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(Nachdruck verbaten.)

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) erstes Blatt j

Deutsches Reich.

Berlin, den 9. August 1904.

*♦ Parität. Die .Nat.-Ztg.' wußte dieser Tage zu melde», daß bei der Berufung der Professoren an die Akademie für praktische Medizin in Köln die Parität in schlimmster Weise zu gunsten der Katholiken verletzt worden sei. Diese Nachricht ist dann flugS von allen Blättern, versehen natürlich mit den nötigen ent» rüsteten Kommentaren, weitergegeben worden. Wenn an allen deutschen Universitären die Parität zu ungunsten der Katholiken auf daS schwerste verletzt wird, dann schweigen dieselben Blätter in allen Sprachen. Von einer angeblichen Imparität der Katholiken aber wird sofort viel Aufhebens gemacht, auch wenn man sich bei ruhiger Ueberlegung von vornherein sagen müßte, daß nach Lage der Verhältnisse die Sache gar nicht wabr sein könne. Sonst heißt eS immer zur Verteidigung gegen katholische Paritätsklagen: aus die Konfession wird gar nicht gesehen, sondern nur auf die Be- fähigung. Glaubt man aber die Katholiken auf einer Imparität ertappen zu können, flugS dreht man sich und fragt zunächst »ach der Konfession. Die .Kreuzztg.', die die Behauptungen der »Rat. Ztg.' über die Kölner Akademie richtig stellt, glaubt eS mit den immer wiederholten Klagen des Zentrums über Mangel an Parität erklären zu können, daß man heutzutage über« Haupt derartige konfessionelle Berechnungen an­zustellen pflege. Mr find überzeugt, auch wenn das Zentrum nicht klagte, würde» die Gegner ein scharfes Auge auf die „Bevorzugung" der Katholiken habe». Jedenfalls kann man ihnen doch nicht zumuten, zu der tmparilätischen Be- Handlung zu schweigen. Dann würde es mit der Zurücksetzung der Katholiken noch weit ärger werden. SS ist eben niemals Parität geübt worden, auch zu der Zeit, als daS Zentrum »och nicht so viel klagte. Daß nur auf die Be­fähigung, nicht auf die Konfesfion gesehen werde, ist aber allezeit nur eine schöne Redensart gewesen, die dann angewandt wurde, wen» man

Er ist Sonntagnachmittag

Marie Wetzer trmmt ein alter Andachtsbuch von einem Beeil an der Wand und sitzt sich in die Nähe der Ofens Anneken spielt vergnügt in einer Ecke. Seit er so fall geworden — man geht schon stark dem Dezember entgegen — bringt Gustav das Lind an jedem Morgen in „Das Hau» im Gebirge" und holl es auch abends von dort ab. Sie selbst ist jetzt immer so müde, so sonderbar «übe! Dennoch kann sie sich nicht dazu entschließen, die Arbeit in der Billa aufzugeben. ES ist immer eine tüchtige Beihilfe zum Verdienst, und ihr kleine- Mädchen gedeiht ja in de» Meisters Hause so prächtig — ach, viel besser, al» «S je unter der Pflege seiner eigenen Mutter gedeihen fannte!

„Matter — eS klopft!" ruft Annchen. Indem öffnet sich auch schon die Tür und Margaret, die Frau deS Martin Lönner, tritt ein. Marie Wetzer begrüßt ihre frühere Schulkameradin freundlich.

„Du bist lauge nicht mehr hier gewesen. Ich meinte schon, Du habest den Wen vergessen."

„Ja, 'S ist allerdings lange her", giot Margaret zu. „Aber an den kurzen SBimeztagen kommt man zu nichts Heule früh aber sagte ich zu mir: Nach dem NachmmagsgotleSdienst gehst Du einmal zu der Marie und stehst, wie'» ihr geht. Du, Marie, haft im vorigen Jahre die lange Krankheit gehabt und ich meine fast, Du habest Dich noch nicht ganz davon rr> hott. Oder gibt- etwa bei BnmnS so schwere Arbeit?"

