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galt«, Samstag, dm 16. Juli 1904.

81. Jahrgang.

JS. 160.

Wochen-Runbschau.

(Nachdruck verboten.)

□ Fulda, 16. Juli 1904.

Nachdem der Reichstag und der preußische Land­tag nach Hause gegangen und die übrige» Landtage diesem Beispiele gefolgt find oder binnen kurzem folgen werden, haben wir in Deutschland die politi­schen Sommerserien begomen, in denen die Politik hauptsächlich von den Zeitungen „gemacht* wird. Der Kaiser hat am Donnerstag voriger Woche vo« Swinrmünde aus die übliche Nordlandreist ange­treten. Wir dürfen daraus wohl die beruhigende Gewißheit enrnehmen, daß in nächster Zeil am politischen Horizont* keine „dunklen Wolken* auf- tauchen werden. Eine stattliche Anzahl deutscher Kriegsschiffe ist zum Besuche der englischen Flotte in Plymouth erschienen. Sie wurden natürlich sehr höf­lich und sreundllch ausgenommen. An Festlichkeiten ließ man es nicht fehlen; man weiß, was fich heut­zutage für Deutsche schickt. Ob die Stimmung John Bullk gegen Deutschland durch den Besuch wesentlich verbessert weiden wird, steht tayin. Ein großer Teil der englischen Presse benimmt fich andauernd sehr unfreundlich gegen uns. — Em SchiedSabkomme» zwischen Deutschland und England nach Art der zwischen England und mehreren anderen Staaten be­reits abgeschlossenen ist am 12. d. MtS. in London durch Botschafter Graf Metternich und LanSdowne unterzeichnet worden. E» handelt sich in diesem Ab­kommen lediglich darum, daß die Staaten fich ver­pflichten, strittige Rechtsfragen durch Schiedsgericht zu lösen, Fragen, die ohnehin zu keinem Kriege führen würden.

Der Reichskanzler Gras Bülow hat fich nach Norderney begeben. Dort empfing er am Dienstag den Besuch des Präfidevten des russischen Minister« komiiees v. Witte, der mit den russischen Unter« käadlern gekommen war, um durch persönliche Rück­sprache die Schwierigkeiten beseitigen zu helfen, die dem Abschluß des deutsch-rbssischen Handelsvertrags noch enig-aenstehen Das ist wenigstens die offizielle Lesart. Nach anderer wäre der frühere russische Finanzmluister auch wegen der Aufnahme einer An­leihe tn Deutschland gekommen. Hoffen wir, daß das Geldbedürfn'S Rußlands und seine Berlegenbeiten in Ostafirn den Abschluß eines uns günstigen Vertrages beschleunigen helfen.

Die Jungliberalen wollen ihren Vertreter­tag in Leipzig abhalten, woselbst die Grundlinien für ein jungltberalrS Schulprogramm festgelegt werden sollen. Der Lärm wegen deS preußischen Schulantrags hat etwas nachgelassen. Damit ist aber nicht gesagt, daß zwischen „Alten" und „Jungen" der Friede wiederhergestellr sei. Die „Juvg'n* verlangen Ab­sage an alle KartellSbestrebungert onservativ liberaler Natur, nur mit den Freisinnigen sollen die Nati-rnal- liberalen zusammengehen. Sodann fordern sie, daß die Fraktion für die grundsätzliche Gleichberechtigung d-r Simultanschule eirtrete und droben mit Rebellion, roemt die Fraktion sich weigern sollte. Die „Alten* sollen fich also den „Jungen* unterwerfen. Ob fie eS tun oder ruf einen Bruch cnfomtr.n lassen?

Die Sr fzial dem oktal en rüsten fich bereits, um in Bremen einen neue« Jungbrunnen der Partei zu eröffnen. Die Tr-sdener Skandale werden dort «■■■■■■■■■■■■■■■■■«■■■■■re

Der MliAittM.

®ir.e rheinische Geschichte von Wilhelm Rv.land.

13 ------ (Nachdruck verboten.)

