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31. Jahrgang

Krlda, Montag, den 4. Juli 1904

J£ 149.

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Ausland

vom Vorstandsrate beschlossene« vorläufigen Bei­tritt zu der Vereinigung ihre Zustimmung; fie erblickt aber den Hauptwert nicht in dem anzu- streber.den Kartell-Verhältnis zur Hauptstelle des Zentral-Verbandes, sondern in dem durch diese Vereinigung geschaffenen, die Selbständigkeit der Arbeitgeber - Verbände gewährleistenden Gegen­gewicht."

(::) Nassau als „BundeSstaat". In Naffau zirkuliert eine Massenpetition an das Abgeordnetenhaus zu gunsten der naffauischen Simultan sch ule, die „schon bald neunzig Jahre geführt" sei. Ja der Petition heißt es: „Wohl kein Bundesstaat hat beffere Schulen aufzuweisen." Wir raten, so bemerkt dozu mit treffender Ironie die,Kreuzzeitung', dringend ab, diese Petstion einzureichen; je mehr Unterschriften fie findet, desto deutlicher wird fie die Unzu­länglichkeit der naffauischen Schulbildung be­weisen; wenigstens lehrt man in allen anderen Schulen übereinstimmend, daß es seit 1866 einen Bunde! staat Naffau nicht mehr gibt.

* Ein allgemeiner deutscher Jnuuvgs- «ud Haudwerkertag wird vom 28. bis zum 30. August in 'Magdeburg stattfinden. Auf der Tagesordnung steht: Schutz der Arbeit­geber gegen frivole Schädigungen seitens der Arbeiterorganisationen durch Arbeitsein­stellungen und Betriebssperren; Schutz der Ar­beitswilligen und Bestrafung des Kontraktbruches, Verpflichtung der Berufsoereine und Verbände zum Ersatz des Schadens, welcher bei Gelegen­heit oder aus Anlaß von Ausständen und Sperren durch deren Beamte und Mitglieder, bezw. durch von denselben angestellte Streikposten verursacht worden ist, Verbot des S t r e i t p o st e n- st eh ens. Weitere Verhandlungsgegenstände find u. a. noch Sicherheitsstellung der Bauhand­werkerforderungen, strengere Handhabung bezw. Verschärfung des Gesetzes gegen den un­lauteren Wettbewerb, Regelung des Sub­missionswesens, das Handwerk und die Waren- hauSfrage, Befähigungsnachweis für das Bau­gewerbe und das Schmiedehandwerk, die Arbeits- losen Versicherung und schließlich die deutsche Mittrlstandspartei.

* Für die geistliche Schulaufsicht tritt in einem längeren Artikel die .Kreuzzeitung' ein. Sie resümiert: „Wird die technische Kreis­schulaussicht überall durchgeführt, nicht nur dort, wo eigenartige konfessionelle Verhältnisse dieses erforderlich machen, dann ist große Gefahr vor­handen, daß die Schule der bureaukratischen Verknöcherung anheimfällt. Dieser Prozeß wird mit Notwendigkeit eintreten. Auch der von den besten Abfichten für die Schule beseelte technische Kreisschulinspektor wird schließlich doch vor dem Bureaukratismus die Waffen strecken müssen. Darum, wem wirklich an der Freiheit unserer Schule etwas liegt, möge sich be­denken, in den jetzt allgemein erhobenen Ruf „Weg mit der geistlichen Schulaufsicht" mit ein­zustimmen. Die geistliche Schulaufsicht ist ein Bollwerk gegen die drohende bureau- kratische Verknöcherung unseres Schul­wesens." — Gewiß, der Grund ist gut. Wir treten aber aus noch höhere» Gesichtspunkten für die geistliche Schulaufsicht ein.

