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Nsuatsvettage: „Wöaer GeschichtsbMer".

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Druck und Verlag 6t Fuldaer Actiendrucker. in Fulda (Harmonie

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Mds, Mittwoch, den 6. Juli 1904,

31. Jahrgang.

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Wahrscheinlichkeit. Unter diesen Umständen ist

losen Kampf gegen die agrarische Mehrheit deS

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1 erstes Blatt i

Gesicht verweigerte.

Gegen Mitternacht erwachte, er durch die Glocke eine» vorbeifabrenden Schiffe-. Ein lavgjährixer Sträfling bat scharfe Ohren. Mit einem Satze sprang er vom Lager, mit einem zweiten in feine Kleider,

Arndt in den Weg schickt. Kamm!" Und väterlich klopfte der alte Herr dem Überraschten auf die Schütter. So leutselig hatte mit dem Zuchthäusler seit Jahren, vielleicht gar überhaupt niemals jemand gesprochen. Willenlos folgte er dem Prvf-ffvr, der ihm mild und freundlich den Arm zur Stütze reichen wollt?, was jener aber heftig und mit Purpurröte im

§ Eine Konferenz zur Besprechung berg- baupolizeilicher Frage» wurde heute vor­mittag im Abgeordnetenhause unter dem Vorsitz des Ministers Möller abgehalte i. DaS Han­dels-. das Finanz- und das Kultusministerium, die Oberbergämter und sonstigen bergamtltchen Behörden waren durch zahlreiche Kommissare vertreten.

wc. Zum Lehrerbesolduugsgesetz hat die Uliterrichtskommisston des preußischen Ab­geordnetenhauses beschlossen, über eine Petition auf Anrechnung der Zeit von der Seminarab­

strichen, der diesjährige Saatenzustand ein solcher ist, daß auf eine gute Ernte gerechnet werden kann, so liegt ein weiteres Herabgehen der Ein­nahmen aus den Getreidezöllen im Bereich der

gangenen Nacht am Herzschlage gestorben. Hachmann war 66 Jahre alt und seit 1860 Advokat in Hamburg. 1868 in die Bürgersch-1t gewühlt und war deren Vorsitzender von 1877 bis 1885. Bürgermeister wurde er zuerst 190”. Der Verstorbene gehörte dem Senat schon fe i langer Ze t an. Schon seit längerer Zeit fühl e er sich nicht wohl und Nagle über asthmatisü- Schmerzen. Trotzdem aber genügte er noch vor wenigen Tagen beim Besuche König Eduarls seinen Reprchentationspflichten. Doch ließ er sich schon dabei, da der Arzr ihn vor dem Treppen steigen gewarnt hatte, in einem Tragstuhl d - Treppe zum Dammtorbahnhof hinaustragen. — Erster Bürgermeister wird der jetzige zweite Bürgermeister Dr. Mönckeberq, zweiter der vor jährige jetzt intermittierende Bürgermeister Gur» chard.

Deutsches Reich.

Berlin, den 5 Juli 1904.

* Der Besuch eines deutsche« Ge- fchtvaders i« England, der noch gestern ge­leugnet wurde, wird heute offiziell angekündigt. Acht Linienschiffe, ein großer Kreuzer und sechs kleine Kreuzer gehen am 8. ds. Mts. nach Plymouth und werden dort bis zum 13. Juli bleiben Wie die ,Natztg.' erfährt, wird die attioe Schlachtflotte tu der Zeit vom 14. bis 19. Juli die Häfen Ntenwediep und Vlisfingen, zwischen dem 22. und 25. Juli die SchetlandL- inseln anlausen und in der Zeit vom 29. Juli bis 5. August die norwegischen Häfen Molde Fjoro, Bergen, Ehnstianfund und Drontheim besuchen.

