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31. Jahrgang.

SuM Freitag, den 5. August 1904,

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(Nachdruck verboten.)

»Nein, Leonhard, so kommst Du mir nicht weg. Wenn Du nicht schlafen kannst und grübeln mußt, jo werde ich geduldig hier bei Dir wachen. Er wäre aber besser, Du sagtest ei mir geradezu, raB8 Dich, „*,«» .

ehte Sorge drückt. Mann und Weib find eins und lacht er rauh auf sollen einander alle ihre Bekümmernisse anvertrauen — Jo hast Du einst selbst zu mir gesprochen."

Tr fieht fit erstaunt an .... ist da» seine kind­lich fügsame Magta?

Sie steht noch am Tische, die Hände auf die Platte Schützt und blickt iou unverwandt an. Bielleicht wird ks chm in dieser Stunde zvm ersten Male bewußt, «ß die junge Frau einen sehr festen varakter hat. «r betrachtet fie lange schweigend. Als ihm klar

steckt"

Nu» erkennt Magda, daß ihr Mann bi» zum Aeußersten gereizt, und daß da» in seinem Gesichte Aufregung und unterdrückter Zorn ist.

.Nein, nicht ganz . . ." sagt fie tonlos, aber fie ist kreideweiß geworden, nicht eigentlich über den In­halt seiner Rede, denn fie faßt denselben in der Tat

nicht, sonder« mehr über die Art, wie er diese vyr- bringt und über da» unaussprechliche Etwas, d.s sich i« seinen Zügen kundgiot.

„Das heißt . . ." erklärt er langsam und wieder j — „d»S heißt, daß er Geld braucht oder, wie man zu sagen pflegt, arg in der Klemme

„Ich sehe nicht ein, daß gerade dies daran» folgt," entgegnet fie nachdenklich. „Vielleicht will er sein Geld ander» anlegen."

»Rein, Kind — das verstehst Du nicht; — das

Das Haus im Gebirge.

Erzählung aus der Gegenwart von Klara Lötschert (Marga Brechtew)

Die Verlobung löste sich später. ES ist durch- aus unwl.hr, daß Frhr. v. Mirbach dem Prinzen die StardeSerhöhung hr Braut versprochen Hobe, wenn der Prinz cuf die chm von btr Pflegschaft schuldige Denrökenbcbrechnunfl v r- zichte. Luch in anderen Punkten geben die Akten- auszüge dtS »Leipz. Togcbl.' nur ein urvollstän­diges und unjutnfferdes Brld der Sachlage — zu dem deutlichen Zwecke, bin Frhr. v. Mirbach aufS neue zu verdächtigen."

** Mit seinen Aeußerunpen über die Be­teiligung deS Abg. Tr. Späh« an einer Partei- sührer-Konferenz, in der über die Aenderung deS ReichslagswahlrechtS verhandelt morden sein soll, will der .Vorwärts' nicht verstanden jein. Er habe Dr. Spahn gar nicht beschuldigt, daß er den Plänen gegen das Reichs tags Wahlrecht zugestimmt habe, sond. rn nur gesagt, Dr. Spahn wisse Bescheid. Ta lohnt es sich kaum noch, sch mit der Sache zu beschäftigen.

* Ein Friedensverei«. Im oldenburgi- schen Münsterlande, dem katholischen Teile des Großherzogtums Oldenburg, sind in letzter Zeit schon in mehreren Orten auf Anregung deS Reichstags - Abgeordneten OberlandeSgerichtsrat Burlage-Oldenburg sog. Friedensvereine gegrün­det worden. Ter Friedensverein hat den löb­lichen Zweck, Streitigkeiten beizulegen und Pro­zesse zu verhindern. Es ist bekannt, wie sticht namentlich auf dem Lande, wo dw Grenzen und Rechte nicht immer ganz klar find, Rechtsstreitig­keiten und infolge dlssen oft langwierige Prozesse entstehen. Erbitterung, Haß und Feindschaft, große Unkosten und Schädigungen an Hab und Gut, selbst bis zvm Ruin, sind nur zu oft die Folgen solcher Prozesse. Deshalb ließt es im allgemein en Interesse, daß Prozesse rech Mög­lichkeit vermieden werden. Das soll durch den Friedensverein geschehen, er soll SteitigkeiteN schon im Keime ersticken. Dazu hat der Verein Schiedsgerichte, welche aus vertrauenswürdigen Männern zusammengesetzt werden, eingerichtet, und die Mitglieder te8 Vereins verpflichten sich, bei entstehenden Streitigkeiten sich an dasselbe zu wenden. Der Verein hat schöne Erfolge an ver­schiedenen Orten erzielt und scheint in der Tat geeignet, gute sittliche und soziale Wirkungen her vorzubringen. Seine Wirksamkeit wird sich um so segensreicher gestalten, je mehr Mitglieder er an den einzelnen Orten zählt.

