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Möa. Samstag, dm 6. August 1904
31. Jahrgang
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Zweites Blatt i
Wachen-Rundschau.
(Nachdruck verboten.)
□ F-lda, 8. «ug. 1904.
Der deutsch-russische Handelsvertrag iß am 28. Juli in Vnrlin unterzeichnet worden. Das iß ein schöner Erfolg unserer Zollpolitik und nuserer Regiernug. Wenn mau auch den Inhalt te» Vertrages noch nicht kennt, so darf mau doch mit Bestimmtheit annehmen, daß Rußland die Mindestzölle für Getreide zugestand en hat. Freihändler und liberale HaudelSvertragSfteund« haben immer wieder versichert, auf Grund des neuen Zolltarifs könnten HaudelSoerträge überhaupt nicht zu Staude kommen, insbesondere nicht, so lange wir cn denMindestzölle« fest hielten. Mit großer Genugtuung wurden nament- lich alle russischen Preßäußerunge« verzeichnet, die von dec Unmöglichkeit einer Vertrags mit Rußland sprachen. Es hat nun zwar ziemlich lange gedanert, bis der Vertrag zu Stande gekommen ist, un> große Schwierigkeiten scheinen der Verständigung im Weg- gestanden zu haben. Aber schließlich ist da« Werk doch gelungen. Die Reise de« rusfische» Minister- Präsidenten v. Wüte mit seinen Kommiffarien zllm Reichskanzler nach Norderney spricht dafür, daß die wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Schwierigkeiten, in rir Rußland durch den Krieg mii Japan geraten ist, der Verständigung wesentlichen Vorschub geleistet haben. Aber auch so bleibt der Abschluß des Vertrages ein schöner Erfolg des Grafen Bülow, und marche hochfliegeude Pläne, die von liberaler Seite an dar Schett-rn der deutschen Zollpolitik geknüpft wmden, können nur still begraben werden. Daß wir nunmehr auch mit anderen Staaten, inrbesondere mit Oesterreich-Ung«» zu einem neuen Handelsverträge gelangen werden, kann «ach dem Abschluß der wichtigste» uud schwierigste« Vertrages nicht wohl wehr zweifelhaft sein Dieser Abschuß wird di- deutsche Regierung hoffentlich auch zäh-r und kühner machen gegenüber alle» Staaten, die au» der deutschen Haut Lever schneide» möchten, ividr sondere gegenüber Nordamerika.
vom Waffer uw flutete Kugel vorstetieu, auf deren flüsfigen Oberfläche sich einige größere, mittlere und kleinere Inseln befinden. Der Ozean nimmt bekanntlich zwei Drittel der Erdoberfläche ein, und was wir Festland oder Kontinent nennen, ist tatsächlich anderes, als eine Insel. Alle Mensche« find Inselbewohner; nur hausen die einen auf einer größeren Insel, wie z. B. Afien-
' Ich bin auch schon zufrieden, wenn das Meer ■ wir nur mit sanftem Wellengang den Fuß um» ; spielt. Auch in ihrer Ruhe ist die unendliche See das großartigste Ding auf Erden. Unendlich kann man sie nennen, weil fie tatsächlich auf Erden kein Ende findet Von jedem Punkt der Küste aus kann man die ganze Welt umfahren. Die geschienten und ungeschienten Landwege find sozusagen Sackgassen; die Meeresstraßen führen immer weiter, denn wo fie auf ein Land stoßen, da kann man das Hindernis umgehen und jenseits den ölten Kurs wieder aufnehmen, bis man den Erdball schwimmend umkreist hat.
Wenn ich meinen Fuß in die Brandung setze, so fühle ich mich gleichsam durch den Wassertelegraphen verbmden mit den entlegensten Ausläufern der alten Welt, sowie mit der neuen und der neuesten Welt von Amerika | und Australien mit allen Inseln, die da rings- um zerstreut find wie Fettaugen auf der irdischen Suppe. Die Einheit deS ganzen Menschengeschlechtes kommt mir am Meeresstrande viel lebhafter und eindringlicher zum Bewußtsein, als auf dem Festlande.
