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8lll»a. Mittwoch, den 24. August 1904.

31. Jahrgang.

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Monatsdekager „Sulöaer GeschichtrbMer". Znnsprecher Rr.»

51. General-Versammlung -er Ratho- liken Deutschlands zu Regensburg.

(Nachdruck Verbote«.)

cpc. Regensburg, 23. August 1904.

Schon um 4 Uhr war am Montag Nach» mittag der Zudrang zu der

1. öffentlichen Generalversammlung so stark, daß es einer berittenen Schutzmannschaft bedurfte, um dem Ansturm zu steuern. Die dirponibelen Karten waren ausverkauft. Um 5 Uhr kündete ein langanhaltendes Hoch das Erscheinen der hohen Gäste, welche an derVer- sammlung teilzunehmen beabsichtigten. Von diesen sei erwähnt Fürst von Thurn und Taxis; acht Bischöfe wohnen der Versammlung bei.

Um 5 Uhr eröffnete Präsident Dr. Porsch die Versammlung und weist zunächst unter stürmischem Beifall die Behauptung zurück, als ob die Katholiken-Versammlung eine Zentrums- Versammlung sti. Wenn sie es wäre, was für einen Grund sollten wir haben, es zu leugnen. Denn es ist doch keine Schande, dem Zentrum anzugehören. (Stürmischer Beifall.) Wir sprechen hier nicht über Fragen der reinen Tagespolitik. Wir find geblieben, was unsere Vorfahren schon bei Begründung der ersten Katholikentage waren. Mau sagt nun, im Jahre 1871 habe das Zen­trum seine Hand auf die Versammlung gelegt Nein! nicht das Zentrum war es, sondern der Kulturkampf. (Stürm. Beif.) Damals wurde die Aenderung unserer Geschäftsordnung durch diesen Kampf notwendig gemacht. Und niemand könne doch den Zeittrumsabgeordneren verwehren, auf die Katholikentage zu kommen, denn fie seien doch auch katholische Männer. Wie die Tages­politik vermeide der Katholikentag auch die konfessionelle Polemik, da er die Höhe, auf der er stehe, nicht beeinträchtigen wolle. (Lebh. Beif.) Redner gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sich ein konfessioneller Friede anbahnen werde und gedenkt der Aufhebung des §2 be5 Jesuitengesetzes. Wir würden das Recht haben, gegen die Kund­gebung einer amtlichen Zentralstelle aus Anlaß dieser Aufhebung zu protestieren, aber im Interesse des konfessionellen Friedens wollen wir auch dazu schweigen. Nur möchte ich richtig stellen, daß es sich nicht um Anmaßungen des Ultramontanis- mus handelt, sondern um unser Reckt auf Ge- rechtigkett und Freiheit. (Stürm. Beif.) Zum Schluß begrüßt Redner die Bischöfe, besonders den Bischof von Regensburg, der sich trotz seiner 87 Jahre nicht habe abhalten laffen, zu erscheinen. (Lebh. Beif.)

Hierauf ergreift der Hochw. Herr Erzbischof von München im Auftrag deS greisen Jubel- bischofs daS Wort. Die Bestrebungen des Katho­likentages können die kath. Bischöfe mit großer Genugtuung erfüllen. Es geht auch heute ein Zug durch die Welt, der wie im alten Heiden­tum einen großen Einfluß auf die Massen aus­übt und gegen das Christentum gerichtet ist. Freiheit, Gerechtigkeit und Friede sind die Ideen,

welche eingetaucht in den Geist Christi, von uns vertreten werden. Die Kirche ist unsterblick. Sie haben sich an die Kirche angeschlossen. Mögen Sie den Mut gewinnen, treu zu stehen zur Kirche, zum engeren und weiteren Vaterland! Wir wollen fest verbunden bleiben mit dem Stuhle des hl. Petrus. — Die Hochw. Herren erteilen den Bischöflichen Segen.

Der Präsident bringt ein Hoch auf die Bischöfe aus. Unter jubelndem Beifall begrüßt der Präsident den Fürsten von Thurn und Taxis.

