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Möa. Freitag, dw 80 Juli 1904

31. Jahrgang

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hallen. Aber da das Verständnis für die Not« Wendigkeit deS Fortbildungsschulunterrichter bei den Inhabern von Gewerbe- und Handelsbe« hieben vielfach ein so mangelhaftes ist, kann nur der Zwang durchgreifende Befferung schaff«.

Auf dem Gebiete des Prüf ungswesens liegen schon Erfahrungen ro--, die ermutigend find. Fakultative Lehrlingsprüfungen im Handelsgewerbe hat man in der Schweiz und in Württemberg. Auch der deutsche Drogifien- Verband und der Verein der Kolonialwaren- Händler von 1872 in Hamburg haben solche ein­geführt. Im Kanton Freiburg in der Schwerz ist man sci»on zu obligatorischen Lehrlings- prüsungen gekommen.

Wie weit wir in der Regelung des Lehrlings­wesens im Handeksgewerbe noch zurück sind, lehrt schon ein Vergleich mit den Verhältniffen im Handwerk. Das Handwerkergesetz von 1897 hat uns eine völlige Neuregelung des Lehrlirgs- wrsens gebracht. Soweit man heute setzen kann, ist in dieser Neuregelung einer der größten, wenn nicht der Hauptoorzug des Gesetzes zu erblicken. Die Gesellen- und Meisterprüfung sind einge­führt. Zwar find diese Prüfungen nicht obli­gatorisch, aber an ihre Ablegung find doch solche rechtliche und geschöftliche Vorteile geknüpft, daß kein Handwerker sich denselben entziehen sollte. Weiter erfordert das Recht der Lehrlingshaitung den Nachweis der Befähigung. Die Lehrlings« zahl ist durch die Handwerkskammern festgelegt. Die Durchführung der Vorschriften wird über­wacht durch Beauftragte u. s. f.

Im Jntereffe einer gründlichen Ausbildung der kaufmännischen Lehrlinge wären ähnliche Vorschriften auch für das Handelsgewerbe zu erstreben.

(0 Das Lchrlingsrveseu im hanöels- gewerbe.

Schon seit Jahren ist in der Presse wie auf Tagungen von Handelskorporationen auf die Notwendigkeit einer Reorganisation deS Lehrlings­wesens im Handelsgewerbe bingewiesen worden, ohne daß bis heute eine Befferung in nennens­werter Weise ein getreten wäre. Im Gegenteil: Je schwieriger sich die Lage insbesondere des Kleinhaudelsstandes von Jahr zu Jahr unter dem Drucke der zunehmenden Kapitalkonzentration gestalte^, um so größer wird die Gefahr, daß die Geschäftsinhaber Lehrlinge in verhältnis­mäßig hoher Zahl beschäftigen und in ihnen zu­nächst willkommene billige Arbeitskräfte sehen, statt in erster Linie auf ihre ordnungsmäßige Ausbildung bedacht zu sein.

Zwar fehlt es nicht ganz an gesetzlichen Vor­schriften im Handelsgesetzbuch und in der Ge­werbeordnung, welche den Geschäftsinhabern eine regelrechte Ausbildung ihrer Lehrlinge zur Pflicht machen. In der Praxis setzt man sich jedoch sehr häufig über diese Pflichten hinweg. Die gesetzlichen Vorschriften haben sich sowohl hinsichtlich ihrer praktischen Durchführung als ihres UmfangeS als durchaus unzureichend er­wiesen. Das Gesetz erfordert vom kaufmännischen Lehrherr« keinerlei Nachweis über seine Lehr­befähigung in kaufmännisch, technischen Dingen. Bei der notorischen Tatsache, daß die Inhaber mancher Detailgeschäfte „alles andere, nur keine gelernten Kaufleute find (.HandelSwachft), kann der Mangel einer solchen Vorschrift nicht ohne nachteilige Folgen bleiben. Auch von dem in § 128 der Gewerbeordnung der unteren Ver­waltungsbehörde zugestandenen Rechte, dem Lehr­herrn die Entlaffung eines entsprechenden Teiles der Lehrlinge auszuerlegen, „wenn der Lehr- [ Herr eine im Mißverhältnis zu dem Umfange oder der Art feines Gewerbebetriebes stehende I Zahl von Lehrlingen hält und dadurch die Aus-1 bildung derselben gefährdet erscheint", wird außer- ordentlich wenig Gebrauch gemacht. So kann es I zu Verhältniffen kommen, wie sie auf gründ einer Rundfrage an einer kaufmännischen Fortbildungs­schule aus der Tagung des Verbandes mittel­deutscher Handelskammern im November 1903 I zur Sprache kamen.

