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172.
Fulda, Samstag, deu 30. Juli 1904.
BL Jahrgang.
* Zur Verstaatlichung -er ttohlen- bergroeite.
Die preu ßische Staatsregierung ha! der Bergwerksgesellschaft Hibernia zu Herne i. SBeflf. für die Abtretung ihres Unternehmens an den Staat folgendes Angebot gemacht: Es sollen gewährt werden für je 3000 Mark des 53 500 000 Mark betragenden Aktienkapitals der Bergwerksgesellschaft Hibernia StaatSjchuldver- fchreibungen der dreiprozentigen konsolidierten Staatsanleihe zum Nennwerte von 8000 Mark mit Zinsscheinen für die Zeit vom 1. Januar 1905 ab. Verwaltung und Betrieb der Gesell- schäft soll, wie der .Reichsanzeiger' meldet, vom 1. Januar 1905 ab für Rechnung des preußischen Staates geführt werden. Der Umtausch der Aktien gegen Staats schuldoerschretbungen, del Uebergang des Eigentums der Gesellschaft au den preußischen Staat sowie die Auflösung der Gesellschaft erfolgt am 1. des zweite« auf die Perfakcwn des zwischen dem Staat und der Gesellschaft abzuschließenden Vertrages folgenden Monats, frühestens am 1. Januar 1905. Der Gefchäftsgewinn der Gesellschaft für das Jahr 1904, wie er sich nach den gesetzlichen und statutarischen Bestimmungen sowie nach den seither beobachteten Bilanzgrundsätzen ergibt, verbleibt der Gesellschaft zur Verteilung nach Maßgabe der bestehenden Berechtigungen.
An der Berliner Börse eröffneten heute Hibernia-Aktien sofort mit 239.50 Prozent, also 8'/r Prozent über dem gestrigen Schlußkurs, x-gen im Laufe deS Verkehrs auf 243 Prozent an und schwankten dann ungefähr auf diesem Niveau. In der Erhöhung drückt sich offenbar die Meinung aus, daß der Wert der Aktien höher sei, als er im Angebot der Regierung zum Ausdruck kommt, und es hat den Anschein, daß sich unter Aktionären der Gesellschaft eine Gegnerschaft gegen die Annahme der Staatsofferte einstellen wird. Es scheinen aber auch Deckungskäufe solcher, welche die Aktien in bianco verkauft haben, zu der Steigerung mit beige* tragen zu haben.
Die Dresdener Bank war über die Absichten der Regierung unterrichtet. An der Börse scheint viel Verdruß zu herrschen, daß die Sache geheimgehalten und noch einen Tag vor Bekanntmachung der Verstaatlichung die Regierung das Vorhandensein einer solchen Absicht bestritten hat. Daß ein Käufer da sei, hatte man aus den Kaufen der Dresdener Bank geschloffen. Daß aber der Staat der Käufer sei, hatte mau um so weniger vermutet, als der Handelsminister ein ausgesprochener Freund des Syndikats ist und das Zechenstillegen mit all den vom Syndikat dargedotenen Scheingründen zu entschuldigen
pfieste. Man ist sogar auf die Jesuiten als Käufer verfallen. Dle .Krevzztg? schreibt darüber: «Da die Börse im Handelsminister nicht den Käufer vermutete, riet sie immer wieder aus die jetzt bekanntlich überall herausschauenden Jesu ten. Man «weiß-, daß die Jesuiten die eigentliche» Besitzer der Thyffenschen Millionen sind, daß sie ein preußisches Königs schloß kaufen wollen, überhaupt sich schon alS dre eigentlichen Herren im Lande geberden. Da lag es nahe, auch an die „Verkirchlichung" (oder Jesuitisirung) der preußischen Kohlenproduktion zu denken. Und man wird sich durch die Verstaatlichung nicht irre machen lassen. Ein richtiger Jesuttemürchtrr muß den Staat nur für den Kommissionär des Jesuitenordens halten.-
Am 26. Juli bat der Aufsichtsrat der Hibernia beschlossen, eine Erhöhung des Aktienkapitals von 53 Vs auf 60 Millionen Mark (also um 6 Vn Millionen Mark) bei der auf den 27. August einberufenden Generalversammlung zu beantragen. Da seit einiger Zeit durch die Dresdner Bank auffallende Käufe in Hibernia- aktien ausgesührt wurden, lag für den Vorstand der Gesellschaft die Annahme nahe, daß irgend jemand das Unternehmen anzukaufen und sich zu diesem Zwecke einen möglichst großen Einfluß auf die GeneraloersammlunLAu sichern beabsichtige. In der Erhöhung des Akttentapitals hat man also einen Gegenzug der Verwaltung, jedenfalls aber die Absicht zu erkennen, dem Käufer das Objekt zu verteuern. Diesem Plane nut die Regierung durch die Veröffentlichung ihrer Offene mit Erfolg entgegen.
