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Fernsprecher Nr. 9.
M 20t.
M-a, Samstag, den 3. September 1904.
31. Jahrgang.
Deutsches Reich.
Berlin, den 2. September 1904,
* In Gegenwart des Kaisers und zahlreicher Fürstlichkeiten fand heute auf dem Tempelhofer Felde die Herbstparade statt. Mit besonderer Aufmerksamkeit wurde vom Kaiser der Groß« Herzog von Mecklenburg-Schwerin behandelt, der mit seiner jungen Gemahlin, bekanntlich einer Tochter des Herzogs von Cumberland, seinen Antrittsbesuch beim kaiserlichen Hofe machte. Der Kaiser mit den Prmzen hollen arstern die meckienburgischen Herrschaften auf dem Bahnhofe ab. Bei dem Festmahle im Schlöffe führte der Kaiser die Großherzogin zur Tafel. Heute ritt die Großherzogin in der Uniform ihres mecklenburgischen Dragonerregiments an der Seite der Kaiserin zur Parade, hinter ihnen der Kaiser mit dem Großherzog. Beim Vorbeimarsch des Leibgrenadierregiments Nr. 8, das aus seiner Garnison Frankfurt a. O. zur Teilnahme hierher befohlen war, und dessen Che noch preußischer Tradition der König von Preußen ist, setzte sich der Kaiser, die junge Großherzogin zur Seite, an die Spitze des Regiments und führten es der Kaiserin vor. Bei dieser Gelegenheit ernannte Kaiser Wilhelm die Großherzogin zum zweiten Chef des Regiments. Nach dem Vorbeimarsch ließ der Kaiser daS Regiment antreten und ritt mit der Großherzogin die Front des Regimentes ab, das präsentierte. Gleich darauf ernannte Kaiser Wilhelm den jungen Großherzog zum Chef des Infanterieregiments Großherzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg Schwerin, Nr. 24, in Neuruppin,
* Der Rücktritt des Frhr«. v. Mirbach von seinen Nebenämtern als Kabinetts- fekreiär und Schatullverwalter der Kaiserin, sowie von seiner Stellung an der Spitze kirchlicher und gemeinnütziger Vereine, den der .Reichsanzeiger' bereits meldet, wird von der Preffe überwiegend mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Man freut sich schon deshalb, well ja nun wohl die Sensationen zum „Fall Mirbach- ein Ende haben und man fortan ml: dem Oberhofmeister in Ruhe gelaffen wird bis zur Verhandlung der freisinnigen Interpellation im Abgeordnetenhaus-, die den „Fall- für ein paar Tage wieder beleben wird. Die Blätter, die bei ihren Angriffen auf den Oberhofmeister weniger aus diesen als auf eine höhere Stelle zielten und zugleich der kirchlichen Sache einen Schlag versetzen wollten, triumphieren natürlich kaut, als hätten sie einen persönlichen Erfolg über Herrn v. Mirbach errungen. Sie werden die Sache auch nicht zur Ruhe kommen lassen. Ist doch über verschiedenes noch immer keine Klarheit geschaffen worden. Die Freunde und Gönner des Oberhofmeisters werden mehr oder
Dir Tochter des Verdünnten.
Eine wahre Geschichte.
7 ------ (Nachdruck verboten.)
„Halt ein, Feodora", unterbrach sie Springer, „ich kenne mich nicht mehr, Du verwirrst meinen Sinn. Bii auf diesen Tag habe ich wich nie einer guten Handlung widersetzt, aber, mein Kind, ich kann Deinem Verlangen nicht zustimmen."
Ermutigt durch diese Weigerung nahm Ida die Hände ihrer Tochter in die ihrigen und sagte: „Höre nrch, Feodora, verzeihe Deinem Vater, daß er sich n-cht entschließen kann, Dir Gelegenheit zu geben, Drinm Mut zu zeigen. Ich befehle Dir nicht, so», der« bitte Dich nur."
„O liebe Mutter", entgegnete Feodora, „Deine Befehle werden mir immer heil g sei». Bittest D« mich darum, hier zu bleibe», so hoffe ich die Kraft zu erlangen, Dir zu gehorchen. Da aber mein Vorhaben Dich gerührt hat, dann nimm mir die H ffnung nicht, daß Du demselben zustimmst. Es ist nicht die Folge äuge- bl.cklicher Begeisterung, sondern langjähriger Ueberleguug. Gibt es denn ein anderes Mittel, weinen Vater der Verbannung zu entreißen? Seit den zwölf Jahren, die er hier schmachtet, welcher Freund hat fich seiner angenommen? Und fände er einen, der feine Verteidigung versuchte, würde er so zu spreche« wagen wie ich? Würde ihn eine gleiche Siebe dazu antreiben? . . .
