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Wda, Mittwoch, dev 27. Juli 1904.

«an

Berlin, den 26. Juli 1904.

thfece katholischen Generalversammlungen »ur Aufgabe gestellt, dem christlichen Geiste die Herrschaft zu sichern und demMfolge auf die Entwickelung der Staaten einzuwirken, daß dieselben nicht des christlichen Fundamentes beraubt würden. Und sie haben sich im Laufe der Zeit nicht allein als eine starke Schutzwetzr gegenüber dem alles verflachenden Ansturm rationalistischer Weltanschauung er- w»esen, sondern auch als eine unüberwindliche Phalantz im Kampfe um die Berücksichtigung katholischer Grundsätze im öffentlichen Leben.

Können wir uns gegenwärtig einer Lage er­freue», welche die Abhaltung unserer General- Bersmnnlungen überflüssig erscheinen ließe? Keines- j «egst Der Unglaube, die „Wissenschaft" und die Gewalt erheben mächtig ihr Haupt, um un-

Drrititfdjt MholikkilG m Ktgtnslntg.

Die alte Ratisbona, die ehrwürdige Me­tropole des hl. Wolfgang, lenkt in diesen Tagen die Blicke nicht nur des kath. Deutschlands, son­dern auch des Auslandes, ja der ganzen Welt überall da, wo man für katholisches Leben und Streb«, Interesse und Verständnis hat, auf sich.

Es ist nicht der Geist der Verneinung und der religiösen Gleichgiltigkeit, sondern der einigende im übernatürlichen Glauben, in der christlichen Hoffnung und in der alles umfassenden Liebe wurzelnde Geist, von welchem die Katholiken be­seelt find, wenn sie der alljährlich wiederkehrenden katholischen Heerschau ihre lebhafte Sympathie entgegenbringen.

Und haben die gläubigen, in dem Stulle Petri zu Rom zu einer großen Familie verbun­denen Katholiken, welche auf die göttliche Welt­ordnung ihr ganzes Sinnen und Streben, ihre Ideen und ihre Handlungen aufbauen, angesichts erner ihrer Anschauung entgegengesetzten natür­lichen Weltordnung nicht das Recht, offen für chre ehrliche Ueberzeu ung einzutreten? Man wird mit Grund diese Frage nicht zu verneinen im Stande sein!

Man wird auch vernünftigerweise den Cha­rakter der auf der Basis rein katholischer An- schauunge» beruhenden Zusammenkünfte der Katholiken nicht in Abrede stellen und deren Bezeichnung als „Katholikentage- selbst dann nicht aufechten können, wenn auch manche Katho- k«u, sei es aus vermeintlicher Mlßkennung ihrer außerordentlichen Erleuchtung, sei es aus politischen Gründe«, sich von diesen katholischen Vereinigungen ferne halten sollen.

Durch 50 Jahre hindurch haben die Katho- lcken olllührlich chre Anschauungen öffentlich zum Ausdrucke gebracht in einer Weise, die ihnen die Achtung ihrer Gegner abzu»ötißen um so mehr , geeignet »ar, als man immer sich bestrebte, I «les zu vermeiden, was die religiöse Ueber-1, jeugung unserer getrennten Glaubensbrüder hätte i verletze» können. <

Der Lärm und daS dumpfe Gemurmel verstummen. Mein der Auffeher liest in de» vo» der trüben Lampe belichteten Gesichtern, daß sie nur »ng-rn auf seine Worte merken werden. Unbeirrt beginnt er:

„Meine Fre»nde! Was sich vor allem unter recht­schaffenen Männern geziemt, das ist Aufrichtigkeit. Darum will auch ich Euch offen und aufrichtig begeg­nen. So sage ich denn zunächst gerade heraus: ich habe Eure Worte nachmittags gehört, ich habe gewußt, daß Ihr heute abend hier zusammerckommen würdet, und ich habe wir vorgcnommen, mit dabei zu sei»!

Derrlt nicht, ich mische mich in Dinge, die mich nichts angingen, oder ich suchte nur die Sache unseres Dienstherr» zu vertrete». Absichtlich sage ich „unseres" Dienstherr», denn da ich wich als Euer Genosse und Mitarbeiter betrachte, und ich wie Ihr! in seinen Diensten stehe, so ist er ja auch mein Vor­gesetzter.