! @8 gibt verschiedene Erdteile. Europa und
Asien hängen allerdings zusammen und bilden eigentlich nur einen Erdteil. Solange der Suez- Kanal nicht gebaut war, war auch Afrika mit diesem Erbstück fest verbunden, während es jetzt wenigflrnS durch das schmale Kanalgewäffer ab» getrennt ist. Amerika und Australien find durch breite Wafferstriche geschieden, und die vereisten Kontinente an den beiden Polen erst recht. Die trockenen Teile der Erdoberfläche find zersplittert. Das Weltmeer aber bildet eine gewaltige Einheit. Man spricht vcm Atlantischen, Stillen, Indischen usw. Ozean; aber das find keine abgeschlossenen Meere für fich, sondern nur Glieder eines und desselben Riesrnkörflers.
Wir stellen uns gefn die Oberfläche der Erde vor als Festland, daS durch Meeresarme in Stücke geteilt ist. Ein richtigeres Bild gewinnen wir aber, wenn wir unS den Erdball als eine
Swschetm täglich, mii EAMchM« der Somh M» Feiertage. Wertet»
wird aber auch wohl so bald nicht herbeigeführt werden.
UlpEsche SeüISuse.
(Nachdruck verbaten.)
K Berlin, 4. August 1904.
Der Reichskanzler fitzt wieder am plätschernden Strande von Norderney: ich armer Untertan und Steuerzahler schwitze wieder im Dunstkreis vo» Berlin. Aber ein klein bischen Seeluft habe ich doch genossen. Für einen guten Fami- lienvater hierzulande ist das Höchste die Ostsee. Sie hat frellich weniger Salz und keine Ebbe und Flut; aber fie liegt näher, ist billiger und hat wegen der Zugabe von bewaldeten Ufer« etwas Gemütliches, das besonders die Kinder und Frauen anzieht. Auf die Prozentzahlen des
I Salzgehaltes kommt es schließlich wenig an; wenn der Wind vom Meere her weht, ist auch die Ostseelvft erfrischend und anregend genug, jedenfalls ebenso staubfrei, wie die Nordseelust. Der Mangel an Ebbe und Flut ist empfindlicher; dieses ununterbrochene großartige Spiel geheimnisvoller Naturgewalten bildet eine angenehme Abwechselung und für den nachdenkliche« I Menschen eine Quelle der Erbauung. Das Kind, das im Sandstrande seine Gräben zieht und seine Festungen baut, hat in der Gezeiten- bewegung des Meeres einen unschätzbaren Spielgefährten. Aber wenn's sein muß, läßt fich auch ohne Ebbe und Flut am Oststestrande recht schön spielen und leben. Was den Wellenschlag angeht, so ist die Ostsee wohl nicht so sanguinisch, wie die Nordsee; aber chr cholerisches Temperament äußert fich zeitweilig in Hochfluten, die ihr die ältere Schwester kaum nachmachen kann.
Das absonderliche Wetter dieses DörrsommerS macht fich auch am Meers geltend. Die Winde sind meistens nur schwach, infolgedessen ist auch der Wellengang in der Regel sehr mäßig, waS die unternehmungslustigen Strandbummler „lang, wellig" finden. Mit umso größerer Gemüts- «Hebung genießt man es, wenn zeitweilig fich doch eine steife Brise einstellt und schäumende Hellen an den Molen und Schiffswänden fich brechen, um den Menschenkindern zu zeigen, daß die alte gewaltige Kraft im Weltmeer noch lebt, daß der Ozean wohl schlummert, ab« nicht erlahmen kann.
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Nahrung für ihren Körper. Wenn die Menschheit einmal so well ist, daß sie auch ihre geistige Nahrung üb«all aus dem einheitlichen Born der unendlichen Wahrheit und Liebe schöpft, so wird die Kulturbewegung ihren Gipfelpunkt erreichen.
