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Druck und Verlag 6 LuldaerSctiendruckv in Zulda (harvioah

Zernsprecher Nr. 9

Jg 166

Kulda, Samstag, deu 23 Juli 1994.

31. Jahrgang.

4

> Zweites Blatt

Ja Frankreich ist kaum dar Besetz gegen den Umerrichk der Kongieganisten »ustance g-kommen, da ist auch schon ,m neuer Konflikt mit dem hl. Suh'e j da. Merkwürdigerweise würde» darüber offiziös ganz j falsche Nachrichten .verbreitet, d e sich zudem noch I widersprachen. Gegen die B.schüfe Geay van ßaatilt Ußb Lenordez von Dijon ist ein kirchlicher P.ozeß angestrengt worden. Beide h->be.a die Aufforderung I erhatten, nach Rom zu kowmen. Ob fie auch von i Rom die Äufforderm g eihattn hatten, ihr Amt niederzulege», iji nicht ganz klar. Jedenfalls beschränkt sich das Borget»» auf di se beiden Bischöfe, in deren D>özefen und mit deren Person verschiedenes nicht in Ordnung zu sein scheint. M-t der Abberufung NisartS oder mit dem Proteste gegen dir Ordens gefetz« hat die Sache nichts zu tun. Die C.mbes und Gesoffen scheinen ater die Gelegenheit zu neuen Gcsallmaßregel» benutzen zu wollen. Die beiden Blschöje, die sich der Anordnung Rom- widersetzen, fchrüiea ih»en in di« Hände arbeiten zu wollen Ein Mimsterrat hat beschloss-», vom Batttan die Zmück zichung der an sie gerichteten Schreiben zu verlangen. Andernfalls sollen die diplomatischen Beziehungen zum hl Stuhle gänzlich abgebrochen werden. Ja einer Frage, wo es fich um die Disziplinargewalt des Papstes hrndelt und dieser unzwc-felhaft im Reckte ist, wird er fich aber schwerlich eivschüchtrrn lassen und nuckg-be«. — Die Tagung d-S Parlamentes

I wurde am 13. d. MtS. geschlossen.

Bom ostasiatisch-!» Kriegsschauplätze ver» breiten die Russen in letzter Zeit cire wahrhaft ver­wirrende Fülle von Einzrlnachrichten über Gefechte, die alle nicht viel zu bedeuten harten, jedensallr nirgends mit einem großen Erfolge der Reffen endeten, vielmehr von ihrer ständige» Rückwärts- kon.leatration zeugen. Rich japanücker Meldung wachten zwei russische Divifionen cm Sonntag einen verzwcifeuen Ärgnff auf den Motien-Patz, wurden aber rott schweren Verlusten zurückgeworfen Sie lelbst st-llen es nun so dar, als Hobe es fich bloß um eine Rekognoszierung gehandelt. Da» erscheint aber nicht glaubhaft. Allerdings hätten fi; da» Re- kogroSzieren febr nötig. Die Japaner halten die Pässe besetzt, und die Russen wissen gar richt, waö dahinter vorgeht. — Die sensationelle vom russischen G-neralstabe „bestätigte" Meldung, die Japaner hätte» bei einem nächtlichen Angr.ff au? die russischen Stellungen bei Port Arthur 30000 Ma»n verloren, hat fich als Phan'afiegrbildr herauSaest llt. Doch bleiben die Russe» dabei, daß am 10. d. M ein An­griff unter g oßen Verlusten abgeschlagen worden fei. ES scheinen größere Kämpfe bei Port Arthur in l'tzter Zeit allerdings vorge'allen zu sein. Die Japaner haben Inka», die Hafenstadt von Niut- lchwang bes.tzt, ohne auf Wioerstand zu stoßen. Füc ihre Mißerfolge gegenüber den J-panern scheiten sich die Russen schadlos halten zu wollen durch schneidige» Borg-Hm gegen wehrlose Post, und Handelsschiffe aeutrakr Staaten. Am 16 Juli H elt der rulfitche Hilftkreuzer „Swol-n.k" in Aden den deutschen Post­dampfer „Prinz Heinrich" an und beschlagnahmte die für Japan bestimmten Postsachen.. Von einem anderen russischen Hilfskreuzer wurde ebenmlls bei Aden ein englischer Dampfer beschlagnahmt Die Bejchlagnchmr der Post,achen ist vülkerrech ewidng. Am wenigste« haben dazu dar Recht die fogeuannten Hilfskreuzer der rusfiichen Frelwilligenflotte, deren Charrk er als KriegSfch.ffe sehr zweif-lhift ist, da sie eigentlich HanoelSfch^ff: find. Die deutsche Regierung tot n Petersburg alsbald Einspruch erhoben gegen die Ver-

