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Nm-t-beilag«: „ZMaer SeschichMM«".

Druck und Verla- dj 8uldaerActiendruckeÄ te Salbe (harmo«i< Sernsprecher M 9.

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wochmbrlllW!Illustrierte SomMgszeitung"

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Sringerlsh« und L^lgelb in Hulda und SÄtstlBLSOPfe,

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Kllda, Freitag, den 23. September 1904

(Nachdruck verboten.)

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u Deukches-Keich..

August trägt im großen und ganzen dasselbe Ge­präge wie derjenige des vorangegangenen MonatS und weist die der Jahreszeit eutsprechendm Züge auf. Störend wirkte auch im August die unge­wöhnliche Trockenheit auf die Gestaltung der Binnenschiffahrt und dadurch auf den Gang ver­schiedener Industrien, namentlich deS Bauge­werbes und der Papierindustrie, ein. Im Kohlen­bergbau und in der Roheisenindustrie hat eine Belebung nicht stattgefunden, während die Ma- schiien- und Metallindustrie ebenso wie die meisten Zweige der rheinischen Industrie im wesentlichen zufriedenstellend beschäftigt waren. Die Arbeitslage in einzelnen Zweigen der Textil­industrie war nach wir vor ungünstig, die ge­samte Bsumwollindustrie leidet stark unter den großen Preisschwankungen des Rohstoffes. Die Arbeitsnachweise entwickelten eine sehr lebhafte Vermittelungstätigkeit. Die berichtenden Kranken- kaffen wiesen eine Zunahme von 18,317 in ihrer Beschäftigungsziffer auf gegen eine Abnahme von 3157 im Juli und von 9247 im Juni; gegen­über dem Vorjahr stieg die Ziffer um rund 15,000 Personen. Die Einnahmen aus dem Güterverkehr der deutschen Eisenbahnen waren im August um 6,085,154 Mk. höher als im ent­sprechenden Monat in 1903, das bedeutet eine Mehreimwhme von 86 M. oder 3,78 v. H. auf das Kilometer gegen das Vorjahr.

v Berlin, 22. Eeptbr. 1904. In der Presse ist verbreitet worden, der Kaiser habe während seines jüngsten Besuches in Altona die dortigen Polizei­behörden wegen ungenügender AbsperrungSmaßregeln getadelt und die Bestrafung einzelner Beamter ange­ordnet. Die ,Nordd. Allg. Zig/ stellt fest, daß an dieser Geschichte kein wahres Wort ist. — Generalarzt Dr. Schaper, der ärztliche Direktor der Charitö, tritt am 1. Oktober in den Ruhestand, da er sich den An­forderungen des Dienstes körperlich nicht mehr ge­wachsen fühlt.

• Der russisch-japanische Krieg.

Trotz des fortwährenden Mißgeschickes will Rußland keine Friedensoermiitlung. In der jüngsten Zeit find in verschiedenen Formen Ge­rüchte aufgetaucht, denenzufolge es im Bereiche der Wahrscheinlichkeit liegen würde, daß in einem nahen Zeitpunkte von der einen oder anderen Macht der Versuch einer Friedensoer- Mittelung zwischen Rußland und Japan unter­nommen werden wird. Demgegenüber ist der Wiener,Pol. Korr.' aus unterrichteten Kreisen d. h. wohl direkt von der ruffischen Regierung, die Aufklärung zuteil geworden, daß diese An­gaben schlechterdings jedes praktischen Wertes entbehren, da etwaige Vermittelungs. Aner­bietungen nicht die geringste Aussicht haben würden, an den maßgebenden ruffischen Stellen irgendwie in Erwägung gezogen zu werden.

Wie dem ,Daily Telegraph' aus Tokio, den 21. d. Mts. telegraphiert wird, meldet.ein dort am 30. d. Mts. eingetroffener Bericht des Marschalls Oyama: „Eine feindliche Ab­teilung in der Stärke von wenigstens vier Bataillonen Infanterie, 8 Schwadronen Kavallerie und 8 Geschützen aus der Richtung von Fuhsu und eine andere aus der Gegend von Mulden

ihrer Tesche einen Brief gezogen hatte und ihn zu lesen begann.

Der Inhalt desselben schien ihr süße Erinnerungen wach getufen zu haben, ein freundliches Lächeln spielte um ihre Lippen, Tränen der Freude erschienen an den Wimpern der schönen, blauen Augen.

In dem Augenblicke der «breite, wo sie sich allein auf dem Posthofe befand, hatte sich Albert ihr mit der dringenden Bitte genähert, den Brief anzunehmen.

