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Krlüa, Freitag, den 9. September 1904.

31. Jahrgang.

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verzweigten Adern der Ltlerctur rollen. Der ästhetische Begriff ter Schönheit der bisher maß- gkberid war in Literatur und Kunst, wurde in die Rumpelkammer geworfen, und die Wahrheit, die Wahrheit um jeden Preis auf den Schild erhoben, ohne etwas danach zu fragen, daß die ganze Literatur der Vergangenheit dabei in Scherben ginge. Der neue Gott auf dem Altar der Kunst war die Wahrheit, die Natur. Em Triumvirat hatte die Führ» ng übernommen. Zola führte feine Seftr in die moderne Welt der Technik und Industrie, des Großkapitals und der Proletarier, der Lust und des Eiends, des Verbrechens und des Lasters Ibsen zeichnet die Schäden der modernen Gesellschaft, deren Unter­gang dieser Mephisto p opbezeit, und verbeißt die Herabkunst eines neuen Reiches, in dem Geist und Fleisch gleichmäßig zu ihrem Rechte kommen sollen. Der Russe Tolstoi aber in ehrwürdigem Barte und grobem Bauernkittel geißelt die Kor­ruption und das Massenelend, wie es nur der Absolutismus zeitigen kann. Die sozialen Zustände der Gegenwart sind der bevorzugte Gegenstand dieser Schriftsteller, und in deren Schilderung sind sie beeinflußt von den wifsen- schastlichen Strömungen der Zeit.

Die Naturwiffenschaft war die Wiffenfchaft xar egoxyv. und darum sollte sie auch in der Literatur herrschen. Mikroskopisch wurde alles untersucht, kaleidoskopartig zogen die Bilder am Leser vorüber; mir photographischer Genauigkeit wurde die Natur ausgenommen; es ist, als ob man einen Kinematogrephen an der Arbeit sähe orer die Töne eines Phonographen hörte. Warum auch nicht? Mo» lebte ja im Zeitalter der Naturwiffenschaft. Uns so entstand die sozialkritifche-naturalistische Belletristik, bedingt durch die sozialen Zustände und die vor­herrschende Wiffenfchaft.

Dieser literarische Dreibund hat in Deutsch­land die literarische Revolution entfesselt. Wie eine losgelaffene Meute stürzten sich junge unge­klärte Schriftsteller auf die Werke der Ausländer. Die kraffen Uebertreibungen des Naturalismus feierten wahre Orgien; denn die Schar der Nachbeter war ohne Zahl und dazu vielfach ohne Talent. Doch seien wir gerecht: die ganze Be­wegung, die ans Ausland sich anschloß, bedeutete eine Weilerentwickelung. Aktueller Stoff, kräf­tiges Erfassen der Natur und ihrer Schönheften, plastische Zeichnung, tiefe Empfindung für die Naturschönheiten, originelle Ausdrucksweise, das find Eigentümlichkeiten des Naturalismus, die einen Fortschritt bedeuten.

Und dieselben hätten für .die Entwickelung der Nationallrteratur von größtem Vorteil sein können, hä ten die Realisten jener Tage auch auf die Stimme der Kunst gehört. Aber die machte ihnen wenig Sorge. Wahrheit, Natur, Erlebtes: das waren die springenden Punkte, um alles andere kümmerte man sich keinen Pfifferling. Und doch war die Straßenrinne, welche bevor­zugt wurde, nicht die soziale Lage der Gegen­wart und der Kinematograph ebensowenig Kunst wie der Phonograph.

Des konsequenten Realismus ward man denn auch bald Lberdrüsfig. Seine widerwärtige Kraß­heit, seine ausschließliche Betonung des Sinnlichen verletzte auch seine glühendsten Verehrer. Und so fing man an, dem Uebrrfirmlichm wieder Geltung zu verschaffen. Der Naturalismus ward zum Symbolismus. Es ward auf einmal alles Stimmung der Nerven, und die neuen Schriftsteller besaßen mimosenhafte Empfänglich- feit für ine Schwingungen der Seele, Eindrucks­fähigkeit für jeden Hauch der Atmosphäre. Wer die nervösen Romane der Symbolisten konnten ästhetisch nicht beftiedigen, und ihr manierierter Stil mit seinen vibrierenden Nüancen wurde langweilig. Und so rettete man fich von diesen extremen »Ismen" auf die Oase der Heimat­kunst. In der Schilderung fort Heimat, deren Bewohner und Sitten, deren Schönheiten und Reizen sollte man ausruhen von der Brutalität des Naturalismus und seine Nerven wieder be- ruhigen nach der Ueberspannung Irr Symbolisten. Aus der Großstadt zog man auf das Land. Aber dieser Ruheplatz war zu enge, als daß et zum dauernden Aufenthalt fick geeignet hätte.

