Einzelbild herunterladen
 

Maer

31. Jahrgüng.

zulda, Samstag, ben 1. Oktober 1904

WeHame*- **> ÄM8rite*t*il.

echnikum

Profr. frei.

bann

■■fasst Eisenconstructioi Maschinenbau un Elektrotechnik.

hinein. Für die Lokalbeamten sei es bereits im Entwürfe vorgesehen. „Denn geeignete Pe^ onen sind die Hauptsache für die Durchführung-

Zum Schluffe spricht Dr. Brandts noch einige über den Entwurf hinaus gehende Wünsche aus, und zwar zunächst nach einem Gesetz be­treffend Umlegung städtischer Grundstücke, sodann noch einer Abänderung des Enteignungsgesetzes n zwei Punkten. Ferner müßten die öffent- ichen Sparkaffen höher beleihen können als 50 Prozent der Taxe, und endlich müßte das slküengesetz nach der Richtung geändert werden, daß die Aktrenbaugesellschasten, welche den stempel­gesetzlichen Gemeinnützigkeitsoorschriften Genüge eisteten, Aktien von 20 Mk. ausgeben können. Der erste der vorliegenden Wünsche ist kürzlich auf der Generalversammlung des Rheinischen Vereins zur Förderung deS ArbeiterwohnungS- wesens ausführlich besprochen worden. Das hier zu Tage geförderte Material sollte den obersten Regierungsbehörden zur Berücksichtigung vorgelegt werden.

magno* darmkranke

bewährteste Nahrung

für 7 *2

Verantwortlicher zrtftleitenZos-SamW

wochenbMagi!„IllustrierteSomrtsgrzeitnng"

7 vorgesehenen Maßnahme einverstanden find, in der

* aber »eiter fordern, daß diese Parallckklaffen in

Jß. 225

Msgeldinzuld",» 5efct$imL50Pfe.

wichtigstm über Wohnungs-Ordnung und Woh- 1 nungS-Amt interessieren. Nach seiner Meinung wäre es zweckmäßiger, im Gesetze selbst über die Mindestansprüche an die Wohnungen nur allge­meine Regeln aufzustellen und nur die Punkte । anzugeben, über welche die Lokal * Behörde Be- । stimmungen erlassen muß. Die gesetzliche Fest- i stellung von bestimmten Maßen und Zahlen könne ' nicht für ganz Preußen einheUlich erfolgen. Wenn der Entwurf darauf Hinweise, daß ja die Ge­meinde über die Mindestforderungen hinausgehende Anforderungen anordnen könne, so lese er schlecht in der Volksseele: Was das Gesetz sage, dabei werde es bleiben. Ferner sei die Einschränkung des obligatorischen Erlaffes von Polizei-Verord- nungen auf Gemeinden über 10,000 Einwohner durch nichts gerechtfertigt; sie feien für alle Ge- meinden erforderlich. Das Gesetz sollte nur fol­gende Bestimmungen enthalten:

„Die OrtSpolizeibehörde muß Bestimmungen treffen über die Punkte, die der Gesetzentwurf angibt. Diese Bestimmungen bedürfen der Genehmigung der vorge­setzten Behörde, Für diejenige OrtSpolizeibehörde, welche dir Bestimmungen innerhalb der gesetzlich fest­gestellte» Frist nicht schafft, erläßt fie die vorgesetzte Polizeibehörde. Die Ausführung der Wohnungsaufficht ist Sache der Gemeindebehörde; diese hat über die Ausführung der Wohnungsaufficht Bestimmungen zu treffen, welche der Genehmigung der Kommunalauf- fichtSbehörde unterliegen. Jedes Jahr muß die Ge­meindebehörde über die Ausführung der Bestimmungen berichten; de» Kommunalaufsichtsbehörde» werden die nötigen Beamten zur Kontrolle der Ausführung der Bestimmungen vom Staate zur Verfügung gestellt."

Die in dem Eatwmfe des Wohnungsgesetzes vorgesehenen Bestimmungen über die Benutzung der Gebäude sollen nur Anwendung auf das Miet Haus finden. Die Ausdehnung der Be­stimmungen auch auf das Eigenhaus ist jedoch nach Brandts dringend geboten. „Denn oftmals liegen hier die Verhältniffe mindesten- ebenso schlimm wie im Miethause; es sei nur erinnert an die baufälligen und unhyzienischen Eigen­häuser der ehemaligen befestigten Orte, die in den wenigsten Fällen den an die Wohnung zu stellenden Anforderungen genügen, ferner an manche eigene Kleinwohnung in den Jndustriebezirken und auf dem flachen Lande. Wollte der Gesetz­geber an der Schwelle dieser Eigenhäuser Halt machen, so würden die Bestimmungen zum großen Teile illusorisch werden."

