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druck und Verlag 6 ZuldaerRctiendruckri in Zulda (Harmout' Zernfprecher Ur L
31. Jahrgang.
KUda, Montag, dm 25. Juli 1904.
M 167.
Berlin, den 23. Juli 1904.
0 Der Kaiser wird, wie die englische Zeitung.Truth' meldet, wahrscheinlich die zweite Hälfte des Norember in England zubringen und tn diesem Falle der Gast des Königs in Schloß Windsor und des Lord Lonsdale in Lowther- castle sein.
♦# Der Gouverneur vo« Togo, Horn, weilt feit Dezember in Deutschland auf Urlaub. Es ist ausgefallen, daß Herr Horn weder an der Beratung des Etats für seine Kolonie, noch an der Beratung über die Togobahn teilgenommen hat, obwohl er damals in der Heimat war und die Gouverneure anderer Kolonien bei entsprechenden Gelegenheiten den Reichstag persönlich zu informieren pflegen. Wie die ,Nat. > Ztg.' nun hört, dürfte Herr Horn kaum nach Togo zurückkehren, da ein Herzleiden ihm den ferneren Aufen- halt in den Tropen verbieten wird. Gouverneur Horn hat seinerzeit bereits krankheitshalber die Abreise aus der Kolonie beschleunigen und beim Berühren des englischen Gebietes eine Einladung der dortigen Behörden ablehnen müssen.
* Während unsere ,»russischen Freunde" auf den energischen Protest Englands in der „Malacca-'Angelegenheit sofort eingelenkt haben, hat dre deutsche Beschwerde gegen die völkerrechti!widrige Behandlung des Postdampfers „Prinz Heinrich" nicht nur bisher roch nicht ihre Erledigung gefunden, sie ist sogar mit einem neu en „Freundschaftsbeweis" beantwortet worden. Der Dampfer „Skandia" von der Hamburg Amerika-Lirie ist im Roten Meer von den Russen festgehalten und unter russischer Flagge, besetzt von russischen Offtzirren und Mannschaften, nach Suez gebracht worden. Kriegsmaterial für Japan befindet sich nach der Ver- ficherung der Eigentümer in keiner Form an Bord. Die Hamburg-Amerika-Linie hat schon bei Beginn des Krieges es ihren Vertretern zur besonderen Pflicht gemacht, Kriegskontrebande die Beförderung zu verweigern. Sie hat sich an das Auswärtige Amt mit dem Anträge gewandt, diejenigen Schritte unverzüglich einleiten zu wollen, welche zur Aufklärung dieses unliebsamen Zwischenfalles notwendig erscheinen. Man hätte doch erwarte» sollen, die russische Regierung hätte nach dem Vorfall mit dem „Prinzen Heinrich" sofort eine Instruktion an ihre „Freiwillige Flotte" erlasse», die die Wiederholung einer solchen Rücksichtslosigkeit gegen deutsche Schiffe unmöglich machen müßte. Aber nein, sie hat offenbar gar nichts getan, und so wird die Rücksichtslosigkeit immer ärger Bei der Dienstwilligkeit, die man von deutscher Seite den „russischen Freunden" schon so reichlich erwiesen hat, ist es am Ende kein Wunder, wenn diese glauben, sie könnten sich ungestraft alles herausnehmen. Aber wenn mau in Petersburg so klug ist, wie gern behauptet wird, dann sollte man dort doch einsehen, daß sogar deutsche Geduld nicht unerschöpflich ist und daß es doch nicht im Interesse Rußlands liegen
Das haus im Gebirge.
Erzählung aus der Gegenwart von Klara Lötschert (Marga Brcchten.)
4 ------ (Nachdruck verboten.)
2. Kapitel.
Erste Sorgen.
Wies nun ist auf Erden. Also sollt's nicht sein — Laßt unS bester werden, Gleich wird's bester sei». Overbeck.
Acht Jahre später.
In der großen Unterstabe der Hauses im Gebirge spielen zwei muntere Knabe«. Er find wohl, erzogene, kluge Kinder, die Freute und der Stolz chrcr Eltern und Großeltern. Wenn sie dann und wann einmal i« die „Schwarze Elster" hinab dürfen, jo ist da- immer ein wahrer Festtag für alle.