§ Die 57, H«nptversa«r»lung des Evangelische« Gustav - Adolf - Vereins wird vom 19. bis 23. September d. Js. in Heidelberg abgehalten werden. Die Ver­sammlung wird von Abgeordneten nicht nur aus allen Teilen des Deutschen Reiches, sondern auch aus Oesterreich Ungarn, der Schweiz, Holland, Belgien, Italien, Rußland usw. besucht werden; auch die Großherzogl'ch badischen Herrschaften haben ihr Erscheinen in Aussicht gestellt.

*** Der Streit zwischen den Aerzten und dem Vorstände der Ortskravkevkoffe in Leipzig hat noch ein Nachspiel. Die Arbeit- geb er im Vorstandsamt legten ihre Stellen nieder und die Hauptversammlung lehnte Neu-

i wird, daß fie nicht weggeht, ohne eine Auskunft er­halten zu haben, fragt er:

! „Hast Du mir nichts mitzuteilen? Befii.ne Dich ! — Du kommst ja von daheim."

„Ich weiß nichts besonderes, wenigstens nichts, um daS.eS sich der Mühe lohnte, des Nacht» aufzu­bleiben," fügte fie mit einem schwachen Versuche zu lächeln bei. Mein noch während dieser Worte be­ginnen ihre Lippen zu zitter» und plötzlich Werner» Hände ergeisend, bittet fie in tiefer Bewegung:

„O Leonhard — mir ist schon längst so bange, ohne daß ich weiß warum. „Sag' ist etwa» ge­schehen?"

„Nichts ist geschehen, wenigsten» nichts mu,S. Sengstige Dich nicht, Magda ... Es ist auch nichts merkwürdige» — nur neu für uni! Tor, der ich war!" und er lachte kurz auf.

Sie haben bis dahin nur leise mit einander ge­sprochen. Jetzt lehnt er sich über den Tisch herüber und raunt in fast heiserem Flüstertöne:

„Dein Baler verkauft ein Stück Land nach dem andern, einen Acker nach dem andern — begreifst Du, wa» daS heißt?"

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SerantworMche»

JS 177

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| der Presse für den Oberhosmeister ehrend feien, und daß er die formell juristische Seite der Sache außer Betracht lassen wolle, führt er fort:

