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31. Jahrgang.

Allda, Dienstag, den 12. Juli 1904

M iso.

Berlin, den 11. Juli 1904.

(Nachdruck verböte«.)

Zwischenhändler aufgebracht werden. Aber die Eisenbahnbeamten sind in einem produktiven Unternehmen des Staates angestellt, ste schaffen selbst die Einnahmen, aus denen ihr Gehalt be­zahlt wird. Darum halten wir die Verfügung der Ministers v. Budde für unzweckmäßig.

Die ,Deutsche Tagesztg.' dagegen erklärt die Ver­fügung deS Ministers für „dankenswert und ver» ständig". _ „ , ™.

(*) Vorsicht bet Krankenkassen! Wie bereits gemeldet, ist die Bayerische Versorgungs­anstalt verkracht. Nach den neuesten Mel­dungen werden etwa 1160 Personen geschädigt ! werden. Gegenwärtig sind 39 Mitglieder der | Kaffe krank; sie erhalten aber kein Krankengeld, i weil nichts da ist.

♦ Zn Schippe! und Kautsky als Agararier gesellt sich als Dritter im Bunde der frühere sozialdemokratische R-ichstagSabgeordnete Ca lwer, der gestützt auf Angaben der Württem- bergischen Jahrbücher für Statistik und für Landeskunde, daS wichtige Zugeständnis macht, daß die Ermäßigung des Getreidezolles nicht den mindesten Einfluß auf die Gestaltung des Brotpreises in Württemberg gehabt habe. Man müffe vielmehr annehmen, daß die Bäcker so> wohl als auch die Müller die erhebliche Ermäßi­gung der Getreidepreise ausschließlich zu ihrem Vorteil ausgenutzt hätten, ohne die Konsu­menten irgendwie daran partizipieren zu lassen.

* Im Monate Mai ds. Js. find aus deutsche« Eisenbahnen — ausschließlich der bayerischen und der Bahnen mit weniger als 50 Kilometer Betriebslänge — 13 Entgleisungen auf freier Bahn (davon 7 bei Personenzügen), 18 Entgleisungen in Stationen (davon 5 bei Personenzügen) vorgekommen. Dabei wurden 2 Reisende und 15 Bahnbedienstete verletzt.

letzten Bemerkung war tr anfangs zusammengezuckt und batte dann erleichtert aufgeatmet.

.Der Teufel w rst einem ost einen Knüppel zwischen die Beine, wenn matt einmal seine Seele an ihn ver­kauft hat," murmelte er. Dann, auf die Uhr schauend: .Hohe Zeit ist'S; ich werde den Meyec wegen meiner Bummelei am Ende nicht mehr aittceffev."

Mit hastigen Schritten eitle er dem .Römer" zü. Hier war eine tumultuarische Gesellschaft versammelt. Der Wanderprediger Meyer hatte soeben eine zündende Rede bendet und schon meldeten fick andere zum Worte.

„Mit diesen wüsten Gesellen ist nicht gut Kirschen chen," meinte der Bürger M«yrr, als er mit seinem roten Genossen den „Römer" verließ und den Weg nach dem Münsterplatze einschlug.

„Auch ich hab's gemerkt, als ich in einer Kneipe am Rhein einigen Zündstoff unter sie warf," ergänzte der Rote. „Die können im Notfälle schlimmer weiden wie die Kölnischen."

„DaS würde ein nettes Fressen werden für die Bonnschen," lachte der Bürger Meyer.

An der Meckenheimerstrabe begegneten sie einer Abteilung der Bürgerwehr. Der Bürger Meyer be­trachtete die biedere Miliz mit herausforderndem Lächetn

„Bor einigen Togen hat ihnen mein Bruder, den st« requirierten, den Gehorsam verweigert, weil er nicht aus ihrem Jahrhundert fei, und ste konnten ihm nicht« anbaben, weil ouf der Kons'riptions-Ordre da« Jahr 1489 stand, statt 1849." Und drr Bürger Meyer lachte höhnisch

Jor einem der jpauftr, an denen sie voruberschn- len war ein Trupp Menschen versammelt.

„WaS ist dato«, Bürger?" fragte der Rote einen Monn in der Scckiräger-Jacke.

Der Herr Profeffor Kinkel hält eine Rede an Die demokratischen Studenten, die an seinem Hause anf- aezogen kamen," sagte der Mann.

„Komm, laß unS zuhören. Da können w,r viel­leicht noch etwas für unsere Reden profitieren." Und die beiden schritten auf daS Gartenhaus zu.

