Einzelbild herunterladen
 

NN.

rnn

11

Mda, Mittwoch, den 7. September 1904.

31. Jahrgang-

en.

i

i«

f

ita

We Tochter des VerbMen

10

ur

W

«r. rd. iy«

L

lio

il

ien

L In* in- >et in ?e-

l»r> I«. iln, ian 188

*n«

8-,

ja io.

Tine wahre Geschichte.

------ (Nachdruck verboten.)

24.

Auf feen Schrei Feodora» waren mehrere Leute herbe igerilt und fr ugen nach der Ursache. Sie wie» auf ihren tot daliegendea Beschützer hin. Allsvgl-ich füllte sich da» Zimmer auf die Kunde von diesem Borfalle mit vielen Neugierigen an. Die Einen rchautea auf den Toten, die Andern auf ba» Mädchen, r elche» bitterlich weinte, und bezeigten ihr Mitleid.

Die Besitzer der Herberg- aber, die nur an die Bezahlung der armseligen Nahrungsmittel dachten, d.« sie verabreicht hatten, färbtn voller Freude in dem Gewände de» Missionar» die Börse, an welche F-odora in ihrem Schmerze noch nicht gedacht hatte, , an sich zu nehmen. Sie bemächtigten sich derselben und sagt'» dem jungen Mädchen, sie würden rach Abzug ihrer Kosten und derer für da» Begräbnis den Rest zurückerstatten.

Bald kamen die Popen mit Fackeln und Gefolge, und bedeckten den Körper de» Berstorbenen mit einem großen Tuche. Feodora stieß einen Schrei de» Schmerze» au». Gezwungen, die starre Hand ihre» Führers, die sie noch immer festhteit, lokzulassen, nahm sie einen letzten Abschied von dieser ehrwürdigen Gestalt urd warf sich in ter dvnketstenEck« de»Zm- mer» auf die Knie. Dort, in Träne« aufgelöst, den Kopf mit ihrem Taschentuch« brockend, al» wen« sie sich verbergen wollte vor dieser öden Welt, die sie jetzt allein durchwandern mutte, sprach sie mit er» stickter Stimme: „O Gott, verlaß mich arme HülfS- lose nicht! O »ein Vater, o meine zärtliche Mutter, wa» tut ihr jetzt, da jede Hülfe dem Kinde eurer Liebe soeben genommen wurde?"