Sodann ergreift das Wort Herr Professor Dr. Esser-Bonn, dessen Thema lautet: „Die Erneuerung der Welt in Christus". Es ist stets eine Offenbarung des tiefsten Selbstbe­wußtseins der Kirche gewesen, wenn sie das Programm entfaltete: Alles zu erneuern in Christus. An dem Königtum Christi wollen unsereGeneralversammlungenmitarbeiten.Christus verkündend, zeige die Kirche, daß fie der Welt etwas zu sagen und zu geben hat, was keine Kultur, Kunst und Wissenschaft ihr bieten kann, ein Ewige?, das alles Irdische mit seiner Kraft durchdringt. Mit diesem Glaubensbekenntnis hat die Kirche die alte Welt erneuert, in ihm hat sie die Last der Jahrhunderte getragen und über­wunden. Jede Erneuerung muß auf daS Innerste des Menschen gerichtet sein, sie darf keine Deko­ration sein. Christi Nachfolge ist das allgemeinste und wichtigste Bildungsmittel. Ueber die Hoheit der sittlichen Kultur, wie sie in den Evangetzen leuchtet, wird die Welt nie hinauSkommen. Christo Kreuz steht im Zentrum der leidenden Menschheit; seit seinem Opfertod hat die Liebe eine Geschichte. Erneuerung heißt Läuterung, nicht Vernichtung; das übernatürliche Lebensziel verdrängt andere Ziele nicht. Es erstrahlen vielmehr in neuem Lichte die Güter und Ordnungen des diesseitigen Lebens, Die welterneuernde Kraft Christi strahlt uns besonders entgegen aus dem Lichtbilde der christlichen Familie. Hier treten uns auch der Adel und die Macht entgegen, welche dem Weibe, der gottgeweihten Jungfrau und der christlichen Mutter gegeben sind. Christi Wort: Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, hat die Autorität fester gegründet, als das Schwert es vermag. Die Religion Christi verteidigt aber auch die ewigen Menschenrechte und fie wehrt dem Uebermut. Der Materialismus, der dem Menschen zuruft, er solle sich ausleben in dieser Welt, autorifiert die schrankenlose Selbstzucht. Die christlichen Prin­zipien find die sozialen Bindegewalten, die stark und ftei und freudig leiden. Wir lieben die Kirche, well wir Christus lieben, wir halten ihr die Treue, weil wir von ihm nicht lassen wollen. (Lebh. langanhaltender Beif. und Händeklatschen.)

Reichstagsabg. Geh. Justizrath Roeren- föln behandelt das Thema „Papsttum und UltrarnontanismuS". Wir leben im Zeit­alter der Schlagworte; je dehnbarer sie find, um o mehr wirken fie und um so leichter sind fie iu handhaben. Das gilt besonders vorn Schlag, vort über religiöses und politisches Papsttum. Sine Erklärung, was man unter dieser Unter- cheidung versteht, vermeidet man. Versteht man unter religiösem Papsttum, daß die Kirche sich legen die Vorgänge des öffentlichen Lebens ab- chließe, so verlangt man etwas, was mit der Mission und dem Wesen der katholischen Kirche als Heilsanstalt der Menschen in Widerspruch teht. Die Kirche soll die Welt zu Gott führen, le muß sich daher in das Menschen- und

Staatengetriebe hineinbegeben und ihren Einfluß geltend machen, daß die Dinge nicht eine Richtung erhalten, die dem von Gott gewollten Ziele zu widerläuft. Dieser Aufgabe ist sich die Kirche von Beginn an bewußt gewesen; wollte die Kirche darauf verzichten, so würde sie aufhören, die Kirche Gottes zu sein. Eher wird man da­her die Kirche hier und da zu Boden treten können, als daß sie ihre Weltmission aufgibt. Von der gleichen Qualität ist das Schlagwort vom „wahren Katholizismus" und vom politischen oder Ulttamontanismus: Man fordert damit, daß wir jede Lebensäußerung unseres religiösen Empfindens unterdrücken sollen außerhalb der Kirche und des Hauses. Wir sollen nicht für unsere Kirche eintteten dürfen. Tun wir es doch, so spricht man von Mißbrauch. Wir be­anspruchen sür uns, die Nationalisten und Atheisten auch für sich beanspruchen. Solange über unsere wichtigsten Rechte im öffentlrchen Leben entschieden wird, ist es eine Forderung der natürlichen Klugheit, daß wir uns auch am öffentlichen Leben beteiligen. (LanganhcMftlder, stürmischer Beifall.)

Deutsches Reich.

Berlin, den 23. Ang. 1904.

