Maer
Zeitung
Mouatrbellage: „Kllöaer Geschichtsblatter"
M 205
Kllba, Donnerstag, den 8. September 1904»
Me Tochter des Verbannten
wesen sei wie gerade in diesem ertragreichen Jahre. Das gab der Freihandelskorrespondenz Veranlassung, Herrn Dr. Spahn eine statistische Vorlesung zu lesen und darin mitzuteilen, daß die Einsuhr an Weizen und Roggen im Jahre 1903 tatsächlich etwas geringer gewesen sei als in den vorangegangenen Jahren 1902 und
Eine wahre Geschichte.
------(Nachdruck verboten.)
• Der russisch-japanische Krieg.
KuropatkinS Armee befindet fich noch immer auf dem „glorreichen Rückzug" vor den nach« drängenden Japanern, die in steter Fühlung mit dem rusfischen Nachtrab bleiben und in der Verfolgung nicht locker lassen. Nach KuropatkinS letztem Bericht find die Russen „erfolgreich nach Norden gegangen." Schöner kann man freilich den Rückzug einer aufs Haupt geschlagenen Armee kaum bezeichnen. Statthalter Alexejew würde in einem solchen Falle sagen: „Die Truppen nahmen mit größter Bravour eine weiter zurückliegende Pofition ein." lleberhaupt ist man ja rusfischerseits bestrebt, die Sache so darzustellen, als habe es von vornherein im Plane Kuropat- kins gelegen, Liaujang aufzugeben und die Ja-1 parier sozusagen nach dem Norden zu locken, wo I der eigentliche russische Hauptschlag geführt werden sollte. Die Sache liegt doch wohl etwas anders. Sogar in rusfischen Militärkreisen werden die Schlappen der Russen auch auf den Mangel an begabten, sachkundigen Generälen in der rusfischen Armee zurückgeführt.
Japanische Kriegsstener ans Mehl. Aus Takoma (Washington) wird gemeldet, daß die dortigen Exporteure die Mitteilung erhalten haben, von Mehl, das nach japanischen Häfen gebracht wird, werde ein Kriegszoll von 10 Cents für den Sack erhoben.
Heute liegen noch folgende neue Nachrichten vor:
W. Peter-bnrg, 8. Sept. 1904. Das I Dstseegeschwader geht nun definitiv am 10. September von Kronstadt nach Libau und von dort am 14. September nach dem fernen Osten. Das Geschwader besteht aus 40 Fahrzeugen einschließlich der Minenboote und Transportschiffe. Allen Offizieren ter Ofiseeflotte ging der Befehl zu, fich in drei Tagen zur Abfahrt bereit zu halten. Die russische Ostseeflotte steht unter dem Kommando des Admirals Roschdjest- wensky, der als Flaggschiff den „Suwarow" gewählt hat. Abteilungskommandeure find die
für Me Inserate
J. parier in $*ii«. wochenbellage: „Illustrierte Zonntagzzettung
neuer Mm beseelte ihr Herz. Pötzlich hörte fieberen mehrere, und bald sah sie Männer aus dem Walde kommen. Sie ging voller Hoffnung auf sie zu, aber se mebr sie fich näherten, um so gröber wurde chr Schrecken. Ihr toilie» Aussehen jagte ihr mehr Furcht ei« als die Einsamkeit, worin sie sich befand.
I erinnerte sich, daß man ihr von verworfenen Menschen erzählt, welche diese Gegend unsicher machten.
3"d ffen kamen sie näher, hielten bei Feodora an, betrachteten sie ond stoglen, woher fie komme und was sie da mache. DaS junge Mädchen antwortete mit niedergeschlagenen Augen und zitternder Stimme, fie käme von Tobolsk und wolle nach Petersburg, den Kaiser um Gnade für ihren Vater bitten. Sie habe fich hier etwas aus geruht, um Kraft zu gewinne», eine Zufluchtsstätte avfzusvchen.
Erstaunt sraoten fie, wie viel Geld fie habe, um eine so weite Reise zu machen. Sie nahm aus ihrer Tasche da» kleine Geldstück deS Fischers und zeigte es ihnen.
„Ist das aller?' rufen fie. „Ja alles", antwortete fie ihnen.