S«anüo<E<her 6christl«ttenZ»s.vmi«, g.KSfoÄ«. wochellbciiage:„IllustrierteZonntagzzeitung

M 153

Herders SoMchtious-Lrriksir.

Nach kaum neun Monaten find wir wiederum | in der Lage, uns mit einem neuen Bande deS Herderschen KonversationI-Lextkons zu beschäftigen. Die erfreuliche Tatsache, daß mit bemerkens­werter Beschleunigung den ersten beiden Bänden der dritte gefolgt ist, dürfte wohl auch die rührenden Besorgniffe gewiffer „guter Freunde" deS Unternehmens zerstreuen, „ob der Atem zu seiner Vollendung ausreichen", „ob es sich über­haupt ermöglichen taffen werde, dieses Kon- oersations. Lexikon zu Ende zu führen". Wir Katholiken kaffen uns nun freilich durch der­artige hämische Angriffe die Freuds an „unserem" Lexikon nicht vergällen; immerhin aber betrachtet | die katholische Presse es als eine Ehrenpflicht, über den rüstigen Fortgang des auch von der ernsten akatholischen Kritik als hervorragend be­zeichneten Werkes zu berichten und d, ffeti Vor­züge dabei nach Möglichkeit zu bet uchtes. W'.r sagen: nach Möglichkeit, denn <8 ist selbst im Rahmen einer ausführlichen Besprechung nicht möglich, die Vorzüge eines so bedeutsamen Werkes, wie es ein Konversattons-Lexrkon ist, das auf völlig neuer Grundlage bei mittlerem Umfang dasselbe, ja noch mehr als viel breiter angelegte Nachschlagewerke biete« soll, erschöpfend zu behandeln.

Schon ein flüchtiger Blick läßt erkennen, daß auch der dritte Band mit seinen 1820 Spalten Text und rund 900 Abbildungen nach Inhalt und Ausstattung auf der Höhe der Zeit steht und auch den weitgehenden Anforderungen ent­spricht. Für eine nähere Nachprüfung dieses günstigen Gesomteindrucks bietet der gewaltige Stoff dieses Bandes — es sind fast drei der stichwörterreichsten Buchstaben unseres Alphabetes (das halbe ganz,F' und ,G') behandelt — vielseitige Gelegenheit. Zunächst möchten wir

vermischtes.

♦ Bet« Dorfborbier. Richter: „Sie haben also dem Zeugen Huber, dem Sie einen Zahn auSziehen sollten, mit einem Schemelbein auf den Kopf geschlagen, daß er ohnmächtig zusammenbrach. Warum taten Sie baS?" — Dorfbarbier: „®r wollte ja chloroformiert werden."

„Die Schule wurde von 90 Schülern besucht. In der untersten 4. Klaffe saßen 27 Schüler. Davon be­kundeten 4, daß sie im letzten Jahre sehr wenig, 13, daß sie gar nicht schriftlich beschäftigt worden seien. Bo» 24 Schülern der 3 Klasse hatten 4 im letzten Jahre keinen Federhalter im Geschäfte berührt. Ganz außerordentlich schlimm sah es in der 2. Klasse aus, die ebenfalls von 24 Schülern besucht war, von denen 10 im letzten, die übrigen wohl durchweg im vorletzten Jahre der Lehre standen. Bon diesen 24 jungen Leuten waren 3 im letzten Jahre sehr wenig, 14 aber gar nicht schriftlich beschäftigt worden. Ja 6, d. h. 25 Prozent der Gesamtzahl- haben während der Lehr- zert keinerlei schriftliche Arbeiten zu verrichten gehabt. Auch von den 15 Schülern der 1. Klaffe waren 6 wahrend deS letzten Jahres und 3 während der ganzen nicht schriftlich beschäftigt worden. Berück- nmn, daß von den 90 Lehrlingen 38 in Fa- ?^ficherungsgeschäften angestellt waren, also ^lftllos schriftlich zu tun gehabt haben, so ergibt sich von den übrigen in Kolonial/, uPb Mrnwarenhandlungkn angestellten MMen ltMSn Jahre und 11 während der

