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Arbeitshäuser in f^atupi

von Kaiser. -Wilhelm* Land.

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Zulda, Samstag, den 17. September 1904.

31. Jahrgang.

I« der Ber-

8mV. Lr^r oesteheuden Lehrermangels vorläufig im » ^bleiben. — Der Arbeiteraurstand in Marseille nmner "Echt beigelegt, jedenfalls werden die taw* ”Lmit der Forderung des Achtstundenarbeit s- Acht durchdringen.

den ä?^berrommiffar von Kreta, Prinz Georg Griechenland setzt seine Rundreise bei den Höfe« teil» Ä^ischen bat die Pforte bat Mächten mit» Ma, daß ste die Erfüllt«- der Bestrebung«

wochen-Rllndschmr.

D Fulda, 17. Sept. 1904.

Eine schmerzliche Kunde hat unS die verflossene Woche aus unserem Neuguinea gebracht. Danach find fünf katholische Missionare and Ordensschwestern von d-m Baining-Stamm auf der Gazellen-Halbinsel (Neupommern) ermordet worden, lieber die Ursachen deS Gemetzels gehen die Nachrichten auseinander. Nach der einen Lesart sollen ste in dem HörigkeitSverhält- ni» liegen, nach der anderen soll eine Bestrafung, welche ein Pater an einem in Bigasin lebenden An­geborenen vorgenommen habe, die Ursache sein. Wenn derartige Ereignisse fich in unserm Kolonien voll­ziehen, pflegt man stet- schnell bei der fanb zu lein mit der Auftischung von Nachrichten über die Ursachen derselben. Die Erfahrung hat aber gelehrt, daß man in der Aufnahme derartiger voreiliger Mitteilungen sehr bchutsam sein muß, und so wird man gut tun, nähere Nachrichten abzuwarten. Da der Reichstag so bald noch nicht zusammentritt, so darf wohl erwartet werden, daß die Regierung schon vorher in der Presse einen authentischen Bericht über Ursache und Umfang des Aufstandes veröffentlicht. Glücklicherweise scheint der Ausstand nach den bis jetzt vorliegenden Mel- dunoen nur örtlicher Natur zu sein.

Der Reichstag wird nach den neuesten Mel­dungen erst Ende November einberufen werden. Es ist in der Presse viel darüber geschrieben worden, ob auch die Marinevorlage dem Reichstage in der nächsten Sitzung zugehen werde. Ma» kann diese Frage jetzt wohl als dahin entschieden betrachten, daß diese Vor­lage in der nächsten Sitzung nicht kommen wird. — Unter den Aufgaben, mit welchen fich der Bundes­rat, der Ende September oder Anfang Oktober seine Plenarberatungen wieder aufntmmt, zu beschäftigen haben wird, befindet fich auch da« MilitärpenfionS-

Aus dem sozialdemokratischen Parteitag, der am Sonntag in Bremen beginnt, wird eS wahr­scheinlich zu scharfen Auseinandersetzungen komme«. Wir erinnern in dieser Beziehung aus der einen Seite an die Polemik zwischen dem Chefredakteur der »Vor­wärts^ Kurt Eisner und dem Oberzensor der sozial­demokratischen Partei KautSky über die Frage der Staatsreform, welche durch den Kampf der Guesdisten und Jaurefiste« auf dem Amsterdamer Kongreß unge­regt toutbe. Auf der andere» Seite hat der Agrar­politiker Schippel, der fich zwar trotz seiner langen Darlegungen, in denen er seine zollpolittsche Auffassung dem .Vorwärts' gegenüber dargelegt hat, am Schluffe selbst verleugnete, an dem Redakteur Bernhard eine Stütze gefunden. Letzterer hat in einem Artikel ver­öffentlicht, in welchem er uachweist, daß die Jndustrie- zölle im Interesse der Arbeiter lägen und daß der Sozialismus, wenn er zur Durchführung gelangen solle, nicht die Handelsverträge entbehren könne. ES ist dar interessant zu einer Zeit, wo von Seiten der Linien gegen die Handelsverträge mobil gemacht wer­de» soll. Der Bremer Parteitag wird also auch über Herrn Bernhard zu Gericht fitzen. Man hat beobachten können, daß die Abneigung auf der linksliberalen Seite sowohl wie auch bei den Bündlern im Ab- nehmen begriffen ist. Um diesem Umschwünge ent- gegenzuwirkev, veröffentlicht der Abgeordnete Potthoff in der ,Nat.-Ztg> eine längere Auslassung, in welcher er besonders betont, daß nicht die günstigen Nach­richten über de» deutsch-russische« Handelsvertrag die Agrarier der schärferen Tonart zu einem Einlenke» veranlaßten, sonder« die Angst vor der Erfüllung der eigenen agitatorischen Wünsche.