WaS ferner die obligatorische Errichtung eines Wohnungsamtes in Städten über 100,000 Ein­wohner angeht, so sollte man den Gemeinden Freiheit in der Organisation laffen, die Organi­sation aber der Genehmigung der Aufsichtsbe- Hörde unterstellen. Das gedachte Wohnungsamt sei gut, indeffen solle man den Zwang nicht auf Städte über 100,000 Einwohner beschränken, „In den Städten unter 100,000 Einwohner treten die Mißstände oftmals viel schärfer auf als in den Städten über 100,000 Einwohner. In den kleinen Orten sind die Wohnungen oft­mals viel mangelhafter, besonders in den kleinen, alten Städten, die früher befestigte Orte waren; hier finden sich kleine alte Gaffen, schlechte Ent­wässerung, Häuser mit Lehmboden, mangelhaften Rauchsängen, schlechten Avortverhältniffen rc. Gerade hier ist eine Wohnungsaufficht und ein besonderes Organ ganz unerläßlich, weil hier alte Gewohnheit, BedürfniSlofigkeit, Mangel an Verständnis rc. die Schaffung gesunder Wohnungen am meisten hindern. Sehr zweckmäßig ist die Errichtung ei»es gemeinsamen Wohnungsamtes für kleinere benachbarte Orte. Solchen Woh­nungsämtern könnten neben der Wohnungsaufficht verschiedene andere wichtige sozialpolitische Auf­gaben überwiesen werden, wie Wohnungsnach­weis, Arbeitsnachweis rc. Auch wäre hier die beste Gelegenheit gegeben, die in den § 79 ff. des Jnvalidenverficherungsgesetzes vom 13. Juli 1899 vorgesehenen Rentenstellen, die heute noch nirgendwo bestehen, einzuführen. Eine Kombi­nation der bezeichneten Aufgaben würde die Er­richtung eine- solchen sozialpolitischen Amtes jetzt leicht möglich und seine Tätigkeit besonders er- sprießlich machen."

Neben der lokalen Wohnun'gsaufsicht sieht der Entwurf eine BezirkSwohnungSaufjsich vor und bestimmt, daß den Regierungspräsidenten zur Ausübung der Aufsicht über die Tättgkei der Gemeinde und OrtSpolizeibehörde, „soweit sich dazu ein Bedürfnis ergibt", besondere Woh- nungsaufstchtsbeamte beigegeben werden sollen. Hierzu bemerkt Brandts, daß die Bestimmung: „sowest ein Bedürfnis vorliegt", nicht angebracht sei; daS Bedürfnis für eine solche sei überal vorhanden. Ohne eine ständige und ausgedehnte Oberaufsicht sei der Entwurf nicht zweckent­sprechend. SS müsse deshalb die Einschränkung „sowest ein Bedürfnis vorliegt", gestrichen werden. Ferner wäre gesetzlich sestprlegen, wie die Ausbildung der WohnungSbeamten, nament- lich der höheren, sein solle. DaS sei ein wich­tiger Moment und müsse «st in daS Gesetz

selbständige Lehrerbildungsanstalten mit tschechischer bezw. polnischer Unterrichtssprache umgewandelt würden. Allem Anschein nuch wird im ReichSrat die Obstruktion hren Fortgar g nehmen, die Abschließung der HandelS- verträge dürste aber durch fi- k-ine besonderen Schwierigkeiten erleiden, weil in Oesterreich der tz 14 n Anwendung kommen würde und weil Ungarn aus der andern Seite weiß, daß eS von den Handelsver­trägen selbst den größten Vorteil hat.

In Frankreich hat sich der frühere Minister- Präsident Charles Dupuy gegen die Trennung von Staat und Kirche ausgesprochen, weil er befürchtet, daS Ende würde sein, daß die Regierung nach Canossa aehen müsse. Welche Lücke die Vernichtung der OrdeiiSschulen in Frankreich auf dem Schulgebiete ge­schaffen hat, geht daraus hervor, daß eine 40 Millionen. Anleihe für Schulbauten im Anzug ist. Wie erst würde die Sache Sehen, wenn die vielen freien Schulen nicht wären?

