scheint täfllich. mit Zunahme der 5onn- WdZeiertage. viertel^ lMl.v«;ugrpreir jHnr vringerlohn und xeßeLgeld in Fulda und ggsroärts l Rkk. 50 Pffl
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druck und Verlag der ZuldaerSktiendrucker^ in Fulda (Harmonie!
Fernsprecher Nr. 9„
Maer W Zeitung
rchriftleiter:Zof.vaum
$o parzeller in Fulda. Wochenbeilage: „Illustrierte Soimtagszeitung" Monatsbeilage: „Zuldaer GeschichtöÄätter".
JV1 SSS.
Sölöa, Mittwoch, den 28. September 1904.
31. Jahrgang.
Zweitesglatt i
U „proletarische Zentrums- agitatoren".
Einer besonderen Aufmerksamkeit seitens der Sozialdemokratie erfreut sich in letzter Zett die Zentralstelle des Volksvereins fürdas katholische Deutschland. Hat der in der vergangenen Woche abgehaltene sozialdemokratische Parteitag in Bremen ihr wiederholt bestätigt, daß die Organisation des Volksvereins das beste
Port Arthur
ist »war noch nicht gefallen, aber lange wird es stch wohl nicht mehr halten könne«. Auch sonst wird der Krieg in Oftafien voraussichtlich in nächster Zeit den Zeitungen vielen und intereffanten Stoff bieten. Nicht minder dürften wohl das allgemeine Interesse in Anspruch nehmen die Vorgänge im eigenen Lande sowohl wie auch in übrigen Hauptstaaten Europas. Unter solchen Umständen ist das Lesen einer Zeitung, die täglich über all diese Dinge rasch und zuverlässig berichtet, ein Bedürfnis für jedermann, der für die Vorgänge auf der Weltbühne Sinn und Interesse hat.
Katholiken! Lernt von unseren Gegnern, die da unermüdlich sind in der Verbreitung ihrer Presse. Der hl. Vater, die H. H. Bischöfe, die geistlichen und weltlichen Führer der Katholiken und die Katholikenversammlungen haben es wiederholt als eine Pflicht eines jeden Katholiken bezeichnet, nach besten Kräften an bir Verbreitung der katholischen Presse mitzuarbeiten. Katholiken seit eingedenk dieser Mahnung! Haltet die gegnerische Presse fern aus euern Häusern und sorget dafür, daß in jeder katholischen Familie ein katholisches Blatt gelesen wird.
Anläßlich des Quartalswechsels laden wir daher unsere verehrten Leser zu recht zahlreichem Abonnement ein und richten zugleich die Bitte an sie, uns in der Gewinnung neuer Abonnenten durch Empfehlung in Freundeskreisen nach Kräften zu unterstützen. Um bei dem herannahenden Quartalswechsel unliebsame Störungen zu vermeiden, ist es gut, wenn man schon jetzt bei den Postanstalten die Bestellung bewirkt, was am einfachsten durch den Briefträger geschieht.
Die ,8»ldaer Zeitung'
mit der achtseitigen Gratisbeilage
Illustrierte Sonntags «Seitung*
ist das einzige täglich erscheinende Blatt der Zentrumspartei in der Diözese Fulda und im Regierungsbezirk Kassel; sie behandelt die neuesten Tagesfragen in allgemein verständiger Weise. Die politischen Fragen werden kurz und übersichtlich besprochen; den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonderes Gewicht gelegt. Zahlreiche zuverlässige Mitarbeiter in Berlin, sowie in der Provinz setzen uns in den Stand, über alle wichtigen Ereignisse bedeutend früher zu berichten als die anderen Blätter hiesiger Gegend.
Durch ausgibige Benutzung des Fernsprechers sind wir in der Lage, über alle bedeutenden Vorkommnisse in der Welt rasch mi berichten. Durch Vertrag mit dem Wolff- fchen Depeschenbureau haben wir uns die lieber« Mittelung der
wichtigsten Depeschen aus dem In- und Auslande
gesichert. Diese Einrichtung hat bei unseren Lesern große Anerkennung gefunden. Bei besonderen Anlässen erleichtert die ,Fuldaer Zeitung' das Verständnis der Artikel durch
Karten und Illustrationen, wie überhaupt weder Kosten noch Mühen gescheut werden, wenn es gilt, das Blatt zu vervollkommnen.