Die Mirbach-Affäre ist noch nicht zur Ruhe gekommen. Der «Reichrbote hatte eine Attacke auf den Reichskanzler eröffnet, well dieser aas Konnivenz gegenüber den Katholiken die Entlassung Mirbachs herbeigeführt haben sollte. Inzwischen ist sestgestellt, daß der Reichskanzler der Sache völlig fernsteht: ber .Reichsbote' hat ben Rückzug angetreten. — Minister Freiherr v. Hammerstein hat durch ben Ferliner Lokalanzeiger' eine Erklärung über fein ^halten bei ben Mirbachfammlungen verbreiten Wen. Wir glauben nicht, baß bar Parlament chn wnnnehr als entfchulbigt anschen wirb. Die Mel­dungen von bem Rücktritt des Ministers find feit itmer Erklärung i« der Presse verstummt.

Die nationalliberale Fraktion hat zu ii? Richtlinien", die vom Kongreß ber Jung- zffitte« in bet Schulfrage beschlossen wurden, noch ^Stellung genommen. Geht ste einigermaßen ZNf ein, bann wird die AuSficht auf die baldige ^Abschiebung eines SchulunterhaltungsgeietzeS sehr

Daß die Regierung mtt ben Konservativen ^■^fientaan bie Sache machen würbe, ist nicht

Frankreich mache»sichbieFolg« der Orden bereits in bedenklichem Maße ggZ“6- Die zweitausend Lehrer, welche Anspruch

des Prinzen Georg als eine starke Verletzung des bisherigen Zustandes ansehen müsse. Die meisten Kabinette sollen daraufhin beruhigende Bcrficherungen gegeben haben.

Nachdem der Rückzug KaropatkinS von Liaujang nach Mukden gelungen ist, ist ein Stillstand h» ostasiatischen Kriege ein getreten. Ein Ende deS Kampfes ist nicht avzusehen. Bor Port Arthur haben bie Japaner große Verluste gehabt.

[:] Der erste Delegiertentag des Verbandes der katholischen Arbeiter­vereine Deutschlands

fand am Sonntag in Düsseldorf statt. Herr Generalsekretär Dr. Pieper-M.-Slad- dach eröffnete die Versammlung. Es sei das erste Mal, daß Arbeitervertreter zu gemein­samer Beratung zusammenkommen. Das stete Fortschreiten des Zusammenschlusses bei den Gegnern erheische ein ebenso straffes, gemeinsames Vorgehen. Die letzten Wahlen hätten das ge­zeigt. Der Verband zählt zur Zeit etwa 300 Vereine mit 300000 Mitgliedern. Se- nauere Erhebungen über die Zahl der Mttglieder sollen angestellt werden.

DaS erste Referat hält Herr Arbeiter­sekretär Lensing-Bocholt über die weitere Ausbreitung, namentlich über die Gewinnung neuer Mitglieder und die Gründung neuer Vereine. Von Bedeutung ist zunächst die Bildung besonderer Bezirke in den einzelnen Teilen der Diözese und die Abhaltung von Be­zirkskonferenzen. Notwendig ist auch der Ausbau der Vereine. Es genügt nicht, Mitglied des Vereins zu sein. Eifrige Mitarbeit ist die Haupt­sache, selbst mit Hand ans Werk legen! Ferner müffen wir dafür sorgen, daß sich auch die jugendlichen Arbeiter den Vereinen anschließen. Davon hängt die Zukunft der Arbeitervereine ab.