za gehen, damit, wen» über» Jahr das Volk zum eisten Male zur direkten Wahl au die Urne schrettei, die Partei, welche trotz allem Geschrei der liberalen Pc-ff; daS Hauptverdienst daran hat, in der ihr zu- kommende" Stärk- einzieht in das erweitert-StändehruS.

Aw 14 h. Mt» starb »» Aaren» in d;r Schw-iz der irahere Pränd'M von Transvaal Paul Lrtzger Zwei Jahrr find eist verflossen feit Beendigung ves Burevkriegr in Sübofiita. Kaum irgendwo find den Bure? mehr Synpathien gewidmet w-rde-i, cls in Deutschland. Xytc viele Leute aber wuß'en, ».i der Pkäfideut der ehemaligen Südafrikanischen Republik sich in deu letzten Jahre« aufhielt? Wenn er auch nicht der große Politiker und selbstlose Mann war, als de» man ihn feierte, al» fern Volk den 58er» zweifi ngrkampf gegen englische Selbstsucht und eng­lisch: ll-bermtcht fuhrt«, immerhin war er eine e-qen. artige Erschernung mit seiner naturwüchsigen Klugheit, keinem Gottvertrauen und seinem Patriotismus, wo­mit e: dcn Kempf für sein patriarchalisches Staats­wesen gegen Tücke, Habgier und Gemalt ausnahm. Auch als Besiegter verdient er trotz mancher Schwächen, die >hm wie seinem Volke eigen waren, Achtung und Sympathie, wüt mehr al» feine brutalen Ueberwinder. Er wird in Transvaal beerdigt werden.

Ja Holland hat die t» ihr Mehrheit lib-rale Erste Kammer mit 27 gegen 22 Stimmen den Ge­setzentwurf über den höhere» Unt-rricht abg-lehnt, nach dem den Graduterten der kons-ffionellen Priom- unioerfitäten d'.eselLcn Rechte hinsichtlich drr Ver­wendung im öffentlichen Dienste zugestarden werden sollten, wie den Graduierte» der öff-ntltchen Uiverfi- tätet». Der Beschluß richtet fich vor allem q-mn die Ka holttm. Die Regierung hat die Erste Stummer aufgelöst. Nach dem Ergebnis der jüngst.» Pro» »inzialrarswahlen ist bei der Neuwahl err.e anti ubrrale Meh heft gesichert.

g-waltiguna des „P-inz Heinrich". Die Russen werden hoffentlich emfehen, daß e» nicht in ihrem Interesse liegt, durch völkerrechtswidrige Handlurgen das bische» Sympathie, das sie im Auslände ge­nießen, auch »och zu verscherzen.

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

D Fulda, 23. Juli 1904

Da» deutsch-englische SchiedSabkommen ist Iw ,Re-.ch«a>izeiger' o-röffenrlicht ward»». Es deckt fich ooUständ'g rott den zwischen Englano und Frank­reich und England und Italien g-tcrff-nn^ Abkomm-n Seine prakttiche Bedeutung tft, da Streits äsen, dir dre LebenSiMereffe», die Unabhängigkeit oder die Eüre der beiden Staaten, sowie die J-iter'ssen dritter Mäch'e berühren, von vornherein ausgeschlossen fino, und in j-dem Enzerfalle auch noch erst tme besondere Vereinbarung über die Anrufung des Haager Schied;« gerichl« qe rcffm werbe/ muß, offenbar vur sehr ge­ring Da» bedeutsamste an ihm ist ohne Zweibl, daß e» ür-roai-pt abgeschlossen wurde, zumal nachdem gleiche Verträge England» sckon mit Frankreich und Italien ! esta--d-n und al» hochpo'iiische Ereignisse ge­feiert wcrdeu find. ES zeugt von dem erfolgreichen Bemühen veioer Staaten, gute Beziehungen zu einan­der herzustellen und za pflegen.

und der Äusnahmesttllung Der Landarbeiter t« Bezug auf Arbeiterschutz und Arbeiterverficherung.