Heinrich Heine hat bekanntlich neben viüen bedenklichen Gedichten auch einige recht schöne gemacht. Wenn ich (leiblich oder geistig) am Meeresstrande wandle, so klingt mir immer der Vns durch das Gemüt:
Mei« H-rz gleicht ganz dem Meer, Hat Sturm und Ebb' und Flut, So wavche schöne Perle In sein« Tiefe ruht.
Im H«zen ist auch stete Wellenbewegung, wie im ruhelosen Ozean. „Mein Herz bleibt unruhig, bis es ruht in dir." Ruhig und un- erschütterlich stehen die Sterne des Himmels über der bewegten Flut. Der Schiffer in dem unendlichen Wogengewirr schaut auf die Sonne und die Sterne, um darnach den rechten Weg zu «rneffen. Der Kompaß zeigt ihm, ob « auf dem rechten Wege beharrt. Wohl dem, der in seinem Lebensschisflem auch den Kompaß des klaren christlichen Gewtffens hat und die Zeichen vom Himmel des Glaubens recht zu deuten weiß! Er findet fich imm« wieder zurecht, wenn auch zellweilig HerzenSstürme über ihn hereinbrechen.
Wenn wir noch den Perlen suchen, die in b« Tiefe unserer Herzens ruhen sollen, so können wir bescheidene Menschenkinder keine Goldschätze der Weishell und feine Diamanten des Geistes und keine sonstigen Wund« der Genialität produzieren; ab« die unst«b!iche Seele, das Ebenbild GotteS, ist an fich eine
I worbe« find. Bombe# sucht ei darin so darzustellen, al» habe ba hl. Stuhl, iube« er bie Bischöfe unter Androhung der AmtSmisetzung noch Rom berief, die Kündigung de» Konkordate» herbeiführe» wolle», während doch tatsächlich er selbst e» ist, der auf die Kündigung hinarbeitet und mit seinem Anhänge feit Jahr und Tag aus de« Bruch hiuaearbertet hat. S» rst ja leib« «ach ben bisherigen Erfahrungen nicht zu erwarten, daß bie französischen Katholiken fich nunmehr einigen und durch eine Unständige Politik bet KulrurkSmpferei der Radikalen und Sozialisten ein wnbe machen werde«. Am Sonntag fanden bie Neuwahlen für die Hälfte d« GennalratSmitglieder statt. Sie fielen trotz de» Kulturkampf» in ihr« überwiegenden Mehrheit minist«iell ans. Die Ministerielle« gewannen sogar 63 Sitze. Daß Lombe» und feine AnbSug« in dem Kampfe mit der Kirche schließlich nicht die Oberhand behalten werden, ist sich«', aber fie können ihr noch manche Wunde schlagen.
Das Me« macht die Welt zu ein« Vnkehrs- einheit; es bahnt auch die Kultureinheit an, und den »««heidnischen Professoren zum Trotz, die uns das gemeinsame Elternpaar rauben möchten, bringt stets stärk« das Bewußtsein durch, daß die Menschheit eine einzige große Familie sei. Krönung dieses natürlichen Gedankens ist die einhellliche Weltreligion, die alle Bewohn« der Inseln in dem Weltozean in gemeinsamem Glauben, Hoffen und Lieben verbindet. Eine Sonne ist es, die Üb« alle Verzweigungen des Ozeans scheint und dem Waffer die Wärme und die Kraft, den ei« gestreuten Landteilen den fruchtbaren Regen auS dem gemeinfamen Ozean gibt. Ein Mond gießt fein sanftes Licht zur Nachtzeit über das Weltme« und besten Inseln und Hilst mit zu den wunderbaren Bewegungen, die wie die Gefühle in der Menschenbrust auf- und nied«gehen. lieber die ganze Welt soll leuchten und herrschen das strahlenglühende Herz des Heilandes und Herrn aller Geschöpfe, und neben der Sonne dem sanften Vollmond gleich das Herz der seligsten Jungfrau, der Trösterin aller in Trübsal und Nacht.
Aus den Wastermaffen des Ozeans schöpfen alle Adamskinder mittelbar oder unmittelbar die
I Europa, die anderen auf ein« kleineren Insel I wie z B. die Japaner oder die Samoaner.
