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*— Die.Kreuzzeitung' spricht sich bett, die Handelsverträge dahin aus, daß nicht die Vorlage der einzelnen, gerade fertig gestellten Handelsverträge an die Volksvertretung gelangen solle, sondern daß besonderer Wert darauf ge­legt werde, die wichtigsten Verträge gemeinsam zur Beratung zu stellen. Denn, so schreibt das Blatt, über die Grundlagen und die voraussicht­lichen Wirkungen der auf dem Boden unseres neuen Zolltarifs erfolgten Neuregelung der Handelsbeziehungen zum Auslande wird sich leichter und sicherer urteilen lasten, wenn die mit den wichtigsten Ländern neu abgeschloffenen Verträge gleichzeitig geprüft werden können, als wenn man nur Abmachungen mit einzelnen Aus­landsstaaten vor sich hat und noch eine Reihe von Verhandlungen sich in der Schwebe befinden. Gleichwohl glaubt das Blatt, daß dem Reichstag die Verträge bei seinem Zusammentritt zugehen können.

* Der .Vorwärts' bringt einen längeren Artikel, der den Titel führt „In der Ge­fangenschaft Ballins". Ein Beauftragter des .Vorwärts' schildert hierin die Belästigungen, die ihm seitens der Ballin-Agenturen und seitens der Polizei auf einem Berliner Bahnhof am Samstag widerfuhren. Zunächst durfte er als er auf eine Anfrage eines Agenten der Hamburg- Amerika-Linie fälschlicherweise angab, er sei aus Ruffisch-Polen und wolle nach Hamburg, den von ihm gewählten Schnellzug nicht benutzen, sondern mußte mehrere Stunden am Bahnho verbleiben. Als endlich dann der ihnen ange­gebene Zug ankam, wurde ihm eröffnet, daß er die beabsichtigte Fahrt nicht unternehmen dürfe, sondern nach Ruhleben fahren müffe. Ein Protest war vergeblich. Unter Aufsicht von Bahnbeamten wurde er — es hatten sich unter» dessen noch zwei echte Ruffen eingesunden — in den Zug gebracht und seinetwegen hielt dann der Zug in Ruhleben. Hier eine ärztliche Unter­suchung, Einsperrung in den Auswanderungs- bahnh^f und abends scharfes Verhör durch Polizeibeamte. Der Berichterstatter des .Vor­wärts' gab an, er sei russischer Militärsträfling, worauf ihm der Beamte eröffnete, er müffe an die russische Grenze zurückgebracht werden. Bis Montag wurde er in Hast behalten. Als er dann mit dem Zuge an die Grenze transportiert werden sollte, legitimierte er sich, worauf seine Entlaffung erfolgte. Wir wollen uns ein Urteil über das Vorgehen des .Vorwärts' und seines Vertreters versagen. Aber selbst wenn man dasselbe nicht billigte, so zeigt der Vorfall doch, daß in der Behandlung der Ruffen und Polen bei uns auf den Bahnhöfen etwas sehr faul ist.

* Der Tod des Fürsten Herbert Bismarck macht eine Reichstagsersatzwahl im Kreise Jerichow erforderlich. Der Fürst hatte das Mandat bei den Hauptwahlen der Jahre 1893 und 1898 im ersten Wahlgange erobert, die Hauptwahl 1903 hingegen brachte ihm nicht die nötige Stimmenzahl, sodaß er das Mandat erst in der Stichwahl davontrug. Wenn Fürst Bis. marck das letzte Mal auch noch mit einer sehr starken Mehrheit, nämlich mit 14 565 Stimmen

gegen 9742 sozialdemokratische gesiegt hat, so haben sich doch die Srimmverhältniffe des Wadi" kreises seit einem Jahrzehnt erheblich zu ungunstrn der Konservativen geändert. Denn während der Freisinn bei der Haupiwahl des Jahres 1898 nur 4688 Stimmen gegen 6812 bet der vorher­gehenden Hauptwahl auf stch verein'gte, wurden 1903 wieder 6480 freisinnig - volksparteiliche Stimmen abgegeben. Noch stärker ist das An­wachsen der Sozialdemokratie. Sie hatte 1893 immerhin schon 4376 Anhänger, stieg 1898 aus 5758 und 1903 auf 8140. Da die Konservativen dos letzte Mal 10 430 Stimmen aufbrachten, blieben sie immer noch die stärkste Partei des Wahlkreises,' der vor der Bewerbung des Fürsten Bismarck nur ein einziges Mal bei der Septenais- wahl von 1887 in ihrem Besitze gewesen war.

