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M 184.
KUda, Samstag, den 13. August 1904.
31. Jahrgang.
wochen-RundschmL.
(Nachdruck verboten.)
D gulba, 13. «ng. 1904.
Papst Prut X. beging am DievS.ag brn Jahre»- tag seiner Krönung An» diesem Anlaß fand tn der Pererskirche eine feierliche Zeremonie nebst Hochmut statt, welcher der Papst beiwohnte. Ja diesem erste« Jahre seine« Prut fikate» hat Papst Ptu» X. bewiesen, daß e« ihm Ernst ist mit seinem Rigiernngtprv- gramm: „Alle» erneuern in Lyristu-I"
Kaiser Wilhelm ist am Dienst«« von feiner LordlaadSre.se zmückgek-hrt. Manche Leute sahen seiner Rückkehr mit Spaannng entgegen, da man «einte, der Kaiser werde in die Angelegenheit de» Frhr n. Mirbach persönlich eingreifeu. Ob etwa» geschehen wird, muß man abwm teu.
Der .Borwärt»' har wieder einmal ein Komplott gegen da» RerchttagSwahlrechr ent- "deckt, an den Führer der großen Parteien, auch der Zeutrumeabgeordvete Dr. Tv^hn, teilhoben sollen. Daß da» R-lchStagSwahlrecht Gegner hat, weiß man too« lange, und wen« diese irgendwo eine Versammlung akgehalten haben, so ist da» praktisch recht bedeutungslos. Denn für eine B'rschlechternng deS NeichSlagSwahlrechteS ist eine Mehrh it im Pirla« ment nicht zu haben, da da» Zentrum auf keinen Fal miLtnt. Tatsächlich mußte denn auch der .Borwärt»' zugeb n, daß Dr. Spahn an der besagten Konferenz gegen ba$ Reichstagswahlrecht gar nicht teil genommen und ihren Beschlüsse« auch nie zugestimmt habe
Der ganze Lärm hat i nr den Zweck, um für den Bremer Parteitag eine Ablenkung zu haben. Zu den inneren Zwistigkeiten gesellt sich auch noch die Unzufriedenheit einer großen Teile» der Genossen mit der pa lamentarischeu Tätigkeit der Führer So sprach sich in einer Versammlung der lokalorganisierten ®e» werkschafien in Berlin ein Dr Friedeberg unter allgemeinem Beifall sehr abfällig über den Parlamentarismus au», der für die Zwecke d r Sozialdemo- hälfe nicht» leiste, und in diesem Sinne nahm die Bersamml ng auch eine Resolution ai. Man begreift also da» Bedürfnis der Sozialdemokraten nach einer Sensation, die den Unwillen nach anderer Richtung lenkt.
In Bayern ist die Landtagtsesstou endlich zum Abschluß gelangt. Kurz vor Schluß gab e» noch einen Zusammenstoß zwischen den beiden Kammer«. ReichSrat Graf Preystng, der Sohn de» vor zwei Jahren verstorbenen ZentrumSabzrordneten, griff in der Ersten Kammer den Abz. Dc. Heim an, wert et dmch die Verlesung de» DuellerlaffeS der KriegSmi- Nister» diesem ein Bein gest.llt heb*. Als königlicher Beamter habe Dc. Heim die Pflicht, das za tun, was die Regierung wünsche und nicht dmch Veröffentlichung von Geheimerlaffen, die nur durch grobe Pflichtverletzung eine» Offiziers in seine Hände gekommen sein könnten, derselben eben Prügel zwischen he Beine zu werfen. Schuld daran sei die Schwäche t'er Regierung geg-nüber der Abgroidneteukammer. Diese Rede g-fiff den Liberalen und fie prieS den G.afen Pr-yfing als Heb; eS ging ja gegen einen Z-mrum«abgeordne!en und ein- Kammer mit „ultra« moiitat et" Mehrheit. In der Äbg«ordnetenkai« wer legten die Redner fast aller Parlelen Ve'tvah ungem gegen die B Handlung, die die RtichrratSkammer schon ««hrfack der Abgeordnetenkammer vabe zu t it werden lassen. Der Minister deS Innern Frbr. von Fellitzsch und Min sterpräfident o. PodewUS nerwahr- te« die Regierung gegen den Vorwurf der Schwäche gegenüber der Zwecken Kammer. In der Reick SratS- kammer erklärte <8raf Preyfing, er könne nicht» von seiner R-de zurücknehmen; vielleicht tut fie -hm noch einmal leid, wen« cr zu größerer Einsicht und Erfahrung gelangt ist.
