M 176.
Allöa, Donnerstag, den 4. August 1904.
31. Jahrgang.
noch weiter mitzmeilen:
Der Plan, der unter
T
Berlin, de« 3 August 4904.
Finanzreform gemeldet.
>a.
12
(Nachdruck verboten )
. * Von einem neuen „Fall Mirbach" berichtet das .Leipziger Tagebl/ auf Grund eines nach feiner Behauptung ihm allein zugängigen Materials. Der Kern ist. daß Frhr. v. Mir- bach seinem ehemaligen Mündel, dem Prinzen Friedrich Maria von Sayn-Wittgenstein, um einer Abrechnung in der Vermögens-Verlegenheit des Prinzen vorzubeugen, die Standes- erhöhung feiner damaligen Braut zur Prinzessin ve sprachen haben soll. Frhr. v. Mirbach war neben Generalmajor v. Hei- ninger gen. Huene und Staatsminister v. Henting in Gotha dem Prinzen als Pfleger bestellt. Als der Prinz volljährig war, kam es zu Streitig- j keilen mit den Pflegern wegen der Rechnungs. legung über die Vermögensverwaltung. Das Landgericht zu Dortmund entschied zu Gunsten des Prinzen. Vor dem Oberlandesgericht, bei dem sie Berufung einlegte», erklärten die Pfleger,
* Der 84 jährige Graf Ar«im - Bensen. Mitglied des Herrenhauses, ist in Schwedt an der Oder infolge eines Unglücksfalles gestorben. In der Nacht zum Dienstag explodierte im Schlafzimmer > es Grafen, der schon seit längerer Zeit bettlägerig ist, eine Benzinnachtlampe, wo- bei der Graf im Gesicht und an der Brust schwere Brandwunden erlitt. Die letzte Nachr ist er den Verletzungen erregen.
*« Zu den Meldungen über die Biersteuer- Pläne bemerkt die,Nat.-Lib. Rotr.', es handele sich bei der beabsichtigten Neuordnung der Biersteuer nicht um Erzielung von Mehreinnahmen aus der Biersteuer. Ss gelte vielmehr nur, die neue Staffelung der Steuer auch im Gebiete der norddeutschen Brausteuergemeinschaft einzuführen, nachdem sich das Prinzip in Süddeutschland als j überaus praktisch herausgestellt hätte, und so den Kampf der mittleren und kleineren Brauereien
Diesen Eid hat der Prinz aus formalen Gründen nicht geschworen, vielmehr Revision beim Reichsgericht eingelegt. Der erste Senat des Reichsgerichts entschied, daß die Klage der Pfleger abzuwersen sei, daß mithin das Urteil des Landgerichts zu Dortmund rechtskräftig sei. Danach I haben die Pfleger dem Prinzen Rechnung zu legen und das mütterliche Prioatvermögen au8-1 "uo,~" -r> — ---
zuhändigen. So der Tatbestand nach dem .Leipz. ^"^nender «nzelnen Landtage zusammengesetzt Tagebl.'. Die Sach- ist, falls das Blatt über- eS
haupt die Wahrheit berichtet, dann doch viel zu unklar, als daß sich darauf gleich Anklagen gegen Frhrn. v. Mirbach aufbaueu ließen; insbesondere ist noch gar nicht bewiesen, daß er das Versprechen wegen der Standeserhöhung gemacht habe. Wenn wegen der Abrechnung Vorwürfe zu erheben wären, so würden sie ja auch nicht bloß ihn, sondern ebenso die beiden anderen Pfleger treffen. Da nun einmal die Sache au die Oeffent- lichkeit gebracht worden ist, ist allerdings baldige Aufklärung dringend zu wünschen.
A^llkuritpruch sei durch Vergleich erledigt;> noch weiter mitzutrilen: „Der Plan, uer unter dn Pnuz habe aus die Abrechnung verzichte!, den Parteiführern zur Erörterung gelangt rst. Dieser dagegen erklärte, er habe Verzicht nur geht daht». daß das Reichstags Wahlrecht sehr unter der Bedingung geleistet, daß Frhr. von bedeutend verschlechtert und andererseits das Mirbach ferne Braut zu einet Prinzessin mache.'-----" - - " • - - -
Das sei aber nicht eingetreten. Das Oberlandesgericht formulierte nun zu dieser Prozeßemrede des Prinzen folgenden Eid:
zur Verlesung zu bringen. Darauf soll die zwette Lesung über die Vorlage auf Freihaltung deS UeberschwemmungSgebiets der Wasserläufe vor- genommen werden, die auch in der Sitzung am Donnerstag neben der Beratung über den Großschiffahrtsweg Berlin - Stettin auf die Tagesordnung gesetzt ist. Am Freitag, 21. Ott., soll di- Beratung über die Kanalisierung der Oder erfolgen. Die übrigen noch nicht erledigten
§ Zu den amtlichen Drucksache» des Reichstags der 1. Session 1903 und 1904 von der Eröffung am 3. Dezember 1903 bis zur Vertagung am 16. Juni d. Js. ist vom Bureau d-S Reichstages daS General-Sachregister ausge- geben worden.