O, benehmet mir den Glaube« nicht, daß Gott nur einem einzigen Kinde die Kraft gegeben, euch wieder glücklich zu mache», und widersetzet euch nicht der mir von Gott anvertrauten Aufgabe. Oder was findet ihr denn so Erschreckliche» an meiner Unter» nehuuwg? Etwa meine Abwesenheit ? Ader wie ost habe ich euch beide klage« hören über b’e Verbannung,
weniger verstimmt sein, schon well ihnen das Triumphgeschrei der kirchlichen Gegner unon genehm klingt. Der.Reichsbote', der doch selbst anfangs scharfe Kritik an dem Verhalten des Freiherrn v. Mirbach geübt hat, gibt feinem Schmerz lebhaften Ausdruck. Insbesondere findet er es unbegründet, daß der Oberdofmeister von seiner Vereinstätigkett zurücklrete. Er meint, es hätte genügt, wenn man ihm befohlen hätte, die Schatullengelder der Kaiserin bei ter »Reichsbank oder der Scehandlung anzulegen und sich der Verbindung mit Hypothekenbanken zu enthalten. Seine völlige Kaltstellung müsse von den Generalsuperintendenten, kirchlichen Korpo- raüonen usw., die für ihn eingetreten seien und sich deshalb durch seinen Rücktritt persönlich getroffen fühlten, bedauert werden. Die .Kreuzzeitung' scheint ähnlich zu denken, wenn sie es auch nicht offen ausspricht. Dvß Fhr. v. Mirbach Oberhofmeifter bleibt, wird in der Presse im allgemeinen nicht angefochten; man meint, an dieser Stelle sei er der öffentlichen DiSkuffion entrückt und könnte er die gerügte Tätigkeit nicht fortsetzen. Kann er nicht noch immer gegen die Kirchenpolilik der Regierung arbeiten? UebrigenS glaubt man vielfach, sein Rücktritt von dem Oberhofmeifierposten sei auch noch eine Frage d»r Zeil.
** lieber die Vorgeschichte des Fernbleibens des Privze« Friedrich Leopold vom oft- asiatischeu Kriegsschauplätze erhält das,Berl. Tagebl.' folgende Mitteilung: „Als die Entsendung des Prinzen von Berlin aus angeregt wurde, war man am Petersburger Hole ausdrücklich und gern damit einverstanden. Jndeffen General KuropatHn, der vorher nicht befragt worden war, machte Schwierigkeiten. Der Petersburger Hof suchte die Weigerung des Generals zu überwinden. Als aber Kuropatkin mit der Frage kam, wie man sich in Petersburg wohl die Situation dächte, wenn die russischen Operationen in Liau- jang unglücklich verliefen, und wie man Garantien für die persönliche Sicherheit und Freiheit des Prinzen leisten wolle, fügte sich der Petersburger Hof der ablehnenden Haltung Kuropatkins und bat um einstweiligen Aufschub der Entsendung des Prinzen.- Mit der Erzählung der »Nordd. Allgem. Ztg.' die auch wir gestern wiedergegeben hatten, man habe in Petersburg die Bitte um Aufschub der Reise des Prinzen mit der Gefährdung der EisenbahndurchTschuntschusenbanden begründet, ist es absolut nichts.
*— Der deutsche Marine, Attachee Hentschel v. Gilgenheimb und der französische Attachee de Cuveroille, die Port Arthur auf einer Dschunke verlaffen hatten, gelten jetzt als verschollen. Kapitän Hopmann vom Kanonenboot „Tiger" kehrte von seiner Suche nach der vermißten Dschunke nach Tsingtau zurück. Es wurde keine Spur von der Dschunke entdeckt, sodaß man in Tsingtau alle Hoffnung auf Rettung der Offiziere aufgegeben hat. Ritter Hentschel v. Gilgenheimb war dm neuesten Siellen- besetzungen für die Marine zufolge wieder zum Generalstab des ostafiatischrn Kreuzergeschwaders kommandiert. Dieser Umstand haue zu der An
bie euch daran hinderte, mir einen Galten zu geven? Würde ein Gatte mich nicht gleichfalls von Euch trennen ? — Gefahre» ? Es gibt keine, und der Winter in diesem Klima hat mich an die Strenge der Jahreszeiten gewöhnt und meine Aut flüge in unser» Sttppe» a» die Anstrengung eines weite» Weges. Fürchtet ihr für meine Jugend? Sie wird meine Stütze fein, denn einem Schwachen hilft man ja gern. Oder fürchtet ihr wegen meiner Unerfahrenheit? Ich werde nicht allein fein, erinnert euch nur an die Worte im Briese der Gouverneurs Wenn er einem armen Missionar erlaubt, fich auSzuruhe» unter u fetm Dache, so geschieh', es, um mir einen Führer und Beschützer zu geben. Ihr sehet also, alles ist vorgesehen, eS gibt (eine Gefahr, keine Hindernisse, und lS fehlt mit nichts als eure Einwilligung und euer Segen . . ."