Der Konflikt zwischen Frankreich und dem hl Stuhle steht einstweilen still. Nach dem Vorgang der französischen Regierung hat auch der hl Stuhl die Aktenstücke, die sich auf den Konflikt beziehen, veröffmtlicht Aus ihnen geht mit aller D-utlichkeit hervor, daß die französische R-gieru"g systematisch auf den Bruch hingearbeitet und derselben ohne rechtlichen Grund h-rbe:geführt hat.
I» England wolle« dieErsatzwahle« zum Parlament trotz aller Bg-taiion Eamberlainr gut nicht zu Gunsten von dessen Zollpolttik auifaUer. Seit vierzehn Monaten haben die Liberalen bei 24 Ersatzwahlen 18 Mal gesiegt und zwar haben fie 9 Mandate den Konservativen abgenommen. In der vorige« Woche gewannen fie ihnen OSwestry mit großer Mehrheit ab u"d behauptete« Reading
In Südwestafrika wurde am 2 August eine Kompagnie de» 2. FeldregimeniS, die von Sud- Weste« gkzen den Skittberg heranrückce, v»n 150 Herero» bei Okateckei en gegriffen. Der Angriff wurde abgeschlagen; 50 Herero» fielen. Die deutschen Truppen fcatti einice Verwundete, keine To'e. Während es wiederholt hieß, die Hauptmacht der Herero, die am Waterberg eingekreist werden joll, sei entschlüpft, macht nach den neuesten Meldung-« die Einkreisung Fortschritte-
Auf dem vstasiatischen KriegSschau- Platze finde« sack uaunteibrochen die blut-gftcn Künpse start, da die beiden Gegmr sich unmittelbar auf de« Leid gerückt fin" und ständig in Fühlung mit einander »leibe«. Die Raffen werden tmaset rvehr zusammen- und zurückgedrängt. Nm 3. August
besetzten die Japaner Hailscheng und RtMschwang, 30 Meilen nördlich von dem Ha en gleiche« Romen». Bei Liaujong erwartet man jede« Tag eine evt- schetdeode Schlacht. Die Russe« sollen der Gefahr, von de« Japanern ringeschl sse« und zur 8kff-n» streckuug gezwungen zu »erben, kaum noch entgehen könne«, da Kuroki» Armee bereit« nördlich und nord, östlich von Lianjang st hl und ih-eu de« Weg nach Mukden abschu ioeu U ne. Ob die Sage Suropat- kin» wirklich so verzweifelt ist, wie vielfach behauptet wird, mutz fich bald zeig««. Die Nachricht, er habe von Petersburg de« Befehl erha'teM, die Rück wgS- bemegupg einzustrllen und zum Angriff vorzugehen, klingt nicht sehr wahrschenlich. tBenn er nach Süden vor stoße« wollte, würde er ja erst in Gefahr geraten, umzingelt zu werden Daß die Kampfe bei Taschttschio, Tomutscheng. Jnscholiutschu, P°y:nling, Hoilsckeng und ymfialfi sehr verlustreich waren, wird von beiden Seiten zugegeben Die an greifenden Japaner werden wohl oft die meisten Verluste haben, aber fie scho cken rff-r.bat vor nichts zurück. Ob fie, wie von russischer Seite behauptet wird, am 2., 3 und 4 d. MtS. bei Hutfiatfi eine« Verlust von 10—13000 Mann hatten, ist allerdings zu bezweifeln. Bor Port Ar-hur ist in den letzten Tagen des Juli ebenfalls erbittert gekämpft wo, den. Wenn die Reffen wiederholt den Japanern Verluste von 10000 Man« nachsagten, so war da« sicher übe-- trieben. Schwere Verluste haben diese allerdings ge habt, aber schließlich find fie doch, wie die Rossen selbst zugeben, erheblich näher an die Festung heia t- gekommen. Am Abend des 5 August fand zur See ei« Kampf hauptsächlich zwischen rassischen urd japanischen Torpedobootzerstörern statt. Rach russischen Angabe« wären dabei verschiedene japanische Sch ffe beschädigt worden.
Die englische Tibet-Expedition hat am 3. August ohne weitere Kämpfe Lh-ssa erreicht. Sie bezog in unmittelbarer Nähe der Privaigärten des Dalai Lama ein Lager. Die Tibetaner Hube« bald elugesehen, »aß Rußland fie gegen die Engländer wcht schützen könne, und deshalb den Ankömmlingen ein freundliches Besicht gezeigt. DaS weitere wirb fich wohl bald finden.