Anschließend hieran spricht Herr Arbeiter­sekretär Meyer-Düsseldorf über die Hebung des Vereinslebens, Organisa­tion der Vorstände und des VertrauenS- männersystems, Unterrichtskurse, Ver­breitung der VerbandSzeitung und Arbeitersekretariate. Seine Ausführungen lassen fich in folgende Sätze zusammenfaffen:

Wollen wir unser Veremsleben heben, wollen wir dafür sorgen, daß unsere Arbeitervereine nicht zum Stillstand kommen, oder anderseitig sich mehr als seither entwickeln, dann müssen wir dafür sorgen, 1. daß das innere Leben gehoben wird, 2. daß wir eine tüchtige Schar von Vertrauens­leuten und Vorstandsmitgliedern haben, 3. daß wir unsere Vereinsmitglieder und solche, die es werden können und wollen, die nötigen Bildungs­mittel zur Verfügung stellen (Bibliothek, Flug, schriften, Kolportage, Verbandszeitung) und 4. dahin streben, daß wir den leitenden Personen (Präsides) thr Amt erleichtern durch Anstellung von freigestellten Beamten (Einrichtung von ArbeUersekretariaten).

In der mm] folgenden Diskussion gibt Herr Reith-Fulda ein Bild von dem eifrigen Leben des dortigen Vereins. Einmal im Monat müffen die Mttglieder unbedingt an einer Versammlung teilnehmen. Auch am kommunalpolitischen Leben haben fich die katholischen Arbeiter mit Erfolg beteiligt. Das Stadtverordnetenkollegium zählt bereits 4 Mitglieder aus dem Arbeiterstande. Infolge der besonderen Schulung der Mitglieder des Fuldaer Vereins ist auch in der Diözese das Leben in den Arbeitervereinen reger ge­worden.

Nachdem noch mehrere Vertreter über die Arbeitervereine ihrer Diözesen Bericht erstattet hatten, nimmt die Diskussion mittags ihren Fortgang. Herr Arbeitersekretär Giesberts- M.-Gladbach empfiehlt vor allem die so bedeut­samen BezirkSdelegtertentage und die Unterstützung der.Westdeutschen Arbetterzeitung'. Nachdem noch verschiedene Redner beachtens- werte Winke für den Ausbau der Arbeiter- vereine gegeben hatten, kamen folgende Refo- lutionen zur einstimmigen Annahme:

Der Delegiertentag bcS BerbandeS katholischer Arbeitervereine Westdeutschlands erklärte die Errichtung und Förderung katholischer Arbettervereiue für daS geeignetste Mittel, die kath. Arbeiter zur Mitarbeit an ben im öffentlichen Lebe» u»S Katholiken erwachsenden Aufgaben Heranzuziehen und zu befähigen. Als die wichtigsten und nächstliegende« Aufgaben der kathol. Arbeitervereine find zu bezeichnen:

1. Die Anwerbung neuer Mitglieder besonders auS der jungen Arbeiterschaft und zu diesem Zwecke

•) die Gründung katholischer Jugendvereine anzu­regen, eventuell selbst inS Werk zu fetzen.

b) für die Gründung und ben Unterhalt solcher Vereine nach Möglichkeit materiell« Mittel zur Ber- fügung zu stellen, möglichst innige organisch, Beziehung zu ben Jugendnereinen zu erstreben.

2. An erster Stelle die Mttglieder auf religiösem, sozialem und polttischem Gebiete persönlich zu belehren und anzureaen zur prattischen Mitarbett.

8. Insbesondere wird empfohlen:

Maer

zchristleiter:». Wetzl«

j. p-rzeller in Suwa. rvochenbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung

krscheint täglich, mit Ausnahme ber Sonn- ^zzeiertage. viertel- -Shrl.vrr»g5prei» ebne vringerlohn und vcsteAgelb in Hulda und aurwärtrlM. sopfg.

Verantwortlicher

Zeitung

vrml nnb Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Zulda (Harmonie). Fernsprecher Nr. 9.

Anzeigen: Vie ein­spaltige Petitzeile oder deren Raum 15 psg. Reklamen bie Petitzeil« 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wirb entspr. Rabatt gewährt.

monotsMiage: „Fuldaer Geschichtsblätter"

KeklsWe»- äö> Anzeigenteil.

Als letzter Redner referiert Herr Arbeiter- sekretär Giesberts-M.-Gladbach über die Durchführung der Beschlüsse des Frank- futter Arbeiterkongresses, der deS näheren auf diese wichttge Tagung eingeht. In den Beretttsversammlungen müßten die in Frankfurt erörterten Fragen eingehend behandelt werden. Notwendig sei ein gemeinsames Vorgehen mit den evangelischen Arbeitervereinen und den christ­lichen Gewerkschaften z. B. bei Krankenkassen- und SewerbegerichtSwahlen.