Schippels nehmen solle und eventuell Sckippel aus der Partei ausgeschieden, bezw. seines Man­dates für verlustig erklärt werde. Weitere An- träse verlangen die Aufbekung der zwangs­weisen Beterliaung an den Landtags wählen. Der seit den Zolltarisverhandlungen datierende Haß der Sozialdemokra-eu gegen die freisinnige Dolks- partei hat zu Ar trägen geführt, wonach bei den Stichwahlen die freisinnige Volks Partei zu be­kämpfen ist, ebenso die deuisch-hcnnover'che Partei. Acht Anträge beziehen sich auf die Agitation. Zur Entlastung des Parteioorstandes soll eine bescndere Agitatronskommission mit einem ständigen Sekre är gebildet werden. Be­kanntlich hat die Sozialdemokratie auf dem Müucher-er Parteitag für die Wahlen besonders den Kampf gegen das Zentrum proklamiert. Nach den Reichstagswahlm hat der .Vorwärts' selbst zvgeben wüsten, daß gerade in dem Besitz­stand des Zentrums die Agitation der Sozial- demvkraiie am wirkungslosesten geblieben sei. Diesem Mißstande (nach soziaLemokratischer Auf. faffung) avzuhelfen, wird der Parteioorstand er­sucht, „bie Agitation gegen die stärkste und demagogischste der bürgerlichen Parteien, das Zenlrvm, in Bezirken mit zahlreicher katholischer Arbeiterbevölkerung noch energischer als b'sher zu unterstützen. Zur Bekämpfung des Mili taritmus soll die Jugend schon früh mit sozialdemokratischen Ideen erfüllt werden und eine Organisierung der Jugend zu diesem Zwecke betrieben werden. Gleichzeitig wird beantragt, daß für die Jugend eine besondere Zeitschrift, eventuell unter Partetzuschuß, gegrün­det werde. Ern Antrag Drei den will bestimmen, daß Redakteuren an Zeitungen, die im Partei­verlage erscheinen, die Mitarbeit gegen Hono-ar an politischen und wiffenschaftlichen^Blättern so­wie die Herausgabe eigener Broschüren fernerhin nicht zu gestatten ist. Die Verleger von Zeit- schriften sollen gehalten fein, Arbeiten von arige­stellten Redakteuren abzulehnen. Eigentümlich mutet es einem cjj, daß die Parteigenossen in Augsburg beantragen, daß eine Broschüre heraus- gegeden werden soll, in welcher alle troffen Fälle von Wählte! roriSmus und Wahlschwindeleien zusammengeftellt werden. Hoffentlich beschränken dir Sozialdemokraten diese Broschüre nicht nur allein auf die gegnerischen Parteien, denn bei ihnen kommen derartige Fälle am meisten vor. Ein auch von anderen Parteien beachtenswerter Antrag wünscht, daß von Zeit zu Zeit während der Reichstagssessio« Abhandlungen über Reichs- tagsdebatten in der Form eines Flugblattes ver­breitet werden. Die Reichstagsfrakriorr soll be­auftragt werden, in Zukunft sämtliche Kolonial­forderungen abzulehnen. Dos Verhältnis der Sozialdemokratie zur Religion wird charakteri- siert u. a. durch einen Antrag, welcher die Ein­führung des Zivil begräbniffes verlangt, sowie durch einen Antrag, nach welchem alle nicht ge­setzlichen Feiertage, wie Peter und Paul, Mariä Himmelfahrt usw., auf Sonntage verlegt werden sollen. Ferner soll ein Ges, tzentwurf eingebrscht werben, wonach in der Eidesformel die Worte

r.

„Bei Gott dem Allmächtigen und Allw.ffen. den" und „So wahr mir Gott helfe" gestrichen werden. Die Ablehrung des Gesetzent­wurfs betr. Kaufmannsgerichte du'ch die Sozial­demokratie wurde in den einzelnen Reihen nicht überall gebilligt. Ein Antrag aus Pommern verlangt daher, daß die Reichstagsfraktion bei ähnlichen s o z i a l p o l i ti s ch e n für die Arbeiter rortellhasten G setzen ihre Zustimmung geben möge. Ter Maifeier sind zehn Anträge gewidmet, welche von einer strengem Forderung der völligen Arleitsruhe bis zum Wunsche auf Vertagung der Maifeier auf den 1. Sonntag im Mai zu variieren. Außer d-m bereits be­kannten Krmmvnalprogramm des Refe:«nten Dr. Lindemann sowie der Anträge des Partei- vorstendes zur Frage der Organisation, die u. a. fordern, daß, soweit nicht zwingende Gründe es unmöglich macken, jeder Partetange- hörige Mitglied einer sozialdemokratischen Ver- einsorganisation sein müffe, und derjenige, welcher sich jegen die Beschlüsse der Partei- organisation in grober Weise vergeht, ausge­schloffen werden soll, liegen weitere Anträge vor, die den Entwurf eires Organisationsstatuts für die sozialdemokratische Partei Deutschlands ent­halten. Verschiedene Anträge sprechen die Er­wartung aus, daß Bremen nicht zu einem zweiten Dresden werde. Was die Zellfrage anlangt, so ist von Interests ein Antrag, dem­zufolge im Programm nicht m bldingten, sondern nut bedingter Freihandel zu fordern sei, und über alle Staaten, die unsere Ausfuhr-Güter und Waren nicht zollfrei ein taffen, die Grenz­sperre verhängt werde. Zum Schluß sei ncch erwähnt, daß gewünscht wird, es möge für den Parteitag 1905 der Generalstreik auf die Tages­ordnung gesetzt werden. Angesichts des Um­standes. daß die Dresdener Debatten in Bremen noch ihren Nachhall finden und Genoffe Schippe! zur Rechenschaft gezogen werden wird, dürfte für die Beratung vorstehend erwähnter Anträge wohl wenig Zeit übrig blecken.

