Einzelbild herunterladen
 

Maer

Ji

;chrtftleiter:Ios.vau«

i. WochenbeilageI „Illustrierte Sonntagrzeituilg

Ä,S«Nch.«tt t Nr SMm* UAZ<iertage. viertel» UW.Ve,u-rp»eir «|M Vringerlohn und P«»eL-eldinKüda«nd AUwürtsiMk. 5« ps-.

Serantworllicher

Zeitung

Monatrbellage: „Zuldaer GeschichtrblAter".

Anzeigen: Vie ei» spaltige Petitzelle oder deren Raum 15 Pf- Reklamen diepetitzeM 25 Pf-.; bei wifdir Holungen wird entspr

Rabatt gewährt. ,

Druck und Verla- d« 8uldaerActtrndrucktU in Zulda (harmonick Zernsprecher Ur. 9.

J£ ISS.

8ul-a. Mittwoch, den 27. Juli 1904.

31. Jahrgang

Deutsche Reich.

Berlin, den 26. Juli 1904.

8. De« Mitgliedern an der 51. General Berfammlung der Katholiken Deutschlands in Regensburg hat das Lokalkomitee eine prächtige Gabe in dem „Führer durch Regensburg" gratis zu­gedacht. Das Merkchen in handlichem Taschen­format ist fertig gestellt. Es zeichnet sich sowohl durch die Gediegenheit seines trefflich geordneten Inhalts, wie durch die feine Ausstattung und die wohlgelungenen Illustrationen der vorzüg­lichsten Sehenswürdigkeiten Regensburgs aus. Im ersten Abschnitte enthält es eine kurze Geschichte Regensburgs; der zweite Abschnitt gibt eine Beschreibung Regensburgs aus römischer Zeit, der Kirchen, Kapellen und kirchlichen In­stitute, der weltlichen Gebäude, der Allee, deren Denkmale und nächster Umgebung, der steinernen Brücke und Stadtamhofs, der Sammlungen und der Umgebung (Walhalla, Befreiungshalle). Der dritte Abschnitt behandelt: Topographisches und Statistisches über Regensburg im allgemeinen und in bezug auf Schulverhältniffe. Im vierten Ab!chnitte sind praktische Notizen über Gasthöfe, Kaffeehäuser und Restaurationen, Wein­häuser, Konditoreien, Bierbrauereien, Bierkeller, Badeanstalten, Verkehr rc, sowie eine Uebersicht der Hauptsehenswürdigkeit rc. enthalten. Im fünften Abschnitte dient ein Verzeichnis der sämtlichen Straßen, Plätze und wichtigsten Ge­bäude Regensburgs mit Angabe der Plan-Qua­drate, innerhalb welchen die betr. Straßen, Plätze rc. zu suchen sind, sowie ein beigefügter genauer Plan von Regensburg zur be­quemen Orientierung. Die Benutzung deS Führers wird erleichtert durch ein genaues In­haltsverzeichnis. Ec umfaßt 151 Druck­seiten und dürfte für die Teilnehmer an dem deutschen Katholikentage in Regensburg ein bleibendes wertvolles Andenken bilden.

§ Der Geheime Oberbaurat und vortragende Rat im Ministerium der öffentlichen Arbeiten Wichert ist zum Oberbaudirektor mit dem Range eines Rats erster Klaffe in diesem Mi­nisterium ernannt worden. Zu dieser Ernennung, die einem maschinentechnischen Beamten zum ersten Mal zu teil wird, bemerkt die ,Nordd. Allgem. Ztg.', gleichzeitig die verdiente Anerkennung für das gesamte maschinentechnische Fach zu erblicken, das im Laufe der Jahre nicht nur auf dem Gebiete der Industrie, sondern auch im Verkehrswesen die heutige achtunggebietende Stellung erlangt hat.