Herr Diözesanpräses Dr. Pieper richtet im begeisternden Schlußwort an bie Delegierten die ernste Mahnung, nun gemäß der heutigen Aussprache in den Vereinen zu wirken. „Sie Hebung der Arbeiterklasse kann an letzter Stelle nur das Werk der Arbeiter selbst fein!“

Damit wird die Versammlung geschloffen.

vermischtes.

* Der älteste Redner in Deutschland ist wohl der Stadtverordnete Schneider in Eberswalde unweit Berlin, ber jetzt 103 Jahre alt ist. Er ist noch sehr rüstig, wohnte vor einigen Tagen der Er­öffnung der Obstbaurn-AuSstellmig in Eberswalde bei unb hielt eine Rede. Er hat eine Reihe von Ehren­ämtern inne, die er zur Zufriedenheit seiner Wähler verwaltet.

a) Behandlung aktueller Fragen und Borträgen in den BereinSversammlungen mit nachfolgender Aus­sprache.

b) Verbreitung unb möglichste Einführung des BerbandSorganS, Errichtung von sozial- und apologe­tischen Unterrichtskursen.

dj Abhaltung von Bezirksdelegiertentagen zur Be­ratung deS gemeinsamen Vorgehens und Förderung des BereinStebenS und der christlichen Arbeiterbewegung überhaupt.

e) Gründung von Arbeitersekretariaten, wenn nicht anders möglich in Verbindung mit anderen katholischen sozialen Bereinigungen.

Der dritte Punkt der Tagesordnung be­trifft die „Förderung der christlichen Ge­werkschaften durch die Arbeitervereine". Referent ist Herr Besse-Eickel. Mtt allem Nachdruck fordert er, daß die katholischen Ar­beitervereine mit den christlichen Gewerkschaften Hand in Hand gehen sollen. Beide haben den Kampf gegen die Sozialdemokratie zu führen, die beide Verbände in gleicher Weise angreifen und befehden. Bei allen wichtigen Fragen zeigen fich die Interessengemeinschaften beider Verbände. Mit Entschiedenheit müsse er einmal dem Vor­wurf entgegentreten, als ob durch den Verkehr mit den Andersgläubigen der Glaube Schaden leide. Gemeinsam sollen Gewerkschaftler und Arbeitervereinler arbeiten an der gemeinsamen Aufgabe: Die Lösung der sozialen Frage nach christlichen Grundsätzen! Nachdem fich noch mehrere Redner in demselben Sinne ausgesprochen haben, wird folgende Resolution

einstimmig angenommen:

Der I. Verbandstag der katholischen Ar­beitervereine Westdeutschlands erkennt die Or­ganisation der Arbeiter in christlichen Gewerk­schaften zur wirksamen Vertretung ihrer In­teressen im Arbeitsverhälthis als düngend not­wendig an und fordert deshalb die katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands auf, die christ-^—- , , —-----, .----n

liche Gewerkschaftsbewegung mit allen Kräften! Brechdurchfall Diarrhoe Darmkatarrh] zu unterstütze« UNd zu fördern. ! Vw-Ütig in Apotheken/Drogecen, Colomalw.»]

Zur ber katholische* MiHiaaare iw De»tfch-»re»qui»ea Bilde« «mS Deutsch-

eine Abteilung Eingeborener hat die katholische Mission angegriffen und fünf Priester und fünf Schwestern ermordet. ES soll die Absicht be­standen haben, alle Weißen zu ermorden. Die Polizeitruppe hat die Versolgung der Mörder sofort ausgenommen, eS wurden 86 Mann ge­fangen genommen und 16 davon hingerichtet. Wie eS scheint, erheben fich die Eingeborene« in den bottigen Gegenden von Zett zu Zett ohne fichtbaren Grund, denn es ist ganz unwahrschein­lich, daß fie durch die katholische» Missionare |X so schreckliche» Untaten gereizt worden wären.

Die friedliche Entwickelung unserer Befitzungen in der fernen Südsee ist abermals durch einen traurigen Zwischenfall unterbrochen worden. Auf den Guinea-Inseln hatten sich, nachdem ein größerer Aufstandversuch vor mehreren Jahren mit Energie niedergeschlagen worden war, die Angeborenen anscheinend mit der deutschen Herr­schaft zu befteunden begonnen, nur vereinzelt kamen noch Ausschreitungen vor. Im allgemeinen konnte jedoch Gouverneur Dr. Zahl von der fortschrettenden Beruhigung der Kolonie berichten. Jetzt aber ist ei» jäher Wechsel eingetrete», denn

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