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.Hoffnungen- tönnten jedenfalls nur diejenigen haben, dir sich als Gegner des deutschen Tarifes bekennen.

* Müuche», 8. Juli 1904. Die Ver­längerung des Landtags ist beute schon durch Allerhöchste Botschaft ausgesprochen worden. Der diesmalige Termin läuft bis 1. August ein-

die alten ungünstigen Verträge von Jahr zu Jahr writerlaufen kaffen muß. Man tanze uns geradezu auf der Nase herum. In einem Tage hätte der Ausbruch des russisch- japanischen Krieges den Abschluß unseres Ver­trages herbeiführen müffen. Entweder wohl-

Erstes Blatt

• Der russisch-japanische Krieg.

Von einem Erfolge der Japaner bei Port Arthur wissen englische Blätter zu berichten. Ihnen erstattete nach dem Berl. Lok. Anz/ „Reuters Sezialdienst« die Meldung von der Mittwoch erfolgten Eroberung des in der Hauptverteidi- gungUinie von Port Arthur belegenen Forts Nr. 16. Die Japaner hätten außerdem den Nordabhang des TakuschanbergeS, drei englische Meilen von Port Arthur entfernt, besetzt.

Der japanische Erfolg wird auch durch folgende Meldung des Bureaus Reuter vom 8. Juli bestätigt: Ern glaubwürdiger, angesehener Chinese, der von der Ostküste Lmotungs unweit Port Arthur hier ein getroffen ist, berichtet, eine Division der japanischen Armee habe am 5. Juli den Nordoftabhang des Takuschanberges erreicht, dessen Gipfel weniger als drei Merlen von Port Arthur entfernt sei. Diese Division hatte sich auf der Landstraße nördlich Port Arthurs von einer anderen Division getrennt und war durch das bergige Land marschiert, während die andere Division den Marsch auf der Straße in der Richtung auf das Marinelager fortsetzte. Sie muß, um dieses zu erreichen, über ebenes Gelände marschieren. Indessen ist daS M ari«e - lager sobald eine japanische Division auf dem Takuschanberge steht, nicht zu halten. Das auf der Hauptverteidigungslinie gelegene russische Fort Nummer 16 ist vorgestern von den Japanern genommen worden. — Die Be­setzung von Lunghwangrung wurde am Montag beendet. Die Rüssen sollen dabei 100 Tote und 40 Verwundete gehabt haben. Die Russen verwenden Chinesen zur Wegschaffung der Toten und Verwundeten. Während des Kampfes wurden etwa 50 Kulis bei dieser Arbeit getötet.

Don japanischer Teste sind in letzter Zeit Berichte über Vorgänge auf dem Kriegsschau­plätze sehr selten verbreitlt worden. Der Zweck der Zurückhaltung tritt aus einer Meldung des Bureaus Reuter aus Tokio hervor, die auch sonst ein nicht uninteressantes Streiflicht auf die Kriegsberichterflattung wirft und außerdem die Annahme zuläßt, daß die Japaner für die nächste Zeit ein en energischen Vorstoß planen. Reuters Bureau meldet am Freitag aus Tokio: Gezenwärüg werd«nOperationen von ernster Wichtigkeit innerhalb derKrlegSzone duickgeführt, es gelingt aber der Regierung, sie fast vollkommen geheim zu halte». Seit der Besetzung oon Dalry hat die Regierung Hst sichtlich der Belagerung von Port Arthur vollkommenes Stillschwelgen bewahrt. Es gelangen zusammenhanglose Nach­richten aus verschiedenen Quellen, namentlich chinesischen, nach Japan, deren Bekanntgabe oder Uebermitstlung nach dem Auslande aber bei schwerer Strafe untersagt ist. Weder bei der Port Arthur belagernden Armee, roch bei der Armee Okus oder bei der Takuschanarmee be- findet sich ein Ausländer. Die Kriegskorre- spondenten und fremden Milstära tacheeS, die die Armee KurvklS begleiten, dürfen ein Gebiet von nur zwei Kilometer Durchmesser nicht über- schreiten.