* Den Mitgliedern der Kaualkommiffiou des Abgeordnetenhauses hat der Vorsitzende in einer „vorläufigen Nachricht- mitgeteilt, daß er beabsichtige, in der ersten Sitzung der Kom- miffion nach der Vertagung, am Mittwoch den 19. Oktober, zunächst den Bericht über die Regelung der Hochwasser-, Deich- und Vorflut- verhältniffe — der oberen und mittleren Oder!
wird.- Daß es Gegner des Reichstagswahlrechtes gibt, und daß diese seit Jahr und Tag eine Agitation auf seine Abänderung eingeleitet haben, ist bekannt. Möglich, daß unter ihnm eine Konferenz. worin der vom.Vorwärts'erwähnte Plan erörtert wurde, ftartgesunden hat; wir wiffen es nicht. Zu bedeuten hätte es jedenfalls nicht viel. Daß der Plan zwischen Parteisührern und unter Mitwirkung der Regierung erörtert worden sei, glauben wir nicht. Jedenfalls hat das Zentrum mit all diesen Dinge» nichts zu tun. Der.Vor- wärts' braucht offenbar Ablenkung für den Parteitag in Bremen.
I preußische Landtagswahlrecht ein wenig oerbeffert werden soll, so daß für beide Parlamente ein und dasselbe Wahlrecht besteht. Man hofft, ! durch Verbefferuvgen am preußischen Landtagswahlrecht die Oppofitio» gegen die sehr erhebliche Verschlechterung beziehungsweise Beseitigung des bisherigen Reichstagswahlrechts abzuschwächen. Die preußische Regierung steht diesen Verhandlungen nicht nur freundlich gegenüber, sie find sogar unter ihrer Mitwirkung geführt worden. Eine weitere Idee der Wahlrechtsfeinde geht da- hi», daß, wenn es gelänge, für Reichstag und preußischen Landtag das gleichartige Wahlrecht einzuführen, dann allmählich auch in den übrige» deutschen Landtagen dasselbe Wahlrecht zur Gel-1 tung gebracht werden soll. Würde das geschehen, so könnte der alte Wunsch erfüllt werden, daß besondere Reichstagsabgeordnete überhaupt in Wegfall kommen und der Reirystag aus Dele-
I * München-Gladbach, 3 August 1904- Der vierte vol kswirtschaftliche und apologetische Kursus in München-Gladbach hat am Montag nachmittag seinen Anfang genommen, nachdem Sonntag abend eine kleine Begrüßungsfeier voraufgegangen war. Er hatten sich heule 43 Teilnehmer auS dem ganzen Deutschen Reich sowie aus Oesterreich und der Schweiz eingefunden, jedoch .w rd die Zahl 50 erreicht werde«, da noch verschiedene Herren angemeldet find. In seiner Begrüßungsansprache wies Herr Direktor Br au n s von der Zentralstelle des Votks- vereins für das katholische Deutschland auf den Ursprung des Kursus und deffe» Bedeutung für die praktisch.soziale Ausbildung der führenden Arbeiterkreise hin, die Teilnehmer ermahnend, den Vorträgen recht eifrig beizuwohnen, damit sie mit neuen Ideen ausgerüstet, in der Heimat für die Hebung der gesamten Arbeiterschaft wirksam tätig iein können.
* 3. Aug. 1904, Von der hiesigen
Strafkammer wurde dieser Tag? ein Fleischer- meister Heßler, der eine total kranke, an einer jauchigen Bauchfellentzündung leidende Kuh von einem Landwirt gekauft und dann an einen Fleischermeister als vollwertiges Fleisch weiter verkauft hatte, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der als Sachverständiger vernommene Departements-Tierarzt Dr. Fe lisch sagte nach Zeitungsberichten: „Bei den Landwirten besteht leider GotteS die Unsttte, daß sie solch krankes Viob, anstatt es der Abdeckerei zu überweisen, an Fleischermeister und deren Helfershelfer verkaufen. Die Landwirte tun dies, um ein paar Mark mehr für das kranke Vieh herauszuschlagen, sie wollen noch daran verdienen." Wenn er sich wirlich so ausgelaffen hat, dann hat er doch allzusehr verallgemeinert.