In England hat Lord Rosebery den dies­jährigen Redefeldzug der parlamentarischen Zeit be­gonnen. In einer Rede, die er in Lincoln hielt, hat er die Regierung, namentlich Chamberlain, sehr scharf angegriffen. Er führte au», daß die Kolonien gar nicht daran dächten, das berühmte Angebot, von dem Chamberlain gesprochen habe, zu wachen. Infolge dessen wirst die liberale Presse Chamberlain vor, daß er sich dieser Angebot aus den Finger» gesogen habe. Mit beißendem Spott hat Lord Rosebery auch die Versuche kritisiert, welche die Reorganisation der Ar- mee bezwecken. Natürlich ließ er eS auch nicht an Hetzereien gegen Deutschland fehlen. So bemerkte er, daß bei dem deutsch-englischen Aokommen die Vorteile lediglich auf Seiten der Deutschen waren. — Gegen den englisch-tibetanischen Vertrag hat China Einspruch erhoben, weil e» sich durch denselben in seinen Rechten verletzt fühlt.

In Serbien hat au» Anlaß der feierlichen Krönung Peter» I. eine Amnestie für Wahlvergehen und Aufreizung der Bevölkerung, sowie für alle Ver­gehen, wegen deren Gericht»- und polizeiliche Arrest­strafen in Höhe von 15 Tagen verhängt waren, statt- gefunden.

In Amerika hat der nmePräfidentschaflS-Kan- didat Parker nunmehr die Aufstellung al» Kandidat angenommen und in einer Kundgebung sein Programm veröffentlicht. Dasselbe erklärt sich in der Hauptsache für unbedingte Goldwährung, für Tarisreform, tflt ein neue» Trustgesetz und für Enthaltung der Ein­mischung in fremde Angelegenheiten. Präsident Roose­velt soll sich dahin geäußert haben, er werde binnen kurzem die anderen Nationen auffordern, zu einer »weiten Konferenz zusammenzutreten, welche da» Werk de» Haager Schiedsgerichtes wirksamer gestalten soll.

Aus dem ostasiatischen Kriegsschauplatz e haben sich die Verhältnisse in der vergangenen Woche wenig geändert. Bor Port Arthur haben die Japaner einige Forts erobert. Der Kampf um Mukden kann jeden Tag beginnen. Daß der Kaiser Nckolau» die Errichtung einer zweiten mandschurischen Armee be- fohlen hat, haben wir bereit» oben erwähnt. Zum Kommandierenden wurde der Generalkommandant de» Wllnaer Militär - Bezirke», General der Infanterie, Gripenberg, ernannt.

= um dem preußischen Wohnungs- Gesetzentwurf,

der schon seit langer Zeit als ein dringendes Be­dürfnis empfunden und endlich anfangs August publiziert worden ist, beschäftigt sich in der .Zeit­schrift für Wohnungswesen' (Nr. 21 und 22) der auf dem Gebiete der Wohnungsftage als Auto- rität bekannte Direktor Dr. Brandts-Düssel­dorf. Gleich anfangs betont er, was der Ent­wurf biete, sei nicht viel und den stolzen Namen eines „Gesetzes betr. die Verbesserung der Woh- nungsverhältniffe" verdiene dieses Wenige nicht. Gleichwohl habe es keinen Zweck, nun gleich den ganzen Entwurf abzulehnen. Das Bessere ist der Feind des Guten und man sollte zunächst die Kleinigkeit nehmen, welche der Entwurf biete, und das Anfechtbare, was derselbe enthalte, ab­mildern. Es sei ein großer Fortschritt, daß über­haupt einmal ein Wohnungs - Gesetz vorgelegt worden sei, und es sei zu hoffen, daß etwas da­von zustande komme. Wo ständen wir heute in der Arbesterschutz-Gesetzgebung, in der Gewerbe­ordnung, inder Arbeiterversicherungs-Gesetzgebung, wenn nicht Schritt für Schritt ein Punkt nach dem andern geregett worden wäre? Die Haupt­sache sei, daß einmal ein Anfang gemacht würde, wenn er auch „kümmerlich" sei.

Brandts betont weiter, neben einem Woh- nungS-Gesetze müffe auch die lokale Selbst. Verwaltung ergänzend und erweiternd eintreten. Die Gemeinde „muß durch das Gesetz genötigt werden, von ihrer Autonomie bezüglich bestimm­ter Dinge auch wirklich Gebrauch zu machen. Der fakultanve Zwang durch btt AufsichtS-Behörden ß“ t nicht, das Gesetz muß auch gegen die Auf-

Behörde sich wenden und diese nötigen; auch > Unterstellung unter klare, bestimmte An-

Römischer Vochenbries.

[**] Rom, 27. Septbr. 1904.

