31. Jahrgang.
Mda, Dienstag, den 26. Juli 1904
M 168
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allein
o sorgenvoll au-."
.Und da- nicht ohne Grund", lautete die Antwort. „Ich kann mir nicht länger verhehlen, daß wir am Sorabend eines Streik- stehen. Die Mienen der Leute iad drohender al- je, und zu alle« Unglück ist Herr Zrunn telegraphisch zu seinem in Esten verheirateten Sohne berufen worden. ES muß sich da etwas sehr Wirbliges ereignet haben, denn der Inspektor sagte am Nachmittage, die zurückgebliebene Herrschaft sähe
solle.
„Würdest Du Dich fürchten, einige Stünden zu bleiben?" ftagt er seine Frau.
„Gewiß nicht, Leonhard. Der Hund ist ja am, und ich kann nicht verlangen, daß Du übend daheim bleibst. Aber wa- hast Du? Du
Geld, welches er mit dem neuen Gewerbe gewann, hielt nicht lange vor. Der Taler in dem ledernen Beutel wurden immer weniger, und die Anzahl der Salme immer geringer. Da, an einem stürmischen Abend, nachdem der Fischer wochenlang umsonst gewartet, schleuderte er dar Netz mit einem bösen Fluche in die Wellen, nahm den Rest seiner Erspar» ffe und erstand damit jener kleine Hau- in der Obergaste. Dort gründete er eine Schenke, erzählte seinen Gästen allabendlich die Sagen der Rheinburgen und manche wunderbare Geschichte, welche er von den Salmen oder von den Waffernixen gehört haben wollte. Da- Eine war so großer Unsinn wie da- Andere, aber der Traüm vom schnellen Reichwerden uns die nachherige Gnttäuschüng waren dem Manne „zu Kopfe gestiegen" und hatten ihn verwirrt. Die „Salme" mußte den Fluch wohl gehört und gar übel ausgenommen habe»; kehr'en sie doch nie mehr «ach jener Stelle zurück. Das Häuschen aber hat den Name» „der Salmenfischer" bis auf jetzige Generation behalten und so die Kunde von dem verrückt gewordenen Schenkwirte vom Großvater auf die Enkel vererbt.
Leonhard denkt gerade daran, daß der „Salmen»
jede Seemacht werde ihre Gründe für die A-- mierung ihrer Boote haben. Vielleicht wird diese Frage durch die Erfahrungen des rusfisch-japani- schen Krieges geklärt werden. Ohne Notwendigkeit wird die Marineoerwaltung sich sicher nicht zu einer Aenderung der Armierung entschließen, denn die Hauptaufgabe der Torpedoboote ist doch die Vernichtung großer feindlicher Schiffe durch To'pedos. .
§ Während ein Erlaß des Eisenbahn» Ministers Budde gegen die Beteilig«»; der Eiseuba uaugefteüteu au Konsum- vereiueu von der .Deutschen Tageszeuung' wiederholt freudig begrüßt wird, äußert die .Kreuzzeitung' abermals lebhafte Bedenken dagegen. Sie schreibt u. a.: „Wir können uns nicht damit befreunden, daß die Beamten, die doch auch zum Mittelstände gehören, plötzlich nicht mehr daS Recht haben sollen, sich ebenso zum gemeinschaftlichen Einkäufe ihrer Lebens, mittel zu organisieren, wie die Detailisten sich zum gemeinschaftlichen Einkäufe ihrer Warrn organisieren. Der Vorteil mag gering sein, aber er spielt bei der durch die Notwendigkeit gebotenen knappen Besoldung der Staatsbeamten doch immerhin eine Rolle im Haushalte einer Beamtenfamilte . . . Die konservative Partei hat sich zwar stets von der gewaltigen Ueberschätzung der Emkaufsgenoffenschaften frei» gehalten . . . Aber ebenso weit sind wir doch auch von der alten liberalen Auffassung entfernt, daß die freie Konkurrenz alles aufs beste und billigste regeln werde. Und gerade die Beamte«, die von dem Schalten und Walten der freien Konkurrenz doch ausgeschloffen find, insofern ihre Bezüge sich bei Hoch- und Tiefkonjunktur, bei Teuerung und in fetten Jahren gleich bleiben, möchten wir nicht von einem Rechte ausgeschloffen sehen, daS von Arbeiteen. Privat» beamten, Gewerbetreibenden immer ausgiebiger benutzt wird. Wenn Minister v. Budde .. ganz allgemein den Befehlswunsch ausspricht, daß seine Be» amten nur beim Kleinhändler kaufen, so sü chten wir, er kommt damit zu keinem guten Ende, lieber den Kleinhandel selbst wollen wir keinen Tadel auSsprechen . . . Aber die wirklichen Fachleute dieses Standes werden uns zugeben, daß fich neben ihnen eine fachkundige, auch wohl mit verwerflichen Mitteln arbeitende Konkurrenz breit macht, vielfach gerade in den Außenbezirken der Städte, wo die Beamten (der billigeren Wohnungen wegen) wohnen müffen, und daß der moderne fachmännisch geleitete Warenhaus- und Filialbe- trieb ihnen weit schädlicher ist, als sämtliche Konsumvereine. Wir fürchten, die Gisenbahn- beamten, die nun aus den Konsumvereinen aus- treten, werden Ersatz suchen bei diesen Großbetriebe» des Kleinhandels, die ja auch ein schwunghaftes Versandgeschäft unterhalten; denn der Etat einer Beamtenfamilie zwingt geradezu, für olle Bedürf n-sse die billigste Einkaufsquelle zu fachen, wenn sie auch nicht die beste ist. Wer für ein Paar Stiefel nur 7 Mark zur Verfügung hat, geht dahin, wo ste 7 Mark kosten, und er kann nicht Rücksicht darauf nehmen, daß ste nur den vierten Teil eines Paares zu 14 Mark wer t find."
§ lieber die Lage des Arbeitsmarktes berichtet das vom Kaiserlichen Statistischen Amt herausgegebene ,Reichs-Arbeitsblatt': In der verhältnismäßig günstigen allgemeinen Arbeits- läge hat der Monat Juni eine Aenderung nicht gebracht. Abaesehen von den allsommerlich ein« tretenden Einflüssen der Saison in einzelnen Industrien, sowie der Saison in den Bädrrn und des Beginns der landwirtichoftlichen Arbeiten in diesem Monat, welche dem städtischen Arbeits- markt eine Anzahl Ärbeittkräfte entziehen, find bemerlerSwerte Aenderungen der allgemeinen Konjunktur nicht Hel vorgetreten. Die Flauheit im Kohlenbergbau ist insbesondere im Ruhrbezirk noch nicht überwunden. Die Konjunktur in der Metall- und Maschinenindustrie ist verhältnismäßig günstig, und auch in der elektrischen Industrie hat die befriedigende Arbeitslage im Monat Juni angehalten. Die Textilindustrie litt auch im Monat Juni unter starken Preisschwankungen, in einzelnen Branchen (Krefelder Industrie) ist die Arbeitslage zur Zeit recht un» günstig. Der Bei kehr bei den Arbeitsnachweisungen gestaltete sich recht lebhaft. Sowohl die Ziffern der Veimittelungslätigkeit, als die Begleitberichte der Arbeitsnachweise ergeben, daß der Arbeitmarkt für diejenigen Kreise, welche die Arbeitsnachweise benutzen, sich in diesem Juni günstiger gestaltet hat, als im Juni des Vorjahres. Die Mitgliedsziffern der Krankenkaffen weisen zwar anscheinend einen geringen Rückgang auf, jedoch erklärt sich derselbe teils durch einen erheblichen Rechenfehler bei einer Kaffe, teils durch das Abstiömen von Aibeitskräften in die Bäder und in die Landwirtschaft. In den an das Kaiserliche Statistische Amt berichtenden Ar- beiter-Fachverbänden waren am 30. Juni 1,9 Prozent der Mitglieder arbeitslos gegen 3.2 Prozent am 30. Juni des Vorjahres.
* Königsberg, 25.Juli 1904. Im Hochverrats- und Geheimbundsprozeß wurde heute das Urteil gesprochen: Die Angeklagten Kögst, Ehrenpfort und Brau» wurden freigesprochen: Novagotzky wurde zu zweieinhalb Monaten, Kügel zu drei Monaten, Klein zu acht Wochen, Treptau zu 21/2 Monaten, Merting unb Paetzel zu je 3 Monaten Gefängnis wegen geheimer Verbindung verurteilt. Die Angeklagten wurden von der Anklage des Hochverrats sämtlich freigesprochen.Novagrotzky, Kugel, Klein und Treptau wurde ein großer Teil der Untersuchungshaft angerechnet.
wach- jeben stehst
Der Schneeball unb daS böse Wort Sie wachse», wie fie rollen fort: Sme Handvoll wirs zum Tore hinaus, Sin Berg wird'S vor des NachbarS Hans.