WaS das Angebot selbst betrifft, jo tst es für die Aktionäre günstig; es bedeutet einen Aktienwert von 240 Prozent, den 3 proz. Konsol zu 90 Prozent gewährt.' Hibernia- aktien haben Mlimo 1889 zwar 244,50 notiert, am Ultimo der folgenden Jahre aber zwischen 101,80 und 221,60 geschwankt. Am 1. Juli 1904 notierten sie 208,50, uns die staatlichen Käufe erhöhtes den Kurs gestern auf 230 Proz. Da die Kohlenkonjunktur entschieden im Niedergang begriffen ist, muß das Angebot einer 8 proz. Rente als „äußerst anständig- bezeichnet werden.
Die Regierung setzt mit diesem Ankauf die Verstaatlichungsaktion fort, die im Ruhrgebiet durch die Erwerbung einiger Kohlenfelder aus Thyffenschem Besitze eingeleitet worden ist. Hibernia ist die größte Bergwerksgesellschaft rm Ruhrbezirk. Sie hat im rheinisch-westfälischen Kohlensyndikate eine Betelligungsziffer von 5416 500 t, während Gelsenkirchen 7698000 t und Harpen 6 770000 t haben; die viertgrößte Gesellschaft ist Nordstern mit 2 740000 t Beteiligung. (Die Gesamtproduktion des Syndikats ’>ettug am i. Juni 73366633 t. Seitdem sind einige kleine Zechen hmzuzekommen.)
Berlin, den 29. Juli 1904.
♦ Herzog Ernst Günther z» Schleswig - Holstein - Augustenburg, der Bruder der Kmserin, hat in dec Mirb ach - Angeleg en- heit an den Geheimrat Budde, Direktor der Berliner Hypotheken-Altiendank, nachstehendes Schreiben gerichtet: „Gewisse Blätter haben versucht, mich mit der Affaire der Pommerschen Hypoihekenbank in Verbindung zu bringen. Ich habe mich infolgedessen veranlaßt gesehen, einleitende Schrille zu unternehmen, um auf gerichtlichem Wege argen tie Verbreitung solcher Gerüchte über meine Person vorzugehen. Prozesse gegen die Pnffe habe ich bisher zu vermeiden gejucht, da bei einer Verurteilung meist die eigentlich Schuldigen nicht getroffen werden. I« diesem Falle könnte jedoch eine Angelegenheit vielleicht schneller geklärt werden, in der es im allgemeinen Interesse dringend geboten erscheint, daß möglichst Licht über alle Punkte verbreitet wird. Ich darf wohl annehmen, daß Euer Hochwohlgeborner Wunsch mit dem meinigen in dieser Richtung übereinstimmt. Was meine Person betrifft, so habe ich sowohl bei Hofe wie in meinen Bekanntenkreisen niemals ein Hehl daraus gemacht, daß ich ein Gegner der Art und Weise sei, wie Herr von Mirbach freiwillige Spenden veranlaßt hat. Ich habe ferner die Pommersche Hypothekenbank von Anfang an als ein Bankinstitut bezeichnet, das wenig geeignet sei, in näherer Verbindung mit dem Hose zu ft Herr. Ls ist daher auch ebenso töricht als unwahrscheinlich, mich mit der Pommernbank in irgend eine Verbindung zu bringen. Selbstverständlich habe ich unter diesen Umständen niemals irgendwelche Beziehungen weder zur Pommernbant oder zu ihren Leitern Herren Schultz & Romeick gehabt. Hatte doch schon der Zusammenbruch der Preußischen Hypotheken-Akttenbank gerade in Niederschlefien einen besonders ungünstigen Eindruck hinlerlaffen, wo eine Menge wenig vermögender Leute ihre Spargroschen einbüßten. Durch die Gerichtsverhandlung im Prozeß der Pommerschen Hypothekenbank ist der Verbleib derjenigen 325 000 Mark nebst Zinsen nicht klar gestellt worden, über die Herr von Mirbach quittiert hat, ohne sie jemals empfangen zu haben. Auch Ihr jüngst veröffentlichter Briefwechsel mit Herrn v. Mirbach hat darüber eine Klarheit nicht geschaffen. Es ist dringend wünschenswert, daß die Empfänger dieses Geldes sestgestelll weroen." — Die Dinge gestalten sich also für den unerschütterlichen Oberhofmeister immer ungünstiger. Deine Sammelm-.thode ist von dem Bruder der Kaiserin selbst bekämpft worden, dernoch hat er sie fortgesetzt. Vor der Pommernbank ist er gewarnt worden, dennoch
va§ Haus im Gebirge.
