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Druck und Verlag 6# KUdaerActtendruckeA in Zulda (Yarmouth Lernsprecher Br 9.
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Allda. Dienstag, den 2. August 1904,
31. Jahrgang.
Zar öl. GeseralvLlscmmsANg der Aatzoiiken Deutschlands in Regensburg.
Hervorragende Sehenswürdigkeiten in Regensburg.
An geschichtlichen Denkmalen, die in der Gegenwart Zeugnis von einer großen Vergangenheit ablegen, besitzt RegenSburg nicht nur mehrere kirchliche, die der Stadt ihren Stempe als einer hervorragend katholischen aufgedrückt haben, sondern auch viele weltliche, welche heute von den Besuchern RegenSburgS angestaunt und bewundert werden.
Bo« den kirchlichen Baudenkmalen zieht zunächst der majestätische Dom, welcher nicht nur in seinem reich auSgestatteten Aeußern, hauptsächlich in dem von Skulpturen prangenden Hauptportal gegen Westen, sondern auch in der gewaltigen, durch die Erhabenheit des vollendeten gotischen Stiles wirkenden Größe des drei- schisfigen Innern einen überwältigenden Eindruck bietet. Dar Riesengebäude ist 84,5 Meter lang, 37 Meter breit und 30 Meter hoch, au dessen Westseite die beiden im Jahre 1859 bis 1869 ausgeführten 107 Meter hohen Türme majestätisch in die Lüfte ragen. Ein von Bischo Graf Fugger (1769—1787) gestifteter silberner Hochaltar und vier gotische Altäre von Stein sind nicht weniger eine Zierde des imposanten Gotteshauses, wie die aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammenden Glasfenster und das 1493 von Domherrn Georg Preising gestiftete Sakramentshäuschen im Chor. Im Mittelschiffe vor der Kanzel steht das eherne Hochgrab der Fürstbischofs Philipp Wilhelm von Bayern. Noch mehrere prächtige Grabmals, die Ruhestätten von Regensburger Kirchensürsten bezeichnend, finden wir in den verschiedenen Teilen des Domes. Alle hier aufzuführen, würde zu weit führen. Der Dom besitzt einen sehr sehenswerten Dom- fchotz. Im Norden des Domkreuzganges mit feinen künstlerij ch bedeutenden Fensterurm ahmungen steht der sogenannte alte Dom.
Weitere kirchliche beachtenswerte Denkmale find die Kirche zur hl. Maria in Nieder- münster, in romanischem Baustile aus dem 12. Jahrhundert, dreischiffig. Sie ist seit 1818 Dompfarrkirche. Am Westende ist eine aus dem Jahre 1621 stammende Vorhalle angebaut, über der die prächtige, bischöfliche St. Wolfgangshauskapelle steht. Im Schatz dieser Kirche wird der Stab des hl. Bischofs Erhard, deffen Stola und andere beachtenswerte Geräte und Reliquien aufbewahrt.
Ferner find zu erwähnen die Karmeliten- ktrche mit Kloster, die Minoritenkirche, die Alte Kapelle, an die fich die ältesten Spuren deS Christentums in Regensburg knüpfen. In dem vielfach veränderten dreischiffigen Hauptdau dieses modernifierten GotteL Hauses ist noch ein Teil der alten romanischen von Kaiser Heinrich II., dem Hüligen, erbauten Kirche enthalten. Ihre jetzige Form stammt aus dem Jahre 1748, in
Das haus im Gebirge.
Erzählung aus der Gegenwart vonKlaraLötschert (Marga Brechtrn.)
10 ------(Nachdruck verboten.)