* Wenn es sich um die Verteidigung seines Jes«ite»wah«e- handelt, dann ist der.Reichs- Bote' zäh. Er mag die alberne Geschichte von den französischen Jesuiten, die ein Schloß mit Park in der Nähe von Berlin kaufen wollen, noch nicht so ohne weiteres preisgeben. Daß der Jesuitenorden sein Milliardenvermögen möglichst nutzbringend und für seine Zwecke und Einspinnugen bahnbrechend anlegen «erde, stehe fest; ebenso zweifellos werde er das jetzt auch in Deutschland nach der Zulassung seiner Einzel­glieder vermehrt tun. Ein kluger, weitschauender, rücksichtsloser Geschäftsmann sei er ja in allen Jahrhunderten gewesen. Selbstverständlich werde er möglichst heimlich und unerkannt, mit Zchilfe- nahme vieler vorgeschobener, harmloser Mittels­männer und verschiedener bürgerlicher Masken bei den Geschäften vorgehen. Aufmerksamkeit für die Protestanten sei also gewiß geboten. Dagegen sage nun mal jemand etwas! Daß das Pastorenblatt der Dame die Maklergeschichte geglaubt hat, begreift man übrigens, wenn man weiter liest: „Daß allerlei merkwürdige Einflüsse und Kaufgeschäfte, selbst bei Blättern, Zeitschrif­ten rc. zurzeit spielen, die einer näheren Klärung auf den Ursprung der Kaufgelder wert wären, haben uns ernsthafte und gebildete Leute, die etwas davon wissen können, schon früher mitge­teilt." Das läßt ahnen, was für phantastische Jesuitengeschichten in manchen geängstigten Köpfen Herumspuken mögen. „Warum soll man über solche Dinge, die in der Luft liegen, also nicht zur Aufklärung schreiben?" fragt der,Reichsbote'. Jawohl, „in der Luft" liegen sie und aus der Lust werden sie gegriffen. Wir befürchten, die Jesuitenangst wird nächstens zu einem epidemi­schen Verfolgungswahnsinn führen.

):(Hit MHMe fit die 51. Ktmlnl-vtt- stnmlnng der Katholik« veatlchlaads in

Nezrnsdntz.

Eine der schwierigsten Fragen für das vor- bereuende Komitee einer Generalversammlung der Katholiken Deutschlands ist die: „Wo finden wir ein Lokal groß genug, um Tausen­den von Zuhörern die Teilnahme an den öffentlichen Versammlungen zu er­möglichen. Nur wenige Städte haben die er­forderlichen und geeigneten Lokale aufzuweisen, selbst das große prächtige Köln mußte zu einer Nothalle seine Zuflucht nehmen. Auch Regens­burg besitzt keinen Saal, der nur annähernd ge­nügen würde für eine so zahlreiche Teilnehmer- schaft, wie sie zu erwarten steht. Auch hier mußte deshalb zum Baue einer eigenen Fest­halle geschritten werden. (Die Kölner Festballe nahm einen Flächenraum von 37 mal 68 Qua­dratmeter ein, mit den eingebauten Tribünen bot dieselbe etwa 8000 Personen Sitzplätze.)

Für Regensburg wurde eine Teilnehmerzahl von 6000 angenommen. Von einer Halle mit vollständigem Tribünen-Einbau wurde aus Grün­den der Akustik und mit Rücksicht auf die poli­zeilichen Vorschriften, die nur eine geringe Be­lastung der Tribünen zulaffen, abgesehen. Des­

Verkündigung des Dogmas der unbefleckten Empfängnis. Um die Akustik nicht zu beein- trächtigen, ist Fahnenschmuck möglichst vermieden worden. Der Redner hat von seinem Katheder auS nach allen drei Richtungen einen Raum von zirka 40 Meter zu beherrschen, was keine kleine Aufgabe sein dürfte. Vor dec Rednertribüne be­findet sich der Raum für die Preffe, während das ständige Arbeitslokal für dieselbe in die an­stoßende Turnhalle verlegt ist, die auch eine voll- ständige Postfiliale mit Telephon und Telegraph enthält.

Es ist schon oft der Wunsch ausgesprochen worden, für die Katholikentage eine trans­portable Halle zu schaffen. Die Regens­burger Halle macht diesen Wunsch zur Tatsache. Dieselbe, Eigentum von Strohmeyer in Konstanz, kann nach jeder Stadt Deutschlands transportiert werden. Die Dekorations­anbauten find nach Plänen des Herrn Architekten Koch gefertigt.

Die Festhalle liegt vor dem Jakobstore, der Weg zu derselben führt durch die Stadt, oder durch die herrliche Allee zu dem mit prächtigen alten Bäumen geschmückten Volksfestplatz „Unter den Linden". Der Platz dient sonst der k. prio. Schützengesellschaft, die dem Komitee den­selben in liebenswürdiger Weise überlassen hat, als Schießplatz, nebenbei der Jugend als Turn­

Äutzcre Ansicht der Festhalle.

BBS

Nachbildung verboten).

halb mußte die Grundfläche eine größere werden, und so umfaßt die Regensburger Halle bei einer Breite von 38 und einer Länge von 80 Meter ohne die Anbauten, einen Flächenraum von 3040 Quadratmetern. Das Hauptschiff der Halle, von 42 mächtigen Ständern (Holz mit Eisenstcherung) getragen, hat eine Spannweite von 30 Metern ohne Säulen und bildet bei einer Dachhöhe von 15 Metern eine imposante Halle, die mit Kränzen und Guirlanden geschmückt und durch 3 Kron­leuchter mit je 51 elektrischen Bogenlampen er­leuchtet wird. Die Halle ist mit wafferdichtem Zelttuch eingedeckt.

