MaerK Zeitung
Be^eteoaga Illustrierte Somrtoasttttnug" M-EÄ-«! „Sulöaer SeickichtsblStter".
Momtrbeüage: „Zuldaer GeschichtrbMer^
M 171
Mdf Freitag, den 29, Juli 1904
31. Jahrgang
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(Nachdruck Verbote«.)
£ h ~ daruicker wenn Ihr Eurem Sinnt folgt und eine Arbeitsein- daß jeder der in unvorhergesehene Not geraten wäre
Xe f‘Ur b,e k" stellung auch nur versucht. Zn Eurem eigenen In- ans dieser Kaffe gegen mäßigen Zinsfuß ein Darlthrn
erfordern und — man hätte am ■ tereffe hüte i» Euch darum, laßt für jetzt alle der- empfinge und \a nicht tu die Lände ^dec Wucherer schm mehr Arbei'er hier, als nötig artigen Gedanken fahren und versucht, diesen Winter fiele? V D“ W
“tn Betrieb f't 'etzen zu önnen. Es । '. och einmal orszubalten. Ihr wißt, daß Herr Brnrn - Als Werner D:e;e Worte lvrirbt bemerkt et nitfit 8 an aBbtrt” O^en wohi Leute, welche froh srm ! verreist ist. Wenn Ihr nun während ferner Adwesrn- i wie Martin Star et, welcher auf einem umgekehrten
Vp. MukLchesMiM
»Unb wenn Euer Verlangen abgeichlageir wird, waS wollt Ihr dann tun?' fragt der Ausseher.
--»Hm, — die Arbeit einstellen — daS wird schon zahm machen.'
»3s, nachdem Zhr ein paar Tage lang zugelehen hättet, müßtet Ihr allerdings daran denken. Ein reicher Mann kann eher lautende verlieren, als ein Armer eint Mark. Dann zöget Ihr fort und suchtet I mühsam das, was Ihr hier leichtstnnig aufgegeben. Gesetzt, Ihr fändet bald einen Verdienst, so wäre eS jedenfalls in einem ArbeitSzweige, an welchen Ihr nicht gewöhnt seid, und in den Ihr Euch erst mühsam einschulen müßtet. Und Sure Familien? Die säßen hier in Armut und warteten auf Nachrichten von Euch, Wohl — Ihr ließet Eure Frauen und Kinder Nachkommen, Zdr tourtet mit Schulden und vielleicht keinem Pfennig Geld in der Tasche Euer Heim an einem fremden Orte aufschlagen, wo die Wohnung und Lebensrnittel wahrscheinlich teurer wären als hier, denn auf dem Lande lebt der geringe Mana billiger und bkffer, als in der Stadt. Wer weiß auch, ob Euer Wochenlohn das, was Ihr hier erhaltet, um nur eine« Groschen übersteigen würde — für ben Anfang geroin nicht- JedenSfalls kämet Ihr in den ersten Jahren auf keinen grünen Zweig."
Werner hält einen Augenblick inne — wie ar f einen Einwurf wartend — aber keiner der Männer spricht. Al« alle still bleiben, fährt er fort:
»Ich habe Euch , un gezeigt, was geschehen wird, wenn Ihr Eurem Sinne folgt und eine ArbeitSein-
Der angebliche Zusammenhang der Kongregationen mit den Jesuiten ist es im letzten Grunde gar nicht, was den Kongregationen die Gegnerschaft unduldsamer Protestanten zugezogen hat. Er ist nur ein Vorwand, da das Wor »Jesuit" auf urteilslose Leute einen Eindruck macht. In Wahrheit ist es das Mißtrauen und die Unduldsamkeit gegen die Katho- liken überhaupt, was den ganzen Lärm veranlaßt hat. Mau will uns nun einma die gleichen Rechte und Freiheiten mit den Protestanten nicht zugestehen und darum läßt man uns eine Ausnahmebehandlunz auch auf dem rein reltgiöseu Gebiete zutei werden. Man weiß es ganz gut, daß dis Kongregationen sich nur die Pflege der Religion und der Sittlichkeit zur Aufgabe machen; mau weiß, daß die kirchlichen Oberen Bereinigungen nicht dulden würden, die der Störung des kon- fessionellen Friedens, der Schädigung der Schuldiszipliv, dem Hochmut usw. Vorschub leisten, aber man hetzt trotzdem munter fort. Und da wundert man sich noch, wenn wir Katholiken so etwas als Beleidigung empfinden.