„O, nicht doch — ich kann nicht Lagen. Die Frau ist auch recht gut Mich plagt nur zuweilen der Husten, und dann bin ich manchmal recht müde. Aber stehst

•— lieber die neuen Steuerprojekte schreiben die,Berl Pol. Nachr.' offiziös: Mit einer Ausdauer, die bewunderungswürdig ist, wird in einem Teile der Preffe die Frage der Revision der Brausteuer zum Anlaß von Aufteizungen der Jntereffentenkreise genommen. Man wird gut tun, solche Einzelheiten in daS Gebiet der Vermutungen zu verweisen. WaS die allgemeinen Abfichten auf diesem Steuergebiete betrifft, so ist darüber ja ein Zweifel nicht ge- laffen worden. Ebenso ist bekannt, daß bei der Zuckersteuergesetzgebung eine Härte inso­weit gefunden wird, als die Rübensäfte, die in

Dos haus im Gebirge.

Erzählung aus der Gegenwart vonKlaraLötschert (Marga Brechten.)

der Marmeladenindustrie gebraucht werden, steuerfrei find, während der Zucker besteuert wird. Auch hier dürsten Versuche gemacht werde», diese und vielleicht noch andere Härte» zu beseitige». Wen» schließlich erwähnt wnd, daß man die bekannten Mißstände bei der Maischbottichsteuer auS der Welt zu schaffen trachten dürfte, so hätte man den Kreis der nächsten Steuerprojekte begrenzt.

* Zur Steigerung der Invaliden- reuten kündigen die »Berliner Politischen Nach­richten' an, daß im kommenden RetchSetat die Forderung für den Reichszuschuh zur Jnvaliden- verficherung wiederum eine Steigerung in einer Höhe erfahren wird, die den Mehrforderungen der letzten Jahre entspricht.

* Zn» internationalen Kongresse der Sozialdemokraten, der am 14. August in Amsterdam tagt, schreibt Karl KautSky in der «Neuen Zeit' einen Artikel, in dem er folgende Gedanken ausführt: „ES läßt sich nicht leugnen, daß in der Sozialdemokratie tiefe Gegensätze vorhanden sind; diese Gegensätze find keineswegs erfreulich, aber ste find eine Folge der großen Fortschritte, die die Macht deS Proletariats im letzten Jahrzehnte gemacht hat. Die Sozialdemokratie ist in eine neue Phase dieses Kampfes getreten, vielleicht schon in die letzte entscheidende Phase des Kampfes um die politische Macht. Zwei Wege liegen vor ihr, die in ihren Anfängen praktisch anscheinend nur wenig auSeinandergehen, aber schließlich nach ganz verschiedenen Richtungen führen; nur einer kann der gerade Weg zum Ziele sein. Schlägt fie den falschen ein, so gerät sie in Wildnisse und vor Abgründe. Welcher der richtige sei, kann mit voller Bestimmtheit nur der Erfolg zeigen. Die deutsche Sozialdemokratte hat chre Entscheidmm bereits durch die Resolution des Dresdener Parteitages getroffen." Kautsky hofft, daß der internationale Kongreß diese Entschei­dung bestätige und dadurch bezeuge, daß die große Maffe des kämpfenden Proletariats aller Länder in gleicher Richtung zu marschieren ge­denke. — So der Gedankengang Koutskys! Wen» die Gegensätze wirklich eine Folge der großen Fortschritte find, die das Proletariat ge­macht hat, dann können sie doch nicht unerfreu­lich sein, müffen im Gegenteil als erfreulich bezeichnet werde». Noch seltsamer ist aber der andere Mderspruch. KautSky meint, daß nur der Erfolg mit voller Bestimmtheit zeigen könne, welcher Weg der richtige sei. Trotzdem hält er schon jetzt den in Dresden beschrittenen Weg für den allein richtigen und hofft, daß man auch in Amsterdam dieselbe Richtung cinschlagen möge.