Und so suchte man allmählich wieder den romantischen Weg, von dem der Naturalismus der achtziger Jahre weggeführt hatte, und die Neuromantik löste die seitherigen Richtungen ab. Die ästhetischen Begriffe, die man vor 20 Jahren in die Rumpelkammer geworfen halte, wurden wieder hervorgrholt, der Hunger der menschlichen Seele nach Schönheit brach mit ele­mentarer Gewalt dmch. Und diese Reaktion mußte kommen: RealftmuS und Symbolismus mußten an ihrer Einseitigkeit zu Grunde gehen. Naturerfaffung und Jdealifierung: beide sind notwendig, wenn überhaupt ein Kunstwerk zu- standekommen soll. Dasselbe ist ja die Wieder­

[] Mod-rn« vellktkiß».

Rede von Dr. Huppert

auf der 51. Senrralversam mlung der Katholiken Deutschlands.

Das Tbemo, welches vom Lokalkomitee mir gestellt wurde, lautet: Moderne Belletri­stik. Ein weites Gebiet, so weit, daß, wollte ich auch ein nur annähernd vollständiges Bild derselben entwerfen, ich ohne Zweifel mit dem strengen Präsidium in Korflikl geraten würde. Daher beschränke ich mich auf einen Aus- schnitt.

Moderne Belletristik im Smne des mir ge- stellten Themas ist die gesamte Unterhal­tungsliteratur, wie sie in unseren Tagen in jedem Haute zu finden ist. Es ist eine unüber­sehbare Menge. Wenn man unser Zeitalter überhaupt das papierene genannt hat, so verdient es diefe Bezeichnung allein um der Nnterhaltungsliteratur willen, die jeden Tag mit neuen Werken auf dem Markte erscheint. Und hielte doch die Qualität gleichen Schritt mit der Quantität! Aber nichts weniger als das.

Da sehen wir zunächst eine große Menge von unterhaltenden Büchern, Heften und Zeit­schriften, die einfach als unsittlich zu be­zeichnen find. Lange hat man in Deutschland fast dazu geschwiegen; ja beim Lex Heintz?- Rummel ist manche Lanze im Namen der Kunst für dieselbe gebrochen n orden, wenn solche Mach­werke auch nicht den Schatten von Kunst aus- weisen können. Aber es rührt sich. Der deutsche Buchhandel selbst sängt an — und das sei hier öffentlich zu seiner Ehre gesagt —, gegen die unsittliche Literatur sich zu wehr-n. In dem Börsenblatt für den deutschen Buchhandel wird Verlegern rare Sortimentern, den Kolpvrtage- buchhar.dlungen wir den Warenhäusern das G e» wifsengeschärft; es werden ihmndiePslichten vorgehalten, die im Kampf gegen dm Schmutz in Wort und Bild ihnen obliegen. Geplant wird eine korporative Organisation des Sortimenter­standes, der sittliche Berufsnormen aufstellen und durch Ehrengerichte darüber wachen soll, daß unsaubere Elemente fern gehalten werden. An­gesichts des Elends, das über unser deutsches Volk hereinbricht durch die Gattung von Belle­tristik, gegen welche der deutsche Buchhändler­stand mobil macht, begrüßen wir Katholiken diese Bewegung mit Freuden und wünschen den mutigen Männern, die an der Spitze stehen, reichsten Erfolg.

