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Zeitung

MsnatLbeüagßz „ßrüömr GeschichtsbWer"

zulda, Freitag, den 30. September 1904.

Jg 224

(Nachdruck verboten.)

Befinden deS Königs zu erkundigen, kehrten aber bald darauf wieder nach Dresden zurück.

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wunderbare Fügungen.

Eine Erzählung, übersetzt aus dem Italienischen von L. Beinhorn.

„Jawoll." •

„Und Eie haben ihn vor der Loge gr r offen, in welcher Boursault sich befand?"

„Boursault schien ihn nicht zu kümmern, seine ganze Aufmerksamkeit schien aus Helene gerichtet zu sein."

„Der arme Mann!"

„Er hat sie verfolgt, wie ich sie verfolge, und so begegneten wir unS unter dem Portale indem Augen­blicke, wo Boursault und Helene in den Wagen stiegen."

„Hat er nach ibr gefragt?" ,

„Unglücklicher Weise war eS mir rn diesem Augen­blicke unmöglich, >hm Auffchluß zu geben"

Tom antwortete nicht. Er war zu bewegt, auch schien er sich so viel wie möglich beherrschen zu wollen, um nicht A ußerungen zu machen, welche er später hätte bereuen können. ,

„Und hat er Ihnen seine Visitenkarte gegeben?" fragte er. ,

„Ich habe kaum daraus geachtet, nur obe, flacht,ch habe ich seinen Namen gelesen, indem ich mir vor- behielt, darauf zurlckzukcmmen, wenn es nötig ft in sollte"

„TaS ist schade!"

,W:e so?"

„Weil w'.r dann über einen gewifscn Punkt Auf­schluß erhalten hätt-n."

„Sollte Ihnen oder Helene Gefahr drohen?"

, Weder ,hr noch mir", antwortete Tow; den Kopf schültelnd, fügte er hinzu: „ES ist ein Vorfall, wo­rauf wir später zurückkvmmen können. Jetzt had-n wir erwaS Wichtigeres zu bedenken. Geste, n gaben Sie Fräulein Helene das heilige Versprechen, SDietkc zu verlassen."

„Darauf können Sie fest rechnen."

„Fühlen Sie sich auch kräftig genug, tie Reffe zu unternehmen?" „

„?dj hoffe er Jedenfalls werde ich in Angouleme auSsteigen und mich oort auSruhen." ,

„Ja, das tun Sie. Fräulein Helene werde ich

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vruck und Verlag dt 8uldaerActtendr»ckerj in gulda lharmonich ßernsprecher Ur. 9.

Deutsches Reich.

Berlin, den 29. Sertember 1904.

* Zum Tode des Grnfregeuten Ernst zur Lippe. Wir haben bis jetzt vergeblich darauf gewartet, ob der ,Reickrsanzeiger' dem verstorbenen Geaftegenten einen Nachruf widmen würde. Wir find nicht einmal eimr Notiz über daS Ableben des Grafen in ihm begegnet. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ hat im ganzen nur 2 Zeilen gebracht. Die .Deutsche Tagesztz/ hat recht, wenn ste » ernt, dcß dies nicht im Interesse des monarchischen Gedankens und des Friedens im Fürstentum liege. ,

* Herr v. Conrad war in der Presse als der präsumptioe Nachfolger v. Podbielskis be­zeichnet worden. Demgegenüber stellt die .Deutsche Taqesztg/ fest, daß weder jetzt noch in nächster Zeit eine Krists im Landwirtschaftsministerium zu erwarten sei. Vor einigen Monaten habe fich der Minister allerdings mirRücktrtttsgedanken getragen.

5 Jubiläum des Reichsgerichtes. Ein Viertelja hrhun der t wird am 1. Oktober d.J. verfloffen sein, seitdem das höchste deutsche Ge­richt, daS Rei ch sg e ri ch t in Leipzig seine Tätig- kett eröffnete; 25 Jahre reicher Arbeit liegen hinter demselben; 94 Bundes-ReichSgerichtSent- scheidungen find bis heute erschienen. Man darf sagen, daß es fast kein Winkelchen deS unge­heueren Rechtsgebietes gibt, in welches das Reichs­gericht nicht klärend hineing«leuchtet hätte. Aus Anlaß dieses Jubiläums bringt die .Nordd. Allg. Ztg/ einen längeren Rückblick, der mit den Worten schließ!: „Wie lebhaft und berechtigt auch die Wünsche einer Entlastung des Reichs­gerichts sind, überall herrscht Einmütigkeit in der Anerkennung des Segens, den dir Rechts­einheit dem deutschen Volke gebracht hat. Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß die Justizorgani­sation von 1879 sich eingelebt und im ganzen als wohlgeeignet erwiesen hat, den Bedürfniffen der Zeit gerecht zu werden."