„Ung handelt es sich lediglich um das, was die Kirche dabet verloren hat, weiterhin einbüßt und zu ihrer Rechtfertigung tun muß. Denn die Kirche ist der geschädigte Teil und zwar geschädigt auch durch die Methode, in der ihr, gewiß in bester Absicht, gedient ist. Daß dabei äußere Erfolge erzielt sind, soll nicht verschwiegen werde-,; daß eine Aera sie nicht nur toleriert, sondern sich ihr Charakteristikum von ihr auf- prägen ließ, darf auch mchl übersehen werden. Bor allem, daß Tatendrang und Opfert: eve zur Ueber- windung jener schrecklichen Misere, da stupide Gleich­giltigkeit und impotente Wünsche sich gegenseitig Knixe machten, ohne eine Gemeine« zu gründen, auf den Plan traten, muß immer wieder zum Dank anregen. Und endlich, wozu find Ausschüsse und Borstände und Kon­ferenzen und Generalversammlungen in der Welt! Gibt eg eine Schuld, so gibt es auch eine Mitschuld, und bestände fie nut im Kopfnicken. Die Kirche hat zu der Ark, (Selb für evangelische Zwecke zu beschaffen, die jetzt als ganz .unevangelisch" stigmatisiert wird, geschwiegen, hat fich die Gottes-, die Pfau-, die Ge­meindehäuser bauen lassen, fie geweiht und sich ihrer I gefreut. Wohl mag es manche gegeben haben, die meistens zwar lei|e im vertraulichen Gespräch übet diese Art klagten. Warum haben fie eS nicht laut hinauSgeschrieen in die christliche Well? Scheuten fie den Frhrn. v. Mirbach, dem freilich „Kritik" nicht an­genehm war ? Und was muß er fich nun sagen lassen I Augenscheinlich hat fich auch ein gut Teil persönlicher Feindschaft gegen ihn aufgehäuft, und er wird einen schweren Stand haben. Wie für ihn der Ausgang fein wird, interessiert uns hier nicht, wir wünschen nur, daß unsere Kirche gerade an den Stellen, die es an­geht, gelernt haben wird."

§ lieber den neuen „Fall Mirbachben das ,Leipz. Tagebalt' erzählte, hat sich die.Kizztg.' näher erkundigt und fie hat folgende, wie fie sagt, authentische Mitteilungen erhalten: „Im Jahre 1890 wurde für drei minderjährige Prin­zen Wittgenstein auf dringendes Bitten der Fa milie durch Allerhöchste Kabinettsordre eine Pflegschaft eingesetzt, bestehend aus dem Oberhoj- meister Frhr. v. Mirbach, dem jetzigen gothaifche» Staatsminister Heutig und dem jetzigen General- ieulnant Frhr. v. Hönningen gen. Huene. Die Pflegschaft sollte die Vermögensverwaltung der ! drei jungen Prinzen, die in Paris geführt wurde, ! sowie die Verwaltung ihrer Besitzungen am Rhein, in Rußland und in Südösterreich über­wachen, und fie vor allem gegen ben eigenen Vater, ben früheren Prinzen Wittgenstein, schützen. Dieser hatte wegen Schulden und wegen seiner zweiten Heirat auf ben Fürstentitel und das Vermögen verzichten müssen und führt jetzt den Namen Graf Hachenberg. Der Pflegschaft ist es im ganzen gelungen, das Vermögen den Söhnen zu erhalten. Aber die beiden älteren Söhne machten Schulden; Gläubiger des Vaters waren au* ihre Gläubiger; schließlich führten fie Prozesse gegen die Pflegschaft. Als die Prinzen majorenn wurden, legte ihnen die Pfleg­schaft, die übrigens mit der Vermögens Verwal­tung selbst niemals direkt etwas zu tun halte, die Abrechnung vor. Die Erteilung der Decharge verzögerte sich oft sehr lange, weil die Prinzen und ihre Ratgeber stets neue Verwickelungen ver- ursachten und Prozesse anfingen. Der zweite Prinz, der sehr verschuldet war, verlobte fich mit einem reichen Mädchen aus bürgerlicher Familie.

Berlin, ben 4. August 1904.

—* D« deutsch russische HaudelSaer- trefl soll, nach der ,Noo. Wremjett am 1. Jan. 1906 in Kraft tretest und für 12 Jahre gelten.

*—- Dve VerseukuuL des deutscheu Dampfers „Thea" ist in Berlin durch ben telegraphisch übermittelten Bericht des Kom­mandanten des Wladiwostok-Geschwaders bekannt geworden. Wie offiziös geschrieben wird, ist un­verzüglich eine Untersuchung eingeleitet worden. Bon den Ergebnissen dieser Untersuchung wird es abhängen, welche diplomatischen Schritte in St. Petersburg zu unternehmen find, um auch in diesem Falle eine allen berechtigten An­forderungen entsprechende Lösung herbeizuführen

):( Der «Schste Truppeutvausport «ach Deutsch-Südweftafrika wird am Samstag abends mittels deS Lloyddampfers „Wittekind" von Hamburg aus erfolgen. Es werden unter Führung des zur Fetdtelegrophen-Abteilung kommandierten Hauptmanns Böthke 12 Offiziere, 355 Manu und 450 Pferde nach Swakopmund befördert werden.