Nun erkennt er, daß dem nicht so ist. Ter stolze Nacken des Besitzers der Gießerei scheint gebeugt, sei» Haar noch weißer als sonst Die Augen blicken trübe und seine Stimme hat gezittert — nein, o nein — alles Geld kann den Verlust eines teuren Menschenlebens nicht ersetzen. Darum will er nun auch geduldig warten, bi- Gott den alten Mann in seinem Leid g-tröstet. Es kommt ihm vor, als ob eben sei» Leid de» Vorgesetzten ihnen näher erbracht, uud de» Abstand zwischen dem Arbeitgeber und den Arbeitern verringert habe.
Mit Wetzer haben alle die gleiche Empfindung, — am m'isten tühlt Herr Brunn eS selbst. Gern würde er noch einige freundliche Worte an die Leute richten, doch die Stimme versagt ihm. Sa grüßt er stumm, winkt dem Ausseher, ihm zu folgen, und w-ndet fich ab
Schweigend, zum Teil tief erschüttert, kehren die Arbeiter zu ihrer B-schäftigung zurück, indes Werner seinem Chef in deffen Hans folgt.
Einige Minuten später stehen beide in Brunns Privatzimme: einander gegenüber. Endlich beginnt der ältere:
»Ich habe gehört, was Sie in meiner Abwksen- hett getan haben, Werner. Wern ich auch jetzt nicht imstande bin, Geldverluste ihrer ganzen Wichtigkeit «tsprecherd ins Auge zu fassen, so würde doch gerade in dieser Zeit eine Störung im alten Be riebe, die Hinzuziehung von fremden Arbeitern uud die durch einen Streik entstandenen geschäftichen Verwickelungen für meine Familie und mich im höchsten Grade peinlich und lädtg gewese» sein. Iw kann nicht uwbin, als eben Ihrem Einflüsse die Tatsache zuzuschreiben,
welchem ste im Rokokostil, wohl etwas überladen, das Auge blendend, hergestellt wurde.
Weiter führen wir en die Kirche zu St. Kassian, welche ein hohes Alter, schöne GlaS- und Deckengemälde besitzt, dann die Kirche zur hl. Maria zu Obermünster, die interessante Fresken aus dem 12. und 13. Jahrhundert enthält.
Hochinteressant ist die Kirche St. Emmeram, welche zu dem im Jahre 1803 aufgehobenen Benediktiner- Reichsstiste zu St. Emmeram gehörte. Alle Perioden der Baukunst find in den verschiedenen Teilen dieser Kirche vertreten. Die Hauptkirche ist eine dreischisfige Pfeilerbasilika mit zwei Chören. Vor dem Westchor liegt das Querschiff, unter ihm die Wolfgangkrypta. Schöne Stukkarbeiten und Malereien zieren das Gotteshaus. Im Presbyterium ruhen die Gebeine des Kaisers Arnulf und der letzte Karolinger, Ludwig, das Kind. Im Südschiffe der Kapelle des hl. Georg ist das Grabmal des hl. Emmeram. Mehrere Grabdenkmäler von geistlichen Würdenträgern und weltlichen Großen finden fich in der Kirche. Ein neuer Reliquien-Wandschrein in der großen Sakristei enthält den Stab des hl. Wolfgang, ein Ziborium und eine Mitra, sowie eine Casula des Heiligen. An die Stiftskirche von St. Emmeram schließt sich auf der südlichen der Krevzgang an, einer der schönsten in ganz Deutschland.
Zu den interessantesten romanischen Bauten Deutschlands gehört die St. Jakobskirche. Ueber das Portal dieser Kirche, das an Bilderreichtum unübertroffen ist, ist eine ganze Literatur entstanden. Die Kirche ist eine dreischisfige Säulenbasilika mit flachgedecktem Mittelschiffe mit Gewölben im Chor und in den Seitenschiffen und stammt aus dem Ende des 12. Jahrhunderts.
Bei Uebergehung einer Anzahl weiterer geschichtlich bedeutender Kirchen wenden wir uns den weltlichen Baudenkmalen zu.