„Und Dein Brod wirst Du Dir betteln?" entgegnete Springer mit Bitterkeit; die Bortahre» Deiner Mutter, die ehemals in diesem Lande lerrichte»; die meinigen, die aus dem Throne Polens saßen, fetten die Erbin ihres Namen» Almosen bettelnd diese» Rußland durchwandern sehr», da» aus ihrem Königtum Provinzen seine» Reiche» gemacht hat!"
„Wenn ich vo» solchem Blute abstamme," erwiderte Feodora mit bescheidenem Erstaunen, „wenn ich vo» Könige» abstamme, so hoffe ich mich ihrer und euch wert zu zeigen und ben Namen nicht zu emwürdige», ben sie mir hinter lösten haben. Warum soll die Tochter eines SobrnSki erröten, die Liebe ihres Gleiche» in Anspruch zu nehmen?"
Die Entichloffenhett diese» jungen Mädchens, ein gewiffer Stolz, der ans ihren Augen strahlte, der Gedanke, sür ihre Eltern fich zu erniedrige», verlieh ihre» Worte» eine solche Kraft und flößte eine solche ilchtunz ei», die über Springer ben Sieg vavonttugen, o daß er nicht mehr da» Recht zu haben glaubte, ihr zu widersprechen
„O Ida", sprach er, die Hände seiner Gattin ergreifend, „fasse Mut, meine Geliebte, da es ja kein
rahme geführt, daß er nach seiner Abreise aus Port Arthur das Flaggschiff des Geschwaders, den „Fürst Bismarck», glücklich wieder erreicht habe. Das scheint nun leider ein voreiliger Schluß gewesen zu sein.
* Die Frage, weshalb der Kaiser der an ihn ergangenen Einladung des Bauvereins sür die Protestatiouskirche in Speyer zu der Einweihungsfeier nicht durch persönliches Er- scheinen entsprochen hat, findet in der ,Nat. Ztg.' eine Beantwortung. „Was der Erfüllung der Wünsche der Herren in Sp.yrr entgegenstand, ist ein Grundsatz, an dem schon Kaiser Wilhelm I. und nach seinem Vorbilde auch der regierende Kaiser ausnahmslos fcstgehalten hat, der Grund- fotz nämlich, daß an Einweihungen oder ähnlichen Festen, die in außerpreußtkchen Gebieten des Reiches vor sich gehen, das Reichsoberhaupt fich persönlich nur beteiligt, wenn im einzelnen Falle eine ausdrückliche Einladung des betreffenden Landesherrn vorliegt, niemals auf eine, ohne Willensmeinung des Landesherrn erfolgende Einladung von anderer S.ite, von privaten Körperschaften, Bereiten usw. N>:ch diesem Grundsatz ist auch im vorliegenden Fall- verfahren worden. Der Prinzreger t von Bayern war in Speyer ebenfalls persönlich ni ht erschienen und hatte auch eine Aufforderung zu solchem Erscbeinen an den Kaiser nicht gelangen lassen."
* Reichstagsersatzwahl in Tchanmbnrg- Lippe. Bei der gestrigen ReichsiagSersatzwahl im Wahlkreis Schaumbura Lippe erhielten: Ge. nostenschaftsarwalt Dr. Crüger (fr. Volksp.) 1452, Amtsgerichtsrat Dr. Brunstermann (kons. Kartell) 3586 und Klingenhagen (sozd.) 2101 Stimmen. Es ist Stichwahl zwischen Brunstermann und Klingenhagen erforderlich.
* Der russisch-japanische Krieg.
Die furchtbare Schlacht um Liaujang lobte am Freitag noch immer, die endgültige Entscheidung war aber bereits so ziemlich gefallen, denn nach den bisher eingegangenen Nachrichten scheint doch soviel festzustehen, daß die Japaner täglich an Terrain gewonnen und die Rusten immer wetter bis in die Stadt Liavjang zurückgedrangt hoben. DaS Ringen war so heiß und mörderisch wie kaum eines bisher in den letzten Kriegen. Mit Zähigkeit verteidigten die Ruffen jeden Fuß breit Boden, mit nicht geringer Zähigkeit erneuerten di- Japaner ihre Sturm- angrtffe, ohne die schweren Menschenopfer zu scheuen. Es haben fich in diesem blutigen Ringen zusammen gegen eine halbe Million Streiter mit über 1000 G. schützen gemessen, und der Tod hat bei Rusten wie Japanern eine graustge Ernte gehalten.