Ja Bayern Wirbeln die L beraten nach dem Fiarko ihre: Wahlreform-Komödte noch mächtigt viel Staub ouft um die Bevölkerung darüber z» täuschen, wer in Wahrheit schuld ist cn dem Schellern der Reform. Sie müssen es aber fugir erleben, daß ihm von GkfinnurgSgenoffen, namentlich außerhrlb Bayerns, gejagt wird, sie hätten ihre Sache doch recht unge­schickt angefaßt. Bei den Landtagswahlen im nächsten Eowmer werden die Wähler es ihnen wohl »och deutlicher sogen. Mit dem Schimpfen auf ta» „schwarz- rote Kartell" iS wenig auSgertchtet.

Ja Württember g scheint der liberale Ansturm gegen He Erste Kammer rasch zu ermatten. Man kann ja durch Mundfertigkeic eiren Teil der pro trstanttschrn Bevölkerung g-gen die Kaiho'.ik-u verhetzen und die Demokraten gegen die StandeSherren in Harnisch dringen. D mit ist man aber die Eiste Kammer noch nickt los. B krnrtlich sind die Stande«. Herren in ihren Ziele» nicht einig. Tie Sosialdemo krotm wollen die Erste Kammer ganz absch ff-n Tie Liberalen und Demokraten wollen fie blos.resotmiren", indem fie ihr eine protestantisch- Mthrheit geben' Im letzten Grunde käme das freilich auf vaS Gleiche i hinaus. Ear feine erste Kammer oder eine solche, die immer tut, was die liberale Mehrheit der zweite» will, toä<e dasselbe. Die Sozialdemokraten find hier aber wieder die ehrlicheren, wahrend die Liberale-t wieder krumme Wege gehe», um zu verhüllen fcafe immer und unter allen Umständen nur ihr W lle gescheqe» darf. Die R'gierurg wirs fich wohl hüten, fich aus den Staatsstreich oder die neue Theorie ein- zulossen und darum ist der ganze Lärm gegen die Erst- Kammer, „für di- Kotz". Jemehc Sozialdemo- kraten und Liberale toben und ti: prvtcstantische Be­völkerung gegen die Katholiken verhrtzt wtid, um so enlschiedeaer werte i die Katholiken für die Aufrecht Haltung des bestehenden Zustande» iutreten.

Der badische Landtag ist am Mittwoch ze- Aloffe» worde-', nachdem die Eiste Kammer das Landtags-Wahlgesetz mit Wablkrris Einteilung ange- «unnmen hatte. DaS Zentrum darf s-r fich in An­spruch » fcmrn, daß er in schwierigen Lagen überall setnen Marn gestellt hat. Sache oller Freunde im I 1-anre wird es nun fern, rcchtzettig an d'e Ar!eit I

Der p eußi'che Minister des Innern dürste nach» gerade zu ter Erkenntnis g-kommeit fein, daß ei das befie gewesen wäre, die Interpellation über den „Fall Mirbach" noch vor der Vertagung des Landtags zu beantworten. S alt fich im Sande zu verlausen, nimmt die Erörterung über die leidige Angelegenheit immer größere AuSdehnu g r.

