Einzelbild herunterladen
 

erscheint täglich, mit ' Aurnahmr der Sonn« uni Feiertage, viertel- j-rhrl. vezugrprei, ebne vringerlohn und Bestellgeld in Zulda und auswärts I Mk. 50 pfg.

Verantwortlicher Schriftleiter-A.lvetzler für die Inserate J. Parzelle» in Zulda.

Monatsbettage: „Zllldaer Geschichtrblätter

Anzeigen: Vie ein­spaltige Petitzeile ober deren Raum 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerei in Zulda (Harmonie). Zernsprecher Nr. 9.

M 309,

8ulda, Dienstag, den 13. September 1904,

31. Jahrgang.

Berlin, ben 12. September 1904.

— .„.Ermordung katholischer Missionare i« Nen-Gninea. Nach einem heute «der Macassar ringe- gaugeve» Telegramm des kaiserlichen Gouverneur- in Herbertshöhe (Deutsch- Neu Guinea) sind nm 13. «ugnst die Misiiousstationeu St. Paul und Nacha- runep and die Trappjsieu-Niederlasiunge« iu den Baiuiugberge« auf der Gazellen- Halbinsel durch Etugeboreue übersalleu wordeu. Dabei wurden gelötet: Die Pater Rascher «ud Rutteu, die Brüder Bley, Plaschaert und Schellekeus, sowie die Schwester« Holler, Balka, Utsch, Schmidt und Rath. Die Polizeitruppe nahm sofort die Berfolguug der Mörder im Gebirge auf. Ein späteres, gleich­falls am heutige« Tage aber über Bris­bane eingetroffenes amtliche- Telegramm deS Gouverneurs von Deutsch-Nen- Guiuea berichtet, daß iu deu Baiuivg- bergen die Ruhe wiederhergestellt se». IS Eiugeboreue seien in dem Kampf erschossen «nd 21 gefangen genommen. Die Berfolgnng dauert fort.

Bon den ermordeten Missionaren war Pater Mat- lhraS Rascher, Vorsteher der Misfionsstation Sankt Paul. Er ist kürzlich wegen feiner hervorragenden Lüftungen in der Sprachforschung der Südseeinseln mit dem Kronenorden 4. Klaffe ausgezeichnet worden. Er stammte a«8 Bayern und wurde am 2. November 1868 in ber Erzdiözese Bamberg geboren und empfing die hl. Priesterweihe am 15. Juni 1895 zu Antwerpen und reiste im September desselben JahreS nach Neu- Gurnea ab. Pater Heinrich Rueten wurde geboren am 31. Januar 1873 zu Tilburg in Holland, zum Priester geweiht am 4. August 1900; er reiste am 8. Oktober desselben JahreS mit dem MisstonSbischose Ludwig Eouppö nach Neupommern ab. Der Bruder Bley stammte aus Faltern, Bruder Plaschaert wurde am 15. Juli 1871 zu Oberschlag in Holland ge­boren und gehört zur Gesellschaft der Missionen vom Allerherligsten Herzen und st am 8. Oktober 1900 nach Neupommern abgereist. Bruder SchellekenS wurde am 26. Februar 1873 zu Osterwick in Holland geboren!; er.JT?t iS die Gesellschaft am 8. Dezember 1894 und rerste rm September 1899 nach der Südsee ab. Schwester «una Utsch aus Trier wurde am 14. November 1878 ju Mudersbach geboren, trat in die Gesellschaft am 25. März 1901, reiste am 10. Dezember 1902 ab und »« 6efonbet3 in der Krankenpflege tätig. Schwester Agathe Rath wurde am 13. Mai 1877 zu Senden in West­falen geboren, trat in die Gesellschaft am 15. August 1901 und reiste am 2. Februar derselben Jahres ab. Schwester Angela ist von Beruf Lehrerin; sie wurde geboren am 15. Oktober 1875 zu KaleSzvki in Galizien, trat am 13. Januar in die Gesellschaft ein und reiste ab am 2. Februar desselben Jahres. Schwester AgneS Foller war von Beruf Lehrerin; sie wurde am 2. September 1881 zu Romansfelden in Bayern geboren und trat in die Gesellschaft am 25. März 1901 ein; fie reiste ab am 10. Sept 1902. Schwester Sophia Anna Schmidt wurde geboren am 26. Oktober 1879 »« Mulbe» in Baden, sie trat am 2. Februar 1602 in die Gesellschaft und reiste ab am 2. Februar desselben Jahres.