Auf de« Präfidenteu von Uruguay, Battle y Ordona, wurde am Samstag ht Montevideo ein Attentat verübt. Als er mit feiner Famckie spazieren fuhr, explodierte unter seinem Wagen eine Mine Niemand kam indeß zu Schaden.
27. Generalversammlung des Verbandes kath. kaufm Vereinigungen.
IV.
CPC. Fulda, den 12. Aug. 1904.
Namens des Vorstandes bringt Weber- Effen den Fall Schwerte zur Sprache. Bald nach seiner Begründung war der Kath. kaufm. Verein Schwerte von der dortigen Polizeioer» waltung um Einreichung der Mitgliederliste er- sucht wordrn, da er eine Einwirkung auföffent- ltche Angelegenheiten bezwecke und daher unter das VereinSgesetz fall'». Da der Vorsitzende das Anfinnen der Polizeivrrwaltung oblehnte, so wurde er mit einem S'rafmandat bedacht, und dieses Strafmandat wurde durch das Schöffengericht bestätigt. In den Urteilsgründen heißt es, ün § 1 werde als Zweck des Vereins u. a. bezeichnet ,Förderung des religiös-sittlichen Ledens"; es sei aber nicht gesagt, daß diese Förderung fich lediglich auf die Mitglieder des Vereins beschränken solle (Stürmische Heiterkeit); dadurch, daß die Mitglieder gemeinsam zur Kom- munion gingen, legten fie anderen nahe: macht uns das nach, und das sei eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten. (Erneute stürmische Heiterkeit.) Da oie Frage für alle katholischen kaufmännischen Vereme von der allergrößten Wichtigkeit ist, so bittet der Vorstand um die Ermächtigung, den Rechtsstreit auf Kosten des Verbandes bis tn die höchsten Instanzen zu verfolgen. Die Ermächtigung wird einstimmig erteilt. Der kath. kaufm. Verein Stettin hat eine ähnliche Erfahrung gemacht wie der in Schwerte. Auch er wurde, und zwar deshalb, weil er fich korporativ einer Organisation für Herbeiführung einer PenfionSoerficherung angeschloffen hatte, von der Polizei aufgefordert, seine Mitgliederliste einzureichen, und er entging der Gefahr, als politischer Verein behandelt zu werden, nur dadurch, daß er aus jener Organi» sation wieder austral. Bei Besprechung der Ver- bandS-Einrichtungen(Krankenkaffe, Sterbe- kuffe rc.) wurde von verschiedenen Seiten Klage geführt, daß der Vorstand der Krankenkoffe nach der Haltung, die er gestern eingenommen habe, zu glauben scheine, daß die Krankenkaffe gar keine Verbands - Einrichtung mehr sei end er daher auf Wünsch; und Beschlüffe des Verbands keine Rücksicht zu nehmen brauche. Beifall und Widerspruch). Der Voranschlag des Haushaltsplans für 1904/1905, welcher in Einnahmen und Ausgaben mit 28150 Mark ralanciert, wird unverändert genehmigt. Es folgt >ie Beratung der vorliegenden Anträge und Berichterstattung der Kommissionen. 8me mehrstündige Aussprache knüpft fich zunächst an
die Frage der Organisation der Stellenvermittlung, zu der eine ganze Reihe von An- trägen, teils von der sozialen Kommisfion, teils von einzelnen Vereinen eingegangen ist. Die soziale Kommisfion lenkt die Aufmerksamkeit der Versammlung speziell auf die Errichtung von Stellenvermittlungen durch die Han- delrkdmmern, wie fie bereits in Köln und von der nassauischen Handelskammer geplant wird. Von anderer Seite wurde eingewendet, daß es im höchsten Grade bedenklich sein würde, dieses ureigenste Gebiet der kaufmänni schen Organisationen den Handelskammern zu überlassen; auch werde man nicht von allen Handelskammern das nötige Entgegenkommen finden, da sich von 140 preußischen Handelskammern schon 42 gegen das Projekt ausgesprochen hätten. Der Vertreter der Hanauer Handelskammer, Arnd, trat diesen Ausführungen entgegen; soweit wirklich das nötige Entgegenkommen nicht vorhanden sei, liege das daran, daß den Handelskammern jetzt meist ältere Herren angehörten, die nicht von Jugend auf sich mit sozialen Fragen beschäftigt hätten. Weber-Essen stellte fest, daß der Verband für seine Eingaben bei den Handelskammern stets die eingehendste Würdigung und Anerkennung gefunden habe.