Hier erscheint unL als das merkwürdigste und geschichtlich berühmteste das Rathaus, in dem der große Reichssaal, der Beratungssaal des immerwährenden Reichstages von 1663—1806 die denkwürdigsten Erinnerungen wachruft. Der Saal hat einen reichverzierten, zierlichen Erker, eine prachtvolle Holzdecke. In dem fürstlichen Nebenzimmer wird der Einzugs-Baldachin Matthias I. (.613) aufbewahrt. Die Beschreibung der weiteren sehenswerten Jnnenräume würde zn weit führen, wie wir auch nicht alle sehenswerten weltlichen Baudenkmale hier vorzuführen in der Lage sind; es mag darum die Aufzählung der wichtigsten genügen.
Dre königliche Villa in den Jahren 1853 und 1854 auf städtische Kosten erbaut, wurde von König Max II. 1858 und 1860 bewohnt; in den Jahren 1887, 1890 und 1898 hatte Se. Kgl. Hoheit Prinz-Regent Luitpold von Bayern einige Zeit sein Hoflager hier aufgeichlagen. ... Das fürstlich Thurn und Taxis'sche Palais aus den ehemaligen Abteigebäudrn von St. Emmeram bestehend, wurde unter Fürst Max (f 1885) zu einem Prachtbau ungestaltet, de? durch Se. Durchlaucht den jetzt regierenden Fürsten Albert vollendet wurde.
daß eise allgemeine Arbeitseinstellung verhindert wurde, und bas le Ihnen für Ihr besonnenes, kluges Eingreifen. Sie haben fich mit einer seltenen Treu- auf die Seite des Hauses gestellt, welchem Sie dienen — es soll Ihne» nicht vergessen werden! Die rechte Art, Ihnen zu vergelten, betzalte ich mit indessen für später vor, für die Z-it, wo es mir eher möglich se n wird, roch andere notwendige und nützliche Umgestaltungen vorzuuehme». *
Ich bitte Sie indessen, einstwe le» den hierin ert- haltrnen Betrag als Beweis meiner Gunst annehmen zu wollen." Mit diesen Worten legte er eine Brieftasche vor den Aufseher hin.
Allein Werner nimmt sie nicht. Es tüt im zwar wohl, daß eine Sorge und Mühewaltung bis zu seinem Herrn gedrungen ist. Tie anerkenenden Worte erfreuen ihn, aber ein böser Geist bringt ihm in dem nämlichen Augenblicke jene Bemerkung wieder in die Erinnerung: „Man kann den junge» Man» h klein halten!".....
Seine Lippen pressen fich aufeinander uud sein Blick umdüstert fich. Doch er fühlt, daß er irgend etwas sagen maß, daß seine Weigerung eine Erklärung erheischt. So dankt er kurz und fügt hinzu:
„Ich habe uur getan, was ich als meine Pflicht ansah — die Leute sollen fich nicht zuflüstern: ich habe ihnen den W-g zum Rechten gezeigt, um des Lohnes will-«."
„Was das anbetrifft," versetzt der alte Heer, so werden dieselben niemals etwas davon erfahren. Teilweise aus eben dem Gründe habe ich augenblicklich von einer Beförderung abgesehen — ich glaubte, Ihre Gefühle zu erraben.
Was aber die Ablehnung jeg ichen Danketbeweises ar-geht, so ist diese schwer begreiflich. Ich bin nicht gtree jemanden in dieser Art verpflichtet und möchte wfle', ob ich Ihr Verhalten ausschließlich edlen Beweggründen zuzuschreiben habe oder ob darselbe nicht vielmehr ganz und gar sein-» Gl und in der eigen- tömfiHHi Stimmung hat, welche Sie seit längerer
Bemerkenswert ist ferner diealteBibliothek, ein Gebäude, mit einem Turm versehen, in welchem im Jahre 1541 im Auftrag Kaiser Karl V. das Religionsgespräch zwischen Dr. Eck und Melenchton stattfand. Sodann erwähnen wir noch das Goliathhans; bin Bischofs- Hof mit der porta praetori», den Herzogshof und die steinerne Brücke, welche Regensburg mit Stadtamhof verbindet. Sie ist 304,5 Meter lang, 5,5 Meter breit, besteht aus 16 Schwibbögen und galt im Mittelalter als eines der größten Bauwunder. Hinderlich dem fich immer mehr ausdehnenden Schiffsverkehr, soll dieses Wahrzeichen Alt-Regensburg den modernen Bedürfnissen zum Opfer fallen; wann der Zeitpunkt herangekommen fein wird, an dem ihre Abtragung erfolgt, ist noch nicht bekannt.