* Die deutschen Delegierten zum interna« tionalen Pressekongreß in Wien haben an den österreichischen Minister Präsidenten Dr. von Ko erb er ein Telegramm gerichtet, in welchem sie für die „huldvolle" Aufnahme und die „er­habenen Worte" des Ministerpräsidenten ihren Dank aussprechen. DaS ist nicht nach dem Ge- schmack der .Kreuzztg.'; sie schreibt: „Daß die grausamen Schmeicheleien des Herrn v. Koerber mit einer Huldigung beantwortet werden, wie man sie nur einem Souverän darzubringen pflegt, ist zwar stilgerecht; die deutsche Presse hätte aber doch besser getan, Delegierte zu ernennen, die sich in den gebräuchlichen Formen bester auskennen und einen Ministersessel von einem Fürstenthrone zu unterscheiden wiffen." Die .Kreuzztg.' scheint nicht so ganz unrecht zu haben.

* Der sozialdemokratische Geschäfts­bericht, den ncmens des Parteivorstandes der Abg. Pfannkr ch aus dem Bremer Parteitage erstattete, bietet in mehrfacher Hinsicht ein beson­deres Jntereste. Daß sich der Parteivorstand ablehnend dagegen verhält, daß die Alkohol­frage zur Parteisache erklärt werde, konnte nicht überraschen. Die Sozialdemokratie, die ihr Wachstum in der Hauptsache dem wirtschaftlichen Elend verdankt, müßte befürchten, daß sie durch eine Bekämpfung des Alkohols manche Existenzen von sich abhalten würde, deren Stimmen ihr bei den Wahlen sonst zufollen. Es kommt aber noch hinzu, daß die Gastwirte unter den Sozialdemo­kraten ein stattliches Kontingent auSmcchen, d e stch soeben erst zu einem sozialdemokratischen Gastwirteverein zusammengeschloffen haben. Auch die Gewerkschaftsfrage bildet für die sozialdemo­kratische politische Partei einen heiklen Punkt Daher ist es verständlich, daß Pfannkuch auch nichts von einer Erörterung des Generalstreikes wiffen wollte. Die Sozialdemokratie klagt, daß die Gewerkschaften ihr die besten Kräfte entziehen und damit die Agitation der Partei lähmen. Daher die vielen Anträge auf Beratung und Vertiefung der Agitation. Die Ausführungen Pfannkuchs lassen weiter erkennen, daß bezüglich )er Leistungen der Partei überhaupt inner­halb der Genossen größere Unzufriedenheit be­stehe, als man es in der Oeffentlichkeit sonst zu hören bekommt. Dabei erschienen die Ausblicke des Berichterstatters in die Zukunft für die Par-

Der Minister hat also von diesem Schreiben des Herrn d. Mirbach Kenntnis gehabt, während er in seiner Erklärung im ,Berl. Lokal-Anz.' nur von dem Schreiben sprach, das er selbst an die Oberprästdenten gerichtet hat. In bezug auf den Pommernbankprozeß, namentlich der Verbleib der 325 000 Mark bringt die Denk­schrift nichts neues, nur bestätigt sie, daß es Frhr. v. Mirbach gewesen, der den Männern dieser Bank zum Hoftstel verhalfen hat. — Ueber seine Ordensvermittelung überhaupt besagt die Denkschrift:

„Im Laufe meiner nun fast 20jährigen Bereins- tätigkeit sind auf meinen Antrag für sämtliche mit mir in Beziehung stehenden Vereine für Stiftungen resp. größere Zuwendungen, abgesehen von einigen Aus­zeichnungen für persönliche Verdienste in der Leitung der Vereine und Anstalten, verliehen worden: Gegen 40 Orden, meist die unteren Klaffen; ferner an Damen 2 Luisenorden und 7 Verdienstkreuze. Was die Ver­leihung des Kommerzienratstitels betrifft, so habe ich, ebenfalls in meiner 20jährigen Vereinstätigkeit, in 5 oder 6 Fällen diese Auszeichnung befürwortet."

Eine Rechtfertigung ist diese Denkschrift un­seres Erachtens nun nicht; es wird nichts ent- kräftet von dem, dessentwegen Herr v. Mirbach von seinem Posten enthoben wurde.

(*) Den Mitgliedern des Reichstages ist durch den Reichstags-Präsidenten Grafen Ballestrem mitgeteilt worden, daß es der Wunsch des Kaisers sei, den Reichstags-Abgeord­neten Gelegenheit zu geben, an der Enthül­lung des Kaiser Friedrich-Denkmals am I 18. Oktober teilnehmen zu können.