* lieber das Befinde« des Königs awm Lachse» wird aus Ems gemeldet: Die katarrhalischen Erscheinungen, an denen der König lauge Zeit litt, find unter dem Gebrauch der Emser Kur wesentlich zurückz gangen; der Kräfte- zustand läßt aber noch eu wünschen übrig. Der König ist dadurch, besonders aber auch der vor-

gangsprüfung an auf das Besoldungsdienstalter zur Tagesordnung überzugehen.

auf eine minder ungünstige Gestaltung des Reichshaushalt-VoranschlageS, als der letzte war, nicht zu schließen.

seine starken Lippen das gewohnte, grinsende Lächeln. Er batte die Kerze angezündet unv musterte die be­scheidene Einrichtung des Zimmers. Dann trat er auf den Zehen ans Fenster und blickte hinaus. In heiliger Ruhe spannte sich der gestirnte Himmel über den dunklen Strom und die friedlichen Wohnungen an seinen Ufern. Wen solch' geweihvs Nochibild nicht ergreift, der kann kein guter Mensch sein.

Eine abenteuerlicke Stimmung wandelte den Mann am Fenster an. ßautfn» glitt er auf den Gavq hinaus, bei dem ersten Z mmer drückte er versuche»

war nickt mehr an den Klang einer mitten Stimme gewöbnt. Der alte Arndt wiederholte feine Frage.

,Ni'gendwo l" antwortete nunmehr der andere und blockte scheu zu Boden, als erwarte er eine naheliegende, unangenehme Frage. Der Prozessor stellte sie nicht. W'S interessierte es ihn, wo der arme lernet, den die Fallsucht niedergeworsen hatte, heckam? Ein menschenfreundlicher Ettschluß überkam ihn.

„Nirgendwo wohnst Du, mein Sohn? (Baler Arndt» Lieblingsamede.) Hm! Ich lade Dich für diese Nacht zn mir ein. Die Professorin ist just nicht zu Haute — Vater Arndt lächelte Überlegen — ein Nachtessen, Freibett und Frühstück ist jeder biedere Deutsche noch wert, den der liebe Gott dem alten

** Zu den Verhandlungen des Herrenhauses über den Gesetzentwurf wegen Abäuderuug des FleifchbeschaugesetzeS äußert sich die ,Deutsch evangelische Korrespondenz': „DieBürger- meister und einige ihrer Freunde im Hause

zöllrn. Wenn man in Berücksichtigung zieht, daß, abgesehen vielleicht oon einzelnen Land-

* Die Zolleiuuahme« des deutschen Reiches weisen neuerdings einen Rückgang auf. Dieser ist wesentlich zurückzuführen auf ein Herabgehen der Einnahmen aus den Getreide-

Hauses auf ... . Die Kollegen Struckmann- Hildesbeim und Kirschner-Berlin aaben sich gleich­falls Mühe, den Gegnern mit Vernunftgründen beizakvmmen. Aber man predigt tauben kehren. So bringen denn auch die heftigen Angriffe der Herren Körte und Bender keinen Erfolg. Nur der Berichterstatter antwortet. Dann wird die Minderheit abgeschlachtet; sie stirbt einen ehren­haften Tod." „Hier haben wir, bemerkt dazu die.Kreuzztg.', einen erneuten Beweis, daß die ,Deutsch-evangelische Korrespondenz' die Politik der liberalen .Parteien vertritt. Diese Korre­spondenz, die sich selbst als Parlamentskorre­spondenz bezeichnet, wird vom Evangelischen Bunde unterhalten."

?? lieber die Regelung der Arbeitszeit in den Haupt- und Nebenwerkstätten

Verräter am Evangelium! Warum spricht das tapfere Pastorenblatt seine Meinung nicht un­umwunden aus?