W. Müller.
„Heute Abend im Salmenfischer!"
Der „Salmenfischer" >st ein Wirtshaus in einer der entlegensten Gaffen von Altdorf, eine schmutzige, ! eine Schenke, in welcher nur die ärmsten unter be» Arbeitern verkehren. Diese Schenke hat ihre Geschichte. Bor mehr als hunbert Jahre», so erzählt man sich, oll einmal baS Geschlecht ber Salme, jener so be» Lebten teuren Fischart plötzlich bie Lust angewandett I iahen, statt an den sonst gewohnte» Plätze» — ober- ! alb Altdorf» Halt zu machen. Einer der Einwohner ! atte fich seiidem ausschließlich auf den Fischfang verlegt. Stundenlang saß er am Rheinuser, träumerisch n die grünen Fluten starrend, als lausche er seltsamen Märlein, welche bie stumme» Geschöpfe unter bem Wasserspiegel ba unten ihm erzählten. Manch prächtiger Fisch ging mittlerweile in fein Netz, aber das
Deutsches Reich.
Berlin, de» 25. Juli 1904.
** Der Chef des Wiborgsche« Jufau- terie-Regimentes. Der Abschtedsgruß Kaiser Wilhelms an sein russisches Regiment, welchen
Äfchetttt täglich, mit Zunahme der Sonn, «d-eiertage. Viertel- MeUVerngsprel, Mw vringerlohn und Mßellgeld in Znlda und MMärtrlMt. 50 psg.
verantwortttcher
»n,eigen: Vie r* spaltige petttzeile der«, Haarn 15 vtz- Bdlamen die petitjeile 25 psg.; bei wieder- helnnge» wird entspr.
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sicher" jedermann offen stehe, unb an diesem Abend mch ihn mit Gewißheit unter seimn Gästen s'
Kaiser L. ilhelm IL in der Uniform seines russischen (BZyborgschen) Regiments.
dieses kurz vor dem Ausmarsch auf tklegraphsichem Wege erhielt, Halle bekanntlich in der Presse Anlaß zu lebhaften Erörterungen gegeben. Sicher ist, daß die russischen Soldaten sich ehrlich Über diese spontane Kundgebung Kaiser Wilhelms ge- fteul haben. Es erfüllte sie mit Genugtuung, daß der kaiserliche Chef des Regiments ihrer in der Stunde, wo sie sich anschickten, nach dem fernen Osten abzugehen, um dort ihr Leben für das Vaterland einzusetzen, nicht vergessen hat. Das Wiborgische Infanterieregiment stehl in Nowgorod.
** Gegen die „Berklösteruug" Deutsch' lauds ereifert sich der.Reichsbote' im Anschluffe an die sattsam bekannte .Wartburg - Korrespondenz'. Wir gehen auf das Gefasel des Pastorenblattes nicht näher ein, weil es doch keinen Zweck hat. Nur über einen Punkt möchten wir um nähere Auskunft bitten. Tas Blatt behauptet, Papst Leo XIII. habe den „Laienstaat" der evangelischen Hohenzollern roch in seinem Testamente als auszurottendrs Erbe ber Reformation verworfen. Dieses Testament wird der ,Reichsbote' hoffentlich im Wortlaute mitteilen können. Andernfalls müßte er es sich gefallen lassen, daß wir ihn einen unverschämten Lügner und Hetzer nennen.
Die rauchige Hängelampe in ber Schenkstube zum „Salmenfischer" bescheint bie volle Zahl der Brunn» chen Arbeiter. Dicht aneinander gebrängt fitzen fie auf Bänken, auf leeren Fäßchen und den innere» Fensterbrüstungen; diejenigen, welche der vordere Raum nicht faßt, haben in dem kleinen Nebengemach der Wirtes Platz gefunden.
Peter Gutmann, der Wirt, mag fette» eine so iattliche Be sammlung in seinem Eigentum gesehen laben. Er schmunzelt gar vergnüglich, steckt ein riicheS Faß an und zieht vorsichtig den Schlüssel zu ber kleinen Schublade unter bem Schenktische 'ab, bann meint er: Nun könne eS loSgehen, wenn e» be» Herren beliebe.