Dar lange Mädchen hatte nicht den Mut gehabt, hn zurückzuweisen. Sie wußte nicht, was der Bries enthalten konnte; ein dringender Wunsch, ihn zn lesen, i satte sich ihrer bemächtigt.

Sie ha.te die ganze Nachr gewartet, ohne die Ge­legenheit hierzu zu finden. Endlich, beim Anbruch des Tage-, als sie sich allein fand, öffnete die zit­ternde Hand da- Kuvert, und ihr Blick überflog die wenigen Zeilen, welche an sie gerichtet waren.

Schon bei den ersten Worten empfand sie eine peinliche Herzbeklemmung:

„Mein Fräulein!

.Verzechen Sie meine Freiheit; in keiner Wesse möchte ich Sie beleidigen, bitte na: das Leiden des­jenigen zu berückfichtigen, der Ihnen dieses schreibt. Seit dem Augenblicke, wo ich Sie wieder gesehen habe, bin ich nicht wieder zu mir gekommen. O, wie svll:e ich Sie Wiedersehen! Er ist als. wahr, Sie lieben mich nicht mehr, Helene! Er gibt Augenblicke, n welchen ich mit als Spielzeug der schrecklichsten Traumgebssde vorkomme.

„Sollte eS denn wahr sein, daß meine Helene nicht mehr lebt? Und wf n sie t-bt, sollte ste mich nicht wieder erkannt Haven, und bei dem Wieder­erkennen mir »Ocht einen freundlichen Bl ck ge­gönnt haben? Sie sehen eS, mein Fräulein, diese» klingt wie Wahnsinn; ich liebe unaussprechlich ei' junge» Mädchen, so schön wir Sie, aber sie ist rot! So hat man mir wenigsten» gesagt, allein ich kann e» nicht für mögt ch halten. Al» ich Sie

wunderbare Hügungen.

<Kne Erzählung, übersetzt aus dem Italienischen von L. Beinhorn.

Berlin, den 22. September 1904.

** Die auch von uns verzeichnete Nachricht eines Berliner Korrespondenzbureaus, der Ober« Präsident von SchleSwig-Holstein, Freiherr von WilnowSki, sei als Nachfolger deS Herrn v. Hammerftei« zum Minister des Innern ausersehen, und der Kaiser habe anläßlich seines Aufentsaltes in Holstein zu den Kaisermanöoern dem Oberpräfiaenten selbst seine bevorstehende Berufung mitgeteilt, entbehrt, wie daS,B. T.' aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, jeglicher Begründung.

* Im Ministerin« des Inner« wird eine umfangreiche Denkschrift ausgearbeitet, in der Minister Frhr. v. Hämmerst ein die Er- gebnisse seiner Studienreise nach Paris und London milteilen wird.

(*) liebet den zukünftige« Wohnsitz be i Kronprinzen weiß das ,Potsd. Tagebl.' fol­gende Angaben zu machen: „Bald nach seiner Mitte Januar nächsten Jahres bevorstehenden Vermählung wird der Kronprinz die Zimmerflucht der 2. Etage des hiesigen Stadtschlosses b-ziehen, die zum Teil auch der Kaiser als Prinz bewohnt halte. Es sind dies die Zimmer mit 29 Fenstern Lustgartenfront, die sich von der Engeltreppe bis über die Rampe hinaus ausdehnen, womit die alte Tradition, daß unsere Kronprinzen Potsdam zu ihrem Wohnsitze erwählen, gewahrt bleibt. Die notwendigen baulichen Umänderungen wer­den mit der größten Beschleunigung zur Ausfüh­rung gelangen. Dasselbe gilt auch bezüglich der in derselben Etage an der Humboldtstraßenftont vorgesehenen Kavalier-Wohnungen. Gleichzeitig erfährt der am Kastanienwäldchen neben der Re­gierung im Bau begriffene Marstall, der ursprüng­lich für 18 Pferde vorgesehen war, eine größere Ausdehnung, sodaß er zur Unterbringung von 40 Pferden genügt."

§ Zu den Hnudelsver trägen wird der ,Voff. Ztg.' aus Bern gemeldet: „Zuverlässige Meldungen aus Luzern bestätigen, daß die Handelsvertragsunterhandlungen zwischen der Schweiz und Deutschland auf unerwartet große Schwierigkeiten stoßen. Dem .Bund' zu­folge denkt man daran, die schweizerischen Unter­händler nach Bern kommen zu lassen, um über neue Instruktionen mündlich mit ihnen zu be­raten.

