Huband
Kil-a, Donnerstag, den 14. Jnli 1904
J& 158
(Nachdruck Verbote».)
Deutsches Reich.
Berlin, den 13. Juli 1904.
* An den Oberbürgermeister Schnetzler, der bei der Bismarckfeier in Karlsruhe die viel» beachtete und vielbesprochene Rede gehalten hat, hat der Grotzherz og von Baden ein Dankschreiben gerichtet, in dem er u. a. sagt, daß ihn die Lektüre der Rede sehr erfreut und bewegt habe. Er billigt also den Inhalt der Rede. Das gibt w denken.
* Der Bertretertag des Pfälzer Verbandes der nationalliberalen Jugend hat am Sonniag zur Lchulfrage Stellung genommen und eine scharfe Resolution gesaßt, welche ec dem am 3. und 4. September zu Leipzig stattfindenden Berttetertag des Reichsoerbandes als Material überweisen will. Es heißt darin, die durch den Ultramontanismus systematisch betriebene und durch die Reichsregierung sowie die Landesregierungen der größten Bundesstaaten begünstigte Konfesfionalisterung auf allen Gebieten sei eine der schlimmsten Gefahren, die zur Zeit unser Volks- und Staatsleben bedrohten. Die Jungliberalen müßten deshalb allenthalben dahin wirken, dieser zersetzenden und vergiftenden Arbeit nachdrücklichst zu steuern. Insbesondere erwarte der Pfälzer Verband, daß die nationalliberale Partei die hohe Bedeutung der Schule als Kulturanstalt in erhöhtem Maße würdige und demzufolge in den Einzellandtagen die Realisierung der nachbezeichneten Programmpunkte mit allen gesetzlichen Mitteln erstrebe: „Die Schule ist eine Staatsanstalt und untersteht als solche der Oberleitung des Staates; alle Schulen, von der Volksschule bis zur Universität, haben simultanen Charakter; in den Schulen herrsche in allen Instanzen ausnahmslos die Fachaufsicht; für die Schule, die von der Kirche zu trennen ist, werden überall Unterrichtsministerien eingerichtet." Die,Nat. Ztg.' erkennt den „Feuereifer" der Pfalzer „im Kampfe um die Schule" durchaus an, meint aber: „Diese Jm- pulsivstät sollte doch von einer gerechten Kritik über die preußischen Verhältnifle begleitet sein, die wir nach den uns vorliegenden Berichten über die Ausführungen der Herren Referenten in jeder Beziehung vermiffen. Der Pfälzische Vertretertag ist sowohl an den Beratungen des Zentralaus- schuffes wie an dem gebotenen Material zum Studium der preußischen Schuloerhältnisfe, wie sogar an den Darlegungen des Organs der ncttionalliberalen Jugend über diese Fragen anscheinend völlig achtlos vorübergegangen. Wenn nicht ftüher, so wird der Pfälzer Verband doch wenigstens auf dem Vertretertag in Leipzig einige Belehrung über die Schwierigkeit der preußischen Schulsragen entgegenzunehmen vermögen."
* Die Pommerr»bar»kgelder sollen vom Kirchenbauverein zurückgezahlt werden.
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31. Jahrgang.
zufolge, die der Feldstab des Statthalters au$ spanischen Quellen erhalten hat, erfolgte in der Nacht auf den 11. Juni ein Angriff auf die Stellungen bei Port Arthur. Die Japaner wurden unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Der Feind soll angeblich eine ungeheure Zahl, annähernd 30,000 Mann verloren haben. — Diese Nachricht klingt, was die große Verlustziffer anbetrifft, un- wahrscheinlich. Ss ist möglich, daß die Japaner mit Absicht ihre Verluste so hoch angeben, um die Russen zu täuschen und später um so sicherer einen entscheidenden Schlag gegen sie führen zu können.
Von russischer Seite wird gemeldet, daß bei Port Arthur auch für die Raffen günstige Kämpfe zu Lande stattgtfanden haben. Nachrichten aus Port Arthur zufolge machte General Fock am 5. ds. Mts. einen Angriff auf die rechte Flanke derJapaner unddrängte sie aus ihrer Stellung. Die russischen Jäger rückten bis Nangalin vor. Die Japaner landen Truppen bei Siaobindao. In Port Arthur herrscht die unerschütterliche Ueberzeugung, daß die Festung richt fallen werde.