* Der „kath. Kern." AuS Anlaß der Gustav-Adols Feier in Neunkirchen vom 11. bis 13. Juli d. IS. wurde unter anderen Schriften auch ein Heft verkauft, betitelt „Festschriften für Sustao-Adolf-Vereine." (Nummer 11 Gustav- Adolf-Geschichten.) Das Heft enlhätt auf Seite 16 folgende Geschichte:

„Der katholische Kem. Sine lustige, wahre Ge- Gelchichle. Sie hat fich in der Pfalz zugelragen, und riete kennen den Weg und auch be t Mann.

Brachte da einmal Sonntag- ein Priester eine neue Welfchnuß mit in te Kirche und erklärte seinen Zu- Hörern, «dem er fie nacheinander schalle: „So, ich will euch j-tzt erklären, wie eS mit den Religionen ist. Gebt He Ruß! Außen hemm ist die grüne Hülse, die ist bitter und schmeckt schlecht: da» ist caS Juden­tum. Ich schäle daS ab, und jetzt kommt die harte, bölzern« Schale, an der ist gar nichts: daS ist der Protestantismus. Aber, paßt auf, waS drinnen ist, der Sero, das ist der Katholizismus. Seht her!" Aber, oh weh, als der Priester die Schate öffnete, war der Kern — schwarz und faul. Da machte der findige Priester ein langes Gesicht, ober die Pfälzer lachten. Er bat zwar, die Geschichte nicht weiter zu erzählen, aber fie ist doch herauSgckvmmen, und noch manche Lerne lache» darüber, auch wenn fie keine Pfälzer find."

Die Geschichte ist wahr; fie hat fich genau genommen zwar nicht in der Pfalz, sondern an der pfälzisch-preußischen Grenze und zwar in dem Dorse Fürth (Kreis Ottweiler) wirklich zugetragen und „viele kennen den Weg und auch den Mann." Es handelt fich dabei aber nicht um einen katholische», sondern um einen faulen evangelischen Kern. Tatsächlich hat, wie in der Beilage zum «Pfälzer Volksbote' berichtet wird, im Mai 1884 der evangelisch-lutherische Pastor Büttner von dem genannten Dorfe eine Beleidigungsklage gegen den evangelischen Schlaffer Werkle und evangelischen Lehrer Böhler angestrengt, weil die beiden behauptet hätte», Pastor Büttner habe in der sonntäglichen Christenlehre die drei Kon- fesfioren (in Fürth) mit den verschiedenen Teilen einer Nuß verglichen: die Katholiken seien die äußere grüne Schale, die landeskirchlich Unierten die harte Schale und die Lutheraner bildeten de» Kern. Es habe sich aber keiner in der Nuß ge- fanden. Die Klage wurde damals durch einen Vergleich erledigt. Die Sache smchch sich aber docy weiter, nur modelte man M der Maffe mundgerecht, machte aus dem lutherischen Pfarrer einen katholischen und wies den Katholiken de» „faulen Kern" zu. So wird'S gemacht.