Ein Antrag der Marianischen Kongregation für junge Kaufleute, Köln I, geht noch weiter als die Resolution der sozialen Kommission, welche den Gedanken der Begründung von Stellenvermittlungen durch Handelskammern nur als „beachtenswert" erklärt wissen will; er will direkt „die Verbandsoereinigungen ersuchen, in den Orten ihres Sitzes gemeinsam mit den übrigen dort vertretenen kaufmännischen Vereinen und den betreffenden Handelskammern eine kaufmännische Stellenvermittlungs-Anstalt auf paritätischer Grundlage anzustreben."
Em Antrag Schad-Wiesbaden, die Beschluß- saffung über die beiden Anträge ouszusetzen, wird abgelehnt und dafür folgende Resolution Eck erSdorf-Effen angenommen: „Die 27. Generalversammlung rc. hält die Errichtung der Stellenvermittelung seitens der Handelskammern für ihre Bezirke, wie es in Köln geplant wird, für beachtenswert und beauftragt die Kölner Vereinigungen, der Angelegenheit ihre weitere Aufmerksamkeit zu schenken und im Falle dem nächstjährigen Kongresse hierüber Bericht zu erstatten." Ein Antrags der sozialen Kommission, für die notwendigen Portoauslagen 1 Mk. einzufordern. wird abgelehnt; die Stellenvermttt- lung bleibt also kostenlos.
Angenommen wird ein Antrag Dortmund, wonach tm Bedarfsfälle und mit Genehmigung der Verbandsleitung in einem oder mehreren Gauverbänden Unter-sZentralen der Stellenvermittlung eingerichtet werden können. Ein Antrag München, 1500 Mk. zur Errichtung einer bayerischen Zentrale auszuwerfen, wird ab gelehnt und dafür ein Antrag Baczinski angenommen, dem Vorstande 1500 Mk. zur freien Verfügung, unter besonderer Berücksichtigung der süddeutschen Verhältnisse, für den Ausbau der Stellenoermittlun!, zu bewilligen.
Es folgt die Frage der Pensionsver- sicherung der Prrvatbeamten. Nach einem eingehenden, mit lebhaftem Beifall auf genommenen Referat des Herrn Direktor Gröningen (Aachen) wird folgender Antrag einstimmig angenommen:
„Die VerbandS-Vereinigungen werden drin- gend ersucht, in den Orlen ihres Sitzes Kom- misfisnen für retchSgefetzliche PenstonSnerfiche- rung der Prioatangestellten oder Vereinigungen für derselben Zweck ins Leben zu rufen, und dort, wo solche Kommt! sionen oder Vereinigungen bestehen, für den Beitritt des Verein- bezw. der Vereinsmitglieder zu wirken."
Zur Frage des Lehrlings wesens wird nach anregender Debatte ein Antrag OSna- brück angenommen: „Bei den zuständigen Stellen dayin vorstellig zu werden, daßdieVor- chriften der §§ 128 und 129 der Gewerbeordnung für das Handelsgewerbe überall in Anwendung gebracht und Bestimmungen über die Anzahl der Lehrlinge getroffen werden."
Ein Antrag Dülken fordert oie kath. kaufm. Vereine auf, fich in ihrem Orte, wenn tunlich, ür die Errichtung obligatorischer kaufmänni- cher Fortbildungsschulen tatkräftig zu benähen und dabei für die Aufnahme des Re- igtonsunterrichtes in den Lehrplan zu wirken." In der Debatte trat grundsätzliche Ueber- einstimmung mit dem Grundgedanken des Antrags zu Tage, nur wurden von einigen Seiten Zweifel ausgesprochen, ob die Forderung der Aufnahme des Religionsunterrichts Aussicht auf Durch- ührung haben werde. Demgegenüber wurde rstgestellt. bcß bereits in einer Reihe von Städten, so in M. Gladbach und Würzburg,
der Religionsunterricht eingeführt worden sei- Für Fulda konnte Herr Stadtrat R. Schmitt mitteilen, daß die Einführung deS Religionsunterrichte- an der kaufmännischen Fortbildungsschule bei den Angehörigen aller Konfessionen den besten Eindruck gemacht habe. (Lebhaftes Bravo.)
Der Antrag wurde schließlich einstimmig angenommen, ebenso nach kurzer Debatte ein Antrag Gröningen (Aachen), welcher auf die Wichtigkeit des höheren Studiums, insbesondere des B such« der HauvelSschule« hinweist.