»So — meint Ihr? Ich gebe zu, baß die Gießerei einen sehr großen Schaben erleiden würbe. Ihr wißt daS selbst, unb ich denke ntdji daran, es zu leugnen. Aber ebenso wahrscheinlich ist es auch, daß das Haus eS auf diesen Verlust ankommen lassen wird. Ja, ich glaube Euch fast versichern zu können, daß Herr Brunn Eure Forderung rundweg abschlagen wird. Später dürste einem vernünftigen Ansuchen vielleicht eher Gehör gegeben werden; — in dieser Zeit kaum. Darum rate ich Euch ernstlich ab, irgend welche «Schritte zu tu«.'
»Unb warum sollte es uns diesmal nicht glücken?"
»Ich weiß es nicht, aber ich habe die sichere Em> pfinbung, als ob Ihr Eure Auflehnung bitter bereuen tofirbet. Und wie demütigend, wen« Ihr am andern Morgen die Arbeit unter denselben Bedingungen wieder aufnehmen müßt!"
»Das werden wir nicht! Wir werden einige Tage warten — länger hält's die Gießerei nicht auS."
»Glaubt Jbr! Ich bin da ganz Eurer Meinung, b. h. länger wird sie es nicht aushasten wollen, nnb brauch'.'S auch richt. Denn, wie Eich bekannt ist, j haben in Holland meh-ere Fabriken fallirt — darunter
Das Haus im Gebirge.
Erzählung aus brr Gegenwart vonKlaraLötschert (Marga Brechten.)
‘“’Ä*. wochmbtilagt! „Illustrierte Sotmtagsieihmg“
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Druck und Verla- 6 Fuldaer Actieud ruckel tn Fulda (Harmonb Fernsprecher tot,»
* Mißtraue« über Mißtraue«.
».Schluß)
Kardinal Kopp hat im Herrenhause nachge- wieses, daß der Zusammenhang nicht bestehe. Man sollte meinen, der einfache Anstand gebiete es schon, in das Wort eines solchen Mannes keinen Zweifel zu setzen. Aber gerade Leute, die mit der »protestantischen Wahrhaftigkeit" zu Sahlen lieben, sehen in jedem Katholiken, auch m angesehensten, und in diesem ganz besonders, shne Gewiffensskrupel gern einen Lügner. Was Kardinal Kopp im Herrenhause nur kurz andeuten konnte, hat ein Priester der Diözese Breslau, wie in Nr. 157 der ,Fuld. Ztg.' mitgeteilt, in einer ei gnen, im Verlage der .Schles. Volksztg.' erschienenen Schrift: »Die Marianischen Kongregationen und der Ministerial-Erlaß vom 23. Januar 1904" ausführlich und aktenmäßig dargetan. Wer wirklich unbefangen ist und nicht unter der Jesuitenangst des Evangelischen Bundes leidet, muß aus der Schrift die Ueberzeugung gewinnen, daß alles, was über die Herrschaft der Jesuiten und des „jesuitjschen Geistes" in den Kongregationen behauptet wird, einfach eine Fabel ist. Aber um so etwas kümmert sich ja ein .Reichsbote'-Pastor nicht; er könnte ja sonst sein liebes Jesuitensprüchlein nicht mehr hersagen. Er zieht die Ungezogenheit vor, zu behaupten: „Heute darf als feststehend gelten, daß der preußische Kultusminister zu viel Treue und Glauben besessen hat, als er auf die Bischofs- Bürgschaften hin den nichtjesuitischen Charakter der Kongregationen annahm."