„Diese in hohem Maße unerfreulichen Ergeb- n ffe beruhen nur auf einer Stichprobe. Es i J1 un Z« wohl kemem Zweifel unterließen, daß solche Verhältnisse mcht veremzelt sind. Es muß । le^er gesagt werden — und ein jeder Kenner I der Verhältnisse wird es bestätigen — daß die Le hrlingszüchterei im Handelsgewerbe in kern^wegs unerheblichem Maße vertreten und ore Ausbildung der Lehrlinge vielfach eine i du.chauS ungenügende ist. Diese Tatsache rst wwohltm Jntereffe des Kleinhandelsstandes j bet kaufmännischen Gehilfenschaft sehr zu bedauern. Abhilfe ist hier unbedingt von- . r , , j hervorgehoben die größeren Artikel: Kaiser

d-s kausmä»»«L^^n durch eifrigere Pflege Friedrich I. und II , Friedrich der Große; Fried- 4m \ Fortbildungsschulunterrichts j rich Wilhelm der Große Kurfürst, Gambetta, t ■ daran durch Einsetzung von \ Garibaldi, Gegenreformation, Gustav Adolf, endlich durch Einführung1 ~ 2Sor{^ttften hinsichtlich der Lehrlings-

K.Ä d-l.....S°-'.bild,»°«,chul-

Feuerbach, Fichte, Freimaurer, Galilei und be­sonders Goethe; dieser letztere Artikel ist geradezu ein Meisterstück literarkritischer Darstellung. Auch K»»"k Svriouou ngsskyut-1 bei eigentlich katholischen Artikeln, auf die wir durchaus der Schulzwang zu noch zurückkommen werden, berührt die Objekti- "war macht § 139 der Gewerbe- oität höchst angenehm als Beweis des lobens- Ibto, " Pnnzlpalen zur Pflicht, die Lehr- werten Strebens, überall strenge Gerechtigkeit - ^ewch der Fortbildungsschule anzu-1 walten zu lassen. Ein weiterer Vorzug, auf den

schiedenften Gebieten. Mit einem treffenden Wort ost ist die Richtung des betr. Dichters oder Künstlers (im weitesten Sinne genommen) so gezeichnet, daß der Leser hinreichend unterrichtet iff; für den Katholiken in der heutigen raschlebigen Zeit mit ihren wechselnden Tagesgrößen und -Götzen gewiß ein nicht genug zu schätzender Vorteil, zumal sür die Aufnahme gerade auch das Bedürfnis der Gegenwart berücksichtigt wurde. Daß auch die Vertreter der katholischen Weltanschauung hier zu ihrem Rechte kommen, zeigen u. a. die Namen der Schriftsteller und Schriftstellerinnen: Viktorine Tndler (Antonie Haupt), Hans Eschelbach, Fritz Effer 8. J., Karola von Eynatten, Franz Faludi 8. J., Zen aide Flemiok, Herrn. Jos. Graf v. Fugger- Glött 8. J., Lady Fullerton, Elis. Gnauck- Kkhne, Jtha von Goldegg, Guido v. Görres, Friede. W'.lh. Grimme; der Politiker: Franz und Jul. Grasen v. Folkenhoyn, Karl Frhr. v. Fechenbach, Ernst Feigenwinter, Alb. Förderer, Georg Frhr. v. Franckenstein, Alcys und Karl Fritzen, Heinr, Mox und Friedr. Frhr. von Gagern, Ferd. Graf von Galen, Jos. Geiger, Jos. Greuter, Adolf Gröber, Franz Jos. Frhr. 0. Gruben, Jos. Guerber usw.; der Forscher und Gelehrten: Hippolyt Feher O. S. B., Jos. Fehr, Adolf Franz, Joh. B. Franzelin, Ang. Frjedr. Gfrörer, Theod. Granderath 8. J., Hermann Grauert, Hartm. Grisar 8. J., Herrn. Gruber 8. J., Georg Grupp usw, und vor allem unseres großen Jos. v. Görres, deffen Biographie in dem Artikel „Görres-Äesellschast" eine paffende Ergänzung findet. Sehr willkommen werden bei der großartigen Entwickelung des katho­lischen bezw. christlichen Vereinswesens sein die ausführlichen Angaben über Frauen­vereine und Gewerkoereine (auf den bereits oben erwähnten eigenen Textbeilagen), den Verein der Christlichen Familie und die Gesellenvereine. Aus der großen Anzahl theologischer bezw. philo­sophischer Artikel greifen wir als bezeichnende Muster heraus: „Erbsünde", „Exegese", „Päpst­liche Familie", „Feuillanten", „Franziskaner", „Freiheit", „Gebet", „Gedankenvorbehalt", „Glaube", „Glaubensfreiheit", „Gleichheit", „Gnade", „Gnostizismus", „Gott", Griechische Kirche", und die vorzüglich ausgearbeiteten Schilderungen der großen Heiligen: Franz von Affisi, F. von Borgia, F. von Paula, F. RegiS, Fr. von Sales. F. Xaverius, Gertrud, Gregor d. Gr. usw.