Erzählung aus der Gegenwart von Klara Lötschert (äRarga Brechten.)
8 ------ (Nachdruck verboten.)
Ich «riß, auch die beste Frau ist einmal launisch und verstimmt; aber sie wird es nicht oft fein, wenn der Mann ste richtig zu bebandrln versteht und auch ihr tragen Hilst. Denn auch ihre Last ist schwer, ott weit schwerer, als die des Mannes. Auf ihm ruht die eine große Sorge für die Ernährung der S inen. Ist diese gesichert, so verrichtet er seine Ar bett me.st mechanisch — die Verantwortung dafür sek-em Dienstherr» überlassend. Die Frau dagegen m.. rliegt fast unter den hundert kleinen Sorge«, we he das Hauswesen mit sich bringt. Sie muß tai-er denken, darf nimmer rasten. Sie schafft vom stü' m Morgen an, bis zu der Stunde, da der Mann hev'kehrt, um — nach einem hastig und verdrossen ring nommenen Abendessen, vielleicht noch ins Wirts- Ha«-. zu eilen! Wißt Ihr, wie sich die Ärmste bei einem solchen Leben Vorkommen muß? So, als ob ste nicht die Gefährtin, sondern die Magd ihres Mannes sei. Kein Wunder, wenn sie ihm dann keine Liebe mehr zeigt. Ec hat ja auch keine für sie.
Meine lieben Freunde und Mitarbeiter! Laßt das von jetzt an anders werden! Wenn wir hier übereingekvmmen find, wie jedem von Euch zu helfen ist, so weiht unsere Frauen in unsere Pläne rin. Ueberliegt mit ihnen, wie und woran gespart werden kann. Bleibt die meisten Abende zu HauS! Die Zett, die für Euch der Feierabend ist, die soll auch in Eurer Familie eine wahre Feierstunde sein. Ächtet freundlich auf die Herzählung von den Mühen deS TageS, spielt mit Euren Kleinen und gebt acht, wie sie Erch tüchtig bewillkommnen werden, wenn nur Euer Schritt im Hamflur eriönt. Macht es nicht tote jener Amerikaner, von welchem ich einmal las. Der war so wenig daheim, daß ihn die kleinsten von seinen
Kindern kaum kannten. LlS er nun einmal den Jüngsten gestraft hatte, lief dieser weinend zu seiner Mutter. Die Frau fragte: „Adolfchen, hat Dir jemand etwas getan?" „Ach", klagte der Junge, „der Mann, der Sonntag» bei unk ißt, hak mich geschlagen." —
„So spaßhaft dieser Bericht auch Hingen mag, eine so ernste Mahnung liegt darin. Also widmet Eurer Familie mehr Zeit, damit sie Euch kennen, bochachren und lieben leint: als Gatten und Baier! Unternehmt aber des Sonntags nach dem Gottesdienste mit den Eurigen einen Gang in Gottes freie Natur, und des Abends laßt uns dann hier im „Salmenfischer" zusammenkommen zu gemeinschaftlicher Erheiterung. An einem anderen bestimmten Tage in der Woche versammeln wir uns ebenfalls hier, um zu prüfen, wie es mit unserem Vereine lehr; aber — nicht öfter! Nicht, als ob ich Peter Gutmanns treffliches Bier verachtete — o nein! als Beweis vom Gegenteil möge er mir mein Glas noch einmal füllen; sondern weil die freie Zeit und der Verdienst des braven Mannes seiner Familie gehört. —
