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Mon-trb-iiag«: „Kildaer Geschichttblätler". Semsprest^U^.

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Kllda, Freitag, dm 15. Juli 1904.

31. JahrgMg

Erstes Blatt

Deutsches Reich,

Berlin, den 14. Juli 1904.

\ Das Telegramm des Kaisers an sein KiborgscdeS Regiment war bekanntlich die Antwort auf ein an ihn gerichtetes Telegramm des Regiments Dieses hatte gelautet: „Jch'bin glücklich. Ew. kaiserlichen und königlichen Majestät Mrergebenst zu berichten, daß durch die Gnade meines allmächtigen Kaisers das Wiborzsche Jnsanterieregiment, das den Namen Ew. Majestät trägt, jetzt zum Aufbruch nach dem fernen Osten mobilisiert wird. Die Offiziere und die Unter, mrlüärs des Regiments find glücklich über das ihnen zuge fallen« Los und werden auf dem Felde der weiten Mandschurei mit Liebe des Namens chreS hohen Cyefs gedenken, in der Ueberzeugung, daß sie Tw. kaiserl. Majestät Gelegenheit geben, stolz auf das Regiment zu sein, welches immer der Aufmerksamkeit Ew. kaiserl. Majestät ge­würdigt worden ist. Oberst Sajontichkowsk." Der Kaiser hat also in seiner Antwort zum guten Teil nur wiederholt, was in diesem Tele­gramm gesagt war. Die Höflichkeit gebot ihm, fich nicht auf ein einfaches: „Glückliche Reise!" zu beschränken.

*, Die vor Wochen hier eingetrcffene Ab­ordnung der südwestafrikauischen Farmer ist noch immer nicht vom Kaiser empfangen worden, wiewohl der Empfang als sicher ange­kündigt wurde und trotz aller Festlichkeiten der letzten Wochen wohl auch die Zeit dazu fich hätte firden taffen. Ein Teil der Presse ist darüber in steigende Erregung geraten und gibt dieser Erregung so scharf Ausdruck, wie das Strafge­setzbuch erlaubt. Offenbar hat der Kaiser die Abordnung nicht empfangen wollen. Vielleicht deshalb nrchr, weil er die Eritschädigungssorde- ruugen, die sie erheben wollte, unberechtigt fand und ihr die Unannehmlichkeit ersparen wollte, sie adzuweifen. Vielleicht auch, weil er einen Tadel für das Verhalten der Weißen in Südafrika nicht gut hätte vermeiden können Vielleicht auch, weil er einstweilen von Südafrika überhaupt nicht hören mag. Die .Preußische Korresp/ bemerkt, der Kaiser sei bei Beginn der Unruhen höchst unwillig über die Art gewesen, in der unsere Kolonialbehölden fich von dem Aufstand hatten überraschen kiffen. „Ich bitte mir dringend aus, daß von Büdwestafrika zu mir nicht mehr ge­sprochen wird, bis der erste Sieg da ist!" soll er da-rals im Zorn ausgerufen haben. Das Wort sei als Befehl aufgefaßt worden. Es er­kläre sich in Rücksicht hierauf, daß aus Anlaß der süüwestasrikantschen Wirren keinerlei Kund­gebungen des Kaisers erfolgt sind; niemand habe gewagt, ihm Meldungen, die zu solchen Vcran- lafsuno gegeben Hätten, vorzulegen. Aus dieser ^Massung der kaiserlichen Aeußerung durch die zuständigen Stellen, will die.Korrespondenz' auch 6e" bisherigen Richtempfang der Farmerabordrmng erklären. „Graf Bülow weiß, daß die Herren btS zum Spä.hrrbst in Deutschland bleiben, und da er sich bewußt ist, daß eS in seinem wie im der Herren liegt, wenn die Audienz erst 11 “5 Eintreffen günstiger militärischer Nachrichten riachgi-sucht wird, so hat er einfach geglaubt, nnstweilen sich Mnb den cnbften noch etwas ©ebulb auferlegen zu sollen." Selbstverständlich war aber die Bemerkung des Kaisers, baß von ^u.wefts-f lka vor bem ersten Siege nicht mehr gesprochen werden dürfe, nickt wörtlich gemeint, uusaefaß» ** ^br auch der Reichskanzler nicht