* Der Minister der öffentlichen Arbeiten, der erst alle Anregungen, den durch die an­dauernde Trockenheit und durch die Unterbrechung der Flußschiffahrt be­troffenen Gewerben zu Hilfe zu kommen zurück- wieS, hat setzt eine veränderte Haltung einge­nommen. Denn aus dem Verkehrsbureau der Aeltesten der Kaufmannschaft geht der Prefle folgenve wichtige Nachricht zu: „Infolge der andauernden Trockenheit dieses Jahres und der dadurch verursachten Behinderung der Binnen­schiffahrt hat die preußische Eisenbahnverwaltung, wie die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin amllicherseitS erfahren, sich entschlossen, für Güter, deren Beförderung auf dem Wafferwege erfolgen sollte, auf diesem aber den Bestimmungs­ort unter den heutigen Verhältniffen nicht er­reichen kann, im Rückerstattungswege unter ge­wissen Voraussetzungen Frachterleichterungen zu­zugestehen. Nähere Auskunft erteilt das Ver- kehrsbureau der Korporation der Kaufmann» schäft, Neue Friedrichstraße 54 i.“ Hierzu be­merkt die.Voss. Ztg.': „Die Entschließung deS Ministers v. Budde, wenn sie auch spät kommt, verdient volle Anerkennung. Wir hoffen, daß er nun auch die Verfügung über die Eisenbahn­tarife für Futtermittel nach den Notstands­bezirken zweckmäßig abändern und die Fracht­ermäßigung wie das Aelteftenkollegium beantragt und treffend begründet hat, allen Futtermitteln gewähren werde, die „zum Verbrauch im Not- tandsgebiet" versendet werden, sodaß nicht ferner ein Unterschied gemacht würde, je nachdem der Empfänger Landwirt oder Nichllandwirt ist.

Deutsches Reich.

Berlin', den 20. September 1904.

** Zu der Schulfrage schreibt die ,Voff. Ztg.' mit Bezug auf unsere neuliche Ausführung über die Verlegenheit, in der sich die National- liberalen gegenwärtig befinden, wir hätten unsere „Helle Schadenfreude" an der Entwickelung der Dinge. Wir können allerdings nicht leugnen, daß die vielen einander widersprechenden Beschlüsse der Nationalliberalen, zu denen nun noch auf dem in Aussicht genommenen allgemeinen Dele­giertentage ein weiterer Beschluß hinzutreten soll, etwas Belustigendes an sich haben.

(*) Die Mirbach Denkschrift ist dem ,Berl. TageblX von anonymer Sette zugegangen und wird von ihm auszugsweise veröffentlicht. Einen auffällig breiten Raum nimmt in der Denkschrift die Polemik gegen die Presse ein, obgleich doch Frhr. v. Mirbach noch vor kurzem erklären ließ, daß der „Schmutz" der Presse ihn nicht zu erreichen vermöge. In überschwäng­licher Weise lobt Herr v. Mirbach seine Kirchen­bautätigkeit, und man muß gestehen, daß er hier flott gearbeitet hat. Ueber 10 Millionen Mark hat der evangelisch-kirchliche Hilfsverein seit 1888 bis 1903 für Stadtmissionen und ähnliche Ein­richtungen aufgewendet; dazu kommen 55 Kirchen, die 31 Millionen erforderten. Angesichts dieser Zahlen begreift man den Unwillen des .Reichs- boten', daß Herr v. Mirbach aus dieser Tätig­keit hat ausscheiden müffen. Jntereffant ist es, daß Frhr. v. Mirbach mitteilt, es sei vom Vor­stände des Kirchenbauoereins der Kaiser Wil­helms-Gedächtniskirche mit allen gegen seine eigene Stimme befchloffen worden, sih auch an einzelne Katholiken und Jaden zu w.nden; im ganzen seien von Katholiken 56000, von Juden 19000 Mark gespendet worden. Ueber die Korrespondenz mit den Oberprästdenten zur Aus­schmückung der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche schreibt Herr v. Mirbach:

„Der Vorstand beschloß, da der Kirchenbauverein für das ganze Land arbeitet, Komitees in allen Pro­vinzen zu bilden. Dazu mußte er stch, wie dies jeder Verein zu tun hat und es unzählige jährlich tun, an die ObeiPrästdenten wenden. Dies war bei uns noch um so gewiesener, alS sämtliche Oberprästdenten biS auf einen seit lange« Jahren Mitglieder deS Evan- geltsch kirchlichen Hilfsoereins sind. Im Auftrage des Vorstandes richtete ich daher an die Oberprästdrrteu die Anfrage, ob sie geneigt seien, einem derartigen Komitee (sammluugSkomitee) beizutreteu und zu seiner Organisation uoS auS den Provinzen einige geeignete Herren zu bezeichnen. Das geschah. An alle wurde dann im Sinne des Beschlusses des Kirchenbauvor- standeS geschrieben, und so mit der Zett in den Pro­vinzen Komitees gebildet. Da es stch hier also nir­gends um eine allgemeine Kollekte handelte, bedurfte eS nicht der ausdrücklichen Genehmigung des Ministers des Innern. Aber ich hatte denselben trotzdem unter­richtet, zumal er selbst Mitglied des Berliner Komitees war und sich lebhaft für die Sache interessierte."