Bei diesen Worten sahen sich die Räuber einander an. Sie find nicht gerührt, die Gewohnheit des Verbrechen» bat fie abgrstumpst, aber fie find erstaunr und e» kommt ihnen vor, al» ob da» junge Mädchen unter dem Schutz- einer höhere» Macht stände. Von Achtung ergriffen, wagt-n sie nicht, ihm Nebels zuzu- iüge», nicht einmal ihm Gute» zu erweisen. Sie ent- fernten sich, indem fie zu einander sprachen: Soffen wir fie, de> n Gott ist sicher mit ihr."
Feodora eilte so schnell fie konnte dem Walde zu. Kaum hatte fie einige Schritte dahin getan, al» fie einen Kreuzweg sah, und an «ivem der vier Wege eme kleine der seligsten Jurgsrau geweihte Kapelle, und auf derem Giebel einen Pst hl, der die Stabte «Wb, wohin jeher drr Wege hinführte. Feodora mhU, daß sie gerettet ist und dankt Gott au» ganzem Herzen. Die Räuber bette» fich nicht geirrt, Gott • war mit ihr. (F. f)
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Fernsprecher Nr. 9.
Admiral Roschd eftwensky
Kommandeur der rusfischen Ostseeflotte.
Admirale Fölkersam und Enquist. Ein besonderes Geschwader von 19 Fahrzeugen unter dem Kommando des Admirals Birylew begleitet die Flotte bis Skagen und kehrt dann nach Kronstadt zurück. Roschdjeflwensky, dem der Ruf eines außerordentlich tüchtigen Seemannes vorausgeht, hofft am 13. Dezember an Ort und Stelle zu sein.
(Es handelt fich nun darum, ob das Geschwader noch rechtzeitig eintrifft und ob sich nach 3 Monaten Port Arthur nicht bereits in japanischem Befitz befindet. Und letzteres hängt wiederum vom Schicksal KuropatkinS ab. Gelingt es ihm, die Japaner zu schlagen, so dürfte Port Arthur gerettet sein. Unterliegt er jedoch auf die Dauer, so ist auch das Schicksal von Port Arthur befiegelt. D. Red.)
W. Tokio, 8. Sept. 1904. (Reuter.) General Kuroki stieß bei Jentai auf so hartnäckigen Widerstand, daß er ihn erst nach viertägigem Kampfe brechen konnte. Dies erklärt die Tatsache, daß der Rückzug der Ruffen nach Mukden möglich war.
W. Tschifu, 8. Sept. 1904. (Reuter.) Heute abend wurde Geschütz feuer aus der Richtung von P o r t Arth ur vernommen. Zwei chinesische Dolmetscher, die zu der Umgebung des Generals Stössel gehören, wurden, der eine in Schu- schiyen, der andere in Palungschon von den Japanern als Spione festgenommen und hingerichtet.
W. London, 8. Sept. 1904. Dem Reuter« schen Bureau wird aus Petersburg gemeldet: Kapitän Wir en, der Kommandant des „Bajan", wurde an Stelle deS Admirals UchtomSki zum
26.
Eine» Tage», al» der Simm den Schnee in solcher Menge aufjagte, daß die Lust fich verfinsterte, schwankte Feodora bei j-dem Schritte; fie konnte nicht weiter, well fie den Weg nicht mehr unterscheide» konnte. Sie suchte Schutz unter einem großen Felsen, an den ne sich anklammerte, um gegen den Sturm sich aufrecht zu halten, der alles um fie her fcrtriß.
Während fie dastand, gestützt, unbeweglich und den Kopf gebückt, glaubte fie in der Nähe ein verworrenes Geräusch zu höre», wa» chr die Hoffnung gab, eine» besirre» Schutz zu finden. Sie schleppte fich mit Müh? »ach der Seite hin und sah tu der Tat einen umge- toorfenen Reisewagen und etwa» weiter eine Hütte. ®te beeilte fich an dieser gastlichen Türe anznllovfen. «me alte Frau öffnete. „Armes, junge» Mädchen," wrach fie gerührt von ihrer großen Not, „wo kommst
her, bei Deinem Alter, so allein, erstarrt vor “«ie und mit Schnee bedeckt?"
«Feodora antwortete in ihrer gewohnte» Weise: »^ch komme von Tobolsk und gehe nach Petersburg, »m Gnade zu erflehen für meinen verbannten Vater."