Nu«, nicht zu viel Treu und Glauben hat der Minister besessen, sondern zu viel Schwäche, als er den schreienden Fanatikern nachgab, die den Zusammenhang der Kongre- gation mit den Jesuiten wahrheitswidrig und vielfach wider besseres Wissen de- Haupte« Richt übel ist die stolze Bemerkung des .Reichsboten': »Ware der Schaden (die Kongregationen) nicht so tief, allgemein und sichtbar, so wären die großen protestantischen Kämpfe über die Äongregatiorien, bann wäre auch der einmütige Protest des evangelischen Volkes in allen seinen Schriften und Richtungen unverständlich." In der Tat, wenn man weiß, wie die Dinge mit den Kongregationen wirklich liegen, so ist dieser Protest gänzlich unver-j stündlich Wenn man aber weiß, wie die Protestanten von Jugend auf mit Vorurteilen gegen die katholische Kirche ««gefüllt werden und wie die Hetzer und Verleumder unablässig bemüht find, sie in diesen Vorurteilen zu bestärken, dann findet man ben Protest nicht mehr so „unverständlich". Ihn! «ber als Beweis für die Richtigkeit der gegen die i Kongregationen geschleuderten Verdächtigungen auszugeben, das ist eine Logik, gegen die wir! protestieren müssen. Es ist dieselbe Logik, wie I wenn man aus dem „einmütigen Protest" des Heidentums gegen das Christentum folgern wollte, alle gegen die ersten Christen geschleuderten Verleumdungen und Verdächtigungen müßten I wahr sein, weil sonst ja der Protest „unverständlich" wäre.
Sine Krankenkasse besteht schon. Das alles genügt «ich:. Wie wäre es nun, wenn wir zu einem Verein zusammewrLen, welcher unsere Lebensmittel im großen einkaufen wü-de unb dieselben bann ohne jeden verteuernden Ausschlag an ben einzelnen abgeben könnte? Außerdem würben wir noch eine Sparkasse zu gtünben uchen. Mit ber Zell brächten wir es gewiß fertig,
Berlin, den 28. Juli 1904.
*** Die Unterzeichnung des Entwurfs zum dentfch-rusfifche« Handelsvertrag steht nach | dem ,B«rl. Lok.Anz.' unmittelbar bevor. @ini Zeitungs-Korrespondenz meldet, der Entwurf sei vom Grafen Bülow und Herrn Witte bereits unterzeichnet worden. Graf Bülow kehre am Freitag nach Norderney zurück, und auch Herr ' Witte rüste sich zum Aufbruch.
** Zu Ehren des hier weilenden rnsfische« \ Ministerpräsidenten von Witte fand unter Teilnahme des Reichskanzlers Grafen v. Bülow und des russischen Botschafters Grafen v. der Osten-Sacken bei dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts Frhrn. v. Richthofen heute ein Diner statt, zu welchem außerdem u. A. die russischen Geheimen Räte v. Timiviasao und v. Goloubew, die Staatsräte v. Langowoi und unb v. Prilejaiew, Botschaftsrat v. Boulatzell und Botschaftssekretär v. Kroupensky, sowie die Staatsminister Graf v. Posadowsky-Wehner, Freiherr v. Rheinbaben, Möller und Budde, Staatssekretär Kmetke erschienen waren.