deren Reber betrieben ihre Gründe, ihre Vorzüge und Gefahren, insbesondere für Gesundheit und Sittlichkeit, sowie die Wege zweckmäßiger Be­kämpfung dieser Gefahren mit den Landesregie­rungen in Verbindung zu treten und die Ergeb­nisse dr vorgenommenen Ermittelungen dem Reichstage mitzuteilen. — Gemäß dem Beschlüsse des Bundesrats vom 23. v. M. hat der Staats­sekretär des Innern nun den Bundesregierungen vorgeschlagen, der Resolution des Reiwstags Folge zu geben und zunächst über den Umfang und die Art jener Kinderbeschäftigung eine Auf­nahme durch die Lehrer der öffentlichen Volks- schulen unter Zugrundelegung eines emleilichen Formulars am 15. November d. I. stattfinden zu lassen. Die Erhebung soll stch auf diejenigen volksschulpflichtigen Kmder erstrecken, welche im Laufe des JahreS vorn 15. November 1903 bis 14. November 1904 im Haushalt oder in der Landwirtschaft und deren Nebenbetriebcn gegen Lohn beschäftigt wurden. Durch die Ermittlungen soll festgestellt werden, in wikvielen Wochen die Kinder beschäftigt waren, sowie ob sie in den einzelnen Wochen bis zu drei Tagen oder über drei Tagen und an den einzelnen Tagen bis zu drei Stunden oder über drei Stunden beschäftigt waren. Außerdem ist besonders zu ermitteln, wieviele von den Kindern außerhalb der Ferien­zeit zeitweise mehr als sechs Stunden täglich be­schäftigt wa^en, an wieviel Tagen durchschnittlich in der Woche, in wieviel Wochen durchschnittlich und mit welchen Arbeiten vorzugsweise. Bei der Beschäftigung von Kindern mit land- und forst, wirtschaftlichen Arbeiten wird ferner eine Angabe darüber verlanat, zu welchen verschiedenen Arbeiten die einzelnen Kinder verwendet wurden. Endlich wird eine Sonderung der Angaben nach dem Ge­schlecht und nach Altersklassen gefordert, wobei zwischen den Kindern im Alter von unter 10 Jahren, solchen im Alter von 10 bis 12 Jahren und solchen über 12 Jahren unterschieden werden soll. Die Verarbeitung des entstehenden Materials soll durch das Kaiserliche Statistische Amt er­folgen ; indessen bleibt es den Bundesregierungen Vorbehalten, die Erhebungen für ihr Staatsgebiet durch Landesbehörden zusammenstellen zu lassen und hierauf lediglich die Gesamtübersicht mit dem zugrunde liegenden Materiale dem Kaiserlichen Statistischen Amte einzusenden.

*, Die Einigung der deutscheu Arbeit­geber gegen die Sozialdemokratie ist m i ß g l ü ck t. Herr B neck, der bekanntlich gleichzeitig der Ge­schäftsführer des Zentral - Verbandes der Indu­striellen und der „Hauptstelle deutscherAr- beitgeber-Verbände" ist, macht jetzt gegen den Konkurrenz-Verband, den „Verein deutscher Arbeitgeber-Verbände", mobil. In einem Schreiben an die industriellen Vereine Deutschlands teilt er mit, daß der Verein deutscher Arbeitgeber-Ver­bände, der sich in Berlin gebildet hat, mit der Hauptstelle deutscher Arbeitgeber-Verbände weder identisch ist, noch zu ihr bisher in Verbindung steht. In jenem Verein hätten sich im wesent­lichen drei industrielle Arbeitgeber-Verbände mit Organisationen des Handwerkes zusammengeschlos­sen, während die Hauptstelle deutscher Arbeitgeber- Verbände, unter Anknüpfung und Wahrung freund­schaftlicher Beziehungen zu den Handwerker-Or­ganisationen, ihre Tätigkeit auf die Industrie zu beschränken beabsichtige. Die Organisation der an die Hauptstelle deutscher Arbeitgeber-Verbände angeschloffenen industriellen und örtlichen Ver­einigungen schreite inzwischen rüstig fort. Sehr muß es die Hauptstelle verdrießen, da der Zentral- Verband der Industriellen gerade in dem Boden des Westens seine stärksten Wurzeln getrieben hat, daß der Verband der Arbeitgeber im bergischen Industrie-Bezirke den Anschluß an dieHauptstelle abgelehnt hat. Dieser Verband hat sich über folgende Resolution geeinigt: „Die Hauptver­sammlung des Verbandes von Arbeitgebern im bergischen Industrie-Bezirke spricht ihr Bedauern darüber aus, daß die auf eine Vereinigung der gesamten deutschen Arbeitgeberschast gerichteten Beschlüsse der Berliner Delegierten-Versammlung vom 17. Januar 1904 infolge des einseitigen Vorgehens des Zentral-Verbandes deutscher In­dustrieller vorläufig nicht zur Ausführung gelangt sind; sie billigt den von'Dem Vorstandsrate des Verbandes einstimmig gefaßten Beschluß, der von dem Zentral - Verbände geschaffenen Hauptstelle nicht beizutreten und hält nach wie vor daran fest, daß eine Zusammenfassung der deutschen Arbeitgeber-Verbände zu em er selbständigen Zen­trale unter Ausschluß aller politischer und wirt­schaftspolitischen, insbesondere aller zoll- und handelspolitischen Aufgaben, für die deutsche In­dustrie ein dringendes Bedürfnis ist. Als einen Schritt auf diesem Wege begrüßt die Hauptver­sammlung die am 16. Mai 1904 in Berlin voll­zogene Gründung einer „Freien Bereinigung" der der Hauptstelle des Zentral-Verbandes nicht deigetretenen Arbeitgeber-Verbände und erteilt dem