** Bebel alS Republikaner und Kultur- kämpfer. Auf dem internationalen Sozialisten- kongreß in Amsterdam ist dem Deutschen Reiche und seiner Sozialreform bekanntlich eine uner­wartete Ehre zu Teil geworden. Bebel lobte es gegenüber den Republiken Frankreich und Amerika. Wenn auch widerwillig und mit den üblichen Verklausulierungen mußten unsere Sozialisten Molkenbuhr, Bebel, Wurm der deutschen Sozial- reform Anerkennung zollen und der Kongreß stellte unsere Arbeiterversicherung als Muster hin, wenn er natürlich auch weit mehr verlangte. Dafür war es aber auch ein deutscher Genosse, der sich in Amsterdam am erbärmlichsten benahm, wenigstens von allen Genossen aus einigermaßen zivilisierten Ländern. „Unser" Bebel erklärte, Deutschland sei das am schlechtesten regierte Land Europas und er wäre ganz zufrieden, wenn rott gleich den Franzosen durch ein Sedan zur Republik kämen. Hat irgend eine andere sozialdemokratische Partei wohl einen so schäbigen Gesellen aufzuweisen wie diesen Bebel, der sein eigenes Vaterland be­schimpft und sein Unglück herbeiwünscht? Wenn ein französischer oder englischer Genosse mit so vollendeter Gesinnungslumperei über sein Vater­land hätte sprechen wollen, seine entrüsteten Landsleute hätten ihn niedergeschrieen. Nur unsere sozialistischen Narren sind zu solchen Schamlosigkeiten fähig. Glücklicherweise denkt die! große Masse unserer sozialdemokratischen Arbeiter nicht wie dieser mundfertige Führer. Man darf sich aber nicht wundern, wenn bei uns eine starke Stimmung herrscht, die die Sozial­demokratie so behandeln will, rote fie es nach Bebels Worten verdient. Jedenfalls wird die Unbesonnenheit des rabiaten Diktators gegen die Partei wieder tüchtig ausgenutzt werden. Des­halb hat der .Vorwärts' in seinem Berichte die schamlose Aeußeruug über ein deutsches Sedan wohl auch unterdrückt. — Bemerkenswert ist auch, daß Bebel die Kulturkämpferei der sranzöfischen Genossen billigte. Bei uns tut man, als ob man Freiheit und Gleichheit für

alle, und keine Ausnahmegesetze wolle. In Frankreich lobt man dre Genossen für die brutale Vergewaltigung von Okdenspersonen. Nun, vielleicht wirft man auch bei uns die Maske ab, wenn Bebel statt der 3 Millionen erst 8 Mil­lionen sozialistischer Wähler hinter sich hat. Nachdem man mit den gepriesenen 3 Millionen die Well nicht hat umkrempeln könne, suckle er den spöttischen Hinweis Iamäs auf die Machtlosig­keit der Deutschen Sozialdemokratie zu parieren mit der Prahlerei: „Lassen Sie uns 8 Millionen haben, dann wollen wir einmal sehen." Bebel wird glücklicherweise wohl nicht mehr in die Lage kommen, zu zeigen, was er bann leiste« kann.