* Die Anarchisten werden wohl, wenn sie nächstens wieder ein Verbrechen vollführen, kaum noch zu befürchten haben, daß gewisse staatserhaltende Blätter sich allzusehr über sie entrüsten und ihre Ausrottung mit Feuer unb Schwert fordern. Wenigstens können sie aus diesen blättern Entschuldigungen in Menge entnehmen. Wo war neulich bei der Ermordung des Gouverneurs Bobrikow der flammende Zorn der Scharfmacher- Prrsse? Nur so zu sagen Schande halber wurde das Verbrechen verurteilt; im Grunde aber hieß werben, für ben Lohn arbeite» zu dürfen, welchen Ihr verschmäht. Es ist immerhin ein ficheres Stück Brot unb barum: bedenkt Euch wohl, ehe Ihr es weg- to^rftl Was aber würbe nach ber Arbeikeinstellmm mit Euch weiter geschehen?“
Düsteres Schweigen herrscht. Endlich sagt Gustav Wetzer: »Wir würben uns anderswo unser Brot ver- biereeu."
es alle möglichen Wendungen: Siehst Du, Zar, ; so was kommt davon! Der Verbrecher war ja : kein Anarchist, sondern ein gut protestantischer Finne. Nrn ist der Minister von Plehwe ermordet worden. Ein Teil der Presse setzt die ! Tat allerdings ohne Umstände den Sozialdemokraten oder Anarchisten auf die Rechnung unb will sie alsbald hängen. Ein anderer aber setzt, nachdem er geziemender Weise seine Abscheu geäußert, auseinander, daß das „System", die „Zustände", die Grausamkeit, Schandtaten usw. der Regierung und ihrer Organe eben solche Folgen zeitigten und zu Gährungen und Umsturz führen müßten.
* Z« dem Königsberger Prozeß hatte Professor Schiemann tn der.Kreuzztg.' bemerkt, es wäre zu wünschen gewesen, daß die russische Regierung die Möglichkeit gehabt hätte, durch eine würdige Persönlichkeit dem Hagel von Anschuldigungen entgegenzuireten, der sie getroffen habe. Den» der Verlauf der Gerichtsverhandlung habe sich fo gestaltet, daß eigentlich die russische Regierung auf die Anklagebank gesetzt wurde, ohne daß ihr die Möglichkeit geboten wurde, sich zu verteidigen. Dazu bemerkt der .Vorwärts', er wisse, daß die russische Regierung sich tagelang eifrigst bemüht habe, „Sachverständige" zum Versuch der Reinigung Rußlands oufzutreiben. Es scheine aber, daß wirklich „würdige Persönlichkeiten" der Wissenschaft, die Anspruch auf europäische Achtung hätten, sich zu diesem Dienst nicht hätten finden lassen. Im Zusammenhang mit diesen ergebnislosen Bemühungen der russischen Regierung dürfte ferner die Anwesenheit des russischen Justizministers in Königsberg und Berlin stehen. Zwar sei der Namen des Grafen Murawiew nicht in den Fremdenlisten verzeichnet worden, aber es gebe in Berlin noch immer nicht ausgewiesene Russen, welche die Freude hatten, ihren Landsmann in den Straßen Berlins zu begegnen.
** Von der Abordnung der südwest- afrikanischen Farmer erfährt die ,Deutsche Tagesztg.', daß die erbetene Audienz bei dem Kaiser nunmehr rnWilhelmshafen stattfinden werde. Daß die Mitglieder der Abordnung von vornherein die Absicht gehegt hatten, bis zum Herbste in Deutschland zu bleiben, ist nur zum Teil richtig. Zwei Herren wünschten, sobald wie möglich nach Südwestafrika zurückkehren zu können und warten heute noch sehnsüchtig auf die Audienz, damit fie dann die Rückreise bewerkstelligen können. Der Reichskanzler hat die Abordnung sehr freundlich empfangen. Auf die Bitte der Abordnung, eine Audienz bei dem Kaiser zu erwirken, erklärte er, daß er noch an demselben Tage an den Kaiser schreiben werde, und forderte die Mitglieder auf, dem Kaiser das zu sagen, was sie ihm dargelegt hätten. Sie haben nunmehr vernommen, daß die Audienz in absehbarer Zeit zu WilhelmShafen stattfinden wird.