* Der König von Sachsen ist nach amt­licher Meldung seit mehreren Tagen an einem Luftröhren, und Bronchialkatarrd er­krankt und daher genötigt, das Zimmer bezw. das Bett zu hüten. Fieber besteht nicht. Die vergangene Nacht war durch starken Hustenreiz und dadurch vermehrte Atemnot vielfach gestört.

* Nach den Veröffentlichungen des statistischen Bureaus betrug 1875 die Zahl der Geistes­kranken 18 267 und zwar 9856 männliche und

Nivert konnte allerdings weder Bomsault, noch die in seiner Gesellschaft sich befindende längere Same, ebenso wenig auch den dritten Reisenden, der in dem Abteil Platz genommen hatte, hielt ei ober für seine Pflicht, nichts zu vernachlässigen; denn in seinem Berufe konnte selbst der geringste Umstand zum Ziele führen.

Während der ersten Stunden der Reise ereignete sich allerdings nicht» Auffälliges; man hatte schon mehrere Stationen erreicht und Nwert, von der un- mnerbrochenen Bewegung des Postwagens eingewiegt, dar bald in tiefen Schlaf versm-ken.

Der Tag war schon angebrochen, al» er erwachte, düster und nebelig wie ein echter Herbsttag. Der Sagen hatte einen langen und stellen Berg zu be- l<chren und es schien den armen Pferden schwer zu dttd-u. Endlich konnte man an dem fernen Horizonte «Ben lichten rosigen Streifen, den Borboten der Morgenröte, g-wahren.

Nivert schüttelte urb streckte sich, und da er ein ®enig die Be ne bewegen wollte, so stieg er vom Aigen, um gemeinschaftlich mit dem Kutscher den ^erg hinauf zu gehen.

e Beim Aussteigen warf er einen Blick in das ^up« und entdeckte, daß auch die beiden übrigen yerren den Wagen verlassen hatten und somit bie ^"ge Dam« allein geblieben war. Nivert bemerkte r seinem Erstaunen, daß sie einen Brief in bet hielt, dessen Lektüre ste sehr erschüttert zu schien.

Und so war e», kaum batte Bomsault und der Reisende das Coups verlassen, als sie au»

8411 weibliche Geisteskranke. 1902 dagegen war die Zahl der Geisteskranken auf 79 522 (43 482 männliche, 36 040 weibliche) gestiegen. 1875 bestanden 118 Irrenanstalten, 1902 war deren Zahl auf 256 gestiegen. — Die Zunahme der Geisteskranken dauert noch an; die meisten Irrenanstalten find überfüllt. — Eine Haupt­ursache der Zunahme der Geisteskranken ist die Zunahme des Alkoholmißbrauchs.

* Der B-rfolg««g der Hereros setzen sich nach dem neuesten Bericht General von TrothaS große Schwierigkeiten entgegen.

* Ne«e Eiseubah«ba«ten in Deutsch. Südwestafrika werden in der .Deutschen Tageszeitung' angekündigt. Außer der Otavi- bahn, die von Swakopmund nach den Otavi- minen geführt werden soll, werde eine unmittel- bare Verbindung der Bahn Swakopmund- Windhuk von Karibik aus mit der neuen Otaoi- linie hergestellt werden. Ferner aber sollen nach dem Eintreffen des technischen Personals im Schutzgebiet auch Vorarbeiten für einen Bahn- bau nach dem Süden von Windhuk vorgenom­men werden. Im Zusammenhang damit wird auch ein Ausbau der Lüderitzbucht als Lan­dungshafen angekündigt. — Im Reichstag werden diese Ankündigungen einer näheren Er­örterung unterzogen werden.