DaS kleine Wirtshaus sieht von außen und innen »och beinahe gerade so au?, wie an jenem regnerischen Souunertage, da Leonhard Werner um seine Magda anhielt. Nur Jakob Kirstuer scheint ein wenig der- ändert. Er verweilt seltener unter der HauStüre, und wenn er dort steht, so ist fein Gesicht nicht mehr fröhlich, wie einst, sondern eher düster und sorgenvoll, wie das von unzähligen anderen Menschenkindern. Seine Tochter bemerkt er und macht ihrer Unruhe ihrem Manne gegenüber in Worten Lust
„Was mag nur den Wern fehlen — sie find so «nz entert, als früher", wiederbolt fie oft. „Ob ide ei« Ungemach brückt, oder die Borboten des her- annahenden Alters?"
„Sied' Dich unter unseren Bekannten und Nachbarn nm," memte dieser dann. „Du wirst überall wehr ernsten, als heitere» Kefich'ern begegne». Die Hetzen find eben schlecht, Liebe. Daher mögen wen'-ger
kann, sich im gegenwärtigen Augenblick auch noch die deutschen Eya pachten vollständig zu verscherzen. Selbst die »Post' schreibt zu dem neuesten Freund- schafisstreich: „Es 'st klar, daß diese zweite Rücksichtslosigkeit der Russen von neuem tn Deutschland viel böses Blut machen und die ohnehin nicht besonders günstige Lag« der russischen Diplomatie weiterhin verschlechtern wird. Es ist beim besten Will«» nicht einzusehen, welche Gründe rusfischersei ts vorliegen.um sich die noch vorhandenen Sympathien gründlich zu zerstören. Diese« ganze Versahren bedeutet entweder eine grobe Mißachtung des neutralen Auslandes, die sich bitter rächen kann, oder eine Direktions- und Jnstrukttons- losigkeit, für die außerhalb Rußlands j!d<s Verständnis mangeln dürfte. Es ist höchste Zeit, daß von oben herab diesem Treiben E nyalt geboten wird, wenn man russtscherseits nicht einen ähnlichen Sturm in der öffentlichen Meinung Deutschlands heravfbeschwören will, wie in England. Die notwendige Folge einer derartigen Volksstimmung würde eite merkbar veränderte Haltung der deutschen Diplomatie fein.*
** Der jesuitenscheue ,Reichsbote' läßt sich van einer Dame schreiben: Aus dem Munde eines Terrain-Maklers hörte ich kürzlich dies: „Die aus Frankreich aus gewiesenen Jesuiten bekommen wir jetzt ins Land. Ich selbst stehe in Unterhandlung mit dem Orden wegen eines Grundstückes tn einem westlichen Vororte Berlins. Das alte Schloß mit dem schönen Parke, die stilleLage, alles ist wie geschaffen für denOcden. Das Geld haben sie ja bekanntlich reichltch. Die Sache ist so gur, wie perfekt." — Entweder hat der Makler die Dame zum besten gehabt, oder der,Reichsbote' ist zum besten gehalten worden.
* Das Mitglied des Preußischen Hirrenhauses Herr v. Koseielski hat in der .National Review' einen Aufsatz über „Preußen und die Polen" veröffentlicht, welcher die preußische Polerpoliük von der Zeit Friedrichs des Großen an als Ungerechtigkeit und Barbarei hinzustellen sucht. Dazu schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg.': „Wir würden auf dieses Machwerk nicht jein« gehen, wenn nicht dabei die Tendenz augenfällig hervorträte, durch Aussäen von Mißtrauen zwischen Deutschland und seinen Nachbarn den Boden für eine künftige Wiederherstellung des Polenreiches vorzudereiten. Um das russische Volk gegen Deutschland aufzuhetzen, behauptet Herr v. KokcielSki, der ostafiatffche Krieg habe bei den Deutschen Eroberungsgelüste auf Kosten Rußlands hervorgerufen. Die Schüler der Mittelschulen in Ostpreußen würden bereits von schulwegen durch Verbreitung entsprechender Landkarten für die Eroberung einstiger preußi- scher, jetzt russischer Gebietsteile des ehemaligen Polenreiches begeistert. Bei uns und auch in Rußland wird man derartige durchsichtige Versuche, zwischen den befreundeten Nachbarn zu Gunsten der polnischen Hoffnunoen Zwietracht zu säen, gebührend einzuschätzen wissen. Bei der weitreichenden Verbindung der national-polnischen Kreise mit den Redaktionen der verschiedensten deutsch-feindlichen Blätter tn allen Ländern ist aber zu fürchten, daß die Koscielrktschen Verdächtigungen die Runde durch die Welt machen und schließlich doch bei leichtgläubigen und den
Gäste in der „Schwarzen Elster" verkehren, als sonst. Jeder sucht eben sein Geld zusammen zu halten."
Leonhard Werner hat Recht. Es ist eine teuere Zeit über das Land gekommen, oder vielmehr: der letzte Winter hat wirkliche Not gebracht.