Endlich darf die herrliche, die ganze Stadt umgebende Allee nicht mit Stillschweigen flbetgangen werden. In ihr find fast sämtliche Regensburger Denkmäler enthalten. Bei glühender Sonnenhitze beschatten hochragende Bäume der Allee die Pfade des Spaziergängers, welcher fich noch des Tages Mührn und Lasten in Gottes freier Natur ergehen möchte und machen ihm die Promenade genußreich und angenehm.
Die Besucher der diesjährigen Katholiken- Versammlung in Regensburg werden die berühmte, geschichtlich merkwürdige, gastliche Stadt lieb gewinnen und fich immer wieder dahin gezogen fühlen.
Also:
Auf nach Regensburg!
Berlin, £ea 1. August 1904,
* Z«m Fall Mirbach geht den Blättern eine Erklärung zu, in der die Vertreter des Evangelisch- Kirchlichen- Hilfsvereins mit seinen Zweigvereinen und des Evangelischen Kirchenbauoereins den Oberhofmeister Freiherrn v. Mirbach in Schutz nehmen. Es heißt darin:
„Als seine Mitarbeiter können wir vor der Oeffent- lichkeit alS berufene Zeuzen dafür ent treten, daß er (Frhr. v Mirbach) im großen und kleinen stets als Ehrenmann gehandelt hat, und daß ihm für feine von den edelsten Beweggründen geleitete, vorzugsweise den Armen und Gedrückten im Volk dienende Tätigkeit dankbare Anerkennung seitens der evangelischen Kirche und des ganzen Landes gebührt. Die Mittel zu dieser umfassenden Liebestätigkeit sind durch Sammlungen beschafft worden, bei denen fich Frhr. v. Mirbach in hervorragender Weife beteiligt hat. Die Einzelheiten seiner Sammeltätigkeit find unS nicht vollständig bekannt und find daher von uns nicht zu vertrete», aber wir können aI8 berufene Zeugen dafür eintreten, daß in den sechzehn Jahren enger Arbeitsgemeinschaft uns kein tatsächlicher Anhalt für das Urteil vor Buge» getreten ist, daß den zahlreichen, unseren Vereinen durch ihn zugewendeten Gabe« ein Makel anhafte, insbesondere, daß dieselben teilweise durch Zusagen von Auszeichnungen erlangt worden seien. Wir beklagen es, daß d e öffentliche Meinung fort und fort eine persönlich verletzende Haltung einnimmt und wünschen im Jnter- effe unserer BereiuSarbeit dringend, daß über einige in
Zeit gegen ihre Vorgesetzten lähren — die zu verbergen Sie fich zwar die größte Mühe geben."
Sr läßt fich erschöpft auf einen Seffel nieder und fieht erwartungsvoll auf. Endlich spricht Werner:
„Ich glaube, eS ist jetzt nicht die richtige Zeit, nm vergangene Dinge zu erörrern."
Dock gedrängt, gedenkt Werner unumwunden jener Vorfalles. Ja ehrerbiettg hi flichem Tose stagt «:
»Hobe» Sie wirklich so rnbezllg auf mich gesagt?"