Der aus Ostasien nach Petersburg zmück- gekehrte russische VerkehrSminister Fürst Chtl- kow hat den Vertretern einiger Pariser Blätter erklärt, daß jetzt täglich 4000- 5000 Mann in 12—15 Eisenbahnzügen, die täglich 300 Kilometer machen, nach dem Osten befördert werden. Es wäre sogar möglich, 10000 Mann z« befördern, wenn nicht viele Züge durch den Transport von Kriegsmaterial für die Marine in Wladiwostok in Anspruch genommen

schließlich. Ob damit tatsächlich Schluß wird, lassen wir einstweilen noch dahingestellt fein, denn es sind das ohne Abendsitzungen nur 25 Sitzungen. Abendsitzungen find zur Stunde aber noch gar nicht möglich, da der Finanzausschuß noch arbeitet. Böfe Menschen behaupten, daß der Landtag noch bis zum 10. oder 12. August verlängert werden muß. (Hoffentlich irren fich diese boshaften Menschen. D. Red.) — Der bayerische Militärbevollmächtigie in Berlin, Generalmajor v. Endreß, dessen bevorstehende Ernennung zum Divistonskommandrurwir gemeldet haben, hat die Divifion in Augsburg erhallen. Der dortige Divisionär Freiherr v. Reichl in- Meldegg soll Kriegsminifter werden. Der Rücktritt des Freiherrn v. Asch erfolgt bestimmt nach Landtagsschluß.

* Belgische Anarchisten entwendeten der .Magdeb. Ztg.' zufolge in dem Kohlenbergwerk Onaregnon (Provinz Hennegau) eine große Menge Dynamit. Die gesamte Polizei ist zur schleunigen Auffindung der kühnen Diebe auf geboten worden, da man fürchtet, daß für die nächste Zeit neue Bomdenaltentäte be- schloffen find.

* I» englischen Unter hause verlas am Donnerstag derStaatssekretär sürJndien.Brodrick, ein amtliches Telegramm, welches das Reutersche Telegramm, betr. die Einnahme der tibe­tanischen Befestigung Yong bestätigt und wonach die Streitkraft des Feindes auf 5000 Mann geschätzt wurde. Der Verlust deIHrindes sei noch" nicht bekannt, unser Verlust bdtetge 1 Offizier und 3 Mann getötet, 4 Offiziere und 23 Mann verwundet

* Die Verhaftung deS italienischen Kapitäns Ereolesfi ino seiner Frau beschäftigt nach der Wtener ,Zett' eingehend die italienischen Blätter. Die .Tribuna' schreibt: „Die Modi lisierungsvläne. die in einer eisernen foffe der Festung versperrt waren, haben für die Ver­teidigung des MiitelmeeieS eine außerordent­liche Bedeutung. Die Behörden erklären, sie wüßten nicht, an wen die Pläne verkauft oder auSgeliefert winden. Außer Schriftstücken wurden bei Etcolesfi zwei pho'ogrcphische Apparate,

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wollende Neutraluät und Annahme unterer Bedingungen oder —! Aber das nachbismm ckische amtliche Deutschland führe blos renommistische Reden, doch Taten sehe man nicht. Mir leben in der Zell der verpaßten Gelegenheiten und be­rauschen uns durch Gedenkfeiern und Standbilder an den einstigen Erfolgen, statt die Ursachen dieser Werke einfach nachzuahmen, mit eiserner Tatkraft und eisernem Fleiße. Beides geht uns jetzt ab. Statt ernster Arbeit hohles Schauge­pränge und der gerechtfertigte Spott des Aus­landes, das uns nicht mehr fürchtet und weiter am Gängelbande führt . . . Zeigen wir endlich die Zähne und kündigen die Verträge, vor deren Ablauf dann die Vertragsstaaten schon zu Kreuze kriegen werden!" Wie man sieht, bemerkt dazu die »Kreuztg/, find die Herren vom „Handel und Industrie" keineswegs so zartbesallete Geister, wie sse immer glauben machen wollen. Sie scheuen sogar, wenn es fich um die Wahrnehmung ihrer Interessen handelt, vor einer recht deutlichen Tonart gegen die Regierung, bei der sie sonst der Agrarier wegen „demagogischer Sprache" zu denunzieren pflegen, keineswegs zurück.

* Zentrums - Marke». Die rheinische Zentrums - Partei hat vor kurzem Briefschluß- Marken zu 2 Herstellen lassen, deren sich die Parteifreunde bei ihrem Briefwechsel bedienen können. Die Marken zeigen in schöner Ausfüh­rung den Zentrumsturm mit dem Wahlspruch für „Wahrheit, Freihell und Recht". 40 Prozent aus dem Verkauf der Marken soll der rheinischen Provinzial-Organisation, 30 Prozent dem Fonds der Zentrums-Fraktion und 30 Prozent dem ört­lichen Wahl-Komitee zugute kommen.