* Der Handelsvertrag zwischen Deutsch­land und Rumänien dürfte infolge der Schwierigkeiten in der Veterinär frage nicht vor dem Abschlüsse des Handelsvertrages zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn abgeschlossen werden. Diese Entscheidung Deutschlands dürste auf ein Einverständnis mit Oesterreich-Ungarn zurüchuführen fein.

** Die .Nordd. Allgem. Ztg.' schreibt: „Die Vermutung, daß der zweite deutsche Marineoffi­zier, Kapitänleutnant Ritter Hentschel von Gilgeuheimb, welcher die Kämpfe im russischen Hauptquartier bei Port Arthur beigewohnt hatte, mit der Dschunke bei seinem Verlosten der be­drängten Festung untergegangen fei, gewinnt an Wahrscheinlichkeit. Der Ausbruch d«s russisch japanischen Krieges fand ihn auf dem Flaggschiff Fürst Bismarck. Da der von hier (Berlin) aus in das russische Marine-Hauptquartier entsendete Admiral-Stabsoffizier Korvetten-Kopitän Hop- mann nicht zeitig genug nach Port Arthur ge­langen konnte, so erhielt v.Gilgenheimb tele­

sirhr bi» in die Mitte d!» FlvffeS. Da er aber nicht «ehr weiter konnte, hob er da» Mädchen auf seine Schulter, fcirg über da» EiS, intern er sich auf sein Ruder stützte, erreich e ohne Unfall da» andere Ufer und setzte seine Bürde nieder.

Feodora voll Erkenntlichkeit, dankte ihm an» ganzem Herzen und wollt« ihm etwa» geben. Sie zog ihre Börse, die etwa» weniger al» drei Rubel ewhiclt.

„Arme» Mädchen," srgte der Schiffer, al» ei ihren Schatz betrachtete, „ist da» alle», wa» S« haben, um nach Petersburg zu reifen, und Sii glauben, daß Nekolaus 8i olrff Ihnen davon auch nur einen H-ller weg; ehr en sollte? Nein, ich will vielmehr dazutun. Tas wird mir Glück bringen und meinen sechs Kindern "

Tann warf er ihr ein kleine» Geldstück zu und entfernte sich mit den Worten: „Gott wache über Sie, weine Tochter!"

Feodora hob bt» Geldhück auf und sprach, e» mit Rührung betrachtend: „Ick will Dich verwahren für meinen Barer, damit Tu ihm ein Beweis seiest, daß seine Wünsche erhört wordcu find, daß sein Geist mich nicht verlaßen und daß überall ein väterlicher Schutz über mich gewacht hat."

Da» Wetter uar klar unb heiter, aber mit Augen­blicken wehte ein sehr faltet Nordwind. Nachdem Feodora einen Weg von vier Stunden ohne Unter­brechung zurückgelegt hatte, sühlte sie keine große Er­müdung. Kein Haus war zu sehen; fie luchte Zu- flvcht am Fuße eine» kleinen Hügels, d.ssen steile helfen ihr gegen die Winde Schutz boten. In der Nähe dehnte fick ein Eichenwald ans. Hier dachte fie wieder ur ter Iräten an ihre fernen Eltern und sprach: ,O, wann werde ich fie Wiedersehen, wann ihre Stimme wieder hören, wann mich wieder in ihre Arme werfen lönmn“. Indem fie so sprach, streckte fie ihre Arme gegen Kasan au», dessen Türme fie noch in der Ferne gewahrte.

Aus ihrem Wege begegnete fie bald Unglücklichen, die je zwei an Ketten g, schmiedet entweder in ben

Deutsches Reich.

Berlin, ben 6. September 1904.