* Der hl. Baler hat den Kardinal Vincento Vanutelli mit einer Mission an den König Eduard von England betraut, die wie verschiedene Blätter wissen, eine große politische Tragweite haben dürfte. Wie verlautet, soll England seine Zugeständnisse für die Katholiken Irlands und der katholischen Mission in den englischen Kolonien, sowie bezüglich des Protektorats der Missionen im Osten bewilligt erhalten. Der Papst wolle das Protektorat in Asien auch formell von Frankreich ablösen.

* In der italienische« De puti erteukammer stand gestern zur Verhandlung eine Vorlage, betr. vorläufige Anwendung der Handels­übereinkommen. Ministerpräsident Giolitti erklärte, die Regierung müsse sich in der delikaten Frage der Handelsverträge große Zurückhaltung auferlegen; er bittet, in der Debatte darauf Rück sicht zu nehmen, und spricht die Hoffnung aus, daß die Redner darauf verzichten werden, bezüg­lich der Fragen, die die Erneuerung der Handels­verträge betreffen, in Einzelheiten einzugehen (Beifall.) Der Ministerpräsident erklärte ferner es handle sich bei der Vorlage um eine Frage H Vertrauens. Es werden mehrere Tagesord­nungen eingebracht, darunter eine von Califfano, welche besagt: Die Kammer hat bezüglich der Handelsvertragsverhandlungen volles Vertrauen zur Regierung und geht zur Tagesordnung über. Diese Tagesordnung wird in namentlicher Ab­stimmung mit 205 gegen 26 Stimmen und dann die Vortage selbst in geheimer Abstimmung mit 206 gegen 23 S immen angenommen. Das Haus vertagt sich darauf auf unbestimmte Zeit.

* Zu den Kröauugsfeierlichkeiten des König- Peter von Serbien soll, wie verlaute:, ein russischer Großfürst mit zahlreichem Gefolge als Vertreter des Zaren entsandt werden.

* Zum Stande der Tibetfrage wird aus Gyanzlse, 1. Juli, telegraphiert: „Ais General Macdonald nach dem von den Tibetanern crbetenen Waffenstillstand ferne Operationen wieder auf­nehmen wollte, erschien ein hoher bhutanefischer

• Der mMch-WünWe Krieg.

Eine private Meldung der Ruff. Telegr.-Ag. aus Liaujang vom 1. d. Mts. besagt: „Die Japaner ziehen sich aus ihren Stellungen in den Pässen zurück. Der Zweck ihrer Bewegung auf Lrautung zu war offenbar, den Marsch der Armeen ton Oku und Kuroki gegen Finschuanlschöng zu decken. D-rch letzteren Marsch sollte die Operalionslinie nach Korea zu zmückgeschoben werden, angesichts der Ver­stärkungen, die die Ruffen erhalten hatten, sowie angesichts der Gefahr, von den Russen auf der Halbinsel Kwantung eingeschlossen zu werden."

In Tokio rerlautet mit Bestimmtheit, daß Admiral Kamimura letzte Nacht das Wladiwostok-Geschwader bei der Insel Tsufchimn gesichtet und angegriffen habe. Hebet daS Ergebnis des Kampfes ist nichts bekannt.