Wer im Innern ein« großen Insel haust, I verliert leicht die Fühlung mit dem Weltmeer. As gibt Millionen von Menschen, die dar Meer u«r vom Hörensagen kennen. DaS ist nicht schön. Diese Landratten im schärferen Sinne des Wortes haben natürlich einen „engen Gesichtskreis" ; denn dos welle, erdumfaffende Meer, dos keine hemmenden Berge und keine versperr- ten Grenzen kennt, erweitert dm Gesichts- und Gedankenkreis, erzeugt das weltbürgerliche Fühlm und Streben.
Das un«rneßliche Meer trägt nicht blo8 die Waren, die materiellen Güt« hin und her, sondern auch die idealen Güter, die höchsten und heiligsten Schätze der Menschheit. Das Meer trägt nicht nut die Eroberer, die mit dem Schwert auf Besitz und Ruhm ausgehen, sondern auch die Eroberer mit dem Kreuz, die nur die Herzen gewinnen und beglücken wolle«. Die Apostel waren Fischer und wurden berufen, Seelen zu I fischen; fie verstanden fich auf die Waffersahrt und mußten auf ihren Reisen zur Verkündigung des Evangeliums die Maff«straßen reichlich benutzen. Petrus und Paulus durchschnitten das Mittelländische Meer bis Rom. Die Meereswogen trugen das Evangelium nach den britischen Inseln und von dort trugen sie Apostel für das nördliche Deusschland zurück. Kolumbus entdeckte dm Seeweg nach Amerika nicht blos für die Goldsuch«, sondern auch für die Kirche, die das Gold deS Glaubens nach der neuen Welt brachte. Der Seeweg nach Indien wurde alsbald nach seiner Entdeckung auch von kühnen Missionaren benutzt, und wenn die Saat, die Franz Xaver und and«e Jesuiten in China und Japan aus- streuten, auch nicht zur dauernden Blüte gelangen konnte, so war es doch eine Art Gründüngung auf dem Acker, d« mit Hilfe der neueren Ver- kehrs- und Kulturfortschrllte jetzt langsam, ab« hoffentlich fichtter bearbeitet wtrd.
Zum »Fall Mirbach" hat brr Bruder der Kaiserin, H«zog Ernst Günther zu Schleswig Holstein einen Brief an den Geheimrat Budde gerichtet, dem zufolge er die Blätter, die ihn mit dem verbleib d« 325,£00 Mk. in Verbindung gebracht hätte«, gerichtlich belangen wird, und erklärte, et sei von Anfang an ei« Gegner der Mirbach'sche« Sammelmethode ge- wesm und habe stet» vor d« Ver bindung d« Pom- mnnbank mtt dem Hofe gewarnt. Auch « wünsche die Feststellung de» Empfänger» bet 325,000 Mark. Wie bahntet, hat die Staatsanwaltschaft bereit» Schritte getan, um da» Dunkel zu lichten.
D« preußische FiSkuS hat die Bergwerttg-sellfchast Hibernia mit einem Kaufangebot überrascht. Er j bietet ihr eine Rente von 8 Proz., WaS einem lieber» «ahmrkur» ihr« Aktien von mehr al» 240 Prozent entspricht. Die bisherige Berwaltuag d« Hibernia und die hinter chr stehmden Banken wollen von dem verkauf nicht» toiffen; Vorstand und Auffich'Srat I haben beschloffm, ber Gene- alversammlung die Ablehnung de» Angebot» vorzuschlagen.