Einem glühend heißen Sommer war ein regnerischer Herbst gefolgt und der Winter fast nur wie eine Fortsctzmg desselben gewesen. Die ungewöhnlich milde, feuchte Witterung aber hatte die Menschen entkräftet und sie für körperliche Leiden empfänglicher gemacht. Als daher ein Fieber n ter Gegend aus- brach, gab eS auch in Altdorf nur wenige Häuser, welche davon verschont blieben. Die Krankheit sord erte manches Opfer. Nachdem fie endlich gewichen, kehrten diejenigen, welche glücklich davon gekommen, schwach und müde, viele von ihnen gänzlich mutlos zu ihrer Berufsarbeit zurück. Dazu war die Saat im Felde gänzlich verdorben und aus anderen LandstrcckcN kam die Nachricht, daß auch die Kartoffeln, jenes Haupt- Nahrungsmittel des Armer», vielfach der Fäulniß anheim gefauen waren.
So ist eS Sommer geworden, und mit demselben hat ein teures Jahr begonnen. Ueberall in Stadt und Dorf fleht man nur ernste und betrübte Mienen. Noch gehen die Brotpreise in die Höhe, und die ärmeren Leute können es sich nur für den Sonntag erlauben, ein Stückchen Fleisch einzukaufen. Infolge der Ausstände in den Kohlenbezirken sollen im Herbste auch die Kodlenpreise eine bedeutende Steigerung erfahren. Diese Tatsache ist für Altdorf die empfind- lichste Seite des JahreS, wird doch die Gießerei schwer davon betreff m.
Die Arbeiter haben mit Bestimmtheit eine Erhöhung der Löhne roch vor dem Winter erwartet. Dieselbe war ihnen auch halb und halb in Aussicht gestellt worden, allein zu der Zeit, da man noch nicht au einen Bveisaufschlag des Heizung-Materials zu denken brauchte. Jetzt d«gegen läßt Gcünthaler, der
Verhältnissen fernstehenden Leuten ffl bare Münze genommen werden. Sie feien dah-r ausdrücklich als das bezeichnet, was fie find, als tendenziöse Erfindungen." — Wir kennen den Artikel des Herrn v KoscielSki nicht. Vielleicht kannten ihn auch die Hintermänner der ,Nordd. Mg. Zig.' nicht weiter, als er in deutschen Blättern wiedergegeben ist. Sollte Herr von KoscielSki wirllich geschrieben haben, was hier behauptet wird, so wäre das ein starkes Stück. Die Geschichte von den Karten kann doch kaum anders, als wider besseres Wissen von ihm erzählt worden fein. Ein Mißverständnis so grober Art ist kaum möglich.
* Zu »em Erlasse deS Ministers v. Budde gegen die Konsumvereine schreibt die ,Soz. P oxis': „Wenn die Eisenbahner sehen, daß sie mit aller ihrer bisherigen Urte wärfigkeit und bedingm gskosen Disziplin nur erreichen, daß man über ihre Rechten und Freiheiten von Mn her beliebig, ohne Rücksicht auf ihre eigensten Interessen, verfügt, sann kann es auch einmal dahin kommen, daß die loyale Stimmung in trotzige Verbitterung umschlägt Und wenn der „Verband deutscher E-senbahner" auf 100 000 anfchwrllt, dürfte eS schwer halten, sie alle durch die Bank zu maßregeln. Schließlich bleibt noch eine Frage bei dieser Konsum- vereinsbekämpfurg off er: „Hat der Herr Minister bereits den höheren Eisenbahnbeamten den Austritt aus den Offiziers- und Beamtenkaufverem en besohlen?" ES ist nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Herr v. Budde hat nur den „Eisenbahnbediensteten" empfohlen, die Konsumvereine zu meiden. Mit den höheren Beamten und dem Warenhause sür Ossiziere und Beamten wird es also wohl etwas anderes sein.
