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Maer W Zeitung

BtiHihill

lotwpfe.

81. Jahrgang

Suite, Montag, den 1. August 1904.

M 173

(Nachdruck Verbote».) .

9

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Deutsch es^eich i

Noch manche wichtige historische E^igalffe wären anzuführen, um die Bedeutung Regens- burgS voll und ganz zu würdigen; wir haben noch nicht des Erbauers des herrlichen Domes, des Bischofs Leo Thundorfer, gedacht, welcher im Jahre 1276 den Grundstein legte und des gegenwärtige« greisen Bischofs des hochwürdigfien Herrn Ignatius von Seneflrey, welchem e» im Vereine mit dem kunstsinnigen König Ludwig I Vorbehalten war, durch den Ausbau der beiden 107 Meter hohen Türme von 1859—1869 das imposante Bauwerk zu vollenden. Wir möchten auch nicht Unterlasten, hier wenigstens kurz zu erwähnen, daß im 16. Jahrhunderte vom Jahre 1503—1509 daS Reichskammergericht hier seinen Sitz hatte und daß seit dem Jahre 1748 das Fürstenhaus Thurn und Taxis seine ständige Residenz in Regensburg aufgefchlagen und nicht wenig zur Blüte der Stadt im Laufe der Zeit beigetragen hat.

Das große deutsche Reich wird wohl kaum eine zweite Stadt aufweisen können, deren Ge­schichte so vielseitig und so bedeutsam in kirch­licher und in politischer Beziehung wäre, wie die Geschichte der Stadt Regensburg.

Wochesbeilage-,IllustrierteSomttagsjelttntg"

zuIdaerSctiendnlcke«

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moeatsbdiagt: „Zuldaer Geschichtsdlatter". «-"1---*-- w.

Ei»S — zwei — drei — vier — die Uhr auf dem Kirchturm von Altdorf schlägt au8, und fast gleich­zeitig mit dem letzten Schlage neben ertönt die grosse Glocke der Gießerei, jener mächtige Ruf, dem hmte wohl niemand folge» wird.

Werner fürchtet eS. Voll Unruhe will er sich eben z« dem Inspektor beaeben. da hörte er zahlreiche, dumpf ausstampfende Schritte herannahen . . es rst der gewohnte Laut von den schweren, vägelbeschlagenen Schuh n dec Arbeiter. Ec wendet sich um — fein Mann fehlt — Gustav Wetzer erscheint an der Spitze, alS der erste aus seinem Posten.

Der Auffeher sagt nichts. Er weiß, welche U-ber- Windung „bj8 Kommen" jedem von ihnen gekostet hat, und er will sie für ihre treue Pflichterfüllung nicht mit anerkennenden Worten ablohne», wie man Kinder belobt, welche mit ihrem Trotz: gebrochen. In seinem Auge zucki es aber frrundlrch auf, und die Leute sehen es. Als dann am Nachmittag einer der gefährlichsten Momente in dec Tagesarbeit kommt, und sich viele um den iroyn Sessel m t seiner glühen­den Lohe scharen müsssn, da erlt Leonhard Werner mitte« unter sie. Noch einige Sekunden — die Ge­fahr ist Boi ü Der. — Durch der Saal aber geht ein Flüstern von Mund zu Mund:

»Er wird sein Wort halten ... ja, er ist in Wahrheit einer der unsrige»!" und die rauchge­schwärzten G-fichter blicken weniger fi tster dr-in und die Arme heben mit Leichtigkeit dir gewaltigen Lasten! —

Dies ist also der Verlauf des grfarchreteu TageS! Eine einzig« rroßwüttge Handl«.« hat bcwirkt, daß das dumpf brausende Getöse der Gießerei auch heute

Das Haus int Gebirge.

E.zählung aus der Gegenwart vonKlaraLötschert (Marga Brrchten.)

Zur 51. Generalversammlung der AathoUken Deutschlands in Regens­burg.