»Was hat der Arzt gesagt?" forschte Lrne angst­voll, als jmrr fort war.

n „Nichts, nichts 1* entgegnete Bütt rauh „Betet, Leue, daß das Mädchen stirbt!"

„Jesse» Maria!"

Die Alte kreischte lrut auf.

Als Bühl zwei Tage später wieder eintrat, lief mm die alte Lene mit gerungenen Harden entgegen Sre brachte kein Wort über die Lippen. Gertrud faß aufrecht in dem Bett, da» reiche goldige Haar zer­wühlt, die Wangen und Lippen hoch gerötet, die blau- mntänbttten Augen starr auf den Eintretenden ge- »Äk . F18 er fich unsicheren Schrittes ihrem Lager "°^rte Meß fix jh„ mit einem wilden Schrei zurück. «»rtak't£' Mörder — Weiche von mir, Satan — «Sa kJ" $u «ein Herz - getötet — und erstochen - zurück - ah!"

«kick, AMMenen Augen lag fie da, eine lebendige schwieligen lant aüf «nen Stuhl und hielt die

Gesicht

fcate er i>°6 "ich der Tod wegnähwe!"

,afltLe5 w® weinenden Leuchen.

einioe onf andere Weise in Erfüllung;

Skn ben VÄVOmen ^ei Gendarmen und ÖwÄ“';,"' *“"*6'*,,*en fea!ttobflA « ^«^bchen in d^r Windmühl^gass'e fcen miffn SBoIf<n b(8 L.ids. Täglich ging an «inemtoMnq.nCw?lfImüta8en ba8 aIfe Leuchen mit Mädchen - ihrem Pflegekind, sagten achbarn hinunter zum Rhein; dort wandelten

ihre Fortsetzung finden. Za dem Berget der „Ziel­bewußten* über die Sch edSgerichtSmcteile gegen Heine, Braun und Bernhard kommt auch noch der „Fall Schippe!*; e» wird somit eine hübsche Katzbalgerei geben mit großer Parteiblamage, wieder einen „Sieg* Bebels- über die „Revisionisten, und wenn die Genossen aus dem „Jungbrunnen* heimkehren, so wird fich bald Herausstellen, daß die Partei noch ge­nau so kreuzelend ist und an all den inneren Leiden laboriert, wie zuvor.

In Bayern ist die zwischen dem KriegSminister v. Asch mb dem Abgeordneten Dr. Pichler rus An­laß des „Falles EraS" schwebende Angelegenheit bei­gelegt worden. Dr. Pichler hat den Borwmf, daß der Minister fich eines BertrauenSbrucheS schuldig gemacht habe, auf Grund der ihm gewordenen Auf­klärungen als ungerechtfertigt erkannt und zurück­genommen und die Erklärung wied-tkolt, daß ihm bei seinem Vorgehen jede Absicht der Beleidigung deS Ministers serngelegen habe Der Mrnister hat den Strafantrag geaen Dr. Pichlet zmückgezogen uno erklärt, daß eine von ihm gegen Pichler gerichtete Aeußetung tn der Abgeordnetenkammer als nicht ge­sprochen gelten solle. In der Abgeordnetenkammer kam der übercle Wahlrechtsantrag zur Erörterung, Na'ürlich läßt fich das Zentrum auf den Scherz, der lediglich dazu bestimmt ist, den Wählern Sand in die Augen zu streuen und fie über die Schuld der Libe­ralen an dem Scheitern der Wahlrechtsreform zu täuschen, nicht ein.

In Baden hat die zweite Kammer fich wieder mit ter VerfossungSreform befaßt. Mit 48 gegen 14 freisinnige, demokratischen und sozialdemokratische Stimmen nahm fie die Vorschläge ihrer Kommission an, in denen entgegen den Beschlüssen der Ersten Kammer dos StellvertretungSrecht der StandeSherren und geist­lichen Würdenträger und das erweiterte Budaetrechi der Ersten Kammer nicht zugestanden wird. Die Regie­rung erklärte fich mit diesen Beschlüssen einverstanden. Nun hat wieder die Erste Kammer das Wort.