Der Petersburger .Regierungsbote' veröffent­licht folgendes Telegramm aus Ltaojang, 1. d.: Am 26. Juni besetzten wir den Dali«paß mit 5 Bataillonen und 16 Geschützen; am 27. Juni früh griffen die Japaner unsere Stellung mit etwa einer Division Infanterie und drei Batterien an. Das Treffen war kurz aber herß. Als die Streitkräfte und die Absichl des Feindes, unsere rechte Flanke zu umgehen, klargestellt war, räumte General Lewestan den Paß und zog sich in eine Stellung bei Siutschen zurück. Der Gegner stellte aber den Angriff auf den Paß ein, der von unseren Truppen wiederum besetzt wurde. Unsere Verluste be­

tragen: 1 Mann tot, 12 verwundet. Am 27. Juni griffen die Japaner auch die Trupps» deS Grafen Keller an, welche den Modulinp ß räumten und sich nach Tithe zurückzogen. D-r Angriff wurde abgeschlagen. Am 27. Juni > e- stans die Abteilung des Generals Mi.chtschenta, bei der ich mich vom 23. bis 29 Juni be­fand, abermals einen Kampf bei Scchoton. DieS war der dritte Versuch, unsere berittene Vorhutabteilung aus ihrer Position zu verdrängen, welche bett Japanern den Ausgang auf die Straße Kutzandsi - Tantschi—Taschitschiao ver­sperrte, nachdem die ersten zwei Versuche am 23. und 26. Juni stattgefunden hatten. Die bm Versuche waren durch steigende Intensität ge­kennzeichnet, ba der Feind fortwährend Zuzug durch neue Truppe erhielt, doch wuchs dadurch auch unser Widerstand. Der Kampf war vor­herrschend Artilleriekampf. Durch sicherest,Feuer zeichnete sich die transbaikalische Kosakenbatter e aus, die beteiligte Gebirgsbatterie ging mit großer Kühnheit vor, und ein Zug einer berittenen Batterie sprengte mit Selbstaufopferung die Höll- des Sawhotaipaffe hinan. General Mischtschenki erwartet ein neues Treffen für den 28. Juni doch wagen die Japaner nach den augenscheinliä bedeutenden Verlusten, welche sie durch unser Artilleriefeuer erlitten hatten, keinen neuen An griff und zogen sich ein Stück zurück. Die Ver­luste der Abteilung Mischschenko am 27. Juni waren: 1 Offizier und 5 Mann tot, 58 Manu verwundet. — Am 27. Juni mittags lief die Meldung ein, daß General v. Rennenkampf sich bei Senjutschen in einen heißen Kampf eingelassen habe. — Die gegen die Mandschureiarmee tätigen Streitkräfte der Japaner werden im ganzen auf acht ober neun Divisionen mit einigen Reservebrigaben geschätzt, welch letztere bereits jetzt ins Vvrbertreffen geführt worben seien.

W. Tokio, 4. Juli 1904. (Reuter.) Ad­miral Togo berichtet, Montag nacht wurde ein russisches Wachtschiff, das einem Schlacht­schiff ähnlich sah, bei der Hafeneinfahrt vor Port Arthur durch einen Torpedo zum Sinken gebracht. En russischer Tor- pedobootszerstörer wurde ebenfalls in den Grund gebohrt.

W. Tokio, 4. Juli 1904. (Reuter.) Das russische Wladiwostok-Geschwader entkam Freitag abend der Verfolgung deS Admirals Kamimura.

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Deutsches Reich.

Berlin, den 2. Juli 1904.