* Wie könr-eu wir auf liichte n«b wirksam* Weise sür die Weiterverdrritung unserer Press* sorgen? Der ,Kö!n. Vfig/ wird zu dieser Frage ge­schrieben : Jeder Katholik sollte es sich z. B. zum festen Prinzip machen, in den Restaurants, Hotels und auf Bahnhöfen stets ein katholische? Blatt zu verlangen; man glaubt gar nicht, welch' großen Dienst man dadurch unserer Preffe leistet. Und gerade gegenwärtig wieder baden so viele Katholiken auf der Reise Gelegenheit, sich für unsere hervorragendsten Organe verdient zu machen. Es kann und wird uns wahrhaftig kein Hotelbesitzer übel nehmen, wenn wir eine große katholische Zeitung fordern. Wenn dies alle Katholiken tun wollten, dann würde der Erfolg nicht auSbleiben. Ein Beispiel Ich war kürzlich an der Mosel. In Trarbach, welches ich u. a besucht», kehrte ich in dem hübschen und komfortabel einge­richteten Hotel Adolf ein. Ich ließ wich hinter einem Schoppen echten Moselweins häuslich nieder nud wünschte die .Kölnische BolkSzeitung- zu lesen. Mit einer gewissen Verlegenheit wurde mir bedeutet, daß diese Zeitung nicht aufliege. (In Trarbach ist nur ein kleiner Bruchteil der Einwohner katholisch.) Ueber die weiteren Worte, die zwischen dem freundlichen und zu­vorkommenden Inhaber deS Hotels und mir in dieser Angelegenheit gewechselt wurden, brauche ich nichts zn sagen. AlS ich nach kurzer Zeit wieder in der Heimat angekommen war, fand ich im Anzeigenteil der »Köln BolkSztg.' eine Empfehlung deS Hotels Adolf, welche u. a. auch die Mitteilung enthielt, daß die .Kölnische BolkSztg.- aufliege. Man fleht an diesem Beispiel, was der einzelne schon vermag. Welche Wirkung wird aber erzielt, wenn jeder Katholik so handelt.' DaS gill nicht nur für unser Berhalten auf der Reife; den Grundsatz, überall katholische Blätter zu verlangen, ollte man immer, auch in der engeren Heimat, zur Unterstützung der Lokalpresse, festhalten. Und bann noch einS: In den TageSblättern wird oft darum ge­beten, daß man bei Einkäufen, die infolge von An­preisungen in der Zeitung gemacht werden, sich stets auf die bett. Zeitung berufen soll. Aus diese Weise können ganz besonders die katholischen Frauen unserer Presse unschätzbare Dienste leisten. ' Iber auch die Männer haben ost dazu Gelegenheit. DaS ist eine Tätigkeit, die niemanden etwas kostet, die auch gar nicht einmal mühevoll genannt werden kann. Wenn aber jeder Katholik in diesem Sinne wirken wollte, dann würde der Nutzt«, der unserer Preffe daraus erwachsen muß, ganz gewiß ein großer fein. Die offene Bekundung unserer UeberzeugungStreue auch bei dieser Gelegenheit kann unS übrigens nur zur Ehre gereichen und wird uns in der Achtung anständiger Mitbürger (auch Andersdenkender) nur heben. DaS Urteil deS Unverstandes oder der konfessionellen Ver­bohrtheit aber braucht uns nicht anzufechlen.

J:[ Unter dem Namen „Gesellschaft zur Be­kämpfung deS StraßeustanbeS" ist n München eine Vereinigung gegründet worden, die den Zweck hat, alle Unternehmungen und Versuche zu fördern, die dahin gehen, unter Anwendung geeigneter Mittel den Staub auf den Straßen zu beseitigen. Diesen Bestrebungen ist die weiteste Verbreitung zu wünschen.

Das Haur im Gebirge.

Erzählung an-der Gegenwart von Klara Lötschert (Marga Brechten.)

28 ------(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Werner iß von Natur weichherziger als er geglaubt. Jetzt, da die alte Frau den greisen Kopf mit den in Tränen schwimmenden Augen von seiner ^>klUer emporhebt und et eS um Jakob KirstnerS rzl". «5, Eigentümlich zucken sieht und Magda -auttf Schluchzen hört, da schleicht er still hinaus.

Er findet Linchen am Herde in der Küche sitze« 7" tmch, und die Kinder stehen verdutzt in einer Ecke.

10. Kapitel.

Der AuSgang.

»rmut und Fülle, Verödung und Pracht Wechseln auf Erden wie Dämm'rung und Nacht, Günstige Fluten Tragen die Guten, Fördern die Braven

_ Sicher zum Hafen,

2*b< etn harmonisch verklingendes Lied, Schl,eßt sich das Leben dem edlen Gemüt.

Matthiffon.

Wenige Tage darauf erscheint in dem einsamen Hause in der Schlucht ein Besuch, welcher wenigstens

die weiblichen Glieder derselben in große Auflegung versetzt, da sie, wie sie meinen, „nicht daraus einge­richtet find".

ES ist Herr Brunn, der Besitzer der Gießerei, i :r teilt der kleinen Familie mit, daß der alte Grün- thaler um seine Pensionierung nachgesucht und daß er an dessen Stelle Werner zum Inspektor ernannt labe. Darauf reicht er dem kleinen Jakob ein Spar­kassenbuch, welcher auf der Knaben Namen lautet, und in diesem die Summe gut geschrieben ist, welche Leonbard einst als Belohnung zurückg-wiesen.