Bet diese» Worte» erhob ei» Mann plötzlich fein da» er aut die Hände gestützt htett, sah Feo- S* und sagte: „War höre ich? Du kommst an» •waten in diesem Zustande, mitten im Sturm, um I Mr für Deinen Vater zu erbitten? . . . D, meine rWa würde vielleicht dasselbe tu» wie du, aber J? hat mich ihren Armen eutriffen und fie weiß 5“*' w» mau mich hingebracht hat; fie kann nicht k? jMi bitte». Ich werde sterbe», ohne fie je wieder-
• • ■ • man kann nicht leben fern von seine»
Feodora schicke fie ihren Eitern .... Biklleicht wird er dieselbe an fie gelange» lasst» als ei» Zeichen, daß ihr Kind noch lebt."
„O ich schwöre, Dir zu gehorchen," antwortete der Verbannte, „und wenn ich in der Einöde, wohin man mich schickt, richt ganz und gar aeknechtet b n, so werde ich die Hütte Deiner Eltern zu finde» wissen und ihnen sagen, was Du beute an mit getan hast."
Feodora fühlte wieder neuen Mut in ter Hoffnung, ihre Eltern würden vielleicht bald beruhigende Nach- richt üoer fie erhalten. Sie besaß nichts mehr, nichts als das kleine Geldstück deS Schiffer» an der Wolga, aber fie schätzte fich glücklich, einem Batet Freude gemacht zu hoben.
27.
Nachdem Feodora einige Meilen zurückgelegt, fand fie die Hauptstraße auf Moskau zu dtzpch einen Orkan so zerstört, daß fie einen großen Umweg machen mußte, mitte» durch die Süwpse, welche die Wolga an dieser Seite bildet. Dieselben waren mit so dichtem Eise bedeckt, daß man sichet darüber geben konnte. Feodora ging nun eine geraume Zeit übet dieses Ei«; da aber fein Weg fich darauf abzeichnete, so verirrte fie sich und fiel in eine schlammige Vertiefung, aus der fie | nur mit Mühe fich hetauSarbeittn konnte. Endlich erreichte fie nach vieler Anstrengung eine kleine Anhöhe Mit Schmutz bedeckt und von Ermüdung erschöpft, setzte fie fich auf einen Stern, zog ihre Schuhe au-, um sie in der Sonne zu trocknen, welche in diesem I Augenblick ziemlich warm schien. ES war ein unbewohnter Ott, de» niemand betrat. Feodora sah, daß fie von der Hauptstraße weit abgeirtt wat, und dies beunruhigte fie seht, ungeachtet ihres Mutts. Hinter ihr lag der Sumps, de» fie soeben durchwandert und gegenüber ein unabsehbarer Wald. Der Tag nagte stch schon seinem Ende. Trotz ihrer äußersten Ermüdung erhob fich d-s junge Mädchen in der Hrff- nuvg, eine Zufluchtsstätte zu finden, oder Senfe, die ihr dazu verhels n würde». Sie irrte hi» «nd bet; aber 6ergfb?n8; sie sah und hörte nicht«. Bald schien er ihr, tu» höre fie eine menschliche Stimme, und I
Berlin, den 7. September 1904.