§ Das Testament Leo s XIII., wovon der.Reichs bote' dieser Tage behauptete, daß der Laienstaat der evangelischen Hvhenzollern darin ols ein auszurottendes Erbe der Refor- matten verworfen werde, soll, wie das Pastorenblatt jetzt unter Zurschautragung großer Ent- hett seinen 8t'Vertretern ben Gehorsam aufkündigen ofiitbet, so sähe dies bem gemeinstm Racheakte gleich. Herr Brunn aber ist immer gut gegen Euch gewesen; — « hat ein warmrS Herz für seine Leute. Wartet baher mit Euren Forderungen — fie wögen nun ge- recht ober ungerecht fein — bis später; den» ich toi-bcrhole noch einmal: selbst, wenn er bald zurück- l ehrt, wirb er nicht in ber Stimmung sein, Euch an- Mhören. Abtrotzen ober läßt er sich nichts; demnach würbet Ihr unfehlbar ben kürzeren ziehen.
Die vielen rechtschaffenen unb vernünftigen Männer unter Euch aber bitte rch jetzt, mit mir zu erwägen, welcher Weg einzuschlagen ist, um Euch allen voran- zuhklfen unb besonders ben Winter leichter zu machen. Hört zunächst meinen Plan. „Ich weiß, Ihr fürchtet die Steigerung ber Kohlenpreise. Ihr lasset nun Herrn Brunn durch ben Inspektor* bitten, Euch bie Kohlen, welche die Gießerei in ganzen Wagenladungen bezieht, zu dem seitherigen Preise ab «lassem Soviel ch ihn kenne, schlägt er b’.efe Bitte nicht ab."
»DaS wäre schon eine Erleichtern, g," sagten einige.
»Ja, unb eine weitere wird barm besthen, baß in diesem Winter eine sogenannte Altersversorgung in'S Leben tritt; b. b. jeder erhält nach einer be- i'mmten Reihe von Jahren alljährlich eine bestimmte Summe vor ben anbereu voraus.
, rüstung über unsere scharfe Zurückweisung er- : klärt, die Eneyklika Leos XIII, vom 19. März : 1902 sein. Leider unterläßt der ,Reichsbote', 1 der den Inhalt in seiner Weise zusammenfaßt, ! auch jetzt noch, die Stelle im Wortlaut anzugeben, die von der Ausrottung des Hohenzollern- fiaates handelt; er muß vielmehr sogar zugeben, daß von den Hohevzollern und ihrem Staate gar nicht die Rede ist. Er schiebt der En- cpklika nur seine Deutung dreist unter, indem er, ohne indeß auch hier von dem Wortlaute irgend etwas mitzuteilen, das was Leo XIII. über den modernen Staat sagt, als gegen den preußischen Staat gerichtet auSlegt. Wir müssen also schon dabei bleiben, daß der .Reichrbote' gelogen hat, und wenn er fich auch abermals gewaltig entrüstet.
[] Die International Vereinigung für gefetzlische« Arbeiterschutz ladet die Delegirten der nationalen Sektionen zur Teilnahme an der 3. Generalversammlung am 25. bis 28. September d. I. in Basel ein. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: Referate über die Tätigkeit der Spezialkommission, erstattet von Dr. Frh. v. Berlepsch und Abg. Millerand. Expos« des französisch-italienischen Arbeüerschutzvertrages. Referat über gewirbliche Gifte. Referat Wer die Gesetzgebung betr. Nachtarbeit der Jugendlichen. Veranstaltung einer internationalen Enquete betr. Arbeiterschutz in der Hausindustrie. Versicherung ausländischer Arbeiter.