Die Eingeborenen tragen sich mit der Absicht, alle Weißen zu ermorden. Der traurige Vor­gang bc weist aufs neue, welche Schwierigkeiten den Missionaren in der Christianisierung Neu- Guineas erwachsen.

* Mehr Apologetik. Der Ruf nach einer größeren apologetischen Schulung deS katholischen Volkes ist in den letzten Jahren oft und laut ethoben worden; cbenso oft ist aber auch dem Wunsch Ausdruck gegeben worden nach einem Buche, welches den modernen Angriffen gegen das Christentum Rechnung trage und zugleich in fertigen euf gearbeiteten Vorträgen als Leitfaden und Lesebuch für apologetische Unterrichtskurse in Arbeiter-', Gesellen- und Jugendvereinen Ver­wendung finden könnte. Diesen Wünschen kommt der Volksoerein für das katholische Deutschland entgegen durch die Herausgabe eines im Verlag der Zentralstelle erschienenen Heftes unter dem Titel „Apologetische Vorträge" (Verfaffer Dr. Meffert-M.-Gladbach). Die Themata, die hier behandelt werden, find:

1. Glaube und Wissen. 2. Der Materialismus. 3. Der Materialismus als Weltanschauung des Arbeiter- ftandes. 4. Ist der Glaube an Gott vernünftig? 5. Bon dem Ursprung der Religion. 6. Materialismus und Weltentwickelung. 7. Biblischer Schöpfungsbericht und Naturwiffenfchaft. 8. Der Ursprung des L.benS. 9. Der Darwinismus. 10. Die Geistigkeit der mensch­lichen Seele. 11. Die Unsterblichkeit der Seele. 12. Das Wunder. 13.—15. Die Apologie Christi. 16. 19. Bon der Kirche. 20. Christentum und Arbeit. 21. Das OrdenSleben der katholischen Kirche. 22. Babel und Bibel. 23. Eine neue Religion?

Der Preis für das 240 Seiten umfassende Heft, welches durch jede Buchhandlung bezogen werden kann, beträgt 1 Mark.

** Zu de« Handelsvertragsverhand- Inngen will ein Berliner Blatt von zuständiger Seite erfahren haben, daß fich infolge der Schwierigkeiten in den Verhandlungen zum Ab­schlüsse des deutsch-rumänischen Handels­vertrags der rumänische Minister des Aeußern, sowie der Finanzminister nach Karlsbad begeben hatten, um mit dem Minister Präsidenten Sturdza hierüber zu beraten. Der gleichen Angelegenheit galt auch die Besprechung Sturdzas mit dem König Karol in München. Erst nach der Rück­kehr des Ministerprästdenten soll die Ent­scheidung bezüglich einer Verständigung mit den deutschen Unterhändlern getroffen werden. — Jedenfalls bestehen die Schwierigkeiten noch fort. Als Grund der Schwierigkeiten werden die land­wirtschaftlichen Zölle angegeben, an deren Höhe sich Rumänien stoße.

)( Der sozialdemokratische Parteitag scheint in Schwierigkeiten zu kommen. Rach einer Mitteilung des .Vorwärts' ist der Abg. Singer erkrankt. Er leidet an einer schmerz­haften Venenentzündung, die ihn, wie es heißt, vorausstchtlich für mehrere Wochen ans Bett fesseln wird. Der Abg. Singer ist seit Jahren der Präsident des sozialdemokratischen Partei­tages, wie er auch im Reichstage in allen An- gelegenheiten, wo die Geschäftsführung in Frage kommt, die Führung der Sozialdemokraten hat. Da vom persönlichen Geschick des Präsidenten auf den sozialdemokratischen Parteitagen wesent­

lich der ganze Verlauf abhängt, namentlich bei den Streitereien, wie sie dort vorzukommen pflegen, so dürften die Genossen durch die Er­krankung des Abg. Singer in arge Verlegenheit kommen. Ein Ersatzmann dürfte schwer für ihn zu finden sein.