** Der Lehrer «ls „ehrlicher Makler" für das Deutschtum, das ist daS neueste Erzeugnis de? Hakatismus. Der,Dziennik Pozoanskl' veröffentlicht folgenden Brief des Lehrers Bensch aus Kozieglowy bei Glcwno: „Ich habe in Erfahrung gebracht, daß sich in Pofen eine Genossenschaft gebildet hat, um auch kleinere bäuerliche Grundstücke anzukaufen, und dieselben mit deutschen Landwirten zu besetzen. Gerade in der hiesigen Gegend wäre es dringend notwendig, das Deutschtum zu stärken, und eS bietet sich Gelegenheit, einige Wirtschaften aus polnischen Händen anzukaufen. Als Beamter und deutscher Mann will ich mich gern zu Diensten der deutschen Sache stellen, um bei Einkauf der Grundstücke als Vermittler wirken zu können. Ich bin der polnischen Sprache vollständig mächtig, und es würden durch mich leicht einige schöne Wirtschaften in deutsche Hände übergehen können. Es wollen nämlich drei Wirte ihre Grundstücke, jedoch nur an Polen, verkaufen. Ich versichere aber, daß die hochgeehrten Herren diese Wirtschaften durch meine Vermittelung leicht ankaufen können." — Natürlich will der Mann bei der Vermittlung des Geschäfts verdienen, wenn er es auch nicht ausdrücklich sagt. In das „System" paßt er ausgezeichnet und deshalb sollte man ihm eigentlich doppelte „vflmarken-Zulage" geben.
* Zu den Vereinbarungen über den -eutsch- russischen Handelsvertrag will die ,N. Pol.
alte I, spektor, deutlich werken, daß keine Rede mehr batten sein könne. Durch die allgcmcine Geschäfts- stvckung hatte die Gesellschaft bedeutende Verluste erlitten. Der Kohlenbedarf der Gießerei aber mußte nach wie ber gedeckt werden, mag der Kostenaufwand auch so groß fein, als er immer will.
Diesen letzteren Umstand sehen die Arbeiter ein. Wie aber soll ihnen selbst Hilfe werden, wenn nicht durch Aufbifferung ihrer täglichen Einnahmen. Und wenn man ihnen dieselbe nicht gutwillig zugesteht, so bleibt kein anderer Weg übrig, a!S die r fff ne Auflehnung — das heißt Verweiverurg der Arbeit.
Es find nicht eben die hellsten Köpft, in welchen dieser Gedanke aufgeblitzt ist — daS neue Lied, bas zu berselben Zeit mit drohender Stärke an versckie- btnen Orten gesunken wird, bald Sperre, bald Ausstand oder Streik genannt. In den Herzen bet Un« jufriebenen finbet es einen parken Widerhall. Warum sollte es hier nicht endlich einmal in Altdorf gesungen werden? Gehörten dessen Bewohner etwa zu den Dumme», we-l die MeÄzahl von ihnen sich dazu ber- stanb, für kärglichen Lohn zu arbeiten? Oder waren sie nicht etwa eher Feiglinge, well fie das Ungerechte itrer Lage eirsahen und eS doch bi» jetzt nicht gewagt hatten, sich dagegen aufzulehnen?
- „Feiglinge!" Wer von ihnen hatte daS Wort zuerst fallen lassen? Sie wissen eS nicht, aber daß (Einer es ausgesprochen, daS ist sicher. Und daß es gezündet hat, da» sehen fie euch wenn fie einander nur in die Augen blicken--wie es darin leucht t
und glüht — erst langsam aufglimmend — ein düsterer, aber schnell anwachsendeS Feuer.
Leonhard Werner, der Aufseher, bemerkt eS, als er wie zufällig durch die Räume der Gießerei schreitet — noch find alle Arbeiter an ihrem Platze, aber wie lang- noch? Marge.-, übermorgen an jedem kommenden Tage konnte die Empörung unter ihnen anSbrechen uns bann? Er weiß, daß am Nachmittag eine
Äon.' melden können, dcß die Nachricht, Deutsch» lanb habe in der Beter inärfrage nach gegeben, unrichtig sei. Nach dem ,Berl. Börs. Kour.' soll die Peraphterung des Vertrages in den nächsten zehn bis vierzehn Tagen zu erwarten sein.
* Die Zunahme der Einnahme« der preußisch - hnffische« Staatsbahue« im Monat Juni sowohl wie im ersten Viertel deS Etatsjahres überhaupt hält sich mit durchschnitt« dich etwas über 5 Millionen Mk. für den Monat auf einer normalen, grünten Verkehrsmrhält- niffen entsprechenden Höhe. Diese Entwickelung des Verkehrs berechtigt zu der Erwartung, daß auch, abgesehen von dem VerkehrSzuwachs infolge der Einschränkung der Binnensch'ffahrt, die steigende Tendenz im Eisenbahnverkehr und demzufolge auch in den Eisenbahneinnahmen an- dauern wird. To d^rf auch für 1904 auf eine nicht unerhebliche Mehreinnahme über den Etatsansatz gerechnet werden. Schon die Mehreinnahme des ersten Vierteljahres bleibt nicht mehr allmviel hinter dem Betrage zurück, um den der Etatsansatz für 1904 die Jsteinnahme für 1903 übersteigt. Die ,Berl. Pol. Nachr.' meinen, es fei bei der ungemein Hohen finanziellen Leistungsfähigkeit des preußisch-hessischen Staatsbahnnetzes nur zu natürlich, wenn andere deutsche Eisenbahnoerwaltungen, ohne sich dieser Eisenbahngemeinschaft ar schließen zu wollen, die Herstellung gewisser gemeinschaftlicher Einrichtungen anstrebten, durch die sie an den Vorteilen des Eisenbahngroßbetriebes teilnehmen könnten. Die preußisch-hessische Bahnoerwaltung habe der Natur der Sache nach etn geringeres Interesse an der Verwirklichung solcher Pläne, aber sie werde in freundschaftlicher Gesinnung gern die Hand zu Veränderungen bieten, die, ohne die eigenen Interessen zu schädigen, die finanzielle Leistungsfähigkeit der Bahnen von Nachbarstaaten zu heben geeignet feien.