V Berlin, 9. Aua. 1904. Die Rückkehr deS Kaisers von der Rordlandreife wird bestimmt am Donnerstag erwartet, und zwar wird der Kaiser im Hase« von Eivinemünde landen. — Der Kaiser wird, wie dem .Hannoo. Kur.' angeblich an8 London mitgeteilt wird, Sude Oktober ober Anfang November in «»glaub erwartet. Der Monarch wird sich unmittelbar nach dem Schlöffe Windsor begeben, .wo­selbst er fich auch einige Tage lang au den Jagden be­teiligen wird. Höchstwahrscheinlich werde er sich darauf, wie gewöhnlich, »ach Lowther, dem Famtliensttz deS Lord LonSdale, begebe». — DaS .Militär-Wochenblatt' meldet: Gras v. Toden, Hauptmann und Kompagnie­chef im 1. Seebataillon, aus der Marine auSgeschieden und unter Srnenmmg zum diensttuenden Flügeladju­tanten deS Kaisers hi der Armee angestellt. — von HenuigS, Generalleutnant und Inspekteur der zwellen Kavallerieinspettion, mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt und gleichzeitig zum Chef der Landgendarmerie ernannt, v. Tresckow, General­major und Kommandeur der 7. Kavalleriebrigade, mit Wahrnehmung der Geschäfte deS JnspetteurS der 2. Kavallerie Inspektion, Schotten, Oberst und Kom­mandeur deS 2. Rheinischen HusarenregimentS Nr. 9, mit der Führung deS 7. Kavalleriebrigade beauftragt. Graf v. Schliesse», Major im Seneralstabe deS 18. Armeekorps wurde zum Kommandeur deS 2. Rheinische« Husareu-RegimentS Nr. 9 ernannt. — Der ehemalige Direktor der Pommernbank, Herr RomOick, ist, wie daS Sanier .Nordd. BvlksblaU' — nach seiner Angabe

Tu, daS ist doch keine eigentliche Krankheit, und man mutz schon zufrieden sein, wen« die einem verschont."

„Da» ist wahr. Mitunter ist'» auch nur daS Wetter, das einem so ht d>n Gliedern liegt. Dein Annchen gedeibt indes olle Tage besser, wie ich sehe, — das har Dir ja ein paar Bäckchen wie ein Weihnach:»- apfel!"

„Gott fei Dank — es nimmt wirklich zu, und daS schuld' ich der Frau Werner. Aber nun leg' auch Dein Tuch ab, Margaret. Wir hinten ein Schälchen Kaffee zusammen — es plaudert fich so gut dabei am warmen Ose» und mich fried’» allzeit."

Margaret Lönner läßt fich nicht lange nötigen. Sie hat gehofft, daß ihre Freundin fie zum Bleiben mfforder« werde und in dieser Voraussetzung ihr bestes Kleid angezogen. S" fällt e» ihr nicht ein, die Einladung auch nur zum Scheine abzulehnen; herrscht doch zvm Glück bei den ehrlichen, biederen tanbbe« wohuern noch nicht die verwerfliche Mode, ans Höf­lichkeit oder Ziererei Dinge zu sagen, von denen da» Herz nicht» weiß.

Unterdessen hat Marie Wetzer zwei bunt bemalte Tassen mit breitem Goldrand — ihr besonderer Stolz — auf ein Tischchen gesetzt. Einige Stückchen Zucker in einer kleinen Schale von blauem Gla» finden sich noch, dann greift Marie nach ihrem Tuch und will eben hinanSeilen, al» Margaret fie zurückhöll.

„Wohin, Marie?"

„O, nu zum Bäcker, ich bin gleich wieder da. Ich will nut sehen, ob er noch Brötchen hat."

„WaS, bei Deinem Husten willst Du auch noch in die falte Luft hwau», um für mich Brötchen zu holen? DaS wäre noch schöner! Wenn Da'» inst, gehe ich im Augevblick wieder fort."

„Ich habe aber nicht» al» Schwarzbrot und ein Gla» «pselfaaM daheim," entgegnet die arme Frau und bleibt zögernd stehen.

„Run, da» ist doch wahrhaftig gut genug für mich. Wollte Sott, wir hätten'» unser Leben lang — ich wär' wirklich dankbar und würd' mir gewiß nicht»

besseres wünschen. So arme Leute, wie wir, werden doch nicht anfangen, Umstände zu machen, wenn fie zu einander kommen?"

Also beruhigt nimmt die Wirtin einen großen brennen Topf ans der Osevröhre und schenkt ein. Auch Kleiv-Annchen, das bis dahin etwas vergessen abseits geflauten, hat fich j tzl bemerkbar gewacht. Es kommt heran und speist tapset mit.