Den zahlreichen Freunden der G eschi ch te unserer Vaterstadt wird die Beilage unserer Zeitung:
„Wdaer Geschichtsblatter", die monatlich erscheinen, hochwillkommen sein.
Die amtlichen Bekanntmachnngen, Holzverkäufe, Marktberichte sowie die vollständigen Ziehungsliste« der Preußischen Klaffenlotterie und ähnliche Anzeigen von allgemeiner Wichtigkeit werden aus den für unseren Leserkreis in Betracht kommenden Kreisen sämtlich in der ,Fuldaer Zeitung' veröffentlicht.
Mögen deshalb unsere Freunde in Stadt und Land dafür sorgen, daß die »Fuldaer Zeitung' nicht nur in jedem Wirts Hause aufliegt, sondern auch in jeder katholischen Familie zu finden ist.
Re« hinzutretende Abonnenten erhalten vom Tage der Bestellung ab bis Ende September die Zeitung umsonst.
Bollwerk gegen das Vordringen der Sozial« dkmokratie ist, so befaßt sich der .Vorwärts' (Nr. 222) zu gleicher Zeit mit den von der Zentralstelle veranstalteten SozialenKursen, um gegenüber den hier ausgebildeten „Prole- torischen Zentrumsagitatoren" den Parteivorstand für eine Unterstützung der Genosien im westlichen Deutschland willfährig zu stimmen. Die Teilnehmer an dem Kursus sind bekanntlich entsandt von kath. Arbeitervereinen oder christlichen Ge« werkschaften und sollen später als Arbeiter« sekretäre, Gewerkschaftssekretäre, Redakteure von Arbeiterblättern, Arbeiterredner rc. stch der Förderung der christlichen Arbeiterbewegung widmen. Aus den früheren Kursen sind bereits eine ansehnliche Reihe christlicher Arbeiterführer hervor« gegangen, die erfolgreich wirken und die der .Vorwärts' nun ohne weiteres zu „Zentrumsagitatoren" macht.
Wie der .Vorwärts' behauptet, werden die Teilnehmer an dem Kursus in erster Linie ausgebildet zum Kampfe gegen den „Drachen Sozialismus"; denselben werden nach ihm „einige Phrasen euigepaukt", um dann auf die katholischen Arbeiter losgelaffen zu werden, „um diese in ihrer Beschränktheit zu erhalten". Diese Leute seien tatsächlich sehr gute Agitatoren für daS Zentrum. Da die Geistlichkeit an Ansehen auch bei den katholischen Arbeitern verloren habe (?), sei man auf die Idee der Arbeiteragitatoren verfallen. Letztere erschwerten den Genoffen doch den Kampf, das sei eine Tatsache, die nicht wegzuleugnen fei. Deshalb sei es Pflicht der Gesamtpartei, die Genoffen in den westlichen, „zurückgebliebenen" Gegenden mit aller Kraft zu untex« stützen.
In seinem blinden Haß gegen das Zentrum und die christliche Arbeiterbewegung hat sich der .Vorwärts' einmal wieder zu Behauptungen hinreißen laffen, die bei näherem Zusehen stch bald als Entstellungen und Unwahrheiten erweisen. Die Teilnehmer an dem sozialen Kursus sollen in erster Linie, wie oben bereits ausdrücklich betont, geschult werden zur Förderung der christlichen Arbeiterbewegung. Wenn der .Vorwärts, dagegen behauptet, sie sollten in erster Linie zum Kampf gegen die Sozialdemokratie ausgebildet werden und diese Behauptung durch einige auf dieselbe bezüglichen Themata zu stützen sucht, so begeht er eine bewußte Entstellung, indem er den weitaus größeren Teil der auf die Arbeiterfrage bezüglichen Themata einfach unterschlägt.
Daß eine Arbeiterbewegung in erster Linie von Arbeitern gemacht werden muß, wenn sie gesund und erfolgreich sein soll, das ist ein Gedanke, der ganz selbstverständlich ist, und dem auch die sozialen Kurse entsprungen find. Damit fällt auch die Behauptung, die „Arbeiteragitatoren" sollten die Geistlichkeit ersetzen, weil diese an Ansehen verloren habe, in ihrer ganzen Haltlosigkeit zusammen. Oder bestellt etwa die Sozialdemokratie ihre „Akademiker" zu Gewerk- schafts-, Arbeiteisekretären rc. ?