Amtliche Meldungen aus Tokio im Verein mit Prioatnachrichten können keinen Zweifel mehr darüber lassen, dcß die Rusten eine schwere Niederlage erlitten haben. Sie find überall im Rückzüge begriffen, nachdem ihre Positionen südlich und östlich von Liaujang un- haltbar geworden waren. Liaujang selbst
anbei e» Mittet gibt, sie bet Welt wiederzugeben, deren Rahm fie sei» wirb, so lassen wir un8 ihrer Abreise nicht länger widersetzen."
„Nein, nein", erwiderte fie, ich werbe fie nicht abreifen taffen, ich werde mich zu widersetzen wissen. Wie! ich sollte daS Leben meines Kinde» pteiSgeben! Ich sollte meine Feodora abreis.n lassen, um eine» Tages zu höre», sie fti vor Kälte und Elend umgekommen in bet schrecklichen WilbniS, um ohne fie zu lebe», um fie immer zu beweinen I Da» wagt man vo» einer Mutter zu verlangen?"
Während sie diese» sagte, weinte fie nicht mehr, fie glich fest einer Wahnfinnigen.
Springer sprach mit bekümmertem Herzen: „Liebe Tochter, wen» Deine Mutter nicht zustimme« kann, wirst Du nicht abreife»."
„Nein, liebe Mutter, wenn Du e» befiehlst, werde ich nicht abreisen", sprach Feodora, fie mit zärtliche» Liebkosungen überhäufend, „ich werde dir stet» gehorche». Vielleicht aber wird Gott von dir verlangen, was du meinem Vater verweigert hast, bitten wir ihn zusammen um Erleuchtung, lpas wir tun sollen."
Während fie beteten, weinte Ida und ihr Herz beruhigte fich allmälig.
18.
Km anderen Morgen, als Springer mit feiner Tochter fich allein sah. fetzte et fie in Kenntnis von allen SchicksalSschlägen, die ihn getttffen. Er erzählte ihr, welch' verderbliche Kriege Pole« zerrissen hätten, und wie dieses unglückliche Königreich au» bet Zahl ber Reiche au»gelöscht werben.
„Mein einzige Verbrechen", sagte er, „besteht borirt, daß ich mein Vaterland zu seht geliebt und, daß ich seine Unterjochung nicht ertragen konnte. Seite größte» Herrscher waren von dem näml'che» Blute wie ich; ich selbst konnte auf ben Thron berufen werden und ich schuldete meine Liebe und mein Leben dem Lande, dem ich meinen ganzen Ruhm verdankte. Ich habe ihm gebient, wie e» meine Pflicht erforderte. Allein, an bet Spitze einer
ist am Freitag von ben Japanern besetzt worden. In Tokio erregten am Don' nerstag abend die Siegesnachrichten von Liaujang große Begeisterung. Die vollständige Umzingelung der Ruffen wird bestimmt erwartet; b'e Bahnlinie im Norden soll angeblich ab- geschnitten s. in. Nach der Vertreibung der Russen von den Höhen südlich von Liaujang begannen sämtliche russischen Korps den allgemeinen Rückzug, überall verfolgt. Liaujang fall von den Japanern umklammert sein. Die Armee des rechten Flüg-ls bemächtigte fich der Höhen von Sckungmtatsu nordöstlich von Liaujang, die dis linken Flüg ls eroberte die Höhen im Südwesten; die Armee deö Zentrums unterstützte sie.
Die Eroberung L^ujmgs durch die Japaner bildet eine wichtige Ep sode in dem gegenwärtigen Kriege, aber sür den Ausgang ist sie eber.sowrnig entscheidend, wie die früheren Siege der Japaner. Der Krieg wird clfo in der bisherigen Weise fortgesetzt werden, d. h. die Japaner weroen wahrscheinlich noch weiter nach Norden vordringen, bis die Russen durch neue aus Europa herangezoyene Verstärkungen ein solches Uebergcwicht erlangt haben, daß fie ihrerseits zum Angriff übergehen können.