9 Der riWch-japMschk Krieg,
Der dreitägige Sturm der Japaner aus Port Arthur ist neueren Meldungen zu- folge erfolglos geblieben. Diese Meldungen stammen allerdings aus einer Quelle, die sich b,s jetzt als wenig zuverlässig erwiesen hat; sie kommen aus Tschifu, wohin Flüchtlinge die Nachricht brachten. Im übrigen verweisen wir auf die nachfolgenden Telegramme.
W. Tschifu, 4. Aug. 1904. (Reuter). Der dreitägige Sturm der Japaner, der hartnäckig gegen die inneren Verteidigungswerke im Norden und Osten von Port Arthur gerichtet wurde, ist erfolglos geblieben. Dschunken, die hier aus Port Arthur eingetroffen sind, berichten darüber: Am 26. Juli vor Tagesanbruch begannen die Japaner von Kwokau aus den Angriff S-gen die Küstenforts. Die russischen Vorposten wurden zurückgetlieben. Admiral Togo beschoß gleichzeitig bie Forts aus weiter Entfernung. Das Feuer der Forts zwang die Schiffe, sich in sicherer Entfernung zu halten, und machte so das Zusammenwirken ter japanischen Schiffe und
„Auch das roch?“
„Auch da- noch — ein bluktrmeS junges Ding vom Schwarzwald, dar er leichtfinnig, wie er nun einmal ist. frischweg vom Auswandererschiffe geheiratet hat. Drüben also fitzt sie, sage ich, mit drei kleinen unerzogenen Kindern und mottet darauf, daß er hier
Ja, so sagte der Vater, aber Philipp hörte nicht dar- auf, sondern ging fort. Und nun bläst er Trübsal nach Noten, denn drüben in Amerika fitzt sein Weib . . .“
* lieber die „Zettel««gen gegen das Reichstagswaolrecht" weiß der »Vorwärts'
Dann will sie auch herüberkomwen, und fie wollen sehen, ob sie sich in der Heimat nicht doch bester ernähren können, als in dem teuren Lande. Er
Monaten gleich nach dem Znftandekommm d« 5- H Oder »nd WeichZ
1M die B«beff«n», bei Schiff-Hrt»,raßen der Warthe folgen und darauf die Beratung des Rhein-Hannover Kanals beginnen.
kommt manchmat de» Abends her, um sich Rat zu holen. Dan fitzt er stundenlang stumm da oder kramt allerlei Pläne aus, die er doch richt aurf">hren kann, well er zu arm und zu träge ist, und die den Vater nur in den Berger hineinbringen. Er steht e» überhaupt nicht gern daß der Onkel so oft kommt, aber ich bed ure Philipp, nvd im Grunde kann auch der Vater e» nicht über» Herz bi tagen, hart gegen ihn zu fein.“
„Onkel Philipp hat ihm einmal dos Leben ge- rett t. nicht wahr?“
„Ja, als beide noch junge Bmschen waren. Dein Vater »ar bei« Baden an eine tiefe Stelle im Rheine gekommen. Mein Bruder stürzte ibm nach, und es gefarg ihm, den Vater dem Ufer zuzu- drängen. Er selbst war erhitzt gewesen urb zog sich durch den Aufenthalt im kalten Wasser eine lange und schwere Kranlhrit'zu. Während derselben kam Dein Vater öfter in unser Haus, um nach ihm zu sehen Dabei lernten wir uuS kennen m>d gern hoben. Und manchmal glaube ich, wenn der Vater unwirsch gegen den Philipp fern möchte, denkt er daran und hält an sich “
„Und hat der Onkel noch garnichts gtfunben?"