Den mutigen Männern! Ja, es gehört schon Mut dazu, nach allem, was jene Kämpen zu leiden hatten, die in der Lex Heintze-Bewegung standen. Wie ist es unserem Roeren ergangen! Alle Witzblätter, namentlich auch die bayerischen, und alle Varietäs haben ihn verhöhnt, weil er gegen Dinge vorging, die heute auch dem Buch­handel zu stark find. Doch der Wandel ist im Anzug. In Dresden haben am 6. und 7. März d. I. die Goethebünde getagt und einen An­trag von Geh. Hofrat Gurlitt angenommen, der also lautet: „Der Delegiertentag der Goethe- bünde ersucht die Einzelbünde, in ihrem Wirkungs- kreis gegen die Schmutzliteratur und -kunst in geeigneter Weise vorzugehen, da diese Unkunst einen ernsten Schaden für die echte Kunst dar­stellt." Den Goechebündm reichen wir die Hand zu diesem Antrag: wir arbeiten mit an dieser großen Kultur aufgabe für unser geliebtes deut- sches Volk.

Auch anderwärts regt es sich. Am 16. Juni d. I. wurde in Berlin durch Otto v. Leixner ein Volksbund ins Leben gerufen zum Kampf gegen den Schmutz in Wort und Bild. Zwar bin ich nicht mit allen Bestimmungen der Statuten einverstanden, aber für den Grundgedanken werden wir alle begeistert eintreten — auch die Bayern, wie wir Süddeutschen alle, obschon die Anregung aus Berlm kommt. Daß konfessionelle und parteipolitische Bestrebungen hier auige» schloffen sein sollen, findet unsere volle Zustim­mung. Der Kampf gegen den Schmutz in Wort und Bild muß Protestanten wie Katholiken gleich­mäßig am Herzen liegen; das ist ein Gebiet, auf dem wir gemeinsam arbeiten können; das ist etwas, was die beiden großen christlichen Kon- fesfionen in Deutschland eint; und arbeiten wir hier ehrlich und eifrig zusammen, so ist das für die Kultur des deutschen Volkes mehr wert als die gelehrtesten Abhandlungen über Kontrovers- . punkte. ** Ohne Ansehen der Konfession und Partei wollen wir zusammen arbeiten, unser deutsches Volk zu bewahren vor allem, was es an Leib und Seele vergiftet. Ich glaube, Sie

alle sind damit einverstanden, wenn ich konstatiere: Die Katholiken Deutschlands sind bereit, diesen Feldzug mitzumachen.

Und dann findet vom 5 —7. Oktober d. I. in Köln ein internationaler Kongreß gegen die unsittliche Literatur statt. Der Aufruf zu demselben ist von vielen hervorragenden Männern oller Parteien Unterzeichner. Sollen die Katholiken Deutschlands zu rückbleiben ? Ich meine: Nein, wir dürfen hier nicht abseits stehen, wir müssen dabei sein. Zur Leitung des Kongreffes wie des Volkebundes habe ich das Vertrauen, daß nichts geschehen werde, was den Katholiken die Mitarbeit unmöglich macht oder auch nur erschwert. Brüderlich reichen wir jedem die Hand, der gegen eine Literatur arbeitet, die der Krebsschaden unserer Zeit ist; ja wir hoffen, daß alle, denen es um das wahre Wohl des Volkes zu tun ist, ihre Mitwirkung nicht versagen werden. Und wenn die gemeinschaft­liche Arbeit aller Konfesfionen und Parteien auch noch das Gute hot, daß der Streit auf anderen Gebieten maßvoller wird, weil man auf neutralem Boden sich schätzen und lieben gelernt hat, dann wird über diese gute Wirkung des Kampfes gegen den Schmutz in Wort und Bild in den Tagen, da zumol der konfessionelle Hader so heftig entbrannt ist, niemand mehr fich freuen als das katholische Deutschland.

Auch die Tagespresse findet endlich Worte gegen den Schmutz in der Literatur, und zwar die Presse ganz weit nach links, bis zum Ber­liner Tageblatt, und das ist wahrhaftig nicht prüde. Gegen das Gift unzüchtiger Schriften ruft es sogar — nach der Polizei. Wer hätte das in den Lex Heintzetagen seligen Andenkens fich träumen lasten! Es ist das aber ein Zeichen des besonderen Tiefstandes einer gewiffrn Art von Literatur.