Das Herrenhaus hat heute sein Siegel roter das Ansiedelungsgesetz gesetzt. Es nuß ihm nachgerühmt werden, daß es wenigstens richt in so unwürdiger Weise bei der Beratung oorging, wie die M hrheit des Abgeordneten- Hauses. Man ließ den Gegner wenigstens zu Worte kommen und störte ihn nicht durch lärmende Unterhaltung und wüstes Geschrei. Neues kam in der Verhandlung natürlich nicht zu Tage. Das stellte auch Minister Frhr. von Hammerstein nach einer längeren lebhaften Rede des Herrn v. KolcielSki mit schmunzelndem Be­hagen fest. Fühlte er sich doch dadurch der Ver­pflichtung überhoben, seinerseits einen neuen Ge­danken zu offenbaren. Er wiederholte, der § 13b fei nicht gegen alle Polen, sondern gegen die illoyalen gerichtet. Lande!Hauptmann v. Dziem- bowSki, der für daS Gesetz war, quälte sich hauptsächlich mit dem „Beweise" ab, daß keine Derfaffungsverletzung oorliege. Seltsam war feine Argumentation: Daß die Verfaffungs- dedenken widerlegt seien, könne man schon daraus ersehen, daß die Gegner das Gewissen anriefen. Also wenn jemand an die Gewissenhaftigkeit deS Herrn v. Dziembowski appelliert, so hat er un­recht! An den Erfolg des Gesetzes schien auch er nur halb und halb zu glauben. Daß man nur mit Unbehagen an das Gesetz herangegangen ist, bezeugte wiederum Graf Botho Eulenburg. Gegen daS Gesetz, insbesondere gegen § 13 b ftirach sich nochmals Graf Oppersdorff aus. Gegen 10—12 Stimmen bei ziemlich schwach be­setztem Hause wurde die Vorlage angenommen. Am Montag nachmittag erfolgt, wie jetzt fest­steht. die Vertagung.

* Ter Kolonialrat hielt am SamStag wieder eine Sitzung ab und beriet den Etat für Deutsch Ostafrika. Hauptgeaenstand der Beratung bildete die Gefahr der Ausbreitung deS Islams In Zentralofrika und die Besiedelung des Schutz« gebietes durch Weiße, sowie die Schaffung einer letzten Instanz für die Schutzgebiete in der Hei- Eit. In der Spezialdebatte wurde unter an» rem besprochen: Die Instandhaltung der deut­en Dampfer auf den Binnenseen und die Ent- vickelung des landwirtschastlich-biologischen In- lituts in Amani. Bei der Beratung des Etats ür Neuguinea wurde die Anlage eines botanischen partens im Schutzgebiete einstimmig angenommen. Ohne Debatte wird der Etat der Karolinen, Marianen und Palaoinseln erledigt. Bei Beratung ses Etats für Samoa wird ein Areal für einen botanischen Garten in Aussicht gestellt. Der An­trag auf planmäßige Bearbeitung der Landes« ärnde der Schutzgebiete wird an eine sechsgliedrige Kommission verwiesen. Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg dankte hierauf dem Vorsitzenden für die Leitung der Geschäfte. Dieser dankte dem Kolonialrat für die der Verwaltung aewährte Unterstützung.

? ** Die sozialreformatorische „Trirche". Die freikonservaiioe Partei hat sich stets von sozialpolitischen Anwandlungen frei gewußt; ein rchter Anhänger dieser Partei muß es direkt als r»ne Beleidigung empfinden, wenn jemand ihm rachsagen würde, er habe Anlage zur sozialen öeiahgung. Hätte noch jemand daran zweifeln »ollen, daß es gar so arg bei der Partei steht, »ann würde ihr jetzt die,Post', jene freikonseroative Tageszertung, in der früher der Geheimrat v. Zedlitz offen und heute insgeheim neben allerlei Heineren Geistern fein Wesen treibt, eines Besseren belehrt haben. Das Blatt redet nämlich angesichts des Empfanges, den Graf Posadowsky, der Staatssekretär im Reichsamt des Innern, den Teilnehmern des evangelischen praktischen Aus- bildungskursus, hat zuteil werden lassen, von einer „fozialreforrnatorischen Seuche". Zu Gunsten der Leser der ,Poft' braucht aller­dings keine Sozialpolitik getrieben zu werden; die haben für ihre Person die soziale Frage sorgsam bei der Wahl ihrer Eltern gelöst. Not- «endig ist es allerdings nicht, daß sie daraus Sie Folgerung herleiten, man brauche sich um die Notlage anderer, weiter Volks kreise nicht zu kümmern.

** Zum Entwürfe des Gesetzes betr. Kinder­arbeit in gewerblicher» Betriebe« hatte der Reichstag in der Sitzung vom 23. März v. I. die Resotution gefaßt, den Reichskanzler zu ersuchen, zum Zweck von Erhebungen über den Umfang und die Art der Lohnbeschäftigung eon Kindern im Haushalte (Aufwartung, Kinder­pflege u. bergt), sowie in der Landwirtschaft und