* Eine Miuisterk-uferevz der Ihüri«. gische« Staate« hat gestern in Jena stalt- gefunden. An den mehrstündigen Beratungen nahmen die Staatsminister Rothe - Weimar, Hentig-Gotha und Borts-Altenburg, sowie die Staatsräte Dr. Kürbitz-Rudolstadt, Tiinks- Meiningen, Gräsel-Gera und Gersten-Altenburg statt. Es handelt sich um Angelegenheiten des Oberlandesgerichtes, da auch höhere Justizbeamte aus Preußen teilnahmen.

* Bei der h-ute im 2. Wahlkreise L««eb«rg stattgehabten Ersatzwahl zum Abgeordneten­hause wurde mit 157 ton 313 abgegebenen Stimmen Gutsbesitzer Hoyermann (n.) gewählt. Amtsgerichtsrat Frrydank (kons.) erhielt 155 Stim­men, der Deutschhannoveraner v. Hodenderg 1.

* * Bericht über die ges««dheitsschäd- licheu Folge« der Dürre. Der Kultus­

während bis h,r als höchste Höhe 0,38 Meter I vorgeschriebrn waren, und daß die alte Vorschrift, wonach der Abfahrt eines jeden Zuges ein Ach- tungsfigna! vorhergehen muß, -gestricyen worden rst, um das für das Publikum lästige Pfersen der Lokomotive möglichst einschränken zu können. Bei der Bearbeitung der neuen Ordnung wurde auf scharfe, leicht verständliche Fassung großer Wert aelegt.

* Die prevtzische« Sparkasse« haben sich, wie die .Statistische Korrespondenz' hervorhebt, n den letzten zwei Menschenaltern aus winzigen Anfängen zu achtunzgebieter.der Höhe entwickut; ie übertreffen heute bei weitem alle Hypotheken- lanken und landschaftlichen Kreditinstitute. Alle irrußischen landschaftlichen Kreditinstitute hatten 1902 zusammen für 2642 Millionen Mark Pfand­briefe im Umlauf, während die Sparkaffenan- lagen rund 7 Milliarden Mark umfaffen. Im Jadre 1839, dem ersten Jahre der Sparkaffen- Statistik, betrugen alle Einlagen zusammen erst 18,23 Millionen Mark; sie machten damals einen recht unerheblichen Bestandteil des gesamten preußischen Volksoerwögens aus. Bis 1850 waren die Sparkaffenetnlagen auch erst auf 54,36 Millionen Mark gestiegen, bis 1860 auf 151,38 Millionen. Eine bedeutende Rolle im Wirtschaftsleben spielen die Sparkaffen erst seit 1870, zu welcher Zeit ihr Bestand auf 495,65 Millionen angewachsen war, um bis 1902 weiter fast um das Vierzehn fache anzusteigen. Schätzt man das gesamte Volksvermögen in Preußen heute zu 100 Milliarden Mark, so machen die Sparkaffenwerte etwa 7 Prozent davon aus, während sie noch 1870 schwerlich auch nur s/<—1 Prozent erreichten. Die Einlagen der Sparkassen betrugen Ende 1871 578 Millionen Mark, 1881 1710 Millionen Mark, 1891 3406 Millionen Mark, 1901 6286 Millionen Mark und Ende 1902 6727 Millionen Mark.

« * Berlin, 20. Sept. 1904. Der Kaiser be­willigte für daS neue Stadttheatrr i« Thorn 10,000M. jährlich für drei Jahre. — Der Kronprinz ist gestern abend in Potsdam eingetrcffen. — Der StaatLoertrag zwischen dem Deutschen Reiche und der Oesterreichisch- Ungarischen Monarchie wegen Herstellung einer Lisen- bahnvrrbindung von Troppau über Katharetn und Piltsen nach Baulowitz vom 9. Januar 1904 ist Inder Sesetzsammlung publiziert worden. — Die Nachricht, daß in Posen daS lateinische Alphabet in den BolkSschuler nicht mehr gelehrt werden soll, ist, nach der ,Schles. Ztgvöllig erfunden.