Ich diene ihm gern, und das Gedeihen seineS HauseS liegt mir am Herze». Wenn Ihr mich aber auf Ehre und Gewissen weiter fragen würdet, so müßte ich Evch antworte»: Eller Glück geht mir »och näher, und hauptsächlich, weil ich Euch >o aus Irr­wegen uwhertoppen sehe, drängt eS mich, Wenigsten­de» Versuch zu mache». Euch zu helfen. Warum? Ich weiß eS selbst nicht. Vielleicht deshalb, weil ich mich von der ersten Stunde an, da ich wie Ihr in b.r Gießerei zn arbeiten anfiap, als ganz zu Such gehörend, als Euer Bruder ansah. Seht, so mache ich denn Eure Angelegenheiten gleichsam zu den meinigen. Ich werde dieselben auch von Suerm Standpunkte auS erörtern, und nun Ihr dies wißt, frage ich @ud>: WM Ihr mich hören? — Ich habe zwar ein Recht, zu Euch zu sprechen, aber ich frage dennoch, den» ich will not zu vernünftigen Leuten reden und mente Worte nicht an «urschen verschwenden, welche im voraus gesonnen find, keine Vernunft anzuvehmen1"

„Sprechen Sie, Meister !“ ruft einer aus der Menge.'

I Wenn auch im Laufe der Zeit manche katho­lische Schöpfungen wieder dem Untergange ge­weiht wurden, so sind aber die heute noch be­stehenden christlichen Baudenkmäler ein sprechen­des Zeichen katholische» Lebens, das sich früher in der altehrwürdigen Ratisbona entwickelte. Und unsere christlichen Baudenkmäler, die alle Stürme überdauerten, der alles überragende, majestätische Dom und die verschiedenen Kirchen legen heute noch Zeugnis ab, daß in Regensburg katholischer ! Glaube und echtes katholisches Leben nicht ge­schwunden sind.

Aber Regensburg ist auch eine geschichtlich bedeutende Stadt, ja wir können mit Fug und Recht behaupten, sie ist eine der geschichtlich bedeutendsten Städte unseres lieben, großen, deut-1 schen Vaterlandes, in deren Mauern deutsche Könige und bayerische Herzöge residierten und in der auf einer Menge von Reichs- und Fürstentogen über die deutschen Geschicke entschieden wurde.

Es hat Zeiten gesehen, in denen die schwersten Kämpfe auf religiösem und politischem Gebiete hier ausgefochten wurden. Regensburg ist Zeuge gewesen der Entwickelung, der Blüte und des Unterganges des hl. römischen Reiches deutscher Nation; in seinen Mauern war vom Jahre 1503—1509 cer Sitz des Reichskammergerichtes, | hier war der Reichstag vom Jahre 1664—1806 in Permanenz bis das hl. römische Reich deut­scher Nation zu Grabe getragen wurde, nachdem im Jahre 1803 durch de» bekannten Reichs- deputationShauptschluß die geistlichen Fürsten» tümer und Stifter teils an Frankreich abgetreten, teils zur Entschädigung einzelner Er bfürsten für Ver­luste am linkenRheiaufer säkularisiert worden waren.

Das moderne Regensburg ist eine ge­mütliche Stadt, deren Einwohner sich durch Zuvorkommenheit und Gastfreundlichkeit aus- zeichnen. In ihr residiert seit dem Jahre 1748 do* hochfürstliche Haus von Thurn und Toxis, deffen Munisizenz die Stadt Regensburg inbezug a»f ihre Blüte und ihre Stellung vieles zu ver­danke« hat.

l sere Ueberzeugurg, die g, heiligten In stitutionen unserer Kirche und vor allem den Mittelpunkt der katholischen Einheit, das Papsttum, zu vernichten.

Unter solchen Umständen ist es heilige Pflicht oller treuen Katholiken, alljährlich an den Be­ratungen teilzumhmen, um sich im Kampfe um die höchsten Güter zu stählen und Mittel und Wege kennen zu lernen, wie man am wirksam­sten dem feindlichen Anstürme begegnen kann und hauptsächlich, um die Uebereinstimmung mit den ! christlichen Prinzipien zu bekunden. Dieses Jahr ist Regensburg die Hobe Ehre zu teil gewor-1 den, die Katholiken Deutschlands und die katho­lischen Gäste des Auslandes in seinen Mauern begrüßen zu dürfen. Welche Stadt wäre aber auch für eine katholische Tagung geeigneter ge­wesen als Regensburg?

Abgesehen davon, daß die E:senbahn-Verbin-1 düngen nach allen Richtungen sehr günstig sind, ist Regens bürg eine eminent katholischeStadt, eine Stadt, in welcher der christliche Glaube schon Wurzel gefaßt hatte, bevor man an anderen deut-1 schen Orten an eine Christianisierung nur denken konnte.