SS dauert lange, bis in bem rauch- unb qualm- erfüllten Raume jemano zu Worte kommt. Biele
Vas haus im Gebirge.
Erzählung ans der Gegenwart von Klara Lötschert (Marga Brechten.)
5 ------(Nachdruck verboten.)
„Wollen'- abwarten, Herr; werden ja sehen, wer den Kürzeren zieht", brummte Wetzer höhnisch während keine Augen unheimlich funkeln. Da begegnen dieselben denen bei Aufsehers, welcher gerade auf ihn zugeschritten kommt. Er senkt den Blick, denn er »irchtet den jungen, aber ernsten Vorgesetzten, der r ich die kleinste Versäumnis strenge rügt unb dessen grober, offener Charakter seinem schleichende» Gela bren schnurstrack» entgegen ist. Mißmutig begibt er fich auf seinen Posten, doch schon »ach wenigen W unten geht eS wie ein Lauffeuer von Mund zu Mund: „Heute Abend hn SalmenfischerI"
Werner hört eS. Mitten unter dem Stampfen der Hämmer und dem Getöse der Salzn vernimmt er daS dumpfe Gemurmel der Unzuftievenen und die unterdrückten Verwünschungen. Er betrachtet die rauchgeschwärzte» Gesichter und sieht, daß fie nichts Guter verkünde».
Bei der Abwesenhett deS Prinzipals fürchtet er einen An-stand doppelt. Drum würde er fich gerne mit b»m Inspektor beraten, ober er weiß, daß dieser ihm abhold ist, wegen seiner großen Macht über die Arbeiter In einem Anflug von kleinlicher, aber viellrirt verzeihlicher E'.fersucht hatte Grünthaler seinem Herr» gegenüber einmal die Aenßernng getan: der Ausseher scheine fein Recht üver die Leute zu mißbrauchen, worauf jener geantwortet: man könne bett jungen Man» ja klein halten.
Diese Bemerkungen waren Werner hinterbracht worden. Er hatte versucht, ihnen als einer elenden Zwischenträgern, keine» Glaube» zu schenken. Umfonft — et konnte dieselben nicht vergtffe». ES kochte und gärte in ihm, wen» er einen von seinen Borgesetzten
*, Zn der Beschlagnahme von Post- schiffen dnrch Rntzlanv. Auf den deutschen Protest gegen die Aufbringung der „Scandia" hat die russische Regierung erklärt, daß der Be> fehl zur sofortigen Freilassung der „Scandia" bereits ergangen sei. Aus diesem Anlaß schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg/: „Es gereicht uns zur Befriedigung, daß die Angelegenheit der Beschlagnahme deS Dampfers „Scandia" im Roten Meere so rasch und so glatt beigelegt worden ist. Am Samstag traf die Nachrich ein, daß die „Scandia" der Hamburg-Amerika. Linie durch den russischen Hilfskreuzer „Smolensk" aufgebracht worden sei und unter russischer Bemannung durch den Suezkanal zurückgebracht werde. Nach der Erklärung der Hamburg- Amerika.Linie führte die „Scandia" zwar Muni» tion für die Südsie und für chinesische Rechnun z nach Schanghai, sonst nur Kaufmannsgut un: überhaupt keinen Konterbande an Bord. Noch am selbe» Tage erhielt der deutsche Botschafter in Petersburg Anweisung, unverzüglich Protest bei der russischen Regierung zu erheben und die Freigabe oes Dampfers zu verlangen. Am Sonntag meldete bet Botschafter zurück, daß nac ■ der Erklärung des Ministers Grafen Lamsdorf bereits Best hl zur sofortigen Freilassung des Schiffes ergangen ssei, und diese erfüllte dann noch am selben Abend in Port Said. Gleichzeitig konnte der Botschafter Gras v. Aloensieben melden, daß künftig bte Hilfskreuzer der Frei- willigenflotte nicht mehr zur Durchsuchung und Wegnahme neutraler Schiffe im Roten Meere verwendet werden würden." Nach dem ,Berl. Lok. Anz/ ist auch die Ang» legenheit des Dampfers „Prinz Heinrich" gütlich erledigt. Die russische Regierung hat anerkannt, daß der Kommandant des Hilfskreuzers zur Konfiskation der Postsäcke nicht berechtigt war, und hat ange< ordnet, daß sie auf dem schnellsten Wege ihrem Bestimmungsorte zugefühtt werden. Alle berechtigten Schadenersatzansprüche werden berücksichtigt werden. Uebrigens ist der „Prinz Heinrich" in den Gt wässer» von Ceylon aufgelaufe» und erlitt eine Bodenbeschadigung. Post und Paffagiere wurden mit dem Dampfer „Polyan- fien" weiter befördert.