W. Loudon, 14.Juli 1904. Einer Depesche der »Morning Post' aus Schanghai zufolge soll ein Bataillon russischer Infanterie eine Stellung östlich von Port Arthur den Japanern wieder genommen haben. Der Kreuzer „Nowik" und drei Kanonenboote bombardierten gleichzeitig die Stellung der Japaner von der See her und zwangen sie zum Rückzüge. Die japanische Flotte erschien dann, konnte aber nicht verhindern, daß die ruffischen Schiffe wieder in den Hafen gelangten. In der Nacht des 7. Juli machte ein japanisches Torpedoboot einen Angriff auf den Kreuzer „Askold" der im Nebel außerhalb des Hafens lag. Der Schaden, den der „Askold" erlitt, ist unbekannt. Am Sonntag soll bei Port Arthur eine große Landschlacht stattgefunden haben. Die Japaner griffen das westliche Fort an. Die Ruffrn sprengten einige Landminen, die Japaner sollen dabei 2800 Mann verloren und sich dann zurückgezogen haben.
Der AchtMdviklstgkr.
•ine rheinische Geschichte von Wilhelm Rn land.
giftetet täglich. «M let Sete» Wbzetertage. viertel- N*""eg2?ei§ Äb« vringerleh« «eo ilMMteRteSttltetet Mt!iM.50pfg.
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herangezogen haben; heute sei in vielen Berufen ein gewerkschaftlicher Kampf ohne Anteilnahme der weiblichen Berufsangehörigen kaum noch möglich. In der Schneiderei und Wäschefabrrkation, in der Tabackfabri- kation und in der Textilindustrie würden insgesamt neben 421,378 männlichen 490.418 weibliche Beruf S- angehörige beschäftigt. Die Organisation der Arbeiterinnen ist immer noch in weitem Rückstände. Zwar im Jahre 1903 erhöh e sich die Zahl der organisierten Arbeiterinnen von 28 218 auf 40,666, also um 12,448. Diese 40,666 organisierten Arbeiterinnen bilden nur 4,36 Prozent der organisationsfähigen weiblichen Berufsangehörigen, während von den männlichen 20,74 Prozent in den Gewerlschaften find. Im Jahre 1903 hatten die 63 gewerkschaftlich zentralisierten Verbände eine Einnahme von 16,419,991 Mk. und eine Ausgabe von 13,724,330 Mk. ES blieb ein Kassenbestand von Jahresschluß von 12,570.972 Mk. Die höchste Einnahme hatte der Metallarbeiterverband mit 2.814,000 Mark, dann folgen die Buchdrucker mit 1,964 000 Mk , die Maurer mit 1,960,000 Mk , die Holzarbeiter mit 1,263,000 Mk., die Zimmerer mit 655,000 Mk., die Bergarbeiter mit 631,000 Mk. Die bei den Textilarbeitern verzeichnete Einnahme von 1,399,000 Mk. kann nicht als normale Jahreseinnahme angesehen werden, die vielen Streikgelder für Crimmitschau find hier zum Teil mitverbuc^t. Den größten Kaffenbestand von 4,031,000 Mk. haben die Buchdrucker, denen die Maurer mit 1,718,000, die Holzarbeiter mit 1,350,000 und die Zimmerer mit 558,000 Mk. folgen. Es vereinnahmten die zentralifierten Gewerkschaften von 1891 bis 1903 78,707,734 Mk., denen eine Ausgabe von 68,434,326 Mk. gegenübersteht. Für Streiks wurden allein im letzten Jahr 4,512,812 Mk. verausgabt, ein Betrag, der nicht nur das weit übersteigt, was in einem Jahr für Streiks aus den Organisationskaflen gekommen ist, sondern auch den Höchstbetrag, der in einem Jahr für Streiks geleistet wurde, weit hinter sich läßt. Der bisherige höchste Betrag für Streiks aus den Kaffen der Verbände betrug im Jahre 1900 2.625,642 Mk. Die höchste Ausgabe für Streiks brachte das Jahr 1896, in dem die Hafenarbeiter und Seeleute in Hamburg streikten, mit 3,042,950 Mk. Für Unterstützungen verschiedener Art wurden von 1891 bis 1903 22.484,586 Mark ausgegeben und für die Berbandsorgane 6,381,102 Mark. Die übergroße Zahl der Arbeiter hatte die Woche mehr als 20 Pfg. für ihren Verband zu zahlen.