* Dresden, 29. Sept. 1904. Aus Pillnitz wird von heute vormittag 9^2 Uhr gemeldet: Das Befinden des Königs ist heute wesentlich besser. Die Nahrungsaufnahme war gestern und heute früh reichlicher. In der vergangenen Nacht schlief der König fünf Stunden ununterbrochen, wodurch das Avgen.etr- befinden erheblich gehoben erscheint. Die aufge­tretenen Atmungsbeschwerden sind nur geringer Natur. Die auswärts verbreitete Meldung, daß sämtliche in Dresden lebenden Mitglieder der königlichen Familie in Pillnitz versammelt seien, ist vollständig unbegründet. Ständig anwesend ist nur Pür.zesstn Mathilde. Der Kronprinz und Prinz Johann Georg waren allerdings im Laufe des gestrigen nachmittags hier, um sich nach dem

Tom war zu sehr erregt, als daß er während der Nacht einen Augenblick hätte Schlaf finden können.

Und war konnte der Zettel enthalte«, dessen Jn- balt auf Boursault und Laura einen so tiefen Em- trrck gemacht hatte? Rührte er von dem jungen Mann her oder von einem Andern?"

Dieser blieb ihm unklar, mit größter Ungeduld erwartete er den andern Morgen. Er halte noch ver­sucht, Helene so viel wie möglich zu beruhigen und ihr dabei nur so viel berichtet, wie er nicht umgehen ko. nie.

Kaum war r Tag geworden, als er sich schon im Parke befand ünd nach der Bresche eilend, nahm er die Untersuchung von voriger Nacht wieder auf.

Niemand befand sich da, um ihn zu stören, Alles ichir» in nächttiche Ruhe versunken. Leicht konnte er die Spuren des Flüchtling« finden und ste bis zu der Stelle verfolgen, wo Albert sich ohnmächtig niederge­lassen hatte; aber hiermit schien jede Nachforschung abgeschnitten zu sein; ei blieb ihm also nichts übrig, als sich nach Merlac zu begeben.

Kaum war er in den Gasthof getreten, als zu feiner großen Freude Albert Billeneuve ihm entgegen- trat. Allerdings sah der junge Mann äußerst leidend aus, aber kaum hatte er den Alten bemerkt, als er chm die Hand reichte und ängstlich nach Helene fragte.

„Gott sei Dank! Fräulein Helene geht es gut", antwortete Tom, „aber wenn ich hier nach Merlrc gekommen bin, so ist eS nur, um mich nach Ihnen zu erkundigen. Sie find vergangene Nacht sehr unvor- sichtig gewesen, Herr Leutnant."

* Der rufflsch-japamsche Krieg.

In den japanischen Zeitungen wird ausnahmslos der Gedanke eines Friedens­schlusses unter den augenblicklichen Verhält­nissen zurLckgewiesen und Wetterführung deS Krieges verlangt. In einem Blatt wird ausge- sührr, daß ter Vorteil, den das engiisch-japanische Bündnis gebracht habe, eS empfehlenswert er­scheinen lasse, dieses Bündnis bei seiner Er- Neuerung auch aus Gebiete außerhalb Chinas und Koreas auszudehnen. Japans Interessen- sphäre müsse nach dem Friel ensschlusse in Ostosien erweitert werden. Als Gegenleistung könnte England auf die Hilfe Japans rechnen, falls seine Interesse» in Persim und Indien durch Rußland bedroht werden sollten.

Neber die Japan zur Verfügung stehende Reserve an Mannschaften macht in der Pariser .Patrie' ein soeben nach längerem Auf­enthalte in Ostosien zurückgekehrter Beobachter folgende Angaben: „Im Augenblick der Kriegs­erklärung gab es in Jcpan 1500100 nicht ein- ßeübte Reservisten im Alter von 19 bis zu 40 Jahren. In allen Ortschaften wurden zu ihrer Ausbildung militärische Uebungen unter der Leitung ron verwundeten Offizieren und Unter­offizieren veranstaltet, die man somit während ihrer Rekonvaleszenz dem Vater lande dienstbar machte. Die Reservisten wurden weder in Kasernen untergebracht, noch bezahlt; sie lebten in ihren Wohnungen weiter und mußten eifrig den militärischen Uebungen folgen, die in Trat- nierungsmärschen und Kompagniekcmpfen be­standen. In sechs Monaten sind diese Reservisten hinreichend ausgebildet worden, um als Ersatz­männer der gestorbenen oder verwundeten Soldaten der aktiven Armee verwendet zu werden. Die Moral dieser '.mprovisierlen Soldaten ist vor­züglich; ihr Patriotismus ist von den Erzählungen derer, die sie ausgebildet baben, entflammt worden. Aber bezüglich der physischen Ausbildung und des Wider standes gegen die Krankheiten sind sie den Soldaten der akttven Armee nicht gleichzu­stellen. Die Japaner haben die erforderlichen Kaders, um 30 Divisionen ins Feld zu schicken. Dank der Reserve aukgebtldeter Mannschaften, die ihnen auf diese Weise zur Verfügung fleht, können ste diese 30 Divisionen auf eine gar nicht zu be­stimmende Zeitdauer auf dem KriegSbestande er­halten. Aber die in den ersten Schlackten sehr hart mitgenommenen Kaders werden allmählich durch Offiziere und Unten ffiziere ersetzt werden müssen, deren Tüchtigkeit recht zweifelhaft er­scheint."