Der kleine, lustige Franz werde wohl der Nach- olger deS Großvaters werden, sagt der alte Herr äwelnd. Den ernstere«, stillen Jcckob aber gedenke er sich heranzuziehen.--

Dem lachenden Morgen folgt nicht fetten ein trüber Abend.

ES ist am Spätnachmittag desselben Tages. Die Gießerei hat einen ungewöhnlich großen Vorrat von Roheisen erhalten. Die Arbeiter find emsig mit bei Bergung desselben beschäftigt. Ein beträchtlicher Tell oll noch vor Nacht unter Dach und Fach, und doch reich'« die frei gewordenen Räume nur schwer auS.

Platten fügen sich auf Platten, B irren auf Barren. Allen Männern voran arbeitet Gustav Wetzer. Der Schweiß netzt feine Stirn, und noch immer hebt er mit wahrer Riesenkraft die schwersten Stücke an ihren Bestimmungsort.

Ta — in einem unglücklichen Moment — geschieht daS Furchtbare. Entweder hat er nun den Abstand des Raumes nicht richtig bemessen, oder feine Kraft ist plötzlich erlahmt — genug — einer der gewaltigen ]

Blöcke fällt auS der Höhe wieder herab und auf ihn zu--------------

Stumm, in tiefster Bewegung stehen die Männer um den Sterbenden herum. Nur der Meister kniet am Boden und richtet feinen Kopf in die Höhe. —

Aus der eingedrückten Brust quiütn einzelne dunkle Blutstropfen und treten auf die Lippen des Armen. Roch einmal öffnet er die brechenden Augen und ruft mit letzter Anstrengung:

„Mein Kind — mein Annchen!"

Da legt sich Werners Hand beschwichtigend auf die seine: „Still Freund, still — ich will ihm ein Vater sein!"--

E» war einige Iahte später, zu einer Zeit, da eS Rode geworden, in jedem unscheinbare«, halb vrrges- enen Dörfchen einen Luftkurort zu erblicken.

Einige Städter, welche auf die Entdeckung einer neuen „Sommerfrische" auSgegangen waren, fanden mtt einem Male, daß die einsame Schlucht mit dem rauschenden Bache und dem wundervollen Tal dahinter gar sehr einer Alpenlsndschaft gleiche.

Jakob Kirstner hörte davon und da er durch die Pflege seiner Kinder neue Kräfte erlangt und so etwas wie „Unternehmungsgeist" in sich verspürte, o machte er mit Werners Zustimmung den Versuch, ■>a oben ein Gasthaus zu errichten.

ES glückte. Alles pilgerte hinaus nach der „Alt- dorser Schweiz" und hielt nachher Rast auf der Bank vor dem Hause, daS noch immer „wie gemalt" dort lag,

Auch ich, der ich btee kleine Geschichte erzählt,

machte die Mode mit, lag mir doch mehr an den lieben Menschen, deren Schicksale ich kannte, als jenen Fremden!

ES war wieder ein herrlicher, sonniger Tag. Und wie ich an den Steg trete und hinüberschaue, sehe ich auf einmal, daß mein kindischer Wunsch in Erfüllung gegangen: An dem Pflaumenbaume im Borgärtchen I längt daS alte Schild, aber es trägt einen weißen ! Zöge! inmitten der steifstehenden Halme, und die Unterschrift lautet: „Zur weißen Elster" — paffend zum friedlichen Lebensabende der Wirtes!

Ich schreite über den Wildbach und komme gerade an, als der alte Kirstner auS seinem erquickenden Mittagsschläfchen erwacht und seiner Frau lächelnd er­zählt, waS ihm eben geträumt.

Er hat ben Franz unter der HauStüre gesehen — erwachsen — als Mann — ihm zur Seite eine hübsche, junge Frau, die aber hat Annchen WetzerS Züge ge­tragen! Ob das nicht merkwürdig fei?

Der Trau« war wunderlich; aber wenn man bedenkt, daß merkwürdigere Dinge auf der Welt geschehen, als das, worauf Jakob Kirstner hinzielt, fo st es garnicht so unmöglich, daß sein Traum einst in Erfüllung gehen totrb.

In dieser Voraussetzung nehme ich bald daraus Abschied vom Pfade drüben, fröhliche» Herzens rufend: „Viel Glück auch deinen zukünftigen Bewohnern, du „weiße Elster", du liebes HauS im Gebirge — viel Glück dir und uns allen!