Jubelnde Zusag« folgten. Bürger Annecke hatte sich auf einen Wink Kinkels neb-n diesen gestellt, Bühl «it einem kräftigen Händedruck und einem vielsagenden stnmmen Wink zurücklafsend. Gottfried Kinkel machte «unmehr die Anwesenden auf die Schwierig- »-sie« aufmerksam, die sie zu bestehen haben würden. Cr legte ihnen nahe, daß ein Zusammenstoß mit Feinden nicht unmöglich, sogar sehr wahrscheinlich sei und v „ahnte sie nochmals, nicht leichtfertig das Ja aus- zu prechen,
Als es aber dennoch volltönend erfolgte, ließ er die Kampfbegeiflerten schwören. Er hob seine Finger u>b sprach den Eid vor, dahin lautend, daß sie mit- rieben, Folge leisten und treu sein wollte». Der Chor sprach den Eid nach. DaS Wort Siegburg wurde nicht genannt, aber jeder im Hause wußte, wohin der Zug gentfitet sei.
Schon vorher war der Bürger Kamm mit zwei Studenten in einem Nachen über den Rhein gefahren mrd hatte, den Säbel an der Seite, die Pistolen im Wade des weisen Staubmantels, in Beuel bei dem Stev-rmanne Matthias TbiebrS angefragt, ob man in der Nacht das Schiff der Fähre haben könne, und als dies bejaht wurde, verlang», daß gleich übergefahren »erbe, um 100 Mann von der andern Seite herüber zu holen.
Bühl war nach Haufe gestürmt, hatte feinen alten Karabiner hervorgeholt und feinen treuen Grauschimmel bestiegen. Auf dem halben Wege zum „Römer" lehrte er wieder um und ritt nach der Windmühten- aasie. Er wußte der Gertrud, dem lieben Kinde, roch Lebewohl sagen. Mau tonnte ja nicht w ssen, ob die
sobald die Gerichte das letzte Wort gesprochen haben So versichert eine Korrespondenz, die sich M F eiherrn v. Mirbach annimmt, weil man von ihm die Rückgabe der Gelder fordere, während sie an den Kirchenbauverein gezahlt seien. Herr v. Mirbach sei also gor nicht in der Lage irgend etwas in dieser Sache zu tun. Dann heißt es werter: „Die Kreise des Kirchen- bauvereinS legen Wert darauf, daß öffentlich bekannt gegeben wird, daß bereits nach der Verhaftung der Herren Schultz und Römer! ein Beschluß des Vorstandes genannten Vereins her- beigeführt wurde, der dahingehend lautete, daß alle von Seiten der Verhafteten hergegebenen Gelder zurückgezahlt werden sollen. Da der Verein als öffentlich rechtliche Körperschaft dies erst dann tun kann, sobald die Gerichte das letzte Wort in dieser Sache gesprochen haben, so kann vor der Entscheidung des Reichsgerichts nicht damit gerechnet werden, daß eine Rückgabe erfolgt. Es ftt schließlich bemerkt, daß die Verträge zurückgestellt worden sind, sodaß der Kirchenbauverein längst mit der Tatsache einer eventuellen Rückzahlung rechnet." Es hat etwas lange gedauert, bis diese Aufklärung gekommen ist. Es scheint denn doch, daß erst das Drängen gutkirchlicher Organe den Entschluß, das Geld zurückzugeben, gezeitigt habe, llebrigens müßte der Kirchenbauverein oder Freiherr o. Mirbach selbst eine solche Erklärung abgeben. Was irgend eine Korrespondenz sagt, lst doch nicht von Bedeutung. Der ,Reichsbote' ist von der Mitteilung auch nicht befriedigt. Er bemerk! u. a.: „Das sind neue Zögerungen und Ausflüchte, welche ebensowenig befriedigen werden, wie das bisherige Verhallen. Wie auch daS Geheimnis, das anscheinend noch in der Angelegenheit steckt, sich aufqeilärt, an der Pflicht, daß die fehlenden 325 COO Mark mitgedeckt werden, nachdem sie quittiert worden find, würde sich nichts ändern. Auch diese Rückzahlung ist im Interesse des höfischen Ansehens unvermeidlich. Je eher man stch das klar macht, desto bester wird es sein; mit dem verlegenen Hin- und Herschwanken, mit halben Entschlüsten, mit neuen Schiebungen wird nur kostbare Zeit und weiteres Vertrauen vergeudet."