Obschon ein russisches Blatt dieser Tage ver­sicherte, daß infolge der strengen Einschließung von Port Arthur zu Wasser und zu Lande keine glaubwürdigen Berichte über die Lage in der Festung zu ei langen seien, weiß daS Bureau Reuter tagtäglich allerlei sensationelle Nachrichten zu melden, deren Glaubwürdigkeit

nichts erzählen von dem, wc-s sich zugetragen hat; eS bie>t zu nichts und würde sie nur im höchsten Grade ausregen; aber vor allen Dingen darf Boursault nrchtS eriahre«. Die zufällig gefundene «arte wird seinen Argwohn auf eine andere Bahn lenken, er ist sehr argwöhnisch und hat neben sich eine Person, deren Jntereffe es ist, ihn stets in diesem Mißtrauen zu be­stärken"

„Lama!" sagte Albert. „Wer ist ste? Ist sie noch jung?"

„Sie ist ungefähr 35 Jahre alt."

„Schön?"

„Sie ist von einer Schönheit, welche auf Bour­sault einen verderblichen Einfluß cuSübte . . ."

„Meso?" , ,

„Da, kann ich Ihnen vielleicht später emmal er­zählen; aber jetzt haben wir keine Zett zu verlieren, Venn da kommt die Post."

Bei diesen Worten reichte der alte Diener dem jungen Mann die Hand, un» stand im Begriffe fort- zu gehen, als ihm noch plötzlich ein Gedanke in den Sinn zu kommen schien. Er »tobte sich daher um und faßte: „ , ,

„Noch einen Rat, Herr Leutnant; bevor Sre in dm Wagen steigen, wird der Kondukteur vielleicht nach Ihrem Namen fragen, um denselben in sein Register einzutragen; sagen Sie alsdann nicht Ihren wahren Namen, derselbe könnte Sie leicht verraten, ; denn ich bin überzeugt, daß Boursault Erkundigungen । einzieht, ob ein Fremder hewe morgen hier abgereist i ist. Bedenken Sie» daß wir auf keinen Fall seinen i Argwohn erwecken dürfen."

: Rasch wurden die Pferde angespannt, und Albert

war inzwischen in daS Kuvee gestiegen. Er glaubte allein zu reisen, aber zu seiner Ueberrafchung sah tc ! den fremden, mit welchem er vor zwei Nächten gereist war, in der anderen Ecke.

! SS war in der Tat Nivert, der ans Joufcc zurück- kchrle, auf dieselbe Weise vermummt, die Mütze Über

; I die Lugen gezogen und daS Halstuch über dal Ruin. (Z. f.)

Minister hat von den ihm untergeordneten Be- Hörden einen Bericht über dis Störungen er- beten, die sich auf dem Gebiete der Wasserver- sorauna und Abwässerbeseiligung infolge der an­haltenden Dürre dieses Sommers bemerkbar ge- macht haben, und über die dadurch verursachten hygienischen Unzuträglichkeiten und etwaige Ge­sundheit schädigungen. Auch wünscht der Kultus­minister nach der .Franks. Oder-Ztg.' dabei gleichzeitig zu erfahren, in welcher Werse und mit welchem Erfolge die herrorgetretenen Miß­stände bekämpft worden sind, und welche Maß­nahmen nach den gemachten Erfahrungen geeignet scheinen, der Wiederkehr der bet der diesjährigen Dürre hervorgetretenen gesundheitlichen Miß­stände wirksam vorzubeugen. , r