Das Hauptinteresse rst nunmehr darauf gerichtet, ob die Juparer imstande sein werden, den fliehenden Russen den Paß nach Mukden »u verlegen. Sichere Meldungen darüber fehlen. Reurer's Bureau meldet aus Mukden, daß der Eisenbahnverkehr rach L aujang unterbrochen fei. Die Wege seien unpassierbar. — Das würde den Rückzug der Ruffen na ürlich sehr erschweren, wenn nicht überhaupt unmöglich machen.
Die Eroberung von Liaujang durch die Japaner wird in einer nach London gelangten Privatmeldung aus Tokio vom Freitag wie folgt geschildert:
Liaujang mit der Eisenbahnstation ist tatsächlich in den Händen der Japaner. Donnerstag nachmittag» griff eine vorgeschobene Ab eilung au3 dem japanischen Zentrum ben Bahnhof an, um den Abgang von Zügen mit Geschützen und Borräten zu verhindern. Die Ruffen machten die äußersten Anstrengungen, die Bahnlinie zu halten und Züge abzusenden. Kuropatkin» Hauptarmee ist auf einem fluchtartigen Rückzug; fie nimmt ihren Weg entlang dem rechten Ufer des Taitseho. Die ganze Ausdehnung des japanischen SiegeS ist noch nicht zu übersehen, doch glaubt man in Tokio, daß der Erfolg vollständig ist. Amtlich wird mitgeteilt, daß das Hauptquartier der japanische» Mandschurei-Armee unverzüglich nach Liaujang verlegt werde» wird.
Ueber Port Arthur ist nicht viel Neues zu berichten. Ein russischer Dampfer, der mit dem Fortschaffen von Minen vor Port Arthur beschäftigt war, wurde nach japanischer Meldung am 31. v. M. zerstört. In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag wurde in Tschifu wieder heftiges Feuern in der Richtung aus Port Arthur vernommen.
Korea ist ganz und gar in japanischen Händen und wird von den Japanern wie eine unterworfene Provinz behandelt. Amtlich wird aus Söul gemeldet, daß Li, der koreanische Gesandte in St. Petersburg, von seiner Regierung aus seiner amtlichen Stellung am 1. d. M. ent-
Hanbvoll edler Polen habe ich e» verteidig, bts zum Aeußerste» gegen die tret großen Mächte, bie es überfielen, und al» e» durch bie Ur beim acht unserer Feivbe bedrängt, unter ben Mauern von Barsovien, im Angefickte dieser ben Flammen unb ber Plünderung überlieferten Haupisiadt, nachgeben unb ber Tyrannei unterliegen mußte, habe ich »och bi» zuletzt Widerstand geleistet. Ueber oll suchte ich SJerbönbete, um nur zu helfen, Polen seine Existenz unb fernen Namen wieberzugeben. Doch eitle Bemühungen, unnütze Versuche, jeder zog bie Ketten fester an, bie meine schwachen Hände nicht löse» konnten. Da» Laub meiner Ahnen warb ber Herrschaft Rußland» unterworfen. Ich lebte dort mit Ibn glücklich, tausendmal glücklich, Wern da» fr mde Joch nicht auf meine Stirne gedrückt hätte. Meine wenig gemäßigten Klagen und besonders die zahlreichen Un- zufriedenen, welche fich in meinem Hause versammelten, beunruhigten ben unbeschränkten unb argwöhnischen Herrscher. Eines morgen» würbe ich gewaltsam au» meinem Hause weggeführt, würbe ben Armen Deiner Mutter unb ben Deinigen entrissen. Du warst erst vier Jahre alt urb weintest nur, weil Du Deine Mutter weinen sahst. Ich wurde in baS Gefängnis von Petersburg geworfen, Ida folgte mir dorthin; bie Erlaubnis, mit mir bie Gefangenschaft zu teilen, war bie einzige Gunst, bie sie erlangen konnte. Ei« Jahr ungefähr lebte» wir in diesem schreckliche» Kerker ohne Luft und Licht, aber nicht ohne Hoffnung. Jch konnte unmöglich glauben, daß ein gerechter Monarch nicht Nachsicht haben sollte mit einem Börger, ber sür die Rechte seines Baterlarbe» eingeflauben unb bem Versprechen trauen, welche» ich ihm gemacht, unter- wü ftg zu bleiben. Ich hatte zuviel Vertraue« in bie Menschen gesetzt, ich würbe obre Verhör tieurteilt unb nach Sibirien verbannt. Meine treue Gefährti» verließ mich nicht, unb ich muß sag,», boß, indem sie mich h ierhm begleitete, sie mehr auf ihr Herz al» auf ihte Pflicht hörte. O mein ßinb, wenn ich einige Erleichtern« g in meinem Leben empfonb, so »erbaute