*— Fahrpreisermäßigung für land­wirtschaftliche Wanderarbeiter hat die preußische Staatsbahnverwalmng gewährt. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat nun an den Landwirtschaftsmimster eine Mitteilung ge. richtet, in der es über eine etwas andere Ge­staltung dieser Fahrpreisermäßigung wie folgt heißt: „®uer Exzellenz benachrichtige ich er- gebenst, daß sich die zur Bewältigung des Maffen- verkehrS der landwirtschaftlichen Arbeiter, sogen. Sachsengänger, in diesem Frühjahr getroffenen Maßnahmen nach den Berichten der königlichen Eisenbahndirektionen im allgemeinen bewährt haben. Namentlich hat sich gezeigt, daß auä bei Einschränkung der Zeit, innerhalb der mi: Rücksicht auf den Oster verkehr Fahrpreis­ermäßigungen für solche Transporte ausgeschlossen werden müssen, der Betrieb ordnungsmäßig ge» führt werden konnte. Von verschiedenen Seiten sind mir aber Wünsche auf eine weitere Ver­kürzung dieser Frist unterbreitet worden. Diese erscheinen insofern nicht unbegründet, als auf die für Preisermäßigungen gesperrten Tage nach Ostern unmittelbar ein Samstag oder Sonntac folgen, an denen nach den bestehenden Be­stimmungen die Vergünstigung überhaupt nicht bewilligt werden kann. Ich habe die königlichen Eisenbahndirektionen daher ermächtigt, im nächsten Jahre versuchsweise schon vom Donnerstag nach Ostern ab Fahrpreisermäßigungen für iandwirt- schaftliche Arbeiter wieder zu gewähren. Im Falle sich indes hieraus für die ordnungsmäßige Durchführung des Betriebes Schwierigkeiten er­geben sollten, würde dieses Zugeständnis aller­dings wieder zurückgezogen werden."

* Das amtliche,Reichsarbeitsblatt' entwirft am Tage des Arbeitsmarktes im Monat August folgendes Bild: Der Arbeitsmarkt im

endlich wieder fab, cabe ich geglaubt, meine Ge­liebte wieder zu finden, ich habe Sie verfolgt und habe mit Ihnen sprechen wollen.

„Wenn Sie wirklich das junge Mädchen find, welches ich in jenem düsteren eisigen Lande kennen gelernt, so senden Sie mir -teige Zeilen; sagen Sie mir, daß Sie mich einst liebten, bie Erinnerung baran wird wich vor Verzweiflung schützen, meinen herben Schmerz linbern.

Albert Billeneuve."

„Armer Freund!" murmelt! das junge Mädchen, als sie wohl zum zehnten Male den Brief gelesen hatte, wo jedes Wort die unbeschreibliche Siebe ausbrückte, welche btt junge Offizier ihr getoibmet hatte.

Sange blieb sie gebeugten Haupte» in ihre Träumerei versunken, bie Augen voller Tränen, bie Arme über die Brust gekreuzt, um da» stürmische Klopfen de» Herzens zu beschwichtigen. Plötzlich durchzuckte ein leises Zittern ihren Körper, sie beei'te sich, den Brief, welchen sie noch in der Hand hielt, zu verbergen. Man war auf dem Gipfel ve» Berge» angelangt; der Wagen hatte angehalten unb bie Tür würbe geöffnet.

Anstatt Bomsault sah sie den dritten Passagier tn da» Coupe steigen.

„Tom!" sagte sie mit bewegter Stimme, „mein bester Tom . . . Endlich find wir einen Augenblick allein. Nach der Abreise von Parts ist diese» da» erste Mal, wo ich Dir mein Herz eröffnen kann."

Der Mann, an welchen sie sich in dieser Weise wendete, hatte den Zeig finger auf bie Sippen gelegt, gleichsam als wolle er ihr tief’» Stillschweigen un= empfehlen, bann mitleidsvoll lächelnd, schüttelte er den Srpf.

„Seien Sie ruhig, Fräulein Bianca, hüten Sie ich namentlich, daß keine» Ihrer Worte denjenigen erregt, der nn» belauert."

„Aber da» Leben, da» tr wir ouferlegtz^ist ent­setzlich, ich fühle, daß ich unterliege "

31. Jahrgang.

her kommende, aus mehr als einem Bataillo» Infanterie, etwas Kavallerie und 6 Geschützen bestehende Abteilung hatte am 17. d. Mts. einen Gegenangriff gegen die japanischen Kolonne» bei Pingtaitse ausgeführt. Etwa 21 Kilometer nörd­lich von Benfihu entbrannte ein heftiger Kampf, der von Mittag bis Nachmittag 3 Uhr dauerte. Die zweite aus der Gegend von Mulden kommende Abteilung kam nahe an unsere Stellung heran, begann aber um 4 Uhr nachmittags nach Nord­westen abzuziehen. Unsere Artillerie verfolgte den Feind nnd fügte ihm beträchtlichen Schaden zu. Die Haupttruppe des Feindes zog sich abteilungsweise zurück und ließ einen Teil zurück, der hartnäckigen Widerstand leistete, aber doch schließlich gegen 7 Uhr abends zurückgeworfen wurde." Ein späterer Bericht Oyamas besagt, daß der Feind, der in der Nachbarschaft von Pingtaitse angriff, aus 7 Bataillonen und 2 Batterien bestand. Ein Teil dieser Truppen hielt noch am 18. d. Mts. vor der Front der japanischen Kolonne; das Gros der Russen stehe augenscheinlich bei Vailengsai-Sengschitu.