Der französische Senat hat mit 166 gegen 105 Stimmen nun auch das CombeS'sche Unterr chts- gesetz genehmigt und damit die Brüder der christlichen Doktrin, die Schwestern der hl. Vinzenz von Paul sowie die übrigen kougreganistischen Lehrerinnen auf die Straße geworfen. Diese legislative Korporation, die fich im Lause der Zeiten immer radikaler gestaltet, verdient nun auch die Kelle als Wapprnzeichen. Für die letzte S tzung waren noch 4 Artikel, darunter der wichtige L'quidationSartikel, zur Durchberatung reser­viert. Indes man hatte es eilig und man kam rasch zum Ende, indem di: Minorität einfach niedergestimmt wurde. Wer konnte voraus wissen, ob der „Vater Combrs" nicht noch vor dem Schluß der Session einem der Zwischenfälle unterliege, die auf dem Boden der Dreyfuscffaire und der Karthäuserkommisfion Pilzge­schwind in die Höhe schießen. Mil d-r Freiheit deS Unterrichts ist es nun vorbei. DaS gesamte blühende Unterrichtswerk der Kongreganisten, die emsige und zielbewußte Arbeit von Jahrhunderten liegt in Ruinen. Alle diese Penfionate, in denen die Aristokratie und die Bourgeoisie, selbst die rad kale, erz'ehen I'e§, find verdammt. A.-e diese trefflich geleiteten Realgym- nasi'n, alle diese Gewerbeschulen, in denen über 20,000 Zöglinge der armen Klaffen GraiiSunter- weisung erhielten, bekamen den Todesstoß. Zu Boden geworfen sind auch jene religiösen Genoss nschasten, welche eine halbe Million VolkSschüler beiderlei Ge­schlechtes unterrichteten und christlich erzogm. Alles muß im Zeitraum von 10 Jahren verschwinden. Dir Enge! der Chantät und die Heroen der Hingebung sollen unwürdig und uufähig sein, über die Seele deS Kindes zu wachen. In ihren Gelübden hat die Frei­mauerei ein Motiv der Verdammung gesehen. „In «»■■■■■■—■■■■■■—— fie gemeinsam, ftrU und traurig. Manchmal auch schlüpfte die blonde Maid allein hinaus und schlrch ha8 Ufer hinab, fitzte fich dort brütend aus einen Stein oder eine Bank und rief zärtliche Namen in den Strom hinein: eine Ophelia des vierten Standes.

5.

Am 29. April 1850 begann vor den Asfisen in Köln die Verhandlung gegen die Borner Demokraten, Gottfried Klinke! un> Genossen. Der Gaal des Justizgebäudes war lange vor Beginn der Berhanl- lnng bis auf den letzten Platz gefüllt. Aus der Anklaveran! saßen neben Klinke!, dem glühenden Republikaner und begnadeten Dichter, Anselm Ungar, der Kaufmann, der Student Ludwig Meyer und Johann Bühl, der Fuhrmann. Der Student Karl Schurz arrS Liblar war ebenfalls geladen, jedoch rechtzeitig nach Amerika auSgewandert. Der (Segern stand der Anklage war bekannt. Die Reden der Verteidiger zeichneten fich durch Klarh.it und Schärfe ans. Sie alle wurden überboten durch Klinkels eigene Verteidigungsrede, die wundervolle Blüte eines seltenen Rednertalents. Hüben wir drüben, bei Geschworenen und Publ'.kum, zeigte fich mächtige Bewegung, als der 34 jährige Gelehrte mit den blassen Kerkerzügen und dem frühgebkeichten Haar die stolzen Worte feinen Richtern zurief: „Ich bin Sozialist. Nicht erst infolge der Revolution wurde ich es, wie jene Zeugen be­haupten ; ich war es von Natur; denn feit ich denke und empfinde, hat mein Herz fich zu den Armen und Unterdrückten in meinem Volke gehalten und nicht zu den Reichen und Gewaltigen i> dieser Welt. Und weil ich Sozialist bin, dämm bin ich Demokrat; denn ich glaube, daß seine eigenen tiefen Wurden nur dos Volk selbst zu empfinden, zu reinigen und zu heilen vermag. In diesem Sinne bekenne ich mich für dar Prinzip der Revolution, für die seitdem auch in Baden mein Blut geflossen ist, und noch heute, garz der Ge­walt der Gegner bin gegeben, noch heute bekenne ich