Was tut uns not in Südweflafrika? be­titelt sich eine Zuschrift deS Bevollmächtigten deS Di­strikts Grootfonlein, W. G. Zipplitz, an die .Post', welche sich als ein Vorschlag zur Lötung der südwest­afrikanischen Verwaltung; frage dar stellt. In derselben wird die Schaffung eineS wohlorganifierten Komitees in Südwestafrika gefordert, das die Aufgabe hätte, eine Zentralstelle für sämtliche Interessen des Landes zu fein, sowohl in wirtschaftlicher wie in politischer Hinficht; denn nur auf diese Weise, meint der Ver­fasser, wäre eS möglich, den unhaltbaren Zuständen im Lande selbst, wie bet falschen Beurteilung denselben in Deutschland entgegenzuwirken. Erforderlich sei dazu, daß die gesamte Bevölkerung aller BrrufSklvssen im Lande, einzeln wie auch die bereits gegründeten Vereine, geeint sich einem solchen Komitee anschlössen, welches seimn Sitz sowohl im Schutzgebiet, sowie auch zur kräftigen Settrdung der Inten ff en in Deutschland habe. Der bisher bestehende Baurat im Schutzgebiet habe ge­zeigt, daß sein Wert nur ein scheinbarer fei. Der Wunsch der Bevölkerung strebe die Gründung eines Gouvernements- und BezirkSratS an, bei dem alle Stände deS Landes durch Wahl ihres Vertreters Be­rücksichtigung finden müßten. Aus diesem ersten Schritt würden sich die weiteren Reformen von selbst ergeben.

* ver russisch-japanische Krieg.

In der Nordmandschurei ist der Krieg nach den Lchlachttagen von Liavjang für eine Weile zum Stillstand gekommen. Die Japaner sind in den tagelang fortgesetzten Kämpfen der­art mitgenommen worden, daß sie zunächst an einen kräftigen Offenstoftoß gegen Kuropatkin nicht denken konnten, haben aber bereits von Niutschwang her Reserven herangeholt. Die Russen haben ihrerseits auch alle Hände voll zu tun gehabt, um sich nach dem Rückzug aus Liavjang zu sammeln und ihre Stellungen im Norden zu befestigen, wo sie demnächst einem neuen Vorstoß der Japaner zu begegnen haben werden.

Die russtsche Kavallerie, auf die man im Beginn des Krieges mit Japan so außerordent­liche Hoffnungen setzte, ist während der ganzen

i-ts # * ■ ö1“

General Orbelianr.

Kämpfe so gut wie gar nicht in Aktion getreten, ja ste hat der notorisch minderwertigen japanischen Kavallerie gegenüber vollständig versagt. Aller­dings haben die Russen bei ihrer ostafiatischen

- ———I

Armee nur sehr wenig reguläre Reiterei gehabt, sie rechneten hauptsächlich auf ihre Kosaken, die aber im allgemeinen keineswegs den Ruf recht- ftrrigten. der ihnen voraufging. Die Kaukasische Retterbrigade, wie diese Kc saken genannt werden, kommandiert Generalmajor Fürst Orbeliani, der einer der edelsten Familien des Kaukasus anfehört. Er hat seine ganze Dienstzeit im Kaukasus in Mittelasien zvrückgelegt und zeichnete sich im russisch-türkischen Kriege besonders aus. Bei den Kämpfen um Liaujang gelang es ihm, sich mit seinen Kosaken heroorzutun.

W Köln, 13. Sept. 1904. Der.Kölnischen Zeitung' wird aus Petersburg vom 12. September gemeldet: In einer in Port Arthur jüngst entdeckten geheimen Niederlage, welche von den Chinesen vor dem chinesisch-japanischen Kriege angelegt wurde, wurden 60,000 bis 100,000 Granaten, einige hundert alte Kruppge- schütze, die noch tauglich sind, große Mengen von Pulver von guter Beschaffenheit, angeblich auch Gewehre und Patronen in großen Menge« gefunden.

W. 8»tti>ott, 13. Sept. 1904. Das.Reutersche Bureau' meldet aus Mukden vom 10. Sept.: Die Russen ziehen sich nach Tieling zurück; der japanische Vormarsch vollzieht sich langsam. Die militärische Lage ist nicht un­günstig. Viele Kompanien bestehen nur aus 30 Mann. Trotz der Widerwärtigkeiten beim Rück­zug find die Truppen in gehobener Stimmung.

W. Petersburg, 13. Sept. 1904. In de« letzten Tagen wurden hier zweiJapaner ver­haftet, die vor Ausbruch des Krieges als Handlungsgehilfen hier tätig waren. Einer der­selben war zur griechisch-katholischen Kirche über­getreten und hatte eine Russin geheiratet. AuS den in der Wohnung der Verhafteten vorgefun­denen Papieren geht hervor, daß beide japanische Marineoffiziere find, welche Spionage betrieben.

* Fürst Ferdinand von Bnlgarie« hat's erreicht I Er ist am Montag früh auS Ungarn in Wien eingetroffen und wurde nach­mittags vom Kaffer in besonderer Audienz empfangen.