* Regelung des AvtomobilverkehrS. Der Verband deutscher Lohnfuhrunter­nehmer hat an den Minister des Innern eine Eingabe gerichtet, in der um Hinzuziehung geeigneter Vertreter des organisierten Lohnfuhr- gewertes zu der geplanten Konferenz zwecks Regelung des Automobilverkehrs ersucht wird. Die Havp.forderang der Lohnfuhrunternehmer ist der Erlaß eines Reichsgesetzes Über die Haftpflicht der Besitzer von Kraftfahrzeugen für Schaden an Personen und Sachen.

* Hebet die Bekämpfung der Schwind­sucht haben die zuständigen Ausschüsse des RelchSgesundhellsrates in Berlin beraten und sind zu dem Ergebnis gekommen, daß vor allem die Ansteckung verhindert und daß darum weilvorgeschriltene Fälle besonders beachtet werden müßten. Zu dem Zwecke fordern sie, sofern be­sondere Lungenheilanstalten nicht zu erlangen sind, die Absonderung der Schwindsüchtigen in den Krankenhäusern von den anderen Kranken und Verlegung derselben in besondere Zimmer mit ebenen Zugängen.

* Det Betbaud sächsischer Kousum- verriue bat den Bericht über das Geschäfis« fahr 1903/04 veröffentlicht. Danach zählt er am 1. April d'. Js. 131 angeschloffene Vereine, meist Genossenschaften mit beschränkter Haftung. Der Mitgliederbestand sämtlicher Vereine benug fast 200 000 Personen; der Warenumsatz insge­samt fast 55 Millionen Mk., das ist 5l/2 Mill, mehr als im Jahre vorher. Die Vereins be­schäftigten an angestellten Vorstandsmitgliedern und Kontorbeamten rund 2400 Beamten, die im Durchschnitt pro Kopf ein Gehalt von 1770 Mk. bezogen. Die gesamten Vereine erzielten einen Brvttoüberschuß von über ll'/s Mill. Mk., der Reingewinn betrug rund 6,300,000 Mk. Die niedrigste Dividende war 5 pCt., die höchste 22 pCt. Die Vereine, die mehr als 10 pCt. Divi­dende bezahlen, find in der Mehrheit. Diese Zahlen reden eine eindringliche Sprache. S e bedeuten tatsächlich den Ruin oder die Ausschal­tung von z-hllosen wirtschastlich selbständigen Cristevzrn des Mittelstandes.

• * Der Präsident des russische» Miuisterkomitees Witte wird dem Grafen von Bülow in Norderney einen Besuch ad- fia ten, um mit ihm über den Abschluß des neuen Handelsvertrages za konferieren. Herr Witte wird voraussichtlich morgen früh hier eintreffen. Man nimmt noch den ,Berl. Lok. Anz/ an, daß die russische Regierung weitere Emwendungen gegen die deutschen Mindeflzölle auf Getreide nicht mehr erheben werd. Dagegen meint die .Neue Reichskorrespondenz', es wäre durchaus verfehlt, aus der Ankunft des russischen Ministers allzugroße Hoffnungen herzuleiten. Die Aufgabe Wittes bestehe darin, die deutsche Regierung drellzuschlagen und günstigere Bedingungen zu erzielen. Es werde fich zeigen müssen, ob Gras Bülow in feinen Händen weich wie Wachs werde.

Deutscher Reich.

Berlin, den 8. Juli 1904.