Gestern feierte man den Tag des neun­hundertjährigen Jubiläums der ölten Basilianer-Abtei von Grottaferrata bei Fras­cati. Es handelte sich dabei um eine ebenso fistorische wie religiöse Feier, denn diese Abtei »lickt auf eine Geschichte zurück, wie sie so leicht kestie zweite auszuweisen hat. Aber auch mit derdeutschenGeschichteist diese alte griechische Kulturstätte aufs Engste verknüpft: Kaiser Otto III. stand in den engsten Beziehungen zum Gründer desselben, zum heiligen Nilus, welcher ihm kurze Zeit nach seinem Tode in’S Grab folgte. Gerade am 26. September 1004 war Nilus gestorben, nachdem er kurz vorher vom Grafen Gregor von TuSkulum die alten Reste einer ciceronianischen Villa für ein neues Kloster zum Geschenk erhalten hatte. Nilus starb in einem damals in Tuskulum bestehenden griechi­schen Kloster. Am Tage nach seinem Ableben trugen die Mönche seine Leiche nach Grotta­ferrata, denn so wurde der Ort, wo die Villa Ciceros lag, genannt, nach einer mit einem Eisengitter abgeschlossenen Grotte. Die Abtei blühte schnell auf und wurde durch die Gunst vieler Päpste, sowie durch zahllose Schenkungen sehr reich. So besaß fie große Ländereien in verschiedenen Gegenden Italiens, namentlich in Calabrie» und Apulien; ihre Einkünfte beliefen sich zeitweise auf jährlich eine halbe Million Franken. Außerordentlich litt das Kloster durch die Kämpfe zwischen den Römern und den tuS- kulanischen Grafen; 1191 wurde es vollständig zerstört. Auch Friedrich II. besetzte Grottaferrata und schleppte die bedeutendsten Kostbarkeiten fort. Einen besonderen Aufschwung nahm das Kloster unter dem ersten Kommendatarabt Kardinal Bessarion, sowie unter dem Papste Julius II., welcher aus der Abtei eine Festung machte. Viele Päpste wohnten hier zur Erholung und auch der bekannte Staatssekretär Kardinal Con- saloi zog sich nach dem Tode Pius VII. hierher zurück. Gregor XVI. und Pius IX. ordneten das Klosterleben in der Abtei, welches immer im Großen und Ganzen den griechischen Ritus und die griechische Kirchensprache bewahrt hatte. Einige lateinische Einbürgerungen entfernte Leo XIII. vor etwa zwanzig Jahren, sodaß heute die Abtei eine rein-griechische genannt werden kann. Das gestrige Fest wurde nun ungemein großarttg ge­feiert. Ein eigener Extrazug brachte des Morgens die große Zahl von Eingeladenen nach FraScati, wo svie Wagen bestiegen wurden. Stadt und Kloster von Grottaferrata hatten Festesschmuck angelegt. Die eigenartigen orientalischen Zere­monien erregten das allgemeinste Interesse der Vertreter aller Nationen, welche sich in der Abtei eingefunden hatten.

In Oesterreich-Ungar» find nun auch dieLaud- lage von Niederösterreich, KärMhen und Salzburg er* Met worden. Im schlesischen Landtage habe» die ^ichechen auf ben Drotest der deutsche» LandtaaSab-

W 1 «nzeigenr vi« ei»

A JL A. A A fpMge Petitzeile od«

deren San» 15 Wt

I Li «eklamendiepetuDs

I I II Illi Äi-i

Druck und Verla, dl Fuldaer Acttendruckerl

Monatrbellager »LMaer CeschWMMer". 8«usprecher Ur. 9.

wochen-Rundschau.

o Fulda, 1. Ott. 1904.

Der italienische Ministerpräsident Giolitti hat dem Reichskanzler Grafen B ül^o w in der verflossenen Woche in Homburg einen Besuch abgestattet. ES hat natürlich tn der Presse nicht an den verschieden­artigsten Vermutungen Über die Bedeutung diese» Besuche» gefehlt. Daß derselbe deS polnischen Tharatter» nicht entbehrt, darf ohne weitere» voraus­gesetzt werden, um so mehr, als Giolitti, bevor er sich nach Homburg begab, mit dem König von Italien in Raconigi zusammengetrvffen ist. E» verlohnt sich nicht, auf die einzelnen Vermutungen der Presse ein­zugehen. Graf Bülow hatte in der verflossenen Woche noch einen zweiten Besuch, nämlich den de» rumänischen Ministerpräsidenten Sturdza. Die Konferenz bexog sich auf die HandelSvertragSverhand- lungen mit Rumänien, mit dem die Verhandlungen in'S Stocken geraten waren. Sie soll eine» befrie­digenden Abschluß gehabt Haven. Dagegen find nun Schwierigkeiten mit der Schweiz eingetreten.