SM” Anfstaud in Samoa. Neulich °uf dem Wege über England die Nachricht cy Deutschland, die Eingeborenen in der deutschen ' Juew®amoa seien unruhig und drohten mit E',^,/lus,iand. Jetzt hat der deutsche Gouver- rl8Jw. an die Regierung unterm 3. Mb™ ö’e Eingeborenen seien ruhig und beiah-t te tm_ 3unt fällige Kopfsteuer pünktlich Wir" hnk vofftn wir, daß es dabei bleibt, genug. n mt Deulschsüdwestafrika Freude ist bei Mißverständnis

ford beaearkl s"n'sch*« Journalisten Bash- bet deutici!^ "Eurtch übet die Zele und bosft mitQetPir^^°Penpolitit geschrieben Deretn iür dk- deutsche Flotten-

ilplidi -nvd h ■ feine Anregung be-

der Rp^?bunigten Ausbaues der Flotte feibft dis bter«fl"r,9x^mfl befolgt werde, sedk'cke qs* uötrgen Mittel aufzubringen S'ite IcÄ ”?r doch?!--"«-» i° Mr«, ^uft-nrr^ mt - bet tn erklären, daß die p- --- g uaf einem Mißverständnisse des Herrn

Bashford beruhe. Es wäre doch schön gewesen, wenn der Flottenverein das neue Geschwader selbst gebaut und damit die Flottenfrage auf dem besten Wege aus der Welt geschafft hätte.

% Die im Abgeordnetenhause zum Wahl­recht gestellten Antröge beschränken fich nicht auf die Wahlkreiseinteilung, sondern regen auch Aeoder««gen deS WahlverfahreuS an, und zwar nach der Richtung, daß entwedtr im allgemeinen oder doch für besonders große Ort­schaften im Bedürfnisfalle an Stelle der jetzt geltenden Art der Abstimmung ein nach dem Vorbilde der Stadtverordnetenwahlen geordnetes Wahlverfahren trete. Damit würde u. a. auch eine wesentliche Aenderung in Bezug auf die Vornahme von Stichwahlen bei den Wahl­männerwahlen eintreten. Der Minister deS Innern hat im Anschluß an gewisse Erfahrungen, die bet den letzten allgemeinen Landtagswahlen bereits gemacht waren, weitere Erhebungen an­gestellt. Diese Erhebungen find noch nicht völlig abgrschloffen, aber nach offiziöser Andeutung ist deren Ergebnis nicht zugunsten der allge­meinen Einführung eines den Stadtverord­netenwahlen nachgebildeten Wahlverfahrens bet den Urwahlen ausgefallen, und es erscheine zweifelhaft, ob die Unbequemlichkeiten, die mit dem jetzt geltenden Wahlverfahren, namentlich für größere Städte, verbunden find, die Be­denken überwiegen, die selbst einer auf solche Gemeinden beschränkten Aenderung des jetzt geltenden Wahlverfahren« entgegenstehen.

* Einen großen Drang «ach der Un- teroffiziers Laufbahn scheint man in jüdischen Kreisen zu empfinden. Der Zentralverein deut­scher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte darüber Klage geführt, daß nach dem Wortlaut der Bestimmungen als Vorbedingung der Auf­nahme in eine Unteroffizierschule „dieVor­legung deS Konfirmationsscheims oder eines Aus­weises über den Empfang der ersten Kommunion" verlangt werde, wodurch Juden von der Be­werbung ausgeschlossen erscheinen. Die Antwort des Krtegsministers lautet: „Die Ziffern 7 b der Anlage 4 bezw. 10 b der Anlage 3 der Dienstvorschrift für die Jnfanterieschulen enthal­ten überhaupt keine Bedingungen für die Auf­nahme in eine Unterosfiziervorschule oder Unter- osfizierschule, sondern nur eine Aufzählung der Anmeldepapiere. Die Bedingungen sind aus­drücklich für die Vorschulen m Ziffer 6, für die Schulen in Ziffer 6 bis 9 jener Anlagen bezeich­net. Eine Abweisung junger, zum Dienstantritt sich meldender Leute jüdischen Glaubens wegen Fehlen« der Konfirmationsscheine usw., also wegen ihrer Religionsangehörigkeit, hat daher auch nach den angestellt-n Erhebungen in keinem Falle stattgkfunden. Da hiernach die Auffassung des Zentral-Vereins in der Eingabe vom 15. Mai intg ist, liegt ein Anlaß zur Abänderurg der in Rede stehenden Bestimmungen nicht vor." Wir sind neugierig, wie viele Juden sich nun zum Eiatritt in eine Unterossizierjchule melden werden.