* Das holländische Ministerium und die Liberale«. In den Niederlanden haben wir seit fast vier Jahren ein Ministerium, dessen Mitglieder ans überzeugten Christen bestehen, und deren Streben es ist, dem Lande eine in christlichem Sinne gefaßte Gesetzgebung aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens zu geben. DaS

wunderbare Mgungen.

Eine Erzählung, übersetzt aus dem Italienischen von L. Beinhorn.

1 ------(Nachdruck verboten.)

Einleitung.

Am 15. Juni 1840 landete die Fregatte «rtemifia vor Rückjawik, der Hauptstadt Island«. Die Insel n-ar von den «eisten Matrosen, welche fich auf dem Schiffe befanden, wenig gekannt; aber kaum war der Änfet geworfen, als ein jeder von ihnen auf da« Deck eilte und neugierig dieses düstere Land anblickte, wel­ch's nach den schrecklichen Ausbrüchen des Hekla von den Naturforschern so gern ausgesucht wird.

Eine Kette von Berghügeln, welche bis au das M-er grenzt, umgibt von der einen Sette die Stadt, während auf der andere« im Hintergründe der Bai ein Majestätischer Gletscher, der mtt ewigem Schnee bedeckt ist, hervorragt.

Die ersten Gebäude der Stadt, welche fich an dem grauen, düsteren Himmel abzeichne«, liegen am Hase» ziemlich nahe, allein außer der Kirche, der Bolks- schule und dem Gebäude des Gouverneur- haben alle anderen Häuser ein so düstere-, verlassene- Aussehen, daß man fich so leicht nicht-ödere-, nichts traurigeres denken kann, weder Gärten, »och Bäume, nicht-, da» irgend einer Vegetation gleicht.

Die Fregatte sollte nur kurze Zett im Hrsen wetten. Der Kommandant hatte den Befehl enettt, dort nur so lange zu harren, wie eS unumgänglich nötig s-i, um das Fahrzeug mit frischen Kohlen zu versehen. Hierzu waren nur zwei Tage erforderlich, welche natürlich ei« Jeder benutzen wollte, um die hauptsLhllchsten Umgebungen der Stadt in Augen­schein zu nehme«.

Der Reisende findet indessen weder in de« Dörfer«, voch in den Städten der Insel Merkwürdigkeiten;

um diese zu sehen, um fich außergewöhnliche, groß­artige Genüsse zu verschaffen, nutz er weit in da- Land dringen, den vulkanischen Boden aussuchen und dort da- Leben der furchtbaren Natur belauschen.

Auf fo kurze Zett und nach so ausdrücklichem Be­fehle hatte fast n-'emand den Mu», ehe Exkursion zu unternehmen.

An Bord dir „Artemfia" befand fich indessen ein Marineoffizier, dessen Reiselust und Sucht nach dem Abemeuerliche» fast keine Schranken kannte, «nd welcher der Versuchung nicht widerstehe» konnte, wenigsten- etwa-, und sei es auch noch so wenig, von der wilden Namr de- Landes zu sehen. Es war noch ein sehr junger Mann. Als Erster des Gymnasium- hatte er die Seefchule b.-treten und hatte dieselbe schon nach zwei Jahren al- Erster abwlviert. Im Dienste der Flotte hatte er so großen Eifer und Mut entwickelt, daß er fich bald die Achtung und Liebe seiner Vorgesetzten erworben hatte und in Folge dessen mit dem Kreuze der Ehrenlegion geschmückt toutbe. Die Zukunft war also für Arbert Villeneuve (so war fein Name) verführerisch und vielversprechend; er blickte mit sicherem Vertrauen auf sie und fand in der Anerkennur g seine- edlen Strebens auch die höchste Freude.

Kaum hatte er da- Land betreten, so bemächtigte ich seiner der Wissensdrang in so mächtiger Weise, »aß er sofort Mittel und Wege suchte, um doch etwa« von den Merkwürdigkeiten der Insel kennen zu lernen. Seher Ansicht nach lief er dabei keine Gefahr. Bier- undzwanzig Stunde« standen zu seiner Verfügung In einem Lande, wo e- während de-Sommer» keine Nacht gibt, konnte er binnen dieser Zeit eine große Strecke zurrcklegen und zu der von dem Komman­danten vorgeschrieberen Stunde wieder zurückgekehrt ein.

Um von diesem Vorhaben nicht zurückgehalten zu werde«, hielt er e» für ratsam, niemand von der Sch'ff-mannschast davon in Kenntnis zu setzen.