Gouverneur Leutwei« wird nach neu­eren Meldungen auS Südwestafrika nach Deutsch­land auf Urlaub reifen, vom dem er voraus- | sichtlich nicht mehr auf seinen Posten all Gouverneur zurückkehrt. — Das war voraus- zusehen.

* Zeichen der Zeil" nennt die -Jlseztg/ in Osterwick (Provinz Sachsen) fol- genoen Bericht aus Roe Ium im Braun­schweigischen:

Zum letzten vormtitagsgoiteSdienst wohnte» außer amtierende» Petfone» zwei Frauen dem Gottes­dienste bei. DaS in einer Gemeinde von nahezu 1000 Einwohnern. Der gewöhnliche Besuch beträgt 5 bis 15 Personen. Zu den beiden letzten Kommunt- kattonen hat sich keine Person gemeldet, ebenso ist in eine neulich veranstaltete Kollekte nicht ei» Bfennig gezahlt worden. AlleS übrige kann men sich hinzudenken.

Wenn die protestantischen Bewohner von Roclum — Katholiken gibt es dort nicht — wenig oder gar nicht den Gottesdienst besuchen.

Se. Durchlaucht der dcrze.tig regierende Fürst I vv» Thurn und Toxis haben das Protektorat über die rom 21.—25, Aucust hier tagende @e» ne-alverfammlung der Kmholiken Deutschlands uperr,ommen, so daß inbezug auf die diesjährige ^agung, rachd.m alles geschehen ist, um dieselbe so würdig wie möglich zu gestalten, hier nichts fehlen dürste und der Verlauf zur Ehre und zum Wohle der deutschen Katholiken gereichen muß, wenn eine möglichst große Anzahl der für die katholi che Sache begeisterten Marner aus allen Gar-en Deutschlands hier er scheinen, für ihre Ueberzeugung einiteten und den aus gestreuten Samen dann in ihrer Heimat zur Reise zu bringen sich b-streben würde

Darum: Ans uuch Regensburg!

. ** Reichskanzler Graf v. Bülow ist,

begleitet von dem Wirklichen Geheimen Ober­regierungsrat v. Conrad, heute früh in Berlin eingehtffen. Auch Staatssekretär Graf von Posadowsky ist heute morgen von Norderney zurückzekehrt. Es dütste naheliegen, die Rück­kehr deS ReichißG-zlers dahin zu deuten, daß im Anschluß an die Bei Handlungen in Norderney in Berlin Besprechungen mit den beteiligten Ministern und SraatSsekretären und eventuell weitere Verhandlungen mit den russischen Unter­händlern stattfinden sollen. Die Meldung eincs Berliner BlatteS, daß diese Rückkehr einen hoch- bedeutenden politischen Charakter habe, ist nach, der ,Post' falsch. Jedenfalls bedeutet die Rück­kehr, daß die Verhandlungen nicht abgebrochen sind, wenngleich ein Abschluß schon wegen der damit verbundenen zeitraubenden Formalitäten nicht so bald zu erwarten fei» dürste. Aus Petersburg verlautet, daß die Unterzeichnung des Vertrages noch vor Ablauf dieses Monates er­folgen solle. Es seien nur mehr formale Ar­beiten zu erledigen, den» die eigentliche Ver­ständigung über den Vertrag sei bereits erfolgt.

** Ueber angebliche Vorgänge bei der un­längst erfolgten Neubesetzung der Kammer

! gerichtSprafidentevstelle ging vor kurzem eine Mitteilung durch die Preffe, die, wie die ,Nordd. Allg. Ztg/ schreibt, „in ihrem sensationellen Teile der Wahrheit nicht entspricht, neuerdings aber gleichwohl wiederholt wird.- „Richtig ist, be­merkt das offiziöse Blatt weiter, daß wegen Uebernahme der Stelle zunächst mit dem Ober- landeszerichtk Präsidenten Dr. Hagens in Frank­furt a. M. verhandelt worden ist. Dieser er­klärte fich auch unter y***- Bedingungen bereit, zog jedoch, bevor über die Annehm­barkeit seiner Bedingung eine Verständigung erzielt war, diese Erklärung unter Berufung auf sein Alter und seinen Gesundheitszustand in der bestimmtesten Weise zurück. Erst hier- auf wurde mit dem von vornherein in zweiter Reihe für die Stelle in Aussicht genommenen :