lieber den Verlaus de» Bremer Partei­tages äußert fich die sozialdemokratische Presse sehr besttedigt. Zu einer hohen Befriedigung hat fie aber keinen Anlaß, denn sowohl die Erledigung be» Falle» Schippe! al» auch die Behandlung der Maifeier und de» Generalstreik» haben gezeigt, daß trotz der Einigkeit, welche man in Bremen äußerlich an den Tag gelegt hat, die inneren Gegensätze ungeschmälert fortbestehen. Uebriger.» dürste der sozialdemokratische Parteitag noch ein Nachspiel in der Presse haben, denn die ,Leipz. Volkszeitung', der auf dem Partei­tag übel mitgespielt worden ist, will durch Zitate den Nachwei» erbringen, daß der Ton, den fie dem Abg. Dr. Lüdekum gegenüber angeschlagen hat, in der sozialdemokratischen Presse keineswegs so ver­einzelt ist, sondern zahlreiche Analogie» hat. Dem .Vorwärts' ist diese Ankündigung sehr fatal, und er meint, e» wäre besser gewesen, wenn man den be­kannten Artikel der »Leipz. Bolksztg.' nicht zu einer Parteitagsaktion gemacht haben würde.

In der Schulsrage hat in Köln eine neue nationalliberale Versammlung stattgefunden, welche, wenn fie fich auch für die Leipziger Richtlinien aus- spricht, doch erkennen läßt, daß man der Fraktion bei derSchulunterhaltungSvorlage keine besondereSchvierig- teiten machen will. Man ist fich ober noch nicht schlüssig, wie weit man über den Kompromiß hinauS- gehen will. Ausgehend von der Annahme, daß da» Zentrum sehr gern mit dem Schulkompromiß einver­standen sei und daß demzufolge auch die Konservattven große» Gewicht auf da» Zustandekommen desselben legten, glaubt der Parteisekretär Dr. Johanne», die Konservativen würden ein weitere» Entgegenkommen nicht ablehnen. Die .Natztg.' ist nicht dieser opti- miflffchen Anffassuno. Den Kopf de» Zentrum» braucht man nicht zu zerbrechen. Mögen die National- liberalen erst unter sich selbst einmal im klaren sein, wa» fie wollen, da» andere wird fich später finden.

Durch den Tod de» ©rafregenten Ernst zu Lippe ist derLippesche Thronfolgestreit wieder neu belebt worden Nach dem Beschluß de» Lippeschen Landcage» geht die Regentschaft auf den Sohn des Verstorbenen über, der fie auch bereit» angetreten hat. Dessen rechtmäßige Nachfolge wird aber von der an­deren Linie bekanntlich bestrttten und ist auch jetzt angefochten worden.

Der oldenburgifche Fall Ruhstrat hat eine neue Auflage erlitten. Der Redakteur Biermann, welcher den Minister Ruhstrat be» Meineid» beschul­digt hatte u»d der au» dem Gefängnis zurückgekehrt war, ist von neuem verhaftet worden Man hat auch den zweiten Redakteur verhaftet, ihn ober nach kurzer Zeit wieder freigegeben.

In Baden hat der Gustav-Adolf-Bereia getagt. Der Gustav-Adolf-Verein erklärt sonst immer, et mische fich in die Politik nicht ein und bezwecke nichts al» die Unterstützung der protestantischen Brüder in der Diaspora. Wie fich hier, ebenso wie beim Evan- gelischen Bund, Theorie und Praxi» widersprechen, da» haben die Ausführungen des Geheimen Kirchen- rote» Panck über die Aufhebung de» § 2 de» Jesuiten- gesetze» gezeigt, in welchen er erklärte, daß au» der Aushebung eine Bitterkeit bi» zur Erbitte­rung gegen die maßgebenden Faktoren im Reich, ja sogar bi» an ben kaiserlichen Thron entstan­den fei. Wenn bet Gustav-Abolsverein mit der Politik tüchtS z» tun hat, bann möge er auch bie Beschlüsse be# deutschen Reichstags aus seiner Beratung fort­lassen.

,,, Sn Bayern hat bie Regierung bet Verstaut- lM)ung der Pfälzischen Bahnen auf Grund der von ?.^.^kralversarnmlung am 11. Juli 1904 form»« uetten Vorschläge zugemmmt und derBahngefellschaft « ?n??5me diese» Kaufangebotes mitgeteilt. Die

Drittes Blatt