*, Der „Spree-Prafekt" macht den Ber­linern wieder Pein. Der Minister des Innern beabsichtigt im Zusammenhänge mit seiner Reise nach London auch Paris zu besuchen und die bärtigen kommunalen Einrichtungen an Ort und Stelle zu studieren. Offiziös wird hierzu bemerkt: „Man wird sich bei diesem Anlässe auch gegen­wärtig zu halten haben, daß es sich bei den in Bezug auf Berlin und seine Umgebung zu lösen­den Aufgaben nicht ausschließlich um die kom­munale Seite der Sache handelt, sondern daß auch die zweckmäßige Ordnung der staatlichen Aussicht Über Groß-Berlin zu den Aufgaben des Tages gehört. Bekanntlich hat die Sraatsregie- rung die Absicht gehabt, für Berlin und die be­nachbarten Stadtkreise unter Loslösung von der Regierung in Potsdam ein besonderes Ober Prä­sidium zu errichten und so die Staatsverwaltung und die kommunale Staatsaufsicht Über Berlin und die Vorort-Stadtkreise einheitlich und zweck­mäßig zu organisieren. Die Durchführung dieses Planes ist seinerzeit im Abgeordnetenhause auf Schwierigkeiten gestoßen; die Streitfrage ist da­mals wegen Schlusses des Landtages nicht zum Austrage gelangt. Jedoch das Bedürfnis, das seinerzeit zu dem Vorschläge der Errichtung eines Oberpräsidiums für Berlin und seine Umgebung geführt hat, ist bestehen geblieben. Man wird demzufolge auch damit zu rechnen haben, daß Aufgabe einer fachgemäßen einheitlichen Ordnung der staatlichen Verwaltung und Aufsicht für Ber­lin und die Vorort-Stadtkreise in nächster Zeit wieder aufgenommen werden wird." — Den Minister werben auf seiner Reise nach London und Paris der Oberpräsidrnt von Brandenburg, v. Bethmann-Hollweg, und mehrere Mini­sterialräte begleiten. Die Anregung zu dieser Reise soll nach Angabe einer Zeitungs - Korrespondenz der Kaiser gegeben haben. „An Ihrer Stelle würde ich mich bei Gelegenheit auch mal draußen etwas umsehen!" hat danach der Kaiser vor einiger Zeit dem Minister gegenüber geäußert, als dieser über irgend eine Frage aus dem Kommunal-Ressort Vortrag gehalten hatte.

* Er will nicht? Das amtliche Blatt in Potsdam hat au angeblich zuständiger Stelle Erkundigungen über die Absicht des Frhrn. v. Mirbach, aus seiner Stelle als Oberhof- meister der Kaiserin zurückzulreten, eingezogen und versichert nunmehr, daß v. Mirbach gar nicht daratz denke, zurückzutreten und daß auch keinerlei M«rnlaffung zu einem solchen Schritte vorliege. — Man wird also abwarten müssen, ob sich der „Gesundheits"zustand des Freiherrn bessern wird.

* Wann die »ent» Handelsverträge nud der Zolltarif in Kraft treten können, ist nach dem ,derl. Polit. N.' noch durchaus ungewiß. Gegenwärtig weiß es noch niemand. Ehe in die zweite Konferenz mit den Unterhändlern Oesterreichs eingdreten werden kann, dürften noch ein paar Monate vergehen. Danach ist es also sehr unwahrscheinlich, daß die Verträge dem Reichstage schon gleich nach Wiederbeginn feiner Sitzungen zugeben werden. Außer den Handels oerträgen mit Rußland, der Schweiz und Oesterreich wird auch noch die Frage der künftigen Regelung der Meistbegünstigung zur Entscheidung zu dringen fein. Es darf aber nach der off ziösen Auslassung damit gerechnet werden, daß auf alle Fälle für die Geschäfts­welt eine „angemessene" Uebergangssrist zur Eingewöhnung in die neugeschassenen und zu schassenden Handelsbeziehungen gewährt werden wird. Wie lang sie zu bemessen sein wird, ist Sache der betressenden Regierungen, gegebenen» falls auch der Parlamente der in Betracht kommenden Staaten, „Angemessen- ist freilich ein unbestimmter Begrissl Die Zeitschrift.Handel «vd Industrie', die sich.Wochenschrift für volks- wrrifchafiliche. kommerzielle und industrielle Interessen' und .Fach^rgan für Aktien-, Bank-, Börien- und Versicherungsnehmer' nennt, äußert ffd? sehr unwillig darüber, daß es mit den Ver­handlungen nicht rech: vorwärts geht und ver- lang! „äußerste Rücksichtslosigkeit nach dem sonst doch so gerühmten englischen und amerikanischen Beispiel". Mit schwächlicher Liebenswürdigkeit reizten wir nur den Widersprach des Auslandes, dem allein Festigkeit Eindruck mache. Man werde doch eine Regierung nicht als geschickt und zieltewaßt bezeichnen, die innerhalb eines .Jahres trotz langer Vorbereitung feinen Handelsvertrag zustande bringe, sodaß sie