Margaret betrachtet daS Kind und sagt:

„Ich bi« heute aus einem besonderen Grunde her- gelomuen Ich war rämlich gestern in der Stadt, und da ich auf dem Rückwege an der „Schwarzen Elster" vorbeigehe, klrpft mir die olle Frau Kirstner — Du weißt, ich kenne fie von Kind auf — und bittet mich, einen Brief an ihre Tochter, die Frau Werner, mitzumhmen. Ich gehe zu ihr hinein; aber, du lieber Himmel, wie sieht die Frau au»! Soll'» denn wirklich wahr fein, daß fie fo schlicht stehen?"

„Ja, '» ist ganz gewiß wahr; der Gustav hat'» auch gesagt. Et Hal'» in der Stadl für fest gehört und er weiß, wa» er sagt. Die Frau sehe auch recht blaß au», meint er."

„Da» nimmt mich nicht Wunder. Die vnd ihr Mann werden fich ar ch Sorge machen um die Eiter», 's ist schade um die Kirstner»; und, wenn ich'» recht bedenke, so meine ich, e» träte viel härter, reich ge­wesen zu sein und nachher arm zu werden, al» zeit­lebens nicht« anderes aU Armut getarnt zu haben."

„Da» soll wohl sein," nickt Marie. „Gustav kann den Bries mit hinaufrehmev, wenn et da» Kind hin- bringt" Denn erzübll fie, wie fleißig ihr Mann jetzt sei, wie er nun des Abend- statt ins Wirtshaus zu gehen, ein gute» Buch in die Hand nehme, um auch darin ein wenig weiter zu kommen. Da» könne leicht geschehen, denn et fei ein gar kluger Kopf. Und wie fie nun so zvfriedvi leben, daß fie selbst manchmal ganz ängstlich meine, e» fei zu viel, und e» müsse wa» eintreten, wa» oll' dem Glück mit einem Male ein Ende mache. Sie bebaute nur, daß der Sereta nicht

auS zuverlässiger Quelle — erfährt, schou vor der Ur tellSverkündignng für Me Zeit nach Ablauf seines Pro zeffeS alS Direktor einer großen AcN-ngesellfchaft in Schottland engagiert worden. (Ob wohl Herr Romeick unter solche» Umstände» noch einmal innerhalb der deutschen Grenze sich blicken laffen wird?) — Der letzte, nach den bisherigen Anordnungen vou Ham- bürg nach Ewakopmuvd gehende TruppeulrauS, port wird am 2l>.August mit demDarnpser „Srlvia die Ausreise antreten.

* Dresden, 9. Aua. 1904. König Georg von Sachsen hat anläßlich seines Geburtstages 72 Strafgefangenen die Freiheit geschenkt.

• Der vWch-lapMjche Krieg.

Bei der russische» Mandschurei- Armee wäre» bis zum Sonntag mittag keine Veränderungen eingetrrten. Nach Londoner Prioatmeldungen konzentrieren die russischen Truppen fich südöstlich von Liaujang, wo die erste große Schlacht in dem nunmehr schon ein halbes Jahr dauernden Kriege erwartet wird.

Der .Standard' meldet aus Schanghai, die Japaner erließen in Riutschwang eine Proklamation, des Inhalts, daß die Ja­paner Krieg führen, um daS Volk von der russischen Tyrannei zu rette» und die Mandschurei, die Heimat der Dynastie, wieder fteizumachen. Die Proklamation schließt mit der Aufforderung zum Gehorsam gegen die japanischen Gesetze.