Meine lieben rechtschaffenen Genossen, wie bald wird es anders in Altdorf arttsehen, wenn Ihr meinen Worten folgt! Und damit Ihr nicht dentt, ich wisse bloß schön zu reden und wolle nicht mit am Werke helfen, veripreche ich Euch, daß Ihr auf mich zahlen könnt. Wie rch in der Gießerei stets demjenigen, welchem seine Last zu schwer war, im Augenblicke der Not geholfen habe, so well ich Euch auch br-rn Ordnen Eurer Verhältnisse beistehen, wenn Ihr mir Vertrauen schenken wollt. Euer Glück zu grÄnden, das soll mir am Herzcn liegen und mein festes Bestreben fein. Aber Ihr müßt auch selbst an Eurem Teil mit daran arbeiten, nicht durch trotziges Auf- beg-hren und müheloser Mehrsordern, sondern durch redlicher Streben und mannhaftes, ehrliches Ringen! Da ich selbst, so zu sagen, erst ein Anfänger bin, kann ich nur mit meinem Rate helfen, aber der soll Euch allzeit zu Diensten stehen. Kommt zu mir — bei Tag und Rocht — ich werde berett sein, denn ich gehöre zu Such! Und wenn meine Fra« — so jung
sie auch noch st — Euren Frauen einen Liebesdienst erweisen kann, so wird sie eS mit Freuden tun." —
„Sie find ein feiner Sprecher, aber auch ein wackrer Mann, Meister!" rufen die Männer wie aus einem Munde, als er seine Rede beendet, „s' .'ist eine Freude, unter einem solchen Meister zu arbeiten!" Sie treten auf ihn zu und schütteln ihm die Hand. Nur Martin Lönnec bleibt steif fitzen, trommelt mit den knöchernen Fingern auf den Boden des Zubers und sagt halblaut:
„Das glaub' ich wohl, daß er uns nicht mit Geld helfen kann — braucht nur den Agenten Löb zu fragen, dann weiß er warum. Ja, ja — mancher meint wunder?, wie klug zu sein und hat sich dann verrechnet. Hi, hi! . . . ."
In dem allgemeinen Tumult hat keiner diese Worte gehört, mU Ausnahme des Aussetzers selbst. Er steht in Löimers Nahe, und ihm hat die höhnische Rede auch gegolten.
Jetzt tritt auch Wetzer vor ftno spricht:
„Es liegt was wahres in dem, was sie sagen, Mjister. Aber es ist jetzt zu spät. Wir haben zu lackhe geduldet. Ich schlage indessen vor, ruhig weiter zu arbeiten, 618 der Herr kommt. Bis zum ersten haben wir noch eine Woche; ist der Chef bis zum Abend oeS 30. September nicht zurückgekehrt. so stellen wir am ersten die Arbeit ein — eher räch', Ihnen zuliebe! »' ist vielleicht der dümmste Streich, den ich mache, aber s' mag immerhin noch einmal sein.*- —
Es ist ein böses Wort, das der Mann da spricht, und ein bösks Beispiel, das er zu geben gesonnen ist. Werner sieht, daß die ikbrgen etn as scheu von ihm zmückireten. Er ist enttäuscht, aber nicht ohne jede Hcffnung, hat er doch einen Aufschub gewonnen, und der ist viel wert.
AiS er kurze Zeit daraus mit den meisten das HauS verläßt, fühlt er, daß fie ihm inniger anhängen, als je zuvor. Deunoeh schlägt et, in düsteres Sinnen verloren, den Weg nach Hause ein.
In der nächsten Nacht und in der ganzen folgn- den Woche plagen ihn die wunderlichsten Gedanten — Gedanken, welche Martin Anners Worte heraus-
hot er ihr den Hofbark-Titel verschafft, mit ber Herrn Schultz und Romeick enge Beziehungen unterhalten und sich von ihnen Hunde'.kaufende schenken lassen. Liebet den Verbleib der 325 000 Mark, über die er quhtieit hat, ohne sie erhalten zu haben, wünscht auch der Bruder der Kaiserin Klarheit geschafft zu sehen. Infolge der Klage des Herzogs wird diese Angelegenheit ja nun noch einmal die Gerichte beschäftigen. Vielleicht kommt nun Licht hinein. Richtiger aber wäre es gewesen, StsatSamyult und Richter in dem Pommerndankprozeffe roßten der Sache entschieden nachgegangeti.