Die geschichtliche Bedeutung von Regensburg anläßlich des demnächst — in den Tagen vom 21.—25. August — dort statt- findenden deutschen Katholikentages in kurzen Zügen den Besuchern desselben vorzuführen, ist der Zweck dieser Zeilen.

Schon die Römer hatten die Wichtigkeit dieses militärisch und geographisch bedeutsamen Punktes an der Donau da, wo heute Regens­burg sich ausbreitet, erkannt. Die Anlage» ver- schiedener Befestigungen weisen darauf hin, daß die Römer gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. ein kleines aber stark befestigtes Stand- läger am Donaustrande gegenüber der Regen- mündung errichtet hatten, aus dem sich im Ver­laufe der Zeit die Castra regina herausbildete, dem sich allmählich eine Zioilstadt anschloß.

Lebten auch zur Römerzeit hier einzelne Christen, so ist der Sieg deS Christentums erst im Jahre 320 als vollendet anzusehen. Die ältesten Grabdenkmäler christlicher Bewohner der Stadt fallen in die Mitte des 3. Jahrhunderts.

Der hl. Bonifatius organisierte im Jahre 739 im päpstlichen Auftrage die bayerischen bischöflichen Kirchen, darunter auch Regensburg zu festem Diözesan- und Metropolitanverband und setzte als ersten Bischof von Regensburg den Mönch Gawibald (f 761) ein.

Mit der Absetzung des Herzogs Thasfilo II. im Jahre 788 wurden die Karolinger als Herrscher und Könige anerkannt. Doch fand keine Verschmelzung des bayerischen mit dem fränkischen Stamme statt, sondern die Selb­ständigkeit des ersteren blieb gewahrt, so daß Bayern in den Vordergrund trat, als Deutsch­land durch die Teilung des fränkischen Reiches unter Karl des Großen Erben ein gesondertes Reich geworden war. Bayern wurde in diesem Reiche der herrschende Stamm und Regensburg die Hauptstadt Deutschlands, welche her- vorragende Stellung die Stadt bis zum Jahre 911 — dem AuSsterben der Karolinger — be­hauptete.

Handel und Wandel entwickelten sich in der Folge großartig; die zahlreichen geistlichen und weltlichen Würdenträger des kaiserlichen Hofes hoben den Verkehr der Stadt und förderten deren Wachstum. Aber infolge der Kämpfe des sächsischen Kuiserbauses mit den Luitpoldingern <Bayrrn) hatte die Stadt vieles zu leiden.

Wir sehen von den vielen Belagerungen einerseits, welche traurige Spuren zurückließen und von den großen Festen anderseits, welche diese Spuren nicht auszulöschen vermochten, ab, nur da auf möchten wir Hinweisen, daß Herzog Heinrich IV. im Jahre 1002 die deutsche KönigSkroue, (Kaiser Heinrich II., der Heilige), erlangte und daß dieser Herrscher die Alte Kapelle im Jahre 1002 wieder herstellte und reichlich mit Geschenken und Privilegien bedachte.

Anreisen: Wt ein- sPittiS« petitzeN, «d« deren «am» 15 Pft Kefl«*e* He PetitzeU« 26 Pf«.; bei wieder- Holungen wir» «rtfpr Rabatt ««»ährt.

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fein Mahl wieder schweigend verzehrt haben, doch sie drängt ihn zvm Erzählt« der Vorgänge in der Gießerei.

„Unb was sagt Grüntbaler, der Jnsp.ltor, dazu ? '

„Auch er glaubt, daß die Sense für kurze Z:it beruhigt find."

»Ja, ja, er wird froh sein, daß er Dich hat," meint Magda, ihre« Man« mit verzeihlichem Stolze betrachtend. „O Leonhard, wie froh bin ich für Dich! Deine Stellung ist ohnehin schwierig und verantwort­lich, und wenn mm »och dergleichen Unannehwlichkeitea h nzukomwen, dann ist dieselbe ja ganz unerträglich. Der Bkfitzer der Gießereifitzt ruhig in seinem Geschäfts­zimmer und weiß nicht, waS «8 heißt, so tote Tu etunee für Stunde und Tag für Tag unter de« Arbeitern stehen und ihre finsteren Gesichter sehen zu. . ."