Ueber den Fall deS „Knight Eom- mander" äußerte am Montaq im englischen Unterhaus« der Premierminister Balfour, eS bestehe kein Zweifel, daß daS Schiff auf Veranlassung russischer Offiziere in den Grund gebohrt worden fei, weil es sehr schwierig ge­wesen wäre, das Schiss nach einem Hafen zu bringen, und weil eS nach Anficht der rusfischen Offiziere zweifellos KriegSkontrebande an Bord gehabt hätte. Die englische Regierung halte an ihrer Ansicht fest, daß diese Umstände, ob wahr oder nicht, keine hinreichende Recht­fertigung für die Versenkung eines neutrale» Schiffe- bieten

Wie der ,Daily Telegraph' auS Tschifu meldet, ist in der letzten dort aus Port Ar­thur eingetroffenen Zeitung eine Botschaft deS Zaren veröffentlicht, worin eS heißt:

Ich hoffe, daß mein Bott, würdig der heiligsten Ueberlieferunge» der rusfischen Raffe, Port Arthur mit Tapferkeit, Entschiedenheit und Treue verteidigt. Ich rechne darauf, daß die Offiziere die Mannschaften er­mahnen, die Fahne hochzuhallen auf diesem kleinen Telle Rußlands, daS jetzt vom Mntterlande getrennt ist. Zu meinem Botte habe ich daS Bertraue», daß eS die Soldaten unlerstützt.

Die Botschaft wurde den Soldaten vor­gelesen und mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Ebenso wurde ein Telegramm KuropatkinS ausgenommen, daS die Bevölkerung auffordert, sich gut zu halten, da er ihr vor August nicht Hilfe bringen könne.

W. Petersburg, 10. August 1904. Ei» Telegramm des Statthalters Alexejew aus Mukden vom 7. ds. Mts. an den Kaiser lautet: Der Kommandant deS Geschwaders in

früher in» Leben getreten, und die schöne Zeil für ihr Hetmalsdorf so spät gekommen sei.

„ES hat einmal so sein sollen, Marie," spricht Margaret. „Dir aber ist über dem Reden ordentlich warm g-worden — Lu glühst ja förmlich."

Es ist wahr, Mariens Augen glänzen, und auf jeder ihrer Wangen brennt ein roter, scharf abgegrenzler Fleck. Sie gibt der Nahe de» Ofen» nie Schuld und bittet die F cunbln auch von ihrer Haushaltung zu erzählen. Diese tut e». Al» ti dunkel geworden, springt fie erschrocken auf und meint, die Zeit ver­gehe doch bei keiner Beschäftigung so schnell, al» eben beim Plaudern. .

Bei Margaret» hastiger Bewegung haben alle ein leise» Anklopfen Überhört. Nach abermaligem Pochen erscheint Mazda Werner, die Frau des Meister», in der geöffneten Tür. Sie grüßt beide sekundlich, und Mvrgarel gibt nun selbst den erhaltenen Bries ab. Dann verabschiedet fich die letztere etwas umständlich

Al» Mazda allein in der Stube stehl, bemerkt Annchen» Muller erst, wie bleich fie ist. Vielleicht kommt e» auch von dem schwarzen Mantel und dem dunklen Tuch, da» fie um den Kops geschlungen hat, daß fie so weiß auSfiehl. Die junge Frau steckt die inzwischen gelesenen Zeilen in die Tasche und nimmt verschiedene Pakete und Tüten au» einem Körbchen.

„Ihr Mann sagte mir gestern, daß bet Husten Sie so quäle, liebe grau Wetzer. Da habe ich etwa» Brusttee mit^ebr chl und noch einige» andere, welche» Sie wohl brauchen können. Trinken Sie nur recht fleißig von dem Tee, er wird Ihnen gut tun."

Äe Frau dankt innig und bittet, fich doch ein Weilchen zu setzen. Allein Mazda macht sich von Annaer» festem Griffe Io» und erklärt, fie ziehe e» vo«, den Heimweg anyitretett, ehe e» völlig finster in der Schlucht geworden fei

Am Abend reicht ste ihrem Manne da» erhaltene Schreibe». Die Mutter bat darin, daß doch jemand doch Ihme» in die „Schwarze Eister" kommen möge. Sie habe etwa» wichtig«» za besprechen.