* Sitte« deutsche» Eieg gegen die -Hereros meldet der Telegraph aus Südwest­afrika. Er ist zwar nicht von entscheidender Be- deutung, aber es ist immerhin ein Sieg, und bei dem eigenartigen Verlauf des Hereroaufstandes, der enischridende Aktionen nahezu ausschließt, hrben auch kleine Erfolge Bedeutung. General v. Trotha also meldet aus Erindi-Ongoahere: Die 2. Kompagnie des Feldregiments 2 wurde am 2. August 8 Uhr vormittags von 150 Hereros bei Otateitei angegriffen, der Angriff aber ab- geschlagen, 50 Hereros find tot, diesseits schwer verwundet ein Unteroffizier, leicht verwundet zwei Menn. Außerdem zwei Witbois tot, einer ver­wundet. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Erfolg den Wioerstand der Hereros zu schwächen ge­eignet ist.

** Bon der „Gesellschaft zur Ber- dreitnug des Gvaugeliums" unter den Katho­liken wirs wieder ein salbungsvoller und mit kräftigen Schimpfereien gegen „Rom" gespickter Aufruf veröffentlicht, worin um Beiträge für das „MisfionSwerk" gebeten wird. Wie vielen deutschen Katholiken die Gesellschaft das „Eoan- gelimn" bereits gebracht hat, ersehen wir leider nicht. Das Meiste bei der Tätigkeit der Gesell­schaft „entzieht sich naturgemäß der öffentlichen Berichterstattung", heißt es in dem Aufruf. Und zwei Absätze vorher ist von der „sattsam be­kannten lichtscheuen römischen Propaganda" und von ihrer „Anmaßung" die Rede! Sollten diese saftigen Titel nicht besser auf die „Gesell­schaft zur Verbreitung des Eoangeliums" passen?

** Mit der Angelegenheit des Frhr«. v. Mirbach beschäftigt fich auch der kirchliche Rundschauer der .Kreuzztg/. Nachdem er hervor- gehoben hat, daß die rein persönlichen Ausfälle

Maer M Zeitung

wocheubellage ^Illustrierte ZonAagrzettlMg" Nouatsdellage: „Hlüdaer Geschlchtsdlätter".

Mn leichter Wind fährt um da» Haus. Der Rebel hat fich über Nacht in Regen aufgelöst, und v"n der Dachrinne tröpfelt e» in unaufhörlicher Folge. Magda geht durch das Zimmer, legt ihre Hand sanft av! den Arm des vor dem Tische Sitzende» und fixiert seinen Namen.

Er fährt empor und starrt ihr in» Gefickt . . .

.Aber mein Sott, Magda, was willst Du?" sagt er fast rauh.

„Dich fragen, warum Du nicht schlafen gehst."

.Ich wollte das eben tun. SS verschlägt ja auch »ichis, wenn ich einmal eine Stunde länger aufbleibe. Seh? Du -int wieder hinein — ich komme gleich nach."

Er fieht so aufgeregt auS, daß ihr ganz sonderbar zu Mute wird. Sie fürchtet sich fast, ihm zu wider­stehet', aber fie hat durch seine seitherige Verschlossen- heik genug gelitten. All ihren Mut zufamm-nnehmend, spricht fie fett:

wacht man nicht auf solche Werse. Uebrigens kann gar kein Zweifel über den Gründ seiner Handlungs­weise aufkvmmen. ES ist klar er wiesen, daß er in Verlegenheit ist. Antworte mir auftichtig, Magda, hast Du nie etwas davon gewußt?"

„Nie, Leonhard — bei Gott, nie! Ich habe sogar nicht» davon geahnt"

„Du schienst bisweilen so still, besonders in der letzten Zeit."

„Dar kam daher, weil ich Dich ernst und verschlossen gegen mich fand. Da» mochte mir einigen Kummer. Tu weißt überdies, daß der Baler seine Geldange- Ie8enbeiten geheim hält, ich bin überzeugt, daß selbst die Mutter nicht alles we-ß."