□ Zum Schutze des Handwerkerstandes Ordert die .Deutsche Tageszeitung' „etwas mehr Stampf" tn der Sozialpolitik, namentlich fordert fie die baldige Revision der Bäckereiverord- »ung, die gesetzliche Regelung des AuSver- kaufswesens und die Einführung des Be- fähigungSnachweiseS für daS Bau- gewerbe. Gewiß find auch wir dafür, daß die berechtigten Forderungen der Handwerker baldmöglichst ihre Erfüllung finden, man darf aber nicht vergessen, daß eS auch mit dem Zustandekommen anderer sozialpolitischen Maßnahmen immer eine gute Weile gedauert hat. Der Erfolg auf sozialpolitischem Gebiete beruhte auf der beharrlichen Forderung und an dieser hat es beispielsweise daS Zentrum in Hinsicht auf die Handwerker wahrlich nicht fehlen lassen. „ *• Die Tätigkeit der Gesellschaft z«r Nttsdreituug des EvaugelmmS wird nun auch dem ,Berl. Tagebl/ zuwider. Im Anschluß an ein Schreibe», welches der pommersche Pro- viazialverein dieser Gesellschaft versendet hat und in dem es heißt, daß die Gesellschaft in Pommern noch besonders die Fürsorge für die polnischen Arbetter in ihr Programm ausgenommen habe, schnrbt das freisinnige Blatt: „Zu den Unter- zehner» des Schriftstückes gehören außer zahlreichen Pastoren und Superintendenten auch der LandgerichtSpräfident Lippert und der Landrat v. Schmeling in Stolp. Wir glauben nicht, daß eine solche propagandistische Thätigkest für die protestantische Kirche fich mit der der Aufgabe eines Staatsbeamten verträgt. Wenn das Schreiben von einer „falsch verstandenen Toleranz" spricht, so geht es selbst von dem Grundsatz ausgesprochener Intoleranz aus. Will man das Vordringen der katholischen Kirche bekämpfen, so hat man dazu nur so lange ein Recht, als man sich einwandSfteier MÜtel be- dient. Einem suchenden Katholiken zu helfen, „zur Klarheit durchzudringen", daS ginge noch an. Aber die Erwähnung der polnischen Ernte- arbester zeigt, daß man gar nicht daran denkt, zu warten, bis die Katholiken suchen, sondern daß die Gesellschaft selbst Seelenfang zu treiben stch bemüht. DaS bedeutet allerdings eine Störung des konf-sstonellen Friedens, die aufs schärfste verurteilt werden muß." DaS ,Berl. Tagebl/ ist über den Verdacht zu großer Sympathie für Sie Katholiken erhaben; um so mehr fällt sein Urteil ins Gewicht,
, 7 Dorwitzige Belehrung betitelt sich ein Arnkel der »Deutschen Tageszeitung' der sich gegen die „FreihandelS-Norrespondenz" richtet. I ( «bg. Dr. Spchn hatte kürzlich in seinem Wahl- 1 »erse in einer Rede ausgeführt, daß trotz der I ertragreichen Ernte des Jahres 1903 die Ge- ! treideeinfuhr noch in keinem Jahre so groß ge-
*♦ Der Justizminister hat im Einvernehmen mit dem Kultusminister eine Anzahl BulkS- fchnllehrer zu Urkund-Personen fit Nut- Testam eute bestellt. Ob durch die Ausübung ! dieses Nebenamtes Unterrichts - Störungen eintreten, soll abgewartet werden.
** Eine Schnellbahn-Konferenz ist vom Eisenbahn-Minister für den Oktober ins Ministerium eingeladen. Es sollen die für eine Schnellbahn Berlin-Hamburg in Betracht kommenden Fragen erörtert werden. Geladen find die Vertreter der Studien - Gesellschaft für elektrische Schnellfahrten und andere Eisenbahn-Techniker. Die Versuchs-Fahrten der Studien-Gesellschaft werden in diesem Jahre nicht mehr ausgenommen werden.
Feodora erzttterie. „Mein Herr," ertoibirte fie lebhaft, „ich hoffe, daß man eine jetUang fern von feinen Kindern leben kann."
„Jetzt, da ich mein Los kenne," fuhr der Verbannte fort, „könnte ich meine Tochte- darüber aufkläre». Hier ist ein Brief, de» ich ihr geschrieben habe- Der Besitzer dieses urngestürzten Wagens, der nach Riga zurückkehrt, wo meine Tocht-r wobm, würde ihn besorgen, wenn ich ibm die geringste Vergütung geben kömite, aber ich bin dazu nicht imstande ich besitze ketten einzigen Heller; die Grausame» haben mit alles genommen."
Feodora nahm aus ihrer Tasche den einzige«, Rubel, der ihr »oq geblieben war, indem fie errötete, so wenig anbiete» zu könne». „Wenn dies genüge» sollte " sprach fie schüchtern, indem fie ihn in die Hand de» Verbannien legte.
Dieser drückte die edle Hand, die ihm ihr ganze» Vermögen gegeben hatte und lief heraus, um dem Be- fitzet de» Wagens das Geld zu fibergeben; es war da» Schet flein der Witwe. Jener gab fich damit zufrieden.
