entschluß fassen, wir haben kein Zeit zu verlieren."

Als fie dann vor die Parktür kamen, trat Laura ihnen entgegen.

Wie Tom gesagt batte, war fie 35 Jahre alt und ohne Zweifel noch schön zu nennen, wenn ihre Gr- fichtSzüge nicht gar zu sehr Ehrgeiz und N-io ver­kündet hätten.

AlS fie näher gekommen war, warf fie auf Tom einen wilden, zornigen Blick.

„Nun", sagte fie, „seid Ihr noch früh genug ge­kommen ?"

„Die Post war soeben abgefahren", antwortete Boursault.

„Dann habt Jbr «ich» in Erfahrung gebracht?'

„Du irrst Dich, wenn Tom chn auch nicht ge­sehen hat, so hat er doch nach seinem Namen forschen können."

„Wie Peß er?"

„Nun, Christian Ferien."

„Sehr gut", sagte Laura in schneidendem Tone, nur schade, daß meine Forschungen nicht mit den Eurigen stderemttimmen."

„WaS sagst Du?"

„Nun es ist sehr einfach, während Ihr Euch nach Merlac begäbet, ging ich meinerseits nochmals nach der Brrfck- nnd fand dort nach näherer Forschung diesen Bries."

Boursault las rasch di- Adreffe; sie lautete: „Herrn A. Villeneuv:, Marineoffizier in Paris."

Während die Post ihren Weg nach Angoulvme Wetter fsrtsetzte, waren die beiden Reisenden m dem Kupee in ei” sehr lebhaftes Gespräch getreten und hatten auf diese Weise die Langeweile der Fahrt ver­scheucht. Allein nach einiger Zeit fühlte Albert, der die ganze Nacht nicht geschlafen hatte, sich von der Müdigkeit überwältigt, daß er in Schlaf sank.

Nivert störte ibn weiter nicht, er steckte sich eine Zigarre an und betrachtete die Lrndschast, die sich vor seinen Blicken entrollte, indem er die sonderbaren Gerüchte, welche ihm in Jousac erzählt waren, an seinem Geiste vorbecführte

So verfloffen einige Stunden, ohne daß er '”ch Wetter «m feinen Reisegefährten gekümmert hatte; allein al« man sich der letzten Station näherte, richtete er fein Äuge auf ihn und bemerkte, daß er totenbleich aussah und daß au8 seinem rechten Aermel einige Blutstropfen hinausfickerten.

„Ah ha", sagte er zu sich kopsschüttelnd, er scheint vergangene Nacht ein Drama in dem Schlöffe erlebt zu Haden. Vielleicht kann er wie Don Juan fingen: „Flüchlig find die Freuden der Liebe, dauernd ihre Schmerzen."

Einige Monate* wa-en nach der eben erzählten Tatsache verflossen. ES dauerte lange, ehe fick Albert von feiner unglücklichen Reise wieder erholt hatte.

Die Wunde war allerdings nicht gefährlich, aber der Blutverlust und die Aufregung hatten ihn so er­

schüttert, daß er bei s-iner Rückkehr nach Paris ge­zwungen war, einen Arzt zu R.le zu ziehen und sich einer sorgsamen Kur zu unterziehen. Er bat daher um eine Verlängerung seines Urlaubs; durch d e Für­sprache seiner Vaters gelang eS ihm auch, nach Ab­lauf desselben eine leichte Anstellung bei dem Ministerium der Marine zu erhalten.

Johannas Verheiratung mit Karl de Renneville war nun beschlossen und der Hochzeitstag festgesetzt; aber die junge Braut hatte zur Hauptbedingung ge­macht, daß der Bruder der Festlichkeit beiwohnen sollte. Die traurige Stimmung, in welcher fie ihn oftmals übrrrasckte, hatte fie mir tiefem Schmerz erfüllt, und alle Versuche ihn aufzudeitern, waren stets ohne Er­folg geblieben; aber namentlich fand fie ihn sehr niedergeschlagen, wenn fie davon sprach, daß er fie zum Altar führen solle; fie yi-lt alsdann immer unbestimmte Antworten.

„Ah", tief fie eines TaaeS in ihrem Unmate auS, „so find die Männer beschaffen, fie halten unS Weiber für die ärgsten Egoisten, aber weißt Du denn, wes­halb ich Dich hier noch zu halten suche und weshalb ich diese Bedingung gestellt habe, welche Dir so hart zu sein scheint?"

„WaS willst Du damit sagen?"

„Nun, Herr Br-ider, Ste ahnen nicht, daß der Vater nach Argonlvme geschrieben hat?"

„Wie? was?"

„Und daß aller Wa 'rscheinlichkeit nach Herr Bour- fault mit der schönen Unbekannten der Festlichkeit bei­wohnen wird."

„Mit der schönen Unbekannten?" rief Albert ganz verwundert Uld erstaunt au». „Ah, Johanna, Du bist da» liebenswürdigste Geschöpf, das ich kenne."

„Und nun wirst Du bleiben.“

„Ja, immer."

„Nun begreife ich Dich." fügte fie schäkernd hinzu, „Du hast erfahren, daß Helene nicht verheiratet ist.“

Bei diesen Worten nochmal» einen forschenden Blick auf chten Bruder werfend, verließ fie in der glück­lichsten, heitersten St.mmung rasch da» Zimmer.