(Nachdruck verboten.)

„Ich hatte mit der Untersuchung dieser Sache nichts mehr zu schaffen und vermag den Verlauf derselben nicht genau anzugeben, indeffen weiß ich noch, daß bieleLen Banknoten auch in den Vereinigten Staaten verbreitet waren."

„Der Falschmünzer war ohne Zweifel aisge­wandert."

„Vermutlich. Einige unserer erfahrensten Agenten hatten sich zu dieser Zeir mit denen von New-Jork in Verbindung gesetzt; allein in Amerika verlief die Sache wie in Frankreich. Der Umlauf der Noten hörte auf, sobald man sich mit der Verfolgung der- I selben ernstlich beschäftigte, .... aber allgemein wurde bis Klugheit und Vorsicht der Verbrechers bewundert."

„Man hörte alsdann nichts weiter von ihm?"

„Weiter nichts, als was Dein Vater jetzt behauptet, daß nämlich diese neue Fälschung mit der früheren große Äehnlichk'it hat."

Bei diesen Worten prüfte Herr Billeneuvc aber­mals die Banknoten, welche der junge Renneville unter seinen Augen auSgebreitet hatte, aber es war un­möglich, die Fälschung zu entdecken; dieselbe war so täuschend, daß sie selbst die erfahrensten Beamten irre­leiten konnte.

„Der Fälscher muß ein ganz geriebener Gauner fein", sagte er unmutig, indem er sich zu Renneville wandte.

„Er muß durch und durch Künstler fein", fügte Bourfault hinzu, der sich seinerseits erhoben und ge­nähert hatte. In demselben Augenblicke halte er eine der falschen Noten von dem Schreibtische genommen und mit der größten Aufmerksamkeit betrachtet.

„Pctztauf nd!" fuhr er nach einem Augenblicke fort, ohne die Augen von dem Billet, we ches er tu der Haov hielt, zu leiten, „es ist wahrhaftig ein Meisterwerk, indeffen wundere ich mich doch, daß es in den BanlbmeauS noch so scharfsichtige Leute gibt, welche einen Fehler in einer so außergewöhnlichen Fälschung finden körnte ."

„Oh, die Entdeckung har sobald nicht stattgrfvnden," antwortete Renneville, „taS Publikum ist erst feit einigen Tagen gewarnt worden, weil eS natürlich der allerfckärssten Beobachtungen bedurft hat, welche zu einer Entdeckung fuhren konnten "

„Und woS haben Cie bemerkt?"

„Nur diesen etwas stärkeren Strich unter der Firma."

„Ja, ja, dar ist richtig."

„Da die Beamten davon benachrichtigt find, so wird ein neuer Betrug Wohl unmöglich fein."

„Ja wohl, wenn der geschickte Betrüger nicht von elbn wieder ermutigt wird."

Karl von Renneville nahm die Erwiderung mit ärkastischem Lächeln auf.

„Daran hat man schon gedacht", antwortete er; „bei seinem io lalertvilsin Fälscher ist olles zu t*- ürchten, da muß man <uf olles gefaßt fein; wie ch chon zuvor zu Herrn Villereuve faßte, so haben wir rit gestern bei dem Druck der Noten ein neues Ad- zeichen hinzuzesügt."

Ja di.sem Augenblicke hatte Bourfault aus seiner Tasche eine Brieftasche von russischem Leder gezogen und daraus Barknoien von tausend Franks genommen

„Wahrhaftig", sagte er in scherzendem Tone, „durch ihre Berichte bin ich ganz bange geworden, jetzt befürchte ich nichts, als lauter falsche Bankvotn zu besitzen. Gott sei Dank, auf diesen sehe ich nick: den stärkeren Strich, von welchem Sie sprechen .... aber morgen, w-nn der Fälscher den Fehler ousge sichen hat, noch welchem reuen und geheimnisvoll n i lbzeichen bat man sich dann zu richten?"

Karl deRenneville zögerte ein wenig, allein durch ; serrn Billeneuves Wink ermutigt, welcher an fcesn Gefühl der Neugierte teil zu rehmen schien, nahm er einen Bleistift und zeigte auf einen Punkt an ter ! rken Seite der Vignette.