Frankreich hat nunmehr die diplomatischen Beziehungen zum hl. Stuhle vollständig abgebrochen. Willkommenen Anlaß zur Verschärfung de» Konfliktes bot Harn Cowbes die ohne Genehmigung der Regierung afolgte Reise de» Bischof» Lenordez von Dijon nach Rom Combes hatte darauf gerechnet, an diesem Biichos sowie an dem Bischof Seay von Naval eine wirksame Stütze im Kampfe mtt dem hl. Stuhl zu haben. Während der Bischof von Naval 6« wiederholten Aufforderung, na® Rom zu kommen, keine Folge leisten zu wollen schelnt, sonder« nur eine Begründung seine» Ber- Mlltens nach Rom geschickt hat und am Sonntag in Pari» war, um im Kultusministerium anzufragen, ob er dem Pupste gehorchen solle, und dann -gehör-1 kam" in seine Diözese zurückzukehren, hat Bischof! Lenrndez fich auf seine Pflichten gegenüber dem I Papste besonnen Dafür har die Regierung ihm al»- r.ald da» Gehalt gespart. Sie behauptet, er habe a«f Grand de« Konkordate» seine Diözese ohne Genehmigung der Regierung nicht verlassen dürfen. Tatsächlich sagt da» Konkordat davon nichts; nur die ton Napoleon dem Konkordate eigenmächtig hinzu- fügten, vom hl. Stuhle gar nicht anakannten »organischen Artikel* untersagen de« Bischöfen da» eigen» mächtige verlassen der Diözese. Wenn die Regierung ei nicht durchau« zum Bruche hätte treiben vwlle«, so wäre eine Verständigung mit der Kmie «er die Jurisdiktion bei Papste» gegenüber den Bischöfen sehr wohl möglich gewesen. Geben doch «ch lidaale Blätta zu, daß der hl. Stuhl fich sein I E«ht der Disziplin Über die Bischöfe nicht nehmen Men könne. EombeS benutzte aber die Abreise to» Bischofs von Dijon geschwind, um schon nm grettog da» Ministerium zum Abbruch der diplomatt- Mto Beziehungen zum hl. Stuhle zu bringen. Der feeftelät der franzöfischen Botschaft beim Vatikan, « Eomcal, da nach Abberufung deS Botschafter» Arzard die Geschäfte führte, wurde abberufen mtb *me am Sonnabend nach Pari« ab. Abends reiste «ch der Rurttiu» Loreuzelli ton Pan» nach R»m *• , Gl«ch darauf veröffentlichte die französische Megiaung amtlich die Schriftstücke, die mit dem V- Stuhle wegen der beiden Bischöfe gewechselt |
In Italien ist ein einhettlicheS, zielbewußteS Auftreten ber Katholiken leid« ebensowenig zu erreichen wie in Frankreich. Die attionSlnstig'.« Katholiken bleibe« Wege« de» ewige« Hadar zwischen »Allen* und »Jungen*, »Konservativen* nnd »christlichen Demokraten* aktion-unfähig. Da Papst hat soeben Wieda durch ben kardtnalstoatSsekretär em Schreiben an die Bischöfe Italien» gerichtet, worin et ben Haber in dem GeneralauS'chusse da Kmholiken- verfammlungen beklagt, de« Anssqnß und eine Anzahl von Gruppe« auflöst und Anweisungen für dar weitere verhalte« da Katholiken gibt. ES ist nicht
15» erwarten, daß es nunmehr z« ehre Gesundung der Verhältnisse komme.
Rußland bkfiadet fich wieder in da Sera der politische« Morde. Am 28 Juli wmde in Petersburg der Minister de» Innern v. Plehwe, als et sich zum Rai;er «ach Pelerhof begeben wollte, durch i eine Bombe getötet. Auch da Kutsch« PlehweS kam um» Leben, während eine ganze Anzahl Personen verwundet wmde. Der selbst schwer verletzte Mörder wurde vahaftet. lleba seine Person und etwaige Mitschuldige erfährt man einstweilen nicht». Ta» ist nun schon da» elfte oder zwölfte Attentat, da» unter Nikola«» n. gegen hohe russische Beamte verübt wmde. Die Urteile üb« ben ermordete« Minister geben vielfach auseinander. Während a von konservativer Seite al» ein m erschrockener, energisch« und tüchtiger Mann geschildert toirb, der nur das Beste wollte, sieht man auf der anderen Seite in ihm einen rohen unb skrupellosen Reaktionär, der ein frei» hettSmördaischeS Willkürregiment geführt habe und persönlich für die an Studenten, Bauern, Arbeiter« und Juden begangenen blutigen Grausamkeiten bet- autwortlich fei. Jedenfalls will nirgend» die Entrüstung so recht aufkommen, mtt der bei früheren Attentaten gegen Taroristen, Nihilisten, Anarchisten und Sozialisten geeifert nnd deren rücksichtslose Ausrottung verlangt wmde. Die berbreüetfk Ansicht geht dahin, daß Plehwe da» Opf« eine» unhaltbar gewordenen Systems d« Unterdrückung, Willkür und Korruption geworden ist, dessen rücksichtslosester ver- treter er war. Daß wieder mit Bomben „gearbeitet" wird, deutet darauf hin, daß wir e» hier nicht mit b« Tat eine» Einzelnen zu tun haben, sondern daß die allgemeine Gährung wied« zu größeren Verschwörungen geführt hat.