Einfluß. „

[•] Minister v. Budde hat an alle Eisen - baynvirektionen eine Verfügung eclaffen, die sich gegen die Konsumvereine der Beamte« richtet. Alle Bahndediensteten möchten künftig ihre Waren durch den Klein- und Zwischen» handel beziehen. „Beamte dürfen Vorstands» ämter nur für solche Konsumvereine übernehmen, dis nach dem Gutachten der Kommunalbehörden und des Regierungspräsidenten ein unabroeis- - — - “ « Drei Fälle kommen

*- Kaiser Wilhelm hat an den Komman- deur des Wiborgschen Regiments (dessen Ches « ist) ein Telegramm gerichtet, in bent er fernem Regiments Glück wünscht zu der Möglichkeit, dem Feinde gegeuüberzutreten, er sei stolz daraus, daß auch seinem Wiborgschen Regiment die Ehre zu teil werde, für seinen Kaiser, das Vaterland und den Ruhm der russischen Armee «1 kämpfen. Das Telegramm schließt mit den Aorten: „Meine aufrichtigen Wünsche begleiten das Regiment, Gott segne seine Fahnen." Ob das Telegramm mit der strikten Neutralität verein» bart sein map, die Graf Bülow von der deutschen Presse fordert? Es ist zwar nur eine HSflich- keitsformalität, die den Ruffen nichts nützt und den Japanern nichts schadet, aber zu Ver» dächtigungcn der deutschen Neutralität wird es doch wohl wieder dienen müffen, namentlich unseren englischen „Freunden"! In Rußland hat man auch sofort begonnen, eS auszubeuten. Offiziöse deutsche Stimmen wiegeln rasch ab.

* Der Präsident des russischen Ministerkomitees, Herr Witte, ist Sonntag abend in Berlin eingetroffen. In seiner Be­gleitung befinden sich die Herren von Timiviatew, B. Prilejajew und N. Langoooi. Gleich heute morgen fanden sie sich zum Frühstück und zu einer mehrstündigen Konferenz in der russischen Botschaft zusammen. Nachmittags sand wiederum daS Diner in der russischen Botschaft statt, zu welchem der Staatssekretär des Auswärtigen von Richthosen eine Einladung erhalten hatte. Abends reisten der Finanzminister und Herr v. Timiviatew nach Norderney zum Besuch des Reichskanzlers. Dem Vernehmen nach begaben sich auch Graf Posadowsky und Direktor von Körner zur Teilnahme an den Vertragsverhand« hingen nach Norderney lieber die Vorgeschichte der Begegnung verlautet nach der ,N. Fr. Pr.' folgendes: Herr Witte verständigte den Grafen Bülow, daß et ihn in Berlin ausiuchen werde. Graf Bülow antwortete sofort Herrn Witte, er fei gern bereit, zum Zwecke einer Begegnung Norderney zu verlassen, um nach Berlin zu reisen. Herr Witte erwiderte auf dieses Schreiben, es »erde ihn freuen, ihn in Norderney zu besuchen. Alle Aeußerungen auswärtiger Blätter, als ob es sich bei den Verhandlungen in Norderney auch um politische Fragen (Ostafien usw.) han­deln, werden offiziös für falsch erklärt.

§ „Wider die Pfaffenherrschaft" ist der Titel eines „kulturhtstorischen" Lieferungs- Werkes, das der verstorbene sozialdemokratische Abgeordnete Rosenow kritiklos aus kirchenfeind- lichen Schmutz, und Schmähschriften Vorzugs, weise des 18. Jahrhunderts, abgeschrieben hat und das der.Vorwärts' seinen Lesern allwöchent­lich dringend empfiehlt. Es ist nämlich im Berlage des.Vorwärts' erschienen und dieser ge-

denkt ein Geschäft dabei zu machen, wie nur je bei einem Kolportage- und Schauerroman ge- macht worden ist. 50 Lieferungen zu 20 Pfg. sollen erscheinen. Der Schund kostet dem armen Genoffen, der darauf anbeißt, nicht weniger als 10 Mark. Die sozialdemokratische Münchener »Post' hat nun das schmutzige Machwerk ganz entschiede« verurteilt und dem Genoffen Rosenow die Kenntnis und Fähigkeit abgesprochen, em historischer Werk wissenschaftlicher Natur zu schreiben. Vor allem sand die ,Post', daß das Werk der Partei bei den katholischen Arbeitern sehr schaden werde. Der .Vorwärts' hall es nun doch für gut, darauf einiges zu antworten. Zur Verteidigung des Schundes weiß er kein Wort zu fagen. Er wendet fich nur dagegen, daß der Programmsatz von der Erklärung der Religion als Privatsache dagegen ausgesprelt werde. Der Satz sage blos, daß die dtkligwn und ihre Organisation vom Staate losgelöst werden und ihre Pflege den Gläubigen üler- laffen werden solle. Er sichere aber auch 1-dem Sozialdemokraten das Recht zu, sich über Reli­gion und Kirche zu äußern und Kritik an ihr zu Überi, wie er wolle. Diese Auslegung hören wir nicht zum ersten Male. Wenn aber die Genossen das Recht beanspruchen, Religion und Kirche nach Herzenslust anzugreisen und roenn - -