Al» der heftige Siu m fick gelegt hatte, wollte Feodora die Reise fortsetzen. Sie umarmte die alte Fran, die für fie wie 'fir ihre eigene Tochter gesorgt hatte und sprach leise zu ihr, damit der Verbannte es nicht hörte: „Ich kann Ihnen «ich!» vergelten, ich besitze gar nich,s mebr. Ich kann nur die Segenswünsche meiner Eltern über Sie herabrnfev, sie find j'tzt mein einziger Reichtum."
.Was," unterbrach fie die alte Fra» mit lauter Stimme, „mm es Kind, Du hast alle» hergegeben?"
Feodora sc fug errötend die Äugen nieset. Der Verbannte erhob seine Hände zm» Himmel und fiel vor ihr auf die Ritiee: „Engel, dct mit alles gegeben hat, „kann Ich nicht» für Dich tun?"
Ein Messer lag auf dem Tisch». Feodora nabm e», schnitt sich eine Haarlocke ab. gab fie dem Verbannten »nd sprach: „Mein Herr, wen» Sie nach Sibirien komme», besuchen Sie den Gouverneur von Tobolsk und geben Sie hm dieselbe mit teu 8torten: >
I 1903. DaS Blatt hatte daran für Herr» i Dr. Spahn die Mahnung geknüpft, er solle sich : in ähnlichen Fällen erst die Nachweisung avsehen, bevor er seinen Zuhörern, die nicht in der Lage seien, ihn zu kontrollieren, unrichtige Angaben mache. Hierzu schreibt die .Deutsche Tages- zeitung' m dem erwähnten Artikel: „Wenn Herr Dr. Spahn wollte, so könnte er den Reda'.teuren der Freihandels-Korrespondenz und all' den „führenden" liberalen Zeitungen, die diese Torheit mit Vergnügen nachgedruckt haben, mit wirklichem Recht einige Vorlesungen halten. Zunächst eine naturwissenschaftliche, in der er die Herren auf die ihnen anscheinend unbekannte Tatsache hinweist, daß zum Getreide auch Hafer und Gerste gehören. Sodann eine Volkswirt- schafttiche Vorlesung, in der er fie mit dem Umstande bekannt macht, daß die das landwirt- schaftliche Produzentenintereffe schädigende Wirkung überflüssiger Einfuhr fich beim Gersten- und Haferbauer genau so bemerkbar macht, wie beim Weizen- und Roggenbauer. So belehrt, würden die Freihandelsstatisttker dann aus ihren so dringend empfohlenen Quellenwerken sich selber die Kenntnis herausholen können, daß der um 507 000 Tonnen geringeren Weizen- und Roggeneinfuhr des Jahres 1903 eine Mehrei», fuhr von 575 000 Tonnen Gerste und Hafer gegenübersteht, so daß die Gesamt-Getreideeinfuhr deS Jahres 1903 in der Tat den höchsten, bisher jemals beobachteten Betrag überschritten hat. Solche Erkenntnis eigener Blamage macht die liberalen Gelehrten dann vielleicht etwas bescheidener."
* Die Wiesbadener Meldung von der bevorstehenden Berufung des Oberpräfidenten I Dr. Wentzel in ein Ministerium hat einen wahren Rattenkönig von Vermutungen erzeugt. Vorläufig tut man gut, eine abwartende Stellung einzunehmen. Die ,D. $/ schreibt zu dieser Frage, Frhr. v. Hammerstein denke nicht daran, aus seinem Amte zu scheiden. Würde er künftig einmal aus dem Amte scheiden, so würde Wentzel kaum sein Nachfolger werde». Kundige wollten wissen, daß ein anderer bürgerlicher Oberpräsi- dent dazu ausersehen sei. Gemeint ist wohl Delbrück. Uebrtgens kommt es nicht darauf an, was Herr v. Hammerstein denkt, sondern waS die maßgebende Stelle denkt.
• Gegen das nette Wohnnngsgesetz hat die Fraktion der Linken in der Berliner Stadtverordnetenversammlung folgenden Antrag eingebracht: „Der Magistrat möge möglichst ge- meinsam mit anderen Städten geeignete Schritte zur Abwendung der Gefahren einleiten, die durch Bestimmungen des neuen Wohvungsgesetzvor- tt schlages, insbesondere durch die beabsichtigten ' Aenderungen deS Fluchtliniengesetzes vom Jahre 1875 der Selbstverwaltung der Kammern drohen." ।