„Hier sehen Sie", sagte er, „einen unvollkommenen < kreis, dtflen Endpunkte sich zu verlängern scheinen."

(Fortsetzung folgt.)

wunderbare Zügungen.

«ine Erzählung, übersetzt aus dem Italienischen von L. Beinhorn.

Renneville verneigte sich, allein trotz der ihm er- teilten B-Willigung näherte sich Billeneuve, gleichsam, als wenn er befürchtet hätte, daß seine Worte von einem Unbefugten gehört würden.

Diese Besorgnis und Vorsicht schien,« dem Rich er zurrst ein wenig übertrieben zu sein, er konnte nicht umhin, ihn verwundert anzusehen

„Es ist also eine sehr etnste Veranlassung, welche Dich »u mir führt."

„O, eine sehr ernste."

„Nun, so sprich, ipnch, laß hören!"

„Mein Baier schickt mich hierher", begann der junge Mann, „er hätte selbst kommen wögen, allein unvorhergesehene Hindernisse haben ivn zurückgehalten, doch hat er nicht länger zögrru wollen, um Sie mit bet Sache bekannt zu machen, welch: die strengsien Maßreaeln erheischt."

„Wie? was?"

„Seit einigen Tagen, ober besonders gestern zir- Miereki in Paris Banknoten, w.lche auf die geschick­tste Weife gefälscht find. Scho» seit mehreren Wochen bat man Spuren davon entdecken wollen; allein die Noten, welche in Umlauf cesitzt find, find mit voller »unji ausgeführt, daß eS der außer gewöhnlichsten «orgsult uib Erfahrung unserer Sachverständigen be- öurfie, um die fast unme.kliche Spur der Beffälschunz zu entdecken."

„Das ist ja eine Erzgaunerei!" sagte Billeneuve Sedankenvoll.

»Es ist vielte cht deS erstemal," fuhr ‘ er junge T?.0"” fort, „daß das Verbrech!« sich in dieser Weise o Im allgemeinen find die Falschmünzer nur

gewöhnliche Graveure, dcren Arbeit sich nur durch die unvollkommene Aufführung bald verrät und schon von dem erstrn Äugend icke an die Wachsam kit der Behörde hervorruft; aber b i diesem Falle ist die Ge­schicklichkeit so groß, daß die Nachahmung nichts zu wünschen übrig läßt, und um ihr die Spitze zu bieten, sind wir gezwungen, bei unserer Fabrikation ein neue» Merkmal eirzuf'thren, welches uns wenigsten« für einige Zeit gesi ttet, unsere Banknoten von denen des Fälschers unterscheiden zu können "

So sprechend, batte Karl von Renneville einige Noten auf Herrn Billeneuves Schreibtisch ausgebreitet, welche der Richter vermittelst einer Loupe aufmerksam betrachtete.

„Ich sagte Ihnen schon", fuhr der junge Mann fort, „daß sich vielleicht zum ersten Male» ine Fälschung dieser Art zeigt, ind ff en muß ich hwzusügen, daß mein Vater sich schon vor meinem Eintritt in die Ver­waltung, das heißt etwa vor zehn Jahren erinnert, daß er dem Gerichte eine Fäschuog anzuzeigen hatte, welche gewiflermaßen mit der jetzigen in Verbindung zu stehen scheint; es war dieselbe geschickte Ausführung, dieselbe Keckheit in der Verbreitung der Noten!-

Herr Billeneuve hatte sich ewporgerichtet.

„In der Tat, ich erinnere mich der Sache noch deutlich", sagte er, „sie machte in jener Zeit viel Auf­sehen und der Verlauf berfetben war für uns alle sehr enttäuschend."

„Wie so?"

„Während etwa vierzehn Tagen war die Bank und das Pariser Hauptkomploir von den falschen Noten wie überschwemmt; die Polizei stellte überall die schärfsten und beharrlichsten Nachforschungen an, allein in dem Augenblick, als sie auf die Spür der Verbrechens gekommen zu sein schien, da hörte plötz­lich die Verbreitung an ollen Orten auf, die Spur verschwand, und die Polizei hatte Zeit und Mühe vergebens verwendet."

„Wurden spater nicht wieder neue Versuche der Fälschung gemacht?"

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Zeitung

Monattbellager „gafödcr GeschichtMWer".

Sulöa, Mittwoch, den 21. September 1904.

31. Jahrgang.

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vruck und Verla- & Arldaer Kettenbrücke»' in Znlba (Harmonie Zernsprecher Hr. 9

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