dem allgemeinen Schiffbruch", schreibt die katholische .Croix', „werden wir un8 an die letzten Reste btt untetgegangenen Freiheit vnt-r Ausbietung aller Kräfte onklammern. Wir werden kämpfen, um der Kinder­seelen so viel als wöglicv der Hochflut der Verfolgung zu entreißen, welche sie in den Abgrund des Unglau­bens zu reißen sucht.* Spät, sehr spät!

Dre englischen Gewerftfchastet halten in diesem Saite ihren Knrgreß in Leeds, einer der größten eng­lischen Fabrikpädte ob. Es scheint, daß der Kongreß auch in tiefem Jahre wieder das alte unwürdige Bild einet großen Kon>ufion bieten wird. Diele Kon- greife haben der Arbeiterseche unendlich geschadet, in­dem fie immer wieder trotz aller Warnungen alle er­denklichen Gegenstände auf die Tagesordnung (tuten und dann olles, zum größten Teile ohr e jede Beratung gearbeiteten. Dabei wurden dann in dem einen Jahre Beschlüsse gefaßt, die man im nächsten Jahre mit bet umfließ, so daß schließlich die Beschlüsse des Kon- greffeS gar nickt mehr ernst genommen wurden. Auch in diesem Jchre find wieder eine Unzahl von An­träge eingelanfer, die natürlich wieder allesamt „er­ledigt" werden.

Die neue Freundschaft zwischen Italien und Frankreich hat plötzlich ein Loch bekommen. I» Messina wurden der Hauptmann Ercoletti und seine Frau verhaftet, weil sie Festungs- und Mobilifierung«- p'äne usw. an die französische Regierung verraten betten. Als ihr Mitschuldiger wu-de rin früherer Bersaglierihauptwann verhaftet. Die Italiener hegen bekanntlich große Besorgnis, doß die Franzosen von Biseria in ToniS aus Sizilien bedrohen könnten. Die jetzt entdeckte Spionage wird fie in dem Glauben an die Berechtigung ihrer Befürchtung stärken, die Be­geisterung für ihre neuen Freunde aber kaum.

In der Türkei arbeiten die KomitatschiS weiter mit Dynamit. So wurden auf dem Eisenbahngeleise bei Amatovo 15 Kilo Tynamit entdeckt. BeiBadowo wurde eine Eisenbahnbrücke durch Dynamit zerstört und das Gleise beschädigt. Die Nachtzüge sind nur zum Teil eingestellt worden. Die Banden find auch wieder eifrig am Brennen und Plündern Mehrfach kam er zu Kämpfen mit innen. Neuerdings macht der hohen Pforte auch noch die Widerspenstigkeit der Truppen vielfach Verdruß. Die Soldaten erheben nämlich die einfältige und anmaßende Forderur g, daß ihnen ihr Sold aurbezablt »erben soll, und streiken. Die Offiziere, die wohl auch nichts kriegen, begünstigen ihr Tun

In Ostasien 6oben die Japaner am 9 d. M!S. Kaiping, einen wichtigen Stützpunkt am Golf von Üiautung, nach mehrtägigen heftigen Kämpfen einge­nommen. Auch forst haben noch auf verschiedenen Stellen zu Wasser uno zu Lande Kämpfe stattgefun- den, ohne aber zu einem besonderen Ergebnis zu führen. In den letzten Tagen wurden von rusfischer Seite über schwere Verluste der Japaner berichtet. Wie viel davon wahr ist, st ht noch nicht fest.

In Südwestafrika scheinen die HereroS, die man bei Waterberg einzuschließen gedachte, der Um­klammerung entschlüpft zu sein.