* Gesellenprüfungen. Weder die Auf­sichtsbehörde der Innung, noch diejenige der Handwerkskammer kann nach einer Entscheidung des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe als befugt angesehen werden, auf eine Beschwerde des Prüflings oder seines Lehrherrn hin über die O'dnungsmäßigkeit der Gesellenprüfung eine Entscheidung zu treffe«, da über den Ausfall der Prüfung eine Beschwerde nicht zu- aelassen ist. Nur der Vorsitzende des Prü- fungsausschusses kann nach § 132 der Gewerbe- ordnvng alle Beschlüsse der Prüfungsausschüsse mit aufschiebender Wirkung beanstanden. In diesem Falle hat der Ausschuß der Handwerks­kammer über die Richtmäßigkrit der Beanstandung zu entscheiden. Kommen Ordnungswidrigkeiten beim Verlaufe der Prüfung zur Kenntnis der Aufsichtsbehörde, so würbe eS ihre Aufgabe sein, auf Grund der bestehenden Bestimmungen den Vorsitzenden anzuweisen, daß er von seiner Be- anstandungSbefugnis Gebrauch mackt.

' ver rLWch-jaxMsche Lrieg.

Der japanische General Oku drangt augenscheinlich zu einem Entscheidungs. schlage gegen die Armee Kuropatkins, dem es bisher gelungen ist, den Japanern ouSzu- weichen. Der russische Feldherr wird, wie anzu- nchmen ist, von der Absicht geleitet, eine Ent­scheidungsschlacht erst nach dem Eintreffen von Htlfstruppen anzunehmen. Obes ihm möglich fein wird, den diese Absicht erkennenden und deshalb um so ungestümer nordrängenden Japanern noch fernerhin auszuwkichen, wird aller Wahrscheinlichkeit nach bereits d e nächste Zeit ergeben.

General Oku rückt mit 50,000 Mann in Eilmärschen zwischen Niutschwang und Taschit-

schiao vor, meldet eine Lloyddepesche aus Niutsch- wang über Tschifu am 13. Juli. In Tafchit- schiao befindet sich General Kuropatkm.

Die Bahn um den Baikalsee. In russischen Regierungskreisen hat man große Hoff­nungen auf die Fertigstellung der Bahn um die Südspitze des Baikalsees gesetzt, da durch diese Bahn erst der Nachschub von Sol­daten und die Verpflegung der Armee in Ost- affen sichergestellt werden könnte. Dann wurde mitgeteilt, 'daß „unvorhergesehener Umstände halber" die Bahn erst im Juli fertig werden

General Oku.

würde. Im vorigen Monat erschien eine offi­ziöse Notiz, die besagte, daß die Bahn, „welche im August hätte fertig sein sollen, infolge eines Erdrutsches erst im September dem Verkehr über­geben werden könne." Allen Eingeweihten war es bekannt, daß dies ganz unmöglich ist. Nun eidlich hat man den Mut, die Wahrheit zu sagen: es wird nämlich mit geteilt, die Bahn werde „ganz bestimmt" am 1./14. Juli 1905 fertig fein! Die Frage ist nun, wie man die 300,000 Soldaten, welche Ende dieses Jahres in Ostasien versammelt fein sollen, wird ernähren können.

Die Regenzeit in der Mandschurei. Einer von Leutnant R. Ullrich Übersetzten Schrift „Die Mandschurei" entnehmen wir folgende Mit­teilungen Über die Regenzeit, die sich jetzt als ein so wesentlicher Faktor in dem russisch-japanischen Wvffengange geltend »u machen beginnt: Mitte März bricht in der Mandschurei der Frühling an; die Sonnenwärme nimmt rasch zu. schnell entwickelt sich die Vegetation, und spätestens Ende April ist die Aussaat beendet. Im Sommer enthält die Luft infolge der aus östlicher Richtung wehenden paffatwinde viel Feuchtigkeit, die Temperatur schwankt zwischen 20 und 26 Grad Reaumur. Die warme, feuchte Luft der Pafsat- roinbe, bie vom Gestade des gelben Meeres her wehen, staut fich hier. Tie geringste Abkühlung in bet Temperatur der oberen Schichten bet Atmosphäre genügt, um Platzregen heroorzurusen. Diese Regenperiode beginnt mit dem Julr und dauert meist den ganzen August hindurch, so daß ste eine wahre Plage für die Bevölkerung bilder. In wenigen Stunden find bie kleinsten Büche und Flüßchen zu reißenben Strömen angeschwollen, bie alles, was ihnen in ben Weg tritt, zerstören und ost ganze Dörfer vernichten. Das Regen- roaffer steht mehrere Fuß hoch auf ben Felbern, bie Flüsse treten weit aus ihren Ufern, und wo der Manbschure noch vor k^zem mit Sichel unb Sense arbeitete, fängt er fitzt die zahlreichen Be­wohner bes Suvgar i und seiner fischreichen Neben- ffüffe. Fürchterlich ist das Toden eines Taifuns ober Fuzjan; doch treten diese Stürme meisterst später, nach Einbringung der Ernte, auf unb üversckwemmen die Felder, so daß sie wenigstens dem Landwirt nicht mehr scharen. Die große Ukberschwemmung vom Jahre 1897 setzte fast bie ganze Ufsurchahn unter Wasser, und ben Berichten, daß in den Kämpfen bei Tientfin der Regen den Chinesen eine Wiederholung des Ar- gnffs nicht gestattete, ist voller Glauben zu schenken, denn man kann sich in Europa gar keinen Be­griff von der elementaren v eroalt dieser Regen­güsse machen. Im September beginnt in der Mandschurei der Herbst, die schönste, von warmem Wetter begünstigte Jahreszeit; Ende Oktober erst tritt Frofiweiter ein.