Essen begann am L'vnntag der 6. Kongreß der christlichen Gewerkschaften, die jetzt 203,000 Mitglieder zählen. Be orders bemerkens­wert an den Verhandlungen in Ess n ist die auch hier wieder sehr d-ml>ch zu Tage trete?.be Tatsache, daß die nichisoziold mokratische» Arbciter ebenso enischieden tot die sozialdemvkrattschen volle Knalit.vnSsreiheit fordern und j-de Verkürzung diese« Rechtes, fei e» durch di- Bkvö dm, fti 'S durch Private, jedes ein- settige Emg eilen rer Polizei und der Ge.ichte m Streik, und alle dergleichen Dinge ebenso bitter empfinden wie diese St- wollen chilstlich, staats» und köiugsirru fein, aber fie fordern auch s'-r fich die gleichen Recht- und Freche tte», die andere Erwerbs- kreise, insbesond-r- die Arbeitgeber, genießen, und man sollte fich mitten, in ihnen daSGriübl aas ommen zu lassen, al8 übten sie in einem Kl ff erwarte mit Klassenjustiz «sw. Der Kongreß beschäftigt fich u. a mit der Arbeilslosen-itürsorg- und fordert reichsgcs-tz- llche Regelung des A beitsnachweisesund der Arbeits­zeit, sowie Ardeitslosen.Berficherung. Weiter verhan­delte er über den ge etzliche» Schutz der Heimarbeiter und stellte eine Reche Forderungen dafür auf. So­dann wurde die gesetzliche E nführung von Arbeit»- auSfchüffen in Fabriken gefordert und lei näheren an- gig-ben, w-lche Brsugmsse diese haben sollen.' Gegen deu pr'ußisck'N Ges-tzentwurf wegen Erschwerung des Koutraklb-ucheS ländlicher Arbeiter wurde aus ha» lebhafteste Einspruch erhöbe-! al« ge en eine indirekte Einschtänkung der Arbeitsfreiheit der Sinbarbeiter. I Ma« verla-rgte, wie auf dem vorigen Kongrifsr, Be- I settiguiig der Koalition-verboie für die Landarbeiter

[] Der 5» Kongreß der christlichen Gewerkschaften Vcutschlanös

ist im Lauf dieser Woche in Essen abaehalten worden. Man wird den christlichen Gewerkichaften das Zeugnis nicht versagen können, daß die Ver­handlungen ihre» Kongresses den Verhandlungen der aleichartigen Organisationen im vollen Um­fange die Spitze zu bieten vermögen. Die Be­ratung über interne Angelegenheiten zeigten, daß die gefön ten angeschloffenen Gewerkschaften in den Orgarttfations Prinzipien allgemein auf dem­selben Slandpunkie stehen. Die Zeiten, in denen die Verhandlungen oft auf Schwierigkeiten per­sönlicher Natur stießen, scheinen endgiltig über­wunden zu sein, und die Behandlung der großen Fragen der Arbeiter-Existenz ließ erkennen, daß durchareifende Arbeilen und Studien die einzel­nen Redner zu einem solchen Stande der Sach­kenntnis gebracht haben, die sie als vollwertige Mitarbeiter auf dem Gebiete der sozialen Frage anzuerkennen zwingt.

Die Verhandlungen über die internen Ange­legenheiten der Organisation, die im Anschlüsse an den Jahresbericht gepflogen wurden, standen unter dem Ausdrucke einer weitgehenden Hoff­nungsfreudigkeit. Ma» verkannte keines­wegs die Schwierigkeiten, die der Bewegung ent­gegenstehen. Im Gegenteil: man beschäft'gte sich vielfach mit den Momenten, die als besondere Hemmniffe der Ausbreitung anzusehen find. Da verhchlte man sich nicht, daß den größten Zu­lauf bei UrleilsunfLhigen immer derjenige hat, der das meiste verspricht, der den Mund recht voll nimmt. Das ist ja einer der wichtigsten Punkre, um die es sich dreht; die christlichen Organisationen haben keine Möglichkeit, durch unerfüllbare Versprechungen den Arbeitern das Blaue vom Himmel herunter vorzuschwindeln; fie find nicht tn der Lage, Dinge zu versprechen, deren Unerreichbarkeit für jeden Denkenden und Sachkundigen feststeht.