§ Der dentsch-rnsfischeHaudelsvertrag- der am Donnerstag unterzeichnet worden ist, wird wohl geheim gehalten werden, bis er an den Reichstag gelangt. Schon vor einiger Zeit rst angekündigt worden, alle Verträge sollten womöglich dem Reichstag gleichzeitig zugehen und bis dahin Schweigen über fie beobachtet werden. Tatsächlich hat man denn auch über die bereits vor längerer Zeit abgeschloffenen Verträge mit Italien und Belgien b sher nichts gehört. Die „strengste Geheim Haltung" hindert aber nicht, daß jetzt über den deutsch rusfischen Vertrag allerlei mitgeteilt wird. Die Neugier auf den Inhalt dieses Vertrags ist eben größer al8 bei jenen beiden, weil er weitaus der wichtigste ist und bei ihm die land wirtschaftlichen Zölle den Angelpunkt bilden. Manche Blätter wissen denn auch mit der Miene eines Eingemritzten verschiedene Bestimmungen des Vertrages genau anzugeben, cb chon fie selber sogen, die Einzelheiten des Vertrages werden streng geheim gehalten. So lange man aber nichts Bestimmtes weiß, halten wir es für überflüssig, Betrachtungen darüber ar.zustellen.
* Ei« Mißverständnis ist der,Nat. Zlg/ begegnet. Der .ReichSbole' veröffentlichte am Donnerstag eine im Paftorenstil gehaltene „Fabel" v"N einem „mächtigen Könige", der zwei Söhne hatte, einen „gutwilligen" und einen „widerborstigen", und den „widerborstigen" gut, den „gutwilligen" aber schlecht behandelte. Die ,Nat. Zig.' beute'e das auf Agrarier und Industrielle. Natürlich verstand der.Reichsbote' unter dem „gutwilligen" Sohne die Protestanten, unter dem „widerborstigen" die Katholiken. Das Mißverständnis der,Nat. Ztg/ macht ihm nun vielen Spaß. Aber zeugt es nicht auch dafür, daß die „Fabel" eben nur Fabel ist? Selbst die stark „antiultramontane" ,Nat. Ztg.' ist nicht auf den G-danken verfallen, daß die Katholiken bei uns bevorzugt würden. Das glaubt ja auch der .Reichsbote' selber nicht!
() Das Verfahren gegen den der Beschimpfung der katholischen Kirche an- geklagten, zunächst auch verurteilten, schließlich aber freigesprochenen Pastor Schwarz in Baden gibt wieder einmal Anlaß zu einer Agitation auf Abschaffung des § 166 des Strafgesetzbuches. In diesem Sinne spricht sich auch Herr Julius Gmelin in ber .Christlichen Welk' aus. Dazu schreibt die .Kreuz-Zeitung': „Wir wollen
beschworen haben. WaS, in aller Wett, kann der Mann gemeint haben!
Herr Brunn, der Besitzer der Gießerei, bewohnt mit seiner Familie ein Landhaus, das nur wenige Schrttte von den Fabrtkräumen entfernt liegt. Hinter demselben führt ein Pfad nach einem Felsenvvrspruoge — im Dorfe der „rote Stein" genannt.
Von dort aus hat man einen sehr weiten Ausblick auf die Landstraße, welche von der Stadt nach Altdorf führt, — hier kann man an jedem Abend, s-it der Bersomwlung im „Salmenfischer", einen der Arbeiter Wache stehen sehen.
Am Abend des 30 Srpt-mber ist es Gustav Wktzer selbst, der Ausguck hält. Der letzte Zug talaufwärts ist schon feit einer halben Stunde vorübergebraust. Ta endlich erhebt sich eine St ubwolke — der von der Billa noch der Station gesandte Wagen ist zmückgekchit. Wtzer verläßt seinen erhöhten Standpunkt ur d schleicht sich in die Nahe der Einfahrt. Als der Wagen', chlag geöffnet wird, steigt eine Frau in schlichter niederländ scher Bauerntracht ans — ihr folgen jtoei fetnc.etieifcete Kinder in tiefer Trauer; Herr Brunn fft ober nicht dabei.
Wetzer murmelt einen Fluch — dann eilt er die Gasse hinab. ES ist schon ganz firfter, und er reimt gegen einige Arbeiter an, die gleichfalls acht gegeben haben.
„Nun?" fragt einer, „wie sieht'- anS, Wetzer?"
Er ist noch nicht da. Macht Euch keine Sorgen. Morgen ist der erste Oktober und nach mir richtet Ihr Euch! Gute Nacht!"
Die Worte lauten fest und entschlossen, ober die Stimme Hingt gepreßt. Es ist, als ob Wetzer einen Stoß erlitten hätte.
In seinem Stübchen angekommen. wirft er sich aus dar Seit. Langsam ruckt der Abend vor. Die Nacht geht in TageSgrauen über, und noch immer ist der Mann unschlüssig, welcher Stimme in seinem Innern er gehorchen soll.