sie von diesem „Rechte" Gebrauch machen, wie bares BhdkftfniS find

Zeitraum von zwei Wochm auf ungefähr 401 Mk. belaufen. Anmeldungen, insbesondere Be- stellungen von LogiS in Gasthäusern ober Privat­wohnungen, sind vor dem 1. August zu richten an die Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschsand in M.Gladbach.

* Während der Zett der Gerichtsferien wrrs die SprnchtStigkeit des Reichs- Ber- fichernngsamtS, wie in den früheren Jahren, eine Einschränkung erfahren. Vom 15. Juli bis 15. September werden zur Erledigung der besonders eilbedürftigen Sachen sowohl in Umall- wie in Invaliden - V-rficherungs - Strertigketten wöchentlich mehrere Sitzungen stattfiidrn. Auf die Fristen zur Einlegung des Rechtsmittels des Rekurses und der Revision (ein Monat, vom Tage der Zustellung beS Schiedsgerichtsurteils an" gerechnet) hat diese Ferieuordnung kernen

zweitens wenn an dem betreffenden Ort Teuerungsverhältniffe bestehen, für die Waren also dauernd ein unverhältnismäßig hoher Preis gefordert wird, und drittens wenn zu fürchten steht, daß die Bahnbediensteten, sobald ihnen selbst die Bildung eines Konsumvereins versagt ist, anderen Konsumvereinm betreten, die nicht lediglich auf privatwirtschaftliche (also z. B. politische) Ziele gerichtet find. In den beiden zuletzt ausgesührten Fällen soll indes allemal ein Gutachten der Kommunalbehörden eingeholt und der zuständige Regierungspräsident um eine Aeußerung ersucht werden. Dazu bemerkt die .Kreuzztg.': „Wir fürchten, daß die Bedürfnts- frage fast bei allen Beamtenkonsumvereinen be­jaht werden muß. Wären die Beamten nicht ! zur alleräußersten Sparsamkeit gezwungen, so würden sie sich nicht die meist recht große Un­bequemlichkeit machen, ihre Bedürfniffe in Konsum- vereinen zu decken, statt beim nächsten Händler. Gewiß sind die Konsumvereine ein großes Uebel für den gewerblichen Mittelstand. Da aber die Detaillisten und die Handwerker zur „Selbst­hilfe" greisen und fich immer mehr zu Emkaufs- genoffenschast-n zusammentun, so ist es uns sehr ftaglich, ob der Staat wohl daran tut, feinen knapp besoldeten Beamten eine ähnliche Organi­sation zu verbieten. Und gerade die Eisenbahn­beamten er scheinen uns zu diesem Experimente am wenigsten geeignet. Gegen die Konsum­vereine der Beamten läßt sich nämlich nur der eine Einwand erheben, daß die Beamtengehälter

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Der AchtMvittM.

»ine rheinische Geschichte von Wilhelm Ruland.

Auch draußen klopft's in diesem Augenblick.

Aus de- Meisters Hkreimuf erscheint ein Fremder in dürftiger, doch anständiger Kleidung mit kurzge­schorenem rötlichem Haar und gleichfarbigem Knebel­bart Der Gehilfe sieht, wie der Mann bei feinem Anblick stutzig wird. Warum? Er erinnert fich nicht, ihn ft gesehen zu haben, obwohl er meint, die scharfe Stimme der andern h-be er schon irgenowo einmal gehört. Doch gerade hierin gibt man fich häufig Selbsttäuschungen hin. Der neue Kunde aber, der gekommen war, fich einen Anzug zu bestellen, verlor den buckligen G-Hilsen keinen Moment an» den Augen, mb eine gewisse Erregung, die er dinier scheinbarer «leichgüttigkeit verbarg, legte fich erst wieder, al» er bemerk» e, wie jener ruhig über seiner Arbeit saß, den Kunden nicht weiter beachtend.