W. London, 14 Juli 1904. Von der an­geblichen Vernichtung von 30,000 Japanern durch eine Landmine bei Port Arthur weiß, wie der .Morning Post' aus Washington gemel­det wird, die japanische Gesandtschaft in Washing­ton nichts, obwohl andere Unglücksfälle der Ja­

paner, wie der Untergang der „Hatsuse", stets schnell an die dortige Gesandtschaft gemeldet wurden. Da General Nodzus Armee, bie Port Arthur belagert, nur 45.000 Mann zähk, ist der Verlust von 30,000 Mann um so unwahrschein-- licher. Nodzu will einen allgemeinen Angriff auf Port Arthur erst nach mehrtägigem schwerem Bombardement beginnen. Die bayi nötigen Be­lagerungsgeschütze sind noch nicht alle aufgestellt. Dem.Standard wird aus Tschifu gemeldet, ein Dampfer, welcher Niutschwang am Diens­tag abend verließ, berichtet, daß wenige Meilen südlich des Ortes ein Kampf stattgefuuden hLbe. Die Japaner seien erst zurückgeschlagen worden^ dann hätten sie nach dem Eintreffen von Ver­stärkungen ihre Stellung wiedergewonnen. Man erwartete, daß die Japaner in 48 Stunden in Niutschwang sein würden. Die Russen häuften große Trupprnmaffen bei Tashichao en und dort werde eine große Schlacht erwartet.

W. London, 15. Juli 1904. Aus Tschifu wird vom 14. b. Mts. gemelbet: Der britische Dampfer „Kaiping", der Schanghai am 8. Juli verließ, fei heute vormittag zehn Meilen nördlich von Tschifu von den Japanern mit Beschlag belegt worden, weil er Kant', ebande geladen hatte.

W. Tokio, 15. Juli 1904, (Muter.) Wie verlautet, besetzten die Japaner Jnkau (Niutschwang) ohne Widerstand.

* Paul Krüger Wie schon telegraphisch gemeldet, ist gestern Nacht in einem Badeorte der Schweiz der vor einigen Jahren so viel genannte

D Paul Krüger f. ____

Präsident Krüger im Alter von 79 Jahren ae« storben. Wohl leiten hat ein Mann sich so g^ßer Povularität erfreut wieOhmKrüaer, der frühere Präsident der südafrikanischen Republik. Am 10. Oktober 1825 im Distrikt Colesberg in der Kap-Kolonie geboren, kam er bei der ersten Baren- Auswanderung nack Natal, um fich zuletzt dauernv in Transvaal anzusiedeln. Er war die Seele ves Widerstandes gegen die Engländer in dem tut die Buren so unglücklichen Kriege. Er verbann Charakterfestig keit mit Frömmigkeit, er befaß oen echten Starrsinn der Buren, dabei doch auch ot Gewandtheit und Sicherheit eines europäischen Staatsmannes. Nun ist der hielverehrte Obm Krüger den Helden seines ehemaligen Volkes noch- gegangen. In Clärens (Kanton Waadt) tst er gestorben. Möge ibm die Erde leicht fein'.

* I« englische» Unterhause kam e# am Montaa zu einem nicht uninteressanten Zwiscben- fall. Montagu ftagte, ob die Aufmerksamkeit der Regierung auf r ie Tatsache gelenkt woiden fet, daß deutsche Marineoffiziere bie FefiunaSroeike tnd Sckiffs-Vtrsten von Devon- voll phologropqurk haben, ferner ob, wenn daS der Fall sei, ein Emschreiten im Interesse bet nationalen Berteidigun^werke beabsichtigt l" und ob schließ ich englisch n Offizieren in deutschen Kriegshafen gleiche Zugestän dnisse gewahrt würden. Der Zivillord der Admiralität, Lie. eroberte, über ben angeregten Vorfall