An diese Haupthalle schließt sich an der Nordsette ein 8 Meter breites Seitenschiff an, das durch Vorhänge nach Bedarf von der Haupt- halle getrennt werden kann. 6000 Sitzplätze stehen den Gästen zur Verfügung. In der Mtte der südlichen Längsseite befindet fich das Podium für das Präsidium und die Rednertribüne. Auf den Stirnseiten, Ost und West, sind 5 Meter breite Galerien für die Damen und die Sänger angebracht. Eine überlebensgroße Figur der Un­befleckten Empfängnis in herrlicher Blumen­dekoration erinnert uns an das Jubiläum der

platz. Auf alle Fälle hat der Platz den'.Vorzug, nahe der Stadt, doch fern vom Lärm des Straßenverkehrs zu liegen und keinerlei Beun­ruhigung ausgesetzt zu sein. Im übrigen ist er durch die elektrische Trambahn leicht zu erreichen. — Während in der Halle selbst mit Ausnahme des Begrüßungsabends keine Restauration ent­halten ist, finden die Gäste in der anstoßenden Schützenhalle und „Unter den Linden" Labung, vor allem einen guten Regensburger Tropfen aus der Bischöflichen Brauerei.

Doch was sollen wir weiter erzählen, wir dürfen ja den zahlreich angemeldeten Preßver- tretern den Stoff nicht wegnehmen und sind auf Lob und Tadel gleichmäßig gefaßt. Erwähnen wollen wir noch, daß die geschlossenen Ver­sammlungen im Velodrom, die Ausschuß­sitzungen im Priesterseminar und Lyzeum statt­finden. Alle diese Lokale liegen nahe zusammen.

Zahlreiche Nebenversammlungen sind auf die übrigen Säle der Stadt verteilt. Wie wir hören, laufen die Anmeldungen zahlreich ein und hat Regensburg die Hoffnung, daß die 51. Generalversammlung gegen ihre Vorgängerinnen nicht zurückstehen wird.

Sonntag.

.Skizze von M. von »tenstee«.

----- (Nachdruck verboten.)

Es war am Tage des Herrn.

Friedliche, feierliche Ruhe war ringsum; der Tag lag leuchtend auf Halden und Hängen, weißer, duftiger Nebel wallte nieder uno darüber glänzte golden in blendenden Strahlen die Sonne. Vom Walde her tönte das Gurren der Wild­taube, Has Locken des Hähers und das Helle Jubeln der Goldammer. Ueber den lichtgrünen Acker erhob sich leicht die Lerche, die Wachtel duckte sich tief über das Nest in der schützenden Furche, die Rehe äugten aus dem Baumdunkel hervor und die Grillen sangen von Sommerlust und Sonnenglanz.

Da hob sich von fernher gleich einem riesigen Aar mit weit ausgespannten Flügeln ein schwarzes Gewölk; dumpfes Rollen ging ihm voran, immer lauter dröhnte es heran, gellend ging ein schriller, scharfer Pfiff durch den friedlichen Morgen; Lachen und Singen erklang aus dem vorüber­jagenden Zuge.

Die Rehe entflohen, die Grillen verstummten, die Wachtel breitete bange die Flügel aus, die

Lerche entfloh; nur vom nahen Teiche klang tief und dumpf das Lied der Unken.

Der einsame Wanderer sah stehen bleibend dem enteilenden Zuge nach . . . Waren die schwarzen, qualmenden Rauchsäulen nicht wie fliehende Schatten, wie düstere Gespenster der Unrast, die den Sonntagsfrieden zerstörten?

@$ lachte laut auf; nicht wie das Glück lacht, es war der Klang der grollenden, bösen Bitternis! Auch er hatte keine Ruhe und keinen Frieden; der Störer des Friedens in der Natur tat seinem finsteren Gedankengange wohl. Es war Sonn­tag, aber ihm galt kein Sonntagssegen mehr seit langem ....

Pfingsten war'S gewesen; mit ihr, die in jugendlicher Frische strahlte, war er hinaus­gezogen ins sprossende, duftende, keimende Blüten­leben der Natur; Lachen, Lieben, Planen und Hoffen war ihre Unterredung gewesen, und über dem Plaudern hatten sie das Rufen und Locken der Festtagsglocken überhört.

Dann war ein Wetter gekommen mit Donner und Blitz, ein Sprühregen hatte sich ergoffen und sie waren unter das schützende Strohdach einer vermorschten Waldhütte getreten. Die Türe aus leichtgefügten Brettern hing nur lose in den Angeln, und eine rohgezimmerte Bank in

einem dämmerigen Winkel hatte ihnen zur Rast gedient. Hand in Hand fitzend, in den ent­fesselten Aufruhr der Natur blickend, hatten ihre Lippen den jubelnden Wechselsang von Lieb und Treue angestimmt, und als sie im Purpurschein der sinkenden Sonne heimwärts gingen, da blühte in ihrem Herzen die Lenzeswonne junger, knospender, heißer Hoffnung.