®c mietete daher ein starker Pferd, bewaffnete

fich mit einem Revolver, versah fich mit einigen Lebensmitteln, und so ausgerüstet begab er fich in so gehobener Stimmung auf den Weg, al- wenn e- fich um die Eroberung einer neuen Welt gehandelt hätte. Am ersten Morgen seines Ausfluges hatte »och nie­mand seiner Gefährten »ach ihm gefragt; sie wußten zu wohl, wie gewissenhaft er den Befehlen seiner Vor­gesetzten nachkam, eS kam daher niemanden tn den Sinn, fich über seine Abwesenheit zu wundern.

Allein am zwetten Morgen, al- die ganze Schiffs­mannschaft fich wieder frischen Mute» auf der Fregatte versammelt hatte und Albert Villeneuve auf den Appell nicht anttvorteie, trat eine allgemeine Bestürzung ein. ES konnte nur eine Verspätung die Ursache seine- Nichterscheinen- sein, und niemand zweisette, daß man chn in dem nächsten Augenbl ck herbeieilen sehen würde. Aber die Stunden verflossen, die Ungeduld und Unzufriedenheit des Komm andante« wuchs von Minute zu Minute; und als endlich die zweite Nacht verstrich und er immer noch nicht erschienen war, da begann ein jeder an die Möglichkeit einer Unfalles zu denken.

E« wurden Nachforschungen an der Küste und in dem Innern de» Landes angestellt ... die ganze Be­völkerung von Reitjavik war in Alarm, allein al» nach mehreren Tagen alle Bemühung n ohne Erfolg ge­blieben Ware«, da sah fich der Kommandant der Ar­temisia genötigt, ben Anker zu lichten.

Der junge Abenteurer hatte gegen 2 Uhr bie Stabt verlassen und, aus sein Reitpferd vertrauend, bald da» rffene Feld gewonnen. Ec wußte a«S deu Reffe­beschreibungen, daß da- isländische Pferd ein treuer Gefährte ist, auf welchen man fich mit voller Sicher­heit verlassen kann, und er fühlte daher nicht die ge­ringste Befürchtung, al- er fich auf seinem einsamen öden Wege befand.

Nach Verlauf einer Stunde dacht« er weder an die Artemisia, noch an einen seiner Kameraden, noch an irgeno etwas, wa» ihn von dem Ziele feil ei Aus­luge» hätte abletten können. Je Wetter er vordravg,

desto wllder und romantischer zeigte fich bie Natur. Der Blick erstreckt; fich rechts unb links über unge­heure Lavafelder, welche im Hintergründe von leuchten­den Gipfeln des ewigen Schnees bezrerzt waren. Dann und wann wurde der Weg sehr abschüssig, und häufig hatte da» Pferd glatten, schlammigen Boden z« überschreiten, außerdem lagen bie Wege so voller Schlacken unb Gerölle, daß es großer Vorsicht bedurfte, solche gefahrvolle Stellen g ücklich zu passieren. Doch immer mutiger drang der junge Reisende vor, und da da» Wetter außergewöhnlich n ild und ruhig war, so lag ihm die Befürchtung eine» Unfälle- fern. Er hatte ungefähr ein Letzend englische Meilen zurück- gelegt, unb würde vielleicht an die Rückkehr gedacht haben, wenn er fich nicht plötzlich vor einer der wun­derbarsten Aussichten von ganz Irland befunden hätte.

Er war in die Nähe der Almamagia gelangt.

Sie bittet einen seltenen großartigen Anb.ick dar — sie ist eine jener geologischen Erscheinungen, welche man nur an dieser St lle sieht, keine andere Land­schaft bittet ihr- Glttchen dar. In einer der ent­ferntesten Zetten hat fich ein von dem Hek.a ergießen- ben Lavastrom hier gestaut und eine weite Kluft ge­bildet, welche fich in Gestalt eines tiefen Schlunde» schließt unb bem erstaunten Auge endlose Abgründe darbiettt. Wenn man in die Tiefe dieses Schlunde» bringt, so befindet mau fich gleichsam in einer Galerie, welche sech-zig Fuß lang ist und von zwei gleichlaufen­den Mauern gebildet wird ur.b von ungefähr 150 Meter Höhe; hier hat der Lavastrom btt dem Er­starren bie wunberbmsten Phantafiegruppen geformt. Im Innern dieser Mauern fieht man Fenster mtt Spitzbogen und schwerfällige Bal'one, während der Schlund selbst Ansichten von Türmen unb Gebäuberr mit allen Ausstattungen darbittet, wttche den Festungen de» Mittelalter» angehörten.

Albert war von einem solchen unerwarteten An­blick ganz überrascht; de» Zügel seine» Pferde» krarnp-haft haltend, ließ er bie erstaunten Bl cke in den Abgrund schweifen.