Letzter Gegenstand der heutigen Tagesordnung ist die Frage der Sonntagsruhe. In Ueber- einstimmung mit feinem vorjährigem Beschlüsse spricht fich der Kongreß für Herbeiführung vollständiger Sonntagsruhe an allen Sonn- und gesetzlichen Feiertagen in Bank-, Engro»- und Fabrikgeschäfteu aus und fordert die Vereine auf, dahin zu wirken, daß für Ladengeschäfte nur ein einmaliges Offenhalten der Läden an allen Sonn- und gesetzlichen Feiertagen ununterbrochen im Ganzen 21/8 Stunden zugelassen wird; endlich fordert er, daß die Sonntagsruhe auf alle bisher von dieser Maßnahme befreiten Sonntage ausgedehnt wird und daß nur die beiden Sonntage vor Weihnachten, wie bisher für den Geschäftsverkehr sreigegeben werden dürfen.
Hierauf wird die Weiterberatung auf SamS- tag vertagt.
Begrüßungsfeier.
Gestern abend ^9 Uhr begann im großen Stadtsaale die offizielle Begrüßungsfeier. Der schöne Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Unter den Ehrengästen bemerkten wir den Hochw. Herrn Bischof, den Herrn Domdechanten, die Domkapitulare Dr. Arenhold, Dr. Schmitt und Herbener, den Herrn Oberbürgermeister Dr. Antoni mit mehreren Mitgliedern des Magistrates und Stadtverordnete, Professoren des Priesterseminars und andere geistliche Herren u. s. w. Zu beiden Seiten der Bühne waren die VereinS- sahnen in Gruppen um die Büsten des hl. Vaters und Sr. Majestät des Kaisers aufgestellt.
Die Feier wurde eingeleiiet von der Kapelle des Feldartillerie-Regiments Nr. 47 mit dem Marsch: „Heil Europa", an den sich der gemischte Chor: „Jubelt dem Herrn, alle Lande" von Ptel anschloß, vorgetragen vom stadtpfarrlichrn Kirchenchor unter Lettung deS Herrn Stadtkantors Scherer. Als erster Redner des Abends nahm der Vorsitzende deS hiesigen katholischen kaufmännischen Vereins Herr G. Singer das Wort, um den zahlreichen Gästen, die aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes in diesen Tagen hierher gekommen find, den Willkommengruß zu entbieten. Redner dankte dem Hochw. Herrn Bischöfe für die Uebernahme des Ebren-Protek- torates über den Kongreß und den Mitgliedern des Ehrenkomitees und allen Bürgern der Stadt für das Wohlwollen, das fie den Bestrebungen der katholischen kaufmännischen Vereinigungen entgegenbringen. Die Ansprache klang aus in ein Hoch auf die Träger der beiden höchsten Gewalten Se. Heiligkeit Papst Pius X. und Se. Majestät Kaffer Wilhelm II.
Nachdem bann die Klänge des unter Begleitung der Kapelle gemeinschaftlich gefurgenen „Kaufmannslieder" verklungen waren, naymen Se. Bischöfliche Gnaden das Wort, um zunächst dem Vorredner für die Begrüßung zu danken. Sodann gereicht es mir — so führte der Hochwürdigste Herr Bischof weiter auS — zur großen Freude, daß mir hier Gelegenheit geboten ist, dem Verbände der lat toi. kaufmännischen Vereinigungen meine vollsten Sym- pathieen bekunde« za können. „Die kathol. kaufmännischen Vereine gehören zu den wichtigsten Institutionen, die i« neuester Zeit gegründet worden find." Diesen Satz hat seinerzeit Windt- horst ausgesprochen, der die Bedürfnisse der Zeit wohl verstanden hat, wie kaum ein Zweiter. Diese Vereine haben sich zunächst das Ziel gesetzt, die materiellen Standesintereffen zu fördern, und daS mit Recht. Heutzutage ist es notwendig, daß die Katholiken auch auf materiellem Gebiete vorankommen und nicht zurück ^leiben; davon HL' gt ganz besonders auch ihr Ewfiuß im öffentlichen Leben ab. Hier darf daS kaido- lische Volk nicht zurückstehen; es liegt darin zugleich auch ein große» ideales Interesse. Was nun der Verband in den 26 Jahren Großes geleistet hat, kann wohl ein Mitglied des Verbandes befftr darlegen; wie sehr er aber bestrebt ist, auch in Zukunft noch Größeres zu leisten, ersehen wir auS dem Programm dieses Kongresses, daS eine außerordentliche Fülle von Arbeit aufweist. Sodann hat der Verband fich als erhabenstes Ziel dis Aufgabe geflellt, in dem hochw^httgen Kaufmannrfiai.de den hl. Glauben