70. Geburtstag des Reichs tagspräfidente« Grafe» Ballestrem sandte der .Natlonalzritun^ zufolge die nationalliberale Reichstagsfraktton folgendes Glückwunsch-Tele­gramm ab: „Dem hochverehrten Herrn Ptäfi- deuten sendet die besten Glückwünsche zum steb- zigsten Geburtstag die nationalliberale R.ichs- tagssraktion. Dr. Sattler." Ebenso übersandte die konservative Reichstagsfraktton Glückwünsche. Der Gesamtvorstand des Reichstages, in welchem alle Parteien vertreten find, hat feinem Präsidenten in nachstehendem Telegramm gratuliert:

Der Gesamtvorstard des Reichstages bringt dem hochverdienten ReichstagSprästdenten zum siebzigsten Geburtstage seine herzlichsten Glückwünsche in der frohen Hoffnung dar, daß Euere Exzellenz unter GotteS Gnade noch lange Jahre Ihrem gesegneten Wirken in aller Geistes- und Körperfrische erhalten bleiben für Reich und Land - für Ihre Familie und für Ihren großen Freundes- unb Verehrer kreis! Ter Gesamt­vorstand des Reichstages. I. B.: Dr. Graf Udo zu Stolberg-Wernigerode, Erster Bizepräfident des Reichs­tages.

* Dem Mitbegründer der Zentrums-Fraktion des preußischen Landtages, Herrn Pfarrer Dauzevberg in Kaiserswerth (Rheinland), ist aus Anlaß feines goldenen Priester-Jubiläums der Rote Adler-Orden 4. Klasse verliehen worden. Papst Pius X ernannte den Jubilar zu seinem Geheimkämmerer.

** Die Anträge zum sozialdemo­kratischen Parteitage werden im .Vorwärts' veröffentlicht. S:e bieten eine solche Fülle von Material dar, daß, selbst wenn der Bremer Parteitag nicht, wie sein Dresdener Vorgänger, in der Hauptsache dem persönlichen Gezäuke dient, an eine sachliche Durchberatung dieser An­träge gar nicht zu denken ist. Es find im ganzen nicht weniger als 117 Anträge. Sin Antrag verlangt, daß die Schulfrage in Bremen be­handelt werde. Dieser Antrag wird kaum zur Annahme gelangen. Außer von Dortmund ist auch von Königsberg und Potsdam beantragt worden, es solle der Zarismus im Anschluß an den Königsberger Prozeß durch eine Resolution gebrandmarkt werden und allen deutschen Sozial­demokraten zur Psticht gemacht werden, ins­besondere beim Transport sozialdemokratischer in Deutschland nicht verbotener Literatur nach Rußland den russischen Genoffen beizustehen. Dieser Beschluß soll der Staatsregierung noch ausdrücklich» bekannt gemacht werden. Zehn An­träge besaffen sich mit der Taktik. Der Haupt- antrag hat den Zweck, dem Parteivorstand die Entscheidung über die Kandidaturen zuzuweisen. Verschiedene Anträge bezwecken, daß der Partei­tag Stellung zu der agrarpolitischen Auffoffung

trschtiltt täglich, mit r-urucime 6er Sonn» ii' dZeiertage. Viertel­jahr«. Bezugspreis ohne vringerlohn und Bestellgeld in Zulda unb ewwäris 1 Ulk. 50 pfg.

Verantwortlicher rchrtstleiter:».wetzler

für die Inserate . ..

j. parzeller kn Md«. Wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagzzertung

Währenddessen klimmte man einige Totengesange an unb legte ben Leichnam in ben Sarg, unb als man >hn wegtrug, wollte Feodora, wenngleich schwach und zttttrnb, denjenigen zu seiner litztm Ruhestätte begleiten, der sie unterstützt unb ermutigt und bis zum letzten Atemzuge für fie gebetet hatte.

Ein ziemlich zahlreiches Gefolge begleitete ben Sarg be8 Missionar». Jeder trug eine Fackel in bet Hand u?d stimm e in ben Gesang der Popen ein, während Feodora ruhig unb langsam mit bedecktem Harpte folgte.