Wenn der .Vorwärts' betont, es würden den Arbeitern „einige Phrasen eingedrillt", um in demselben Atem weiter fortzufahren, dieselben erwiesen stch doch tatsächlich „als sehr gute Agitatoren“ für das Zentrum, so beweist das, daß die Phrasen doch wohl nicht so minderwertig stnd, wie der .Vorwärts' dies gerne hinstellen möchte; denn so fürchterlich „dumm" und urteilslos sind die katholischen Arbeiter denn doch nicht, daß fie sich einfach durch „Phrasen" betören ließen. Dieselben scheinen int Gegenteil eine gute Ueberzeugungskraft zu besitzen, wie aus den Schwierigkeiten, die die sozialdemokratische Agitation im westlichen Deutschland findet, her« oorgehen dürfte.
Es macht dem .Vorwärts' wenig Ehre, wenn er als Arbeiterblatt christliche Arbeiter, die sich einem mehrmonatlichen, anstrengenden Studium, zum Teil unter großen persönlichen Opfern, hingeben, spöttisch vorwirft, fie ließen stch auf „einige Phrasen" eindrillen. Zudem zeugt eine derartige Behauptung von einer groben Leicht- fertigteit, da der Gewährsmann des .Vorwärts' überhaupt keinen Einblick in daS Getriebe eines derartigen Ausbildungskursus hat. Daß christliche Agitatoren natürlich an sozialdemokratische, die im Besitze des Sozialismus, also „ausgerüstet mit der ganzen Wiffenschaft des Jahrhunderts" das letztere in die Schranken fordern, bei »eitern nicht heranreichen können, ist in den Augen jedes waschechten Sozialdemokraten selbstverständlich und rührt daher, daß auf beiden Seiten eben daS Maß der Bescheidenheit verschieden ist.
Im übrigen darf der ,Vorwärts' und mit hm die ganze Sozialdemokratie versichert sein, >aß sie an den „proletarischen Zentrumsagitatoren" auch in Zukunft wenig Freude haben werden. Dieselben werden ihnen noch manche Nuß zu knacken geben.
Mamsell Brigitte.
Skizze von Ulla Lindner.
Nachdruck verboten.
ÜR. „347 — 348 — 349 --" Mam
sell Brigitte saß da und rechnete halblaut mit trockener Stimme, während die Augen von Jnte- reffe strahlten, und jedesmal, wenn fie zehn Stücke abgezählt hatte und die schweren silbernen Taler auf dem Tisch vor fich aufstapelte, kam ein glückliches Lächeln auf dem ernsten Antlitz zum Vorschein.
Sie war nicht mehr in der Blüte ihrer Jugend, die Mamsell Brigitte. Das sah man an der rundlichen Figur und den vielen kleinen Runzeln um die Augen und Mundwinkel. Aber das dunkle, glänzende Haar hatte noch keinen einzigen grauen Streifen, und die braunen Augen waren klar und lebhaft.
In dem ganzen großen Hause war es still und ruhig.
Der Graf und die Gräfin waren verreist, und die Kinder schliefen schon den festen Schlaf der Jugend. Die alte Frau Gräfin hatte sich in ihre Gemächer zurückgezogen, und die Dienstboten waren in dem benachbarten Städtchen, um der Vorstellung einer Seillänzertruppe beizuwohnen. Nur Mamsell Brigitte war zu Hause geblieben, — einer mußte doch da sein und nach dem Rechten sehen. Auch die Gesellschafterin der alten Gräfin, Fräulein Sophie Charlotte Crone, war wahrscheinlich auf ihrem Zimmers ober um ihre Herrin beschäftigt.
Mamsell Brigitte hatte daS Abendbrot für die gnädige Frau fertig gemacht und fich bann in ihre kleine Kammer neben der Küche zurückgezogen. Hier hatte fie die Tür zugeriegelt, um ganz allein für sich zu sein. Jetzt saß sie mit einem ganzen Haufen klingender Münzen irn Schoß da und rechnete.