* Der Vorstand des Reichsoerbaudes der «atioualliberale« Jugendi»erei»e hat an die naiionalliberalen Jugendvereine ein längeres Rundschreiben gerichtet, worin um Zustimmung für den Vorschlag ersucht wird, den Vertretertag des Reichsverbandes der nationalliberalen Jugend- vereine in den Tagen des 3. und 4. September, und zwar nach Leipzig (statt des früher in Aus­sicht genommenen Tagungsortes Frantfurt a. M.) zu berufen, mit der vorläufigen Tagesordnung: 1. Richtlinien für ein jungliberales Schulpro­

gramm (Referenten Lehrer Böbler-Zweibrücken, Rechtsanwalt Falk Köm und Dr. Pauls-Aachen);

2. „Arbeitekümmern" (Referent Ratsaffeffor Dr. Hauber-Augsburg).

bero-gütig gegen ferne Jesuitenpolitik als Hysterie und Geschrei verspotten, an seiner offiziösen An­schlagsäule eht l che e vangelische Organe der Lüge und des Haffes bezichtigen oder ohne Not auf eme alte, verdiente evangelische Misfionsgesell- schäft zornige Blitze schleudern, während er sich gegenüber einem Anzer nicht genug Anerkennung und Liebenswürdigkeit hat leisten können. Wenigstens weiß das evangelische Volk heute, woran es ist, und sollte unter dieser Erfahrung mit schärferem Auge als bisher viele Vorgänge im Innern, gerade auch im gegenwärtigen Augenblicke betrachten." Also: Fort mit diesem

An AchlnndoiklM.

Eine rheinische Geschichte von Wilhelm Rn land.

— (Nachdruck verboten.) 4

handenen neuralgischen Schmerzen wegen, an längerer Bewegung im Freien behindert. — Am letzten Sonntag ging der König in der Emser Pfarrkirche mir den übrigen Gläubigen gemeinsam zur hl. Kommunion, was alle aufs Höchsts er­baute. Ein Geistlicher bemerkte mit Recht: Dies Beispiel wirkt mehr als eine Predigt!

0 Die konfessionelle Friedenskund­gebung im Herrenhause ist natürlich ebenso­wenig nach dem Geschmack des .Reichsboten', wie die gleiche Kundgebung im Adgeordneten- hause. Kr beschuldigt die Katholiken der Kriedensstöiung und Unduldsamkeit, erbaut sich an seiner eigenen Unduldiamkeir und etJIÖri einen Frieden mit den „Römischen" für un­möglich. Wo Hetzer und Fanatiker vom Schlage des .Reichsbotsn' das Wort führen, ist aller­dings alle Mahnung zum Frieden vergebens. Das Blatt ist jetzt wieder drauf und dran, den Reichskanzler des „Verrates am Evangelium" zu bezichtigen. Aus Anlaß seines Schreibens an den Vorstand der Rheinischen Misfionsgesell- schaft wegen seiner Aeußerungen über das Ver­halten der Missionare in Südwestafrika sagt der .Reichsbote' u. a.: „Befriedigen kann auf evan- zelischer Seite der Bescheid des Reichskanzlers nicht hinreichend. Es ist auffallend, wie schwer es ihm wird, dieser bei feiner Durchtränkung wit liberalen oder ultramontanisierten Einflüssen । gerecht zu werden, wie überall ein Rest von I Verständnislosigkeit, ja von feindseliger Ab­lehnung gegen alles Evangelische übrig bleibt, mag et nun im Parlament, sobald evangelische Redner, wie Pfarrer Hackenberg, das Wort er- .... o. ., v greifen, ausfällig und nervös, wie sonstwie, nehmen ehrenhalber den ungleichen und oussichts- werden, mag er die [große evangelische Volks- losen Kampf gegen die agrarische Mehrheit des

etwas verräterisch blttken sehen, den gleißenden Schimmer von Silberstück n. „Der Proseffor hält alle Menschen für Engel!" Kopfschüttelnd murmelte I es der Rote und schnupperte am Schreibtisch. Er zählte da- Geld: sechs Taler und fünfzehn Silber- groschen. Aus einer Buchhändlerrcchnung lag eS.