• Ver rAsstsch-WMschr
Nach dem erfolgreichen Vorgehen der Japaner bei Niutschwang und Taschttschao ist auf dem Kriegsschauplätze eine augenblickliche Ruhe eingetreten. Die am Donnerstag eingelaufenen Meldungen beschränken fich auf eine mehr oder minder ausführliche Schilderung der Kämpfe der letzten Tage. Nach einer dem .Lokalanzeiger' zugegangener Meldung aus Tientsin rüsten fich die Japaner nunmehr zum energischen Angriff auf Port Arthur. Der Sturm soll mit 80 000 Manu unternommen werden. In Petersburg gibt man sich der Hoffnung hin, daß Port Arthur zu halten sein wird, während die Japaner vom Gegenteil überzeugt find. Die letzteren sind wie der bisherige Verlauf des Landkrieges gezeigt hat, den Russen überlegen. Ob fie es auch bei dem bevorstehenden Angriff auf Port Arthur fein werden, das wird voraussichtlich schon die nächste Zukunft zu beweisen Gelegenheit haben.
w. Tfchif», 29. Juli 1904. (Reuter.) Hier eingetroffene russische Flüchtlinge melden, daß der russische Torpedobootszerflörer „LeutnantBu- r ak o w" und zwei andere russische Torpedobootszerstörer am 25. Juli von den Japanern durch Torpedos beschossen worden und gänzlich verloren seien.
w. Tokio, 29. Juli 1904. (Amtlich.) Der Höchstkommandierende der Mandschureiarmee berichtet: Niutschwang wurde am 25. Juli von den japanischen Streitkräften besetzt. Zuerst wurde eine Abteilung Kavallerie, dann Spülzuber ganz in ber Näh- fitzt, sein mürrisches Gesicht zu einem hämischen Lächeln verzieht; einem Läche'n, so unheimlich unb dielsagenb, baß eS auch bem unbefwgenbsten Beobachter ausgefallen wäre. 8s sieht indessen niemoub nach ihm hin, benn ber efete Teil in beS Aufsehers Rebe hat gezündet. Manche treten heran unb sagen:
»D -S hört sich gut an. W e denken Sie fich das, Meister?" Unb in klarer verständlicher Weise legt er ihnen bie Gründung unb bie späteren Vorteile bet bon ihm geplanten Einrichtung bar. Er spricht so beredt, baß sogar diejenigen, welche anfangs nur widerwillig zugehört haben, unwillkürlich näher rücken und aufmerksam lauschen.
Von bem genannten Punkte geht Werner nun auf daS Heimwesen der Arbeiter über nnb schildert dar Familienleben, wie eS nach seiner Ansicht fein oll. Das ist allerdings das Musterbild einer christ« lchen Ehe. Wie ganz ander- steht es bei ihnen bi* heim aus! Bei sich meinen alle: Er denkt an fein riger.eS Weib, an .das Leben, das er mit Mogda und mit seinen Knaben führt, Gewiß ist es so. Im Tone innigster Ueberzeugung fährt er fort:
»Mehr noch als die äußere Ordnung der Verhält- niffe eS vermag, trägt zu Erleichterung ber Alb ii unb beS Lebens überhaupt das Glück bei, daS Ihr in Eurer Familie empfinden müßt unb — baS könnt Ihr Euch schaffen. Ja, seht mich nicht fo Ungläubig an — ich wieberhvle noch einmal: Ihr könnt eS, urb sogar leichter a!S das anbere, benn es bedarf nur eine- festen, guten Willens dazu.
Manchmal, wenn ich Eucd in ber Gießerei beobachtete unb Eure finsteren Gesichter iah, ba hab' ®t,d) bedauert — aber noch mehr Eure grauen dahetm! Unb nun denkt in Eurem Herzen nicht: die tnd auch unwirsch unb mürrisch. Kommt mir nicht mit dem Einwand: zu Hause gibt eS nichts als Zank und Unfrieden — wie könnt' ich ds selbst anoerS sein, als ärgerlich und hr druckt? (F. f)
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