* Nordhauser», 13.Juli 1904. Der L7. deutsche Fleif cher-Ve rbandStag begann mit einer Bor- standSsitzung. Am Tage zuvor wurde die mit dem BerbaimSiaxe verbundene Fleischerei-Fachaus­stellung durch den Ährenprotektor, Oberpräsident der Provinz Sachsen, Staatsminister^a. D. Dr. von Bötticher eröffnet. Die Ausstellung ist von 104

m ch ~it den bleichen Lippen des gefangenen Mannes zu diesem Prinzip.*

Ul'd bann das herrliche Geständnis als Antwort auf den Vorwurf des Slaatrprokurators, daß er zum Komplizen eiveS Mannes von her geringen Bildung Bühls geworren fei! „Daö ist für mich keine Schmach, daß der Proletarier feine Hand in die meine sttägtl Ich weiß nur, daß Bühl durch lange, unverdiente Haft alles verloren hat und nichts, gar nichts in die Freiheit mitnimmt, als feine arbeitsgewohnten Hände. Das dünkt mich ein gutes Unschuldszeugnis. Nie ist eine Weltidee dadurch geschändet worden, daß die Zöllner und Sünder fick zu ihr bekannten."

Schönere Worte der Verteidigung hätten dem Kom­mandanten der Kaule aus keinem anderen Munde zu­teil werden können. Er, der bildungslose Mann des vierten Standes, mag ihr Gewicht kaum empfunden haben; wohl aber die, so über ihn zu Gericht saßen.

Als endlich Kirkel am Schluß seiner Rede die eigene Persönlichkeit in den Milie'pvnkt seiner Ver­teidigung stellte und den Richtern mit zitternder Stimme zuries: „Die Leiden, die ich trage, find so furchtbar, daß Ihr Spruch mich nicht schrecken kann —*, als er ihnen vorhielt, daß man bas Maß bet ihm zuerkannten Strafe gesteigert habe durch die grauenvolle Einsamkeit der Isolierzelle, in deren öde Stille kein Trompetenton der kämpfenden Welt draußen, kein Liebesblick treuer Freunde bringe — unb als zum Schluß der Schriftsteller und Lehrer, der in mehr als einer Brust die Flamme des Geister und der Schönheit entzündet hatte, nunmehr Gefangener in Spandau, feines RheinlandeS gedenkend, in die herbe Klage anSbrach: „Mich hält der ferne trübe Nord, und nicht einmal hinter dem Gitter ist eS mit ver­gönnt, die Tränen meines WeibeS zu sehen und in die Aurikelaugen meinet Kinder zu blicken —", da flössen nach dem Geständnis von Augenzeugen im Auditorium wie bei den Geschworenen Tränen in

Ausstellern auS allen Gegenden deS Reiches reich be­schickt Oberpräfident v. Bötticher führte u. a. auS: „Die Verbände, welche die Handwerker untereinander schließen, haben ihren guten Sinn und ihre gute Be­deutung für das Gemeinwohl, namentlich tn einer Zeit, wo viele voller Wesorgnis die Frage aufwerfen: wie wird es mit dem Handwerk werden? Mir persön­lich macht die Frage keine Sorgen, da ich die zBe- fürchtungen für unberechtigt halte. Aber es ist natür­lich, sich zusammenzulchließen und die Gefahren, die etwa dem Handwerk drohen, gemeinsam durch Rat und Tat adzuwehrrn." Die BorstaudSsitznng wurde vom Vorsitzenden des BerbandeS Marx- Frankfurt eröffnet. Hieraus erfolgte die Konstituierung deS engeren Vorstandes. Zum Kasseusührer wurde der bisherige Rendant Lamertz- Kalk, zum 1. und 2. Schriftführer Dreßler-Freiburg, Langer-Rowa- wes wiedergewählt. Der Antrag des Bezirksvereins Württemberg auf Uebernahme des Ravensburger Pro« Efbett. Hackzwang im Schlachthause) auf die Ber»