Am siebenten Tage sollst du ruhen! DaS hatte die Welt gehorsam befolgt, bis der Auf­erstehungsjubel den ersten Wochentag zur ge­heiligten Rastzeit machte, zum Tage des Herrn! Das liebende Paar hielt feiernd seine Rastzeit; aber, daß es der Tag des Herrn sei, das rief ihnen vergeblich der Choral des Sonntags­glockenläutens zu. '

Die Zeit der Reife kam; die Aehren neigten sich in Körnerschwere, die Wildtaube, die Wachtel und Lerche flogen mit der flüggen Brut, die Zapfen bräunten an den Tannen, scheu flogen die Rehe mit angststarrem Blick vor den bir- schenden Menschen; nur lauter klang der Ruf der Unken vom Teich.

Sie hatte ihren Gott vergeffen und verlor die edlen Gefühle. Darum wurde sie der ersten keuschen Liebe müde, und er sah sie tändeln mit andern. Die so leicht urd lachend von Treue gesprochen, hatte sie nicht zu wahren gewußt.

Seitdem war ihm der Tag der Ruhe ver­gäll!.

Wie er sich freute, daß auch die Maschinen weiter surrten an dem Rasttag, daß die Züge vorbeisausten und das Räderwerk der Uhren nicht stille stand! Ec hatte nicht Ruhe und Frieden, warum sollten die leblosen Dinge es bester haben, als er?

So schritt er auch heute wie ein Verlorener, Unfroher durch die Feieitagsstille. Leute in fest­lichen Kleidern gingen beschaulich an ihm vorbei und boten leutselig ihren Gruß. Finster, un­merklich dankte er durch eine schwache Neigung des Kopfes; seine L ppen hatten keine Worte.

Er ging weiter, immer tiefer in den Wald hinein, unbewußt denselben Weg, den er vor Jahresfrist mit ihr gegangen war.

Jetzt versank der duslige Nebelschleier, ein feuchter Schimmer lag strahlend und glitzernd in tausend Tropfen über der weiten Flur. Zu seinen Häuptern dehnte fich ein Blättermeer, un­hörbar schritt sein Fuß über weiches Moos, und Stille lag ringsum, tiefe Märchenstille.

Und nun stand er wieder vor der morschen Waldhütte; weit offen klaffte die Tür, und er stand wie gebannt. Lag dort die tote Liebe be- graben, der Traum von Glück und Hoffen, der Glaube an Treue und seligen Frieden?

Surren, Singen, Locken und Jubeln der Vogelwelt klang rings um ihn her, an einer Lichtung stand ein Rudel Rehe.

Langsam schritt er der Hütte zu; aber — er ging nicht hinein. Vor dem Eingang hatte eine große Kreuzspinne ihr Netz gespannt.

Ein Fröstlein packte ihn, und das Haupt auf die Brust gesenkt wendete er fich ab.

Im gleichen Augenblick zog Glockenschall von fern herüber; tief, in vollen Tönen brausete es von der Stadt über den Wald; hell und jubelnd mischte sich das Singen vom Spitzturm einer Dorskirche ein: DaS ist der Tag des Herrn!

Dröhnend riefen es die Sonntagsglocken in sein Herz.

Da ging er Jenen nach, die ihn so leutselig auf seinem Wege begrüßt hatten, und er sah die Rehe an der Lichtung den Klängen lauschen, die Grillen verstummten nicht, die Lerche trillerte lauter; nur die Unken waren still.

Er brauchte nicht anzupochen und Einlaß zu erbetteln am Hause des Herrn, das er so lange gemieden — vergeffen hatte. Weit offen standen die Türflügel, heller Glanz traf sein Auge, am Kreuz hing der Erlöser mit ausgebreiteten Armen; Friede für alle Menschen lag auf seinem milden Antlitz, Vergebung troff auS seinen wehen Wunden!

Frieden und Vergebung auch für ihn!

Es war am Sonntag; nicht die Zeit der lärmenden Lust und des Leichtsinns, nicht der Tag des Vergessens höherer Ziele! Es war Rast­zeit: Der Tag des Herrn!

'Ein edler Spitzbube. „Haben Sie noch nichts von dem Mastschwein gehört, dar Jbnen gestohlen worden ist? — Bauer: „O ja; gestern hab,, ich anonym eine Wurst zugeschlckt gekriegt!"

* Berschuappt. Frau (zum Dienstmädchen, wel- cher einen Krug Bier aus dem Restaurant holte): „Nanni, wie wird denn heute das Bier sein?" — Nanni: „Mir hat'S geschmeckt!"