* Der Reichstagsabgeordnete C.Legienhat feinen Rechenschaftsbericht über bie deutsche« Gewerk- schafts-rgantfatioue« im Jahre 1903 veröffentlicht. Die Zahl der zentralisierten Gewerkschaften betrug im Jahre 1903 887,698, daS ist gegen das Vorjahr eine Zunahme von 154,492 oder um 21 Prozent. Hinzu kommen noch 17,577 lolalorganifierter Gewerkschaftler, von denen etwa 15,000 tm Berliner Bezirk wohnen, sodaß also 1903 die Gewerkschaften insgesamt 905,275 Mitglieder zählten. 1904 hat die Zunahme der Gewerkschaften angehalten, sie werden jetzt die erste Million zählen. Nach der Mitgliederzahl stehen die Organisationen in folgender Reihenfolge: Metall, erbeiter 160,135, Maurer 101,155, Holzarbeiter 79,732, Bergarbeiter 60,15.7, Textilarbeiter 54,556, Fabrikarbeiter 37,055, Buchdrucker 35.970, Zimmerer 27,265, SandelS-, Transport- und Berkehrsarbeiter 25.800, chuhmacher 25,566, Bauarbeiter 22.635, Schneider 21,011 usw. Abgeordneter Legien behauptet, daß dauernde Erfolge im gewerkschaf-lichen Kampfe nur dann zu erwarten sind, wenn die Organisationen nicht nur in einzelnen Orten und Bezirken, sondern allgemein in größerer Zahl die BerufSangehörigeu zu sich Freischärler mit Feinden Zusammenstößen würden, und ihm, dem der Bürger Anneck die Führung einer besonderen Abteilung zugefichert hatte, konnte eS vielleicht besonders hart ans Leder gehen. Leid tat ibm nur, daß er vielleicht genötigt sein würde, das Mädchen und die Lene auS ihrem ersten Schlummer zu wecken.
Im Stübchen der Lene brannte noch Licht. Bühl stieg ab, trat ein und sein Gesicht vei finsterte sich. Auf dem Ledersofa saß Gertrud und neben ihr Schmidt, der Emiffär. DaS alte Leuchen hockte schlafend daneben im Lehnstuhle.
„Sapperlot! WaS macht Ihr denn hier? Unb so spät noch ?" brauste Bühl auf. „WaS habt Ihr überhaupt hier noch zu schaffen?"
„Bürger!" bat der Ueberruwpelte mit einiger Verlegenheit, indes der Mädchens Wangen vor Scham erglühten. „Bürger laßt's gut sein! Heute Nacht geht's los. Ich kam eben hierher, um mich zu verabschieden — vielleicht für immer — wenn ich falle oder verurteilt werde zu Pulver und Blei!"
Er wollte Bühls Hand ergreifen, der sie ihm entzog.
„Ihr habt Euch viel Mut angettunken für diese Nacht", spottete Bühl ingrimmig mit Anspielung aus bett angetrunkenen Zustand der FreiheirSpredigerS, „aber noch nicht genug. Trinkt vorher roch einige Schoppen, oder zieht einen Rock der alten Lene an, dann braucht Ihr überhaupt nicht mit zu marschieren."
Bürger!"
Ter Verspottete hob die Faust zum Schlage aus. Gertrud warf sich flehend zwischen Die beiden. Auch die a'te Lene erwachte und der Rote beruhigte stch.
Er verabschiedete sich von dem Mädchen. An der Tür wandte er sich stolz gegen Bühl; mit dem großartigen Pathos ein.S sin erben Stadium Bezechten.
„Man nennt Euch Oberst, Bürger! Ihr tragt den Säbel wie einst der alte Nopoleon bei Waterloo! Aber es gibt Kommandanten, mit denen man nicht einmal die kleine» Kinder bange m.cht und vor denen nicht einmal die tollen Hnnde die Wasserscheu bekom-
• Der MsstsÄ'kvMRWE Mieg.
Die russischen Stellungen bei Port Arthur wurden, wie die Ruff. Telegr.. Agentur am Dienstag aus Petersburg meidet, Nachrichten aus japanischer Quelle zufolge, seit Montag Nacht von den Japanern angegriffen. Die An- greiser wurdrn mit ungeheuren Verlusten zurück- geschlagen.
Die japanischen Verluste sollen nach einer neuern Meldung annähernd 30 000 Mann betragen. (Siehe das Telegramm weiter unten.) Aus ein paar Nullen mehr oder weniger wird es den Verbreitern dieser Meldung nicht ange- komme» sein. Zutreffender dürfte eine Mitteilung der.Morning Post' sein, nach welcher die japanischen Verluste 2800 Tote und Verwundete betragen.
Die nach der Einnahme Kaipings Vordringen de japanische Armee griff nach einer Meldung des ,Lok.-Anz.' am Dienstag aus dem Matsche gegen Haitscheng die stark befestigte russische Position bei Schukoko cn und nahm sie ein. Das Gifecht war sehr hesiig; die Größe der Verluste ist noch nicht bekannt.
W. Petersburg, 14. Juli 1904. Eine Mitteilung des Generalstabes besagt: Nachrichten me«. Ihr werdet durch all Eure revolutionäre Be- aeisterung höchstens zu einer roten Nase gelargen. Lebt wohl! Lebt wohl, holde Gertrud!"