Staffe wurde genehmigt, ebenso die Uebernahme von 150 Mk. der Kosten des Clever Biehwährschasts- Prozesses. Ein Antrag, Fachausstellungen nur jede- zweite Jahr abzuhatten, wurde abgelehnt. ES sollen aber in Zukunft Prämiierungen nur alle 5 Jahre statt finden. Dem vom Borfitzenden Marx-Frank­furt a. M. erstatteten Jahresberichte ist zu ent­nehmen, daß der Verband 1903 1015 Innungen (gegen 102 t tm Jahre vorher) mit 34775 (35,177 Mit­gliedern zählt. Auf dem BerbandStage selbst wurde ein deutscher Häuteverwertungs-Verband ge­gründet, dem sogleich die betreffenden Vereine mehrerer Städte, darunter Frankfurt a. M., beitraten. Von all­gemeinerem Interesse ist folgende einstimmig gefaßte Resolution: „Wurst ist nicht nur ein NahrungS», sondern auch ein Genußu titel, das den Anforderungen, die an seine Schmackhaftigkeit und Bekömmlichkeit ge­stellt werden, in erster Linie entsprechen muß. Aufgabe der Polizei und Rechtsprechung kann und darf eS nicht sein, in die ortsübliche, den Wünschen des konsumieren­den Publikums zusagende Herstellung der Wurst be­schränkend einzugreifen, ihre Aufgabe kann nur in bet Verhinderung unsrlider ober betrügerischer Manipula­tionen erblickt werden.' — Der nächste Fleischer Ber- bandsrag findet in Freiburg im BreiSgau statt.

♦ Schlechtes Gewissen. Junge Frau (aus der Straße): „Laß uns dem Bettler dort auSweichen — dem Manne habe ich neulich eine selbstgekochte Suppe zu essen gegeben."

Reflemett» «mV W«zeige«tett.

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Tau«:

hilft

großartig ’ als unerreichter „Jnftrlen- Lödtrr"

Fulda: C. Pauly.

Steinau: Carl August Wessel.

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find tu »er Lnlturr 3^0$* sei sicherer Wirlts«rds«.

Minze, unb auf allen Gesich'ern d-r zahlreichen Zu« Hörer gab fich die tiefste Rührung kund.

Die Geschworenen fprachen b e sämtlichen Ange­klagten unter bem Jubel bei Publikums frei.

Mit stumpfem Gleichmut hatte bet Oberst aus bet Kaule den Spruch angehört. .

Ein wundervoller Maitag war's, als er tn Bonn ankam. Am Bahnhof stauben bie Getreuen, bie ihren ehemaligen Kommandanten ermatte! en. 3^ Jubel gina's bis zum Marktplatz. Hier erreichte die Be- geisttrurg des Hcufer.S feinen Höhepunkt

„Hoch Buhl!" schriern bie Bauern bei ihren Odft- unb Gemüsekörben, unb bet Chorus bet ©adttäger brüllte ein dreimaliges Hoch. Da packte den Revoin- tionSmann wieder die frühere Begeisterung. Er er­kletterte bie Rathauslrepps unb rief mit mächtiger vor Erregung bebender Stimme: . , ., . .

„Meine Freunde! ES freut mich, daß tch wieder in Eurer Mute biß!" ,

Er wollte weiter sprechen, aber bie Rührung über­mannte ibn Da trugen ihn bie Scckiräger auf ihren Schultern übet den Markt hinein zum „Höltchen, ber sünfhundertjährigm Ratdaurkneipe. Dort ward bärenhaft gezeckt bis tn bie Nacht hinein. Als man drüben bei den Mincriten zur Brfpet läutete, lag die Hälfte ber «chtm bvierziget unter ben Tischen.

Der Kommandant aber hatte Maß gehalten. ES lag ihm etwas wie ein Alp auf bet Seele, unb ein traurige» Nachtdilb wollte nicht vor feinen Augen verschwtnbcn. Wenn chm die anderen zutranken, fetzte er wohl zu einem mächtigen Schluck an. »Gertrud! Hang’» bann in feinem Innern unb er setzte bas Glas von feinen Lippen.

„Er Hal wahrscheinlich schon bie Geschichte nut feiner Frau erfahren", raunte einet ber Zechgenvffen seinem Nachbar zu.

„Mir scheiut'S auch so*, sagte ber andere.

(Fortsetzung folgt.)