„Nichts, was ivm paße, und da, wo ihm etwas anfiänve, ist er btn Leuten nicht recht.“
„DaS ist freilich eine ärgerl che Geschichte", schließt Magda und steht auf, um die Vorbereitungen für da» Abendessen zu beginnen. Der Tag geht schon tu Sömmerung über, und gegen 7 Uhr wird der Knecht kommen, um sie alle heimMfahren. Wäbrend fie die Kartoffeln aussucht, flüstert die Mutter ihr zu:
„Ich höre den Vater kommen .... laß bei ihm nicht verlauten, daß wir davon geredet Haven — er ist auf den O- kel richt gut zu sprechen "
- - . Die Tochter wirkt bejahend, bläst die Asche htn-
etwaS onsangrn oder fich gründen soll, wie er» nennt weg und facht die schwach glimmenden Kohlen zu
knilY Ra AiteR »4t» „mImmm. ««—V B rr I ' o
UM die Existenz zu erleichtern. Das Mehr an Steuer, das von den größeren Brauereien erhoben werden soll, stellte weiter nichts dar, als eine Versicherungs-Prämie der Reichskaffe gegen ei« __ wir llvu, IIItyi eueoigieH
Rabatte der Emnahmen aus der Brausteuer. Vorlage» sollen in folgender Reihenfolge zur I derutung gelangen: Auf die Verhandlung über
Still und einsam liegt das Haus im Gebirge da, als einige Stunden später Magda mit ihren Lindern I den Wildbach überschreitet.
Die Knaben find müde und schläfrig — Franz trotzdem ein wenig „aufgeräumt“ — er muß doch an irgend etwas „genippt“ habe».
ES ist dunkel und falt, und Werner noch nicht zurück Die junge Frau zündet Licht an, bringt die Kinder zu Bett und stellt eite kräftige Suppe für ihren Mann bei. Leonhard mag tüchtig hungrig und halb erfroren fein, wenn er endlich nach Hause kommt — hängt doch der Nebel so dicht über dem Rheine.
Die Knaben schlafen fest und aefunb, indes fie am Feuer fitzend auf da» Dcken der lthr und daS leise Brodeln der Suppe lauscht. Sie denkt an alle«, was die Mutter gesagt und grübelt noch mehr über danach, was dieselbe nicht gefaot und was fie, Magda, vergebens zu erraten fich müht. Warum erscheint die Luit, die fie olle umgibt, feit einiger Zell so schwer, i hübe und bedrückend? Nur ihr eigenes Leben — so meint fie — liegt klar, offen und kummerlo» vor aller Augen, kummerloS bis zu diesem Abend--
ja. . .!
Endlich kommt Leonhard. Magda begrüßt ihn herzlich, trägt die Toppe und von den Ellern mit» gebrachte grräucherte Wurst auf Und forsche dabei in seinen Mienen. I
„Ja. Matter, eS geht uns, Gott sei dank, gut. Leonhard und die Knaben fin* gesund, m d mir macht das rührige Schaffen rechte Freude. Aber wie geht eS Dir?“
„Danke Kmd — 's Alter macht fich in meinen Jahren schon recht fühlbar.“
Die alte Frau wirft einen scheuen Blick nach der Türe» dann sagt fie hastig:
„Mazda, weißt Du, daß mein jüngster Br über. Sein Onkel Philipp wieder da ist?“
„Wie — der?“
„Ja — der, und „leider“, muß man wohl beifügen, denn er ist so zurückgekommen, wie er fortge- gapgen ist.“
,Sr hat also garnichtS vor fich gebracht?"
Rein nichts. Ich dachte mir, daß er Dich nicht ^besuchen würde — e- fürchtet sich ge ritz vor Deinem I Manne “
„Da gibtS doch w hrhaflig nichts zu fürchten!“
„Stge tiich nicht. Aber stehst Sa, der träge und — ich muß eS ja fugen, wenn er schon mein Bruder ist — der herabgerommene Mensch scheut immer daS Angesicht deS fleißigen, strebsamen ManneS.“
Magda uicki — Leonhards Lob hört fie gern.
„6eit winn iß Onkel Philipp zmück?“
„Seit kaum zwei Wochen, AlS er vor zehn Jahren auSwa^d rle, ri». ihm der Vater ab und sag«: „Philipp, bleibe im Lande und nähre dich redlich! Wcr fleißig ist, der bringt fich auch daheim ehrlich durch; wer dagegen nicht schaffen will, dem kann- in Amerika erst recht nicht glücken. Dorr muß gearbeitet werden, schon wrilS Leben so teuer ist.“ I
. -Ich schwöre, daß ich den Verzicht (auf geeicht nche Austragung der Sache) vom 28. Septem der 1899 erst bann unterschrieben habe, nachdem mir Frhr. von Mirbach zugesagt hatte, daß mir über mein mütterliches Vermögen von meinen Pflegern Rechnung gelegt, daß mir mein mütterliches Vermögen von meinen Pflegern herauSgegeben, und daß die StandeSerhöhung meiner damaligen Brant zur Prinzessin vom Frhrn. v. Mirbach erwirkt werden sollte.“
Sa ist nicht viel zu lesen. Es fei ihm gut gegangen, berichtet er, gen, gut. Er ist erstaunt, fie noch auszufinden und rät >hr, fich sogleich niederzulegen. Eie ist in der Tat sehr schläfrig. Jetzt, wo fie am Tische fitzt und so gerade in daS Licht hineinblickt, merkt fie es erst. So geht fie, ihrem Manne fteundlich gute Nacht wünschend, zu Bett.