Als alles zu kleinen Haufen geordnet war, rechnete sie von neuem „Fünfhundert und vier- undsechzig! — Ja, ja, das ist nicht so wenig! — Fünfhundert; — Daß fie so viel hatte, wußte fie; daß sie aber ganze vierundsechzig Taler darüber gespart hatte, war ihr eine angenehme lleberraschung.
Das war ja ein kleines Vermögen. Sie hatte aber auch volle fünfzehn Jahre dazu gebraucht, es zusammenzusparen. Seit ihrem fünsund» zwanzigsten Jahre hatte fie keinen Groschen unnötig ausgegeben.
Seit ihrem fünfundzwanzigsten Jahre hatte sie stch mit einem bestimmten Plan getragen. Damals hatte Olaf Larffon, der Buchhalter auf dem Stammgut, mit ihr verabredet, daß fie sich, wenn sie dermaleinst so weit wären, heiraten wollten.
Larffon war ctn ruhiger, verständiger Mann, fleißig, Überlegend und vorsichtig. Er faßte so leicht keinen Entschluß; war ein solcher aber einmal in feinem Kopfe gereift, so war er nicht wieder davon abzubringen. Er war pflichtgetreu, ehrlich und zuverlässig, das wußte Mamsell Brigitte, und deshalb schätzte fie auch den Buchhalter.
Fünfhundertundvierundsechzig — daS würde genügen.
In den letzten Jahren war Olaf Larffon fein eigener Herr gewesen. Er hatte nämlich einen kleinen Besitz gepachtet. Anfänglich wollte es nicht recht gehen, nach und nach wurde es aber beffer und besser. In feinem letzten Brief schrieb er froh und hoffnungsvoll und sprach auch schon von der Hochzeit. Nur müsse er erst ganz schuldenfrei fein.
Es fehlten ihm im ganzen noch sechshundert Taler. Fünfhundertundoierundsechzig lagen jetzt vor ihr auf dem Tische, und außerdem hatte sie noch zwanzig Taler Lohn zugut. — Mamsell Brigitte rechnete aus, wie groß ihr gesamtes Vermögen war. Sie besaß also 584 Taler. Damit konnte fie bis auf eine Kleinigkeit Olafs Schulden bezahlen. -
Sie klatschte vergnügt in die Hände. Also, noch ehe sie es fich gedacht hatte, konnte die Hochzeit stattfinden. Sie mußte sofort schreiben und dem guten Olaf die freudige Botschaft melden.
Langsam begann fie, den kleinen Geldhausen wieder in den braunen runden Geldbeutel zu stecken. Sie faßte fie so vorfichtig an, als seien fie von Glas und als fürchte fie, fie zu zerbrechen.
--Sobald Olaf geantwortet hatte, wollte fie der Gräfin Mitteilung machen und fie bitten, raß fie fich nach einer anderen Haushälterin umsehe.
— Eine andere sollte hier schalten und walten, wo fie neunzehn lange Jahre die Wirtschaft geleitet hatte. Es wurde ihr schwer, den Gedanken zu fassen!--Die Herrschaft und
die Kinder würden fich ungern von ihr trennen, und die Kleinen würden auch ihr sehr fehlen.
Aber vielleicht würde sie selbst---
Mamsell Brigitte dachte den Gedanken nicht au8, sondern wurde plötzlich ganz rot und fing an, mit dem vielen Gelde zu raffeln und zu klappern.
Arbeit würde sie genug vvrfinden; daran war sie ja aber gewöhnt. Sie band den Geldbeutel fest zu, legte ihn auf den Boden ihrer Truhe und drehte den Schlüffe! um.
Jetzt wollte sie Sophie Charlotte auffuchen und sie bitten, für sie an Larffon zu schreiben.
Sophie Charlotte konnte so schön schreiben. Sie hatte schon mehrere Postkarten für sie an Olaf Larffon abgefaßt, und Olaf freute fich immer so sehr, wenn sie ein Lebenszeichen von sich gab. Und in einigen Tagen war sein Geburtstag. Er wurde 46 Jahre. Statt der einfachen Karte sollte er jetzt einen langen, inhaltsreichen Brief haben.