„Tin seltsamer Mensch!" meinte Meister Möller, al« der andere hinan» war. „Der scheint sich gut a*s demokratischer Wanderprediger zu eignen."

Der Gehilfe nickte zerstreut.

„Wo mag der die Kunst zu predigen gelernt haben? fragt« der Meister, der den FreiheitSideen wenig gewogen war, mit leichtem Spott.

„Ich meine, ich hä ie ihn schon einmal gchört", entgegnete der G-Hilfe.

„Du, Heinrich? Warst wohl auch mal so ein halber Demokrat?" Heinrich wurde rot.

„Jq meinte nur, ich hätte diese St mme schon einmal gehört. Ich kann mich euch täuschen."

Damit war bte Unterhaltung zu Ende.

Draußen stand brr Mann mir dem Shiebelbart und hielt lauschend da» Ohr an» Schlüffrllrch Bei der

*— Sozialer Ferienknrsns in M Glad­bach. In der Zeit vorn Montag den 29. August bis Samstag den 10. September 1904 veranstaltet der Volks verein für das katholische Deutschland einen Sozialen Ferienkursus in MGladbach. Zur Teilnahme werden solche Geistliche und akademisch gebildete Laien einge­laden, welche fich bereits grundlegende soziale Kenntnisse erworben haben, und als Leiter von Vereinen, Redakteure, Redner rc. in praktisch- sozialer Arbeit stehen. Täglich werden zwei Vorträge mit Besprechungen gehalten über die wichtigsten aktuellen sozialen Fragen, rote Ent­wickelung der Volkswirtschaft, Koalitionsrrcht und Gewerkschaftsbewegung, nächste Aufgaben des gesetzlichen Arbeiterschutzes, kommunale Sozial­politik, Sozialismus, Fragen des Handwerker­und mittleren Kaufmannstandes, ländliche Wohl­fahrtspflege, Mädchenschutz, Volksbildungsbe­strebungen, Organisation der Armenpflege und Wohltätigkeit, Mäßigkeitsbestrebungen, positive Ausgaben gegenüber dem Vordringen der Sozial­demokratie, soziale und apologetische Organisation einer Gemeinde, soziale und apologetische Fort­bildung, Sinsührung in die soziale Literatur. An diese Vorträge schließen sich an: Besichtigung von Wohlsahrlseinrichtungen, sozialen und charitativen Anstalten, Muster • Einrichtungen sozialer Vereine, Unterrichtskursen, Fachabteilungen in Gesellenvereinen, Haushaltungsschulen. Ge- bühren weiden bei diesen Kursen nicht erhoben; die Teilnehmer haben deshalb nur die Ausent- haltskosten zu decken; letztere werden fich für den

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Kin'et hielt eben eine seiner historischen AnsprrchiN, worin er sagte, fich auf die Notwendigkeit eines sozia­len Umschwunges stützend, b,§ er einen schnellen Sieg der Revolution, die fich nicht länger verzögern könne, sicher erwarte. „Mehr ole zwei Drittel der Mensch­heit find voll Sorge um daS tägliche Brot," rief er erregt von dem Balkonfenster herunter, „und von dem letzten Drittel sieht Wied:» die Hälfte oie Not einer Hyäne gleich bereits um ihr Haus schleichen und die Tür in engem und euerem Zirkelgang belagern.

„Der spricht besser wie unsereins," raunte der Bürger Meyer seinem roten Gmoffen zu.

Oben fuhr Kinkel fort: „An heißen Sommertagen sieht man eS wohl Heraufziehen, bleifarben, urheim­lich! die Wettermaffen ballen sich zum Kampfe, aber au» welchem Wolkengeschwader der LoSbruch kommt, bat weiß niemand! Plötzlich zuckt der erste, pracht­volle Blitz, und von allen Ecken und Enden deSFttma- mentes lodert ihm da» zornige Leuchten, rollt ihm das erhabene Rollen des Donners »ach. Wer naben den Tagen der Frühlings-Sonnenwende; bet Lenz kommt heran und mit Em die Gewiyerfchläge."

Die Studenten jubelten Bettall

Der Kinkel droben ist eia Dichter," sagte Burger Meyer tiefsinnig. „Wenn ich auch so reden könnte, dann tät ich nichts wehr."