Das Verbleiben des bayerische» Kriegsmiuisters in feinem Amte dürfte nicht s von tanger Dauer sein. Soweit wir über­sehe» können, wird diese Ansicht von der Peffe aller Partenichrungen und zwar nicht allein in Bayern geteilt. Die bayerische liberale Preffe i faßt den Fall allerdings mehr als Parreian- gelegenheit auf im Sinne eines verunglückten Zentrumsmanövers und jube t über den ver­meintliche» Hereinfall der intriganten Gegner. In Wirklichkeit aber g'aubt auch sie nicht mehr an eine fernere gedeihliche Wirksamkeit des Frei­herrn v. Asch als Kriegsminister. So schreiben die Münch. Neuesten Nachr/ ganz offen, daß der Rücktritt deS Kriegsministers, deffen Amts- freude die l« tzten Wochen nicht steigern konnten, „ohne Zusammenhang mit dem Fall Heim" in absehbarer Ze t doch erfolgen werde. — Der [ nationalliberale ,Hann. Kourr/ meint, wie Herr v. Asch mit der Kammer noch ferner arbeiten wolle, fei nicht abzusehen. Schwere parlamen­tarische dümple seien unausbleiblich. Auch die .Tägliche Rundschau' glaubt nicht, daß Herr von Asch noch lange im Amte bleiben wird, wenn erst die Beratungen der ReichsratLkammer ge­wesen sein werden. Die.Freis. Ztg/ schreibt: „Wenn sich F,hr. v. Asch auch bereit erklärt hat, im imte zu verbleiben, so kann es fich doch nur um eine Ansiandsftist handeln. Frhr. von Asch selbst hat sein Verbleiben im Amte un­möglich gemacht."

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meisten Kinder Haiti», sonder» jene, welche fich rffer»- bar nicht einzurichtcn verstanden und vor allem jene, die auch gar nicht dorgesorgt hatte«. Diese erblickten chre einzige Rettung stets nur in der Erhöhung des Lohne-; meine Ansicht aber geht dahin, daß derjenige, welcher mit zwei Mark und fünfzig nicht auSkvmmt, auch mit dreien n'.cht reichen würde. Und wer mit drei Mark fünfzig nicht haukzuhalte» versteht, für den werde, vier Mark noch zu wenig sein. Dar aber ist der Satz, den Ihr, glaube ich, zu verlangen gedenkt. Auf mehr zu rechne», würde doch der eine Unsinn sein. . .'

„Nein, nein — wir fordern auch richt mehr, aber daS müssen wir haben?" ruft es von auC» Seiten.

„Dennoch werdet Ihr es jetzt nicht erhalten," ver­setzt Werner ernst und bestimmt. „Erstens hat auch die Gießerei unter de» schlechten Zeiten zu lüde» ge­habt, und zweitens würde bet Aufschlag, welcher für den einzelnen wenig auSmacht, für das Hau- Br«»» und Genossen alljährlich eine gehörige Summe be­deuten." ....

„Was geht dar uns an? Die habe» doch »och über genug — ja, mehr als zuviel," läßt fich eine Stimme vernehmen. Dieselbe kommt von einem »ntev- setzten Manne mittlere» Alters, vo» dem es heißt, daß er Peter Gutmanns bester Kunde fei.

„DaS zu untersuchen ist unseres Amtes nicht J,hann Brumwer," erwidert der Aufseher fest. „Stand und Stellung find verschieden im Lebe»; der eine ist ihnen weniger Aufwand schuldig, der andere wehr. Von Euch allen wird nichts weit» verlangt, als daß Ihre eb,n outfommt, ein kleines Sümmchen für die Erziehung Eurer Kinder zurücklegt und dann und wann Euer Brrt mit denen brecht, die noch weniger habe", als Ihr."

Tie Manner murren und erklären, fie hätte» lange genuq für kümmerliche» Verdienst gearbeitet; fie wollte» endlich einmal habe», was an viele» andere» Orten auch bezahlt würde. (Forts, folgt.)

Das Haus im Gebirge.

Erzähl», aus der Gegenwart von Klara Lötschert (Marga Brechten.)

6 ------(Nachdruck verboten.)

Me »enden fich um — e« ist der Aufseher, welch«, eben eingetreten, dem Arbeiter geantwortet W. «e betrachten ihn verblasst, geärgert, und Wauar» Gruß findet kaum die gewohnte achturgS- olle Erwiderung. Er t« indessen, als ob er ihre vtlegene Stimmung richt bemerke und bestellt fich e ne» Trunk. Al» einige aufstehen, um ihm ihren *' Etz anzubiete», lehnt er ab u»d lehnt sich an die Ecke eine» freien Tische».