Nachdem der Sarg eingesenkt war, gab einer b-r Popen nach griechischem Kirchengedrauche bem Toten ein kleine Geldstück in die Hand, «m feint Reise in die Ewigkeit zu bezahlen, warf etwas Erde darauf uns entfernte sich Und da lag er nun begraben in ewiger Vergessenheit, ein lieber Toter, der keinen Tag hatte vorübergehen (affen, ohne irgend j-wanden Gutes zu tun.

Feodora verweilte noch an diesem Orte der Trauer, bi» der Tag sich neigte. Sie betete viel und ihre Tränen und Gebete ttösteten sie. Sie klagte nicht mehr, sondern dankte vielmehr Gott für die Wohl­taten, die er ihr auf einem Teile ihre» Weges erwiesen und hielt eS für ein Unrecht zu klagen, daß er fie ihr für ben folgenden Teil entzogen habe. Wenn auch jitzi ohne Begleiter, ohne Hi fe, so sand fie doch bald ben früheren Mut wieder und tief: „Vater, Mittet I fürchtet nicht», euer Kind wird sich nicht entmutigen lassen '.O gerechter und jetzt glücklicher Mann-, fuhr sie fort, indem fie mit ehret Stirne die fiisch aufgeworfene Erde berührte, „o mußte ich dich ver­lieren, ehe mein edler Vater, meine zärtliche Mutter dir ihren Dank abstattea konnten für deine Sorgfalt für ihre arme Waise ..."

Als die Nacht avbtach und Feodora von diesem traurigen Orte scheiden mußte, rief fie bem Toten noch eia letztes Lebewohl zu unb suchte ihr einsame» Zimmer in der Herberge wieder auf.

Am anderen Morgen, 'Ji fie fick wieder auf ben Weg machen wollte, gab ihr der Wirt brei Rubel

(= 9—10 Mark) mit der Versicherung, daß das alles sei, wa» in der Börse de» Missionar» noch übrig geblieben. Feodora nahm fie in Empfang im Gefühle der Erkenntlichkeit, als wenn dieser Reichtum, den fie ihrem Beschützer verdankte, eine Gab; vom Himmel fei, woselbst er jetzt wohnte.

25.

Auf ihrer einsamen Reise konnte fie sich der Tränen nicht enthalten; immer muß e fie an ihren früheren Begleiter denken. Weil fie sehr langsam ihre» Weg forrsetzte, kannte fie erst in den ersten Tagen des Oktober nach Kasan gelangen. Ein heftiger Nordvstwind stürmte seit mehreren Tagen ur.b 'S hatten sich am Ufer der Wolga viele Eis­schollen angehäust, die ihr den Weg fast urmöglich machten. Man konnte nur über den Fluß kommen teils im Nachen, teil» zu Fuß, unb wenn man von einer Eisscholle auf bie anbere sprang. Tie Schiffer, mit den Gefahren betraut, wagten' die Ueberfahrt nur durch die Verlockung eines sehr beträchtlichen Ge­winnes. Feodora wollte, in Ur.kernln's ter Gefahr, in einen der Nachen steigen. Sie stießen fie mit rauhen Worten zurück ur.b beteuerten, fie könnten nicht eher über den Fluß kommen, bi» er aänzlich zugefroren fei. Auf ihre Frage, tote lange fie noch daraus warten müsse, antworteten fie: „Mindestens noch zwei Wochen."

„Ich Bitte euch," bat fie mit flehender Sttwme, „im Namen Gotte», helfet mir über ben Fluß Ich k:mme von Tobolsk unb will nach Petersburg, um ben Kaiser um Gnade zu bitten für meinen in Sibirien verbannten Vater, und ich be fitze so wenig Geld, daß, wenn ich 14 Tage i» Kasan mich auf« halten wollte, mir zur Fortsetzung meiner Reise nichts mehr übrig bliebe."

Diese Worte rührten einen Sch ffer. Er nahm Feodora bei der Hand und sprach: „Kommen Sie, ich will versuchen Sie zu führen. Sie find eine brave Tochter, bie Gott fürchtet unb ihren Beiter liebt, der Himmel wirb Sie in seine« Schutz nehmen "

Er ließ fie mit sich in seinen Nachen steigen Orb

graphisch die Ordre, die russische Festung cuf« zusuchen Mehrere Berichte von ihm sind ncch eingetroffen.