Der frühere Oberleutnant Rüger, der bekanntlich wegen Totschlags des Hauptmanns Adam zu sechsjährigem Zuchthaus verurteilt worden war, ist jetzt völlig begnadigt aus dem Straßburger Bezirks-Gefängnisse entlassen worden. Im Vorjahre war seine Strafe in Gefängnis umgewandelt worden.
* Die Frage einer Verstärkung der artilleristischen Armierung der dentschen Torpedoboote wird der .Post' zufolge in den maßgebenden Marinekreisen erwogen. Die beut» schen Boote von 400 Tonnen Wasserverdrängung besitzen gegenwärtig je drei 5 Ztr Schnellfeuerkanonen. England, Frankreich, Rußland und Japan geben ihren Booten, obwohl diese durchweg kleiner find, eine stärkere Bewaffnung, vor allem ein größeres Geschütz. Die ,Post' meint elbst, es sei natürlich außerordentlich schwer, zu agen, welche Armierung die richtige sei, denn äh. Dennoch hält er an fich, unb begegnet benfelben tetr mit derselben Achtung, wie früher. Wenn es hm schwer fällt, so treu tote sonst auf seinem Posten auszubarren, so vergegenwärtigt er fich die merkwüc- b ge Erscheinung seines Dienstherr»: d.s edle, von weißem Haar umrahmte Gesicht. Er denkt an so manches aufmunternbe Wort desselben, an bte Bereitwilligkeit, mit welcher Brunn ihn, be» damals heimatlosen Wanderges-llen, unter bie Arbeiter aufgenommen unb an daS Vertrauen, das er ihm geschenkt. Was er jetzt ist, daS ist er durch Gottes Hülfe, durch feine eigene Kraft, aber auch durch bie Güte seines Chefs.
Noch in biefer Stunde beschließt er, s ine Macht über bie Leute zu Gunsten Brunnr auszunutzen Koste er, waS eS will — bie Anschläge der Leute müssen vereitelt werben, utb wenn er ben ganzen Einfluß welchen man ihm zum Vorwurf gemacht, aufbieten soll.
6 Der rvsßjch'WkWchs Krieg
Das Wladiwostok-Geschwader hat am Sonntag im Japanischen Meer ein englisches Schiff in ben Grund gebohrt, lieber das Vorkommnis meldet das Reuter'sche Bureau am Montag aus Tokio: Das Wladiwostok-Geschwader bohrte vorgestern bei I d z u den von New - Uork über Manila und Schanghai nach Uokohama bestimmten britischen Dampfer „Knight Commander" in den Grund. Der Dampfer hatte Ladung verschiedener Art an Bord. Die gar ernst drei» — Fran Brann habe seinen Mitteilungen kaum Gehör geschenkt. Dar letztere ist nun immerhin schlimm, denn wenn jetzt wirklich eine Arbeit-» eir-stellung eintritt, wird fie bedeutende Verluste für die Gießerei nach fich ziehen. Da sollte bie Dame lieber mit uns beraten, was fich tun läßt."
„O Leonhard, es gibt Dinge, welche dem Herzen einer Frau näher stehen, als baS Geld!"
„Allerdings. Immerhin meine ich, sollten Klugheit unb Wachlamkeft it den meiste» Fällen allem andere» vorangehen. Wer weiß indes, waS eS diesmal ein m>g.
„DaS eben denke ich auch. Von Dir kann man Übrigens sagen: wer keine eigene Sorgen hat, der macht fich welche aus anbei er Leute Angelegenheiten."
Werner lacht. „Im vorliegenden Falle ist eS nicht mehr als billig, wenn ich es tue — muß mir doch die Wohlfahrt meiner Borgesetzen so sehr am Herze» regen, wie mein eigenes Glück. Und nun gute Nacht, Magda — bleibe ja nicht zu lange auf, hörst Du?" — er küßt die beiden Knaben und verläßt hastig da- HauS.
MaerW Zeitung
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