Sie sehen, der Kampf geht diesmal nicht vom finstern Zentrum aus, sondern kommt aus ganz anderen Kreisen, die zum teil den Vorkämpfern der Lex Heintze einst recht nahe standen. Nicht der „Fanatiker" Roeren und der „Jesuit" Gröber stehen in den vordersten Reihen, sondern der deutsche Buchhandel, die Goethebünde, Otto von Leixner und — das Berliner Tageblatt. DaS Allerschlimmste ist durch die Lex Heintze ja verboten worden, heute wendet »an fich gegen die jetzt gesetzlich nicht verbotenen Schmutzpro­dukte. Und deren werden ungezählte auf den Büchermarkt gebracht: Man braucht nur in manchen Bücherauslagen die Witz- l lütter, Kolportageheftchen, Wochenschriften, intime Erzählungen, pikante Umscklagbilder zu sehen. Noch nicht hat das deutsche Volk die moralische Kraft besessen, durch Selbfihülfe diese geradezu schamlose Literatur hirwzozufegen; fie ist vielmehr die LieblingSlektLre weiter Kreise, wie die hohen Auflagen beweisen, und stammte fie selbst von dem als Ab chreiber gebrand- markten Profeffor Aßmns. Nun wird ein An lauf zur Selbsthülfe genommen. Ob er etwas fruchten wird? Ob das öffentliche Gewiffrn des Volkes so geschärft wird, daß kaum noch jemand zu solcher Lektüre greift? Wenn man sieht, wie aHe Streife der Bevölkerung, von den vornehmsten bis zu den untersten, französische Zotenstücke sich mehrere hundertmal aufführen laffen, wenn man sieht, wie gerade die pikantesten Buchhandlungen am meisten belagert find, dann möchte man an der Selbsthülfe verzweifeln. Denn solange ein bedeutender Bruchteil unseres Volkes der schmutzigen Literatur noch Jntereffe entgegen- bringt, wird die Selbsthülfe allein nicht sehr viel nützen. Sie muß unterstützt werden durch die Gesetzgebung. Ich wünschte auch, die „ge­steigerte moralische Sauberkeit" genügte zur Be­seitigung der schreienden Mißstände, aber ich fürchte, die vorhandene Unsauberkeit wird auch die gesteigerte moralische Sauberkeit nicht zur Geltung kommen laffen, und bann muß das Gesetz die Selbsthülfe unterstützen. Es ist mein sehnlichster Wunsch, die Hilfe des Gesetzes wäre nicht notwendig, denn das wäre ein Beweis für ras hohe fittlicke Niveau unseres deutschen Volkes. Wir rufen also nur nach Gesetz und Staatsanwalt, wenn die Selbsthülfe nicht ausreicht, und das ist bann ein Akt der Notwehr. Mag man uns bann auch als „verabscheuungswerte Dunkelmänner" bezeichnen: wir rufen um Hilfe, weil ohne sie das leibliche und geistige Wohl unseres Volkes leidet. Unser Standpunkt ist der: Wahre Kunst so»l und darf nicht bekämpft werden; aber man nenne auch den Schmutz nicht Kunst, sondern bezeichne ihn als das, was er in Wirklichkeit ist.

Und nun zur Belletristik, dieKunst ist, ober doch auf Kunst Anspruch macht! In den acht­ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann eine förmliche Revolution in der Literatur. Mau schrie förmlich nach neuem Stoff, nach einem neuen Stil; neues Blut sollte dmch die weit­

geburt der Natur aus der Seele des Künstlers und darum muß dir Natur zwar umgebildet werden, aber doch zu ihrem Rechts kommen.

Alle diese Richtungen: Naturalismus, Sym­bolismus, Heimatkunst, Neuromantik, mit ihren Vorzügen und Mängeln, laufen heute noch nebeneinander her, wenn sie auch nicht mehr häufig in völl ger Reinkultur Vorkommen. Je mehr ein Produkt ein Mischling ist, desto voll­kommener ist es eigentlich. Es ist noch ein buntes Durcheinander, und noch immer willS nicht Ordnung werden.