* Die nette Prüfungsordnung für Apo theker tritt mit dem 1. Oktober in Kraft. Es ist eine ganze Zahl von Ue bergan gsbest mmungen vorgesehen, die den schon in die Apothekerlauf­kahn ein getretenen Pnsomn Erleichterungen bringen. Die wichtigste Bestimmung der neuen Prüfung^otduung ist die Bedingung der Er- longung der Primäre fr statt der bisher gefor­derten Einjährig-Freiwilligen-Zeugniffes. In Apothekerkretsen ist man zwar mit dieser Neue­rung zufrieden, ficht sie abir nur als eine Ab- schlagSzahlung cn und verlangt noch wie vor das Maturitätszeugnis.

* Auf dem Magdeburger Handwerker­und Jnuuugstag hatte es peinlich berührt, di ß das Reichsoml deS Je nern und der preußische Haudelsminifter keine Vertreter zu der Beratung entsandt hatten. Die Abwesenheit von Vertretern wurde motiviert mit Ueberbürdurg. Jetzt wird der .Krevzztg/ von unterrichteter Seite mttgeteilt, daß dem Hündelsministcr eine Zurücksetzung des Handwerkerstandes fern gelegen habe, es sei aber völlig unnöglich g-wesen, den Kongreß zu be­schicken, da von den 21 Referendaren der Ge- werdeabteilung zur Zeit mehrere zum Studium der Handwerkerfrage in den Vereinigten Staaten und mehrere auf Urlaub seien, sodaß angesichts der Arbeitssülle im Minesterium beim besten Willen niemar.d habe entsandt werden können. Soweit wir die Sachlage zu beurteilen vermögen, fönt en wir, was das Reichsamt des Innern be« trifft, es ebenfalls für nicht zutreffend halten, daß dasselbe durch die Nichibeschickung eine Zu­rücksetzung dcs Handwerkerstände haben zum Ausdruck bringen wollen. Gerade das Reichs- ernt des Innern ist das meifiüberlafiete Reffort.

*# Dem Zentrale ilftkornitee für die deutschen Ansiedler in Südwestafrika find durch Ver­mittlung des Auswärtigen Amtes aus Samm­lungen, die auf Anregung des Gesandten von Reichenau in Santiago Unter den Deutschen in Chile stattgefunden haben, 10,025 Mark über­wiesen worden.

*/ Berlin, 6. Sept. 1904. Jm^großherzogliche« Schlöffe zu Schwerin findet auS Anlaß der Brr« lobung am Montag den 12. b. M. große Sala« täfel statt. Daran wirb auch bas Kaiserpaar teilnehmen. — Heber bas Datum her Hochzeit des Kronprinzen ist vorläufig roch nichts bestimmt. 68 wirb jedoch in unterrichteten Kreisen als unwahrschein­lich bezeichnet, baß bieselbe noch in diesem Jahre statt- findet. — Der deutsche Krorprtnz hat beim Breslauer Bezirksausschuß gegen den KreiSausschuß Oels Klage erhoben wegen Steuerbelaftong seines Oelser LehenS- gntes. Der Prozeß wird am 15. b. M. verhandelt. — Mit dem Prozeß Hoensbroech-Dasbach wegen der vielbesprochenen Prämie von 2000 Gulden beschäf­tigt sich im Archiv für bürgerliches Recht Profeffor Dr. I. Kohler. 6r pflichtet der Auffassung deS Trierer Gerichts bei, baß nicht eine Auslosung, sondern eine Wette vorliege, also die Klage abgewiesen werben mußte.

Anzeigen: Vie em- fpallige petikzeile obtr deren Raum 15 Pjg. Reklamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird enlspr.

Rabatt gewähr«.

Druck und Verlag der ZuldaerActiendruckei-'i _ , , , v ,, in 8ulda (Harmonie).

Monatßbeilage: „SlllbUCt d>ef$id}fsbl(lttct . Fernsprecher Nr.

n