Plötzlich wacht Magda wieder auf. Ob Stunde» oder nur Minuten feit ihrem Einschlafen vergangen, vermag fie nicht zu unterscheiden. Aber es ist feltfam, daß mit diesem plötzliten Erwachen aller Schlaf verschwunden zu fein scheint. Sie setzt fich im Bette auf, und ba fie die Vorhänge halb offen gelassen, kann fie den vorderen Raum des Zimmers übersehen. Leonhard fitzt noch am Tische, Den Kops in die Hände ge» I stützt. Er muß ftisches Ort auf die Lampe gegossen, ober den Docht hochgeschraubt haben, denn das Licht brennt sehr hell. Bei seinem Scheine sieht Magda, daß der Zeiger der Wanduhr gerade auf Mitternacht weist.
Totenstille herrscht; nur die Atemzüge der schlafenden Kinder find vernehmbar. Schläft Leonhard enpa auch? Er muß ja mübe fein, und wenn er «S H, warum ist er denn nicht vorhin schon zu Bett gr- gangen?
Nein — er wacht — eben hat Magda ihn tief ausseufzen gehört. Unbeschreibliche Unruhe kommt über fie. Sie muß wssen, waS ihm fehlt und will ihm doch der Knaben wegen nicht laut zurufen.
Geräuschlos kleidet fie fich an. ES ist kalk rin der Stube; als fie rin Tu<b um die Schultern wirs , zittern ihre Hände vor Aufregung und Frost. S e bat die devt.iche Euufindung, daß Leonhard die aanz: N-cht so dafitzen wird, wenn fie nicht zu ihm hingedr An Schlaf ist doch richt rmhr zu denken; fie ist so vollständig wach, als ov fie nie da» Bedürfnis noch nächtlicher Ruhe gekannt, roch fernerhin kennen würde- (Fortsetzung folgt.)
*♦ Ei« „Nachlasse« der ko»fesfio»elle« Vpa«««»g" will der kirchliche VterteljahrS- Rundschauer der ,Kreuzztg.' beobachtet haben, «rsbefonkere auch das Abflauen der atitikatho- lffchen Stimmung auf protestantischer Sette. Man ist etwas überrascht, wen» man das liest und sich dabki die neuerliche Hetze gegen die Marianischen Kongregationen, die katholiken- feindlichen Bestrebungen in der Studentenschaft, die Agitation für die Verwandlung des Evan- g« tischen Bundes in einen politischen Bund, die hinter dem beoorstehenden Synodaltage steckenden Absichten und so manches andere oergezen- wärtigt. Niemand wäre indes froher als wir, wen» der Rundschauer recht hätte. Leider aber ist in den Kreisen der Gebildeten die antikatho- lffche Stimmung zweifellos eher gewachsen als abgeflaut. So freudig wir alle Zeichen des Nachlaffens der konfessionellen Spannung begrüßen, so lebhaften Widerhall alle Friedenskundgebungen bei uns finden und so unbedingt wir bereit find, mit den Protestanten im öffent-! liche» St6en zusammenzuarbeiten, so kann man eS uns doch auch nicht verübel», wen» wir angesichts der fieberhaften Tätigkett der Friedensstörer auf der Hut sind. Ma» hä't uns gern die Frage entgegen: „Jo, was ist euch denn eigentlich geschehe», daß ihr über de» neuen Kulturkampf schreit? Euch tut ja nümanb | etwas.- Abgesehen davon, daß manches noch nicht geschehen ist, wovon wir wünschen müssen, daß es geschehe, müssen wir die Gegenfrage stellen: Was hat denn die ganze geräuschvolle Agitation gegen „Rom" und den „Ultra* montairilmus? überhaupt für einen Sinn und Zweck, wenn man nicht, sobald man die Macht dazu ha», mit neuen Ausnahmegesetzen und Unter» drück^rigsmaßregel» gegen ms vo'zugehen be- adfichtigt?
Das tzaus int Gebirge.
Erzählung ouSbet Gegenwart von Klara Lötschert (Marga Brrchten.)
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