„DaS ist wohl möglich. J'tzt karn indes von Geheimhalten keine Rede mehr sein. Die ganze Gegend Plicht darüber. Nur unsere abgelegene Wohnung, owie der geringe Berketr, in welchem wir mit den Ortseinwohnern stehen, ist Schuld daran, daß wir nicht wissen, waS in aller Munde iS. Wer sollte einem euch so etwas in» Gesicht sc gen ? Auch glaubt wohl jeder, wir wüßten darum."

„Wie bist Tu eigentlich dahinter gekommen?"

Nun erzählt Werner Lör.nerS Bemerkung; wie )ie ihn seit Wochen beschäftigt und schließlich zu dem Entschlüsse getrieben habe, selbst rechzuforschen, was an der Sache sei. Dann berichtet er von dem heu­tigen Gang zu dem Agenten, der erst spät rach Hause gekommen und mit dem Allerschlimnisten ihm g-gen> über noch hinter dem Berge gehalten habe. Man Ijätte das deutlich merken können.

„Ich kann es noch immer nicht glarben, „sticht Magda sinnend. „Ter Vater galt stets als reich."

„Liebes fittb, eS ist heutzutage leicht, die Menschen glauben zn machen, mcn fei reich. Man braucht nur ein nach außen hin gut gehender Geschäft zu haben, recht verschweigen r:. auf seine Verhältnisse zu fein und ein frr^rirg, allzeit fröhliche- Gesicht zu machen, so o^s schon fertig gebracht. Große Ar­mut und Schulden velraten fich von feilst, ttn mitt-

wahien ab. Der Vorstanb der Kaffe besteht danach nur aus Arbeilne! n ern.

(') Die Leffttttlichkeit bei Militär- strafprozefsen. Nach längerer Pause ist btr .Vorwärts' wieder einmal in btr Lage, ein ge­heimes Akle>stick zu veröffentlichen, von dem schon mehrfach gemunkelt wo: ben war. Es ist ausgefallen, baß muebtng» der Ausschluß der O. ffentiid-Mt in Milii ärgerichts ver Handlungen immer mehr zunimmt. Man hat daS besonders seit dem Biift-Piczeß beobachtet, der so skandalöse Zustönde in ter Korbacher Garnison enthüllte. Mehrere höhere Offizieie, tie in dem Prozeß olS Richter md Getichtthenn tätig gewesen waren, find btkarnllich bald danach verabschiedet worden. Es hat wohl im Truste kein Mensch bezweiftlt, daß dies wegen ihres Verhe llens in dem Prozeß geschehen sei, nömlich weil sie tie O.ffentlichkeit der Verhandlung zugelaffen hatten. Als ter sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Gradnsuer im Reichstage deswegen eine Anfrage stellte, wurde ihm von dem Vertreter der Militärver­waltung geantwortet, dos Recht zur Anstellung und Verabschiedung der Offiziere stehe lediglich der Krone zu. Das Kriegs Ministerium wirke dabei nicht mit. Diese Antwort war gewiß nicht geeignet, die allgemeine Vermutung zu w.berleger. Auf die Anfrage Gradnauers, ob eine geheime Ordre ergangen sei, die die Oeffent- lichkeit nach mehr beschränke, erfolgte ebenfalls keine Auskunft. Der .Vorwärts' veröffentlcht nun die Ordre, die durch die Vermittelung des Geheimen MilitärkabinetS aus Anlaß deS For- bacher Falles an den kommandier en den General des 16. Armeekorps ergangen und allen übrigen Armeekorps bekannt gegelen morden ist. Diese Ordre, an deren Echtheit wohl nicht zu zweifeln ist, lautet:

„Ich habe rnit Befremden au» dem in der Presse enthaltenen Berichten über die in lv etz stattgehabte kriegsgerichtliche Hauptversammlung gegen den Leutnant Sille im Trainbataillou 16 er­sehen, daß das Kriegsgericht unter Außerachtlassung meiner Ordre vom 28. Dez,mber 1899, deren BorauS- frtzung vollkommen gegeben mar, und entgegen dem wiederholten Anträge de» Vertreter» der Anklage von dem Ausschlüsse der Oe f s en t li ch k ei t in einem Umfange Abstand genommen hat, der nicht verfehlen konnte, die allgemeine Aufmerksamkeit in noch erhöhtem Maße auf die ohnehin schon so bedauer­lichen Borkommnisse in Forbach zu lenken und da» Ansehen meiner Armee, und im besondere» be» Ossizierkorp», in weiten Kreisen de» Zn- unb Auslandes zu be-inträchtigen. Ich spreche ben Mitgliebern beS Kriegsgerichtes »ein ernste» Miß­fallen cuS, die meiner, in der Anordnung vom 28. Dezember 1899 zum Ausdruck gebrachten WillenS- meinung direkt zuwidergehandelt und e» nicht ver­standen haben, die Interessen ihre» Stande» besser zu wahren. Zch leouftrage Sie, die» den Mit- gliedern des Spruchgerichts unter entsprechender Gr» läuterung persö nlich zu erössmn. Den übrigen Offizieren, SanitätSojsizieren. Kriegkeer.chtSrSten ist diese Ordre in vertraulicher Weise zur Kenntnis zu bringen und für die Folge alljährlich einmal inS Te- dächtnig zu rufen."

0 Ei« Echlaglicht auf die sozialdemo­kratische Orgattisatiou, welche jede Art des auch von der Arbeitermdt betriebenen eifrigen Sports in den Dienst bet sozialdemokratischen Parteiorganisation stellt, wirft eine langatmige lerer VermögenSfiand eber türmt sich gat schnell zum scheinbaren Reichtum auf. Die Mehrzahl der Leute glaubt im allgemeinen des, WaS man fie glauben lcssen will. Wohlhabend ist Dein Vater jedenfalls gewesen, — reich doch wrht kaum."

„Er war doch so klrg md vor sichtig, auch hatte er immerhin ein ichömS, jchuldensreieS Gut — wie ist es da nur möglich gewesen, so zmöckzukowrnen."

„WaS den letzten Punkt angeht, so kanntz Du, Wern Du willst, in einem einzigen Tage di« Erspar­nisse eines Lebens durchdringen," versetzte Werner. „DaS Erwerben geht langsam und schwer, nicht aber das Verschleudern. So ganz wunderbar liegen die Dinge in der „'chwarzen Elst.r" übrigens nicht. Dein Vater stand schon seit drei rder vier Jahren nicht mehr gut. Die Mißjahre, welche uns alle betroffen haben, haben auch ihm zugesetzt. Die Schenke wurde während de» schlechten SrmmerS wenig besucht — im Winter dagegen garnicht. Ta nahm denn daS bar eingehende Geld ab. Der ZinS für die verpachteten Felder mag infolge des Notstandes auch nicht mehr so regelmäßig eingezahlt woiden sein. Solche Umstände lönnen, wenn fie längere Zeit frrdauern, genügen, um ein größere» Gut zurtickzubkinge». Hier jedoch hätte fich wahrscheinlich nrch alle» in die schönste Ordnung bringen lossen, wenn Tein Vater sich rur mit recht­liche» Menschen beraten hätte. Wer ende» superklug sein will, fallt gewöhi lich .m tiefsten in die Patsche. Nun ttmmt die Hauptsacke, atm durch hohe Prozente den Schaden wieder auSzugleichen, kaufte er für ein größere» Kapital Aktien cn, welche cllerdirg» viel einbring'n sollten auf dem Geldmärkte, aber schon längst jchlechi starben, wa» Dein Saht in seiner ab­gelegenen Schenke allerdings nicht wissen konnte. Baid daraus ging da» Unternehmen zugrunde und — das Kapitel war natürlich verloren. Bon da an folgte Schlag aus Schlag. ES war, als ob diese eine leichtsinnige Handlung alleS fernere Unglück her- auftefchworen hätte. Dos Schlimmste, was übrigen» Tein Vater in feiner Sagt tun konnte, war, fich

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