„Wirst mich auch bald so sprechen hören," sprach fein Genosse würdevoll. „Ich habe die Absicht, hter in Bonn mein Licht länger leuchten zu loffen; zudem glaube ich — und er warf fich in die Brust —, daß mir heute ein ander»« Licht aufgegangen ist in den blauen Augen eines blonden Mädchen», da« Gertrud heißt und mich nicht ungern sieht" Und er strich be­haglich den wohlgepflegten Knebelbart.

„Ich wünsche Dir viel Glück," sagte der Bürger Mryer lächelnd, und die beiden zogen ihre Straße weiter.

4.

An einem der folgenden Tage sprach der roi haarige , Demokrat bä der atten Lene vor Sein reuet Anzug

• Der ruffisch-japanische Krieg.

Die gestern erwähnte Meldung Über die Einnahme von Kaitschou durch die Japaner wird jetzt durch beiderseitige amtliche Nachrichten bestätigt. General Oku meldet nach Tokio: „Die Zweite Armee begann ihre aus die Besetzung Kaipings (Kaitschou) hinzielenden Operationen am 6. Juli. Nachdem die Ruffen succeffive auS ihren Stellungen vertrieben worden waren, wurden Kaiping und die benach­barten Höhen am 9. Juli von den Japanern besetzt."

Die Einnahme von Kaiping durch die Japaner hat in Frankreich, wo man begreiflicherweise mir recht gemischten Empfindungen die militärischen Mißerfolge der ruffischen Verbündeten verfolgt, I einen niederdrückenden Eindruck hervorgerufen.

General Ssacharow sandte am 10.Juli dem ruffischen Generalstab wiederum einen langen Bericht. Selbst am Sonntag wird in dem Be­richt mit keinem Wort erwähnt, daß di? Japaner | Kaiping besetzt haben. Zwischen den Zeilen ist das Geständnis der üblen ruffischen Lage aller« I* dings unschwer zu entdecken. In dem Bericht heißt es: Am 9. Juli zogen fich unsere Truppen in voller Ordnung nach Kaitschou (Kaiping) kleidete ihn gut. Ein Sträußchen roter Nelken guckte auS seinem Knopfloche. Erhoffte, wie er an gab, Bühl zu finden, schien aber über dessen Fernsein wenig be­trübt. Daß fich die alle Sette wortkarg gegen ihn ver­hielt, pörie ihn keineswegs; mit innerem Triumphe hatte er bemerkt, wie Gertrud bei seinem Eintritte bolb errötete. Er berstend es meisterhaft, sie zu unter­halten. Er begann tritt der Politik, der er sein Leben, seine ganze Existenz geweiht habe. Gertrud lauschte auftnrrlsam Je mehr aber der Geist sich in da« Ge­wühl der RevolutionS-Gedanken hineinlebe, um 1° mehr sehne fich ba« Herz mitunter nach der holden Weiblichkeit, nach dem Klange einer weiblichen Stimme, nach der Nähe eines weiblichen Wesen«. Gertrud blickte verschämt nieder. AIS er sich endlich empfahl und da- bei höflich mtt gedampfter Stimme sragte ob sem Be- iuch ihr vielleiat rrnar genehm gewesen set, da fchrtt- teile sie heftig den Krpi und schlüpfte Hinern. ,

D'e alte L-ne aber sah zu ihrem Leidwesen, da« die Besuche der Herrn Schmidt fich wiederholten, und was fie viel 'chwerzltcher empfand, daß bte blonde Gertrud ihnen mit steigender Erwartung erttgegenfah. Zu Bühl wagte die ölte Lene nicht zu sprechen. Ec mußte daS Verhalt- iS der beiden bemerkt haben, und wenn er nichts dagegen sagte, war die« ein Zeichen, baß er er schweigend billigte.

Der »othoar geBürg rSchmidt ober triumphterte; in einer stillen Plcuderstnnbe hatte er so Ihb zu »hr gesprochen, daß endl'ch euch bei ihr der Funke auf- flammte, d r fckon lange in ihrem siebzehnjährigen Herzen glühte. Und so fanden sie fich.

Bal» darauf kündeten »ote Plakate an, daß der Emiffär Schmidt aue61terfelb eine Rede an die Frauen h.lten werde. Versammlung«- Lokal der „Rötzer'. Auch Gertrud erschien mit Bühl auf Birten deS Red­ners. Ter ak>er schwang eite gewaltige Rede Butt Phrase und Blödsinn: doß die Frauen von Anbeginn gescheiter gewesen seien cl« clle Schristgelehrten und Pbarisäer. „Wäret ihr am Ruder gewesen, roamliaj, olles wäre anders geworden. DeS ganze Unheil rst

MdaerW Zeitung

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