Wie glücklich ihn die frohe Nachricht machen würde! Ganz deutlich sah sie sein gutmütiges Lächeln und die kleinen, freundlichen, blauen Augen, die förmlich strahlen konnten. Ach ja, es war doch beffer, sein eigenes Heim zu haben, als fremden Menschen zu dienen. Und an Olaf Larffons Seite würde sie schon glücklich werden.
AIS sie an Sophie Charlottes Tür klopfte, erhielt sie keine Antwort. Die Gesellschafterin hatte zwei kleine Zimmer, von denen daS erste als Wohnraum, das zweite als Schlafstube diente. Da drinnen alles ruhig war, nahm Mamsell Brigitti an, daß Sophie Charlotte sich gerade im Schlafzimmer befinde und deshalb ihr Klopfen nicht gehört habe.
Sie eilte in das Schlafzimmer. Da bot fich ihr ein herzzerreißender Anblick. Das junge, liebe Wesen, das sonst immer so munter und freundlich war, lag, den Kopf gegen die Kiffen ihres Bettes gepreßt, und weinte bitterlich und unaufhörlich.
Großer Gott! Die Gnädige hatte sie gewiß wieder hart angefahren. Die alte Frau Gräfin war so launenhaft. War sie auch herzensgut, so konnte sie fich oft Über Kleinigkeiten ärgern.
Mamsell Brigitte kannte fie nur zu gut, und e8 war nicht das erstemal, daß fie Sophie Charlotte in Tränen aufgelöst fand. Dann hatte fie das Fräulein immer getröstet, und somit war sie nach und nach ihre Vertraute geworden, der Sophie Charlotte nichts verbarg.
Nichts? Nun ja, fie wußte, daß das arme Mädchen ihre Eltern früh verloren und eine trübe Jugend verlebt hatte.
Mamsell Brigitte stand jetzt vor Sophie Charlottes Bett, tröstete, holte ihr Wasser und herzstärkende Tropfen, die fie bei derartigen Ge- legenheiten stets mit Erfolg anwandte, und richtete sie auf. Nachdem Sophie Charlotte an dem Glas genippt hatte, ließ das Schluchzen nach. Sie schien stch allmählich zu beruhigen. Die Mamsell legte ihren Arm um fie und führte fie zu der Chaiselongue, wo das junge Fräulein ihren Kopf an der Brust des alten Mädchens barg.
Nach langem Zureden ermannte Sophie Charlotte fich schließlich und berichtete, zwar noch zögernd und mit häufigen Unterbrechungen, daß die alte Frau Gräfin ihr kein böses Wort gesagt habe, daß fie sogar in letzter Zeit befon« ders freundlich zu ihr gewesen und fie zu ihrem Geburtstage reich beschenkt habe.
Es war aber eine andere Sache, aus der fie keinen Ausweg wußte. Sophie Charlotte liebte, liebte seit ihrer frühesten Jugend einen Gespielen ihrer Kindheit.
Seit frühester Jugend, war es möglich? Und davon hatte fie ihr, ihrer Vertrauten und Trösterin, nichts gesagt? Mamsell Brigitte wäre beinahe böte geworden.
Und jetzt sei alles vorbei.
Ob er fie verlassen habe?
Nein, wie fie so etwas von Knud Hennigs glauben könne!
„Knud Hennigs, sagen Sie, Fräulein? Mein Gott, Ist es der Sohn des alten Lotsen? — Ja, es stimmte. Der Auserwählte war der einzige Sohn des Lotsen Knud Hennigs, der die zehnjährige Brigitte, wie so viele andere, bei der großen Sturmflut vom sicheren Tod des Ertrinkens gerettet hatte. Die Berichte über die kühne Tat machten damals ihren Weg durch die ganze Welt, und der brave Lotse wurde vom König, der ihn auf's Schloß kommen ließ, eigenhändig mit der Rettungsmedaille dekoriert.
Mamsell Brigitte war im höchsten Grade gespannt. Der Name ihres Lebensretters ließ die letzte Spur von Erbitterung über das mangelnde Vertrauen verschwinden. Der junge «s war Uhrmacher und hatte durch Fleiß
asdauer ein kleine? Kapital erübrigt, mit dem er das gutgehende Geschäft seines alten Lehrherrn kaufen wollte. Seine Ersparnisse