„Ja — und ihre Bemerkungen einst ck n zu müssen! Nein, er weiß nicht, tote Weh daS tut Aber dafür hat er wohl andere Sorgen. Davon bleibt kein Mensch verschont." , ,

„Gewiß mcht; doch auch sie habe« ihr Gutes. Warte, Leonhard — willst Du nicht »och einen Bl ck auf unsere« kleinen Schützling werfen, ehr Du gehst? Es ikt Dir doch recht, daß ich daS Kind ausgenommen?'

„Gewiß, laß uns immer tun, was wir könne«. Es wird unser« Snobe« nur Glück bringen."

Mein Annchen liegt auf MagdaS Bett, das schmale Gesichtchen seitwärts in der Hand ruhend. Nur einen fljchtige» Blick wirst Werner aus daS Sind s-ineS GeqneiS, bcnt läßt er gedankenvoll die Vorhänge wieder zusall'N. .

Eine Woche später verbreitet fich in Altdorf die Nachricht, daß Herr Brunn von ferner Reise zurück- gekebrt sei. .

Schn« am folgende» Tage erscheint er t« der Gieß-rei. Nachdem er von dem Inspektor und Werner begleitet schweigend die Runde remacht, befiehlt er, die meisten Arbeiter aaf einig? Mwmen zusammen- kommen zu lassen.

Berlin, be<30. Juli 1904.

* Der Brief des Herzogs Ernst Günther z« Schleswig Holstein, den wir am Samstag veröffentlichten, hat die Frage nach dem Verbleib der von Herrn v. Mirbach quit­tierten 325,000 Mark aufs neue in den Vordergrund des allgemeinen Jntereffes gerückt. Wie ein Mitarbeiter ves ,Berl. Lot.-Anz.' an einer einwandsfreien Stelle erfahren haben will, hat fich die Sache wie folgt abgespielt. Nachdem die ersten ungünstigen Nachrichten über die Pommernbank in die Oeffentlichkeit gedrungen waren, erschien Frhr. v. Mirbach, der davon Kenntnis erhalten hatte, am 28. Dezember 1901 im Privatkontor der Herren Schultz und Romeick. Er sagte ihnen ohne Umschweife, was ihn hin- geführt. Er habe gehört, daß es mit der Bank nicht mehr zum besten stehen solle, und er erkläre ihnen deshalb, daß er von dem ihm eingeräumten Guthaben keinen Pfennig mehr in Anspruch nehmen werde. Beide Direktoren baten Herrn v. Miebach darauf, er solle jenen Mitteilungen doch kein allzugroßes Gewicht beilegen. Allen­falls handle es sich um kleine augenblickliche Schwierigkeiten, deren die Bank zweifellos bald Herr sein werde. Zu irgend welchen Besorg­nissen läge jedoch keinerlei Ursache vor, und Heir o. Mirbach möge nur unbedenklich über sein Gut­haben — bekanntlich das Konto „K.“ — ganz nach Wunsch verfügen. Herr v. Mirbach wieder- holte, daß er von diesem Guthaben jetzt nichts mehr wiffen wolle. Darauf hielten die beiden Direktoren mit einander kurze Zwiesprache, und gaben dann vormals ihrem Bedauern Über den

AIS eine glänzende Erscheinung auf dem bischöflichen Stuhle in Regensburg tritt uns der hl. Bischof Wolfgang entgegen, deffen Sarkophag in der Westkrypta von St. Emmeram beigesetzt ist; er ist Patton der Diözese Regensburg.