Auf christliche Lehre und christliche Moral hot die moderne Belletristik wenig Rück­sicht genommen, ja fie mit Füßen getreten. Kein Wunder! In der naturalistischen Periode führte der Materalismus dos Szepter, das er später an Nietzsche abgeben mußte. Hier wie dort wurde das ganze Christentum über den Haufen gerannt; die alten Tafeln wurden zerbrochen und andere mit neuen Werten geschaffen. Die „Edel- raffe" wbermensch, die unter Nietzsches Führung gezüchtigt wurde, kannte nichts als sich, und darum tummelte sich bald das „Jenseits von Gut und Böse" in der modernen Literatur, vom Atheismus bis zur Mo: al denkbar unzweideutigster Art. Wie in der Wiffenfchaft so gehörte auch in der Belletristik die Religion lediglich der Vergangenheit an; man vergaß, daß unter dem Einfluß der Religion die großartigsten Werke der Weltliteratur geschaffen waren, ja man hielt sie als geradezu unvereinbar mit der Poesie und fang: Der lieber men sch ist groß und Nietzsche sein Prophet! Und so ist es vielfach noch bis auf den heutigen Tug, Die Weltanschauung, welche sich in der modernen Belletristik auslebt, ist häufig die des Uekermenschentums, das vom Christentum überhaupt nichts weiß. Daher die Verherrlichung des Ehebruchs wie der freien Siebe, des Duells wie des Lasters, des Unglaubens wie der Religionslosigkeit.

Wir brauchen uns nicht zu verwundern über die Stellung, welche katholische Schriftsteller dieser modernen Belletristik gegenüber von Anfang an einrahmen. Die modernen Stürmer brachen mit christlicher Sitte und Moral, und darum verhielt man sich auf katholischer Seite durchaus ablehnend. Die katholischen Autoren blieben konservativ und wandelten zunächst weiter in den anmutigen Gefilden der Romantik. Das war ein Mißgriff, wenn wir ihn auch erklärlich finden. Man verwechselte die ganze Bewegung mit einer Begleiterscheinung derselben, das Ge­sunde in dem Sturm mit dem Krankhaften. Und als dann der katholischen Belletristik bet Vor­wurf gemacht wurde, fie stehe nicht auf der Höhe der Zeit, fuhr es ihr wie ein Schrecken in alle Glieder, und es begann eine fieberhafte Tätigkeit. Ich will nicht sagen, daß fie durchweg glücklich war. Es gab und gibt doch auch unter unseren Stürmern Leute, die zu weit gingen, wenn ich ihnen auch nicht zum Vorwurf machen will, was hnen noch in den letzten Machest von katholischer Seite vorgrhalten wurde. Aber Fortschritte wurden auf jeden Fall erzielt: eine schärfere Kritik setzte ein, und es wurde doch nicht mehr überall gelobt, eben well etwas von Katholiken kam; in der Stoffwahl schritt man zu modernen Problemen, und die Darstellung strebte Formen an, wie fie unserer Zeit entsprechend waren; auch die Technik wurde vervollkommnet, und man schrieb nicht mehr nach vergilbten Rezepten.

Und das alles ist notwendig, wenn anders ;ie Belletristik der Katholiken einen Platz in der Literatur fich erwerben soll. Damit, daß z. B. ein Roman den katholischen Standpunkt nicht verletzt oder gar ihn vertrttt, ist es noch lange nicht getan; er muß auch künstlerisch gestaltet ein, wenn er ästhetisch beliebigen soll. Die Gefinnungstüchtigkeit allein tut es nicht. Glauben wir aber auch nicht, daß alles, was von nichtkatholischer Seite kommt in ber Belle­tristik, den Anspruch auf Kunst machen kann. Nein! auch da ist alles noch in Gärung; es ist auch dort roch sehr viel Mittel­gut, und künstlerisch abgeklärte Erscheinungen sind feiten. Und dabei ist vieles christentums- unb katholikenfeindlich. Ich will mich hier nicht auf die alte Streitfrage einlassen, ob ein Werk, das mit den Wahrheiten des Christentums in Widerspruch steht, in anderer Beziehung ein Kunstwerk sein kann ; auch habe ich nicht zu untersuchen, ob und »wieweit die Lektüre solcher Werke dem katholischen Publikum erlaubt ist — das mag jeder mit seinem Gewissen auSmachen —, aber Familienlektüre ist das meiste, was auf den Büchermarkt geworfen wird, ganz sicher nicht. Belletristische Schriften, welche Gym­nasiasten frühreif und junge Mädchen naseweis machen, gehören nicht auf den Familientisch, mögen fie Herkommen, wo fie wollen. Und da jähen natürlich die Mütter eine ernste Pflicht, daß ihren Töchtern und Söhnen nicht die

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