»Ich könnte Ihnen entgegenbalten: Sie hotten tut Recht, von meinen Worten Rechenschaft zu verlangen", antwortete Bruait in sehr ernstem Tone. „Allein ich will es nicht tun, denn tch ve-ankaßteSie zum Spreche». Offen und rhne Uwschwe se erwidere ich Ihnen daher: „Ja, ich habe so gesagt! und zwar zu einer Z-it, wo wir beide — der Inspektor und ich — Grund zu haben glaubten. Damals schienen Sie Ihre Stellung in der Tat zu verkennen. Jetzt ind Sie glänzend gerechtfertigt, denn Ihr Einfluß auf die Arbeiter hat fich zu Gunsten des Houses bewährt. Antworten Cie nun, bitte, auf meine Frage: Hatte ich Recht, mit meiner B rmutung — deutete ich Ihre Beweggründe hinsichtlich Ihrer Weigerung vorhin richtig?"
„Tellweise ja", gibt Werner beklommen zurück. „Uebrigens ist das Bewußtsein, meine Pflicht nach besten Kräften erfüllt zu haben und Ihre Anerkennung mir m der Tat Lohn genug."
„Diese Ansicht ist schön, allein wir sollen den Beweis des Tanke», wenn er aus warmem Herze» geboten wird, auch schlicht und einfach entgegennehmen. Jedenfalls ist es stets klug, so zu handeln."
„Ich bin jung und stark, und Magda, meine Fran, tst emfig, tätig und sparsam — wir können beide arbeiten."
„Gewiß, ich zweifle nicht daran. Immerhin sollen wir der Z,it xelenke», wo vielleicht — doch lcffe» wir da- jetz^" . . . nuterbriLt Herr Brunn seine Rede und sch ebt die Brieftasche in ein besonderes
der Oeffeutlichkett besonders scharf betonte Fragen gerichtlich oder amtlich sichergestellte rasche Klärung, fowett dteS nicht bereits geschehen ist, herbeigeführt werden. Hierzu rechnen wir insbesondere den Verbleib deS nicht zur Abholung für den Kirchenbauverein gelangten Teiles deS Guthabens bei der Ponrmerubank, worüber Frhr. v. Mirbach selbtt Auskunfl zu geben nicht im Stande ist. Gegenüber, der von den verschiedensten Stimmen in drängendem Ton ausgesprochenen Meinung, daß daS öffentliche Wohl daS Ausscheide» deS Frhr. v. Mirbach aus seiner bisherigen Wirksum- keit erfordere, sprechen wir auf Grund unserer umfassenden Kenntnis der Sachlage den Wunsch und die Hoffnung auS, daß der hochverdiente Mann, welcher zur Linderung der äußeren und tonet en Not unseres Volkes so viel geleistet hat, dieser Tätigkeit noch lange erhalten bleibe."
Diese Erklärung besagt im Grunde recht wenig. Die Ehrenhaftigkeit des Freiherrn v. Mirbach ist gar nicht angezweifelt worden. Da die Einzelheiten der Mirbach'schen Sammeltätigkeit den Unterzeichnern der Erklärung nicht vollständig bekannt sind, werden fie wohl auch nicht beweisen können, daß nie Gaben durch Zusagen von Auszeichnungen erlangt worden sind. Es ist überdies auch gar nicht behauptet worden, daß dies der Fall sei, sondern nur, daß Auszeichnungen als Belohnung für Gaben verliehen worden sind. Ueber die 325,000 Mk. wünschen ja auch die Unterzeichner noch weitere Aufklärung. Was den Wunsch angeht, Freiherr v. Mirbach möge seiner bisherigen Wirksamkeit noch lange erhalten bleiben, so müssen wir es natürlich den berufenen Stellen überlassen, ob sie sein Wirken mit den Interessen der Monarchie und der Kirche vereinbar finden wollen. Uns liegt nichts an seiner Person. — Ein Blatt will übrigens wissen, daß das „Konto K" nunmehr auch den Gegenstand eifriger Nachforschungen der Staatsanwaltschaft bildet. Es hätten bereits mehrfache Vernehmungen in der Angelegenheit stattgefuvden, die den Schluß zulaffen, daß schon in diesen Tagen neue Ueberraschungen bevorständen. Sicher darf man darauf rechnen, daß die Herren Schultz und Romeick Gelegenheit haben würden, nun auch ihrerseits zur Aufklärung der Angelegenheit beizutragen.