Im Oktober 1052 weilte Papst Leo IX., welcher eine Zusammenkunft mit Kaiser Heinrich hatte, in Regensburg; Leo e«hob die Gebeine des hl. Erhard in Niedermünster und kon- sekrierte die damals am Platze des jetzigen Rat­hauses stehende St. Simon-JudaS-Kirche, die später alsSt.BartholomäaSkapelle bezeichnet wurde.

Wir können es uns hier wohl versagen, die vielen Reichstage, die in den bedeutsamsten An­gelegenheiten in der Stadt Regensburg, die ein häufiger Aufenthalt der deutschen Kaiser bildete, abgehalten wurden, hier einzeln unter Angabe der verhandelten Gegenstände aufzuzählen; es mag genügen, darauf aufmerksam zu machen, daß in den Jahren 1110,1156 Reichstage stattfanden, auf welch letzterem die Trennung Oesterreichs von Bayern erfolgte. Ferner dürfte nicht un- intereffant die Tatsache fein, daß unter Bischof Konrad II. im Jahre 1180 auf dem Reichstage in Regensburg die Absetzung und Aechrung Heinrich des Löwen stattgefundev und Otto von Wittelsbach das Herzogtum Bayern vom Kaiser Friedrich I. erhalten hatte. Im Jahre 1187 hielt Friedrich Barbarossa in Regensburg einen Hof- und Reichstag ab; 1207 erteilte König Philipp der Stadt wichtige Privilegien; 1213 belehnie Kaiser Friedrich II. auf einem Reichs­tage den Bayernherzog Ludwig mit der Rhein­pfalz; König Konrad, Rudolf von Habsburg, Adolf von Nassau, sie alle haben in Regensburgs Mauern teils in hochwichtigen Angelegenheiten, teils bei festlichen Hoftagen geweilt.

Auch in der Folgezeit bei veränderten Ver­hältnissen unter der Herrschaft der Patrizier, welche mit den Zünften in Streitigkeiten geraten waren, behauptete Regensburg als Sammelpunkt der Große« des Reiches immer noch seine Bedeu­tung, wenn es auch in finanzieller Beziehung durch das Ausblühen Nürnbergs und Wiens rc, sowie die Erschließung neuer Handelswege über Venedig und Genua und M Folge elementarer Ereignisse zurückgegangen »ar; denn in den Jahren 1454 und 1471 hielt Kaiser Friedrich III. Reichstage wegen der Türkenhilfe ab; weitere Reichstage fanden statt in den Jahren 1527, 1532, 1541, 1546 und 1556, 1567, 1594, 1597.

Auf dem Kurfürstentag im Jahre 1575 wurde Rudolf II. zum römischen König erwählt; im Jahre 1623 Herzog Maximilian von Bayern in der bischöflichen Residenz zur Kurfürstenwürde erhoben. — Ferner wurden Reichstage ab» gehalten in den Jahren 1600, 1607, 1612, 1640 und 1641. 1653, 1663; feit dem Jahre 1664 bis 1806 war der Reichstag permanent in Regensburg.

Als Sammelplatz der Fürsten war Regens- bürg stets auSerfeben; so fanden Kurfürfientage 1622, 1630, 1636 statt. Auf letzterem wurde Friedrich III. als römischer König gewählt und im Dome gekrönt.

zwischen der Bergwand und dem Rqeinufer fort und fort tönt tote so manches Jahr. Klein Annck-n aber, die unschuldige Vermittlerin einer großen Sache, fitzt ahnungslos unter ihre» neuen Spielg'sährten und be- wübt fich, aus einem Hölzchen und bunten Zeug- stückcken etwas berzustellen, das einer Pupp- gleichen foll.

DaS Kind sieht niedlich nur in feinem Blaudruck, kleidchen und dem weißen Tüchlei», daS um den dünnen Ha!S geschlungen. Aber dar blass-, von dicht an­liegendem braunen Haar umrahmte Gesichtchen erregt doch tiefes MUletd Magda betrachtet es und überlegt, wie diel Zeit wohl darüber Angehen werde, bis es ihr gelungen, die mageren ©Leber gekräftigt, die bleichen Wangen gerötet zu fehe«. Sie fetzt ein großes GlaS Milch vor Annchen, wchrt de» lärmen­de» Knaben und kehrt an ihren Nähtisch am Fenster zurück. Doch ihr Blick versenkt fich grübelnd in chr Inneres, die Häud- tleiben müßig im Schoße liegen.