„Wen» ich »ichr irre, s, wäret Ihr eben am Spreche», Wetzet," sagt er z» diesem. „Fahrt fort, j »»° tut, al» ob ich nicht da wäre."

Allein Wetzer entgegnet, daß er just alles gesagt, ®a« zu sagen und daß die Männer eben daran wären, eine» endgültige» Beschluß zu fasse».

S» ist nicht so, den» mehrere habe» ihre Ansicht »och äußer» wolle». Doch W tzer kennt den Einfluß, welche» der Aufseher auf die Gemüter ausübt; er well demselben dadurch zuvorkcmme», daß er die ganze Angelegenheit als bereit» erledigt hinstellt.

„Dr» kann nicht fein," erwidert Bitner ruhig, bestimmt. „Ihr seid hier kaum eine halbe ®u»be beisammen, und man faßt einen Entschluß etft, wenn man alle Seiten einer Sache gehörig bttrachtet hat. DcS aber habt Ihr bi» jetzt nicht Man. Die Leute habe» nur Euch gehört, Ihre und wie Ansichten kenne ich — jetzt sollt Ihr einmal

"ewigen hören.- Damit springt er auf und Writet durch die Reiben zum Schenkttsch vor. Er vraucht keinen erhöhten Platz einzunehme», nie Wetzer •uro!» getan, den» durch feine ungewöhnliche Körper- F«Be überragt er fegst diesen gen, welche stehe». I

„Ja, ja, der Meister soll reden!" rufen die andere» — „ein kluge» Wort kann man allezeit höre», und wir können hernach doch immer noch tun, war wir wollen."

„Gewiß, da» könnt Ihr," erwidert Werner, „ober laßt un» zunächst wie verständige Männer die Sache von alle» Seite» betrachten und dann erst be aien, wo» zu tun ist. Da Ihr mich zu Eurem Sprechet erwählt habt, sollt Ihr zunächst meine Ansicht hören; später mag jeder von Euch sagen, wa» er denkt."

Gustav Wetzet brummt etwa» vor fich hi», ver­schränkt die Arme und macht ein Gesicht, welches deutlich ausdrücke» soll: ich bin so taub wie die Wand hinter mir.

Der Aufseher aber beginnt unbekümmert:

„Manchen Sommer und m nchen Winter habe ich schon hier in Altdorf «»ter Euch gelebt. Stet» habe ich dabei die Augen offen gehabt, nicht um neugierig zu spionieren, sondern well ich ein wirkliche» Interesse an Euter Lebensweise hatte und wünschte, daß es Euch alle» so gut, al» nut immer »ö glich, gehen möchte. Da sah ich den», daß Ihr im Sommer, also in der guten Zell, in de» Tag hineinwirtschastet, wie ! man zu sagen t flegt, und doch nicht um einen Punkt freudiger oder zufriedener arbeitet. Im Winter klagtet Ihr im Uebetwaß — die meisten mit Recht, den» .die Seiten waren schwer. Vorn Klagen ober wird man weder sott noch reich, e» ist gewöhnlich nutzlos. W-r.n es a-"ttS märe, so sähe die Schenk- stube „zum Salmenfischet" jetzt eine Versammlung von lauter angesehen:», wohlhabende» Männer» in ihren Mauer». (Einige lachen und »icke» beifällig; die Miene» aabtter verdüstern fich noch mehr.) Während Ihr Euch »»» teil» tatloS härmtet, teils ausrührerische Pläne faßtet, welche olle an dem richtigen Mittel vot- beischvffe», dachte ich beständig »ach, woran eigentlich die Schuld liege. Ich hatte in jedem Iahte gesehen, daß e» immer denselben unter Euch schlechter ging, und daS waren nicht gerade die Famllien, welche die I

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_____________ 31. Jahrgang.

I Landgerichts Präsidenten Dr. von Schmidt in Halle tn Verhandlung geinten, der nach anfänglichem

| 8ö9«n unter Zurückstellung seiner persönlichen Wünsche fich zur Uebernahme der Stelle be eit fand und alsdann unter Zustimmung des Staats» Ministeriums Seiner Majestät in Vorschlag ge- brachl und diesem Vorschläge gemäß znm Kammer- gerichtspräsidenten ernannt wurde. Daß bei der Besetzung der Stellen von Oberlandesgerichts- Präsidenten das Reichsjustizamt in keiner Weise beteiligt und daß dabei das Dienstalter ebenso­wenig ausschlaggebend ist, wie bei der Besetzung »on Oberpräsidien, bedarf für den Kundigen keiner Ausführung."

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