Wollen wir zum Schluß unser Urteil über Herders Konversations-Lexikon, wie es durch den vorliegenden prächtigen Band aufs neue be­stärkt wurde, znsammenfaffen, so geht dieses dahin: Herders Lexikon erweist sich, dank seiner peinlichen Objektivität und Zuverlässigkeit, dank seiner neuesten und nach Möglichkeit vollständigen Angaben, dank seiner ganz vorzüglichen Aus­stattung, immer mehr als ein auch für Nicht­katholiken brauchbares, für Katholiken geradezu unentbehrliches Nachschlagewerk, das den Ver­gleich mit den gerühmtesien und besten seiner Art nicht zu scheuen braucht. Möge seinem hervorragenden Wert nun aber auch immer mehr die Verbreitung entsprechen: dazu das Seine beizutragen, ist — wir wiederholen es — Ehren­sache des katholischen Deutschland.

Herders KonversationS-Lexikon. Drüte Auflage. Reich illustriert durch Text-Ab­bildungen, Tafeln und Karten. 160 Hefte zu 50 Pfg. oder 8 Bände geb. in Halb­franz zu je 12,50 Mk. Monatlich er­scheinen zwei bis drei Hefte. Freiburg, Herdersche Verlagshandlung.

Soeben ist vollständig geworden:

Dritter Band (41. bis 60. Heft): Elia bis Gyulay. (8 Seiten und 1820 Spalten Text mit rund 450 Bildern, dazu 44 zum Teil farbigen Beilagen: 7 Starten, 26 Tafeln und 11 Textbeilagen mit ebenfalls rund 450 Bildern.) Geb. in Original-Halbfranz­band 12,50 Mk.

ebenfalls schon hier hingewiesen sei, ist die Be­nutzung deS neuesten Materials an Zahlen und sonstigen Daten. Manchmal ist es geradezu Überraschend, wie Ereigniffe, welche soeben noch die Tagespreise als „aktuell" behandelte, bereits in einzelnen Artikeln eingearbeit. t und zur Beurteilung verwertet worden sind. Auch hierfür einige Stichproben: Im Artikel „Gelbes Fieber" wirs die deutsche Expedition erwähnt, die jüngst von Hamburg rach Rio ging; im Artikel „Großbritannien und Irland" fußen sämtliche Angaben über das Heerwesen auf der neuesten, so viel erörterten Heeresreform von 1904; der Zug nach Tibet ist als Begleit­erscheinung des russisch japanischen Krieges ebenso aufgesührt wie das Kolonial-Abkommen mit Frankreich.

In heroorragenoem Maße haben auch in diesem Bande bei aller durch den Umfang des Ganzen gebotenen Beschränkung die Fortschritte der Technik und Naturwiffenschasten, dis in die neueste Zeit, Berücksichtigung gefunden. Das gilt vor allem von dem Riesengebiet der Elektri­zität und ihrem älteren Rivalen, dem Gas. Sauber ausgeführte Tafeln, zahlreiche Abbildungen unterstützen den leicht faßlichen Text. lieber ekeltrische Bahnen und Gaskraftmaschinen, elek­trisches Licht und Gasbeleuchtung (hier Gas int weitesten Sinne genommen, also auch Spiritus- unb Petroleumglühlicht), die elektrische Industrie, das Fernsprechwesen in feiner ungeheueren Ent­wickelung erhält der Leser eine sachgemäße Be­lehrung. Eine willkommene Zugabe ist die über­sichtliche Zusammenstellung der wichtigsten Er­findungen und Entdeckungen, von der Erfindung des Glases 1600 0. Chr. bis zur Erreichung der gewaltigen Geschwindigkeit von 200 Kilom. pro Stunde auf der elektrischen Schnellbahn bei Berlin im Jahre 1903; die Entdeckungs- und Forschungsgeschichte der Erde hat auf der Erd­karte Platz gefunden. Erwähnen wir noch die Artikel Entwickelung, Ernährung, Essig, Fahr­rad, Färberei, Feldbahnen, Fernrohr, Feuerlösch- wesen, Finsternis, Fischerei, Fischzucht, Fort­pflanzung, Gebläse, Gesäße, Geologie, Geschlecht, Gesteine, Gewebe, Gießerei, Gift, Glas, Glet­scher, Glocken, Gold, Gramineen usw. mit ihren zum Teil farbigen Tafeln und sonstigen Bildern, so erhellt daraus zur Genüge, daß gerade das Gebiet der Technik und der Naturwissenschaften in Herders Lexikon nicht zu kurz kommt.