„Er ist bekneipt, sagte Bühl verächtlich, als die Tür stch hinter ihm geschloffen hatte. Das Mädchen bückte niedergeschlagen zu Boden.
„Er hat mich so gern!" sprach fie leise und verstummte.
„Und Du?"
Nie hatte Bühl bisher diese Frage an sie zu richten gewagt. Nun zwang Gertrud selber fie ihm über die Lippen. Und er stand da mit angehaltenem Atem.
Cie schlang die Arme um seinen Hals und flehte: „Sei nicht böse, Vater!"
Er verstand alles und atmete tief auf. Rauh löste er die Umarmung
„Wir gehen nach Siegburg, Gertrud, um das Zeughaus zu stürmen", sagte n kurz „Es kann ja sei», daß fie unS unterwegs zusammenhauen —"
„Vater!" rief das Mädchen bestürzt.
„Bete für mich ein Vaterunser. Nun leb’ Wohl!" Es war die höchste Zett züm Gehen, denn dem Riesen wurde weich zu Mute. Mit dem treuen Tiere trabte er dem „Römer" zu. Unterwegs dielten ihn zwei nächtliche Wanderer an, der eine ein Knrrps im Vergleich zu seinen Gen offen
„Er wolle mit dem Studenten ten Jesuitenturm erklettern," sagte der Lippevhenn. Er war der eine. „Dort wellten sie Sturm läuten, wenn drüben Fackelschein auf dem Siegburger Kirchturme verkünde, daß die Eistürmung des Zerghauses gelungen sei."
„Mach' die Eulen nicht wach, die im Turme schlafen," rief ter Bürger Bühl lachend von seinem Gaul und galoppierte weiter. Er hatte sich kotz seines raschen Rittes beträtet. Der Zug der Freischärler war schon an ter Acherstraße angelangt. Im Galopp kam der Kommandant vvm Marktplatze daher geritten; bet seinem Anblicke erhoben die Sackträger im Zuge ein Freuden- geschrei.
„Vorwärts! Marsch!" schrie der Reiter und der
* Besuch des deutsche» Geschwaders iu Plymouth. Bei dem am Dienstag vom Bürgermeister von Plymouth zu Ehren des Admirals Koester und der deutschen Offi-
Zug marschierte weiter über die Acherstraße und Kölnertor um die Stadt, dem Rheine zu, der berittene Bühl an ter Spitze, die Bürger Annecke und Gerhards mit gezogenem Säbel als Hauptleute zur Seite, Kinkel als Flügelmann im ©liebe, ü ben ihm der junge Karl Schurz AmKölnertore bestieg auch der Bürger Ungar ein Pferd, das ihm sein Sohn nachgebracht hatte. Der Aufmarsch zur Rheinbrücke und die Abfahrt erfolgte« ohne Zwischenfall. Leider war in der Aufregung die Munition am Lande geblieben; die Brückeaknechte mußten wieder zurücksteuern unb ein Faß Pulver und ein Korb Patronen wurde auf daS Fahrzeug gebracht. I» dem Augenblicke, wo die fliegende Ponte ans andere Ufer stieß, war auf der Bonner Seite von der zlveiten Fahrgafle ein Nachen abrestvßen. Ertrug einige Nachzügler, angeheiterte Studenten und einen btrnotrati« scheu Emissär. Die Edlen hatten sich verspätet, waren am Rhein zusammen getroffen und kurz entschloffen mit einem an der Fähre liegenden Boote abgestoßen. Der weinsrohen Laune der temokratischen Akademiker, bie der Weg von ihrer Kneipe in der Rheingasie direkt zum Rhein geführt hatte, hielt die des roten Wander- Predigers daS Gleichgewicht.
„Du, der Philister dort hat schwerer geladen als wir beide zusammen," rief einer der revolutionären Museafohne seinem rudrrnden Kommilitonen zu.
Der Mann mit dem roten Knebelbarte richtete sich gekränkt auf.
„Meine Herren!" lallte er mit schwerer Zunge, „Sie wollen Studenten sein — aber ich sage Ihnen — eS gibt Studenten, mit denen man — nicht einmal die kleinen Kinder bange macht —"
„Maul halten", brüllte der Chorus.
„Und vor denen nicht einmal die tollen Hunde — die Waffe-scheu bekommen —"
„Kerl, wir schmeißen Sie inS Wafler!" tief einer.
Und Ihr werdet durch all Eure revolutionäre Begeisterung höchstens zu einer roten —" (Fortsetzung folgt.)
MaerM Zeitung
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erstes Blatt