»Ich giib für alle diese alten Bücher keine sechs Groschen," sagte ter nächtliche Besucher verächtlich. Dabei bastele sein Blick immer auf den Münzen. Offen­bar sträubte er sich mit dem letzleu Rest von mensch­lichem Gefühl gegen die schmutzige Tat, zu der SaS Geld feine Diebesnatur anstachelte.

„Wenigstens könnte ich mir die 16 Groschen nehmen und damit meine Bö-se füllen," überlegte er ärgerlich über die ihm unbewegliche Gewissensstimme. Ein knir­schender Fluch! Er wühlte in allen Taschen, die Leder- börse war fort.

Brrwünscht! Der b-ckelige Schneidergeselle mußte sie ihm gestohlen haben, als ihn fein Anfall nieder­warf. Ader der blöde Buckel wollte ja noch nicht ein­mal das annehwen, was ec ihm aufzunöttgen versuchte Ur-nklärbch! Unrecht Gut gedeihet nicht, würde der Proseffor sagen, bei 6em ich nun dennoch borgen muß." Und ter Rote kicherte teile und raffte da- Geld zu- samwen. Da fiel sein Blick auf das gegenüber hän­gende Bild an der Won>. Herrgott! DaS war er selber, der kleine menschenfreundliche, alle Herr. Nur waren seine Züge strenger, seine Bugen durchdringen­der, ein eiserner Blick, der den Menschen mit dem Leuchter u> d r Hand sekundenlang zusammenknicken ließ.

Eirige Minuten später schlich einer scheu wie ein Raubtier unter den Gravensteiner Aepselbäumen d-m Ku4i.an,e le# Garten- zu. Die Gartentür war ver­riegelt; sein Obst schien der Professor doch vor uner- beter.ev Liebhabern sichren zu wollen- Geräuschlos wie eine Katze kl-tterte der Role über den Zaun. Im Dunkil der Nacht schlich er hinab zum Strom.

Am andern Morgen erfuhr Battr Arndt, daß sein Besuch sich vor Mornergrauen ohne Abschied enchernr hatte. Auf seinem Schrerblifche vermißte er den Be-

* vet nWch-WaMsche Krieg,

Ein Ukas des Kaisers von Rußland ordnet an, daß gleichzeitig mit der Mobilisierung einiger Truppenteile des Petersburger Militärbezirkes in einer Reihe von Distrikten die Reservisten einberufen werden und zwar in 2.0 Kreisen dec zum Petersburger Militärbezirk gehörenden Gou vernements Petersburg, Estland, Livland. Pies- kau und Nowgorod, ferner im Moskauer Militär­bezirk in 6 Kreisen der Gouvernements Twer, Moskau und Tula, im Kansanschen Militärbezirk in den Gouvernements Kasan, Perm, Wjatka und Simbirsk, schließlich im Kiewschen Militär­bezirk in den Gouvernements Kiew und Poltawa.

Wie General Ssacharow dem Generalstab meldet, wurde am 2. Juli in der Umgebung von Kaitschou festgestellt, daß die Vorpostenab- tcilungen des Gegners sich nach Süden zurück- zogen und eine 14 Werst lange Linie im Nord­osten von Sseniutschen besetzten. Die Station Sseniutschen roirt) von einer japanischen Jn- fanterieabteilung besetzt gehalten, und in der Um gebung der Stadt Sseniutschen haben die Ja­paner mindestens eine Division zusammengezogen. Wi- gemeldet wird, stehen in der Umgegend Ssiujans gegen 50 000 Japaner. Beim D a l i n p a ß hat der Feind die bisherige Stellung inne und rückt nicht wester nach Haitscheng vor.