Was mag nur mit Leonhard fein ? Alle im Dorfe rühmen ibn und fp.eche« von feiner Nachsicht und Freundlichkeit — gegen fie alle n ist er fv sonderbar — nein, ganz und gar nicht freundlich! Diese Ver­änderung Dotiert seit der letz en Zusammenkunft im „Salm erifi cher".

Und Magda stützt den Kopf in die Hand und sinnt nach, ob fie ihrem Manne vielleicht Grund zur Unzu­friedenbeit gegeben. Allem fie kann nichts finden. Seine Kleider find stets in Ordnung, die Mahlzeiten pünktlich und fchmackhast zubereitet gewesen. Auch hat fie während seiner kwzen Anwesenoeit alle geräusch­volleren Arbeiten im Hanihalte stets beiseite gelasien, um sich ganz ihm zu widme«, auf seine Interessen eingehen zu könne«. Nein, fie trägt keine Schuld an seiner Verstimmung WaS iS aber auch fein mag, fie will ihm unbefangen und herz tch entgegmkommen, vielleicht daß er ibr dann in einer guten Stunde von selbst wieder fein Vertraue» schenkt.

Indem tritt Werner ein. Magda begrüßt ihn und ordnet Heller die dampfenden Schüsseln auf dem be­reits gedeckte« Tisch Auch hewe wlrde ihr Man«

Entschluß des Oberhofmeisters, der von eine1 ganz unnötigen Sorge eingegeben wäre, Ausdruck. Da aber Herr v. Mirbach durchaus auf seiner Absicht bestehe, so wollten fie denn das Konto „K." löschen. Um dies kaufmännisch korrekt ausführen zu könne», mußte Herr v. Mubach über den Empfang vov 325,000 Mk. — dem auf Konto „K.“ stehenoen Guthaben — quit­tieren. Herrn v. Mirbach leuchtete ein, daß die Bank über den „Ausgang" dieser Summe einen Beleg haben müsse. Die Direktoren fertigten abermals ein QuittungLschema aus, überwiesen eS Herr« v. Mirbach, und dieser unterschrieb, in dem festen Glauben, uur einer Formalität genügt zu haben, und froh und beruhigt, daß er nicht mehr ein Guthaben der Bank fei. In welcher Weise die Herren Schultz und Romeick die 325,000 3Jlt. dann verwendet haben, darüber bürften fie nun Gelegenheit erhalten, unter ihrem Eide auszusagen. Auch diese, allem Anschein nach von Frhrn. v. Mirbach selbst her- rührende Darstellung gibt keine ausreichende Er­klärung dafür, wie er dazu kam, über 325,000 Mark zu quittieren, die er nicht erhalten hatte Ein fo unkundiger Geschäftsmann, als weichet er hier erscheint, ist er dock kaum.

* Mit dem Königsberger Prozeß be­faßt sich in ihren „Rückblicken" auch die,Nordd. Allgem. Ztg/ Es dürfe, sagt sie, durch die Königsberger Gerichtsoerhandlungen als festge- stellt betrachtet roercev, „daß die deutsche organi­sierte Sozialdemokratie, welche die Angeklagten als ihre Werkzeuge benutzten, eine unmittelbar gegen die jetzige Staatsordnung Rußlands ge­richtete Tätigkeit entfaltet hat, wobei das volle Bewußtsein vorhanden war, daß diese Tätigkeit notwendig zu einer Entfremdung zwischen Ruß­land und dem deutschen Reiche, wenn nicht zu ernsten Differenzen führen müßte." Eine solche Verhetzung Rußlands gegen Deutschland paffe auch im übrigen vorzüglich zu dem sozialdemo- kratischen Programm, da durch einen Umsturz in Rußland die Sache der deutschen Umsturzpartei nur gefördert werden könne. Daß von einer solchen herausfordernden Einmischungspolitik das deutsche Volk in seiner erdrückenden Mehrheit nichts wiffen wolle, bedürfe keines näheren Nach­weises. Das ist richtig. Uns scheint aber auch, daß der überwiegende Teil des deutsche« VolEes nichts wiffen will von übertriebener Liebedienerei der deutschen Behörden gegen Rußland.