() Der Prozeß des Potsdamer Offizierkorps gegen den Freiherrn v. Schlicht (Grafen Wolf-Baudisfin) wegen seines Romans „Erstklassige Menschen" ist, wie aus Dresden gemeldet wird, bis zum kommenden Herbst vertagt worden, da der angeklagte Schriftsteller wegen eines körperlichen Leidens gezwungen ist, zunächst einen längeren Aufenthalt in Karlsbad zu nehmen.
* Die Reichsjustizkommission für die Reform des Strafprozesses hat die erste Lesung der zu ihrer Bearbeitung und Beratung überwiesenen Fragen erledigt. Die Ergebnisse werden den Einzelregierungen zur Vorlage und Prüfung unterbreitet werden, wenn die Ergebnisse der zweiten Lesung vorliegen und ihre Verwendung i» einem vorläufigen Entwurf gesunden haben. Die Reichsjustizkommission wird zur zweiten Lesung im Okttber zusammentreten.
* Der „mäßigende^ Fisk«s. Die,Berl^ Korr/ hat behauptet, der FiSkuS wolle die Berg- werksgesellschast Hibernia hauptsächlich deshalb erwerben, um in der Lage zu bleiben, einen
Fach seines Schreibtische-. „Gibt es vielleicht eine andere Gunst, um welche Sie mich aniprechen möchten ?"
„Ja, ich halte schon darum bitten wollen. Ich habe ein Geschäft in der Stadt, »rh möchte gern einen Nachmittag daraus verwenden."
„Mr Ihnen selbstverständlich hiermit bewilligt ist. Ich wünschte jedoch, Sie bätte» mich lieber um nichts gebeten, a?8 um eine solch' geringfügige Sache. Auch dieses läßt mich sühlen, Latz Sir meine U-ußerung «och immer nicht vergessen haben."
ijr winkt mit der Hand, und Werner geht ans di« Türe zu. Unter btt Einfassung aber bleibt er zögernd stehen und sieht noch einmal zurück — fieht nach dem we'ßen, von Kummer gebe«g!en Haupte . . . Es zuckt in (einem Gesichte, der trotzige Sh» ist gebrochen Schnell durchschreitet er dar lange Zimmer, tritt vor feinen Chef hin und sagt leise:
„Vergeben Sie mir — ich konnte nicht anbei8.
Herr Brunn erwidert nichts, ober er nickt gewahrend, re!cht ihm die Hand lud blickt ihn lang: und herzlich an . . .
I» diesem Augenblick fühlt Werner fich reichlich belohnt. Er umfaßt d-e Rechte des milde» Greises mit festem Druck — ja, wenn ihn nicht fein einfacher, mannhafter Sinn zuinckhirlt, so würde' er dieselbe an s ine Lippen ziehen."
4 Kapitel.
Ei» Nachmittag in der kleinen Schenke
Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm, Waren Kisten uud Kasten schwer;
Als ich wiederkam, als ich wiederkam —
War alles leer!
Wohl die Schwalbe lehrt, wohl die Schwalbe kehrt, Uud der leere Kasten schwoll;
Ist daS Her, geleert, ist das Herz geleert, Wird's nicht mehr voll
Keine Schwalbe briugt, keine Schwalbe bringt
Die zurück, wonach du weinst;
Doch die Schwalbe singt, doch die Schwalbe singt Zm Dorfe wie einst. Fr. Rückert,