Auf dem ost asiatisch en Kriegsschauplätze haben größere Kämpfe bei Haitschöng stattgesunden. Die Japaner sollen die Russen in einem zweitägigen Kampfe an zwei verschiedenen Stellen geschlagen haben. Die Russen «litten nach ihren eigenen Angaben schwere Verluste. Der rusfische General Graf Keller wurde am Janselin-Paß dmch eine Granate getötet. Heber die Kämpfe bei Taschitschiao wmden nachträglich I »och zahlreiche ergänzende und berichtigende Nach-1 richten verbreitet, die jedoch an der Hauptsache, der
I Einnahme Taschitschiao» durch die Japaner nicht» ä-dern. Die Russen möchten es wieder so karsteten, al» hätten fie Stellungen geräumt, die fie von vornherein nicht zu halte« beadfichtigten, «vd al» sei ihr Abzug den viel stärkeren Japanern ganz unerwartet gekommen. Wenn die Russe« wie bisher fortsahren, eine Stellung nach d« andern zu räumen, weil sie sie übahaupt nicht halten wollten, so w«den die Japaner mtt diesen »völlig nnttwarteten* Ereigniss n vermutlich gar nicht so unzufrieden fein. Nach ber Einnahme Von Taschitschiao unb Ninlschwang haben die Japan« ben Vormarsch jedenfalls kräftig fortgesetzt unb bie Russen weit« zurückgebrängt. Auch vor Part Arthur ist in voriger Woche zu Land und zu Woff« roieber gekämpft worden. Da» Wladiwostoker Geschwader ist, nachdem e» längere Zeit an der Ost- küsie Jovans herumgefahren war, sogar Jokohanrn bedroht und neutrale Handel»schiffe, auf dem fich Kriegskonterbande btfinden sollte, in ben Grund gebohrt bat, am Sonnabend durch die Tsungarostraße nach Wladiwostok zurückgekehrt. Bo« bem Geschwader der Admirals Kamimma, da» doch die paar russische Schiffe im Zaume halten sollte, hat man bte ganze Z«t über wett« nicht» gehört. Sollte e» am Ende gor nicht existieren? — Die Zwischenfälle, welche die Kreuz« der russische» „FrelwMgen Flotte* im Roten Meere hervorgerufen haben, find erledigt; die völkerrechtliche Stellung dieser Flotte aber ist noch nicht geregelt Die rusfische Regierung hat England v«. iprochen, die »Freiwillige Flotte* anzuweisen, während Verhandlungen über die allgemeinen Grundsätze, die für diese Flotte gelten sollte», schwebte», keine Schiffe anzunehwen; fie hat weit« versprochen, bie „Freiwillige gut e* au» dem Roten Meere zmö Anziehen. Tatsächttch hat man ben» auch i» d« letzte» Zeit von wettwe« Uebttgriffen dies« Flotte nicht» mehr gehört. Eine grundsätzliche Verständigung üb« ihre Rechte
Maer M Zeitung
*$£*"*• .^nitrierte Somdagsyiteng'* „Fuldaer SeschichkdlAter".