Das Reutersche Bureau erfährt aus durchaus zuverlässiger Quelle von gestern aus Schanghai, die russische Flotte von Port Arthur sei entschlossen, wegen des ununterbrochenen Bom­bardements des Hofens in dieser Woche einen Ausfall zu machen, um nach einem neu­tralen Hafen zu entkommen.

Die Frau eines russischen Offiziers, eine ge­borene Engländerin, die mit dem russischen De­peschenüberbringer Prinzen Radziwill von Port Arthur nach Tschifu reiste, berichtete in einer Unterhaltung, daß die Hospitäler in Port Arthur großartiges leisten. Auf 1000 Mann kämen 30 Wärterinnen. Die Damen beschäftigten sich mit der Anfertigung von Kleidern für die Soldaten, während die ärmeren Frauen die Wäsche besorgte». Ansteckende Krankheiten herrsch­ten nicht. Die von japanischen Gewehr- und MaschinengewehrschÜffen Getroffenen genasen schnell. Viele Leute stürben an den Stichen großer Fliegen, die Leichengift aus die Lebenden übertrügen. Ein Arzt, der von einer solchen Fliege gestochen worden sei, starb, trotz­dem er sich sofort den Daumen abschnitt. Die Altstadt Port Arthur sei fast gänzlich zer­stört; die Verluste an Menschenleben seien verhältnismäßig gering. Die Japaner hätten einmal 57 Granaten gegen eine russische Batterie verschossen, ohne daß eine einzige getroffen hätte. Die Garnison sei guten Muts. Die Ver­teidiger hätten das unbeschränkteste Vertrauen, daß die Festung sich halten könne.

Vom Kriegsschauplatz in der Nordmand­schurei lag vom Mittwoch nur eine Nachricht der „Ruff. Telegrophen-Agentur" aus Chardin vor, wonach am Dienstag keine Aenderung der Lage auf der russischen Südfront eingetreten war. Bis eine neue Schlacht in Gang gekommen ist, wird in russischen Kreisen, wo man den „er­folgreichen Rückzug" aus Liaujang doch nicht so recht verwinden kann, viel darüber hin und her gestritten, wen die Schuld an der Nieder­lage trifft. Auch wird berichtet, daß der Kriegs-

„Sie bürj tu Ihren Unwillen in dieser Weise nicht zeigen, mehr al» je müssen wir mit der äußersten Klugheit handeln."

„Ach, wenn Du wüßtest, wie ich leide."

„Ich weiß e» zu sehr."

„Und liegt noch ein anderer Umstand vor?"

Tom sah belutfam au» dem Wagenfenster, gleichsam, al» wenn er befürchtet hätte, daß ihre Worte gehört werden könnten.

„Ja, e» liegt noch ein anderer Umstand vor", wiederholte er nach wenigen Minuten, „ich habe e» wohl bemerkt und für Sie gefürchtet.

„Wie so?"

„Ei, ei, so alt Gevatter Tom auch ist, so hat er doch immer ein scharfe» Auge, die düsteren Tage auf J-lanb haben ihn nicht blind gemacht."

„Wa» willst Du sagen?"

„Nun, daß ich aestern in dem Augenblicke der Abreise den jungen Offizier gesehen habe."

„Albert!"

„Er hat mit Ihnen gesprochen."

„Ganz recht."

„Sie haben keinen Anstand genommen, den Brssf anzunehmen, den er Ihnen gereicht hat."

Da» junge Mädchen errötete und zog langsam da» Billet au» der Tasche, welche» sie soeben gelesen hatte. Sie war sichtlich bewegt, aber ihr Blick war ruhig, ein himmlischer Strahl der Freude leuchtete in chre« Zügen. Bescheiden ja schüchtern reichte sie Tom da» Schreiben, auf welches er Anspielung gemacht hatte.

„Ja", fa te sie leise, „er hat mir geschrieben, ich habe seine Bitte nickt zmückweisen können; ach, könntest Du mich dafür tadeln? Der atme Albert, er leidet wie ich, er liebt mich, wie ich ihn liebe."

„Davon bin ich überzeugt", antwortete Tom in freundlichem Tone, ich möchte Ihnen durchaus keine Vorwürfe darüber machen; aber bedenken Sie, Bianca, daß Sie überall von Gefahren umgeben find, welche Sie nicht cllein bedrohen, und wenn Ihr Baier gesehen hätte . . . ." (3 f)