Ein vorzügliches Kartenmaterial mit reichen statistischen und geschichtlichen Tabellen ist den Artikeln Erde, Europa, Frankreich, Griechenland, Großbritannien und Irland beigegeben. Die geographischen Artikel ergänzen sich mit den Ausführungen Über die geschichtliche Entwickelung, die politischen, wirtschaftlichen und religiösen Verhältnisse, Kunst, Sprache und Literatur zu intereffanten und erschöpfenden Gesamtbildern, in denen selbst die Flaggen (4 farbige Tafeln) nicht fehlen. Mit einer geschmackvollen Auswahl besonders charakteristischer Werke ist die Etrus­kische und Griechische Kunst, sowie die Glas­malerei und die Glaskunstindustrie vertreten; eigene Tafeln sind den Brüdern van Eyck und Fra Giovanni da Fiesole gewidmet. Einen Glanzpunkt des ganzen Bandes bildet die „Gotische Kunst" mit einer illustrierten Texibei- lage und 10 Tafeln mit 74 prächtigen Ab­bildungen.

Eine nicht minder fachkundige Feder verraten die Artikel Festung und Geschütz, deren Tafeln sowohl die technische als geschichtliche Seite an der Hand von guten Abbildungen erläutern. Als gediegene Leistungen müffen wir auch die zahl­reichen rechts- und staatswiffenschaftlichen, sowie die volkswirtschaftlichen Artikel bezeichnen. Wer über Erb-, Familien- und Güterrecht, elterliche Gewalt und Entmündigung sich unterrichten will, findet hier ebenso gründlichen Aufschluß wie über Export» Fracht, Freihafen, Freihandel und Geld; über Ernte und Futter, Gesinde und Gewerbe, Grundbücher, Grundeigentum, Grundsteuer und Gründung; Friedensbewegung und Genfer Kon­vention; Finanz- und Forstwesen; Gemeinde und Gesellschaft; Gerichtswesen, freiwillige Gerichts­barkeit und Gesetz; Glücksspiel usw. Erwerbs- und Wirtschaftsgenoffenschaften sind auf einer besonderen Textbeilage in ihrer volkswirtschaft­lichen und sozialen Bedeutung gewürdigt; eben» falls eigene Textbeilagen ergänzen die Artikel Fabrik, Feuerversicherung, Frau (Frauenbewegung und Frauenvereine), Getreide, Gefängniswesen und Gewerkoereine in rechtlicher und sozialer Be­ziehung unter sorgfältiger Berücksichtigung der ethischen Momente, der geschichtlichen und poli­tischen Entwickelung, sowie des neuesten verfüg­baren Zahlenmaterials. Selbst ein Artikel über! die in neuer Zeit fo sehr in Mode gekommenen „Gesellschaftsreisen" fehlt nicht.

Ganz vortrefflich in ihrer Knappheit sind die kritisch-biographischen Artikel aus den »er«

katholische und nichtkatholische Leser zu einigen Stichproben auf die Objektivität des Herderschen Lexikons einladen. Da begegnen wir z. B. den durchaus sachlich gehaltenen Artikeln: Evangelisch, Evangelische Allianz, EvangelffcheKirchenkonferenz, Evangelischer Bund, Gustav-Adolf-Verein; kurzen aber gerechten Würdigungen der Polttiker: von Eynern, Falk, von Felder, Fieser, Flottweck, Forckenbeck, von Gneist, Goßler usw.; der protestantischen Theologen: Fred. Will. Farrer, August 4; ernt. Francke, Fromme!, Grundtvig usw.; ferner feien als Beispiele objektiver Darstellung

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