Wie der .Times' aus Tokio gemeldet wird, ! veröffentlicht „das leitende Blatt von Tokio" einen Artikel, in dem zwar Vertrauen zur Neu­tralität Deutschlands, zugleich aber auch die Befürchtung ausgesprochen wird, daß es dem Port Arthur-Geschwader gestatten könnte, in Kiautschou Zuflucht zu suchen. Sollte Deutsch­land ein solches Verfahren einschlagen, so würde Japan ungern gezwungen sein, es als Bundes­genossen Rußlands zu betrachten und an die Bedingungen des englisch japanischen Bündnisses zu appellieren. Das ganze läuft wohl nur auf eine Verdächtigung Deutschlands hinaus. Vor­läufig liegt das russische Geschwader noch in Port Arthur und wenn es einmal in Kiautschou erscheinen sollte, würde es genau so behandelt werden, wie es in einem neutralen Hafen üblich ist.

Vater Arndt war in den 40er und 50m Jahren einer der populärsten Gestalten Bonns. Noch heute wissen sich viele «ouner Borger des kleinen, alten Herrn zu erinnern, aus dessen runzeligem Gesichte zwei Denkeraugen Blitze schossen, über dessen spärliches L-ilderhaar Lieb und Leid in gleichem Maße hinge- gmgen war. Em regelrech er Fußpfad sühtte unter ObstbSmuen - Gravensteiner «p-elbäume. von dem Alten selber gepflanzt - nach dem einsamen Häuschen auf der Koblenzerstraße am User des Strome», den er mit hatte verteidigen helfen. DaS war allerdings schon lange her und zurzeit, wo diese Geschichte sich jugetragen hat, lagerten trübe Schatten kurzsichtiaer Polizttvirischast über dem Siebzigjährigen Schon leit zwei Jahrzehnten war der alte Arndt kein Lehrer der deutschen Jugend wehr. Der verdienstvolle Patriot trug willig die Dulderdone deS Demagogen Volks-, „ vvm ». ÄltlUÖ fumhd) blieb er trotz alledem Die Hünen Knöpfe liefe sich dann auf einen Stuhl fallen und starrte wie

ouf den Waffen kannien die Freigebigkeit des Herrn geistesabwesend vor sich hin Erst ollwählich vermochte

Profeffors ebenso gut, wie die ungezählten ehemaligen er seine Gedanken zu sammeln. Wieder umspielte

FrnheitskLmpfer, die von seiner Leutseligkeit prvfitiknen.' " ~ c ° 1 •' ' -

Der alte Herr pflegte gewöhnlich seinen Nachmit» tagS-Spattergang mit einer Promenade im Hofgarten gu beschließen Als er heute an der Hofgarienmauer entlang ging, sand er dort einen rothaarigen Menschen am Boden liegen, der soeben aus seinem epileptischen Anfall zum Bewußtsein erwachle. Mrleidig leistete der greife Volksrnaun dem Verlassenen, der aus einer leichten Kopfwunde blutete, den ersten Beistand.

„Wo wohnst Du, mein Sohn?" fragte der Professor. Jener sah den Gelehrten hilflos an. Sein Ohl

auf die Türklinke Die Tür ging auf, und er schlich hinein. Warum? Er wußte eS selber nicht. Der Kettenhund, wenn er freigelaffen wird, schnüffelt mit derselben zwecklosen Neugier an Tür und Tor. Leise Atemzüge. Im Kerzenschein sah er auf dem Lager den friedlich schlummernden Greis, der ihn so gast­freundlich aufgenommen in einem Anfall von MensLen- fceundliSkeit, die der Gast nie verstand. Fast härte er vor Schrecken den Leuchter fallen lassen; der filber- haar ge Schläfer glich in der wächsernen Farbe seiner faltigen Antlitzes und der verklärten Ruhe (einer Züge einem Toten. Was hatte er ihn doch gestern abend gefragt, während er ihm lächelnd vom Lehrstuhl her zuschaute, wie er riesige Stücke Braten mit Wolfs­hunger hiuabschlang, ob er das Lied kenne: „WaS ist deS Deutschen Vaterland?" Lange hatte er sich be­sinnen müssen: doch der alte Herr hatte ihm darauf geholfen, und ollmähtich hatte eS wieder in ihm g-» bämmert. Und als er gar (zwei Gläser Rotwein mach-en ihn so verwegen) beim Aussagen deS Resratts unbewußt ins Singen überging und mit bem zweifel­haften Pathos einer ungeübten Stimme trällerte: „O nein! Sein Vaterland muß größer fein!" da war der gute, alte Professor ganz bewegt geworden.