* Entwurf einer «e«e« Eiseubahube- triebsord«u«g. Dir .Reichsanz/ schreibt: „Wie schon früher mitgeieilt, war das Reichs- etsenbahnamt seit längerer Zeit im Einvernebmen mit den am Eisenbahnwesen meistbeteiligten Bun­desregierungen damit beschäftigt, die vom Bun­desrat für den Bau und den Betrieb der Eisen­bahnen erlassenen Ordnungen, nämlich die Normen für den Bau und die Ausrüstung der Haupt- eisenbahnen, die Betriebsordnung für die Haupt­eisenbahnen und die Bahnordnung für die Neben­eisenbahnen, den heutigen Anforderungen ent­sprechend umzu gestalten und sie in eine einzige Ordnung zusammenzufassen. J.tzt ist der im Retchsesenbahnamt aufgrstell e Entwurf einer neuen Eisenbahnbau-und Betriebsordnung, nach« dem er mit Vertretern der Regierungen in zwei Konferenzen, zuerst im Frühjahr 1903 und in zweiter Lesung im Frühjahr 1904, auf daS sorg­fältigste durchberaten wurde, dem Bundesrat zu- gegangen. Er enthält in Abschnitten die allge­meinen Vorschrif.en für den Bau neuer und den baulichen Zustand bestehender Bahnen, . für den Bau, die Ausrüstung und Unterhaltung rer Fahr­zeuge, für die Handhabung deS Bahnbetriebes und der Bahnpolizei und endlich Bestimmungen für das Publikum. In die Abschnitte über Bahn­bau und Bahnbetrieb ist eine Reihe neuer, die Sickeryeit im Eisenbahnwesen betreffen- der Vorschriften ausgenommen; verschiedene, bisher nur für Hauptbahnen giltige Bestimmungen wurden auf die Nebenbahnen ausgedehnt; weg- gelaffen sind von den älteren Vorschriften alle diejenigen, die mehr den Charakter von Aus­führungsbestimmungen trugen und deshalb in die Dienstanweisungen der einzelnen Beamten­klassen gehören, wie auch solche Vorschriften, die nur allgemein anerkannte Regeln der Bau- und Maschineningenieurwiffenschoft enthielten. Von Jntereffe wird eS sein, daß für Hauptbahnzüge unter besonders günstigen Verhältnissen eine größere als die bisher gestattete Höchstgeschwin­digkeit von 100 Kilometer in der Stunde zuge­lassen werden kann, und daß als Höchstgeschwin­digkeit auf Nebenbahnen, statt bisher 40 Kilom., unter gewissen Bedingungen 50 Kilometer in der Stunde statthaft sein sollen. Auch mag er- wähnt werden, daß in Zukunft Personenbahn­steige in einer Höhe von 0,76 Meter über Schie- nenoberkante allgemein zulässig sein werden,

„Meio?" fragte Albert, ein Erstaunen heuchelnd.

Tom zog die Brieftasche hervor und überreichte diffelbe, indem er lächelnd hinzufügte:

„Alles ist glücklicherweise gut abgelaufen, allein Sie hätten daS junge Mädchen sehr gefährden können."

„Ich ließ mich von meinem Herzen vielleicht zu sehr beherrschen, ich konnte die Stätte, wo sie wellt, noch nicht verlassen."

„Sind Sie schwer verwundet?"

„Die Wunde hat nichts zu sagen." „Sie werden doch nun abreisen?" „Ich warte auf die Post."

„Bevor wir ur.S trennen, gestatten Sie mir noch eine Frage. Enthält Ihre Brieftasche nicht ftemde Papiere oder vielleicht Visitenkarten?"

„Visitenkarten?" sagte Albert nachdenkend, „daß ich nicht wüßte. Doch halt", ffgte er nach einem Weilchen hinzu, „jetzt erinnere ich mich, daß ich die Karte nebst Adresse eines Fremden in der großen Oper erhalten habe. Vermutlich wird eS dieselbe fein; die Adresse habe ich vergessen, aber des Namens er­innere ich mich wohl."

„Wie hieß er?"

„Christian Fersen."

Tom wurde bleich wie der Tod, er hatte Mühe, sich auftecht za erhalten.

„Christan! Christian Fersen! wiederholte er ganz erschüttert.

Albert blicke Tom erstaunt an.

„Sie kennen chn also?" fragte er den alten Diener, der noch in Gedanken versunken war.

„Wo baben Sie seine Bekanntschaft gemacht, Herr Leutnant, und wie fand dieses Zusammentreffen statt?"

Albert erzählte nun, was sich an dem bewußten Abend in der Oper zugetragen hatte.

„Christian Fersen, wiederholte er nochmals ge­beugten Hauptes und verstörten Blickes. „Die Sache ist so wu iderbar, daß ich Ihren Worten kaum Glauben schenken kann. Ter Unglückliche wohnte also der Bor- stellung bei?"