Verfassung, nachdem die alten ausgewechselt worden seien. Als opatlin in Liaojang eintraf, habe ihm alles gefehlt und die Lage sei eine schreck- gewesen. Jetzt könne man 14 Züge in Richtung absenden, doch sei Kuropatkin noch nicht stark genug zu einer definitiven Aktion. Die Mißwirtschaft in der russischen Kriegsoerwaltung wird in einem Peters­burger Briefe des Wiener .Deutschen Volksbl' wie folgt beleuchtet:

Die Klagen über Mängel in der Verpflegung mehren fick in ganz Mandschuiien. ES kamen Briefe von Offizieren an ihre Familien, die die Lage ziemlich trost­los schildern. Es wird da auch geklagt, daß ernt äußerst strenge militärische Zensur selbst Offizieren gegenüber ausgeübt wird und es diesen verboten ist, unangenehme Nachrichten zu berichten; doch gelinge eS ihnen, diesen strengen Maßregeln auszuweichen, indem sie ihre Briefe Durchreisenden anvertrauten. Nach diesen Briefen ist die Verpflegung bei der Armee sehr schlecht, und die Leute leiben an allem Mangel. Nach anderen Osfiziersbriefrn, die aus Liaojang stammen, soll dort ott mehrere Tape lang absolut kein Fletsch aufzutreiben sein. Der Offizier, der mir dieS mttgeterlt hat, meinte dabet: „Wmn so etwas im Haupiquartrere vorkommt, kann man sich denken, wie es enderswo zu­geht.' Ein alter Offizier, der dieser Tage auS Charbm zurückkam, bestätigte diese Nachrtchten: „Man kann sich nicht die Unordnung vorstellen, die dort herrscht. Im Charbiner Spital« habe ich eine Menge Patienten ge­funden, doch waren von ihnen bloß vier verwundet. Die anderen litten an allen Krankheiten. Und dabei wird in offiziellen Berichten behauptet, der sanitäre Zustand sei vortrefflich und es gäbe in der ganzen Armee nur 29 Kranke. Ich fragte einige Soldaten nach der Ursache ihrer Krankbeit. Sie antworteten, daß fie infolge von Erkältung und schlechter Kost magenleidend seien. Sie mußten tagelang bis an die Brust im Wasser stehen, um den Chunchusen aufzulauern, und dabei er­hielten sie als einzige Nahrung rohen mandschurischen Mais. Ich hatte Gelegenheit, einige Depots zu unter­suchen, und fand darin so verfaulten Hafer und Korn, wie ich deSgle chen während meiner 40jährigen Dienst­zeit, selbst im letzten türkischen Kriege nicht gesehen habe. Ein Jude hatte dos geliefert, unb der Jntendanz- offizier hatte die Lieferung für tut befunden. Ich habe den Namen dtS Juden und veS Offiziers aufgefchrreben. Ich sah auch Artillerieosfiziere, die daS erhaltene Heu untersuchten. Eie nahmen eine Hand voll Halme, und da fich diese alS Rohr erwiesen, warfen fie dem In- tendanten diese zu Füßen und entfernten sich- Wenn der Kaiser wüßte, wie eS bei der Armee zugeht! Aber er weiß nichts. Es wird vorihmalles geheim gehalten. Sie können fich nicht vorstellen, wie streng dte Zensur gehandhabt wird.'

W. Petersburg, 9. Juli 1904. Genera! Mifchtschensko'S Korps gelang es, große Provianttransporte der Japaner abzu­fangen. Die russischen Truppen legen vielfach gewaltige Märsche zurück, so das Ostfibirische Regiment an einem Tage 72 Werst, am nächsten 32 und zwar auf fürchterlichen Wegen.

iss. Tokio, 9. Juli 1904. (Amtlich.) Admiral Togo berichtet über den Untergang deS Kreuzers „Kairnon": Dieser stieß am 5. Juli, als er sich mit tinem besonderen Auftrage vor *T a li e n- n> an befand, bei dich'em Nebel auf eine russische Mine und sank. Drei Ossiziere, darunter der Kommandant Takahashi, und 19 Unteroffi­ziere und Gemeine werden vermißt. Der Rest der Besatzung ist gerettet.

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