Man ließ ferner keinen Zweifel darüber be­stehen, daß die christlichen Gewerkschaften nur bann in schnellerem Tempo voranschreiten werden und können, wenn ihnen die nötigen Hilfs­kräfte zur Verfügung stehen, wenn anstatt der heutigen noch nicht 70,000 Mk. jährlich für Agi­tation und Verwaltung auf christlicher Seite dem auf sozialdemokratischer Seite für die gleichen Zwecke aufgewandten 2,000,000 Mk. ein einiger­maßen entsprechender Betrag in den Kampf ge­stellt werden kann. Die inneren Schwierigkeiten, beren bedeutender Einfluß auf die Entwickelung der letzten Jahre oft genug beklagt worden ist, scheinen in Zukunft keinen hemmenden Einfluß mehr ausüben zu sollen, die innere Zusammen­gehörigkeit scheint erreicht, und die Konstatierung wirkte so erfrischend auf den Kongreß ein, daß man trotz all' der anderen Schwierigkeiten den kommenden Dingen mit Zuversicht entgegensehen kann. Das eine ist mit Bestimmtheit zu erwar­ten, daß von diesem Kongreß ein frischer Zug durchdieOrts-Abteilungender christlichen Gewerkschaften gehen wird, daß im kommenden Jahre eine sehr lebhafte Konkurrenz zwischen den verschiedenen Richtungen um die Gunst der Ar­beiter anheben wird.

Die Behandlung der materiellen Fragen: die Frage der Arbeitslosigkeit, dec Heim­arbeiterfrage, der Frage der Fabrikaus- schüsse, muß den Verhandlungen des Kongreffes allgemeine Beachtung verschaffen. Die Preffe oller Patteien hat von den Verhandlurgen Notiz zu nehmen sich gezwungen gesehen; soweit es sich nicht um direkte Gegner handelte, deren Urteil vorn Neid getragen ist, ober die mit Rücksicht auf die Gunst ihrer sozialistischen und liberalen Lehrer alles herabsetzen, was christlich ist, haben alle Zettungen dem Kongreß und seinen Ver­hau ttungen ihren Respekt nicht versagt. Hier kommt nun allerdings in Betrachts daß die Ver­handlungen des christlichen Gewerkschaftskongreffes um deffenlwillen größere Beachtung finden, wie die Verhandlungen der sozialdemokratischen Kon­greffe, weil die Sozialdemokraten durch dir Auf­stellung nur ganz radikaler und in der Hauptsache absolut unrealisierbarer Wünsche von vornherein die Beachtung der Sachkenner verscherzen. Bei den Forderungen des christlichen Gewerkschafts, kongrefles weiß man allgemein, doß er im Inter- esse der Arbeiter daS fordert, was unbedingt erreicht und von den Unternehmern und der Gesetzgebung zugestanden werden muß. Die ganzen Verhandlungen wurden getragen von wahchafter Sachlichkeit, und vom Vorstandslische wurde es mehrfach ausgesprochen, daß bei der Ausstellung von Forderungen lediglich das Wohl )er Arbeiter und dos Recht, in keiner Weile aber der agitctorische Wert der B«schlüff« maß­gebend fei. Bei den Sozialdemokraten handelt ei sich st-?s um die Pfl-ge ins AgitwionSm teriats

Das i<t von unbedachten Führern in unbewachten Lugenblicken oft cetiug ausgelprochen worden. Sagte doch selbst Bebel aus ö*m sozialdemokra­tischen Parteitag in Lüreck im Hinblick auf den Zolltarif: „Wir müssen hetzen." Das Hetzbe- dürfnis spi-lt die ausschlaggebende Rolle bei bet gesamten Hatturg der Sozialdemokraten und den sozialdemokratischen (freien) Ge­werkschaften.