* Der rrWH likximLlche Krieg.
Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz lasse« auch jetzt noch kein Urteil zu, über die alarmierenden Meldungen der letzten Tage. Noch immer beschränken sich die eingehenden Nachrichten zum größten Teile auf unkontrollierbare nichtamtliche Meldungen, bereit Ursprung meist zweifelhafter Art ist, die sich auch nicht selten selbst widersprechen. In dieser Sage bleibt nichts weiter übrig, als von allen Meldungen Notiz zu nehmen und der unausbleiblichen Entscheidung entgegen- zuseben.
Es liegen einige Einzelmeldungen vor über die Kämpfe der letzten Tage, deren Zusammenhang zur Zeit noch nicht zu Übersehen ist. Am Samstag wurde durch Reuters Bureau eine Meldung aus General Kurokis Haup!quartier über Fusan vom 22. Juli verbreitet, nach der das Resultat der fünftägigen Tätigkeit Kurokis darin bestanden habe, baß die Japaner sich bessere strategische Linien zum Vormarsch gesichert, und daß die Russen ihre besten Verteidigungsstellungen auf beiden Seilen der Straßen Liaujang-Mulden verloren hätten
General Kuroki zwang die Ruffev, eine befestigte Stellung am Tschif lusse, nordwest-
Abteilung bei dem Inspektor gewesen ist; — er hätte derselben Voraussagen können, welches das Ende der Unterredung sein würbe. Gerade jetzt können ihre Forderunge» unmöglich bewilligt werd en; der Ausschlag, den man verlangte, ist überdies nichts weniger als bescheiden — nun, da man endlich einmal daran war regelrecht zu streiken, tollte eS auch ber Mühe wert sein. So hatte wenigstens Gustav Metzer, einer ber HaupträbklSsührer, gemeint, ber „clleS im großen betrieb", wie er selbst sagte. Wenn er barmt auf seine hochfliegenben Pläne unb die aufrührerischen Reuen, welche er ab unb zu nach S.ierabenb zu halten suchte, hingebeutet, ko hat er sicherlich Recht gehabt. Auf sein büsteres Heim aber läßt sich baS Wort nimmer antoenben, denn bort sieht es gar armselig au» — i- allen Ecken grist bie bitterste Armut.
Im vergangenen Winter war Magda Werner einmal dort gewesen, al 8 fie von ber Not unb bet verlassenen Sage gehört, m welche bie Frau des Wetzer mit ihrem kleinen Kinde durch lange Krankheit geraten war. Seitdem erfuhr sie nichts mehr von ihnen, nur Leonhard hatte ab unb zu über ben störischen Sinn des Arbeiters geklagt.
Martin Lönner ist längst bei Seite getreten. Er verhält sich jetzt still unb ruhig. Statt seiner hat Gustav Wetzer eS verstanden, sich an bie Spitze bet übrigen zu stellen, sie täglich unlieben er mit ihrem Lose zu machen und zur Aulkündigung deS Gehorsams gegen ihren Brothe> rn aufzuflacheln. Er ist eS auch gewesen, ber unbeachtet daS Wort „Feiglinge" gebraucht hat, unb der jetzt stürmisch daraus bringt, ein Unterredung mit d-m Chef selbst zu verlangen.
„Ihr könnt nicht zu ihm," entgegnet der alte Inspektor ruhig. „Herr Brun« rst auf mehrere Tage verreist unb hat ben Tag seiner Rückkehr nicht genau bestimmt. Geht an Eure Arbeit, Manu, und verhaltet Euch still, be nn mit Eurem Trotz dürftet Jbr nicht weit kommen." (Forts, folgt.)