* Die zur ReichSkaffe gelangte Jstein- ' nähme, abzüglich der Ausfuhrvergütungen rc. und der Verwaltungskosten beträgt für die Zeit vom 1. April biS Ende Juni bei den «achbe- zeichneten Einnahmen: Zölle 108110753 Mk. (— 3235 795 Mk), Tabaksteuer 2369145 Mk. (4- 98105 Mk.) Zuckerfleuer 33 959 317 Mk. (+ 4681160 Mk.), Salzsteuer 12648972 Mk. (4- 454122 Mk.), Maischbottichsteuer 715 047 Mk. (4- 1492 726 Mk.), Verbrauchsabgabe für Brannt- wein und Zuschlag 29 974 366 Mk. (— 1 102959 Mk.), Brennsteuer 787 624 Mk. (+ 40 931 Mk.), Schaumweinsteuer 975 582 Mk. (+ 76 214 Mk.), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 7 613496 Mk. (— 40501 Mk.), Summa

Dann hält er eine kurz» Ansprache an die Leute, nicht wie sonst, in jtnem halbväterlichen, halb leut­seligen Tore, welchen fie an ihm gewohnt find, son­dern ii liefern Ernste. Wie anders klingt doch seine Stimme gegen die kräftiae, jugendfrische Stimme des Aufsehers! Heute liegt zudem etwas seltsam Er- greisendrs darin, und erstaunt, forschend blicke« Me Männer nach dem Türei.^gange hin, in welchem der Greis steht.

Ohne längere Einleitung geht Herr Brunn auf daS über, waS fie alle in den letzten Wochen be­schäftigt hat. Er sagt, daß er ihre Wünsche inbetresi deS Lohnes kenne, und daß e8 keiner Antragflellung ihrerseits bedürfe, um eine Entscheidung herbeizuführe«. Seine Antwort fei jetzr, wie fie auch in einigen Wochen fein werde: ein entschiedenes nein.

Dagegen werde die e- hoffte und ost in Aussicht ge­stellte Aufbesserung mit Bestimmtheit von dem erste« Tage deS neuen Jahres an in Kraft treten. Außer­dem fhbe ihr Plan: die Gründung einer Sparkasse, sowie eines Vereins zum vorteilbafteren Einkäufe der Lebensrnittel feinen vollen Bestall. Zum Beweise daiür werde er ihnen durch den Inspektor für beide Ein­richtungen einen namhaften Betrag al- Grundlage übergeben lassen. Arch anderweitige Berbesse unge» würden noch im Laute des Winters für fämrl'cke Arbeiterfamilien ins Werk gesetzt werden; für jetzt aber sehe er fich genötigt, außer de« genannten zu stiftenden Summen die Dinge beim alten zu lasse--.

„Ich habe mich stets bemüht, Euch ein guter und gerechter Herr zu fein,* schließt Herr Brunn mit be- wegter Stimme, „und werde er auch ferner bleiben. Aber es gibt Zeiten im Leben, in welchem sogar für d-n eifrigsten Geschäftsmann die Angelegenheiten seines Besitztums etwas in den Hintergrund treten, für eine We-le wenigstens, Zeiten und Ereignisse, welche in ihn traurigen Art dos Herz so ganz und gar erregen, daß Kops «i d Sinne sich fast mit nicht« anderem zu beschästige» vermögen. Vertraut daher fest auf meine Worte, meine Fremde, ich Wabe Eurer und de-