Anders ist es bei den christlichen Gewerk­schaften, wie das auch der verfioffene Kongreß bei den verschiedensten Punkten bewiesen hat, so z. B. bei der Frage der Arbeitsloser-ver- s ich er un g. Den Sozialdemokraten kommt es nur darauf an, doß dieJnlereffen ihrer Gr werk- schäften qeföröe’i werden. Aus diesem Grunde wollen fie bte Frage allein durch die Gewerk­schaften lösen uns es ist ihnen ganz willkommen, baß nur die Mitglieder der Gewerk chasten etwas erhalten sollen. Demgegenüber vertrttt bet christ­liche Kongreß den Standpunkt, daß das letzte Ziel unter atien Umständen die staatliche Ar­beitslosenversicherung sein muß, daß aber an» gefichtS der einer solchen entgegenstehenden Schwierigkeiten einstwci'en die vochandene Not bei Arbeitslosigkeit durch die Gewerkschaften zu bekämpfen ist. Noch drastischer trat der Gegen­satz des christltchen Kongreffes zur Partei des Unerreichbaren in die Erscheinung bei der Frage der Heimarbeit. Die Genoffen halten es auf gründ ihrer minderen Sachkenntnis und auf Grund ihres Parteiintereffes für notwendig, dis gesamte Heimarbeit zu verbieten, obwohl in einzelnen Betriebszweigen, z B. in der Retten» schmiederei rc, die Heimarbeit, da die Jn- tereffenten sich durch festen Zusammenschluß entsprechende Löhne sichern, eine durchaus be­friedigende BtkiebSform ist, die allein es dem Arbeiter ermöglicht, fich ohne Rücksicht auf die örtliche Laxe einer Fabrik, ein kleines Eigentum auf dem Lande zu erwerben, und fich dadurch für die Zeiten wirtschaftlich-r Krisen einen. Rückhalt zu schaffen. Aber den Sofialdemokraren paßte das nicht, weil die so an gefiedelten Ar­beiter mit geftstigterZxistensund umstürzlicherischen Agitation ein vollgerütteües Maß von ablehnen­dem Verstätldnis entgegenbringen. Der christliche Kongreß nahm in dieser Frage den ganz ein­fachen Standpunkt ein, daß die Heimarbeit, so­weit sie unabstellbare Gefahren mit sich bringt, beseitigt werden muß, daß man aber mit deu gegebenen Verhältnissen zu rechnen hat.

Eine gewisse Überraschung bildete am Schluß der Vechandlung-n die Annahme der Resolution zur Frage der Landarbeiter, die sich augen­scheinlich gegen die Vorlage der preußischen Re­gierung im Abgeordnetenhause betr. die Er­schwerung des Kontraktbruchcs ländiischer A beiter richtet. Sie zeigt, daß die christlischen Gewerk­schaftler die Rechte der Arbeiter unter allen Um­ständen sorgfältig zu wahren gesonnen sind, und daß die durchgreifende Energie, wo sie am Platze ist, auch bei ihnen eine Pflege findet, wenn auch ohne Erregung und ohne Hetzerei.

UnpoWcheZtMsft.

(Nachdruck verboten.)

® Berlin, 21. Juli 1804

Voriges Jahr Hochwasserschäden, dieses Jahr Hitze und Dürre. Zuviel Sonnenschein und zu wenig Wasser wird zum schweren Verhängnis ür die Landwirtschcst und für viele Gewerbe- zweige. Ueberschwemmie Hecker sind ein tran­iger Anblick, aber verdorrte auch. Dir Schiff­ahrt stockt an manchen Wasserläufen, und da- turch leiden alle Gewerbe, die mit der Schiff­ahrt zufamwenhäng.n. Viele Taufende von Personen werden halb ober ganz brotlos; denn )ie Binnenschissfahit, die sich recht still und be- cheiden abfpielt, hat auch im Zeitalter der Stfenbabnen noch viel mehr zu bedeuten, als bte Landratten oh »en. Die Fabriken, die ihre Roh- ’toffe oder Hilfsmittel zu Waffer beziehen, können nicht regelrecht arbeiten; die Wassermühlen und alle Betriebe, die auf Wasserkraft angewie'en rnd, erst recht nicht. Und zu der großen Störung in dec Erwerbstätigkeit kommen dann roch die Schadenftu^r. die in jeder Hitzeperiode an Zahl und Aurdedi ung fich fchrecktich steigern. Große Waldstrecken und Reihen von Wohn- ttäusern sinken in Asche. Wir haben die,es Jahr auch schon wieder ein Stück Erdbrond, die weite: fteffende Entzündung eine« M-or» (.rundes.

Die Wohlfahrt der Menschheit ist abhängig vom Waffer. Dar Waffer muß uns den Wolken;chleim bilbtn, der die sengenden Strahlen )er Sommersorne mildert; daS Wasser ist der befruchtende Segen, der auf unsere Äecker füllt; das Waffer muß untere Sch'ffe tragen, untere Räder treiben. Tcr Mensch atmet zwar in