Daran mußte der nächtliche Besucher wieder denken, während er scheu hinausglitt. Auch die Tür d-s benachbarten Zmmrrs war nur geschloffen, nicht verliegelt. „Der Professor hält alle Menschen für Heilige!" murmelte der Rote mit einer gewissen Jndigva'ion, indem er bineinschlich. ES war das Studierzimmer. Links Bicher, rechts Bucker, vorn Bücher und über dem Eingang b-s zur Decke Bücher. Pah, wertlos- Möbelt Zwischen diesen toten Bänden, die eine* Grabeswoder verbreiteten, einige finstere strenge Gesichter von Männern mit Zöpfen, auf Lein- wand gemalt.

Der Rote fühlte sich unbehaglich.

Da blitzten seine Äugen auf. Wo der das bekannte Grinsen, fltri dem Scvreibttfch hatte der -rprobie S räflirgSbl'ck unter dem Wust von zerstreuten Papieren I

der Eisen baynverwaltung hat der Minister der össemlichen Arbeiten folgendes angeordnet: Die tägliche Arbeitszeit ist in eine Dormittags­und Nachmittagsschicht derart zu teilen, daß die wirkliche Dauer der Arbeitszeit vormittags 51/» Stunden und nachmittags 4 Stunden beträgt. Zwei Stunden nach Beginn der Vormittagsschicht ist eine Frühstückspause oon 15 bis 20 Minuten einzuschalten; während der Pause, die als Arbeit nicht gerechnet wird, sind die Betriebsmaschinen der Regel nach abzustellen. Zwischen der Vor­mittags- und Nachmittagsschicht soll eine Pause von nicht unter l1/» Stunden liegen. Der Beginn der Vormittags- und das Ende der Nachmittags­schicht ist unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse, gegebenenfalls für die Sommer- und Winterzeit verschieden, festzusetzen. Bei der New« regelung ist davon auszugehen, daß dort, wo eine Verminderung der bisher längeren Arbeüs- zeit auf 9XU Stunden eintritt, hierbei der Tage­lohn nicht herabgesetzt wird.

(*) Der freie Ha«Str««k der Brauer hat feit langem zu schweren Bedenken Anlaß ge- geben und es muß den Arbeitern als ein be-1 fondereS Zeichen der Einsicht angerechnet werden, i daß sie seit langer Zett die Abschaffung unter I Erhöhung des Lohnes dmchgesetzt haben. Jetzt meldet sich als Gegner des freien HauStrunkes eine Organisation der Arbeitgeber, freilich eine, die den Haui trunk aus ganz besonderen Gründen bekämpft, die aber dennoch Beachtung erheischt, I weil ihren Protesten ärztliche Beobachtunge« zu gründe liegen. Die Brauerei- und MälzeUi- Unfallberufsgeuossenschaft, die gMs- wärtig in Frankfurt tagt, hat den Versuch ge­macht, mit Rücksicht auf den ungünstigen Ein­fluß des Biertrinkens auf die Anforderungen an die Unfallberufsgenoffenschast die Herabsetzung des Frei-Haustrunkes bei den Brauereien durch­zusetzen. Die Berufsgenoffenschast ist damit aber bei den Brauereien auf Widerstand gestoßen, weil diese befürchten, daß die Arbeiter nach Ab­schaffung dieser Vorteile mit erhöhten Lohn­forderungen kommen würden. Da den Unfall­berufsgenossenschaften in dieser Frage keinerlei Machtmittel zur Verfügung stehen, hat chre Haltung nur einen ideellen Wert.

* Hamburg. 5. Juli 1904. Der regierende Bürgermeister Dr. Hachmann ist in der ver-